PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : H.G. Wells - Krieg der Welten


Verräter
16.06.2008, 17:13
1898 erschien womöglich der Urvater aller Alien Romane: Krieg der Welten. Ein Buch, das auf jeden Fall mindestens einen Thread verdient.

=hotlink entfernt=
(Cover des War of the Worlds - Hörspiel von Jeff Wayne 1978)


Die Geschichte erweist sich als zu beginn relativ simpel: Ein riesiger Zylinder fällt wie ein Meteor eines Nachts aus eine Weide, neben dem Dorf in dem der Protagonist (Der Ich-Erzähler) lebt. Als einer unter vielen Schaulustigen macht er sich auf den Weg dorthin und erlebt den Aufstieg der ersten Kriegsmaschine, der schon sehr bald mehr folgen. Zu beginn bleibt es dabei, dass die Marsleute die Grube um ihren Zylinder verteidigen, und alles vernichten was sich zu nahe an sie heran wagt.
Zwei Tage später beginnt dann der Aufmarsch der Kriegsmaschinen, die auf drei langen Beinen laufen, dabei aber ungeheuer grazil wirken und die alles mit einer Art "Hitzestrahl" vernichten. Die Hauptperson flüchtet mit seiner Frau nach Leatherhead zu verwandten, beschließt dann aber, getrieben von unbändiger Neugier, wieder zurück zu seinem Heimatdorf zu gehen - Allein.
Dort muss er dann mit ansehen, wie Hilflos das Militär einen Widerstand leistet, der zum Scheitern verurteilt ist. Für ihn beginnt eine Flucht vor den Marsleuten, während er versucht zurück nach Leatherhead, zu seiner Frau, zu gelangen es ihm aber unmöglich scheint.

Besonders Positiv aufgefallen ist mir hier die Objektivität, mit der Wells über die Marsleute spricht. Er zeigt ihre Grausamkeit gegenüber den Menschen genau auf, weist aber gleichzeitig auf den Mensch selbst hin, der sich gegenüber z.b. Schlachttieren ebenso verhält. Und gleichzeitig redet er über den Mars, und seine Beschaffenheit (Ich bin mir jetzt nicht sicher wieviel man über den Mars in diesen Jahren wusste und ob er sich daran gehalten hat, oder ob auch dies mehr zu den Sci-fi Gedanken zählt) und stellt seine Vermutungen auf, der Planet wäre womöglich einst so voller Leben wie die Erde, sei nun aber am sterben und zwänge die Marsmenschen (im Kampf um ihr eigenes Überleben) dazu zu handeln, sich einen neuen Planeten zu suchen - unseren Planeten. Alles in allem baut er einen schrecklichen Feind auf, verhindert aber dass man diesen als Leser "hassen" kann, sondern viel eher sich selbst ansieht. Schon allein diese Tatsache macht das Buch besser als die meisten anderen die ich kenne.
Ebenfalls absolut Positiv müssen die, wenn auch seltenen, Kämpfe zwischen Menschen und Kriegsmaschinen erwähnt werden, die so fabelhaft beschrieben sind, dass sich in meinem Kopf sofort ein nicht zu stoppender Film gebildet hat. Aus der Sicht eines Mannes, in den man sich (zumindest in diesen Szenen) deshalb so gut hinein versetzen kann, weil er alles andere als ein Held ist, sondern von Angst gepackt zwischen den Fronten um sein eigenes Leben kämpft.

Weniger gefallen hat mir die "unpersönlichkeit" des Buches. Ich kenne bis zum Schluss weder den Namen des Ich-Erzählers, seiner Frau oder des Kuraten, mit dem er eine ganze Weile gemeinsam reist. Gefühle werden kaum geschildert, eigentlich fast überhaupt nicht. So kommen dann auch bei dem Tod von Personen keinerlei Gefühle im Leser auf, etwas schade wie ich finde. Auch gibt es viele sehr langatmige Stellen, in denen einfach nichts passiert. Und damit meine ich wirklich überhaupt nichts. (!) An diesen Stellen, in diesen Kapiteln, ist das Lesen dann mehr qual als Freude, was aber durch die ein oder andere wirklich spannende Szene wieder wett gemacht wird.

Am besten jedoch haben mir persönlich die Nebeninformationen gefallen, die der Autor immer wieder einstreut. Dinge, die wie er selbst betont "damals noch nicht wusste" über die Marsmenschen und ihre Technologie. Daher für mich, alles in allem, ein empfehlenswertes Buch, welches ich gern gelesen habe und wieder lesen würde.

Das Buch wurde übrigens mehrfach verfilmt und bietet den Hintergrund für zwei Hörspiele, von denen eines ganz besonders bekannt ist: Am 30. Oktober 1938 lief das Hörspiel im Amerikanischen Radio, dass wie ein normales Radioprogramm aufgezogen wurde, das von "Direktreportagen" und "Sondermeldungen" unterbrochen wurde. Die Handlung wurde dabei in "moderne Amerika" verlegt. Angeblich sollen 6 Millionen dieses Hörspiel verfolgt und ein drittel davon es für bare Münze genommen haben, gefolgt von einer Massenhysterie. Angeblich soll es dabei auch Tote gegeben haben, was aber keine eindeutig fest stehenden Fakten sind.

Die letzte Verfilmung lief erst vor ein paar Jahren in den Kinos, war aber derart von Special Effects zugemüllt, dass man von der eigentlichen Handlung kaum noch etwas mitbekam. (Dennoch sieht der Film, auch wenn er inhaltlich nicht sonderlich gelungen ist einfach toll aus :D )

Haramis
16.06.2008, 17:47
Weniger gefallen hat mir die "unpersönlichkeit" des Buches. Ich kenne bis zum Schluss weder den Namen des Ich-Erzählers, seiner Frau oder des Kuraten, mit dem er eine ganze Weile gemeinsam reist. Gefühle werden kaum geschildert, eigentlich fast überhaupt nicht. So kommen dann auch bei dem Tod von Personen keinerlei Gefühle im Leser auf, etwas schade wie ich finde.


Auch in The Time Machine trägt der Protagonist, der Zeitreisende, keinen Namen. Gehört wohl zum Stil von H.G.Wells. Allerdings gibt es viele Romane, ungefähr zu dieser Zeit geschrieben, die relativ unpersönlich bleiben. Warum, weiß ich nicht. Vielleicht hatten die Autoren das Gefühl, dass durch die Technisierung in Europa die Welt unpersönlicher, anonymer wird.
Ist bestimmt in der Sekundärliteratur nachzulesen.

Weltenwanderer
23.07.2008, 22:59
Ich habe es zwar nicht ganz durchgelesen, weil mir die Zeit gefehlt hatte ("Felix Krull" musste für den Deutsch LK gelesen werden... seitdem bin ich nicht mehr dazu gekommen). Aber was ich gelesen hatte, fand ich äußerst beeindruckend und hat mir erneut bestätigt, dass Sci Fi aus dem 19. Jahrhundert einfach nur cool ist (siehe Jules Verne).

Ich finde das Buch vor allem wegen seiner zweiten Deutungsebene toll: Wells soll den War of Worlds ja tatsächlich geschrieben haben, um die britische Kolonialpolitik zu kritisieren. Sowas ist genau mein Fall.

Die neueste Version von Spielberg find ich übrigens gar nicht mal so schlecht, wenngleich mich der Pathos und Tom Cruise sehr genervt haben, außerdem sein dämlicher Filmsohn. Mit dem Buch hat das Ganze zwar meiner Meinung nach wenig zu tun, aber diese gigantischen Tripods der Marsianer waren die furchteinflößendste machanisierte Vernichtungsmaschinerie, die ich seit den Walkern aus Das Imperium schlägt zurück gesehen habe.

Nina
21.01.2009, 18:56
Ist sicher ein super Buch. Mein Problem war nur, dass ich das gerade angefangen hatte, als ich mit Lems Erstling "Der Mensch vom Mars" fertig war. Und da dachte ich mir dann: "Nein, nicht schon wieder das, ich halts nicht mehr aus!" Dabei dürfte wohl auch klar sein, wer da wenn dann abgekupfert hat. Vielleicht sollte ich mal wieder einen Versuch mit diesem Klassiker wagen.