ZanIzuNES
17.06.2008, 21:52
So, nun habe ich mal eine kleine Fingerübung verfasst. Selbstverständlich hoffe ich auf eure gnadenlose Kritik, und dass es euch gefällt.
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Die Mutprobe
Der Wind zerrte an Jorris Haaren und stemmte Böe um Böe gegen den kleinen ausgemergelten Körper, der wie eine Spinne zwischen den schwarzen Küstenfelsen hing. Immer wieder musste der Junge sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht wischen. Vorsichtig tastete er sich weiter nach unten, die Finger mit aller Kraft ins Gestein gekrallt. Alle seine Gedanken waren darauf gerichtet, dass er seine nackten Füße nicht an den scharfkantigen Steinen verletzte, die bis hinunter zum Strand reichten.
Nur das Tosen der Brandung übertönte das Rauschen in seinen Ohren. Der Mond war noch nicht aufgegangen. Er atmete den Geruch von nassem Seetang und Meer ein. Die salzige Luft trieb ihm die Tränen in die Augen. Seine Arme zitterten, weil seine Kräfte immer mehr nachließen. Als er endlich den Fuß der Klippen erreicht hatte, hielt er einen Augenblick inne, um zu verschnaufen. Dann versuchte er die Länge der Strecke zu schätzen. Wenn es ihm nur gelänge den Strand zu überqueren, ohne von den Hunden geschnappt zu werden …
Doch noch war der Weg nicht geschafft. Sein Herz hämmerte wie wild. Er wusste, dass er der Schmächtigste aus der Kniebrechgasse war, wo die Straßenkinder unter Mauervorsprüngen und Treppenverschlägen schliefen. Jorris zählte gerade einmal acht Sommer. Sein Magen zog sich schmerzhaft zusammen, als er an die warme Mahlzeit und das Lager im Keller eines Hauses dachte, die Tjurin ihm versprochen hatte. Ein königlicher Preis für einen Betteljungen ohne Dach über dem Kopf.
Entschlossen rannte er los. Sand und Brandung dämpften den Hall seiner Tritte, die wie winzige Trommelschläge auf den Boden hämmerten. Der Wind arbeitete für ihn und trieb seinen Geruch fort von den zottigen Ungetümen, die bei Dunkelheit durch die Straßen und über das Meeresufer streunten. Sie gehörten zu einer wilden Rasse mit stumpfer Schnauze und scharfen Zähnen.
Die Bürger der Hafenstadt glaubten an den besonderen Schutz durch die Hunde und so kam es, dass unzählige Tiere die Bucht zwischen Hafenviertel und Feuerturm besiedelt hatten. Die meisten waren herrenlos und verwildert, und selbst die, die einem Herrn gehorchten, wurden des Nachts auf die Straße entlassen. So mancher Dieb hatte ein paar Finger verloren, weil ihn die tierischen Wächter der Stadt gestellt hatten. Tjurin gab damit an, dass ihm der kleine Finger an der rechten Hand fehlte. Doch ein Diebstahl war nicht Jorris Aufgabe. Noch nicht! Wer in Turebarg stehlen wollte, musste zuerst die Hunde besiegen.
Deshalb rannte Jorris über die Sandmatte des Strandes, die felsige Wand links von sich, das Grollen der schwarzen See auf der anderen Seite. Ein Gefühl nie gekannter Freiheit überkam in und beflügelte seinen Lauf. Tjurin würde Augen machen. Doch mit einem Mal, stoppte Jorris ab, kauerte sich nieder und lauschte, die dunklen Klippen immer fest im Blick.
Ab hier begann das Reich der Hunde. Angestrengt starrte Jorris in die Dunkelheit. Hie und da schmiegte sich Fellbündel an Fellbündel, schlafend eingerollt in einer von Meerwasser ausgewaschenen Mulde. Wie durch ein Wunder regte sich keiner der grauen Schatten, hob sich kein Kopf mit grün schillernden Augen. Etwas vorsichtiger und bedachter, folgte Jorris weiter dem unsichtbaren Pfad entlang des Ufers zum vereinbarten Treffpunkt.
Bald lag die Hälfte des Weges hinter ihm und noch immer hatte ihn keines der Tiere bemerkt. Für eine Sekunde beschlich Jorris ein unheimliches Gefühl, dann meldete sich knurrend sein Magen. Was half es, sich zu sorgen? Damit beschleunigte Jorris seine Schritte.
Endlich tauchte in der Ferne ein winziger Lichtschimmer auf. Das sanfte Glühen einer Öllampe, verborgen unter Segeltuch. Dort wartete jemand, wie es abgesprochen war. Jorris Füße flogen nun wieder über den Sand. Das Rollen des Meeres und das Summen seines Blutes verbanden sich zu einem berauschenden Lied. Als der Mond sein bleiches Angesicht über den Horizont schob und das Ufer in sein silbriges Licht tauchte, hätte Jorris am liebsten laut aufgejauchzt. Dies war seine Nacht! Jorris, der Schwächling würde es allen zeigen!
Nur noch wenige Schritte trennten ihn von seinem Ziel, einer kleinen Felsengruppe, die das Ende des Strandes markierte. Dahinter ging das Ufer in ein spitzkantiges Gewirr aus Steinen und Felsbrocken über. Jorris hielt auf den Lichtschein zu und passierte einen kleinen Felsen.
Plötzlich fuhr eine klauenbewehrte Hand draus hervor und grub sich in seinen Kragen. Der ganze Stein geriet in Bewegung und entfaltete sich zu einem fünf Ellen langen Ungetüm mit spitzen Ohren und gepanzerter Rüstung. Jorris reagierte instinktiv. Er krallte sich an den Arm und biss in ledrige, übel riechende Haut. Ohne Erfolg.
Er schlug und trat um sich, mit Tränen in den Augen, als seine viel zu kurzen Arme und Beine das Ziel verfehlten. Jorris wollte schreien, doch sein Häscher packte ihn so fest, dass ihm die Luft aus den Lungen gepresst wurde und ihm lediglich ein jämmerliches Quieken entfuhr. Die Kreatur schüttelte den Jungen, als hielte sie einen Sack Stroh in den Händen, dann folgte ein Schlag. Jorris verlor die Besinnung.
Die Hand des Fängers sackte herab, kraftlos. Ohne ein Wort zu sagen, streckte der Ork seinem Meister das zerbrechliche Bündel entgegen. Der Blick des Ungeheuers ging in weite Ferne. Wo sonst Bosheit aufblitzte, herrschte eigentümliche Leere.
„Gut! Bring ihn zu den anderen oben an der Straße!“, zischte der Mann, der die Kapuze seiner schwarzen Kutte tief ins Gesicht gezogen hatte. Für einen winzigen Augenblick leuchtete der nachtschwarze Stein am Hals des Ork auf, dann warf er sich den Jungen über die Schultern und kletterte behände die Felswand hinauf.
Der Fremde lächelte zufrieden. „Die Minen im Hinterland warten schon!“.
Das Erz, das sie dort förderten, brachte auf dem Markt eine hohe Summe ein. Niemand fragte danach, wie es geborgen wurde, genauso wenig, wie sich jemand die Mühe machen würde den Jungen zu suchen.
Rasch wandte sich der Magier um und kehrte im Schatten der Felsen zurück in die Stadt. Hinter ihm erwachten die Hunde aus ihrem unfreiwilligen Schlaf, streckten die knorrigen Glieder und hoben die Nasen in den Wind.
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Die Mutprobe
Der Wind zerrte an Jorris Haaren und stemmte Böe um Böe gegen den kleinen ausgemergelten Körper, der wie eine Spinne zwischen den schwarzen Küstenfelsen hing. Immer wieder musste der Junge sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht wischen. Vorsichtig tastete er sich weiter nach unten, die Finger mit aller Kraft ins Gestein gekrallt. Alle seine Gedanken waren darauf gerichtet, dass er seine nackten Füße nicht an den scharfkantigen Steinen verletzte, die bis hinunter zum Strand reichten.
Nur das Tosen der Brandung übertönte das Rauschen in seinen Ohren. Der Mond war noch nicht aufgegangen. Er atmete den Geruch von nassem Seetang und Meer ein. Die salzige Luft trieb ihm die Tränen in die Augen. Seine Arme zitterten, weil seine Kräfte immer mehr nachließen. Als er endlich den Fuß der Klippen erreicht hatte, hielt er einen Augenblick inne, um zu verschnaufen. Dann versuchte er die Länge der Strecke zu schätzen. Wenn es ihm nur gelänge den Strand zu überqueren, ohne von den Hunden geschnappt zu werden …
Doch noch war der Weg nicht geschafft. Sein Herz hämmerte wie wild. Er wusste, dass er der Schmächtigste aus der Kniebrechgasse war, wo die Straßenkinder unter Mauervorsprüngen und Treppenverschlägen schliefen. Jorris zählte gerade einmal acht Sommer. Sein Magen zog sich schmerzhaft zusammen, als er an die warme Mahlzeit und das Lager im Keller eines Hauses dachte, die Tjurin ihm versprochen hatte. Ein königlicher Preis für einen Betteljungen ohne Dach über dem Kopf.
Entschlossen rannte er los. Sand und Brandung dämpften den Hall seiner Tritte, die wie winzige Trommelschläge auf den Boden hämmerten. Der Wind arbeitete für ihn und trieb seinen Geruch fort von den zottigen Ungetümen, die bei Dunkelheit durch die Straßen und über das Meeresufer streunten. Sie gehörten zu einer wilden Rasse mit stumpfer Schnauze und scharfen Zähnen.
Die Bürger der Hafenstadt glaubten an den besonderen Schutz durch die Hunde und so kam es, dass unzählige Tiere die Bucht zwischen Hafenviertel und Feuerturm besiedelt hatten. Die meisten waren herrenlos und verwildert, und selbst die, die einem Herrn gehorchten, wurden des Nachts auf die Straße entlassen. So mancher Dieb hatte ein paar Finger verloren, weil ihn die tierischen Wächter der Stadt gestellt hatten. Tjurin gab damit an, dass ihm der kleine Finger an der rechten Hand fehlte. Doch ein Diebstahl war nicht Jorris Aufgabe. Noch nicht! Wer in Turebarg stehlen wollte, musste zuerst die Hunde besiegen.
Deshalb rannte Jorris über die Sandmatte des Strandes, die felsige Wand links von sich, das Grollen der schwarzen See auf der anderen Seite. Ein Gefühl nie gekannter Freiheit überkam in und beflügelte seinen Lauf. Tjurin würde Augen machen. Doch mit einem Mal, stoppte Jorris ab, kauerte sich nieder und lauschte, die dunklen Klippen immer fest im Blick.
Ab hier begann das Reich der Hunde. Angestrengt starrte Jorris in die Dunkelheit. Hie und da schmiegte sich Fellbündel an Fellbündel, schlafend eingerollt in einer von Meerwasser ausgewaschenen Mulde. Wie durch ein Wunder regte sich keiner der grauen Schatten, hob sich kein Kopf mit grün schillernden Augen. Etwas vorsichtiger und bedachter, folgte Jorris weiter dem unsichtbaren Pfad entlang des Ufers zum vereinbarten Treffpunkt.
Bald lag die Hälfte des Weges hinter ihm und noch immer hatte ihn keines der Tiere bemerkt. Für eine Sekunde beschlich Jorris ein unheimliches Gefühl, dann meldete sich knurrend sein Magen. Was half es, sich zu sorgen? Damit beschleunigte Jorris seine Schritte.
Endlich tauchte in der Ferne ein winziger Lichtschimmer auf. Das sanfte Glühen einer Öllampe, verborgen unter Segeltuch. Dort wartete jemand, wie es abgesprochen war. Jorris Füße flogen nun wieder über den Sand. Das Rollen des Meeres und das Summen seines Blutes verbanden sich zu einem berauschenden Lied. Als der Mond sein bleiches Angesicht über den Horizont schob und das Ufer in sein silbriges Licht tauchte, hätte Jorris am liebsten laut aufgejauchzt. Dies war seine Nacht! Jorris, der Schwächling würde es allen zeigen!
Nur noch wenige Schritte trennten ihn von seinem Ziel, einer kleinen Felsengruppe, die das Ende des Strandes markierte. Dahinter ging das Ufer in ein spitzkantiges Gewirr aus Steinen und Felsbrocken über. Jorris hielt auf den Lichtschein zu und passierte einen kleinen Felsen.
Plötzlich fuhr eine klauenbewehrte Hand draus hervor und grub sich in seinen Kragen. Der ganze Stein geriet in Bewegung und entfaltete sich zu einem fünf Ellen langen Ungetüm mit spitzen Ohren und gepanzerter Rüstung. Jorris reagierte instinktiv. Er krallte sich an den Arm und biss in ledrige, übel riechende Haut. Ohne Erfolg.
Er schlug und trat um sich, mit Tränen in den Augen, als seine viel zu kurzen Arme und Beine das Ziel verfehlten. Jorris wollte schreien, doch sein Häscher packte ihn so fest, dass ihm die Luft aus den Lungen gepresst wurde und ihm lediglich ein jämmerliches Quieken entfuhr. Die Kreatur schüttelte den Jungen, als hielte sie einen Sack Stroh in den Händen, dann folgte ein Schlag. Jorris verlor die Besinnung.
Die Hand des Fängers sackte herab, kraftlos. Ohne ein Wort zu sagen, streckte der Ork seinem Meister das zerbrechliche Bündel entgegen. Der Blick des Ungeheuers ging in weite Ferne. Wo sonst Bosheit aufblitzte, herrschte eigentümliche Leere.
„Gut! Bring ihn zu den anderen oben an der Straße!“, zischte der Mann, der die Kapuze seiner schwarzen Kutte tief ins Gesicht gezogen hatte. Für einen winzigen Augenblick leuchtete der nachtschwarze Stein am Hals des Ork auf, dann warf er sich den Jungen über die Schultern und kletterte behände die Felswand hinauf.
Der Fremde lächelte zufrieden. „Die Minen im Hinterland warten schon!“.
Das Erz, das sie dort förderten, brachte auf dem Markt eine hohe Summe ein. Niemand fragte danach, wie es geborgen wurde, genauso wenig, wie sich jemand die Mühe machen würde den Jungen zu suchen.
Rasch wandte sich der Magier um und kehrte im Schatten der Felsen zurück in die Stadt. Hinter ihm erwachten die Hunde aus ihrem unfreiwilligen Schlaf, streckten die knorrigen Glieder und hoben die Nasen in den Wind.