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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : William Golding - Herr der Fliegen


Kain
02.07.2008, 11:27
William Golding verweigert die Illusion von der kindlichen Unschuld. Dabei hätte sich alles so gut ausnehmen können: Nur eine Gruppe von sechs- bis zwölfjährigen englischen Schuljungen überlebt einen Flugzeugabsturz über dem Pazifik und findet sich auf einer paradiesisch anmutenden, unbewohnten Insel wieder. Schnell wird ihnen klar, daß sie sich organisieren müssen, um auf der Insel überleben und gerettet werden zu können. So wählen sie den charismatischen Ralph zu ihrem Anführer. Der sieht zusammen mit seinem klugen Gefährten Piggy im Bau von Schutzhütten und einem Signalfeuer die vordringlich zu erledigenden Aufgaben, wohingegen sein Rivale Jack einen Trupp von "Jägern" zur Schweinejagd um sich sammelt. Im Laufe der Zeit nehmen die irrealen Ängste der Kleinen auch zunehmend von den Großen Besitz; und als sie auf dem Berg der Insel ein vermeintliches Untier entdecken, artet die Schweinejagd zur Jagd nach diesem "Tier" aus und gipfelt in Mord.

Die Geschichte von William Golding fängt damit an, dass eine Gruppe von Schülern im alter von 6 – 12 mit dem Flugzeug abstürzt. Den Absturz überleben keine Erwachsenen und die Kinder landen auf einer einsamen Insel, auf der sie sich selbst durchschlagen müssen.
Das ganze hat mich zunächst an Robinson Crusoe erinnert, nur dass sich schon zu Beginn der Geschichte eine bedrohliche Grundstimmung aufbaut, die zunimmt, je weiter man in der Geschichte vorankommt.
Die Kinder versuchen zunächst am Vorbild von Erwachsenen eine zivilisierte demokratische Grundordnung aufzubauen. Da die Geschichte vor dem Hintergrund des 2. Weltkrieges spielt, ist dieses Unterfangen schon vornherein zum Scheitern verurteilt, wo sich die Erwachsenen alles andere als zivilisiert benehmen.

William Golding zeigt mit dieser Geschichte, dass das Eis auf dem wir uns bewegen und Kultur nennen hauchdünn ist. Das Tier im Mensch gewinnt ohne autoritäre Kontrolle die Überhand.
Die psychologische Entwicklung mancher Charaktere fand ich schon sehr interessant. Manches fand ich aber auch irgendwie unglaubwürdig, so zum Beispiel analysiert ein Protagonist einen anderen tiefenpsychologisch und haut dann noch den Satz raus:“ So sind sie die Menschen, ich habe lange über sie nachgedacht“. Welcher 10 -12 jährige gibt solche Sätze von sich? Auch die psychopatischen Züge, die manche Kinder an den tag legen, fand ich etwas übertrieben, eine gewisse Form von kindlichem Sadismus ist ja „normal“, aber das hier gezeigte fand ich schon sehr krass. Bezeichnend war auch, dass Außenseiter und vermeintlich schwache als erste niedergemacht werden, der pure Darwinismus.

Das Buch war für mich vom Inhalt her schon interessant und regt zum Nachdenken an,
aber von der Sprache wirkte das Ganze etwas angestaubt und so richtig Spannung wollte stellenweise bei mir auch nicht aufkommen, dafür erzählt Golding zu ausschweifend. Lesenswert ist das Buch aber allemal.

SargAsmus
03.07.2008, 09:12
obwohl es längere zeit her ist, seit ich dieses buch gelesen habe, ist es mir in guter erinnerung geblieben. sicher ist es nichts für zeiten, in denen der leser gerne einmal seine seele baumeln lassen möchte. der stoff ist ernst und regt zum nachdenken an. manch einem menschen, der sich in seinem alltag mit den selbstverständlichen erlernten verhaltensweisen und vorstellungen allzu sicher fühlt, mag das buch sogar ein wenig erschrecken ;o). aber für alle, die mehr darüber erfahren wollen, was sonst noch in einem menschen steckt, ist das buch eine klare bereicherung. und vielleicht nimmt der leser dann in seinem alltag menschliches verhalten, wie in diesem thread besprochen: http://www.fantasy-forum.net/showthread.php?t=780&highlight=mobbing
viel klarer wahr und verinnerlicht, wie wichtig es ist, gegen bestimmte regungen aktiv anzukämpfen.

ich jedenfalls kann das buch empfehlen.

neoxinnia
03.07.2008, 10:11
Ich habe das Buch in gespaltener Erinnerung. :rolleyes:
Die Story an sich hat mir sehr gut gefallen. Sie war interessant und, wie SargAsmus schon geschrieben hat, erschreckend.
Aber ich würde das Buch auch jedem weiterempfehlen.
Das Porblem war nur, dass ich es in Englisch für meine Matura gelesen hab und da ich sehr ungerne Bücher in Englisch lese, ist mir das Buch diesbezüglich schlecht in Erinnerung. :D
Aber die Story - genial.

Hathor
03.07.2008, 10:39
Manches fand ich aber auch irgendwie unglaubwürdig, so zum Beispiel analysiert ein Protagonist einen anderen tiefenpsychologisch und haut dann noch den Satz raus:“ So sind sie die Menschen, ich habe lange über sie nachgedacht“. Welcher 10 -12 jährige gibt solche Sätze von sich? Auch die psychopatischen Züge, die manche Kinder an den tag legen, fand ich etwas übertrieben, eine gewisse Form von kindlichem Sadismus ist ja „normal“, aber das hier gezeigte fand ich schon sehr krass.

Mir gefiel das Buch sehr gut, als ich ein Teenager war. Es hat mich auch zum Nachdenken gebracht.

Heute - mit ein bisschen Abstand - halte ich das Werk eher für eine Parabel. Es sind zwar Zehn- bis Zwölfjährige, die agieren. Aber dieses Erzählmittel soll wohl eher dazu dienen, dass die Zielgruppe die vermittelten Denkanstöße eher annimmt.

Es ist sicher ein wichtiges Buch, aber heute mag ich solche Moralkeulen nicht mehr, und ich würde den Roman nicht noch einmal lesen.

Haramis
06.07.2008, 21:32
Der Strand (also der Roman, nach dem der Film mit Leo DiCaprio gedreht wurde), ist ähnlich wie der Herr der Fliegen. Allerdings sind die Protagonisten älter und das setting ist ein ganz anderes, genau wie die Umstände, die die Charaktere zusammenführen.

zyrozz
10.07.2008, 23:39
Oder man kuckt sich einfach den Film zum Buch an^^

Ich habe das buch gelesen und den Film geschaut, ich fand beides ziemlich gut aber ich muss auch sagen das das Buch so seine längen hat.

Allerdings muss ich sagen das mir, so wie ich mich erinnere, das Verhalten der Kinder teilweise unreal erscheint.
z.B. Ein Haufen Kinder strandet an dieser Insel und das erste was sie machen ist sich, sozusagen, zu organisieren?..naja....

Haramis
18.07.2008, 20:03
Oder man kuckt sich einfach den Film zum Buch an^^
z.B. Ein Haufen Kinder strandet an dieser Insel und das erste was sie machen ist sich, sozusagen, zu organisieren?..naja....
Ich denke schon. Der Dominanteste (kann der Stärkste oder der Brutalste, oder auch der Schlaueste sein), wird sich durchsetzen, auch bei Kindern: Schon bildet sich eine Rangfolge in der Gruppe.
Schau dir mal spielende Kinder oder (Grundschul-)Klassen an, auch da gibt es schon eine Hackordnung.