Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Trageweise Schwert und Köcher
Um mich gleich mal massiv unbeliebt zu machen... *cool* ;)
...ich seh so oft auf an sich wunderschönen Zeichnungen Schwerter, Bogenköcher, Bögen seltener Äxte und Beile, die auf dem Rücken getragen werden...
Sagt mal ehrlich, wie kommen die da hin?
Das stammt aus Hollywoodfilmen und ist sowas von unpraktisch.
Schwerter werden fast immer am Gürtel getragen, es gibt sogar 'Schulterholster', kurze Schwerter oder Dolche werden schon mal ans Bein geschnürt... Warum aber auf den Rücken?
Auch Pfeilköcher sind da unpraktisch, man kann kaum ziehen, von Legolas mal abgesehen. Sind Bogenschützen anwesend? Habt ihr das mal ausprobiert?
Ich hab es, und meist fallen einem beim nach vorne bücken weil man den Pfeil sonst kaum erwischt alle anderen ins Genick.
Es gibt so schöne praktische Gürtelköcher...
Ich weiß, das ist Fantasy, aber warum muss man hier dann unpraktisches verwenden, wenn es was praktikables gibt? :rolleyes:
Im Großen und Ganzen stimme ich dir zu, hab da aber ein oder zwei Punkte zum Nachdenken.
Natürlich macht es keinen Sinn einen Ein- oder Eineinhalbhänder auf dem Rücken zu tragen. Man (oder Frau :D ) kann ihn einfach nicht ziehen - punktum. Aber ich frage mich gerade, wie die guten alten Schotten die hübschen Claymores über längere Strecken transportiert haben. Also am Gürtel kann man die bestimmt nicht tragen, einfach weil sie ziemlich lang sind. Und da Schotten bekannt dafür waren, eher zu Fuß als zu Pferd zu reisen, bin ich eigentlich schon davon überzeugt, daß sie für längere Wegstrecken ihre Schwerter auf den Rücken banden.
Was die hübschen Gürtelköcher angeht, kenne ich kaum wirkliche mittelalterliche Abbildungen von Köchern. Man sieht Bogenschützen, die ihre Pfeile durch den Gürtel gesteckt tragen, aber an einen richtigen Köcher kann ich mich nicht erinnern. Im Kampf haben auch sie nicht die Pfeile aus einem Köcher gezogen, sondern die Pfeile vor sich in den Boden gesteckt und von da genommen. Macht viel mehr Sinn und geht schneller.
Köcher werden wohl eher von mongolischen Reitervölkern benutzt worden sein, da berittene Bogenschützen notgedrungen aus einem köcherartigen Behälter ziehen mussten. Leider kenn ich mich mit den mongolischen Bogenschützen nicht wirklich gut aus und weiß nicht, wo diese ihren Köcher befestigt hatten. Sinn würde es machen, ihn irgendwie am Sattel zu befestigen.
Desweiteren hat ein befreundeter Bogenschütze einen guten Rückenköcher, der so gearbeitet wurde, daß ihm auch beim Bücken keine Pfeile herausfallen und er kann auch daraus ziehen. Ich denke, hier sind auch viel persönliche Vorlieben mit ihm Spiel.
Außerdem muss man immer zwischen einer guten authentischen Darstellung und Fantasy unterscheiden. Und bei einer Fantasy-Zeichnung muss nicht immer alles logisch sein - Hauptsache es sieht gut aus. *ja*
Die meisten Reitervölker verwenden den Gürtelköcher, den sogenannten Goryt, von den Skythen bis zu den Mongolen, man kann den auch am Pferd befestigen.
:-)
Gegen Pfeile vor sich aufgesteckt sag ich ja nichts, das mach ich auch wenn ich schiessen, geht nämlich auch schneller als aus dem Gürtelköcher.
Ich will auch nicht durchsetzen, daß in Zukunft keine Rückenbefestigungen gezeichnet werden dürfen, ich will nur mal Alternativen zeigen, weil sich mittlerweile keiner mehr vorstellen kann, daß man Pfeile und Schwert sonst anders trägt.
Ich bin als Living History Darstellerin unterwegs, in archäologisch möglichst fundierten Klamotten und die männlichen Schwertträger bekommen viel zu oft die Frage zu hören, warum sie das Schwert nicht auf dem Rücken tragen würde...
Deswegen jetzt den Spiess mal andersraum. ;)
Schwerter wurden transportiert, eingewickelt auf nen Wagen gelegt, die Landsknechte haben die Bidenhänder meist auf der Schulter angelegt, wie Speere... Auch für die Claymore gibt's keine Hinweise auf Rückenscheiden.
Das geht wohl auf Conan zurück. :D
Ich wundere mich ja ohnehin gerade wie man eigentlich Schwertscheide und Pfeilköcher auf dem Rücken tragen will, während man einen Umhang trägt. Eine schnelle Bildersuche im Netz hat gerade ergeben, dass Legolas es irgendwie schafft zusätzlich zum Elbenumhang auch noch einen Rückenköcher zu tragen. Wie ist der Quatsch befestigt? Ein ähnliches Problem fiel mir schon auf als ich für jemandem aus meiner RPG-Gruppe seinen Chara zeichnete und es hiess, dass er einen Mantel über seinen Sachen trägt... aber darunter eine Schwertscheide am Rücken hat. Er behalf sich dann mit der Erklärung eines Loches im Mantel, ... was den bei Regen ziemlich nutzlos macht.
Ansonsten ist es aber ein schönes Fantasyklischee... : ) wobei ich mir das eher so vorstelle, dass die Sachen am Rücken dann Sinn machen können, wenn man sich irgendwie noch körperlich betätigen muss. Zum Beispiel laufen, rennen oder bei der Bundeswehr beliebt: durch die Gegend robben. Jedenfalls stelle ich mir ein Schwert an der Seite dann äusserst unpraktisch vor. Auf dem Rücken ist es dann aus dem Weg... und schlägt einem ständig gegen den Hinterkopf. :) Insgesamt eben kann ich's mir als Transportierart für Fantasy-Helden eben durchaus vorstellen. Im Kampf schnell einsatzbereit ist man dann natürlich nicht.
... andererseits habe ich mir gerade noch mal die neueren Conan-Comics angesehen, nachdem dieser Fantasy-Held hier erwähnt wurde. Dort trägt Conan seine Waffen auch bei den wildesten Aktionen an der Seite und nie auf dem Rücken. ... den Conan-Film mag ich gerade nicht rauskramen.
Ich zeige mich überzeugt und werde mich In Zukunft weigern Pfeilköcher und Schwertscheiden am Rücken zu zeichnen. : )
Das mit Conan ging auf meinen Freund zurück, der wohl tatsächlich zu jenen gehört, die den Film gut fanden. ;-) Ich schliesse mich dem nicht an und bekenne mich schuldig ausnahmsweise zitiert zu haben ohne die Quelle genauer zu kennen. Asche über mein Haupt. :rolleyes::D
Naja, ich gebe zu die ganze Zeit rennen kann man mit Zeug am dem Gürtel nicht, aber auch am Rücken ist es nur mässig praktisch, wenn man es nicht gerade wie einen Wanderrucksack verschnürt. :D
Aber die Löcher im Mantel sind gut. ;)
Über die Löcher im Mantel amüsiere ich mich heute noch. : )
Und ich wette es gibt auch Conan-Darstellungen mit Schwert auf dem Rücken. Aber ein dickes Schwert an der Seite während man ansonsten nur mit einem Lendenschurz und einen Gürtel bekleidet ist, wirkt auch so schon recht albern. Egal wo das Schwert ist... (und ansonsten muss ich zugeben, dass der erste Conan-Film auch immer noch einer meiner Lieblingsfilme ist. Neben etwas seltsamen Dialogen und Schwarzeneggers mäßigem schauspielerischen Talent hat bei dem Film nämlich gerade was Atmosphäre und Musik angeht auch was richtig gemacht. Der zweite Film war dagegen eher indiskutabel. Außerdem spielt da Mako mit ^^)
Nach ein wenig Suchen im Netz, habe ich noch gefunden, dass in einem Forum der Teppich von Bayeux diskutiert wird. Dort scheint sich ein Rückenköcher hin verirrt zu haben. Es handelt sich um diese Stelle http://www.iris-kammerer.de/graphics/bt28_small.jpg (richtig zu finden unter http://www.iris-kammerer.de/html/fun.html Unterseite 'Der Teppich von Bayeux' und dann Bild 28.) Zumindest muss man gestehen, dass der eine Köcher bei dem Bogenschützen fast ganz rechts und oben schon eine etwas ungewöhnliche Position hat. :)
Ollowain
06.07.2008, 17:58
Ich schieße ja selbst mit dem Bogen und ich habe einen Hüftköcher. Mit Rückenköchern hatte ich zwar noch nie wirklich zu tun, aber ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass man daraus schnell Pfeile ziehen kann - zumindest nicht schneller als aus Hüftköchern. Außerdem werden diese Köcher bei Umhängen ein wenig unpraktisch: Drunter sind sie unerreichbar und obendrüber stellt sich die Frage, wie man die Sachen festmachen kann, ohne sich damit einzuschnüren.
Sobald man sich auf einem Pferd bewegt, sollten die Waffen so verstaut sein, dass sie weder Pferd noch Reiter behindern. Also nichts was weit herunterhängt , aufragt oder absteht.
Laut meiner Literatur (der gefiederte Tod - Die Geschichte des Englischen Langbogens) gab es im MA garkeine Rückenköcher. Die Pfeile wurden im Sheaf (Bündel zu 24 Stück) in eine Schultüte erinnernden Leinenbehältnis transportiert und im Felde geführt. Zum Schnelleren Schießen wurden sie (wie schon erwähnt) in den Boden gesteckt. Die Verschmutzen Pfeilspitzen sorgten füe Entzündungen der Wunden. Dadurch wurde das Gerücht gebohren, das die Engländer ihre Pfeile vergiften.
Es gibt keine Abbildung oder erwähnung in der historischen Literatur das es Rückenköcher gab.
Der erste Rückenköcher der Nachweisbar ist, wurde von den schottischen Bognern des 17. Jahrhundert getragen.
http://img370.imageshack.us/img370/7581/bild104cg5.jpg (http://imageshack.us)
SargAsmus
07.07.2008, 09:09
ich kenne mich persönlich mit rückenköchern in der realität nicht aus. aber es wäre zB im rahmen der fantasy gut möglich, dass der schütze immer einen knappen hinter sich herschleppt, der im gefecht hinten positioniert ist, die pfeile aus dem köcher nimmt und anreicht, und weil der bogenschütze nicht auf die pfeile verzichten will, trägt er sie halt und nicht der knappe. das ganze könnte geringfügig die maximale schußfrequenz des bogenschützen erhöhen und so entscheidend zum schlachtausgang beitragen. natürlich nur, wenn zuvor die mächtigen magier der gegenseite platt gemacht wurden...;) das ist meine theorie dazu *ja*
Eine lustige Vorstellung, im Gefecht zu sein, und ein Knappe steht immer hinter einem und zupft die Pfeile aus dem Köcher... :D
Tatsächlich kann man die Schussfrequen am besten erhöhen, wenn man immer ein paar Pfeile gleich in der Bogenhand hält, mit etwas Übung ist dann der nächste Pfeil schon nachgelegt da hat der vorhergehende den Boden noch ncith erreicht (natürlich abhängig von der Schussdistanz. ;) ).
Antigone
07.07.2008, 14:16
*schnüffel* Aufgrund dieses Beitrages muss ich mich wohl endgültig vom Bild meines "Das Schwert auf dem Rücken tragenden" Helden verabschieden. Immerhin bemühe ich mich ja um möglichst große Realität, trotz Fantasy.
Aber warum sich dieses Bild so hartnäckig hält? Ich denke, es sieht einfach cooler aus, wenn man was am Rücken trägt (da kann man sich auch so schick ein paar Lederriemen um die braungebrannte Heldenbrust schlingen), anstatt dass da was an der Hüfte herumbaumelt.
Zumindest wär das der Grund gewesen, warum das MEIN Held gemacht hätte.
Wobei: in der Robin-Hood-Serie aus den 80er-Jahren trägt Nazir nicht nur ein, sondern sogar zwei Schwerter am Rücken. Und er zieht sie immer recht fix. War das nur ein filmtechnischer Trick, oder geht es ja doch irgendwie? Wobei der keine Langschwerter hatte, eher mehr so Sarazenen-Säbel.
lg, A.
Tja, wenn man darüber nachdenkt, ist das schon irgendwie schwachsinn. Gut, beim Köcher könnte ich mir das noch vorstellen, dass man mit einer gewissen Übung genauso schnell ist, wie aus der Hüfte. Die Bewegung müsste man fließend hinbekommen, wenn der Köcher entsprechend konstruiert ist. Hier aber beginnen die Problem.
Richtig schwierig wird es mit der Scheide. Ich stelle mir gerade bildlich von, wie sich das Leder biegt und das Schwert blockiert und der Held verschweifelt am Knauf zieht, während die feindlichen Krieger auf ihn zustürmen. ;)
Ich denke, es ist wirklich das Bild, das ausschlaggebend war... Es sieht cool aus, und irgendwann hat das mal wer gemacht und seitdem haben wir uns so sehr an den Anblick gewohnt, daß der Bild ohne nachzudenken zitiert und übernommen wird.
Als ich mit Fantasy-LARP begonnen habe wollte ich auch unbedingt meinen Anderthalb-Händer auf den Rücken tragen und bin nach langem rumprobieren zu ner Konstruktion gekommen, die im Grunde nur im unteren drittel eine feste Schwertscheide hat und dann oben zwei Haken (oder einen Riemen mit Druckknopf ;)) die das Schwert an der Parierstange halten. Das sah aber nciht mehr so Cool aus, deswegen hab ich die Idee verworfen.
In Filmen ist das natürlich ein Trick, zwischen zwei Schnitten kann man ne Menge anstellen, und es genügt sogar wenn der untere Teil der Person nicht im Bild ist damit ein Helfer die Schwertscheide unten festhalten und etwas hochheben kann...
Bei zwei kurzen Klingen wie Legolas sie trägt lass ich es mir noch eher eingehen... Aber auch das ist nur mit viel Übung praktikabel - hab das auch mal bei nem Bekannten im Laden ausprobiert, der hat so nen Satz dieser Teile als Deko im Schaufenster gehabt. :D ...man kann sich damit selbst den Kopf absäbeln wenn man nicht aufpasst. :-)
Hmmm.. ich trage beim Bogenschießen selbst einen Seitenköcher, weil es für mich persönlich bequemer und schneller ist, habe allerdings auch Freunde die lieber Rückenköcher benutzen.
Wir haben uns mal darüber unterhalten, weil ich den Bewegungsablauf beim Seitenköcher deutlich angenehmer fand.
Die Erklärung ihrerseits war, dass es sie stört, wenn man auf unwegsamen Gelände (3D-Parcour) unterwegs ist und etwas an der Seite baumeln hat, das einen beim gehen behindert
(Beim Auf- und Abstieg klappert das Ding ja schon an den Oberschenkel oder rutscht schon mal vor das Bein).
Ich vermute, dass die Optik schon auch eine Rolle spielt ;), aber Tatsache ist, dass sie auch keine großen Probleme haben, die Pfeile auch vom Rücken aus zu ziehen.
Für Larp oder Freiszeitschießen finde ich das auch absolut ok, da darf Ästhetik und persönliches "Habenwill" in meinen Augen ruhig eine Rolle spielen.
Wenn ich Magie und Elfenkleider zulasse, soll es nicht an der Trageweise der Waffe scheitern. :)
Ernsthaft angegangene historische Darstellung (wir versuchen uns derzeit selbst an einer) ist ein anderes Thema, die leidet aber auch an Fehlern eines ganz anderen Kalibers (Stichwort: Hörnerhelme!*depri*).
Soweit ich das geschichtlich überblicke, waren Köcher prinzipiell nicht so häufig vertreten, wie es uns Fantasybücher weismachen wollen.
Abgesehen von den bereits genannten englischen Bogenschützen, die sich sowieso spezialisiert haben und einen traditionellen Köcher um weite Strecken zu bewältigen einfach nicht brauchen:
Mehr als zwei oder drei Pfeile auf eine Jagd mitzunehmen machte keinen Sinn -wenn man realistisch betrachtet wie oft einem z.B. ein Reh vor den Bogen läuft und wieviele Schüsse man wohl darauf abgeben kann, ohne es zu verscheuchen..:)
Wenn man aber nicht im Krieg ist und kein Essen besorgen muss, wird man kaum zur Sicherheit - falls ein Ork hinterm Baum hervorhüpft - einen Bogen spazieren getragen haben. :D
Es war auch nur als Anregung gedacht, hätte ich mich hier an eine Gruppe historischer/prähistorischer Darsteller gewandt hätte das anders ausgesehen. Wenn mir da einer mit Rückenköcher ankommt... ò.ó Ich wollte nur mal eine andere Sichtweise zeigen, weil ich auf LARPs und in Illustrationen nur Rückenköcher sehe. Aber nach all den Meldungen hier muß cih wohl keine Lanze für den Seitenköcher mehr brechen. :-) Das freut mich natürlich. :-)
Ernsthaft angegangene historische Darstellung (wir versuchen uns derzeit selbst an einer) ist ein anderes Thema, die leidet aber auch an Fehlern eines ganz anderen Kalibers (Stichwort: Hörnerhelme!).
Was für eine Darstellung machst du? Bzw. wer alles?
DisAster
11.07.2008, 15:09
Ich hab noch nie ein Schwert am Rücken gesehen oder wenn überhaupt, dann nur selten. Das bringt's nicht gerade. *nein*
Hm, Köcher am Rücken könnte ich mir schon vorstellen. Sozusagen eine fließende Bewegung, wenn man sie herauszieht. Sofern die Pfeile an sich nicht zu lang sind. Zum Laufen eignen sie sich ja auch besser. Bei Köchern an der Hüfte sollte es doch eine zackige, umständlichere Bewegung sein. Vermute ich zumindest.
Von Nuramons Bild gefallen mir die oberen drei Darstellungen von "Köchern". Ich sollte es auch in eine Geschichte miteinbringen, dass die Bogenschützen ihre Pfeile in den Boden stecken. *ja*
mfG
@ koshka:
Eine Gruppe von Freunden inkl. mir versuchen uns an einer Birka-Darstellung ums neunte Jh. (unter strikter Vermeidung des Wortes "Wikinger").
Ich hätte mir eine spätere Periode gewünscht, bin aber relativ spät dazugekommen als FrüMi (u.A. aus Kostengründen) schon beschlossene Sache war. Das Problem ist derzeit die unterschiedliche Einstellung mit der wir an die Sache rangehen. Die einen wünschen sich Ambientecamping, mein Freund ich eher eine korrekte historische Darstellung.
Ist problematisch, weil z.B. eine Freundin ihre Schürze mit Fiebeln schließt, die eigentlich für einen Umhang gedacht sind ( klingt nicht schlimm, ist aber ein bisschen als würde sich jemand in 200 Jahren Knöpfe an die Schuhe nähen), ein anderer erst mit Gewaltandrohung gezwungen werden konnte sein Piratenhemd loszuwerden und ich nach handgewebtem Diamantköper Ausschau halte.
Ich hab absolut nichts gegen Ambientecamping und liebe "Jeder-wie-er-mag-Mittelaltermärkte" nur hätte man vielleicht früher für Lagerveranstaltungen eine gemeinsame Linie absprechen sollen. :(
@ DisAster:
Die Bewegung ist am Rücken nicht soooo fließend.
Zum einen ist es schwierig weil du nicht richtig siehst was du ziehst. Wenn du Pfeile im Köcher hast, die angeknackt sind und die du
nach einem Turnier reparieren möchtest (bei Holzpfeilen absoluter Standart), oder FluFlus (Pfeile für Nahdistance, Hochschießen) verrenkst du dir schon mal ein wenig den Hals um reinzugucken. :)
Abgesehen davon ist der Köcher auf Grund der anderen enthaltenen Pfeile nicht flexibel also musst du den Pfeil sehr hoch hinter dem Rücken gerade nach oben ziehen, bevor du ihn nach vorne über die Schulter nehmen kannst.
Die Pfeillänge bestimmt sich fest nach der Zugweite (indirekt der Spannweite deiner Arme) und ist somit für dich als Schütze nicht variabel.
Wenn du ihn an der rechten Hüfte hast, gucken die Pfeilschäfte (schief, nicht gerade) vor dich und du ziehst sie einfach nach vorne raus. Da ist es einfacher den Arm lang zu strecken.
Kannst ja mal beide Bewegungsabläufe imaginär nachmachen (hinter dem Rücken aber auch wirklich gerade hoch nach oben ziehen), Seitenköcher sind was den Bewegungsablauf angeht wirklich komfortabler.
Das mit dem Klappern beim Gehen dagegen verstehe ich dagegen schon, stört wirklich ein bisschen.
Ein Eischub etwas offtopic...
@Acatane:
Tretet ihr irgendwo auf? Evtl. sind wir uns ja schon mal über den Weg gelaufen?
Ich mach diverse Darstellungen, angefangen bei Urnenfelderzeit (späte Bronzezeit), Hallstattzeit (gleich im Anschluss, frühe Eisenzeit) und Skythen.
Allerdings machen wir bewusst kein Lagerleben, da sowas gar nicht nachgewiesen ist, dafür 'beleben' wir Freilichtmuseen die entsprechende Häuser rekonstruiert haben.
Lediglich in Sachen Skythen strebe ich eine geschlossene Gruppe an, aber auch da gehen die Interessen weit auseinander was die Zeitstellungen und Gegenden anbelangt.
Hier:
http://www.fantasy-forum.net/showthread.php?p=18802#post18802
Auch für die Claymore gibt's keine Hinweise auf Rückenscheiden.
Nein, Rückenscheiden gibt es sogar für Claymores nicht, aber sie wurden teilweise wirklich auf dem Rücken transportiert. Nur sind Claymores nicht mittelalterlich, sondern eher dem 18. Jhdt zuzuordnen.
Ewart Oakeshott, European Weapons And Armour - From the Renaissance to the Industrial Revolution, 2. Aufl. 2000
"The claidheamh mòr was carried in a scabbard slung across the back, in the manner of the Lee-Enfield rifle, ... "
Quelle (http://www.tempus-vivit.net/taverne/thema/684/seite/1)
Alcarinque
24.02.2010, 09:08
Oh, nettes Thema, ich grabe dann einfach mal alten Kram aus:D
Hm, Köcher am Rücken könnte ich mir schon vorstellen. Sozusagen eine fließende Bewegung, wenn man sie herauszieht. Könntest du dir auch vorstellen, was passiert wenn dir ein Pfeil auf den Boden fällt und du dich bückst um ihn aufzuheben? :p
Nein, Rückenscheiden gibt es sogar für Claymores nicht, aber sie wurden teilweise wirklich auf dem Rücken transportiert. Nur sind Claymores nicht mittelalterlich, sondern eher dem 18. Jhdt zuzuordnen. *ja* Schwerter wurden vermutlich zu allen Zeiten auch am Rücken getragen, allerdings gut verpackt für den Transport.
Wer schon mal ein Schwertgehänge an den Hüften hatte weiß, wie unangenehm das auf Dauer ist.
Die großen Zweihänder aus dem 18.Jhdt, die man oft auch in Burgen findet waren ja nur noch Dekoteile bzw. Teile von Prunkrüstungen, keine echt benutzten Waffen mehr.
Im Mittelalter waren das ja eher die Kamikaze-Waffen zum Brechen von Speerwällen (und entsprechend selten), zudem scheinen sie meist einfach auf der Schulter getragen worden zu sein. Wiki (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Landsknecht_with_his_Wife.jp g&filetimestamp=20061214214812)
Es gibt so gut wie keine anderen Abbildung mit Zweihändern.
(Wobei ich mich da ja frage was die bei Regen gemacht haben, rostfreie Schwerter gibt es ja nur in der Dekoabteilung... :D)
@Alcarinque Die Waffen waren für die Streiter damals das wichtigste Werkzeug, genau wie die Rüstungen. Das heisst das "Werkzeug" wurde regelmässig gepflegt, im Zweifel auch täglich. Anderst gesagt der Flugrost wurde abgebürstet und anschliessend wurde das gute Stück eingeölt. Das machen wir auf CONs noch heute so, wenn wir unsere Rüstungen getragen haben wird diese am Abend erstmal gepflegt, manchmal auch erst wenn man zuhause ist... *cool*
Was den Köcher angeht, ich habe ebenfalls einen für den Rücken. Ich hab den selbst gemacht und ich muss sagen ich hab keine Probleme an die Pfeile zu kommen. Wenns schnell gehen muss, würde ich aber auch ein paar Pfeile vor mir in den Boden stecken.
Ich trage dabei auch schonmal ein Mantel, die Riemen vom Köcher sind einfach entsprechend lang, so das ich den Köcher auch bequem über dem Mantel tragen kann, ich brauche also kein Loch im Mantel oder sowas.
Man kann den Boden auch erreichen wenn man in die Knie geht... ;)
Mein Schild habe ich ebenfalls mit Lederriemen versehen um ihn auf dem Rücken zu transportieren und da stecke ich auch gern mal mein 1 1/2 Händer rein aber das ist nur zum Transport.
Einhänder oder grössere Schwerter lassen sich zwar auf dem Rücken tragen aber in Kampfsituationen ist das eher unpraktisch da sie unhandlich zu ziehen sind. Aber für den Transport spricht sicher nichts.
Kurzschwerter oder Dolche dagegen kann man sehr gut auf dem Rücken positionieren. Hab mir hierfür auch mal entsprechende Halterungen gebaut. diese sind kurz und schnell zu ziehen. Wenn du die Klingen nach unten ziehst kannst du auch gut ein Mantel drüber ziehen, das stört dann wenig, nach oben wirds schwierig, zumindest die Klingen wieder sauber an ihren Platz zu bringen :)
Ich habs ausprobiert und es funktioniert, ob es damals auch schon so genutzt wurde weiss ich nicht, aber es ist Fantasy. ;)
Das ganze bezieht sich im übrigen auf LARP.
Alcarinque
24.02.2010, 14:41
Ich hab selbst so einiges, deshalb weiß ich was das für ein Aufwand ist. :D
Wobei eigentlich nur die Halsberge wirklich viel abbekommt (Schweiß) und da ich faul bin, im Moment entsprechend ausschaut. Da ich die aber nur zum Schutz verwende, genügt gelegentliches putzen. :D
Auch Kurzschwerter und Dolche wurde normalerweise am Gürtel getragen (wenn auch teils hinten am Rücken), ich kenne eigentlich keine Abbildung von weiter oben oder gar mit eigener Halterung am Rücken.
Das wird schon seine Gründe gehabt haben nehme ich an...
Hm, hier gibt es anscheinend ja doch einige die sich mit dem Schwert beschäftigen, ich glaub da wäre ein eigener Thread ganz interessant.
ExLibris
24.02.2010, 14:57
Zum Thema Waffen/Gewand gibt es auch hier noch einen Thread:
http://www.fantasy-forum.net/showthread.php?t=566&highlight=gewand&page=3
Dragonologist
24.02.2010, 15:14
Da es ja ursprünglich auch um unlogische Fantasyzeichnungen ging:
Wenn ich Figuren zeichne, die Prinzipiell Krieger sind und zB gerade aufbrechen, zeichne ich das Schwert immer, wie bereits gesagt wurde, gut verpackt und an der Scheide gesichtert am Rücken, meist mit einem breiten Gurt, der zum Tragen sicher komfortabel wäre. Denn in solchen Szenen ist klar, dass die Kämpfer eine Wegstrecke vor sich haben, unterwegs oder gerade nach Hause gekommen sind und daher logischerweise das Schwert nicht nervend am Gürtel baumeln haben, wo es beim Reiten womöglich noch das Pferd verrückt macht, wenn es nicht daran gewöhnt wurde.
In Kampfszenen bevorzuge ich da entweder einen Gürtel mit Scheide, überhaupt nichts (Wenn alles beim Kämpfen verlorengegangen ist) oder einen Rückengurt, der vorne noch extra Messer drin hat.
Aber der Thread hat mir gute Anregungen geliefert und ich werde in Zukunft bei meinen Zeichnungen noch penibler auf Funktionalität achten!
Alcarinque
24.02.2010, 15:30
Wenn ich Figuren zeichne, die Prinzipiell Krieger sind und zB gerade aufbrechen, zeichne ich das Schwert immer, wie bereits gesagt wurde, gut verpackt und an der Scheide gesichtert am Rücken, meist mit einem breiten Gurt, der zum Tragen sicher komfortabel wäre. Hm, irgendwie will sich mir diese Beschreibung im Kopf gerade nicht zusammenfügen:
Unter Transportfähig würde ich nun verstehen, das das ganze Schwert, mit Scheide und Gehilz komplett in Öltuch oder ähnlichem eingewickelt, da müsste dann eigentlich nichts mehr gesichert sein.
Wenn die Scheide gesichert werden muss, würde ich erwarten das das Gehilz (Knauf-Griff-Parierstange) frei sind, was wiederum bedeutet, das es mehr oder weniger reinregnen könnte...
Oder meintest du eine Kombination von beidem?
Zum Thema Waffen/Gewand gibt es auch hier noch einen Thread:
http://www.fantasy-forum.net/showthread.php?t=566&highlight=gewand&page=3 Naja, das ist dann aber schon sehr eindeutig für Fantasy und LARP (Ist ja auch im Fantasy-Forum). Mit "richtigem" Schwertkampf hat Larp und Fantasykampf mMn nichts gemeinsam.
Ich hätte da eher ans Community-Forum gedacht, ein bisschen Austausch wer war wie macht. Falscher Ort? Eher OT?
Dragonologist
24.02.2010, 15:35
Unter Transportfähig würde ich nun verstehen, das das ganze Schwert, mit Scheide und Gehilz komplett in Öltuch oder ähnlichem eingewickelt, da müsste dann eigentlich nichts mehr gesichert sein.
Wenn die Scheide gesichert werden muss, würde ich erwarten das das Gehilz (Knauf-Griff-Parierstange) frei sind, was wiederum bedeutet, das es mehr oder weniger reinregnen könnte...
Oder meintest du eine Kombination von beidem?
Ja, meinte ich^^
Also wie du es beschrieben hast das Schwert so schnüren, dass es keinesfalls aus der Scheide rutschen könnte. Dann rundherum schnieke Polsterung, damit es nicht hart am Rücken liegt und vor Witterung geschützt ist. Allerdings verzichte ich beim Zeichnen oft gegen die Logik auf zu umfassende Polsterung (Auch Gehilz fest vermummt), damit überhaupt noch klar erkennbar ist, was die Person am Rücken trägt. Nicht dass es heißt, er/sie will mit ausklappbarem Minizelt wandern gehen...
Ich meine mich zu erinnern, dass die äußerst effizienten japanischen Ninja-Krieger ihre Schwerter auf dem Rücken trugen, vielleicht, damit sie ihnen nicht zwischen die Beine gerieten. Ich habe mich selber nie mit dem Tragen oder der Benutzung eines Schwertes beschäftigt. Aber ich würde ebenfalls vermuten, dass ein Schwertkämpfer bei der Trageweise der Waffe zwischen dem Marsch und der Kampfbereitschaft unterscheiden könnte: Unterwegs trüge er es vielleicht eher gut eingepackt auf dem Rücken und wenn es griffbereit sein muss, eher am Gürtel.
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