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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Politische und Gesellschaftliche Ideologien des Kommunismus - Diskussionsrunde


Horus
11.07.2008, 21:24
Angeregt durch folgenden Thread (http://www.fantasy-forum.net/showthread.php?t=1161) und durch die Ermunterung von Acatane (http://www.fantasy-forum.net/member.php?u=413) eröffne ich diesen Thread, der als Diskussionsplattform rund ums Thema Kommunismus dienen soll.

Kommunismus ist ein weitläufiger Begriff. Er umfasst eine politische Idee, ein soziales Verständnis, eine gewisse Gesellschaftsordnung und eine weltpolitische Rolle in der Vergangenheit sowie der Gegenwart der Menschen.

Hier können alle Inhalte angesprochen werden. Lasst euch aus. Schreibt was euch einfällt und diskutiert.

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Ich möchte an dieser Stelle mit dem beginnen, was mich am Kommunismus fasziniert:

Es ist nicht nur das Verständnis von einer Gesellschaft, in der Klassenunterschiede praktisch nicht mehr vorhanden sind und in der es keine Besitz- od. Machtverhältnisse unter den Menschen gibt, sondern auch die Idee, dass das globale Kapital (Sach- u. Geldkapital) der Gesamtheit, sprich allen Menschen, uneingeschränkt zur Verfügung steht und für deren Wohl, Erhalt und Weiterbestand sorgen soll.

Meiner Meinung nach bedarf solch einer Welt keine politische Führung, keine politische Überwachung, denn diese würde Misstrauen vorraussetzen. Misstrauen der Menschen untereinander, dass der gesamtheitliche Besitz nicht gleichermaßen an alle Menschen verteilt oder ihnen zugänglich gemacht wird. Die Idee an sich müsste solch ein Misstrauen aber in der Gänze unmöglich machen. Es dürfte quasi gar nicht auftauchen. Alle Menschen würden freundschaftlich und ohne Misstrauen, Neid und quasi sämtliche negativen Charaktereigenschaften nebeneinander leben - in vollkommener Harmonie.

Man nennt das auch ein utopisches Weltbild. Utopisch deswegen, weil es praktisch nicht durchzusetzen ist. Das liegt aber nicht an der theoretischen Idee, die durchaus realisierbar ist, sondern an den Menschen, die diese Idee entwickelt und erdacht haben. Sie ist in den Köpfen der Menschen entstanden; und eben diese Menschen sorgen mit ihrem eigenen Verhalten, mit ihren angeborenen und geerbten Charaktereigenschaften und mit ihren Instinkten, die die Menschen schon seit Jahrtausenden beeinflussen, dafür, dass aus der Idee niemals eine reale Welt entstehen kann.

Der Mensch ist von Natur aus habgierig, neidisch, misstrauisch .. Aber moment! Gilt das für alle Menschen? Oder ist das mein Verständnis, meine Sicht der Menschen, die ich hier in meiner Heimat, im aufgeklärten, reichen "Westen" erlangt habe? Sieht die Welt da draußen wirklich so aus? Oder ist es möglich, dass nicht alle Menschen vom Kapitalismus und dessen ungeheurer Anziehungskraft manipuliert wurden?

Ich weiß, dass meine Ausführungen im Moment nach einer Verherrlichung des Kommunismus und im gleichen Zuge nach einer Diskriminierung des vorherrschenden Kapitalismus (im Deckmantel der nicht funktionierenden Demokratie - (auch n nettes Thema)) klingen, aber ihr müsst versuchen zu verstehen, dass man sich nur so auf die Idee des Kommunismus einlassen kann; nur so kann man ihr gerecht werden.

Wir verbinden meistens nur eins mit dem Kommunismus: UDSSR, Stalin, eiserner Vorhang, KGB, Atomwaffen in Kuba und Che Guevara. Aber das ist nicht alles! Denn all diese Begriffe sind nur Folgen der Interpretation einer Idee, die zum Wohle aller Menschen führen sollte, aber tatsächlich zu einem Schreckgespenst wurde, dass die meisten Menschen heute das Fürchten lehrt.

Wer daran Schuld ist? Die Gegner des Kommunismus: Allen voran natürlich die großen Westmächte. Sie müssen dagegen sein, um ihre eigenen weltbildlichen Vorstellungen zu rechtfertigen. Aber wer sagt uns, dass das was wir leben, sprich Demokratie, Kapitalismus, Klassengemeinschaft etc. richtig sei?

Ich muss zugeben, dass wir nicht viele Alternativen haben und es soll hier auch nicht Thema sein, darüber zu sprechen welche Staatsform die beste ist, aber ich wollte euch damit zeigen, dass es eben noch etwas anderes gibt, etwas das in der Vergangenheit schlecht geredet und schlecht praktiziert wurde.

Die wichtigste Kenntnis, die ich hier in Erinnerung rufen möchte lautet: Hört die Grundidee des Kommunismus und missachtet deren Auslegung; denn diese ist im 20. Jahrhundert (bis 1989) gründlich schief gelaufen und daran ist wer schuld? Der Mensch!

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So das war es erst einmal von mir. Bin gespannt, was die anderen dazu zu sagen haben. Könnte interessant werden :)

koshka
12.07.2008, 00:13
Ich hab auch schon darüber nachgedacht, aber du schreibst es ja schon selbst. die Idee an sich ist nicht schlecht, nur nicht für die Menschen geeignet.
Und ich denke das gilt für zu ziemlich alle Menschen. Nämlich weil genau diese Eigenschaften ihnen über sehr lange Zeit das Überleben gesichert haben.

Nicht der Selbstlose überlebt, bekommt die besten Brocken und kann sich fortpflanzen, sondern eben der, der sich vordrängelt, der Egoist.

Es gibt eine nette alternative 'Theorie' zur Entwicklung des aufrechten Ganges beim Menschen: Das war nur um die Hände frei zu haben damit man noch mehr Bananen wegtragen kann.
Ist zwar nur Unfug beschreibt aber eigentlich das was den Menschen ausmacht am besten. Bei jeder Neuerung dankt man doch als erstes darüber nach: 'Welchen Vorteil hab ich damit über alle anderen?'
Absolute Gleichstellung wird nie funktionieren, weil es den Menschen den Antrieb nimmt, nämlich mit allen anderen zu konkurrieren und der Beste zu sein.

Wall Hadrian
12.07.2008, 02:05
@ Horus

Man,
du deckst ja nen ganz schön großes Spektrum ab.

Also, ich kann mich nur der Meinung von koshka anschließen, dass der Kommunismus nicht praktikabel ist, weil alle Menschen gewissen Uristinken unterliegen. Wir haben von unseren Vorfahren ein Überlebenspacket erhalten, das wir nicht ablegen können (z.B. Neid). Deshalb werden die jetzigen Menschen den im K. beschriebenen Zustand nie erreichen.

Allein die Tatsache, dass der Mensch sich den K. vorstellen kann sollte aber verdeutlichen, dass der Mensch Potential hat.
Andere Menschentypen haben es ja noch nichtmal geschafft den Zustand des "Kochfeuer-Friedens" zu erreichen.

Außerdem hat der K., oder sein sehr sehr kleiner Bruder der Sozialismus, gerade in unserem jetzigen Deutschland einen festen Bestandteil.
Wir haben eine Soziale-Marktwirtschaft. Auch die EU distanziert sich vom zügellosen Kapitalismus. Alle "sollen" am Wohlstand des Landes beteiligt werden. All das ist adaptiertes Gedankengut der Kommunismus-Idee des 19. Jhr..

Da kann man nur noch Supermans-Dad zitieren:
"...der Mensch will besser sein, als er ist..." *prost*

Acatane
12.07.2008, 09:22
Ui, schön, dass du den Thread eröffnet hast. :)
Ich bin selbst in einem zeitweise kommunistisch regierten Land aufgewachsen, das man sehr gut in den Ordner "Kommunismus - praktische Umsetzung - mangelhaft" schieben kann.
Ich würde diesen Umstand auch nicht unbedingt den Westmächten anlasten. ;)

Aber zurück zur Grundidee, denn ich glaube sie ist es, die dich begeistert.
Ich hoffe ich gehe ganz vorurteilsfrei an die Sache ran, falls nicht, wäre ich offen für einen freundlichen Tritt mit einem entsprechenden Hinweis.

Das Evolutionskonstrukt das koshka und Wall Hadrian schon angesprochen haben, ist schon mal ein sehr wichtiger Punkt, aber gehen wir einfach davon aus, dass die Menschheit diese Basis überwunden und durch denken und fühlen ersetzt hat:

Zunächst einmal basiert die Idee des Kommunismus auf der Gleichheit. Nur - sind die Menschen eben nicht gleich. Man kennt es von der Schule oder vom Arbeitsplatz - es gibt nunmal unterschiedlich begabte Menschen und faule ! Menschen.
Wäre es überhaupt gerecht, wenn alle gleich behandelt würden?
Nehmen wir mal an, dass der Mensch auch die Faulheit überwunden hat und alle mit dem gleichen Elan an die gemeinsame Sache gehen und - dass man auch das subjektive Gefühl überwunden hat, mehr zu leisten als andere, das auch irgendwie in der menschlichen Natur verwurzelt ist.
Dieses Gefühl kommt selbst in glücklichen Partnerschaften gelegentlich vor, gegenüber Menschen die man liebt, wie sehr wäre es dann erst gegenüber (mitunter unsympathischen) Fremden verbreitet!
Ich würde es nicht als Misstrauen gegenüber einem System betrachten, sondern als eine äußerst menschliche Eigenart.

Machen wir den Menschen aber einmal besser als er ist und denken weiter:
Wir haben eine Lehrerin und eine Putzfrau, die im System den gleichen Stellenwert einnehmen sollen.
Nun ist aber zum einen der Bildungsweg einer Lehrerin viel länger und (geistig) fordernder als der einer Putzfrau. Ist es in Ordnung von ihr zu verlangen für deutlich mehr Aufwand im Bildungsweg am Ende den gleichen Stellenwert einzunehmen? Sie wird am Ende auch in der Lage sein sehr viel mehr Schüler zu unterrichten als die Putzfrau Wohnungen zu putzen, selbst wenn erstere unter ihrer Kapazität arbeitet.
Vielleicht hat die Lehrerin auch überhaupt keinen Bedarf nach der Gegenleistung der Putzfrau, deren Kinder hingegen haben sehr wohl einen Bedarf an Bildung.
Dafür hat die Putzfrau vielleicht nicht den geringsten Bedarf an einem Herrenausstatter, der diese Aufgabe aus Zeitgründen aber gern delegieren würde. Dies würde in einem Chaos aus gerechten und objektiv betrachtet ungerechten Gegenleistungen enden.
Versuchen wir mal davon auszugehen, dass jeder nach Begabung eingesetzt wird:
Nächstes Beipiel: Ein Bauer und ein Zeitschriftenverkäufer am Kiosk (ohne besondere Fachkenntnisse, reiner Verkauf).
Der Beruf des Bauern erfordert deutlich mehr Kenntnisse und mehr körperliche Arbeit. Wer und wie wird bestimmt, wer welche Aufgabe übernehmen darf?
Der Bauer erfüllt vielleicht die geistigen Forderungen des Zeitschriftenverkaufs, der Verkäufer aber nicht die körperlichen des Bauern.
Ist es fair dem Bauern seine Last aufzubürden, Heuballen durch die Gegend zu hieven und jeden morgen um 5.00 Uhr aufzustehen nur weil er (unverschuldet) einen körperlichen Vorteil hat?

Zurück zu dem Punkt, wie die menschliche Natur eben funktioniert und wie die Agressionen und Misstrauen unterdrückt werden, hätte ich auch gleich eine Reihe von Antiutopien im Ärmel, die sehr schön schildern, was so alles schiefgehen kann:
Equilibrium (Neutralisierung jeglicher Gefühle mit pharmazeutischen Mitteln), 1984 (totalitärer Staat), Der futurulogische Kongreß (*****) und Rückkehr von den Sternen, beides von Lem (Unterdrückung negativer Gefühle mit pharmazeutischen Mitteln).

Rotkätzchen
12.07.2008, 10:14
Der Kommunismus ist eine Utopie, die aber zwangsweise zu einer Dystopie werden würde, sollte sie mal wieder losgetreten werden, egal ob global oder regional begrenzt auf einen Staat. Alle sich selbst betitelten Kommunisten wurden zu Diktaturen. Er funktioniert nicht. Weil wir alle Ehrgeiz in uns tragen, der uns beflügelt bei allem was wir täglich tun. Zu Ehrgeiz gehört auch das Bestreben, aus der Masse hervor zu stechen. Im Kommunismus würde das unterbunden werden. Wir müssten alle gleich sein:

Ehrgeiz wäre gesellschaftsfeindlich.

Künstler und Künste müssten verboten werden.

Musik dasselbe: Keine dürfte musizieren, denn nicht jeder kann Geige spielen, also dann besser keiner. Außerdem würde nicht jeder gleichgut Geige spielen.

Fortschritt gäbe es nicht mehr, weil niemand erfinden dürfte. In dem Moment wäre der Betreffende schließlich anderen voraus. Aber ohne Ehrgeiz erübrigt sich das sowieso.

Da kommt auch Putzfrau und Lehrerin zu Tragen: Warum sich die Mühe machen, anderen was beizubringen, wo man nicht mehr vom Leben hat, wenn man täglich gemütlich gärtnern geht?

Jeder innere Antrieb, die Menschen beflügelt, Berge zu ersteigen, Raketen zu bauen oder Fußball-Weltmeister zu werden, würde ersterben. Wir sollten ja alle gleich sein, deshalb darf es keinen Weltmeister geben.

Kommunismus wäre die absolute Gleichschaltung und für mich die größte Horrorvorstellung, zu der ich fähig bin. Das bezeichnende wie anschauliche Beispiel dafür hat Orwell mit 1984 geliefert.

Mag die Idee in Grundzügen noch ganz gut klingen, scheitert sie jedoch an allen Ecken und Enden am menschlichen Makel: Wer Macht hat, missbraucht diese, das wird immer so sein. Und auch ein Kommunismus in Reinform könnte nicht funktionieren ohne Leute, die mächtiger sind als andere.

Horus
12.07.2008, 13:20
Nicht der Selbstlose überlebt, bekommt die besten Brocken und kann sich fortpflanzen, sondern eben der, der sich vordrängelt, der Egoist.


Eine traurige Erkenntnis aber leider wahr. Ich bin allerdings nicht überzeugt, dass das der wahren Mentalität und dem Gewissen der Menschheit entspricht, sondern eine Folge der geschichtlichen Vergangenheit und natürlicher Vorherbestimmung ist.

Laut Darwins Evolutionstheorie kann die Menschheit nur mit diesen Eigenschaften überleben, aber mal ganz ehrlich - schaut euch die Welt da draußen doch an; Es gibt fast 7 Milliarden Menschen auf der Erde. Mehr als die Hälfte davon lebt in Armut und leidet an Hungersnöten. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil hat überhaupt die Möglichkeit, den existierenden Luxus, den das menschliche Leben mit sich bringen kann, zu genießen.

Was ich sehe ist eine Welt, in der die Menschen die Kontrolle über sich selbst verloren haben. Wir haben einfach den Überblick verloren und meiner Meinung nach, distanzieren wir uns von der Darwinschen Theorie und entwickeln einen eigenen Weg, den ich hier nicht benennen kann. Aber ich glaube, wir stellen neue Regeln auf, was den Erhalt und den Fortschritt der menschlichen Zivilisation angeht. Was allenfalls dazu führt, dass die menschliche Evolution stillsteht und dass das in eine Evolution der technischen Welt gründet.

Nehmen wir an ich habe mit meiner Behauptung Recht und die natürlichen Regeln haben ihre Kontrolle über uns verloren; wohin kann das führen?

Niemand kann vorhersagen, wie die menschliche Entwicklung in der Zukunft aussieht - und somit ist es durchaus vorstellbar, dass wir uns hin zu einer kommunistisch geprägten Welt entwickeln, die zwangsläufig in einer Dystopie enden muss; zumindestens nach unserem heutigen Verständnis.

Gut möglich ist auch, dass sich die Gedanken der Menschen verändern werden. Ihr Art und Weise zu denken. Einschneidende Ereignisse in der zukünftigen Geschichte können dafür sorgen, dass ein Ruck durch die Welt geht und sie verändert. Prinzipien und moralische Werte existieren nicht ewig und können durch neue, vollkommen andere ersetzt werden.

Also, ich kann mich nur der Meinung von koshka anschließen, dass der Kommunismus nicht praktikabel ist, weil alle Menschen gewissen Uristinken unterliegen. Wir haben von unseren Vorfahren ein Überlebenspacket erhalten, das wir nicht ablegen können (z.B. Neid). Deshalb werden die jetzigen Menschen den im K. beschriebenen Zustand nie erreichen.

Allein die Tatsache, dass der Mensch sich den K. vorstellen kann sollte aber verdeutlichen, dass der Mensch Potential hat.


Und genau das ist es, was ich auch glaube: das Potential ist da, nur eben nicht ausgeschöpft. Wir stellen uns selber Barrieren in den Weg. Lassen uns von urzeitlichen Instnkten beherrschen, anstatt selber die Kontrolle über unsere Gedanken und Taten zu übernehmen.

Ich bin sowieso der Meinung, dass der menschliche Geist zu mehr fähig ist, als er gegenwärtig bereit ist zu zeigen, aber ich schweife schon wieder ab.

An diesem Punkt möchte ich zugeben, dass die praktische Umsetzung des Kommunismus für mich auch schwer vorstellbar ist, aber ich davon überzeugt bin, dass jede Idee, die von den Menschen erdacht wurde, irgendwann in die Tat umgesetzt werden kann. Wir sind nur noch nicht in der Lage dazu. Uns fehlt dazu etwas; etwas dass ich nicht genau benennen kann. Es fehlt einfach. Ist es Erkenntnis, Erfahrung, Weisheit? Ich weiß es nicht.

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Ich denke an diesem Punkt bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass Kommunismus mich deshalb fasziniert, da es eine Alternative zu unserem politischem System darstellt und von der Grundidee her, eine reine und gute Sache zu sein scheint. Allerdings kann sie heutzutage nur zwei Dinge hervorrufen: Entweder wie schon angesprochen Diktatur oder Dystopie. Beides nicht gerade einladend. Diktatur hat es in ihren Folgen schon gegeben, auch wenn sie unter dem Deckmantel einer führenden und vom Volk mit Mehrheit gewählten Partei geführt wird. Jeder sollte wissen, dass die Wahlen nur auf Grund von Wahlmanipulationen, Einschüchterungen durch Geheimpolizei und politischem Verbot, anders denkender Parteien, gewonnen werden.

Auch ich möchte in so einer Welt nicht leben, da sie die persönlichen Recht und Fähigkeiten jedes Menschen einschränken. Genauso würde es auch in einer Zukunftsvision des Kommunismus aussehen und das möchte ich mir auch lieber nicht vorstellen.

Also wie gesagt: Idee der Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und Wegfall von Klassen, die zwangsläufig zu Diskriminierung führen, ist top. Praktische Umsetzung und Vereinbarkeit mit der menschlichen Natur ist unmöglich und nicht erstrebenswert!

Warin
13.07.2008, 22:08
Na ja, ich würde das Pferd mal von der anderen Seite aufziehen: Der Kapitalismus lebt ausschließlich vom Wachstum. Unbegrenztes Wachstum ist aber nicht möglich, das hat der Club of Rome schon 1972 festgestellt. Die letzte Aktualisierung der Studie von 2004 prognostiziert den Kollaps spätestens für das Jahr 2100, sollten keine gravierenden Änderungen der Umwelt- und Wirtschaftspolitik erfolgen, gar schon für das Jahr 2030.

Der Kommunismus liefert Theorien für die Zeit nach dem Kollaps. Nicht mehr, nicht weniger. Größtes Problem sehe ich wie Acatane auch in der Leistungsgerechtigkeit. Denn darum geht es: Um Leistungsgerechtigkeit und nicht absolute Gerechtigkeit. Deshab würde ich auch widersprechen, dass es in einer kommunistischen Gesellschaft keinen Leistungsanzreiz gäbe. Die Frage ist nur, wie soll der arbeitsteilige Prozess praktisch gewährleistet werden? Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen. Tja, klingt gut in der Theorie, aber wurden die Fähigkeiten eines Volkes jemals statistisch erhoben? Selbst wenn ich von einer Normalverteilung ausgehe, reicht das, um alle volkswirtschaftlich zwingend erforderlichen Tätigkeiten abzudecken? Ich denke, es würde schon einer gewaltigen globalen Krise und zunehmender Reife der Menschen bedürfen, um derartige Konzepte erfolgreich in die Praxis umsetzen zu können. Aber drüber nachzudenken lohnt sich sicher.

SemSimkin
13.07.2008, 23:31
Eine traurige Erkenntnis aber leider wahr. Ich bin allerdings nicht überzeugt, dass das der wahren Mentalität und dem Gewissen der Menschheit entspricht, sondern eine Folge der geschichtlichen Vergangenheit und natürlicher Vorherbestimmung ist.

Laut Darwins Evolutionstheorie kann die Menschheit nur mit diesen Eigenschaften überleben, aber mal ganz ehrlich - schaut euch die Welt da draußen doch an; Es gibt fast 7 Milliarden Menschen auf der Erde. Mehr als die Hälfte davon lebt in Armut und leidet an Hungersnöten. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil hat überhaupt die Möglichkeit, den existierenden Luxus, den das menschliche Leben mit sich bringen kann, zu genießen.



Oh doch, das entspricht durchaus der wahren Art des Menschen ... sonst hätten nicht wir alle Säbelzahntiger und sonstiges Tierzeug totgeschlagen, sondern die uns aufgefressen.

Und natürlich lebt die eine Hälfte der Menschheit auf Kosten der anderen. Das ist ja auch nur konsequent: "Nimm dir was du kriegen kannst" funktioniert einfach noch am Besten.

Der propagierte Kommunismus war niemals die Umsetzung der (ja eigentlich philosophischen) Idee von Marx. Es war eine Mogelpackung ... Machtpolitik, wie auch z.B. das Christentum schlussendlich.

Wall Hadrian
14.07.2008, 00:16
Der propagierte Kommunismus war niemals die Umsetzung der (ja eigentlich philosophischen) Idee von Marx. Es war eine Mogelpackung ... Machtpolitik, wie auch z.B. das Christentum schlussendlich.

Das Christentum mit dem Kommunismus zu verbinden ist ja mal echt interessant.
Jede übergeornente Institution stellt doch eine gewisse Macht dar und hat automatisch mit Ploitik zu tun. Das ist och in erster Line ganz normal.


Der propagierte Kommunismus war niemals die Umsetzung der (ja eigentlich philosophischen) Idee von Marx.

Marx hat aber allen seinen Nachfolgern "Leitfiguren" (Mao, Lenin usw.) eine genau Wegbeschreibung hinterlassen. Die ganzen späteren kommuistisch geprägten Staaten konnten immer behaupten, sie befänden sich in einem Übergangsstadium, dem Sozialismus.

(z.B. Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken)

Offiziel hat man immer nur auf das große Ziel K. hingearbeitet.

Razor
14.07.2008, 00:29
Ehm, eine Anmerkung am Rande:

Es war eine Mogelpackung ... Machtpolitik, wie auch z.B. das Christentum schlussendlich.

Das Christentum mit dem Kommunismus zu verbinden ist ja mal echt interessant.
Jede übergeornente Institution stellt doch eine gewisse Macht dar und hat automatisch mit Ploitik zu tun.

Beides kann man so nicht stehen lassen. Ich schätze ihr meint dasselbe, allerdings sollte man dann für das Wort "Christentum" den Begriff "Kirche" einsetzen.
Während ersteres eine Religion(!) ist, bezieht sich das Wort Kirche tatsächlich auf eine Institution.

Wall Hadrian
14.07.2008, 19:34
Ich schätze ihr meint dasselbe, allerdings sollte man dann für das Wort "Christentum" den Begriff "Kirche" einsetzen.
Während ersteres eine Religion(!) ist, bezieht sich das Wort Kirche tatsächlich auf eine Institution.

Das ist natürlich richt.
Die ausübende Institution sind die jeweiligen Kirchen (katholisch, protestanisch, orthodox usw.).

Ich wollte auf die Masse hinweisen.
Große Gruppen (Mitgliedszahlen/Anhänger) besitzen auch passiven Einflüss.

B/R

SemSimkin
16.07.2008, 23:55
@Hadrian: ;) Das mit dem "darauf hinarbeiten" hast du perfekt erkannt. Genau das definiert ja die Masche einer Heils-Religion. Das ist der Kern der ganzen Sache ...

Durch dieses Jammertal, wohl ein recht öder Ort, wandeln die Gläubigen in Vertrauen auf Gott, daß der sie aus dem Elend errette. Bibel - Psalm (Ps. 84,7).

@Razor: Ich meine durchaus das Christentum selbst. Ich will niemandem zu nahe treten, aber das ist eine fatale, sektiererische Ideologie, die aus den Minderwertigkeitskomplexen eines kleinen Völkchens entstanden ist.