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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Christa Wolf - Medea. Stimmen


Hathor
31.07.2008, 19:49
Sie ist eine der faszinierendsten und zugleich widersprüchlichsten mythischen Gestalten. Von Euripides wurde sie als Kindsmörderin in die Literatur eingeführt, spätere Jahrhunderte haben sie immer wieder um- und anders gedeutet: Medea. Heilerin, Priesterin, Liebende, Eifersüchtige, Verräterin, Intrigantin: Christa Wolf erzählt die Geschichte – teilweise Quellen vor Euripides folgend – neu und entwirft dabei das Porträt einer eigenwilligen, einer ungewöhnlichen Frau zwischen den Zeiten.

Das ist eines meiner Lieblings-Nicht-Fantasy-Bücher.

Zum einen halte ich Christa Wolf für eine der besten Erzählerinnen überhaupt. Ich liebe ihren Stil, ihre schöne Sprache, mit der sie virtuos umgeht. Kein Wort zuviel, keines zuwenig. Lesegenuss pur.

Daneben liebe ich das Thema. Ich mag es, wenn eine Person, von der man sich ein (Vor)Urteil gebildet hat, plötzlich Tiefe und Vielschichtigkeit erhält. Medea, die oft nur als Rächerin oder Mörderin dargestellt wird, ist hier eine starke Frau, intelligent und selbstbewusst. Die verschiedenen Erzählerstimmen (sechs sind es insgesamt) zeichnen das Bild einer Frau, die keine Chance hat. Weil die Öffentlichkeit sie schon verurteilt hat - und man unbedingt einen Sündenbock braucht.