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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Stanley Kubrick: 2001 - Odyssee im Weltraum


Haramis
01.08.2008, 23:56
Als Stanley Kubrick den Autor Arthur C. Clarke einlud, mit ihm zusammen an diesem Science-Fiction-Film zu arbeiten, kann man jede Wette eingehen, dass weder der als Einzelgänger bekannte Regisseur noch der große Autor geahnt haben, dass sie einen Film kreieren würden, der die Parameter des Kino-Sehens neu definieren sollte.

Inspiriert von einer Kurzgeschichte Clarkes, hat Kubrick ein unkonventionell erzähltes, auf Visualität beruhendes Poem geschrieben (auf 139-Minuten Film kommen nicht einmal 40 Minuten Dialog), das in einer eigene Bildsprache die Geschichte der Evolution erzählt. Der Evolution, die bereits geschehen ist und einer Evolution, die vielleicht noch kommen mag. Beginnt der Film im Zeitalter der Urmenschen, gelingt es Kubrick in nur einer Sequenz ins Zeitalter der Raumfahrt überzuleiten und vom Flug eines Raumschiffes namens Discovery im Jahre 2001 zu berichten, um mit der metaphysischen Geburt eines Sternenkindes zu enden.

Präzise ist die Geschichte konstruiert, die sich auf einer Subebene geschickt mit der Enthumanisierung des Menschen durch die voranschreitende Technologie auseinandersetzt, wofür in Kubricks Klassiker der Computer HAL 9000 steht, der von allen Figuren über die am weitesten entwickelte Persönlichkeit verfügt. Dinge wie diese sind es denn auch, die 2001 zu einem Film wie keinen anderen machen, auch wenn die Darstellung des ersten Jahres im neuen Millennium, wie wir heute wissen, denn doch etwas zu enthusiastisch ausgefallen ist. Seine spektakulären, präzise ausgearbeiteten Spezialeffekte haben darüber hinaus die Zeiten überstanden und bestehen selbst heute noch den Vergleich mit aktuellen Produktion. Ohne zu übertreiben kann man sagen, dass dies ein cineastischer Meilenstein war und ist: verwirrend, provokativ, perfekt.

Ich habe heute den Film zum ersten Mal gesehen, und wundere mich, was die Bedeutung des Monolithen sein könnte. Ist er ein Symbol für ein höheres Wesen, das auf die Entwicklung der Menschen einwirkt? Symbolisiert er das Ausgeliefertsein des Menschen gegenüber Dingen wie Alter und Tod, trotz seiner Technik, die sich ja gegen ihn wendet?

Hat sich irgendjemand mit dem Film beschäftigt oder sich ein paar schlaue Gedanken darüber gemacht?
Wenn ja, fände ich es sehr interessant, darüber zu diskutieren.

:)

SargAsmus
02.08.2008, 12:56
also, ich habe diesen film mehrmals gesehen - und fand ihn jedesmal richtig gut. ich interpretiere dieses werk nicht nur als entwicklungsdarstellung des menschen von der urzeit zum zeitalter der raumfahrt, sondern gegensätzlich dazu stellt er mMn auch sehr gut wesenszüge der menschen dar, die sich eben trotz technologischen fortschritts nicht weiterentwickeln. beim genauen hinschauen findet man zB beim umgang der urmenschen und dem umgang der "modernen" menschen mit den monolithen erschreckend viele parallelen. leider habe auch ich keine genaue vorstellung von der wahren bedeutung der monolithen. fakt ist aber: es gibt sie laut film nicht nur auf der erde, sie sind zu perfekt, um natürlichen ursprungs zu sein, und es gibt sie schon sehr lange. im übertragenen sinne stellen sie, soweit ich mich erinnere, in der geschichte voller wandel und veränderung die scheinbar einzige konstante dar. für mich persönlich dienen sie als eine art ankerpunkt, an dem das verhalten der unterschiedlich entwickelten menschen gemessen werden kann, um so deren verhalten und damit entwicklung besser beurteilen zu können. und wie oben bereits erwähnt: die entwicklung ist vielleicht nicht so groß, wie es auf den ersten blick scheint.

ich finde den film sehr spannend und auf jeden fall sehenswert und bin nun echt neugierig, was ihr anderen so für interpretationen, ideen und ansichten dazu habt...

Hathor
02.08.2008, 16:45
Das ist ein Film, der schon vierzig Jahre lang Rätsel aufgibt und wohl auch zukünftigen Generationen Kopfzerbrechen bereiten wird.

Ich habe ihn schon ein paarmal gesehen und jedesmal anders empfunden. Beim ersten Ansehen fand ich ihn nur furchtbar. Ich konnte nur den Kopf schütteln... ich mag eigentlich keine Filme, in denen fast nichts gesprochen wird.

Beim nächstenmal habe ich dann sehr auf Details geachtet - zB auf den Monolithen oder auf die Musik, auf das Licht und die Farben.

Ja, und inzwischen mag ich den Film, auch wenn ich ihn immer noch nicht verstehe. Aber ich denke, das muss gar nicht sein. Ich interpretiere den Monolithen als irgendwas Über-Menschliches, Über-Natürliches, vielleicht sowas wie Gott.. Gerade die Szene, in der Bowman am Ende den Stein berühren möchte - so, als ob er einen Sinn sucht, oder als ob er den Sinn von allem endlich erkannt hätte. Einen philosophischen Touch hat der Film auf jeden Fall.

ExLibris
05.08.2008, 14:12
Es ist schon etwas länger her, dass ich den Film gesehen habe. Das liegt daran, dass ich ihn schon beim ersten Mal unerträglich fand, und ihn kein zweites Mal sehen wollte. Ich weiß, ich trete damit immer einem Kubrick-Fan auf die Zehen, aber ich kann mit dem Film nichts anfangen. Eigentlich mit Kubrick insgesamt nicht. Vielleicht wollte er nur testen, was das Puplikum interpretiert, wenn es einen sehr langen Film mit sehr wenig Text sieht. Es kommt mir wie ein Experiment vor, was man mit dem Stilmittel Film so alles machen kann. Ton, Farbe, Szenen. Das wäre ja in Ordnung und auch interessant. Aber warum Kubrick zum Mythos wurde, kann ich nicht nachempfinden.

Bei der Interpretation fällt mir dabei immer der "Hurz" Sketch von Hape Kerkeling ein. *engel*

Aber ich gebe zu, vielleicht würde ich meine Meinung, wenn ich ihn heute noch einmal sehen würde.

Melyanna
05.08.2008, 14:19
Soweit ich mich erinner, haben Clarke und Kubrick an dem Projekt "2001" gemeinsam und gleichzeitig gearbeitet und das Thema in Buch und Film an manchen Stellen abweichend voneinander behandelt, so dass Fragen erst beantwortet werden, wenn man beides gesehen/gelesen hat - oder beides gemeinsam einfach noch mehr Spekulationen und Fragen aufwirft.

Ich selbst habe nur das Buch gelesen und erinner mich zugegeben nicht mehr komplett daran (auch wenn es erst ein Jahr her ist) - aber dieser Thread erinnert mich auf jeden Fall daran, dass ich den Film ja auch noch mal (endlich) sehen wollte...