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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Sündentochter - von Sandra Lessmann


Rotkätzchen
16.08.2008, 15:55
Kurzbeschreibung
Ein düsterer Abend im London des Jahres 1666: Hilflos muss Richter Orlando Trelawney mit ansehen, wie eine Hebamme kaltblütig ermordet wird. Nur durch beherztes Eingreifen kann verhindert werden, dass auch Anne, die Tochter des Opfers, niedergemetzelt wird. Voll Entsetzen über die grausame Tat wendet sich Orlando an seinen Freund, den Arzt Jeremy Blackshaw, der ihm schon einmal bei der Aufklärung eines Verbrechens geholfen hat. Zunächst steht Jeremy vor einem Rätsel - zumal Anne beharrlich schweigt. Und doch scheint das junge Mädchen mehr über die Hintergründe der Bluttat zu wissen. Wen aber schützt Anne? Was steckt hinter dem scheinbar sinnlosen Mord? Während Jeremy noch eine Antwort auf diese Fragen sucht, bricht der große Brand von London aus, der ihm die Lösung des Falls fast unmöglich macht ...
Nach dem erfolgreichen Erstling nun der neue Roman der Bestsellerautorin.



Der Einstieg in die Story ist schon mal großartig: London, Nebel, Nacht, zwei einsame Gestalten, eine dunkle Gestalt mit Pistolen... PENG!
Der Einstieg hatte was von "Jack the Ripper"-Grusel und fand ich sehr gut geglückt.

Die Geschichte flutscht auch interessant weiter, da schnell absehbar ist, dass hinter dem Mord mehr als ein einfacher Raubmord steckt. Hin und wieder verliert sich das ganze en wenig in Belanglosigkeiten, doch das ist verschmerzbar. Der Historienkrimi ist durchweg abwechslungsreich und interessant und wartet mit ein paar überraschenden Wendungen auf.

Negativ anmerken möchte ich gelegentliche Ausschweifungen in Erzählstränge, die die Hauptstory abbremsen bzw. nicht weiterbringen. Der historische große Brand mag geschichtlich einschlägig sein, aber in dem Buch verschlingt er meines Erachtens zu viel Platz, zumal der Brand die Krimistory nicht im Mindesten beeinflusst. Die Charaktere beeinflusst er allemal, aber die Crime-Story bremst er ab.

Die Auflösung der Rätsel ist zuletzt auch ein wenig... mmmmmh... naja, ich hatte halt irgendwie mehr erwartet. Das Ende kommt dann auch noch ziemlich überstürzt und lässt Fragen zu künftigen Liebschaften zweier (bzw. dreier) Hauptpersonen offen. Naja, das wird dann wohl im Fortsetzungsroman beantwortet. Autoren sind so durchschaubar. :D

Hier sein angemerkt, dass auch Die Sündentochter ein Fortsetzungsroman von Die Richter des Königs sind. Der Vorgänger ist aber mitnichten nötig, um die Story zu erfassen. Ob er den Lesespaß erhöht, weiß ich nicht, da ich ihn nicht kenne (aber vielleicht noch kennen lernen werde. ;) )

Alles in allem ein spannender Historienkrimi mit einer etwas dürftigen Auflösung. Lesespaß und vor allem Leseinteresse waren durchweg vorhanden, die Charaktere konnten auch überzeugen, wenngleich sie für mittelalterliche Verhältnisse teilweise erstaunlich mitfühlend waren. Eine Weile hatte ich den Verdacht, die Autorin würde ähnlich wie gewisse andere Genre-Autoren, einen "Historienroman" vorschützen, um in Wahrheit einige schlüpfrige Gegebenheiten (oder sollte man sie "erotomanische Genüsse" nennen? :D ) zu verarbeiten. Dieser Verdacht verlor sich dann aber schnell wieder. Nach Die Hitzkammer von Wolf Serno ist Die Sündentochter meine bisherige Nummer 2 in meiner privaten Hitlist Historischer Romane.