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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Laura James - Tigger auf der Couch


Akissi
31.08.2008, 14:54
Dornröschen, Peter Pan, die sieben Zwerge jeder kennt die berühmten Märchenfiguren. Durch ihre Geschichten lernt man fürs Leben. Doch die meisten stehen auch für diverse psychische Auffälligkeiten. So leidet Aschenputtel offensichtlich an Depressionen, Rumpelstilzchen frönt einer unübersehbaren Spielsucht und Tigger aus Pu, der Bär ist ein Paradebeispiel für Hyperaktivität. Anhand genauer Fallstudien zeigt Laura James, wodurch solche Defekte entstehen, aber auch, wie man sie diagnostiziert und behandelt.


"Die Helden unserer Kindheit und ihre Macken"

Habt ihr euch je eines der Bücher angekuckt, die ihr als Kind so gern hattet und euch darüber gewundert, wie seltsam und "verrückt" die Figuren heute zu Teilen scheinen? In diesem Buch findet ihr genaue Diagnosen und Behandlungsmethoden für die psychischen Störungen des Käpt'n Hook, Tigger, Pippi Langstrumpf & Co.
Einem höchst amüsanten Vorwort folgt sofort die erste Fallstudie: Die Herkönigin. Diagnose: Erworbene und narzisstische Persönlichkeitsstörung.
Es folgen Angaben zu Verhalten, Ernährung, Familie, dann Anmerkungen, Fakten/Symptome, Prognose und Behandlungsmöglichkeiten.
So geht Laura James auf 216 Seiten (ohne Einführung und diverse Nachworte) mit insgesamt 31 fiktiven Patienten aus ihren Kindertagen vor.

Dies ist kein Buch zum Durchlesen in einem Zug. Vielmehr kann man es sich immer mal wieder ankucken, um sich psychische und psychologische Störungen vor Augen zu führen und an bekannten Beispielen illustrieren zu lassen - um so manches mal darüber zu schmunzeln, was man als Kind als lustige, äußerst seltsame oder sogar nervtötende Charaktereigenschaften der Figuren angesehen hatte.
ADHS, Borderline, Angststörung, Narzissmus, Co-Abhängigkeit und sogar die pure Normalität sind hier genau und ziemlich professionell aufgeführt. Man kann auch am Ende des Kapitels eines jeden "Patienten" testen, ob man selbst einen Pu-Bär, eine Wendy Darling oder einen großen bösen Wolf kennt.

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Ich hatte und habe Spaß daran, in diesem Buch zu schmökern - was sicher auch an meinem Interesse an der Psychologie liegt. Aber ganz abgesehen von den informativen Aspekten dieses Werkes habe ich es auch sehr genossen, bekannte Figuren wiederzufinden und mir über den möglichen Grund für ihre Verhaltensmuster Gedanken zu machen und klar zu werden. Selbstverständlich sind es alles nur fiktive Charaktere - ich finde es aber gerade deswegen so interessant... irgendetwas müssen sich die Autoren schon dabei gedacht haben, vielleicht unbewusst, vielleicht aber auch in jeder Hinsicht bewusst.

Ich würde dieses Buch als für jeden lohnenswert bezeichnen, der die Kindheitshelden mal von einer anderen Seite betrachten und nebenbei etwas über Psychologie erfahren und lernen will. Denn nicht zuletzt ist es auch eine Möglichkeit, sich über Verhaltensmuster von realen Mitmenschen klarzuwerden, wenn man auch nur selten jemanden finden wird, der allen Verhaltensmustern eines bestimmten Charakters entspricht - jedenfalls würde ich das doch hoffen^^

ChibiShiina
14.10.2008, 21:44
Okay, nachdem ich über diesen Thread überhaupt erst zu diesem Buch gekommen bin (musste ganz schön Suchen, das wird nicht überall in den Büchergeschäften angeboten), möchte ich natürlich jetzt auch noch ein bisschen was dazu sagen. ^^

Tut mir Leid, Akissi, aber ich hab das Buch, hingegen deiner Empfehlung, innerhalb eines ganzen Tages durchgelesen. Weil ich es einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte ^^ Es war wahnsinnig interessant zu lesen wie sich die ehemaligen Helden meiner Kindheit auf der Couch gemacht haben. Obwohl sogar eine Figur dabei war die ich nicht kannte, aber Eloise kennt wohl hierzulande auch nicht jeder. ^^

Was noch dazugesagt werden sollte ist, wenn man von diesen Figuren, die auf der Couch platz nahmen, im Buch halt, jetzt noch ein paar Lieblingsfiguren hat, dann kann man nochmal Schlüsse auf sich selbst ziehen.

So ungefähr wie: "Ich finde die Figur vielleicht gerade deshalb so symphatisch, weil sie mir so ähnlich ist?" So ging es mir zum Beispiel mit I-Aah, den ich wirklich wirklich gern habe ^^ Und ich hab festgestellt, dass ich in frühester Kindheit ähnlich wie er war, weniger Depressiv, aber den Hang leise zu sprechen und alles ein wenig hoffnungslos zu sehen und meine Umgebung selten um Rat oder Hilfe zu bitten.

Das Buch werde ich aber wohl definitiv noch öfters zur Hand nehmen. Es liest sich flüssig und ist interessant. Was noch ein guter Nebeneffekt ist, man liest jetzt etwas "bewusster" die alten Kinderbücher durch, analysiert ein bisschen spezifischer. Was ich vorher auch schon getan habe, aber jetzt habe ich die Möglichkeit auf Basis des Buches noch besser darauf einzugehen.

Auch wenn ich mich vorher nicht sooo sehr mit Psychologischen Büchern beschäftigt habe, ist dies doch ein guter Ansatz sich mit der Thematik an sich noch näher auseinander zu setzen.

Danke für die Empfehlung, Akissi ^^