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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Otfried Preußler - Krabat


Warin
04.09.2008, 19:14
Noch rechtzeitig vor der Filmpremiere (http://www.fantasy-forum.org/showthread.php?t=177) haben Dragonheart, Hathor, SargAsmus und ich uns entschlossen, (nochmal) Krabat zu lesen.

Wir lesen und diskutieren zunächst das erste Jahr, wenn alle bereit sind, das zweite und dann das dritte. Wer will, darf natürlich gerne noch dazukommen.

An'wén
04.09.2008, 21:25
Nun da würde ich mich gerne anschließen, da ich dieses Buch auch noch einmal lesen wollte, bevor ich ins Kino gehe. Ich mag es nämlich lieber, in ein Buch einzutauchen und mich auszukennen, ehe ich den Film dazu sehe. Und noch lieber diskutiere ich über Bücher.

Das trifft sich also gut :)

Warin
05.09.2008, 19:45
So dann mach ich mal den Anfang mit dem ersten Jahr, wobei ich nicht so recht weiß, was ich schreiben soll.

Es war schnell zu lesen. Punkt. Nichts was mich sonderlich bewegt hätte, nichts was mich sonderlich begeistert hätte. Die Sprache wirkt auf mich sehr altertümlich, gut, einer alten Sage, die noch dazu im 17./18. Jahrhundert angesiedelt ist, vielleicht angemessen. Ich muss zugeben, dass es Wörter gab, die ich nicht verstanden habe.

Ganz witzig die Szene mit den Soldaten, wobei dieser Witz auch schon was Altbackenes hatte, irgenwie ließ Wachtmeister Dimpfelmoser aus dem Räuber Hotzenplotz grüßen.:)

Lythande
06.09.2008, 11:42
Hallo zusammen,

ich habe Krabatt schon zweimal gelesen, denn den alten guten Schinken gibt es auch in Punktschrift, was jedoch nicht mehr eine wichtige Voraussetzung ist, da es vieles als E-Book gibt.
Auf den Film bin ich auch sehr gespannt, aber erwarte mir nicht zu viel davon, denn Filme... naja, darüber lässt sich gewöhnlich streiten.

Krabatt im Ganzen finde ich klasse, denn mich faszinierte die Einsamkeit bei der alten Mühle im Koselbruch und die mystische Stimmung, unter die Müllergesellen bei dem alten Zauberer ihre Kunst erlernten. Die Stimmung passt in die Wintermonate, in denen man dieses Buch unbedingt lesen sollte, um sich besser hineinversetzen zu können.

Da ich mich seit meinem neunten Lebensjahr mit Mythologie befasse, fand ich Spuren der altslawischen Mythen in dieser Geschichte. Der alte Müllermeister erinnerte mich sehr an den dunklen Gott Tschernebog, der für mich jedoch nichts Böses verkörperte, sondern einfach den Winter. Fiel mir nur so ein.

Gruß
Lythande

Hathor
07.09.2008, 09:39
Da ich mich seit meinem neunten Lebensjahr mit Mythologie befasse, fand ich Spuren der altslawischen Mythen in dieser Geschichte. Der alte Müllermeister erinnerte mich sehr an den dunklen Gott Tschernebog, der für mich jedoch nichts Böses verkörperte, sondern einfach den Winter. Fiel mir nur so ein.


Hm, das mit Tschernebog wusste ich nicht, der Name war mir bisher unbekannt. Allerdings denke ich, dass der Müller nichts mit Winter zu tun hat. Denn dann wäre er wohl ein wenig hart oder düster und nicht so, wie er ist. Ich empfinde ihn als absolut bedrohlich und... ja, böse.

Altslawisch stimmt wohl. Krabat ist anscheinend eine Verballhornung des Wortes "Kroate". in Südösterreich bezeichnet man dieses Volk mundartlich als "Krawoten". Eine kleine Vokalverschiebung berücksichtiggt (die auch regional bedingt sein kann) und eine Sprachähnlichkeit ist da schon festzustellen.

Obwohl ich Krabat zum zweitenmal lese, empfinde ich die Atmosphäre des Buches unheimlich und bedrückend wie beim erstenmal. Der Meister und der Gevatter mit der Hahnenfeder: für mich Archetypen des Unheimlichen wie Tod oder Teufel.
Absolutes Highlight des Unheimlichen: der Fluchtversucht. Erinnert mich an Albträume, die ich manchmal habe.

Preußlers Sprache begeistert mich wieder. Er trifft hundertprozentig den richtigen Ton.
Das Märchen wirkt auf mich vollkommen authentisch.
Und: Preußler bringt auf diesen wenigen Seiten eine derart dichte Handlung zu Papier, dass ich immer wieder staunen muss. Da ist kein Wort zuviel, keines zuwenig.

Die von Warin bemängelte Szene mit den Soldaten störte mich nicht. Ein komisches Element muss einfach zwischendurch sein. Ein Buch, und sei es noch so tragisch, braucht auch zumindest eine Stelle, an der die Leser lachen können. Sonst ist es kein gutes Buch.

So wie die kleine Lebensweisheit: Ein Tag, an dem man nicht zumindest einmal lachen kann, ist ein verlorener Tag.

SargAsmus
07.09.2008, 16:07
obwohl ich dieses WE nicht ganz so viel geschafft habe zu lesen, wie geplant, habe ich doch schon ein, zwei sachen zu sagen. die stimmung, die der autor vermittelt ist düster, das buch hat mich schnell in den bann gezogen. den anfang allerdings, bis die träume begannen, fand ich nicht gelungen, und er ist auch ein wenig anders geschrieben. mMn hätte der autor auch gleich bei den träumen beginnen können, alles davor empfand ich als zu kurz und auch ein bisschen lieblos. warum sollte krabat, eingebunden in ein kleines soziales netzwerk, seine freunde einfach so zurücklassen? das empfand ich nicht als überzeugend. alles was danach kam fand ich bisher spannend, den fluchtversuch und auch die tatsache, dass vieles im verborgenen blieb (siehe probezeit). stoff für einen spannenden film ist es allemal!

so, jetzt werde ich mal noch ein wenig weiterlesen!

Hathor
07.09.2008, 16:22
Soziales Netzwerk? Sicher nicht. Krabat ist ein Betteljunge, ohne Eltern oder sonstige Verwandte. Er hat keine Unterkunft, niemanden, der für ihn sorgt. Betteln ist bei Strafe verboten.

Nur in der Zeit des Dreikönigssingens konnten sich die Bettelkinder ein bisschen Essen auf "legale" Weise verdienen. Das ist ein soziales Netzwerk?

Ich finde es schon wichtig, dass Preussler auf diese elenden Zustände hinweist. Denn genau die und die Aussicht auf einen Platz, wo er hingehört, treiben Krabat erst in die Mühle.

SargAsmus
07.09.2008, 19:06
Soziales Netzwerk? Sicher nicht.
Ich finde es schon wichtig, dass Preussler auf diese elenden Zustände hinweist. Denn genau die und die Aussicht auf einen Platz, wo er hingehört, treiben Krabat erst in die Mühle.

du hast recht, ich habe nochmal nachgeschaut! trotzdem finde ich, hätte er dann gerade diesen teil (krabats beweggründe) etwas eindringlicher schildern sollen. aber es stimmt schon: tonda war wohl sowas wie sein erster echter freund...

An'wén
08.09.2008, 10:06
Ich habe leider auch noch nicht alles des ersten Teiles geschafft, allerdings doch schon ein ganzes Stückchen ;)

Überrascht hat mich zunächst einmal wie viel ich vergessen hatte und dann musste ich doch lächeln, weil mein Exfreund aus der Ecke stammte, in welcher das Buch spielt.
Dann ist mir ebenfalls aufgefallen, dass Ottfried Preußler eine einfache aber ungeheuer eindringliche Art und Weise zu schreiben hat - es bleibt genug Raum, um nachzudenken und selbst seine Vorstellungen zu bilden, allerdings bleibt auch alles stets im Rahmen. Und es wird des Weiteren an keiner Stelle zu langatmig. :)

Besonders unheimlich wie dramatisch finde ich die Träume mit den Raben, die mich auch an alte Mythen erinnern (vielleicht kennt hier jemand die vier Zweige des Mabinogi? Da gibt es auch Geschichten mit Raben und Krähen und Totenschädeln, die sehr eindringlich sind) und den ersten Auftritt des Meisters, der sogleich düster und bedrohlich wirkt, vom ersten Augenblick an.

Ich muss jedoch auch SargAsmus zustimmen - auch mir war der Beginn mit der Darstellung von Krabats Lebensbedingungen ein wenig zu dünn, aber es ist auch nur bedingt relevant ...

@Lythande: Kannst du über diese Mythologie etwas mehr erzählen und in wie weit sich dies in die Geschichte hineinzieht? Oder würde das zu weit führen?

Warin
10.09.2008, 19:33
Liest noch jemand und möchte sich konkret zum zweiten Jahr äußern? Sonst würde ich nämlich langsam mein Gesamtfazit posten^^

An'wén
10.09.2008, 19:35
Also ich bin auch bald fertig und verspüre nicht den dringenden Wunsch, mich unbedingt noch zu äußern.

Also gerne Gesamtfazit ;)

Hathor
10.09.2008, 19:50
Ich bin schon so lange fertig, dass ich zwischendurch schon das dritte Buch beginne. Anscheinend wird das wieder mal eine unvollendete Leserunde.

Ein Gesamtfazit werde ich nicht schreiben, das habe ich schon an anderer Stelle hinterlassen. Der Sinn einer Leserunde ist ja, dass man Detail"ergebnisse" bespricht. Wenn ich gleich eine ganze Rezi verfasse, brauche ich keine Leserunde ;) Dann lese ich in Zukunft lieber für mich selber und teile dann meine Eindrücke im entsprechenden Buchthread mit :)

Warin
10.09.2008, 19:55
Wenn ich gleich eine ganze Rezi verfasse, brauche ich keine Leserunde ;) Dann lese ich in Zukunft lieber für mich selber und teile dann meine Eindrücke im entsprechenden Buchthread mit :)Mmh, seh' ich ein wenig anders: Hier brauche ich mir keine Gedanken um Spoiler zu machen und kann auch, nachdem ich mit dem Buch durch bin, noch ins Detail gehen.

Ehrlichgesagt war das aber auch kein Buch, zu dem ich "unterwegs" viel zu sagen gehabt hätte.

dragonheart
10.09.2008, 20:12
So, hm, huhu.
Ich melde mich wie immer viel zu spät zu Wort ._. *schäm*

Also ich bin erstmal wirklich erschrocken, wie viel ich vergessen hatte, obwohl ich doch eigentlich dachte, ich wüsste noch, was im Buch geschieht... Tja, öhm, ja, da lag ich wohl falsch ^^ Hab an sehr viel gar nicht mehr gedacht... Naja, ist aber auch Jahre her, als ich das Buch las.

Mir fällt auf, ich mag den Namen "Krabat" ♥ - Dass der Name aber von dem Wort "Kroate" kommt, war mir unbekannt *hust*

Wie schon erwähnt ist das Buch ziemlich unheimlich.
Die Highlights natürlich der Fluchtversuch *erzitter* und die Albträume.

Hm, was kann man sonst noch schreiben... Wurde schon so viel geschrieben, kann das größtenteils nur wiederholen und zustimmen... ._. (So isses, wenn man so spät erst zum lesen & antworten kommt ._.)

Preußlers Schreibstil gefällt mir auf jeden Fall, die erzeugte Stimmung passt perfekt zu den Situationen. Ein unheimlich und bedrückendes Buch (bisher auf jeden Fall - Und ich hab auch nicht in Erinnerung, dass sich das im dritten Buch noch sonderlich ändert... *kopfkratz*^^).

Auf den Film freue ich mich insgesamt sehr, obwohl ich nicht weiß, ob die diese Stimmung tatsächlich so glaubhaft rüberbringen können. Der Film Eragon war ja auch schon so ein reinfall ._.
Aber der Trailer schaut schonmal gut aus, den Film zieh ich mir auf jeden Fall rein *hrhr*

Soweit von mir, entschuldigt die verspätete Antwort, habe sehr viel um die Ohren. Beim Gesamtfazit werde ich aber ganz sicher nochmal dabei sein. - Mit einem hoffentlich weitaus intelligenteren und informationsreicheren Beitrag.

LG Dragonheart

SargAsmus
11.09.2008, 17:54
also, ich bin mit dem lesen auch soweit fertig, und mich beschäftigt eine frage: woher kommen die träume? einige von krabats träumen kommen sicherlich vom meister, aber doch nicht alle, oder? und woher kommen die träume seiner angebeteten? vielleicht habt ihr ja ne erklärung. ich schreibe aber erst mal nichts genaueres, weil ich nicht weiss, wie weit die einzelnen leute schon gelesen haben.

@dragonheart: ich finde den namen "krabat" auch ganz toll. schade, dass ich momentan kein namen für ein haustier zu vergeben habe...

Warin
11.09.2008, 19:09
also, ich bin mit dem lesen auch soweit fertig, und mich beschäftigt eine frage: woher kommen die träume? einige von krabats träumen kommen sicherlich vom meister, aber doch nicht alle, oder? und woher kommen die träume seiner angebeteten?Also wenn ich das richtig interpretiere, haben alle Menschen grundsätzlich eine Begabung für Magie, die Müllerknappen unterscheiden sich nur dadurch, dass sie trainieren, sie bewußt einzusetzen. Die Kantorka (verdammt, warum muss ich bei der Bezeichnung immer an 'Knorkator' denken:)) entwickelt ihre Magie jedoch ganz intuitiv aufgrund ihrer Liebe, deshalb kann sie im Traum mit Krabat kommunizieren und auch mit geschlossenen Augen seine Angst um sie spüren, für mich ist das der Kern der Geschichte, dieses zarte "magische" Band, das zwischen Krabat und der Kantorka entsteht. Ich fand es sehr faszinierend, wie anrührend leise Preußler diese Liebe ohne Kitsch und Brimbamborium erzählen kann. Schreibtechnisch interessant fand ich die Beschreibung der Träume in Drehbuchform, jeweils mit Wiederholung des letzten Satzes der Erzählung. Erst habe ich gedacht: Huch, was macht er da, das geht ja gar nicht, aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt.

Preußlers größte Kunst liegt für mich in der Selbstbeschränkung. Er hat ja Jahre an diesem Werk gearbeitet, war lange Zeit nicht damit zufrieden. Soviel Selbstdisziplin, sich am Ende auf das wirklich Wesentliche zu beschränken, ohne große Beschreibungen eine mitreißende Atmosphäre zu schaffen, ist bewundernswert. Heutzutage muss erfolgreiche Fantasy ja mindestens eine Triologie sein, deren Teile von Band zu Band dicker, aber selten besser werden. Leider würde wohl kein Verlag eine derartige Geschichte noch annehmen: Ein Märchen, noch dazu basierend auf einer bekannten Geschichte, das würd' sich wohl kein Lektor ansehen, wenn es von einem unbekannten Autor käme (warum muss ich gerade an Rickys Wolfsmärchen denken:()

Mehr erfahren hätte ich gerne über Pumphutt.

Zwar gibt es auch ein eigenes Buch über Pumphutt, aber da liegt die Zielgruppe doch eindeutig bei Kindern.

12,90 € für 28 Seiten und... nu ja, nicht so tolle Illustrationen finde ich ganz schön happig.

Eine Frage hätte ich aber auch: Krabat scheint ja eine typische Schullektüre zu sein, warum eigentlich? Ich hatte eine unverholene moralische Botschaft befürchtet, aber diese ist mir entweder verborgen oder erspart geblieben. Bei allen Lob: Preußlers Sprache ist sehr, sehr altmodisch, als Lehrstück taugt das Werk aus meiner Sicht daher nur bedingt. Auch wenn es sicherlich fies ist, die beiden großen Thienemann Autoren zu vergleichen: Von Michael Ende kann man m.E. wesentlich mehr lernen: Poetischer Sprachgebrauch und Aussagekraft, beides habe ich bei Preußler ein wenig vermisst.

Auf den Film freue ich mich jetzt aber noch um so mehr. Das wichtigste, die Atmosphäre, scheint der Regisseur gem. Trailer schon einmal gut rüberzubringen. Ansonsten läßt das Buch dem Drehbuchschreiber ja alle Freiheiten, ich bin mal gespannt, wie er sie nutzt. Die Trailerszene, in der der Meister Krabat die Verwandlung in einen Raben und das Fliegen beibringt, fand ich jedenfalls schon sehr gelungen. Eine Pleite wie bei Eragon erwarte ich eigentlich nicht, eher den ersten gelungen großen deutschen Fantasy-Film seit der Unendlichen Geschichte.

Hathor
11.09.2008, 19:55
Wer Krabat ein bisschen vertiefen möchte, dem möchte ich die Schwarze Mühle empfehlen: http://www.fantasy-forum.org/showthread.php?t=675&highlight=brezan

Nicht nur, dass die Geschichte noch etwas tiefer und sehr viel düsterer ist - die lllustrationen allein finde ich sehr sehenswert.