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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Christoph Marzi - Fabula


Rusch
20.01.2008, 16:58
Mit seiner Trilogie um Emily Laing schrieb er sich in die erste Garde der Deutschen Fantasyautoren. Hier nun meine Meinung zu Fabula:

Titel: Fabula (2007)
Originaltitel: ~
Autor: Christoph Marzi
Übersetzer: ~
Verlag/Buchdaten: William Heyne Verlag, ISBN 978-3-453-52327-2

Rezension von Rupert Schwarz



Colin Darcy hat sich ein erfolgreiches Leben in London eingerichtet. Er genießt das Großstadtleben in vollen Zügen, das so im Gegensatz zu seiner Jugend auf dem Landsitz Ravenscraig auf der schottischen Halbinsel Rhinns of Galloway steht. Mit diesem Abschnitt seines Lebens verbindet er nur schlechte Erinnerungen. Helen Darcy war eine furchtbare Mutter, die ihre Söhne Colin und Danny mit entsetzlichen Geschichten peinigte und diese so mit Leben füllte, dass die beiden Söhne in die Geschichten hineingesogen wurden. So war es nicht verwunderlich, dass beide Söhne Landsitz und Vermögen aufgaben und fortzogen. Zuerst zum Studieren und dann weg aus der Reichweite ihrer Mutter. Doch nun erreichen Colin seltsame Neuigkeiten: Seine Mutter soll verschwunden sein, und sein Bruder, der aus Amerika zurückkam, um nach seiner Mutter zu suchen, ist nun ebenfalls verschwunden.

Währenddessen entwickeln sich die Dinge in London gar nicht gut. Colins bester Freund verunglückt bei einem Autounfall, die Beziehung zu seiner Freundin endet, und die der Telekommunikationsfirma, für die er arbeitet, sieht sich mit Milliardenklagen konfrontiert, weil die Handys Krebs verursachen. Nur zu gerne entflieht Colin dem ganz, obwohl ihm klar ist, dass er sich nun seiner Vergangenheit stellen muss, und dies schließt Dinge ein, die keiner mit normaler Logik erklären kann. Und irgendwie ahnt Colin, dass die Ereignisse in London und Ravenscraig in Zusammenhang stehen.

In nur zwei Jahren ist Christoph Marzi zu einer festen Größe der Deutschen Fantasy-Szene geworden. Mehr noch: Seine Trilogie um Emily Laing war ein gewaltiger Bestseller. Laut Verlagsangaben wurden mehr als 250000 Bücher verkauft. Der Erfolg erklärt sich mit dem sehr spritzigen Stil des Autors, der durchaus auch sehr eigenwillig ist. Mit kurzen, prägnanten Sätzen lässt er seine Protagonisten oft reflektieren und erzählt so seine Geschichten in einer Weise, die sich wohltuend vom - leider muss man es so sagen - Einheitsbrei abhebt. Das gelingt ihm so gut, dass einem kaum auffällt, dass er kaum neue oder eigene Ideen in sein Buch schreibt. Vielmehr fügt er Bestehendes zu einem neuen Ganzen zusammen.

Auch bei Fabula ist dies nicht anders. Geschickt verbindet er ein paar Klischees und Ideen und schafft so einen neuen Roman. Allerdings kann er nicht ganz an Romane wie Lumen oder Lycidas anknüpfen. Colin Darcy ist nicht so interessant wie Wittgenstein und die Rhinns of Galloway verströmen nicht den Charme von Unterlondon. Irgendwie wollte der Funke dieses Mal nicht so recht überspringen. Allerdings - so viel sei gesagt - ist das Friedhofsmädchen Livia eine wunderbare Figur mit vielen Facetten und der Roman liest sich wegen des, für Marzi so typischen, Stils wieder sehr flott. Der Spannungsbogen ist gelungen und der Roman enthält keine Längen oder überflüssigen Passagen. So gesehen hat Christoph Marzi eine ganze Menge geboten und viele seiner deutschen Kollegen übertroffen. Ein wirklich origineller Roman von ihm könnte der ganz große Wurf werden. Bei Fabula ist es ihm noch nicht gelungen, und so ruhen die Hoffnungen auf dem nächsten Roman.

Fazit: Fabula ist ein spritziger Roman, der handwerklich gelungen ist, aber inhaltlich etwas origineller hätte sein können. 7 von 10 Punkten.

Lena
20.01.2008, 17:10
Fabula von Christoph Marzi hat auch mir gut gefallen. Wie du schon geschrieben hast, hat er einen eigenen Schreibstil und dieser gefällt mir sehr. Beim Lesen hatte ich immer die Stimme des Autors in meinem Kopf und ich habe versucht genau so zu lesen wie er es getan hat, als ich seine Vorlesung besucht habe. Er hat eine sehr interessante Welt aufgebaut, sehr komplex. Der Schluss hat mir nicht ganz zugesagt. Er liefert zwar die notwendigen Antworten, aber es geschieht zu schnell, fast schon unspektakulär.

Auf der Vorlesung hat Christoph Marzi laut über die Fortsetzung nachgedacht. Er könnte sich vorstellen, dass die Fortsetzung über die Mutter von Colin handeln könnte. Also kann man sich darauf freuen.

Rusch
20.01.2008, 17:18
Mehr von Colins fürchterlicher Mutter lesen? Na, ich weiß nicht.

Lena
20.01.2008, 17:23
Er hat natürlich nicht viel verraten, aber er hat etwas angedeutet, dass sie vielleicht nicht immer so furchtbar war. Man kann also gespannt sein, was Helen Darcy so grausam werden ließ.

schneeeule
29.01.2008, 09:59
Ich stehe im Moment noch ganz am Anfang des Buches (ca. Seite 80), nur ich muss schon sagen dass ich es bis jetzt noch nicht so toll finde. Ich hoffe das wird noch besser. Von Lycidas, Lilith und Lumen war ich begeistert.

Passiert denn mehr und wird es interessanter wenn Colin in seiner Heimat wieder ist???

Edit

so ich bin jetzt schon viel weiter und ich muss schon sagen das dieses durcheinander sich allmählich auflöst. Das Buch ist richtig spannend und klasse und ich bin schon gespannt wie es jetzt weiter geht. (bin gerade an der Stelle als Colin "Zu Hause" mit Livia ankommt"

schneeeule
08.02.2008, 07:39
Habe jetzt Fabula beendet und ich muss schon sagen das mir das Buch doch sehr gefallen hat. Marzis Schreibstiel ist einfach einzigartig. Richtig toll das Buch.

Ich würde mich schon sehr über ein Buch über die Mutter von Colin freuen, denn es muss ja auch einen Grund geben wie sie so bösartig geworden ist und warum Sie sich so verhalten hat.

Es würde mich schon sehr interessieren. Bin sehr gespannt, ob Marzi nun eine Fortsetzung schreiben wird

Seychella
22.04.2008, 06:54
Ein uraltes Haus in den schottischen Highlands, das ein düsteres Geheimnis birgt. Eine Mutter mit wispernden Lügen in den Augen. Zwei Brüder, die nach vielen Jahren an den Ort ihrer Kindheit zurückkehren. Eine Macht, die sie alle zu verschlingen droht. Und eine Jugendliebe, die alles verändern wird...

Gut gefallen haben mir in dieser geheimnisvollen Geschichte die vielen Anspielungen auf alte Filme und Musik. Einige Titel kannte ich zwar nicht, aber das Nachforschen hat Spaß gemacht - und war auf jeden Fall eine Bereicherung. Diese Hinweise waren für mich nicht nur Geschichten in dieser Geschichte, sondern brachten mir auch den ein oder anderen Ohrwurm ein.
Das Buch lässt sich sehr flüssig lesen und bekommt eine besondere Atmosphäre, sobald Colin in Schottland eintrifft. Märchenhaft-unheimlich, und durch die tollen Beschreibungen der Landschaft hatte ich das Gefühl wirklich dort zu sein. Dann gibt es noch die vielen phantasievollen Ideen, und auch einige dieser wunderbar poetischen Sätze, die ich so mag.

Es gab einige interessante und/oder geheimnisvolle Figuren, auch wenn ich gefühlsmäßig nicht so dicht bei ihnen war wie bei anderen Büchern. Ich mochte manche, oder fand sie zumindest ziemlich interessant (im positiven Sinn). Aber ich habe keinen wirklich emotionalen Zugang zu ihnen gefunden, sie waren für mich eher wie gute Bekannte.
Die Mischung aus unheimlichen und romantischen Szenen fand ich sehr gelungen. Manche Szenen waren für mich (Dank meiner Vorstellungskraft) schon der Horror, aber durch die ausgleichende Romantik wurde mir das nie zuviel, sondern war einfach nur sehr spannend.

Fabula ist der erste Teil einer Trilogie, im zweiten Teil wird aus der Sicht von Colins Bruder erzählt.

Rusch
22.04.2008, 08:14
Fabula ist der erste Teil einer Trilogie, im zweiten Teil wird aus der Sicht von Colins Bruder erzählt.

Das ist mir jetzt neu. Ich dachte, Christoph würde ein Buch über Colins Mutter schreiben. Aber von einer Trilogie war nicht die Rede. Wo hast Du das her?

schneeeule
22.04.2008, 11:15
Wisst ihr vielleicht, wann die Fortsetzung geplant sein soll oder war das bis jetzt nur so eine Idee mit der Fortsetzung??

Ich freue mich auf jeden Fall auf eine Fortsetzung, egal aus welcher Sicht es nun geschrieben ist.

Lena
22.04.2008, 12:15
Ich würde mich auch freuen, wenn Fabula fortgesetzt wird. Die Sicht von Dany Darcy grenzt bestimmt fast schon an Horrorgeschichte. Obwohl, ich mich auch freuen würde, wenn die Geschichte von Helen Darcy erzählt wird. Sie war sehr negativ beschrieben worden, wäre interessant zu erfahren warum sie so geworden ist.

Seychella
22.04.2008, 16:35
Das ist mir jetzt neu. Ich dachte, Christoph würde ein Buch über Colins Mutter schreiben. Aber von einer Trilogie war nicht die Rede. Wo hast Du das her?

Zum Beispiel steht das ganz offiziell auf der Seite von Randomhouse/Heyne (http://www.randomhouse.de/book_new/edition.jsp?edi=236251).

Der 2. Teil, in der Dannys Geschichte erzählt wird, soll zeitlich nach den Ereignissen aus Fabula stattfinden. Das habe ich aus einer Leserunde, die Ende letzten Jahres lief. Wann das allerdings sein wird, keine Ahnung! Aber ihr habt ihn doch gerade hier in der Malfuria-Leserunde, fragt ihn doch einfach. ;)

Yovril Vandros
22.04.2008, 18:47
Fabula klese ich zur Zeit auch. Es gefällt mir sehr und wenn eine Fortsetzung geplant ist, finde ich das Klasse.

Mila
05.06.2008, 22:14
Wird im nächsten Teil die gleiche Geschichte aus der Sicht von Danny Darcy erzählt? Also wenn ja, dann werd ich das sicher nicht lesen.. Man weiß ja jetzt schon was passiert und das wird dann sicher nicht mehr spannend.

Trotzdem hat mir "Fabula" sehr, sehr gut gefallen.
Wie viele tolle Ideen Marzi immer hat..wirklich fantastisch.
Mr. Moon fand ich echt klasse! Über den würd ich gerne mehr lesen *g*
Auch gefällt mir, dass er viele Songs in die Geschichte reingebracht hat. Ist auch einmal etwas Neues (für mich) und Interessantes.

Die Charaktere fand ich sympathisch und glaubhaft rübergebracht.. Obwohl mich Livia manchmal genervt hat Also wenn die einfach mein Handy ins Meer geworfen hätte..Ich hätte ihr den Hals umgedreht..

Die Geschichte war bis zum Ende spannend. Und nicht vorhersehbar.
Also dass mit dem Vater von Colin und Danny noch etwas passiert, hatte ich schon erwartet, aber ich dachte eigentlich, dass er der Unschuldige ist... und ihnen am End noch hilft oder so. Naja, hat er ja gemacht schlussendlich *g* Nur nicht so, wie ich dachte.

Kain
08.06.2008, 00:47
Fabula fand ich nur bedingt gut. Die ersten 100 Seiten waren ja eher eine Charakterstudie von Colin denn Fantasy und sein langweiliges Leben in London hat auch mich ein bisschen gelangweilt. Als er in Schottland ankam wurde die Geschichte dann interessant, was nicht zuletzt an Livia lag. Mir hat aber irgendwie was gefehlt, vielleicht hätte die Mutter auch einen aktiveren Part in der Gegenwart haben können. Aus der guten Idee hätte man vielleicht mehr machen können. Nichtsdestotrotz, hat Christoph hier eine solide Geschichte mit glaubwürdigen Charakteren abgeliefert und das einbauen von Anspielungen auf alte Filme, Bücher und Lieder fand ich auch sehr schön. Sehr überraschend fand ich den Schluss, dass die Auflösung dann so skurril wird, hätte ich nicht erwartet.

engelchen
19.04.2009, 20:10
Beim Anfang gibg es mir zuerst genau so wie dir...langweilig!
Aber im laufe des Buches, ist die gnaze Geschichte immer interessanter und spannendeer geworden.
Livia mag ich im Gegensatz zu Mila am meisten, sie hat alles ein wenig aufgelockert.
Das Ende ist nun wirklich sehr skurril und unerwartet, aber es hat dafür gesorgt, dass meine bis dahin sehr mittelmäßige Meinung des Buchs noch ein wenig gehoben hat.

Auch gefällt mir, dass er viele Songs in die Geschichte reingebracht hat.
Ähm, war das nicht nur ein Song? Immer derselbe? Mich hat der, ehrlich gesagt, genervt.

Mila
19.04.2009, 20:27
Ähm, war das nicht nur ein Song? Immer derselbe? Mich hat der, ehrlich gesagt, genervt.

Eeh..das weiß ich gar nicht mehr ^^"
Du könntest aber recht haben.
Dann fand ich gut, dass er EINEN Song in die Geschichte miteinbezogen hat ;-)

Als roter Faden, der sich hindurchzieht und immer wieder auftaucht. Doch, mochte ich.
Aber ich versteh deine Meinung auch. Kam schon ziemlich oft vor. Ein bisschen weniger hätte auch nicht geschadet.

Marzi wiederholt manche Phrasen sehr gerne. Sieht man ja an der Emily Laing-Trilogie.

Mila
05.06.2009, 12:33
Ich hab gerade gesehen, dass im Dezember ein neues Buch von Christoph Marzi erscheint. Leider keine Fortsetzung der Emily Laing/Wittgenstein-Geschichten, sondern eine Vorgeschichte(oder doch Fortsetzung?) zu Fabula aus der Sicht von Danny Darcy.

"Nichts läuft mehr richtig im Leben von Danny Darcy, Sänger der Folkband Dylan`s Dogs. Soozie, seine geliebte Frau, will sich scheiden lassen, und seine Lieder sind chronisch erfolglos. Doch anders als bei vielen verlassenen Männern ist es bei ihm ein Fluch. Um ihn aufzuheben, reist Darcy in die Sümpfe Lousianas - und findet eine Welt, in der Wespenkinder, lesende Baumwollspinnen und Sirenen über Leben und Tod entscheiden ..."

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das lesen werde.