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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hermann Hesse - Siddharta


Hathor
29.09.2008, 11:38
Inhalt: Die Erzählung schildert den Weg Siddharthas, der zusammen mit seinem Freund Govinda sein Elternhaus und seine Heimat auf der Suche nach Erkenntnis verlässt. Bei den besitzlos lebenden Samanas hoffen sie, diese als asketische Büßer in der Überwindung des Ich und durch die Verachtung der irdischen Welt zu finden. Doch vergeblich, und so führt der Weg die beiden Freunde weiter zu Gautama Buddha, dem Erhabenen. Während Govinda zum Jünger Buddhas wird, findet Siddharta keine Erfüllung in dessen Lehre. Durch ein ausschweifendes weltliches Leben hofft er seinem Ziel näher zu kommen. Die Kurtisane Kamala führt ihn in die Liebeskunst ein, der reiche Kaufmann Kamaswami verhilft ihm zu Geld und Macht. Nach Jahren fühlt sich Siddhartha leer und lebensmüde. Er verlässt Kamala und sucht Ruhe beim Fährmann Vasudeva. Siddhartha lernt von den Stimmen des Flusses das Geheimnis des ewigen Wandels begreifen und erkennt die Einheit, die aus der Vielfalt erwächst. Bei einer letzten Begegnung mit seinem Freund Siddhartha sieht Govinda in das Gesicht eines Heiligen, der wie Buddha die Vollendung erlangt hat.


Wie wohl bei so einigen war auch für mich dieses Büchlein Pflichtlektüre in der Schule. Damals hat es mich genervt, dass der tolle Läuterungsprozess dieses verwöhnten Söhnchens so im Mittelpunkt stand. All das Gutmenschengeschwafel ging einfach an mir vorbei, ohne mich zu berühren. Und was daran toll sein sollte, seine Familie im Stich zu lassen, das verstand ich auch nicht...

Später habe ich den Siddharta nochmals gelesen, diesmal ohne Zwang - just for fun. Und siehe da: ich entdeckte eine wunderschöne Sprache, eine ruhige und doch mitreißende Erzählweise und verstand plötzlich, warum Hesse in Literaturkreisen so geschätzt wird.

Allerdings blieb mir die "östliche" Denkweise nach wie vor fremd. Aber es war schön, spannend und zum Denken anregend, Siddhartas Reise mitzuerleben: vom reichen Söhnchen, das seinen Vater verlässt, zum exzessiven Asketen, von da zum genusssüchtigen Spieler und egozentrischen Liebhaber bis zur schicksalhaften Begegnung mit einem Fährmann.
Erst nachdem Siddharta Leid und Verlust erlebt, findet er zu sich selber. Er beendet seine Nabelschau und erkennt, dass er nur ein Teil des Universums ist. Nicht dessen Mittelpunkt.

Wissen kann man mitteilen, Weisheit aber nicht. Sagt Siddharta. Was ich nun wiederum sehr weise finde.

ExLibris
29.09.2008, 14:51
Hermann Hesse sollte man nicht lesen müssen, sondern wollen. Sonst kann man leicht eine gewissen Abneigung gegen ihn empfinden. Für mich ist Siddhartha ein wundervolles Buch. Ich musste es allerdings auch nicht in der Schule lesen.
Es ist eine ruhige Geschichte, aber auch voller Kraft. Irgendwie findet Siddhartha durch Versuch und Irrtum heraus, wo er hingehört. Wo sein Platz im Leben ist und wo er sein Gleichgewicht findet. Er spürt, dass der traditionelle Weg, wie ihn sein Freund Govinda wählt, nichts für ihn ist. Aber auch das weltliche Leben in Luxus bringt ihm keine Erfüllung. Er weiß zwar was er alles nicht will, was er aber will muss er erst herausfinden.
Und dabei spielt der Fluss eine entscheidende Rolle, den Siddhartha beobachtet. Der Fluss, der sich ständig wandelt, und doch immer derselbe bleibt. Und irgendwann trägt Siddhartha Gautama seinen Namen zu Recht, wörtlich „der, der sein Ziel erreicht hat“.