Kepheus
26.10.2008, 17:22
200 Jahre sind in im südenglischen Kingsbridge vergangen, wo Follett seine Geschichte auch diesmal angesiedelt hat. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Nachfahren der Helden von einst. Entlang ihrer Schicksale führt uns der Autor, der sich bei seinen Recherchen von gleich drei Historikern zuarbeiten ließ, ausgesprochen kundig durch die Welt des 14. Jahrhunderts: Durch Caris, die der Verbrennung als Hexe durch den Eintritt in ein Kloster entkommt, lernen wir Manches über die Pest und die mittelalterliche Medizin. Mit der Baukunst der Zeit macht uns der Architekt Merthin, Caris‘ Geliebter, vertraut. Auch den Gegensatz zwischen einem ebenso selbstsüchtigen wie hemmungslosen Adel auf der einen und der Masse der besitzlosen Leibeigenen auf der anderen Seite führt uns der Autor mit großer Souveränität in seiner gewohnt schnörkellos-direkten Sprache anhand persönlicher Schicksale vor Augen: ein Sog, dem man sich kaum entziehen kann...
Das Rezept geht auch ein zweites mal auf: "Die Tore der Welt" funktioniert ähnlich wie "Die Säulen der Erde", ist aber meiner Meinung nach in der Zusammensetzung ein wenig raffinierter als sein Vorgänger.
"Historischer Roman" steht draußen auf dem Einband, und auch wenn sich wahrscheinlich nicht alles so zugetragen haben wird, wie im Roman geschildert, so schafft es der Autor doch, dem Leser einen recht umfassenden Eindruck vom Leben und Leiden im Spätmittelalter zu vermitteln.
Das funktioniert deshalb, weil der Autor seine Protagonisten gut unter den Schichten aufteilt. Das harte, entbehrungsreiche Leben eines Bauern, das gut gestellte Bürgertum, der Adel sowie die Geistlichkeit, all diese Bereiche werden durch wichtige Charaktere abgedeckt und es gelingt dem Autor meiner Meinung nach sehr gut, dem Leser die Belange einer jeden Bevölkerungsschicht nahe zu bringen.
Die Charaktere sind allesamt recht gelungen. Was mich am Vorgänger gestört hatte, nämlich, dass es eine ausgeprägte "Gut-Böse-Verteilung" gab, bei der die guten einfach nur gut und rechtschaffen, die bösen einfach nur böse um des Böse-Sein-Willens waren, ist bei diesem Buch zumindest teilweise aufgehoben, indem der Autor auch Protagonisten auf der "bösen" Seite postiert und somit einen gewissen Einblick gewährt. Trotzdem ist es teilweise für meinen Geschmack zu schwarz-weiß, was heißen soll, dass die bösen Buben die Pläne der Guten wirklich jedesmal vereiteln, als hätte der Autor ihnen einen Sticker auf die Stirn gepappt mit der Aufschrift "Ich bin dagegen", einfach, damit es überhaupt zu einer Handlung kommen kann, indem die Guten Auswege und Lösungen suchen.
Diese Art der Handlungsgestaltung ist meiner Ansicht nach typisch für Follet: Ein Problem taucht auf, es wird gelöst, ein neues Problem taucht auf, es wird gelöst, ein neues, schlimmes Problem taucht auf, es wird gelöst (ect. pp.) und auch in "Die Tore der Welt" macht er überreichlich Gebrauch davon. Das muss aber nicht unbedingt etwas schlechtes sein, denn er macht es durchaus Geschickt, sodass immer wieder neue, unerwartete Wendungen die Spannung auch auf knappen 1300 Seiten aufrecht erhalten. Überhaupt gibt es für ein derart dickes Buch überraschend wenig Längen. Der Stil ist angenehm zu lesen und recht schnörkellos.
Die mittelalterliche Welt, die Follet schafft, ist gut beschrieben und lädt dazu ein, in längst vergangene Zeiten abzutauchen.
Soweit ich es beurteilen kann, sind auch alle Themen, die das Mittelalter bereithält, behandelt worden, fast so, als hätte Follet vorher eine Checkliste angefertigt, die er dann abgearbeitet hat: Ritter, Hörige, Schlachten, Unterdrückung der Frauen, gieriger Adel, der im Überfluss lebt, Armut, Hexenprozesse, Pest und so weiter - Check, bereit für den Verkauf.
Alles in allem gefiel mir das Buch ziemlich gut, wer "Die Säulen der Erde" mag, wird höchstwahrscheinlich auch an "Die Tore der Welt" gefallen finden.
Das Rezept geht auch ein zweites mal auf: "Die Tore der Welt" funktioniert ähnlich wie "Die Säulen der Erde", ist aber meiner Meinung nach in der Zusammensetzung ein wenig raffinierter als sein Vorgänger.
"Historischer Roman" steht draußen auf dem Einband, und auch wenn sich wahrscheinlich nicht alles so zugetragen haben wird, wie im Roman geschildert, so schafft es der Autor doch, dem Leser einen recht umfassenden Eindruck vom Leben und Leiden im Spätmittelalter zu vermitteln.
Das funktioniert deshalb, weil der Autor seine Protagonisten gut unter den Schichten aufteilt. Das harte, entbehrungsreiche Leben eines Bauern, das gut gestellte Bürgertum, der Adel sowie die Geistlichkeit, all diese Bereiche werden durch wichtige Charaktere abgedeckt und es gelingt dem Autor meiner Meinung nach sehr gut, dem Leser die Belange einer jeden Bevölkerungsschicht nahe zu bringen.
Die Charaktere sind allesamt recht gelungen. Was mich am Vorgänger gestört hatte, nämlich, dass es eine ausgeprägte "Gut-Böse-Verteilung" gab, bei der die guten einfach nur gut und rechtschaffen, die bösen einfach nur böse um des Böse-Sein-Willens waren, ist bei diesem Buch zumindest teilweise aufgehoben, indem der Autor auch Protagonisten auf der "bösen" Seite postiert und somit einen gewissen Einblick gewährt. Trotzdem ist es teilweise für meinen Geschmack zu schwarz-weiß, was heißen soll, dass die bösen Buben die Pläne der Guten wirklich jedesmal vereiteln, als hätte der Autor ihnen einen Sticker auf die Stirn gepappt mit der Aufschrift "Ich bin dagegen", einfach, damit es überhaupt zu einer Handlung kommen kann, indem die Guten Auswege und Lösungen suchen.
Diese Art der Handlungsgestaltung ist meiner Ansicht nach typisch für Follet: Ein Problem taucht auf, es wird gelöst, ein neues Problem taucht auf, es wird gelöst, ein neues, schlimmes Problem taucht auf, es wird gelöst (ect. pp.) und auch in "Die Tore der Welt" macht er überreichlich Gebrauch davon. Das muss aber nicht unbedingt etwas schlechtes sein, denn er macht es durchaus Geschickt, sodass immer wieder neue, unerwartete Wendungen die Spannung auch auf knappen 1300 Seiten aufrecht erhalten. Überhaupt gibt es für ein derart dickes Buch überraschend wenig Längen. Der Stil ist angenehm zu lesen und recht schnörkellos.
Die mittelalterliche Welt, die Follet schafft, ist gut beschrieben und lädt dazu ein, in längst vergangene Zeiten abzutauchen.
Soweit ich es beurteilen kann, sind auch alle Themen, die das Mittelalter bereithält, behandelt worden, fast so, als hätte Follet vorher eine Checkliste angefertigt, die er dann abgearbeitet hat: Ritter, Hörige, Schlachten, Unterdrückung der Frauen, gieriger Adel, der im Überfluss lebt, Armut, Hexenprozesse, Pest und so weiter - Check, bereit für den Verkauf.
Alles in allem gefiel mir das Buch ziemlich gut, wer "Die Säulen der Erde" mag, wird höchstwahrscheinlich auch an "Die Tore der Welt" gefallen finden.