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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : H.P. Lovecraft und seine Werke


Razor
30.11.2008, 01:23
Wie einige Wenige von euch wissen, befasse ich mich seit Kurzem mit Horrorliteratur. Neben Stephen King und Clive Barker, die mich persönlich beide nicht wirklich begeistern konnten, habe ich mich nun dem berühmten Lovecraft zugewandt.

Zunächst einmal möchte ich den Autoren sehr kurz vorstellen:
Howard Phillips Lovecraft
* 1890
† 1937
Er betrachtete sich selbst als eine Art Aristokrat und hielt an einem Ehrenkodex fest, der ihn zeitweilig den Hunger einer niederen Arbeit vorziehen ließ. Sein Ehrgefühl umfasste auch seine literarische Arbeit: er bemühte sich, künstlerisch anspruchsvolle, wirkungstechnisch ausgefeilte und oft komplex inszenierte Erzählungen zu verfassen, die „ehrliche“ Emotionen darstellen und auch erwecken sollten. Eine Tätigkeit als Lohnschreiber oder Verfasser billiger Groschenromane lehnte er von Herzen ab.

Lovecraft bezeichnete sich selbst als einen „Menschen des 18. Jahrhunderts“, da diese Epoche ihm mit ihren Ansichten, noblen Gesten und Umgangsformen als die Beste erschien. Das 20. Jahrhundert hingegen erschien ihm als eine Zeit der Barbarei.

Auch wenn sich Lovecraft bisweilen nicht ganz einfach einem literarischen Genre zuordnen lässt, wird sein Prosawerk in der Regel als „Supernatural Horror“, also als Horrorliteratur eingeordnet.
Quelle: Wikipedia.de

Sehr bemerkenswert finde ich den Einfluss, den seine Erzählungen und Kreationen (insbesondere der Cthulhu-Mythos) auf Autoren und deren Werke haben, ebenso wie auf Spiele, Filme etc. …
Nach Lesen einiger (Kurz-)Geschichten fand ich es immer wieder überraschend, die verschiedensten Verbindungen zu erkennen.
Da wäre z.B. das Necronomicon zu nennen. Das Buch spielt in L’s Texten eine besondere Rolle und siehe da! In der Evil Dead-Reihe (Tanz der Teufel) taucht es auch vor. (Ich bin ein riesen Evil Dead Fan und dementsprechend war das schon lustig, diesen geistigen Link herzustellen :D) Ich meine es kommt auch in Hellboy vor, sicher bin ich mir da aber nicht. Aber wenn wir schon bei Hellboy sind: Mir kam am Ende des 1. Teils das überweltliche Monster mit den gigantischen Tentakeln schon irgendwie bekannt vor…
Ein Spiel, welches im Prinzip voll auf L's Welt aufbaut, ist Eternal Darkness: Sanity’s Requiem (Gamecube).
Und so weiter und so weiter.

Bisher gelesen habe ich die Kurzgeschichtensammlung „Die dunkle Brüderschaft“, besonders gefallen haben mir die Titel:
"Der Nachkomme"
"Das Erbe der Peabodys"
"Die Lampe des Alhazred"

Wie auch bei den anderen o.g. Horrorautoren bin ich mit großen Erwartungen herangegangen, hab ich doch dem Geschmack der anderen Leute vertraut. Einzig bei Lovecraft konnte mich endlich die gruslige Atmosphäre packen.
Aber auch hier möchte ich nicht mit der rosaroten Brille herumrennen: Ich denke das ist halt Geschmackssache. Die Schreibweise von L. würde ich teilweise doch schon als schwere Kost betrachten, muss man sich meiner Meinung nach schon auf die einzelnen Passagen sehr konzentrieren:
Einerseits weil es im Vergleich keine „einfache“ Sprache ist (ab und an werden ältere Begriffe verwendet und der Satzbau kann auch schon mal länger ausfallen) und andererseits weil die einzelnen, manchmal komplexen, Erzählstränge sich später zu einem großen Ganzen ergänzen. Da muss man halt etwas aufmerksam sein ;)


Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Altmeister gemacht, welche Geschichten habt ihr gelesen und was hat euch so gefesselt? Oder könnt ihr gar nichts mit seinen Werken anfangen? Falls euch noch weitere Filme, Spiele, Bücher auffallen, die was mit L. zu tun haben, immer her damit :) Ich denke ich habe oben ja nur den Anfang gemacht.

Nangyala
30.11.2008, 14:43
Hallo! :)

Ich bin riesiger Lovecraft-Fan,
habe auch schon mehrere Bücher aus der Bibliothek des Schreckens gelesen. Einfach toll, vor allem Das Ding auf der Schwelle.
Auf Lovecraft aufmerksam wurde ich in den 90'ern, ich las ein Buch, hiess Nouvelle dé Gothique.. Also düstere (Grusel)Geschichten. :) In besagtem Buch stand auch, wie oben genannt, Das Ding auf der Schwelle.
Was ich an Lovecraft so toll finde:
Er "erzählt" Geschichten, ohne z. übertreiben. Ein Beispiel:
Aus "..das große, schleimige Monster mit drei Köpfen und sieben Augen.." macht Lovecraft "..das unbeschreibliche Wesen welches gar grausig anzusehen war..".
Er gibt niemanden vor wie ein "Monster" aussehen muss sondern überlässt es jedem Menschen selber.
Und das finde ich bemerkenswert.
Auch besitzen wir viele Hörbücher v. ihm:
Schatten über Innsmouth
Call of Cthulhu
Die Berge des Wahnsinns
Das Ding auf der Schwelle
Der Cthulhu Mythos
Ratten im Keller
Necrophobia
Natürlich gibt es auch noch andere Schriftsteller die sich mit od. an Lovecraft messen wollen: Wolfgang Hohlbein. Hierbei müssen wir aber sagen, dass seine Geschichte Das Haus am Ende der Zeit einfach nur wunderbar erzählt wird. Allen voran, dass in dieser Geschichte Meister Lovecraft selber "mitspielt", als eine Art "Ziehvater"f. einen jungen Mann, dessen Vater v. einem großen Alten "geholt" wurde.
Ich kann es nur empfehlen!
Es gibt auch diverse Filme, welche aber nicht sonderlich "gelungen" sind, da sie die Geschichten einfach nicht "rüberbringen".
Wir selber haben:
Dagon
Das Necronomicon
Cthulhu
Ich persönlich bin gespannt auf den Film At the Mountains of Madness, möchte den unbedingt sehen.
Ein weiterer Film heisst nochmal "Cthulhu", was aber nicht sonderlich "toll" ist, da er mit der Cthulhu Geschichte an sich nicht viel z. tun hat, sondern schwer an "Dagon" angelehnt ist.
Ausserdem spielt Tori Spelling mit u. soviel Horror auf einmal können sogar wir Lovecraft-Fans nicht verkraften..

Sithoras
30.11.2008, 18:23
Ich bin auch ein großer Fan von Lovecraft, auch wenn ich noch nicht soviel von ihm gelesen habe.
Bis jetzt erst die Sammel-Bänder, Das Ding auf der Schwelle in dem mir die Geschichte "Träume im Hexenhaus" am besten gefallen hat. Schön abstrakt und sie hat mir eine richtige Gänsehaut beschert.
Dann hab ich noch den Sammelband Die Stadt ohne Namen gelesen. Darin haben mir die Geschichten "Herbert West - Der Wiedererwecker" und das "Bild im Haus" sehr gut gefallen. Letztere war zwar etwas kurz aber trozdem war sie echt gruselig.
Außerdem habe ich das Hörspiel Berge des Grauens gehört, welches ich aber irgendwie langweilig fand und überhaupt nicht "horror". Vor allem habe ich dort die ganze Zeit auf eine Art Finale gehoft das aber leider nicht kam.
An Lovecraft gefallen mir Außerdem die immer wiederkehren den Elemente, wie das schon genannte Necronomicon, die düstere Stadt Arkham oder die Miscatonik Universität.
Und demnächst (so gegen Weihnachten:)) werde ich mich mal an den Cthulhu wagen.
mfg

Hathor
03.12.2008, 11:26
Lovecraft, ja, den kenne ich auch. Leider habe ich diese Bücher in meiner Schulzeit gelesen, als ich noch Bücher verliehen habe. Und die Lovecraft-Romane haben leider nie mehr zu mir zurückgefunden. Mögen die Cthulhu die Übeltäter im Traum heimsuchen... :eek:

Besonders in Erinnerung ist mir eine Kurzgeschichte, von der ich den Titel nicht mehr weiß. Aber sie handelt davon, dass ein junges Paar für einen bestimmten Tag ein Rendezvous vereinbart hatte. Die junge Frau (oder wars der Mann?) verstarb jedoch in der Zwischenzeit, aber sie erschien doch pünktlich. Wunderbar gruselig, aber leider habe ich die Geschichte nie mehr wiedergefunden. Vielleicht kann jemand von euch Lovecraft-Experten mit diesem Kurzinhalt was anfangen und mir sagen, ob und wo ich diese Geschichte finden kann.

Allerdings besitze ich noch Hüter der Pforten, die Geschichten aus dem Cthulhu-Mythos:

H. P. Lovecraft zählt neben Edgar Allan Poe zu den großen Klassikern der düsteren fantastischen Literatur und zu den wenigen literarisch anerkannten Autoren des Genres. Berühmt wurde er mit seinem Mythos um die Großen Alten und ihre Götter, die Cthulhu, die vor vielen Jahrhunderten von der Erde vertrieben wurden und immer wieder versuchen, ihre Schreckensherrschaft zurückzuerlangen. Das Werk, das Lovecraft schuf, hat Literaturgeschichte geschrieben. Nach seinem Tod verfügte er testamentarisch, dass andere Autoren dieses Werk fortführen. In dieser Anthologie lehren zahlreiche bekannte Autoren den Leser das Gruseln.: neben Lovecraft selbst u. a. Stephen King, Robert Bloch, Robert E. Howard, Karl Edward Wagner, Brian Lumley und Ramsey Campbell.

Dies war meine erste Begegnung mit dem Cthulhu-Mythos. Und ob es eine weitere geben wird, steht in den Mystery-Sternen. So richtig begeistern konnte ich mich nicht dafür.
Allerdings finde ich die Idee faszinierend, dass Lovecraft selber anregte, dass andere Autoren den Mythos fortsetzen sollten. Im "Hüter der Pforten" gibts einige phantastische Geschichten, wirklich spannend und lesenswert.

Allen voran Das Notizbuch von Robert Bloch, Das Grauen von Salem von Henry Kuttner und Briefe aus Jerusalem von Stephen King. Andere sind zum Gähnen langweilig wie Des Magiers Wiederkehr von Clark Ashton Smith. Manche beginnen sehr gut, stürzen dann aber völlig ab. Und zwei sind völlig lächerlich. Allen gemeinsam - und das fiel mir sehr positiv auf - ist eine schöne, sorgfältige und mitreißende Sprache. Ganz nach Vorbild des Meisters.

Feuerfluegel
03.12.2008, 12:39
Auch ich habe meine Erfahrungen gemacht.
"Hüter der Pforten" steht auch in meinem Regal, allerdings nur als Leihgabe.
Desweiteren habe ich Lovecraft auch noch in englische Sprache im Regal stehen. Das jedoch ist kompliziert. (Zumindest sehe ich das so, aber mein Englisch ist auch nicht sehr gut)

In der Kneipe, in der ich zur Zeit jobbe, (eine Mittelalter, Rollenspiel, Fantasykneipe) habe ich bereits eine Lesung zu einigen Lovecraftgeschichten gehalten.

Ansonsten ist mir das Pen and Paper RPG in Erinnerung geblieben ("Call of Cthulu") das weitgehenst auf den Lovecraftwerken basiert.
Auch davon stehen zwei Regelwerke in meinem Regal.
1. Das Spielerhandbuch
2. Dementophobia

Auch habe ich breits an einem Cthulu Liverollenspiel teilgenommen. Die Athmosphäre war quasi perfekt.
Vorher wurde zur Einstimmung ein alter schwarz weiß Film ohne Ton gezeigt, der ebenfalls auf dem Cthulu Mythos aufbaut.

Meine Meinung zu den verschiedenen Werken ist sehr unterschiedlich und würde jetzt zu weit führen,
die Rollenspielelemente dagegen sagen mir sehr zu und ich freue mich bereits auf das nächste Liverollenspiel.

Mad Bull
19.12.2008, 10:44
Ich habe letzten Monat von ihm "Schatten über Innsmouth" gelesen.
Für mich war diese Geschichte 1a.
Mit wenigen Worten ist das Umfeld gut beschrieben worden.
Ich habe nicht ein einziges Mal den Faden verloren.

Geschockt war ich kein einziges Mal. Liegt auch daran, daß ich in sachen Horror auch ziemlich abgebrüht bin.
Dafür ist es richtig eklig geworden. Je mehr ich gelesen habe, desto deutlicher wurde der Fischgestank in meinem Bewusstsein.

Lustig war mal das Gespräch mit einem Christen.
Er hatte seine Lovecraftbücher alle in der Altpapiertonne entsorgt.
Mit der Begründung: "Dieser Mann war total krank."*lol*

Nangyala
19.12.2008, 13:29
Lustig war mal das Gespräch mit einem Christen.
Er hatte seine Lovecraftbücher alle in der Altpapiertonne entsorgt.
Mit der Begründung: "Dieser Mann war total krank."*lol*


Wuaaah, das ist doch Frevel! :(
Wie kann man denn Lovecraft-Bücher wegschmeissen bzw. Bücher im Allgemeinen?!
So was gehört sich g'haut! *mph*


@Hathor:
Ist es vielleicht Der Leichengott?
Da geht es um ein Paar, die in einer Stadt "Urlaub" machen, od. so..
Sie verfällt in eine Art Leichenstarre..
Mehr weiss ich aber auch v. der Geschichte nicht, finde sie ü. google.de leider nicht.. :(

Ts4EVER
21.12.2008, 19:27
@Hathor:
Ist es vielleicht Der Leichengott?
Da geht es um ein Paar, die in einer Stadt "Urlaub" machen, od. so..
Sie verfällt in eine Art Leichenstarre..
Mehr weiss ich aber auch v. der Geschichte nicht, finde sie ü. google.de leider nicht.. :(


Ich glaube die habe ich auch mal gelesen, aber ist schon eine Weile her. War das nicht die, wo der leser die ganze zeit wusste dass die Frau tot war aber der Mann nicht?

Hathor
21.12.2008, 19:32
@Hathor:
Ist es vielleicht Der Leichengott?
Da geht es um ein Paar, die in einer Stadt "Urlaub" machen, od. so..
Sie verfällt in eine Art Leichenstarre..
Mehr weiss ich aber auch v. der Geschichte nicht, finde sie ü. google.de leider nicht.. :(

Hm, nein... die Geschichte war es nicht. Die, die ich suche, handelt von einem Pärchen, bei denen nur ein Partner starb, aber das Rendezvous trotzdem einhielt. Und es wurde derart detailliert und atmopshärisch dicht das Grauen geschildert, als er (oder sie?) das langsame Näherkommen der/des Toten mit Entsetzen verfolgte... mich gruselts schon wieder :eek:

Aber danke trotzdem für den Tipp, Nangyala. Ich werde mal schauen, ob ich den Leichengott auftreiben kann.

Nina
21.01.2009, 19:58
Ich bin so der ultimative Lovecraft Fan - bei dem "Christen" wäre ich wohl zum Mülltonnentaucher geworden. :D
Ich verstehe es auch nicht, dass einer Bücher wegschmeißt. Ich meine, kann man doch herschenken oder auch z.B. ohne nennenswerten Aufwand im Zug liegen lassen (O.K., ich verstehe es auch, wenn einem jetzt Bookcrossing und Co. zu aufwendig ist), da hat sich schnell ein neuer Besitzer gefunden. Oder noch besser: Für einen Flohmarkt spenden.

Aber jetzt zum Autor: Zum ersten Mal mit dem Namen in Berührung gekommen bin ich als Jugendliche bei Wolfgang Hohlbeins "Der Hexer von Salem". Ich habe mich daraufhin das Lovecraft-Lesebuch gekauft und war sofort begeistert von den Werken. Ich habe das noch nie erlebt, dass jemand so eine Thematik mit einer derartigen Sprachästhetik verbindet. Dazu hatte ich oft das Gefühl, dass bei den Protagonisten meine eigenen Gefühle geschildert werden. Ich bin ja selber auch nicht so kommunikativ (auch wenn das Internet drüber hinwegtäuscht - HPL war auch in seinem Briefen sehr "gesprächig", nicht aber in der Realität) und ein wenig verschroben.

Ich habe seitdem sehr viel von und über Lovecraft gelesen. Er ist als Mensch fast noch interessanter als seine Werke an sich. Und natürlich habe ich mir das eine oder andere Werk zu Gemüte geführt, das seinen Mythos weiterspinnt.

Razor
07.12.2009, 16:56
Kurzbeschreibung:

Sechs der besten Geschichten vom Altmeister des Horrors in völlig neuer Übersetzung. Zusätzlich enthalten sind Lovecrafts Notizen zu "Der Schatten über Innsmouth" und eine verworfene Fassung dieser unheimlichen Novelle, sowie ein ausführliches Nachwort zur deren Entstehungsgeschichte, geschrieben von den amerikanischen Fantastikexperten S. T. Joshi und David E. Schulz.


Inhalt:

Die Ratten im Gemäuer
Das Ding auf der Schwelle
Dagon
Der Flüsterer im Dunkeln
Der Außenseiter
Der Schatten über Innsmouth

Im Rahmen des ersten Sammelwerkes (Festa Verlag) der Geschichten von H. P. Lovecraft, werde ich nach und nach Rezensionen zu den einzelnen Kurzgeschichten rein stellen. Beginnen möchte ich mit den ersten zwei Stories.


„Ratten im Gemäuer“ ist eine typisch lovecraftsche Erzählung: Das Haus eines Ahnen wird durch einen Nachfahren übernommen; alte Geheimnisse, die lieber unentdeckt bleiben sollten, werden angetastet.
Zu Beginn entsteht eine eher heimelige Atmosphäre, die sich eine Weile hinzieht. Doch spätestens nachdem das Kratzen in den Wänden beschrieben wird, verschwindet dieses Gefühl. Dennoch kann dieses Präludium vom Horrorfaktor her nicht gänzlich überzeugen.

Daniel Upton ist der Ich-Erzähler in „Das Ding auf der Schwelle“ und vermittelt die Geschichte seines Freundes Edward Pickman Derby, der seit jeher eine Neigung zum Phantastischen und Übernatürlichen hegt. Edward ist ein belesener Mann und ein talentierter Dichter, zugleich jedoch auch über alle Maßen schüchtern und zurückgezogen. Mit 38 Jahren lernt er die aus Innsmouth stammende Asenath White kennen. Obgleich des zweifelhaften Rufes ihres Herkunftsortes (siehe „Schatten über Innsmouth“) und ihres Großvaters Ephraim, der seinerzeit ein Hexenmeister gewesen sein soll, kommt es zur Hochzeit. Okkulte Studien, unheilige Experimente und der schlechte Einfluss Asenaths führen dazu, dass Edward nicht nur immer ängstlicher und unglücklicher wird, sondern ihn auch in einen Strudel mitreißen, aus dem er sich nicht mehr befreien kann. Schließlich gipfelt der gesamte Prozess in eine schreckliche Erkenntnis, in der selbst der alte Magier Ephraim noch eine wichtige Rolle zu spielen hat.
Große Spannung taucht auf, wenn erste Andeutungen gemacht werden und sich der Vorhang hinter dem ominösen Rätsel langsam aber unausweichlich lüftet. Der Druck, der auf den armen Edward ausgeübt wird, ist gut und glaubhaft geschildert, sodass man als Leser Mitleid mit der Person empfindet. Das große Entsetzen und das besondere Gänsehautgefühl tauchen vor allem ganz am Ende der Geschichte auf, bei dem man erfährt, um wen bzw. was es sich bei dem so genannten Ding handelt. Die Beschreibungen des Autors an dieser Stelle sind grauenerregend und das führt dazu, dass „Das Ding auf der Schwelle“ eine der stärksten Kurzgeschichten dieses Sammelwerks ist.

Razor
10.12.2009, 22:16
Bei „Dagon“ geht es um einen Frachtaufseher, dessen Dampfer von einem Kaperschiff übernommen wird. Dem Protagonisten gelingt die Flucht. Alleine auf einem kleinen Boot und mit wenigen Vorräten, treibt er auf dem Ozean, bis er an einem von Schleim und verwesenden Fischkörpern verseuchten Wassergebiet ankommt. Der zähe Schlick geht in Trockenland über und eine Erkundung der bizarren Landschaft, zu Fuß, ist möglich. Von einer unbestimmten Besessenheit gepackt, erreicht die Hauptfigur einen Monolithen, auf dem fremdartige Inschriften und Reliefs verzeichnet sind. Doch das Entsetzen über diese unseligen Abbildungen auf dem Stein, ist nichts im Vergleich zu dem, was sich vor seinen Augen aus dem Wasser erhebt …
Lovecraft stellt in dieser Geschichte erstaunlich viele Bezüge zu anderen Künstlern, Autoren und deren Werke her. So finden neben Gustave Doré, Edgar Allan Poe, Edward Bulwar-Lytton, auch „Das verlorene Paradies“ von John Milton und die griechische Sagengestalt des Polyphemos Erwähnung. Diese Vergleiche mögen ein wenig gewöhnungsbedürftig sein, verstärken aber die Imagination des Lesers ungemein. „Dagon“ ist circa zehn Seiten lang und durchaus unterhaltsam.

Die Überschwemmungen in Vermont im Jahre 1927 haben dazu geführt, dass diverse Zeitungsartikel die Runde machen. Gerüchte über große, krustenartige Absonderlichkeiten kursieren um die Region und die Erzählungen der Hinterwäldler werden wilder und wilder. Die Hauptfigur in „Der Flüsterer im Dunkeln“, Albert Wilmarth, ist Literaturprofessor in der Miskatonic-Universität in Arkham. Seine Studien über kulturwissenschaftliche Begebenheiten finden ihren Anfang bei dieser hitzigen Diskussion über die seltsamen Sichtungen auf dem Wasser. Was als seichtes Interesse beginnt, entwickelt sich zu einer tiefgreifenden Analyse. Das Herzstück der Geschichte umfasst den regen Briefwechsel zwischen dem Professor und einem Einsiedler mit Namen Henry Akeley, der viel Wissen über die dubiosen Vorfälle zu haben scheint. Dieser soll zu alledem auch noch Beweise für die Existenz dieser Kreaturen haben und schließlich kommt es zum Treffen beider Männer. Aber nichts ist so wie es scheint und es spielen sich Dinge ab, die nicht von dieser Welt kommen können.
Bei „Der Flüsterer im Dunkeln“ ist am ehesten zu verstehen, warum der Sammelband seinen Namen trägt, denn nirgends sonst findet man Beschreibungen über Außerirdische, Reisen durch das Zeit-Raum-Kontinuum und außerweltlicher Technik, als hier. Zusammen mit Wilmarth durchlebt der Leser den Grad der Erkenntnis. Es fängt an mit Augenzeugenberichten, geht über zu ernst gemeinten Diskussionen bis hin zum Auffinden von Beweisen und Fundstücken. Interessant wird es, wenn die Grenze zwischen Sagen und der Realität verwischen und Geheimnisse ans Licht gebracht werden, bei denen man doch lieber Stillschweigen bewahrt hätte. Zudem ist der Brief-Stil unterhaltsam.

Alcarinque
11.12.2009, 08:56
Lovecraft ist einer der Schriftsteller die ich glaube ich auch erstmalig bei Hohlbein las (Jugendsünde und so, jeder hat doch mal Hohlbein gelesen) und eigentlich nichts damit anfangen konnte.

Erst letztes Jahr habe ich mir dann eine Kurzgeschichtensammlung von ihm zugelegt und es hat mich fasziniert. Anders als moderne "Horror" Autoren (von denen ich zugegebenermaßen nicht viel gelesen habe) beschreibt er keine blutigen Massaker bis ins Detail (was ich z.b. bei King einfach nur dämlich und langweilig finde) sondern spielt mit den Urängsten, subtilen Details und Andeutungen, was ich wesentlich schlimmer finde, da einfach viel mehr der eigenen Fantasie überlassen bleibt.
Nicht das mich da noch viel wirklich schocken könnte, aber es mach Spaß zu lesen.

Da weiter oben eine neue Übersetzung erwähnt wurde: Lest ihr das in dem Fall nicht im Original? Kann die Stimmung die er erzeugt auch glaubwürdig übersetzt werden?

Razor
11.12.2009, 18:22
Erst letztes Jahr habe ich mir dann eine Kurzgeschichtensammlung von ihm zugelegt und es hat mich fasziniert.
Da würde mich interessieren welche Kurzgeschichtensammlung das war.

Da weiter oben eine neue Übersetzung erwähnt wurde: Lest ihr das in dem Fall nicht im Original? Kann die Stimmung die er erzeugt auch glaubwürdig übersetzt werden?

Nein, da ich Lovecraft auf Deutsch schon schwer genug finde, um's mal so auszudrücken ;) Im Ernst, es fällt mir persönlich schon schwer die Texte dann auf Englisch zu lesen, wobei das je nach persönlichen Geschmack und auch Fähigkeit ankommt. Aber ich glaube da wäre der Thread hier schon besser, um es zu diskutieren:
Deutsch - Englisch (http://fantasy-forum.net/showthread.php?t=2822&highlight=englisch+deutsch)

Was ich nur sagen kann: Die meisten (in deutsch vorliegenden) Geschichten, die ich bisher gelesen habe, konnten mich überzeugen.

treogen
11.12.2009, 20:42
Ähnlich wie Nina und manch anderer hier bin ich über die "Hexer"-Bücher vom Hohlbein auf Lovecraft gestoßen.
Nach den ersten Geschichten hatte ich Blut geleckt und befand mich seitdem in einem wahren Kaufrausch, wenn es um lovecraftsche Geschichten geht.

Ich glaube, mittlerweile habe ich alle seine Geschichten, die im Deutschen erschienen sind. Ebenso schmückt komplette die Festa-Reihe mein Buchregal.

Daher war es für mich ganz klar, was zu tun war, als ich das "Metamorphosen"-Projekt angeboten gekriegt habe. War ein richtig geiles Gefühl, Geschichten aus dem Cthulhu-Mythos zu lesen, bevor diese überhaupt im Laden standen. Und dann noch mitverantwortlich zu sein, dass diese Geschichten nun im Laden stehen :D

Was mir an Lovecraft immer imponiert hat, war seine Art, Grusel und Angst zu erzeugen.
Nicht dadurch, dass er es ausgeschrieben hat. Nein Mad Bull, da hast du recht. Da gibt es vieles, was brutaler, heftiger, splatterischer geschrieben wurde.
Aber er hatte das Können, dass das Gehirn nicht mehr zur Ruhe gekommen ist, wenn der Leser die Geschichte schon lange zur Seite gelegt hatte.
Oder - wie er es selber sinngemäß mal niederschrieb: Der wahre Horror findet im Kopf statt!

Alcarinque
12.12.2009, 10:57
Da würde mich interessieren welche Kurzgeschichtensammlung das war. Ich habe diese hier:

The Call of Cthulhu and Other Weird Stories
Da scheinen die meisten bekannten Stories drin zu sein, u.a. The Shadow over Innsmouth und natürlich Call of Cthulhu
(Ahhh, so geht das, wieso sagt mir das keiner, das war vielleicht eine rumfriemelei... )


Wegen der Sprache: das Englisch war sicher nicht das einfachste, aber doch ganz gut zu verstehen und gehört für mich nun auch irgendwie dazu.


Achja, und diese Seite (http://www.macguff.fr/goomi/unspeakable/vault134.html) könnte Euch vielleicht noch gefallen. :D

Razor
13.12.2009, 14:22
Der selbsternannte „Verwirrte, Enttäuschte, Unfruchtbare, Gebrochene“ erzählt seine Lebensgeschichte in „Der Aussenseiter“. Der Protagonist erinnert sich an eine Zeit zurück, in der es nur Einsamkeit und Dunkelheit gibt. Einzig die unzähligen Bücher sind seine ständigen Begleiter und einzigen Freunde. Das dunkle Gebilde, in dem er lebt, beherbergt nämlich keine weitere Seele, nur kalten Stein und alte Gerippe; es ist wie ein Gefängnis. Einzig seine - durch die Bücher beflügelte – Fantasie weckt die Sehnsucht nach Licht und Freiheit und Gesellschaft. Eines Tages macht sich der Fremde auf in eine völlig neue Welt, in dem er Straßen bewundern, über Wiesen und Brücken gehen und Flüsse überqueren kann. Schließlich erreicht die Hauptfigur eine Burg, in der ein Fest gefeiert wird. Hier stellt der Reisende fest, dass all sein Denken, sogar sein gesamtes Dasein eine grundlegende Wende erfahren wird. Seine wahre Natur wartet wo anders auf ihn.
Es treten sehr viele märchenhaft anmutende Elemente auf, wie z.B. das alte, fantastische Schloss, in dem scheinbar kein einziger Lichtstrahl durchdringt, oder die leidenschaftliche Sehnsucht des Hauptcharakters. Lovecraft wäre nicht Lovecraft, wenn er es nicht verstehen würde diese Märchenelemente in etwas Abstruses, absolut Grauenvolles zu verwandeln. Auch ist die Spannungsphilosophie hier eine völlig andere: Oft werden ab einem bestimmten Zeitpunkt innerhalb einer seiner typischen Geschichten Hinweise gegeben, sodass man zumindest eine grobe Vorahnung auf das Mysterium hat. Aber hier ertönt der große Paukenschlag tatsächlich erst am Ende hin – und dieses Ende hat es in sich. Es handelt sich also um eine sehr anregende Kurzgeschichte, die auf jeden Fall zu überraschen gelingt.

Der Protagonist in „Der Schatten über Innsmouth“ ist ein junger, enthusiastischer Mann, der eine Reise durch ganz Neuengland antritt, um sich privater Studien über architektonische Besonderheiten zu widmen. Dabei hört er von den Ort Innsmouth, um den sich düstere Gerüchte ranken. Voller Neugier und Eifer begibt er sich auf den Weg und muss feststellen, dass die alte Fischerstadt ein Ort des Verfalls ist. Darüber hinaus scheinen die Bewohner seltsam degeneriert zu sein und es wird schnell deutlich, dass Fremde unerwünscht sind. Die Geschichten des alten und immerzu betrunkenen Zodak Allen erzählen von Menschenopfern, teuflischen Abkommen und monströsen Wesenheiten aus den Tiefen der Meere. Nachdem plötzlich auch noch die Rückfahrt nicht möglich ist und die Bewohner ein immer seltsameres Verhalten an den Tag legen, spitzt sich die Lage zu. Und gerade als die Gefahr gebannt scheint, entwickelt sich der wahre Horror.
Mit „Schatten über Innsmouth“ endet der erste von insgesamt sechs Sammelbänden zu H. P. Lovecrafts Werken.
Die ersten zwei Kapitel dieses Titels sind im Vergleich zu den bisherigen Kurzgeschichten langweilig und spannungslos. Erst nachdem das Gespräch mit Zodak Allen beginnt, fängt auch die Geschichte an interessant zu werden: Das so genannte Teufelsriff sei eine Höllenpforte, bei dem all das Übel dieser Stadt seinen Ursprung gefunden hat. Der alte Mann schildert die wahre Geschichte Innsmouths und eröffnet somit Einblicke in die Welt der Bewohner, deren Geheimnisse und Riten.
Tempo, oder „eckshun“, wie Lovecraft dazu sagen würde, taucht auf, wenn die Hauptfigur auf der Flucht ist. Diese Szene ist sogar recht lang beschrieben, was eher untypisch für den Autor ist.
Das Zusatzmaterial (Notizen, verworfene Fassung, Nachwort) zu diesem letzten Titel sollte an dieser Stelle besonders betont werden. Vor allem Fans werden hier auf ihre Kosten kommen, da sehr aufschlussreiches Hintergrundwissen präsentiert wird. Zu erwähnen wäre da noch ein anderes Medium: Das Software-Spiel „Call of Cthulhu – Dark Corners of the Earth“, bietet eine tolle Ergänzung zu „Schatten über Innsmouth“, da man als Spieler bestimmte Szenen teilweise 1:1 nachspielen kann und die Atmosphäre des Buches wunderbar aufgenommen wird.