bisou
15.12.2008, 19:42
Hallo ^_^ oder besser gesagt guten Abend. Ich wollte mal eine Kurgeschichte einstellen, die für mich sehr schwierig ist. Es ist seit langer Zeit mal wieder eine Geschichte, die nach einer ganz bestimmten Struktur geschrieben worden ist. Ich würde mich sehr über Feedback freuen, da ich mit diesem Text selbst so einige Unsicherheiten habe, ob das ganze in sich schlüssig ist, etc. etc. Einige Fragen findet ihr unter dem Text, eine Antwort auf diese fände ich lieb ^_^
Die Zahl der Jahre
Entfachet die Kerze von reißendem Wind
Verlässt den Schoß der Mutter geschwind
Um zu beenden was begonnen
Alle Furcht ist zerronnen.
So liegt sie im Winde und taumelt dahin
Wo Kindlein noch Kindlein und Leben noch sind.
Die Kerze, die Kerze sie liegt im Wind.
Die Flamme leckte genüsslich über das heiße Wachs, welches unter ihren zarten Fingern zu Nichts und Nichtigem verrann.
Ihr zitternder Schein warf einen warmen Schimmer auf die braune Gewandung des Mannes, der sie still beobachtete, ihr Spiel mit Aufmerksamkeit bedachte und ihr so das schenkte, was sie zu erreichen verlange. Hätte sie kichern können, so hätte sie es getan, denn sein Blick schmeichelte ihr. So zuckte sie nur genüsslich und forderte ihn auf, mit ihr zu spielen.
Seine Finger strichen durch die Flammenzunge und warfen sie aus der Bahn. Schließlich sengte sie seine Haut an und er zog die Hand zurück. Ein winziges Flämmchen tanzte auf seinem Fingernagel. Ein Lächeln entfaltete sich auf seinem Gesicht. Ein paar geflüsterte Worte erfüllten den Raum und die Flamme wuchs, wanderte auf seine Handfläche und verharrte dort, wartend, lauernd.
Mit einem Krachen flog die schwere Holztür hinter ihm auf und brandete einer Welle gleich an die Wandvertäfelung. Holz barst und rieselte in feinen Splittern zu Boden. Er schloss die Hand und erdrückte das Feuer mit seinen Fingern. Mit einem leisen Fauchen verlosch es.
Dann drehte er sich herum.
„Meister“, keuchte ein kleiner, dicklicher Junge, gekleidet in purpurroten Stoff. Kostbare Verzierungen schmückten ihn.
„Was ist?“, fragte er und deutete eine leichte Verbeugung an, welche der Kleine erwiderte.
„Es ist so weit. Wenn ihr mich begleiten wollt.“
Er nickte und zog seinen Umhang enger um seine dürre Gestalt. Seite an Seite verließen sie den kleinen Raum.
Die Kerze verlosch.
Die Pforte öffnete sich und gewährte ihnen Einlass. Der Raum war vollkommen mit Spiegeln ausgekleidet, doch sie spiegelten nicht den Betrachter, sondern etwas vollkommen Anderes. Etwas Bedeutenderes.
Unzählige Sonnen, Sonnensysteme, Galaxien, Planeten vollführten ihren wandlerischen Tanz im Angesicht der Wesen, die sie von diesem Raum aus beobachteten.
„Wie lang haben sie noch?“, fragte er.
„Etwa zweitausend Jahre“, antwortete ein Weiterer, der vor einem kreisrunden Becken stand. Sein Gesicht wurde von widerspiegelndem Feuer beleuchtet.
„Aber sie haben den Klimawandel herangeführt.“
„Wie viel?“
„Ich würde sagen, vierhundert Jahre Abzug.“
„Ist das nicht vielmehr tausend Jahre wert?“
„Wir wollen es mal nicht übertreiben. Was haben sie Gutes getan?“
„Es gibt einen neuen Präsidenten, der sein Amt jedoch noch nicht angetreten hat.“
„Wir wissen nicht, ob es gut ist oder nicht. Kein Abzug.“
„Auch kein Bonus?“
„Nein. Sonstiges? Sonst….“
„Halt! Sie haben Attentäter und selbsternannte Monarchen hingerichtet.“
„Und was ist mit dem Schmelzen der Polkappen?“
„Vierzig Jahre Bonus.“
„Sie versuchen den Urknall nachzuvollziehen.“
„Keine gute Idee. Abzug.“
„Wie viel?“
„Zehn Jahre.“
„Betrachten wir das Ganze von einer anderen Seite. Es gab da einen Mann, der Meinungsfreiheit und die Rechte von Anderen verteidigt hat. Das verdient doch sicherlich ein paar Jährchen.“
„War er erfolgreich?“
„Halbwegs.“
„Achtzig Jahre.“
„Aber sie töteten den Gründer einer Religion und hauen sich gegenseitig immer noch den Schädel ein. Mittlerweile seit mehreren tausend Jahren.“
„Das gibt große Abzüge, stimmt’s?“
„Ganz recht. Sechshundert Jahre. Wo wären wir dann?“
„Bei etwa 1110 Jahren.“
„Gut. Gib ihnen 1200. Dann leite alle Schritte zum Armageddon ein. Sie hatten Zeit genug und haben sie gründlich verwirkt.“
Ein Weiterer nickte und schrieb fieberhaft etwas auf einen Silberblock. Er zerfloss mit stillem Pulsieren im flüssigen Feuer.
Dann verließ der Befehl den Raum.
Ein Lächeln trat auf seine Züge, als seine Finger durch die gerade entstandene Flamme der Kerze glitten. Ein paar wenige, freundlich geflüsterte Worte machten sie gefügig und sie beugte sich seinem Willen. Es blieb ihr auch nicht viel anders übrig.
Ihr Schimmer glitt zärtlich über seine Züge, als er erneut sein Gesicht verhüllte und den verspiegelten Raum verließ.
„Nicht jede Sünde kann vergeben werden“, flüsterte er und blies die Kerze aus. „Ein neuer Platz im Universum ist frei. Wählt klug, wem ihr ihn gebt. Nicht jeder ist geduldig. Vor allem nicht ich. Denn ich bin nicht der, für den ihr mich haltet. Ich bin nicht wie ihr.“
Dann wandte er sich seiner nächsten Aufgabe zu.
_____
1. Ist es klar, wer mit er gemeint ist? Ist sein Handeln nachvollziehbar?
2. Erklären sich die Andeutungen im Text von selbst?
3. Stört der Dialog ohne Ergänzungen, wer spricht?
4. Kommt raus, was die Kerze symbolisiert?
und die 5. und letzte: wenn dies beispielsweise ein Prolog wäre, würdet ihr weiterlesen?
Ich weiß, es sind viele Fragen und auch viel verlangt...
aber ich hoffe doch, dass die Geschichte vielleicht dem ein oder anderen gefällt und vielleicht jemand ein kurzes Feedback dazu schreibt ;)
Vielen lieben Dank schonmal im Vorraus.
Die Zahl der Jahre
Entfachet die Kerze von reißendem Wind
Verlässt den Schoß der Mutter geschwind
Um zu beenden was begonnen
Alle Furcht ist zerronnen.
So liegt sie im Winde und taumelt dahin
Wo Kindlein noch Kindlein und Leben noch sind.
Die Kerze, die Kerze sie liegt im Wind.
Die Flamme leckte genüsslich über das heiße Wachs, welches unter ihren zarten Fingern zu Nichts und Nichtigem verrann.
Ihr zitternder Schein warf einen warmen Schimmer auf die braune Gewandung des Mannes, der sie still beobachtete, ihr Spiel mit Aufmerksamkeit bedachte und ihr so das schenkte, was sie zu erreichen verlange. Hätte sie kichern können, so hätte sie es getan, denn sein Blick schmeichelte ihr. So zuckte sie nur genüsslich und forderte ihn auf, mit ihr zu spielen.
Seine Finger strichen durch die Flammenzunge und warfen sie aus der Bahn. Schließlich sengte sie seine Haut an und er zog die Hand zurück. Ein winziges Flämmchen tanzte auf seinem Fingernagel. Ein Lächeln entfaltete sich auf seinem Gesicht. Ein paar geflüsterte Worte erfüllten den Raum und die Flamme wuchs, wanderte auf seine Handfläche und verharrte dort, wartend, lauernd.
Mit einem Krachen flog die schwere Holztür hinter ihm auf und brandete einer Welle gleich an die Wandvertäfelung. Holz barst und rieselte in feinen Splittern zu Boden. Er schloss die Hand und erdrückte das Feuer mit seinen Fingern. Mit einem leisen Fauchen verlosch es.
Dann drehte er sich herum.
„Meister“, keuchte ein kleiner, dicklicher Junge, gekleidet in purpurroten Stoff. Kostbare Verzierungen schmückten ihn.
„Was ist?“, fragte er und deutete eine leichte Verbeugung an, welche der Kleine erwiderte.
„Es ist so weit. Wenn ihr mich begleiten wollt.“
Er nickte und zog seinen Umhang enger um seine dürre Gestalt. Seite an Seite verließen sie den kleinen Raum.
Die Kerze verlosch.
Die Pforte öffnete sich und gewährte ihnen Einlass. Der Raum war vollkommen mit Spiegeln ausgekleidet, doch sie spiegelten nicht den Betrachter, sondern etwas vollkommen Anderes. Etwas Bedeutenderes.
Unzählige Sonnen, Sonnensysteme, Galaxien, Planeten vollführten ihren wandlerischen Tanz im Angesicht der Wesen, die sie von diesem Raum aus beobachteten.
„Wie lang haben sie noch?“, fragte er.
„Etwa zweitausend Jahre“, antwortete ein Weiterer, der vor einem kreisrunden Becken stand. Sein Gesicht wurde von widerspiegelndem Feuer beleuchtet.
„Aber sie haben den Klimawandel herangeführt.“
„Wie viel?“
„Ich würde sagen, vierhundert Jahre Abzug.“
„Ist das nicht vielmehr tausend Jahre wert?“
„Wir wollen es mal nicht übertreiben. Was haben sie Gutes getan?“
„Es gibt einen neuen Präsidenten, der sein Amt jedoch noch nicht angetreten hat.“
„Wir wissen nicht, ob es gut ist oder nicht. Kein Abzug.“
„Auch kein Bonus?“
„Nein. Sonstiges? Sonst….“
„Halt! Sie haben Attentäter und selbsternannte Monarchen hingerichtet.“
„Und was ist mit dem Schmelzen der Polkappen?“
„Vierzig Jahre Bonus.“
„Sie versuchen den Urknall nachzuvollziehen.“
„Keine gute Idee. Abzug.“
„Wie viel?“
„Zehn Jahre.“
„Betrachten wir das Ganze von einer anderen Seite. Es gab da einen Mann, der Meinungsfreiheit und die Rechte von Anderen verteidigt hat. Das verdient doch sicherlich ein paar Jährchen.“
„War er erfolgreich?“
„Halbwegs.“
„Achtzig Jahre.“
„Aber sie töteten den Gründer einer Religion und hauen sich gegenseitig immer noch den Schädel ein. Mittlerweile seit mehreren tausend Jahren.“
„Das gibt große Abzüge, stimmt’s?“
„Ganz recht. Sechshundert Jahre. Wo wären wir dann?“
„Bei etwa 1110 Jahren.“
„Gut. Gib ihnen 1200. Dann leite alle Schritte zum Armageddon ein. Sie hatten Zeit genug und haben sie gründlich verwirkt.“
Ein Weiterer nickte und schrieb fieberhaft etwas auf einen Silberblock. Er zerfloss mit stillem Pulsieren im flüssigen Feuer.
Dann verließ der Befehl den Raum.
Ein Lächeln trat auf seine Züge, als seine Finger durch die gerade entstandene Flamme der Kerze glitten. Ein paar wenige, freundlich geflüsterte Worte machten sie gefügig und sie beugte sich seinem Willen. Es blieb ihr auch nicht viel anders übrig.
Ihr Schimmer glitt zärtlich über seine Züge, als er erneut sein Gesicht verhüllte und den verspiegelten Raum verließ.
„Nicht jede Sünde kann vergeben werden“, flüsterte er und blies die Kerze aus. „Ein neuer Platz im Universum ist frei. Wählt klug, wem ihr ihn gebt. Nicht jeder ist geduldig. Vor allem nicht ich. Denn ich bin nicht der, für den ihr mich haltet. Ich bin nicht wie ihr.“
Dann wandte er sich seiner nächsten Aufgabe zu.
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1. Ist es klar, wer mit er gemeint ist? Ist sein Handeln nachvollziehbar?
2. Erklären sich die Andeutungen im Text von selbst?
3. Stört der Dialog ohne Ergänzungen, wer spricht?
4. Kommt raus, was die Kerze symbolisiert?
und die 5. und letzte: wenn dies beispielsweise ein Prolog wäre, würdet ihr weiterlesen?
Ich weiß, es sind viele Fragen und auch viel verlangt...
aber ich hoffe doch, dass die Geschichte vielleicht dem ein oder anderen gefällt und vielleicht jemand ein kurzes Feedback dazu schreibt ;)
Vielen lieben Dank schonmal im Vorraus.