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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ian McDonald: Necroville


Asfalasarion
22.12.2008, 15:57
=hotlink entfernt=

Ich habe gestern dieses Buch gelesen und muss sagen, es ist das beste SF-Werk, dass ich seit langer Zeit zu Gesicht bekommen habe.
Jeder hat sich wohl schon über die Möglichkeiten der Nanotechnologie Gedanken gemacht; hier wird eindrucksvoll geschildert, was die Technik dem Menschen vielleicht wirklich mal ermöglichen wird und was das sowohl für die Gesellschaft, als auch für den Einzelnen bedeuten kann.
Das Buch ist also eher Nichts für Actionfans (wobei auch Action drin vorkommt), sondern für Leute die ein (im Großen und Ganzen) vorstellbares, interessantes und stimmiges Zukunftsszenario suchen und dem Schicksal einzelner Personen in dieser Welt folgen wollen. Die eigentliche Geschichte ist zwar ohne Zweifel auch überdurchschnittlich (vor Allem die Charakterzeichnung ist wirklich gelungen), doch erst in Verbindung mit dem einzigartigen Hintergrund wird das Buch zu etwas wirklich Eindrucksvollem und Herausragendem. Seinen Teil trägt dazu auch der (mäßig) komplexe, sehr atmosphärische Schreibstil bei (wobei die Übersetzung wohl nicht immer ganz so toll ist) und die episodenhafte Erzählform, welche perfekt dafür geeignet ist die Vision einer Zukunft zu entfalten, die sowohl unterhält, als auch zum Nachdenken anregt.

Rusch
22.12.2008, 17:32
An diesem Buch scheiden sich die Geister. Entweder, man schwärmt davon, oder man findet es einfach nur schlecht. Ich gehöre zu letzterer Gruppe. Ich fand es unerträglich, wie lange McDonald brauchte, um den Leser in seine Geschichte einzuführen. Ich bin mit dem Stoff einfach nicht warm geworden und als man dann endlich zur Mitte des Buchs verstanden hatte, worum es ging, erkannt man, dass einem der Autor eine ganz banale Geschichte auftischt. Also definitiv nicht mein Geschmack.

Asfalasarion
22.12.2008, 22:26
Also, dass die eigentliche Geschichte keinen Preis gewinnt dürfte klar sein.
Aber das Buch als schlecht zu bezeichnen halte ich ich für unverständlich. Schreiberisch überdurchschnittlich, gute Charakterzeichnung und ausgezeichnetes Szenario sind viel mehr, als das SF-Durchschnittsbuch bietet. Die eigentliche Handlung spielt halt nur die zweite Geige.

Rusch
23.12.2008, 14:31
Das ist die klassische Soft- und Hard SF Diskussion. In der Hard SF gibt es, wenn man so will, nur einen Protagonisten und das ist die Technik - in diesem Fall Biotechnik. Ich gebe offen zu, dass ich so meine Probleme mit Hard SF habe. Ich ziehe Romane mit "echten" Protagonisten vor. Ich will Dich auch nicht überzeugen, dass Du dieses Buch schlecht finden musst, genauso wirst Du mich aber nicht überzeugen können, dass ich diesen Roman furchtbar fand. Eine echte Kritik habe ich aber schon: Warum Hat Ian McDonald so lange gebraucht, um dem Leser zu sagen, warum es überhaupt geht? Ich hatte irgendwann so einen Hass auf den Autoren, der einen mit Fakten überschüttet, aber nicht andeutet, warum er all das schreibt. Ganz klar: Ian McDonald ist auf meiner schwarzen Liste von Autoren, die ich unter keinen Umständen mehr anfassen werde.

Asfalasarion
23.12.2008, 16:57
Es stand halt die Darstellung der Welt im Vordergrund und vor Allem in der ersten Hälfte wird sie dementsprechend ausführlich und zu Lasten der Handlung skizziert (zusammen mit den Figuren) - trotzdem zählt dieses Buch noch nicht zur Hard-SF. Dafür sind die Chars zu sehr ausgearbeitet.
Die Form der Episodenhaftigkeit (wie z.B. LA Crash, Sin City, etc.) spielt dabei natürlich auch eine Rolle und unterstreicht das Anliegen des Autors.
Man kanns ja finden, wie man will.
Ich für meinen Teil zähle auch Bücher zu meinen Lieblingen, die fast keine Handlung haben, aber eine sehr atmosphärische Welt und wie gesagt zählt Necroville noch nicht einmal in diese Kategorie. Es hat lediglich etwas Vorlauf, welcher bei diesem Szenario jedoch absolut angebracht und nötig ist.

Rusch
23.12.2008, 23:01
Ich kann verstehen, was Dir an dem Buch gefallen hat. Vielleicht würde es mir als Comic (wie Sin City) besser gefallen - das ist ein interessanter Gedanke. Ich denke, ob einem der Roman gefällt oder nicht hängt davon ab, wie man einen Roman empfindet und da gibt es ganz gewaltige Unterschiede. Was z. B. die Episodenhaftigkeit betrifft, so ist die nicht unbedingt ein Problem. Ich liebe Eschbachs "Haarteppichknüpfer". Bezogen auf dieses Buch kann ich einfach nur sagen, dass ich von dem Autor durch die Geschichte geführt werden möchte. Bei Necroville fühlte ich mich verlassen. ;) Vielleicht mag es auch sein, dass ich damals die alte Heyne Ausgabe gelesen habe und diese war eines jener billigen Hardcover mit einem häßlichen Titelbild, eine ganz komischen Druchsatz und gleichfalls häßlichen Farbzeichnungen. Das hat wohl meinen Lesegenuss auch getrübt. Die neue Ausgabe sieht da schon ansprechender aus. Hm, vielleicht sollte ich mal meine Rezi überarbeiten. Sie ist denke ich, doch zu subjektiv gewesen. Ich mach das mal und stelle den neuen Text dann hier ein.