Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : José Saramago, Die Stadt der Blinden. Seite 100 bis 196
In einer unbekannten Stadt in einem unbekannten Land wird ein Mann, der in seinem Auto sitzt und darauf wartet, daß die Ampel auf Grün schaltet, plötzlich mit Blindheit geschlagen. Aber anstatt in Dunkelheit gestürzt zu werden, sieht dieser Mann plötzlich alles weiß, als ob er "in einem Nebel gefangen oder in einen milchigen See gefallen wäre". Ein barmherziger Samariter bietet an, ihn nach Hause zu fahren (um ihm danach das Auto zu stehlen); seine Frau bringt ihn mit dem Taxi in eine nahegelegene Augenklinik, wo er an den anderen Patienten vorbei in das Behandlungszimmer gebracht wird. Innerhalb eines Tages sind die Frau des Mannes, der Taxifahrer, der Arzt und seine Patienten und der Autodieb allesamt Opfer dieser Blindheit geworden.
Bitte hier eure Beiträge von Seite 100 bis 196
Falls jemand eine andere Ausgabe liest: dieser zweite Abschnitt endet mit den Worten ...nur wußte sie es nicht.
Falls jemand eine andere Ausgabe liest: dieser zweite Abschnitt endet mit den Worten ...nur wußte sie es nicht.Die Seitenaufteilung des "Buchs zum Film" ist identisch. Die Ausgabe unterscheidet sich nur dadurch, dass in der Mitte des Buches 18 Farbfotos aus dem Film eingefügt sind (ziemlich beeindruckend übrigens, leider spoilern die Bilder etwas:() und es einen Anhang mit einem "making of" gibt.
Hab' diesen Teil auf meiner Zugfahrt durchbekommen. Wird ja langsam richtig ekelig. Die arme Frau des Arztes:( Schon erschreckend, wie schnell der Mensch, egal welcher Herkunft und Bildung, zum Tier wird.
Schön, dass du doch weitergelesen hast, Warin :)
*dir weitere lange Zugfahrten wünsch* :D
Ja, das ist mir auch aufgefallen und hat mich nachdenklich gemacht. Es ist wirklich nur eine hauchdünne Schicht, die Zivilisation von Anarchie und Barbarei trennt. Und wie schnell aus eigentlich kleinen Ursachen Katastrophen werden. Und wie wichtig das Augenlicht ist...
Die Menschen haben sich auch ohne Namen zu Charakteren entwickelt. Die junge Frau mit der dunklen Brille, die ihre unbeherrschte Reaktion und das - wenn auch niemals gewollte - Sterben eines Menschen zutiefst bereut und sich fürsorglich um den kleinen Jungen kümmert. Der Arzt, der in die Rolle eines Anführers geschlüpft ist. Die Soldaten, die von Angst und Entsetzen angetrieben, auf die Blinden schießen.
Wie würden wir wohl reagieren? Wenn ich mir vorstelle, ich könnte mich nicht mehr waschen, ich müsste in Exkrementen leben und ums Essen kämpfen, ich hätte buchstäblich nichts mehr, keine Rechte, keine Menschenwürde... *grusel*
Nicht ganz verstehe ich die Frau des Arztes. Warum nur täuscht sie immer noch Blindheit vor? Ja, sie hat eine Erklärung geliefert, aber die ist mir nicht genug, die ist nicht plausibel. Für mich.
In der Mitte dieses Abschnittes hatte ich einen "Durchhänger"... so etwa 40 Seiten lang. Irgendwie erschien es mir, als drehe sich alles im Kreis, Dinge wiederholten sich. Erst mit der Ankunft des alten Mannes mit dem Radio hatte ich das Gefühl, dass es wieder ein Stück weitergeht.
Als erstes möchte ich mich bei jedem, der mitließt, entschuldigen. Momentan brauche ich einfach zu lange um ein Buch zu lesen, aber ich gebe nicht auf.
Aber jetzt zum Buch:
Etwas stört mich, dass die Gefühle kaum Beachtung finden. Fast alles wird vom Kopf her berichtet, man kann sich zwar vieles nachfühlen, aber es wirkt zu distanziert. Man könnte es als die Stärke des Buches betrachten, ich tu es nicht. Zuviel Gefühlsduselei wäre in diesem Buch komplett deplaziert, aber gut dosiert an richtigen Stellen, wäre meiner Meinung nach besser. So konnte ich nicht 100%ig die Angst der Soldaten nachvollziehen. Klar, haben sie Angst vor der Ansteckung, aber gleich schießen? Und dabei nicht „nur“ aus Versehen einen zu erschießen, sondern mehrere Opfer unter den Blinden zu verursachen. Nicht nachvollziehen kann ich die Gedanken von der Frau, die wohl die Schere als Waffe benutzen will. Eine nicht gewalttätige Frau kommt nicht aus heiterem Himmel auf solche Gedanken. Der Prozess bis dahin hat mir fast gänzlich gefehlt. Noch eine Frage geistert mir ständig durch den Kopf: Warum wollen die blinden „Verbrecher“ die Wertgegenstände? An der Schönheit der Dinge können sie sich nicht erfreuen. Ein Handel mit der Außenwelt ist ausgeschlossen. Also, warum? Hoffe, auf die Frage wird noch eingegangen.
Die Regierung steht dem Problem vollkommen überfordert gegenüber. Die Toten werden, als notwendiges Muss betrachtet. Die noch sehenden Busfahrer werden mit den Blinden eingeschlossen... Die Anzahl der Betroffenen ist den Verantwortlichen nicht bekannt.
Solche Sätze wie dieser: Wenn sie sich gegenseitig umbringen, umso besser, haben mich doch etwas erschreckt. Sollte wirklich eine ähnliche Krankheit ausbrechen, wie werden sich die Behörden verhalten und was noch wichtiger ist: wie würde ich mich verhalten? Würde ich meinen Mann folgen, wenn ich nicht blind wäre?
Für den nächsten Abschnitt werde ich wohl auch etwas Zeit benötigen. Hoffe, es macht euch nicht all zu viel aus. Zu Ende werde ich das Buch auf jeden Fall lesen.
Macht nicht, wenn du langsamer liest, Lena. Ich diskutiere auch jetzt noch gerne über das Buch. Ich sehe schon, es hat mich nachhaltig beeindruckt ;)
Zu deiner Frage
Noch eine Frage geistert mir ständig durch den Kopf: Warum wollen die blinden „Verbrecher“ die Wertgegenstände? An der Schönheit der Dinge können sie sich nicht erfreuen. Ein Handel mit der Außenwelt ist ausgeschlossen. Also, warum?
Ich kann nur ein bisschenherumrätseln...
Warum tun Menschen das, was sie tun?
Warum verletzen wir andere, die uns nichts getan haben?
Warum zünden Menschen einen Obdachlosen an?
Warum bereichern sich stinkreiche Manager immer weiter und nehmen oft Geld, das ihnen gar nicht zusteht und das sie gar nicht brauchen?
Warum sind wir so, wie wir sind?
Warum mobben Menschen und lügen und stehlen?
Warum beschädigen Menschen fremdes Eigentum?
Warum scheint unsere Gesellschaft immer roher und unsensibler zu werden?
Warum gilt ein Menschenleben nichts?
Warum bestehlen Blinde andere Blinde?
Finden wir darauf überhaupt eine Antwort?
Kann ja schon sein das schlechte Menschen keinen Grund brauchen um was Schlechtes zu tun, aber warum die Wertgegenstände notieren? Das Papier werden sie nicht in rauen Mengen haben und da werden die erbeuteten Dinge aufgelistet? Wollen sie die Sachen wieder zurück geben, wenn alle geheilt sind?*grins*
Als erstes möchte ich mich bei jedem, der mitließt, entschuldigen.
Da tu ich das gern auch nochmal :D
Zu Beginn ein Nachtrag, den ich zum ersten Teil vergaß:
Mir gefallen auch sehr gut die philosophischen und psychologischen Einschübe Saramagos. Teilweise geht er da sehr schonungslos vor beim Beobachten und Beurteilen des Verhaltens der Menschen, was ich sehr gut finde.
Hab' diesen Teil auf meiner Zugfahrt durchbekommen. Wird ja langsam richtig ekelig. Die arme Frau des Arztes Schon erschreckend, wie schnell der Mensch, egal welcher Herkunft und Bildung, zum Tier wird.
Kann ich nur zustimmen und mir somit ersparen, das gleiche zu schreiben xD
In der Mitte dieses Abschnittes hatte ich einen "Durchhänger"... so etwa 40 Seiten lang. Irgendwie erschien es mir, als drehe sich alles im Kreis, Dinge wiederholten sich. Erst mit der Ankunft des alten Mannes mit dem Radio hatte ich das Gefühl, dass es wieder ein Stück weitergeht.
Hier gilt gleiches ^^
So konnte ich nicht 100%ig die Angst der Soldaten nachvollziehen. Klar, haben sie Angst vor der Ansteckung, aber gleich schießen? Und dabei nicht „nur“ aus Versehen einen zu erschießen, sondern mehrere Opfer unter den Blinden zu verursachen.
Ich habe darüber bis jetzt noch gar nicht nachgedacht. Ich fand das Handeln in so einer extremen Ausnahmesituation nachvollziehbar, wenn auch gewiss grausam.
Das Papier werden sie nicht in rauen Mengen haben und da werden die erbeuteten Dinge aufgelistet? Wollen sie die Sachen wieder zurück geben, wenn alle geheilt sind?
Tja, das habe ich mich auch gefragt. Aber das ist wohl auch einfach in der Grausamkeit und den ausbeuterischen Instinkten mancher Menschen begründet.
Mir fällt auch zu Hathors Fragen nicht wirklich eine andere Antwort ein, als " So ist das eben. So sind die Menschen... "
Irgendwie will ich darüber auch kaum nachdenken. Ich glaube, da ich sowieso befürchte keine Antwort zu finden, was sich wohl auch bewahrheiten würde...
Nicht nachvollziehen kann ich die Gedanken von der Frau, die wohl die Schere als Waffe benutzen will. Eine nicht gewalttätige Frau kommt nicht aus heiterem Himmel auf solche Gedanken.
Ich war mir nichtmal ganz sicher, ob sie die Schere nun wirklich als Waffe benutzen will.
Und leider kann ich jetzt auch nicht mehr richtig beurteilen, ob eine Frau "aus heiterem Himmel" (was meiner Meinung nach nicht ganz stimmt, die extremen Umstände verändern einen ja auch) wirklich zu so etwas fähig wäre und ob eine solche Tat dann auch begründet und logisch wäre.
Denn gestern habe ich viel gelesen und die Lösung somit schon erhalten :p
Jedenfalls nimmt die Handlung nun richtig Fahrt auf und ich freue mich weiterzulesen :)
vBulletin® v3.8.4, Copyright ©2000-2010, Jelsoft Enterprises Ltd.