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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der Schatten des Windes/ Spiel des Engels Carlos Ruiz Zafón


Feuerfluegel
20.01.2009, 20:45
Aus der Amazon Redaktion:
In der Altstadt von Barcelona gibt (oder gab) es einen Friedhof vergessener Bücher. So jedenfalls will es der spanische Autor Carlos Ruiz Zafón, der uns in seinem grandiosen Erstling Der Schatten des Windes an die Hand nimmt und einführt in eine geheimnisvolle, verborgene Erzählwelt -- ebenso, wie im Romandebüt selbst der Held Daniel Sempre von seinem Vater bei der Hand genommen wird. Überhaupt spiegelt sich viel im Schatten des Windes. Denn ebenso heißt auch das Buch, dessen letztes Exemplar Sempre in die Hände fällt. Von nun an lässt ihn die Geschichte und das Schicksal dieses Werks nicht mehr los, zumal noch andere, rätselhafte Gestalten sich für die Ausgabe interessieren.

David Martín ist siebzehn, als er die Chance seines Lebens erhält: Der Chefredakteur einer Regionalzeitung fragt ihn, ob er für einen ausgefallenen Beitrag Ersatz liefern könne. Und David Martín kann: seine Erzählungen "Geheimnisse von Barcelona" werden ein Riesenerfolg. Doch im Laufe der Zeit wird klar: Dieser Erfolg hat seinen Preis... Die mystisch-spannende Geschichte, die Bestsellerautor Zafón in Das Spiel des Engels entfaltet, zieht den Leser rasch in ihren Bann und entführt ihn in ein faszinierend morbides Barcelona zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Wenn man mich fragt, ist "Der Schatten des Windes" ein Meisterwerk. Es ist, wenn auch die ersten 30 Seiten etwas langatmig wirken, eine wunderbare spannende Geschichte. Zafon erzählt dicht und düster, nutzt unheimlich viele Bilder, er malt mit seinen Worten. Die Charaktere habe Tiefe und sind mit Liebe zum Detail ausgearbeitet worden, jede Figur hat seine Schwächen, seine Stärken. Zafon entwickelt Hintergründe, führt den Leser zu Orten und Zeiten, die fast mystisch wirken.
Hat man einmal angefangen mit dem Buch, muss man weiter lesen, denn auch der Leser befindet sich in den erdrückenden Wirren, einer geheimnisvollen Vergangenheit. Ich als Leser "musste" unbedingt wissen, was mit den Personen der Vergangenheit geschehen ist. Ich habe mit gefiebert und später auch mitgelitten. Ich hatte Angst um den Protagonisten und nicht nur um ihn.
Meine Lieblingsfigur, Fermin, besaß Witz und diesen stichelnden Humor, den ich so sehr geliebt habe. Auch er diente nicht als Lückenfüller, jedes Detail hatte seine Wichtigkeit.
Abstrakte Werte, Treue, Liebe, Hoffnung und vorallem die Liebe zum Schreiben, werden hervor gehoben. Zafon verdichtet sein Werk bis es sich am Ende in einem leisen Höhepunkt entfaltet.

Von mir bekommt das Buch 10 von 10 Punkten. Eines der besten Bücher, die ich jemals gelesen habe.


Um so enttäuschter war ich von "Spiel des Engels", sein zweites Werk.
Von Anfang an hatte ich das Gefühl eine abgekupferte Geschichte seines ersten Werkes zu lesen. Die Figuren blieben oberflächlich, wenn sie auch in Ansätzen alle an die Figuren aus "Der Schatten des Windes" erinnerten. Die Figuren schienen nur neue Namen bekommen zu haben.
Ich hatte zwischendurch das Gefühl, Zafon hat sich eine Geschichte ausgedacht, die nicht wirklich schlüssig ist, die auch nicht logisch aufgelöst wird, hat sie willkührlich mit einigen Figuren besetzt, die alle mal mehr mal weniger mit dem Plot zu tun hatten, hat den Protagonisten wild von einem Ort zum anderen laufen lassen, die alle etwas mit der Hauptgeschichte zu tun hatten und dann aber auch wieder nicht. Nicht alle Stränge sind ordentlich am Ende zusammen geführt worden. Die meisten nur so im Hintergrund. Ich war wirklich enttäuscht von der Erzählung.
Nichts desto trotz hat Zafon nicht seine Fähigkeit verloren stilistisch wundervolle Bilder zu malen, seine Sprache hat keinesfalls an Qualität verloren. Aber er schafft es nicht, sie in seine Erzählung glaubwürdig einzuflechten. Mir hat die Tiefe seiner ersten Erzählung gefehlt. "Spiel des Engels" konnte mich nicht fesseln. Ich konnte es zwar recht schnell lesen, aber auch nur, weil ich die Hoffnung hatte, dass der Autor endlich etwas mehr auflösen würde und das vorallem auch stringend.
Ich habe mich getäuscht.

nur 6 von 10 Punkten

Wenn ich eine Empfehlung aussprechen dürfte, würde ich den Lesern empfehlen, entweder nur das erste, oder nur das zweite Buch zu lesen, nicht beide. Allein stehend mag "Spiel des Engels" noch etwas wett machen, aber im Vergleich zu seinem Vorgänger einfach schlecht.
Ich würde empfehlen, "Der Schatten des Windes" zu lesen und das zweite im Buchhandel stehen zu lassen.

Ich kann nicht begreifen, warum das zweite Buch in Spanien besser verkauft wurde, als das erste. Es ist mir ein Rätsel.

Wie seht ihr das? Habt ihr beide Bücher gelesen? Oder nur eines von ihnen?
Wie ist eure Meinung zu den Werken Zafons?

ExLibris
30.01.2009, 09:39
"Der Schatten des Windes" ist eines dieser Bücher, auf das ich nur durch Mundpropaganda aufmerksam geworden bin. Plötzlich habe ich von zwei, drei Seiten darüber reden hören, irgendwo ist es immer aufgetaucht. Und Bücher über die so gemunkelt wird, finde ich gleich interessant. Ich wurde nicht enttäuscht.
Man wird hineingezogen in diese geheimnisvolle, mystische Geschichte, in verschiedene Zeiten und mehrere Generationen. Und als Leser fühlt man sich irgendwann dafür verantwortlich, die Geschichte voran zu bringen. Besonders gefallen hat mir das Spanien dieser Zeit. Die ganze Umgebung passte einfach genau zur Atmosphäre der Geschichte.
Einerseits liest sich das Buch wie ein spannender Krimi, andererseits ist es voller Poesie, fast schon nostalgisch. Aber vor allem ist es wie eine Hommage an Bücher und an das Schreiben, als etwas Wertvolles, und der eigentliche Mythos. "Der Friedhof der vergessenen Bücher" hat mir sofort gefallen, so einen Ort würde ich gerne einmal sehen.

Ich kann nicht begreifen, warum das zweite Buch in Spanien besser verkauft wurde, als das erste. Es ist mir ein Rätsel.
Bücher werden eben gekauft, bevor sie gelesen werden. Ich kenne "Das Spiel des Engels" noch nicht, aber ich kann mir gut vorstellen, dass Zafon nach dem Erfolg des ersten Buches, unter großem Druck stand. Vielleicht hat er nach dem Motto geschrieben "nur nichts falsch machen, wird sich schon verkaufen". Das wäre wirklich schade.

Ich kann nur sagen, dass auch ich "Der Schatten des Windes" für ein Meisterwerk halte, sprachlich wie inhaltlich. Da weiß man wieder, warum man gerne Bücher liest.