Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frank Herbert - Dune
Kaum eine Triologie hat mich in meiner Jugend wohl mehr beeindruckt als Frank Herbert's Dune.
Dem leider viel zu früh verstorbenen Frank Herbert gelingt es ein Universum zu schaffen, dass von geradzu surrealer Schönheit ist. Abstoßend und faszinierend zugleich. Wobei ich zugeben muss, dass David Lynch's gelungene filmische Umsetzung mein Bild von Bene Gesserit, Navigatoren und dem Hause Harkonnen wohl nachträglich geprägt hat.
Die Konflikte zwischen rücksichtslosen Profitstreben (Haus Harkonnen), Machtbesessenheit (Haus Corrino), Idealismus (Haus Atreides) und Naturverbundenheit (Fremen), ausgetragen zu Lasten der Biosphäre eines geschundenen Planetens, werden wohl an Aktualität nie verlieren. Gentechnik, religiöser Wahn, Sucht, Umweltzerstörung und Krieg, jedes große Thema verarbeitet Herbert in diesem wirklich bemerkenswerten Werk.
Die Ruhe, die Zeit, mit der er sich dabei der inneren Zerrissenheit seiner Charaktere widmet und darauf eine spannende Geschichte aufbaut, ist mir noch heute als Autor Vorbild und Ansporn. Ich denke da vor allem an die langen Monologe des Gottkaisers Leto II. während seiner Symbiose mit dem Sandwurm.
Leider nur von einem Freund geliehen, habe ich die Bände 1-6 regelrecht verschlungen, inkl. des Lexikons und der Parodie:)
Mich hat es beim Lesen ja am meisten überrascht, dass Herbert voll viele neue Begriffe eingeführt hat und man als Leser die recht schnell intus hat und auch gänzlich ohne Glossor versteht. Also sonst würde ich jedem Autor davon abraten, so was zu machen. (Ich habe da teils schon echt grässliche Ergebnisse gelesen.) Ich glaube, dass er die Begriffe auch teilweise recht geschickt aus anderen Sprachen in neuer Bedeutung entlehnt hat.
Verräter
23.01.2009, 20:28
Ein beeindruckendes Werk! Bislang kenne ich leider nur das erste Buch. Das habe ich schon vor einigen Jahren gespannt gelesen und bis gestern mir die ungekürzte Lesung von LübbeAudio angehört. Und auch beim zweiten mal hat mich die packende Geschichte und die scheinbar perfekt erdachte Welt in ihren Bann gezogen!
Was soll man dazu noch großartiges Sagen? Ich verehre Frank Herbert! Und ich muss dringend an die noch folgenden 7 Bücher (wobei die letzten ja nicht mehr aus seiner eigenen Feder stammen) kommen!
In diesem ersten Band finde ich den ersten Teil am erstaunlichsten. Dort hat der Autor eine fantastische Intrige gesponnen, mit der großen Frage: "Wer ist der Verräter?" (Vermutlich habe ich mich deshalb unterbewusst für diesen Nick entschieden ^^)
Der Leser erfährt das schon im 2. Kapitel, einige der wichtigsten Figuren allerdings erst deutlich später. Und bei den vielen Verwirrungen die sowohl von eigenen Leuten als auch von den Harkonnen ins Spiel geworfen werden, muss man sich immer im klaren über folgendes bleiben: "Wer weiß was?"
Gerade dieses erste dritten des Buches habe ich ganz besonders genossen und da waren meine Erinnerungen auch noch am stärksten.
Beonsders ins Herz geschlossen haben sich mir dann Hawat, Halleck und Idaho (wie es im Roman gesagt wird:), "Männer, die bereits zu ihren Lebzeiten zu Legenden wurden."
Der Planetologe Kynes hat ebenfalls durch seine zurückhaltende, vorsichtige Art, die aber dennoch sehr bestimmt wirkt, gepunktet :)
Und natürlich Yueh, mein persönlicher Liebling, derjenige mit den wahrscheinlich größten Problemen. Wer das Buch gelesen hat weiß welche "besondere Rolle " ihm zukommt :)
Und was an Frank Herbert vermutlich einzigartig ist, sind seine Dialoge die immer auf mehreren Ebenen gleichzeitig verlaufen. Etwas derartiges habe ich noch ein keinem anderen Roman gelesen! In jedem Gespräch gibt es neben dem Gesprochenen an sich noch die Gedankengänge der einzelnen Personen die meist jedes einzelne Wort des Gegenübers analysieren und interpretieren und darauf dann ihre eigene Antwort, in der richtigen Betonung und Wortwahl preis geben. Relativ einfache Dialoge (wie z.b. beim "Politischen-Abendessen" (mein persönliches Lieblingskapitel) oder das Gespräch zwischen Yueh und Jessica - relativ am Anfang noch) werden so ungemein komplizierter aber die einzelnen Personen deutlich verständlicher. Und man merkt plötzlich wie sehr einige Personen doch aneinander vorbei reden. Wer weiß was? Und woher hat er diese Information? Hält er sie für vertraulich, zweifelt er noch daran oder will sie nicht glauben, handelt aber dennoch um den Schein zu wahren so als würde er daran glauben usw. ...
Ich liebe dieses Buch. Genaugenommen ist es das beste, was ich in meinem bisherigen Leben gelesen habe. Es strotzt nur so von genialen Ideen, die aber nicht "ineinander geworfen" wirken, sondern immer genau zur richtigen Zeit und im richtigen Zusammenhang auftauchen, dass der Leser weiß, dass es so sein muss(!) und gar nicht hätte anders hätte beschrieben werden können.
In vielen Romanen werden dem Leser Informationen vorenthalten um "die Spannung zu fördern" oder "das überraschende Ende" herbeizuführen. Im Wüstenplanet wird man als Leser sofort über alles wichtige Informiert, man glaubt man weiß alles. Es bleiben letztlich eben doch kaum Fragen offen und trotzdem durchzieht das Buch eine Spannung die wahrscheinlich ungeschlagen ist.
Ich verkneife es mir jetzt hier an dieser Stelle noch weiter von der Kultur der Fremen, meiner Zuneigung zu den Harkonnen (dank Hawat ^^), den Bene Gesserit, der MAFEA, den kleinen und großen Bringern/Sandwürmern etc. zu schwärmen und beende meinen Post einfach mal.
Es ist mir persönlich absolut unmöglich irgendetwas negatives über den Wüstenplaneten zu sagen. Es ist einfach genial!
"Arrakis, die größte Falle in der Geschichte der Menschheit..."
Nun gut,... außer das es doch "sehr plötzlich" aufhört (wenn die Handlung auch in sich geschlossen ist). ^^
Invisible Hand
07.02.2009, 22:23
Ich muss ehrlich sagen, dass ich von Dune entäuscht war. Die Charaktere waren mir allesamt unsympatisch und wirkten irgendwie leblos. Die Geschichte ist furchtbar zäh, obwohl mir die Thematik und das Intrigenspiel durchaus zugesagt hätten. Ich habe deshalb auch nur die ersten zwei Bücher gelesen. Möglicherweise wären sie in der Originalfassung besser gewesen, ich weiss es nicht.
Vielleicht bin ich aber auch einfach nur ein ahnungsloser Bahnause. :o
Pathfinder
07.02.2009, 22:31
Leider kenne ich nur Texpasagen des ertsen Bandes, im Rahmen der Dreharbeiten und der Drehbuch entwürfe.
Ich habe den Kino Film gesehen, der im Grunde in der ungekürzten Fassung noch am besten gefällt und den Teilen des Buchs am nächsten kommt.
Eine Katastrophe waren die beiden TV Film Serien. (Ohne Worte)
Verfillmungen sind ohne hin immer eine Gradwanderung.
Doch die Kritik mit den Figuren und der Atmo der Geschichte. Genau das ist ja gewollt anbetracht der Welt und des Geschehens in dedie Figuren agieren.*ja*
Ich fand die zweite Miniserie gar nicht mal so übel, aber die erste war wirklich mies. Vor allem die Leistungen der Schauspieler waren unterirdisch. Da kam Uwe Ochsenknecht richtig als Meistermime rüber.
Ich mag den David Lynch Film, aber es gibt viele Kritiker, die dieser Werk Verdammen. Das ist ein Film, der Polarisiert.
Die Bücher sind so eine Sache. Über das zweite bin ich nicht hinweg gekommen. Die Geschichte war mir zu wirr und die unausgegoren. Absolut nicht mein Fall. Aber der erste Band ist definitiv eines der besten SF Bücher überhaupt.
Ähm, Warin: Eine Trilogie mit 6 Bänden? :D
Pathfinder
07.02.2009, 23:10
Ich fand die zweite Miniserie gar nicht mal so übel, aber die erste war wirklich mies. Vor allem die Leistungen der Schauspieler waren unterirdisch. Da kam Uwe Ochsenknecht richtig als Meistermime rüber.
Ich mag den David Lynch Film, aber es gibt viele Kritiker, die dieser Werk Verdammen. Das ist ein Film, der Polarisiert.
Die Bücher sind so eine Sache. Über das zweite bin ich nicht hinweg gekommen. Die Geschichte war mir zu wirr und die unausgegoren. Absolut nicht mein Fall. Aber der erste Band ist definitiv eines der besten SF Bücher überhaupt.
Ähm, Warin: Eine Trilogie mit 6 Bänden? :D
NAGUT!
Natürlich kann man über einige Aspekte philosophieren.
Aber in der Tat ist die 2 Mini Serie innerhalb der Symbiose dieser beiden Produktionen die bessere.
Ich sah dies vom Stand der Filmtechnischen Aspekte. Und in diesem Zusammenhang sind angesichts der Möglichkeiten für TV Serien und der Butgets die beiden Produktionen vom Look wie eine Lowbutget Show konzipiert.
Die geschichten lassen sich wirklich alle sehr Zäh lesen. Aber das lag wirklich in der Absicht um eine gewisse Abstrusität zu schaffen.
DOCH EGAL WIE MAN ES BEDRACHTET DER 1 TEIL IST WIRKLICH SCIFI KULT (ob umstritten oder nicht/ Und wenn die Kritiker laut werden für Polarisierung, kann ich nur sagen, das man das nur heranziehen kann im direkten Vergleich zu anderen Verfilmungen, die weit aus größeren Ruhm fanden und sicher stärker polarisiert waren! Aber bei weitem nicht diesen Kultstatus fanden)
Verräter
20.10.2009, 19:56
Der Herr des Wüstenplaneten
Ich kann Ruschs Äußerung dazu verstehen, teile sie aber nicht.
Es unterscheidet sich immens vom ersten Band (mal abgesehen davon, dass es nur etwa 1/3 Umfang besitzt), wirkt insgesamt wie eine Episode aus Muad'dibs Leben, nicht als eigenständige Geschichte.
Im Mittelpunkt steht also das Intrigenspiel um Paul zu stürzen, angeführt von Prinzessin Irulan und einem Tleilax (Scytale). Die Waffe ist der Ghola Hayt, der gleichzeitig Duncan Idaho ist (und auch wieder nicht).
Paul Atreides hat sich immens verändert, was zum Schluss des ersten Buchs ja schon vorhersehbar war. Er schwebt nun an einem Punkt zwischen den Zeiten, lebt ständig ebenso im Hier und Jetzt wie auch in einer seiner unzähligen Visionen. Mit der Blindheit die ihn befällt wird das bis zum Schluss dann bis zur Spitze getrieben. Dafür verfällt sein Menschliches immer mehr. Paul ist beinahe wie eine Statue die man überall hinträgt, der Gott in dessen Namen das Universum unterworfen wird.
Ihm Gegenüber steht seine Schwester Alia, die ein mindestens ebenso großes Rätsel darstellt wie Paul eines ist. Ihr unterschied zum ersten Buch ist natürlich schon damit immens, da sie nun nicht mehr 4 sondern (*nachrechnet*) 16 (?) ist. Gleichzeitig ähnelt sie dem jungen Paul aus Band eins sehr. ebenso wie ihr Bruder hat sie erstaunliche Fähigkeiten und Visionen, wird wie eine Göttin verehrt (und ist vermutlich in gewissem Sinne auch eine), hat das Wissen ganzer Generationen Ehrwürdiger Mütter und besitzt trotzdem diese jugendliche Einfachheit. (Insbesondere im Umgang mit Hayt)
Im laufe des zweiten Buchs wurde sie mir sympathischer als es Paul ist, was aber nicht heißen soll, dass meine faszination ihm gegenüber kleiner geworden wäre.
Stilgar hat sich überhaupt nicht verändert. Er ist 1 zu 1 der Freme, den man im ersten Buch kennen gelernt hat. Die Rechte Hand Usuls und damit eine wichtige Person für die Geschichte, aber insgesamt doch eher uninteressant, auch da er immer außerhalb der Geschehnisse steht.
Viel spannender ist da die Rolle des Hayt (Idaho) für den Roman. Das Doppelspiel in seinem Sinn, der im ersten Roman schon mit den verschiedensten Charakteren gespielt wurde und den ich so liebe.
Der Sprachstil selbst hat sich nicht verändert, die Dialoge immer noch das was mich im ersten Band bereits begeistert hatte, die Handlung anders (vollkommen anders) aber nicht uninteressant.
Was ich nur bemängeln möchte ist die mangelnde Charaktervielfalt. Es konzentriert sich für mich zu viel auf Paul, der selbst keine große Veränderung (während des Buchs) aufzuweisen hat. Andere Charaktere, wie z.b. Lady Jessica oder Prinzessin Irulan, werden beinahe an den Rand des Vergessens gedrängt und ich hätte mir gewünscht mehr von anderen Personen zu lesen. So war mir die Handlung zu sehr auf Paul und Alia gedrängt. In dem Punkt ist der erste Band dem zweiten bei weitem überlegen!
Ich werde weiterlesen, bzw. Hören. Denn um ehrlich zu sein, habe ich bereits das zweite Buch nicht mehr in den Händen gehalten sondern mich auf die (vollständige) Lesung von LübbeAudio verlassen und das werde ich in den folgenden Romanen ebenfalls tun.
Insgesamt zum Herr des Wüstenplaneten: Gut, aber durch die Charakterarmut nicht ganz so gut wie der Erstling.
Alcarinque
27.10.2009, 11:01
Dune habe ich als erstes als PC-spiel kennen gelernt, darauf noch Dune2 und danach wohl der Film aus den 80ern. Irgendwie ganz nett aber nicht viel mehr.
Nach dem Buch hat sich das dann doch recht grundlegend verändert, auch hier scheint es mir, das es nicht möglich ist, das wirklich überzeugend zu verfilmen, die ganzen Untertöne, Gedanken und Hintergründe müssen wohl einfach auf die eine oder andere Art untergehen. Von Pc Spielen ganz zu schweigen.
Ein tolles und erstaunlich zeitloses Buch (im Gegensatz zu vielen anderen Scifi Romanen denen man das Alter teils merklich stärker anmerkt).
Die Nachfolgebände sind allesamt merklich schwächer, ich glaub das 3. oder 4. war extrem mühsam, gegen Ende legen sie dann aber zum Glück wieder etwas zu. Weitere Bücher wie z.B. die Vorgeschichten der Häuser habe ich mir dann aber nicht mehr angetan.
Verräter
05.12.2009, 18:46
Die Kinder des Wüstenplaneten
Zuerst etwas zur Hörbuchversion von Lübbe-Audio: Es ist die beste Produktion die mir bis jetzt untergekommen ist. Die Bücher sind ungekürzt und unverändert übernommen, die Qualität Makellos und die Sprecher Simon Jäger und Marianne Rosenebrg (die nur die Anekdoten zu Beginn jedes Kapitels spricht) übernehmen ihre Aufgabe perfekt und geben dem Wüstenplaneten eine ganz neue, unvergleichbare Aura.
Und nun zu dem Teil, den wir Frank Herbert verdanken:
Die Kinder des Wüstenplaneten ist um einen ganzen Sprung besser als sein Vorgänger, Band 2. Im Mittelteil wird es teilweise etwas langatmig, was aber Hauptsächlich daran liegt, dass es schwer ist eine konkrete Rahmenhandlung zu erkennen. (Eine Zeit lang hatte ich das Gefühl, dass alles ein wenig vor sich hin plätschert) Anders als in den Bänden davor wird man hier über die Pläne einiger Personen erst im Nachhinein informiert, was zwar nicht unbedingt schlecht ist, aber in dem Punkt gefielen mir Band 1 & 2 besser.
Alles beginnt neun Jahre nach den Ereignissen des zweiten Bandes. Die Kinder Ghanima und Leto, die beide bedingt durch ihren Vater ähnlich wie Alia sog "Vorgeborenen" sind und das Wissen ganzer Generationen in sich tragen, rauben Stilgar regelmäßig den Schlaf.
Dann überschlagen sich die Ereignisse, als Lady Jessica zum ersten mal seit fast 20 Jahren wieder den Wüstenplanet betritt und nach Gerüchten im Auftrag der Bene Gesserit ihre Enkel prüfen soll. Gleichzeitig werden auf Salusa Secundus Pläne dafür geschmiedet, einen Anschlag auf die Zwillinge zu vollführen und so Farad'n Corrino an die Herrschaft zu bringen.
Indes hat sich der Wüstenplanet selbst verändert. Schon jetzt gibt es auf Teilen der Welt wirklichen Regen und sogar blühende Wälder, während sich die Wüsten immer mehr zurückziehen. Aber mit ihnen verschwindet auch langsam das Gewürz. Die Bewohner spalten sich in zwei Extreme. Auf der einen Seite stehen die Fremen, die in ihren Sietch zurückziehen und versuchen an alten Traditionen festzuhalten, und denen die in die Städte zogen und die Wasserknappheit fast nur noch aus alten Geschichten kennen.
Mich selbst hat Alias Schicksal am meisten gerührt, erst hier im Buch eröffnet sich dem Leser die tatsächliche Tragik hinter ihrem gesamten Leben. Ihre Mutter selbst sah sie als Scheusal an und ist vor ihr geflohen, sie hat all die Jahre einen stummen Kampf gegen all die Vergangenheiten in ihrem Körper geführt und hat niemals von irgendjemandem Hilfe erhalten, bzw. hat sich nie jemandem anvertraut, da sie wusste, dass niemand auf der Welt verstehen könnte welche Qualen sie erlitt. aber Alia hat immer ihr bestes Gegeben, hat sich der Gewürztrance hingegeben und hat eine lebende Gottheit für die Religion ihres Bruders gespielt, aber die gesamte Herrschaft zu übernehmen - damit ist sie offensichtlich überfordert (wer könnte ihr das verdenken, nach Pauls flucht?) und erntet dafür nichts anderes als puren Hass aus ihrer Umgebung. Und das führt schließlich auch dazu, dass sie letzten Endes ihren stummen Kampf mit sich selbst verliert. Die erste Begegnung mit dem Baron war für mich das mit Abstand spannendste Kapitel im gesamten Buch!
Aber anstatt ihr zu Helfen, gibt man sie einfach auf. Alle Charaktere stehen plötzlich gegen sie, und dabei hätte sie doch nie etwas dagegen tun können. Alia ist für mich nichts als ein Opfer und das macht ihren Verlauf in der Geschichte so tragisch, besonders als Leto ihr das Ultimatum stellt.
Lady Jessica selbst spielt ihre Rolle zu Beginn des Buchs perfekt und ich war froh, dass sie nun wieder aufgetaucht war, nachdem ihr Name im zweiten Band höchstens 2x gefallen war. Streckenweise fällt sie aber leider etwas ins Rücklicht, ich hätte mir also immer noch mehr von ihr gewünscht und ganz besonders auf eine genaue Klärung zwischen ihr und Alia. Wahrscheinlich war es vom Autor gewollt, dass man (wenn man es nicht wüsste) überhaupt keine familiäre Beziehung zwischen ihr und ihrer Tochter erkennen kann. Beide sind unglaublich kalt und offen aggressiv gegeneinander.
Mit ihr kommt aber auch Gurney Halleck mit ins Spiel (den ich ebenfalls im zweiten Band vermisste) und der mir von der ersten Seite so sympathisch war wie in Band 1.
Mit Idaho, der während des Romans beginnt seine ganz eigenen Pläne zu verfolgen, fehlt dann nur noch Hawat um das Trio zu vervollständigen, aber der wird wohl leider Tod bleiben. ( :( )
Die Zwillinge spielen in einer ganz anderen Liga. Leto läuft nach und nach ein Stadium nach dem anderen ab, in dem sein Vater bereits stand. Zu beginn ähnelt er der Art, die Paul zu beginn des zweiten Bands einnahm, entwickelt sich dann während seiner Reise in der Wüste zum Paul aus dem Mittelteil des ersten Buchs, der ständig darum bemüht war die Fremen von sich zu überzeugen, findet sich kurzzeitig so verzweifelt wieder wie Paul es am Ende des zweiten Buchs war und endet schließlich genauso fanatisch wie sein Vater am Ende des ersten Buchs, auf dem Weg das gesamte Universum umzuwerfen.
Ghanima ist der vorsichtigere der beiden und ist immer sehr auf Kompromisse und dem Allgemeinwohl bedacht. Während Leto vom Tatendrang geführt wird, ist sie wesentlich umsichtiger und vor allem menschlicher. Insgesamt wirkt sie aber Zeitweise auch etwas schwach und wird ständig von irgendjemandem beschützt oder gerettet.
Über Charakterarmut kann ich mich glücklicherweise nicht mehr beschweren, da eine ganze Reihe neuer Nebenfiguren eingeführt und gleichzeitig einige alter Personen (Wie Lady Jessica und Gurney Halleck) wieder ihren Platz fanden. "Action" und große, heroische Kämpfe wie im ersten Buch gibt es hier nicht zu sehen, was für mich persönlich aber positiv und nicht negativ zu werten ist, denn dafür fokussiert sich Frank Herbert auf die Facetten der Geschichte, die ich an der bisherigen Reihe am besten fand. Wir haben hier ein Zusammenspiel aus einem Pulk von Charakteren, die allesamt versuchen aus der jetzigen Situation schlau zu werden, versuchen die Taten der anderen zu verstehen und gleichzeitig den größten Nutzen aus den Gegebenheiten zu ziehen. Das Buch ist voll von Intrigen, Verrat und wunderbar durchdachten Dialogen.
Jeden Gedankengang, den Frank Herbert begann, hat er auch konsequent bis zum Ende gesponnen. Nur halbe Sachen gibt es nicht, - Jedes erwähnte Wort hat an dem Platz seine Berechtigung wo es steht.
Das erste drittel von den Kindern des Wüstenplaneten ist für mich ganz ohne Frage exzellent und übertrifft die Suche nach dem Verräter zu beginn des ersten Romans noch(!), danach (nach dem Attentat) flaut es allerdings ein wenig ab, steigert sich zum Schluss hin aber dann doch wieder immens. (Der Showdown mit Alia war ebenfalls besser als das Ende von Buch 1)
Insgesamt für mich ein ausgezeichnetes Buch (bzw. in meinem jetzigen Fall nur noch Hörbuch ^^). Jetzt heißt es für mich auf den 27.2.10 zu warten, dann veröffentlicht LübbeAudio nämlich den vierten Roman und dann werde ich meine Gedanken zum nächsten eil wieder in diesem Thread ausbreiten. :)
Der Verräter
Ah ja,
da bin ich ja schon mal gespannt, wie dir der 4. Band gefällt, denn da gehts mir wie Alcarinque, hier wirds mühsam und meiner Meinung nach auch ziemlich langweilig.
Das Setting im vierten ist eigentlich extrem faszinierend, aber ich hatte permanent den Eindruck, das Herbert selber nicht wusste, wo er hin will. Zumal die Dialoge irgendwann so kryptisch werden, das es schwierig wird, ihren Sinn zu verstehen.
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