Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Lyrik Liebesleid, liebes Leid und leidige Liebe, ein kleiner Gedichtzykus
Cullabay
01.02.2009, 17:14
Jetzt wo ich endlich 100 posts geschafft habe, habe ich inzwischen auch genügend Mut gesammelt die folgenden kleinen Gedichte hier auszustellen. Es sind so knapp 20, allesamt in einem Zeitraum von etwa 1 1/2 Jahren entstanden, den ich rückblickend als inspirierend unglücklich bezeichnen würde.
Es sind darunter ernste und weniger ernste Verse, ich habe vor, immer 2-3 nacheineinder einzustellen.
Ich wünsche allen, die sie lesen viel Spaß und mir selbst den ein oder anderen interessanten Kommentar.
VERSETZT
Hab lange gewartet,
habe gehofft,
ist nichts draus geworden,
wie schon so oft.
Hätte Dich gerne umarmt,
hab mich statt dessen bedauert
und Dich.
Verschmähte Liebe
Dich zu gewinnen, hab ich gedacht,
sei wohl schon möglich - wär ja gelacht.
Habe Phantasie und Dichtkunst bemüht,
selbst erdacht oder geklaut von allen,
Dir zu gefallen.
Habe sogar gebacken mehrere Kuchen,
Dich zu versuchen.
Doch all meine Bemühungen waren vergeblich,
Du bliebst standhaft und erhörtest mich nicht.
Wär es nicht wirklich Liebe und Du meine große Passion,
aufgegeben hätte ich lange schon.
So such' ich nach immer ausgefallneren Dingen,
... vielleicht sollte ich dir nachts vor Deinem Fenster ein Ständchen singen?
Alles umsonst, Du meidest mich wie die Pest,
selbst dran schuld, Du weißt gar nicht, was Du Dir mit mir entgehen läßt!
Traum
Heute hab' ich in Gedanken,
Dich wieder mal gesteichelt und geküsst,
ganz vertraut mit Dir gesprochen,
Dich dabei ganz nah bei mir gespürt,
Habe dabei die Schranken
der Realität für kurze Zeit gebrochen,
Deine Hand gefasst und zu den Sternen Dich geführt.
Mit dem Flug des Traums mir meine Einsamkeit versüßt.
Doch zerbrechlich ist das Bild,
das meine Liebe sich erdacht,
es diffundiert, verflüchtigt sich, verfliegt.
Die Wirklichkeit ergreift es, es erliegt,
vergeht und hat die Sehnsucht angefacht,
nicht meine Traurigkeit gestillt.
OwenJackson
06.02.2009, 23:35
Nunja, ich muss sagen dein erstes Gedicht ist für mich ein wenig zu kurz.
Ich kann mir keine echte Meinung darüber bilden.
Das zweite ist sehr interessant.
Hast Du aus eigener Erfahrung geschrieben oder Dir das Geschehen nur geistig vorgestellt?
Unerwiderte Liebe ist schwer zu verkraften.
Ich kenne es ein wenig anders, im Bezug auf Freundschaft.
Immer bemühe ich mich nett und hilfsbereit zu sein.
Vor wenigen Jahren kannte ich mal jemanden dem ich immer half, ein junger Mann der von anderen oft herumgeschubst wurde.
Ich hielt andere davon ab ihn zu ärgern, hielt ihm die Tür auf wenn er kurz nach mir kam, wollte ihm einen Stift leihen weil er seine vergass usw.
Aber er erwiderte nie, er dankte nie.
Ich fühlte mich unbeachtet, irgendwann fragte ich mich, ob es das wert war.
Doch kurz danach traf ich jemanden der mich erwiderte und heute sind wir beste Freunde.
Sprich, egal wie hart und aussichtslos es sein sollte, wenn man es immer und immer wieder versucht, könnte es klappen.
Dein drittes Gedicht spiegelt die mögliche Vergänglichkeit der Liebe wieder.
Auch hier habe ich nur mit Freunden Erfahrungen die ähnlich sind.
Früher hatte ich Freunde, welche heutzutage nicht mehr symphatisch sind usw.
Da sich Menschen ändern, kann man es nicht beeinflussen diese sich negativ verändern.
Ich denke Liebe beruht auf Gegenseitigkeit.
Wenn sich beide Partner bemühen sich die gemeinsame Liebe wieder interessanter gestalten kann man dies möglicherweise abwenden.
Insgesamt interessante Gedichte, allesamt sehr traurig.
Den Inhalt von Gedichten kann man sehr schwer rezensieren. Gedichte sind Gefühle, die sich in Worten manifestieren. Und deshalb etwas sehr Persönliches, etwas oft aus einem Herzschlaggefühl heraus Entstandenes...
Ich will es trotzdem versuchen und auch ein bisschen auf das Formale eingehen:
Das erste Gedicht, VERSETZT, ist kurz. Es darf aber auch gar nicht länger sein, denn sonst geht dieser tiefe Eindruck verloren, den es auslöst. Ich bewundere es, wenn jemand in wenigen Zeilen so viel ausdrücken kann. Hier muss man auch zwischen den Zeilen lesen...
Von der Struktur und der Wortmelodie (Versmaß will ich es nicht nennen) ist es ziemlich perfekt.
Mich hat dieses Gedicht sehr berührt.
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Das zweite Gedicht, Verschmähte Liebe, spielt nun in einer ganz anderen Liga. Vom Inhalt her trieft es vor (Selbst)Ironie - ich musste herzlich lachen. Keine Ahnung, ob du diesen Effekt beabsichtigt hattest, aber für mich ist das eine ungeheuer sympathische Persiflage auf hysterische Emo-Beziehungen...
Das Versmaß ist auch gut gewählt und unterstreicht den Inhalt des Gedichts.
Ich liebe dieses Gedicht.
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Und nun noch zum dritten, Traum:
Das gefällt mir auch, aber nicht so gut wie die beiden anderen.
Mein Versuch, das zu begründen:
Das Reimschema ist zwar hochinteressant... aber es gibt dem Gedicht zugleich etwas Gekünsteltes. Die Gefühle werden zwar als sehr tief beschrieben, aber kommen für mich nicht wirklich rüber. Ich glaube dir diese Gefühle einfach nicht. Am meisten stört mich, dass du einerseits mit sehr klaren, einfachen Worten arbeitest, aber dann einen Begriff wie diffundiert verwendest, der den Lesefluss einfach stört.
Und über die Formulierung Mit dem Flug des Traums grüble ich immer noch und verstehe die Phrase in diesem Zusammenhang einfach nicht.
Mein Fazit zu den drei Gedichten: die ersten beiden sind erstklassig, das dritte Mittelmaß.
Stellst du bitte noch mehr deiner lyrischen Werke ein? :)
Es gibt hier leider viel zu selten die Gelegenheit, wirklich gute Gedichte zu lesen.
Cullabay
14.02.2009, 19:34
@ Owen Jackson
Erst einmal danke für die Kommentare. Es hat ziemlich lange gedauert, bis jemand reagiert hat, ich habe schon gedacht Gedichte interessieren hier keinen.:)
Zum ersten Gedicht kann ich nur sagen, es darf nicht länger sein. Aber ich kann nachvollziehen, wenn nicht jeder das nachempfinden kann, was in dem Gedicht steckt. Aber bei einem Gedicht kann man einfach nicht deswegen mehr Worte hinzufügen, damit es alle Leser verstehen. Man muss einfach damit leben, dass bei manchen Lesern eine Saite zum schwingen gebracht wird und bei anderen eben nicht.
Zum zweiten: Ja, alles eigene Erfahrung. Unerwiderte Liebe ist zeitweise tatsächlich schwer zu verkraften. Aber man wächst daran. Und man kommt darüber hinweg*ja* v.a. wenn man sich nicht immer selbst zu ernst nimmt.
@ Hathor
*freu* Danke, danke, danke,
es ist einfach schön zu sehen, dass das, was man versucht in den Gedichten auszudrücken auch bei anderen rüberkommt. Die ersten beiden Gedichte gehören auch zu meinen eigenen Lieblingen. Und die Selbstironie im zweiten ist absolut beabsichtigt. Tatsächlich war die Selbstironie das, was mich in der Phase in der die Gedichte geschrieben wurden davor bewahrt hat in Hysterie und Selbstmitleid zu ertrinken. Es gab Gott sei Dank immer dieses kleine Teufelchen , das auf meiner Schulter saß und seine sarkastischen Bemerkungen gemacht hat, wenn ich mich zu sehr in mein Leid hineingesteigert habe.
zum dritten: das gehört halt eher zu denen in kitschiger Stimmung. Ich finde es nicht schlecht aber über das Wort diffundiert habe ich immer wieder gesessen. Es gefällt mir auch nicht richtig.Wenn mir mal etwas wirklich besseres einfällt werde ich es noch ändern.
Cullabay
14.02.2009, 19:50
so, nun geht es weiter. Ich hoffe das Niveau sinkt in Euren Augen nicht zu sehr ab nach den positiven Echos.
WERBESONG
Du bist der Silberstreif an meinem Horizont,
Du bist der Regenbogen nach der Gewitterfront,
Du allein bist Inspiration für meine Poesie,
Merci, dass es Dich gibt.
Du bist der Schmetterling des Gücks in meinem Bauch,
die Träne meiner Einsamkeit, die bist Du auch,
bist Dur und Moll zugleich in meinem Liebeslied,
Merci, dass es Dich gibt.
In Deiner Gegenwart fühl' ich mich einfach wohl,
bist für mein heftiges Temperament ein ruhiger Pol,
Ich bereu' nicht einen Tag, an dem ich Dich geliebt,
Merci, dass es Dich gibt!
----------------------------------------
Sehnsucht
Of habe ich den Wunsch Dich zu umarmen,
zu berühren Deine weiche, warme Haut.
Zärtlich möcht' ich meine Hände wandern lassen,
Über Deine Haare, Dein Gesicht.
Doch wieder steh' ich vor Dir,
hat meine Hand sich nicht getraut.
dir zu geben all die Liebe, die ich fühle,
weiß ich doch, Du willst sie nicht.
--------------------------------------------
BLAUE STUNDEN
Während der blauen Stunden,
wenn das Licht nur noch halbhell durch's Fenster fällt,
liegend auf dem Sofa, schick' ich Gedanken hinaus in die Welt.
Bis sie ihr Ziel haben gefunden.
Was Du gerade auch tust, sie umgeben Dich,
leicht und unsichtbar.
Wie ein leiser Lufthauch streicheln sie Dein Haar.
Berühren sanft Dein Gesicht.
Hebst Du den Kopf? Was war das? Du spürtest es kaum.
Stehst Du auf und schließt die Tür?
Umsonst mein Freund, der Wind kann nichts dafür.
Ich aber schließe die Augen und lächle im Traum.
Cullabay
19.02.2009, 15:11
TIEFSEE
Meine Liebe liegt auf dem Grund des Meeres,
dunkel ist es hier und kalt.
Kein Geräusch dringt herab in diese Tiefe.
Reglos liegt sie.
Abgestorbene Schwebeteilchen sinken herab, bedecken sie schon halb.
Namenlose, alptraumhafte Kreaturen bevölkern diese Welt,
manche von ihnen tragen lumineszierende Lichter.
Erinnerung......Wärme......golden lichtdurchflutete Korallengärten......
Doch hier unten beleuchtet Licht nur monsterhafte Fratzen.
Airoswen
03.03.2009, 07:58
Die liebe Cullabay hat sich Kritik von mir zu ihren Gedichten gewünscht. Hiermit komme ich ihrem Wunsch gerne nach.
Vorab möchte ich aber betonen:
Es ist immer die Frage, was der Dichter mit seiner Lyrik bezwecken will. Schreibt er für sich, für die Leser, für beide? Oder hat der Dichter eine perfektionistische Ader und will ein Kunstwerk schaffen?
Das weiß nur der Dichter. Demnach sind Ansprüche und Erwartungen an einen Text, beim Dichter und beim Leser unterschiedlich.
Wenn er für sich schreibt, dann müssen Gedichte nicht kritisiert werden.
Wenn er zwar für sich schreibt, aber gern mal Feedback von Lesern haben möchte, dann ist seine Intention nicht die Bearbeitung eines Gedichts, er will kein Kunstwerk schaffen, er will etwas „schön Lesbares“ schaffen und einfach mal wissen, wie andere das finden.
Der Dichter, der Kunst erschaffen will, der arbeitet an seinem Text.
Da ich nicht weiß, welche Intention jemand verfolgt, mag dem einen oder anderen meine Kritik an manchen Stellen überzogen oder kleinlich vorkommen, das liegt einfach nur daran, dass ich es von früher her gewohnt bin, mit anderen Dichtern Gedichte zu kritisieren, an jedem Wort zu feilen …
Meine Kritik hier, ist nicht so kleinlich/umfangreich wie sie normalerweise ausfallen würde. Weil ich eben nicht weiß, was Cullabays Intention ist. Meine Kritik, hier, ist also nur als Gedankenanstoß zu verstehen. Ich kann natürlich auch nur aus meinem Blickwinkel und meinen Erfahrungen urteilen. Niemals liegt die Absicht (m)einer Kritik, die Gefühle des Dichters zu verletzen.
Desweiteren habe ich hier auf schulbuchmäßige Gedichtanalyse (Gedichtart, Reimschema, etc.) verzichtet, weil das den Rahmen sprengen würde. Silben kann jeder für sich abzählen und das Reimschema zu bestimmen, dürfte auch kein Problem sein.) Wer sich näher damit beschäftigen möchte: http://www.referate10.com/referate/Deutsch/16/Grundlagen-der-Gedichtinterpretation-reon.php
Lange Rede, kurzer Sinn: ich fang dann mal an, mit:
VERSETZT
Hab lange gewartet,
habe gehofft,
ist nichts draus geworden,
wie schon so oft.
Hätte Dich gerne umarmt,
hab mich statt dessen bedauert
und Dich.
Ich mag ja so kurze, knackige Gedichte. :)
3. Vers: Bitte mal laut vorlesen. Es zischelt bei den ersten drei Wörtern.
Vers 6 + 7:
Da hier ein Bruch in der Länge der Verse stattfindet; Vers 7 ist viel kürzer als Vers 6, bekommen diese beiden Verse eine besondere Gewichtung. Das Gewicht liegt auf dem Wort „bedauert“ und „Dich“. Es wird wie im Vorbeigehen erwähnt, dass das „Mich“ sich bedauert und (Überraschung) auch das „Dich“. Das finde ich sehr durchdacht, gut und gefällt mir.
Alles in allem gefällt mir das Gedicht. Und von allen deinen Gedichten finde ich es am besten.
*****************************
Verschmähte Liebe
Dich zu gewinnen, hab ich gedacht,
sei wohl schon möglich - wär ja gelacht.
Habe Phantasie und Dichtkunst bemüht,
selbst erdacht oder geklaut von allen,
Dir zu gefallen.
Habe sogar gebacken mehrere Kuchen,
Dich zu versuchen.
Doch all meine Bemühungen waren vergeblich,
Du bliebst standhaft und erhörtest mich nicht.
Wär es nicht wirklich Liebe und Du meine große Passion,
aufgegeben hätte ich lange schon.
So such' ich nach immer ausgefallneren Dingen,
... vielleicht sollte ich dir nachts vor Deinem Fenster ein Ständchen singen?
Alles umsonst, Du meidest mich wie die Pest,
selbst dran schuld, Du weißt gar nicht, was Du Dir mit mir entgehen läßt!
Im Forum las ich schon, dass das Gedicht Selbstironie enthält.
Wär es nicht wirklich Liebe und Du meine große Passion,
aufgegeben hätte ich lange schon.
So such' ich nach immer ausgefallneren Dingen,
... vielleicht sollte ich dir nachts vor Deinem Fenster ein Ständchen singen?
Letzter Vers: da würde ich wenigstens ein Komma setzen. Hinter „nachts“ oder hinter „Fenster“, je nachdem wo du es passender findest. Wobei das Komma den Lesefluss abbremsen wird, soll. Wenn man es denn mag.
Alles umsonst, Du meidest mich wie die Pest,
selbst dran schuld, Du weißt gar nicht, was Du Dir mit mir entgehen läßt!
Letzter Vers: Liest sich etwas holprig. Woran ist das „Du“ selbst schuld dran?
Inhaltlich ist das „selbst dran schuld“ auf die Pest bezogen. Wie kann das „Du“ daran schuld sein, dass es jemand anderen wie die Pest meidet. Das „Du“ will es ja so.
Gemeint ist also was anderes, nämlich „Tja, Pech gehabt, wieso meidest du mich auch wie die Pest“.
Normalerweise würde ich vorschlagen, das Wort „gar“ bei „gar nicht“ wegzulassen. „Nicht“ ist schon eine Verneinung und das „gar“ ist dann doppelt gemoppelt, kann also weg. Aber es passt in die Sprache des Gedichts. Allenfalls, wenn einem die Länge des Verses zu lang vorkommt, könnte man darauf verzichten.
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Traum
Heute hab' ich in Gedanken,
Dich wieder mal gesteichelt und geküsst,
ganz vertraut mit Dir gesprochen,
Dich dabei ganz nah bei mir gespürt,
Habe dabei die Schranken
der Realität für kurze Zeit gebrochen,
Deine Hand gefasst und zu den Sternen Dich geführt.
Mit dem Flug des Traums mir meine Einsamkeit versüßt.
Doch zerbrechlich ist das Bild,
das meine Liebe sich erdacht,
es diffundiert, verflüchtigt sich, verfliegt.
Die Wirklichkeit ergreift es, es erliegt,
vergeht und hat die Sehnsucht angefacht,
nicht meine Traurigkeit gestillt.
Auch wieder nur Kleinigkeiten:
Heute hab' ich in Gedanken,
Dich wieder mal gesteichelt und geküsst,
ganz vertraut mit Dir gesprochen,
Dich dabei ganz nah bei mir gespürt,
Habe dabei die Schranken
der Realität für kurze Zeit gebrochen,
Deine Hand gefasst und zu den Sternen Dich geführt.
Mit dem Flug des Traums mir meine Einsamkeit versüßt.
Vers 4: da sollte ein Punkt den Vers beenden?
Vers 5 + 6: Schranken bricht man in der Realität nicht, eher durchbricht man sie. Oder Schranken öffnet/schließt man oder baut sie ab. Hier sind wohl die Grenzen der Realität gemeint und diese überschreitet/überquert man oder ignoriert sie oder man durchbricht sie.
Doch zerbrechlich ist das Bild,
das meine Liebe sich erdacht,
es diffundiert, verflüchtigt sich, verfliegt.
Die Wirklichkeit ergreift es, es erliegt,
vergeht und hat die Sehnsucht angefacht,
nicht meine Traurigkeit gestillt.
Vers 3: das Fremdwort „diffundiert“ passt sprachlich nicht in das Gedicht hinein. Wenn hier von „verflüchtigen“ und „verfliegen“ die Rede ist, dann passt doch „vermischen“ wunderbar in das Sprachbild.
Der Rest ist schön formuliert.
Einzig in Vers 4 passt das „es erliegt“ nicht so ganz, weil es sich ja auf die Wirklichkeit bezieht und was tut die Wirklichkeit? Die Wirklichkeit „ergreift es“. Das geht. Aber die Wirklichkeit kann nicht das „es erlegen“. Entweder ist hier ein eigenständiger Vorgang gemeint, dann muss man ihn optisch oder mit Worten von „der Wirklichkeit“ abgrenzen oder aber es bezieht sich handlungsmäßig zur Wirklichkeit und die kann das wie gesagt, nicht.
Es ist also ein Unterschied, ob ich schreibe:
Die Wirklichkeit ergreift es, erdrückt es,
dann vergeht es und hat die Sehnsucht angefacht,
nicht meine Traurigkeit gestillt.
Oder:
Die Wirklichkeit ergreift es, erdrückt es.
Es vergeht und hat die Sehnsucht angefacht,
nicht meine Traurigkeit gestillt.
In der 1. Version geht die Handlung von der Wirklichkeit aus, sie ist es, die all das mit dem „es“ tut.
In der 2. Version wird allgemein geschildert, was mit dem „es“ passiert.
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Sehnsucht
Of habe ich den Wunsch Dich zu umarmen,
zu berühren Deine weiche, warme Haut.
Zärtlich möcht' ich meine Hände wandern lassen,
Über Deine Haare, Dein Gesicht.
Doch wieder steh' ich vor Dir,
hat meine Hand sich nicht getraut.
dir zu geben all die Liebe, die ich fühle,
weiß ich doch, Du willst sie nicht.
Kleinigkeiten:
Hm, hm. Vers 6: „hat“. Da ist zeitlich was nicht in Ordnung. Vers 5 impliziert eine Unmittelbarkeit, jetzt, nun, „steh ich vor dir“ und dann „hat“ meine Hand sich nicht getraut, ist Vergangenheitsform. Dann müsste es besser heißen:
Doch wieder steh' ich vor Dir,
traut sich meine Hand nicht.
Oder:
Doch wieder habe ich vor dir gestanden,
hat meine Hand sich nicht getraut,
und dann Komma, statt Punkt, weil dann folgt, was sich nicht getraut wurde.
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BLAUE STUNDEN
Während der blauen Stunden,
wenn das Licht nur noch halbhell durch's Fenster fällt,
liegend auf dem Sofa, schick' ich Gedanken hinaus in die Welt.
Bis sie ihr Ziel haben gefunden.
Was Du gerade auch tust, sie umgeben Dich,
leicht und unsichtbar.
Wie ein leiser Lufthauch streicheln sie Dein Haar.
Berühren sanft Dein Gesicht.
Hebst Du den Kopf? Was war das? Du spürtest es kaum.
Stehst Du auf und schließt die Tür?
Umsonst mein Freund, der Wind kann nichts dafür.
Ich aber schließe die Augen und lächle im Traum.
Kleinigkeit:
Während der blauen Stunden,
wenn das Licht nur noch halbhell durch's Fenster fällt,
liegend auf dem Sofa, schick' ich Gedanken hinaus in die Welt.
Bis sie ihr Ziel haben gefunden.
Vers 4: Ähm, etwas verschroben formuliert.
Während der blauen Stunden,
…
…
haben sie ihr Ziel gefunden / bis sie ihr Ziel gefunden haben
Korrekt, aber doll ist das nicht. Ich sehe, warum du den Vers so formuliert hast. Solche
Formulierungen ergeben sich, wenn man das Reimschema unbedingt einhalten will. Nicht immer zugunsten des Wohlklanges. *g*
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TIEFSEE
Meine Liebe liegt auf dem Grund des Meeres,
dunkel ist es hier und kalt.
Kein Geräusch dringt herab in diese Tiefe.
Reglos liegt sie.
Abgestorbene Schwebeteilchen sinken herab, bedecken sie schon halb.
Namenlose, alptraumhafte Kreaturen bevölkern diese Welt,
manche von ihnen tragen lumineszierende Lichter.
Erinnerung......Wärme......golden lichtdurchflutete Korallengärten......
Doch hier unten beleuchtet Licht nur monsterhafte Fratzen.
Vers 3 + 4: „herab“ oder „hinab“?
Wo ist die Perspektive?
Wenn die Liebe auf dem Grund liegt und man sagt, dass es hier dunkel und kalt ist und dann feststellt, dass hier (man liegt also da unten) kein Geräusch herab dringt, dann bewegen sich die Geräusche auf den Sprecher zu, also herab. Der Betrachter liegt also in der Tiefe und dort kennzeichnet ein „her“ die Richtung auf den Beobachter/Sprecher zu.
Wenn die Perspektive aber oben liegt, im Sinne von: da oben steht der Betrachter und guckt auf die Tiefe hinab, dann müsste es heißen: Kein Geräusch dringt hinab in diese Tiefe.
Dasselbe gilt für Vers 4 „sinken herab“. Liegt der Betrachter unten, dann sinken die Teilchen auf ihn zu, also herab. Steht der Betrachter oben, dann sinken die Teilchen (von ihm aus gesehen) hinab.
Vers 4: Reglos liegt sie. Sie = Die Tiefe oder die Liebe? Hm, hm. Die Tiefe ist das Grab der Liebe. Vielleicht kannst du das schöner, treffender, eindeutiger als „reglos liegt sie“ formulieren?
Vers 5 + 6: widersprechen sich. Wenn Teilchen herabsinken, andererseits aber Kreaturen diese Welt bevölkern, dann impliziert das Wort „bevölkern“ ein reges Treiben in der Tiefe. Und wenn dort ein reges Treiben herrscht, können Teilchen nicht seelenlos herabsinken oder hinabsinken. Wenn die Kreaturen sich in einer anderen „Höhe“ als in der Tiefe aufhalten, dann würde ich das an der Formulierung deutlicher machen, was es damit auf sich hat.
Vers 7: Fremdwort „lumineszierende“ passt von der Sprache des Gedichtes nicht hinein.
Vers 9: Meiner Meinung nach der stärkste Vers im Gedicht. Schön.
LG
Airoswen
Cullabay
03.03.2009, 10:55
Vielen Dank für Deine Kritik,
insgesamt ist sie für mich doch ziemlich positiv ausgefallen:), weshalb entschuldigst Du Dich dafür, evtl. Gefühle zu verletzen?
Meine Intention der Gedichte entspricht in etwa dem was Du an zweiter Stelle aufführst. Geschrieben habe ich sei ausschließlich für mich und danach habe ich sie erst einmal längere Zeit nicht mehr angeschaut. Als ich sie dann mal wieder hervorgezogen habe war ich erstaunt, wie viele davon mir immer noch gefallen haben. Ich habe ein kleines bisschen daran herumgeändert und mir dann gedacht, dass es schön wäre zu wissen wie sie auf andere wirken.
@Versetzt
Ist auch mein Lieblingsgedicht. Das mit dem Zischeln ist mir noch nicht aufgefallen, da ich meine Gedichte noch nie laut vorgelesen habe. Aber ich werde es deshalb nicht ändern.
@ Verschmähte Liebe: Eigentlich ein reines Spaßgedicht, hier ging es mir um die Geisteshaltung die darinliegt, weniger um die perfekte Form. Über das Komma kann man sich streiten, grammatikalisch wäre es natürlich richtig aber ich finde in diesem Fall den Lesefluss gestört. Der letzte Satz? Soll etwas patzig klingen, deshalb in meinen Augen auch nicht so wichtig dass es grammatikalisch 100 % stimmt. Und dass es sich nicht auf die Schuld an der Pest bezieht, kann man glaube ich erkennen.
Dieses Gedicht mag ich auch so wie es ist.
@Traum
Alle Deine Kritikpunkte kann ich gut nachvollziehen. Die meisten davon sind leider den Reimen geschuldet. Dadurch wirkt manches tatsächlich etwas gezwungen oder nicht ganz sprachlich korrekt, aber wenn ich das Gedicht ganz reimlos laufen lasse, verliert es in meinen Augen noch mehr.
Das mit dem Erliegen finde ich aber völlig in Ordnung. Das Bild erliegt der Wirklichkeit. Statt diffundieren habe ich mich inzwischen für "es verschwimmt" entschieden.
Aber definitiv nicht eines meiner besten.
@ Sehnsucht
Dieses Zeitparadox habe ich mir auch schon überlegt. Aber meine persönlichen Gefühle werden (oder vielmehr wurden) durch das Präsens besser ausgedrückt obwohl es formal falsch ist.
@ Blaue Stunden
ja ja die Reime*ja*
@Tiefsee
Die Perspektive ist unten. Dieses Gedicht liebe ich genau so wie es ist und da prallen alle Kritiken von mir ab. Egal wie recht Du hast:D
Cullabay
03.03.2009, 11:01
Wunschtraum
Schlafe,
schließ' die Augen,
träume.
Wolkenschafe,
weite Seelenräume,
keine Liebe, keine Schmerzen.
Erwache!
Mit kühlem, ruhigen Herzen.
WÜNSCHTE
Wünschte ich hätt' Dich weniger lieb,
wünschte ich würd' Dich als Mensch nicht so schätzen.
Wünschte ich würde Dich nur einfach begehren,
mich nicht nach Deinem Herzen sondern mich nur nach Deinem Körper verzehren.
Viel leichter wärst Du für mich zu ersetzen.
Airoswen
03.03.2009, 11:21
Hallo Cullabay,
@Tiefsee
Die Perspektive ist unten. Dieses Gedicht liebe ich genau so wie es ist und da prallen alle Kritiken von mir ab. Egal wie recht Du hast :D Das freut mich, finde ich auch gut (deine Einstellung und die Liebe zum Gedicht).
Und zum Wunschtraum:
Wunschtraum
Schlafe,
schließ' die Augen,
träume.
Wolkenschafe,
weite Seelenräume,
keine Liebe, keine Schmerzen.
Erwache!
Mit kühlem, ruhigen Herzen.
Du weißt ja, mir gefallen die kurzen, knackigen Gedichte. Dieses hier gefiel mir auch auf Anhieb.
Aber :D Vers 1 + 2: Reihenfolge. Vielleicht erst die Augen schließen und dann schlafen?
Schließ' die Augen,
schlafe,
träume.
Wolkenschafe
So ist das "sch" auch näher an den Wolkenschafen und ich finde das klingt super.
Schlafe,
schließ' die Augen,
träume.
Wolkenschafe,
weite Seelenräume,
keine Liebe, keine Schmerzen.
Erwache!
Mit kühlem, ruhigen Herzen.
Vers 3:
Wenn nach träume kein Satzzeichen folgen würde, hättest du ein Enjambement (http://www.referate10.com/referate/Deutsch/16/Grundlagen-der-Gedichtinterpretation-reon.php) und die Aufforderung
träume
würde sich auch auf die
Wolkenschafe
beziehen und sogar indirekt auf
weite Seelenträume,
sogar indirekt auf
keine Liebe, keine Schmerzen.
LG
Airoswen
Cullabay
05.03.2009, 16:36
Hallo Cullabay,
:D Das freut mich, finde ich auch gut (deine Einstellung und die Liebe zum Gedicht).
Und zum Wunschtraum:
Du weißt ja, mir gefallen die kurzen, knackigen Gedichte. Dieses hier gefiel mir auch auf Anhieb.
Aber :D Vers 1 + 2: Reihenfolge. Vielleicht erst die Augen schließen und dann schlafen?
Schließ' die Augen,
schlafe,
träume.
Wolkenschafe
So ist das "sch" auch näher an den Wolkenschafen und ich finde das klingt super.
Vers 3:
Wenn nach träume kein Satzzeichen folgen würde, hättest du ein Enjambement (http://www.referate10.com/referate/Deutsch/16/Grundlagen-der-Gedichtinterpretation-reon.php) und die Aufforderung
träume
würde sich auch auf die
Wolkenschafe
beziehen und sogar indirekt auf
weite Seelenträume,
sogar indirekt auf
keine Liebe, keine Schmerzen.
LG
Airoswen
Danke Airoswen,
Ich habe es mir mehrfach vorgesagt, die Version mit dem Tausch der ersten beiden Zeilen hat auch etwas. Aber ich denke so wie es ist trifft es besser das was ich ausdrücken will. Das Schlafe soll eine Aufforderung sein, fast schon wie ein Befehl. Und diese Aufforderung bezieht sich eben darauf zu schlafen und nicht die Augen zu schließen. Deshalb das Schlafe an erster STelle. Vielleicht würde ein Ausrufezeichen danach das besser ausdrücken.
Das Komma hinter träume ist mir lieber, da ich eben nicht möchte, dass es sich ausschließlich auf Wolkenschafe und weite Seelenträume bezieht. Beides soll Platz lassen für andere Dinge, die man auch träumen könnte.
Aber was mich freut ist, dass Dir offensichtlich die gleichen Gedichte gefallen wie mir selbst. Das bestätigt mich darin, dass sie anscheinend wirklich nicht schlecht sind.
Ollowain
05.03.2009, 18:38
Alle Achtung, Cullaby, deine Gedichte sind sehr sehr gut *thumbsup*
Die Thematik lädt auch geradezu zum dichten ein... Ich kann's nur nicht :p
Deine Gedichte haben mMn alle einen schönen Rhythmus.
Im Detail:
Versetzt: Kurz und Knackig. Sehr passend finde ich in diesem Zusammenhang auch den letzten Vers.
Verschmähte Liebe: Hier hätte ich den letzten Vers von Strophe 3 gekürzt. Dann käme der allerletzte Vers noch deutlicher/nachdrücklicher rüber.
Werbesong: Die Idee gefällt mir =) Ich hab nur textuell eher die Version von Otto im Ohr...
Tiefsee: Hört sich fast wie eine Kürzestgeschichte an. Aber ich hab zu jedem Vers ein Bild im Hinterkopf gehabt. *ja*
Wünschte: Hier sollten imho Kommata rein, das unterstützt den Rhythmus mMn noch ein bisschen. Ansonsten gefällt mir dieses Gedicht vom Inhalt her am besten.
Es ist nicht so, dass ich die anderen Gedichte nicht mag und aus Höflichkeit nichts dazu schreibe, mir fällt zu den anderen nichts ein...
Cullabay
11.03.2009, 15:23
Danke Dir Ollowain,
der Witz ist, ich kann eigentlich auch nicht dichten. Zumindest nicht in der Form, dass ich mich hinsetze und mir sage: So und zu diesem Thema schreibe ich jetzt ein Gedicht. Da fällt mir normalerweise überhaupt nichts ein. Allerhöchstens ein paar halbwegs witzige 0815 Reime zum Geburtstag meines Vaters oder so.
Die Gedichte die ich geschrieben habe sind alle irgendwie von selbst aus mir herausgekommen als ich die richtigen Gefühle hatte. Das Grundgerüst hat sich von selbst eingestellt und dann habe ich nur noch daran herumgefeilt.
Also wer sagt, dass so etwas bei Dir nicht auch noch kommt.
Ganz wichtig ist, dass Du alles, was im Kopf herumspukt und Dir gefällt, sofort aufschreibst, sonst ist es eine halbe Stunde später wieder weg.
Cullabay
11.03.2009, 15:36
PHÖNIX
Als ich Dich sah,
war da ein Spannungsbogen in der Luft,
elektrisierte Moleküle.
Bald sprang ein Funke über,
von Dir zu mir.
Entzündete in meinem Innern eine kleine Flamme.
Winzig, flackernd, schwach, ein Flämmchen nur.
Ungefährlich - zu klein, sich daran zu verbrennen.
Spiel nicht mit dem Feuer, Kind!
Kalt das Herz seit langem schon, nährte ich die Flamme,
mich daran zu wärmen.
Wohliges Gefühl, schmelzendes Eis.
Doch auf einmal - ich weiß nicht woher - ein starker Windstoß stieß ins Feuer.
Aufsprühende Glut!
In Flammen stand ich plötzlich lichterloh.
Liebe, goldner Feuervogel!
Ließ sich nicht mehr löschen.
Nun verbrenn' ich, Feuertod,
heiße Tränen, Schmerzen...
Übrig bleibt ein schwarz verkohltes Ding,
das einmal war mein Herz.
Ausgeglüht, zerfällt's zu einem Häuflein Asche,
welche langsam wird erkalten.
Doch vielleicht erhebt sich eines Tages
daraus ein neuer Phönix...
Ollowain
11.03.2009, 20:59
Der Begriff Phönix ist für mich in der Hinsicht auf die Thematik Liebe ein bisschen vorbelastet, deswegen hatte ich etwas anderes erwartet...
Mir gefällt der Aufbau sehr gut. Wie eine Art Spannungskurve: Es fängt langsam an - wärmend - , lodert meterhoch - unzähmbar - und dann fallen nur noch Ascheflocken zu Boden - zerstört...
Wieder mal hatte ich Teile deines Gedichts bildlich vorm inneren Auge.
Und man merkt auch in welcher Stimmung du das geschrieben hast. (Ich hab auch noch ein paar Gedichte rumfliegen, aber betreffende Person fände es, glaube ich, nicht allzu gut, wenn ich die hier hochlade. Und mir wäre das persönlich auch zu persönlich...)
Der Vergleich mit dem Phönix gefällt mir sehr gut - er strahlt eine gewisse Zuversicht und Hoffnung aus, obwohl das Gedicht eigentlich eher traurig ist.
Cullabay
18.03.2009, 14:47
[QUOTE=Ollowain;38457](Ich hab auch noch ein paar Gedichte rumfliegen, aber betreffende Person fände es, glaube ich, nicht allzu gut, wenn ich die hier hochlade. Und mir wäre das persönlich auch zu persönlich...)
Wahrscheinlich hast Du noch nicht genügend Abstand zu der Person, für die die Gedichte geschrieben waren. Solange solltest Du sie auch nicht öffentlich machen. (Auch wenn ich sehr neugierig darauf wäre).
Mir macht es inzwischen nichts mehr aus, dass andere einen Blick in meine Gefühlswelt von damals werfen. Nur gegenüber meinem jetzigen Mann ist es mir etwas peinlich.:o
Cullabay
18.03.2009, 14:54
Stoßseufzer
Ach Liebe, sag was hast Du bloß
aus meinem fröhlichen Gemüt gemacht?
Durch Dich ward ich zum Trauerkloß,
ein heulend Uhu in der Nacht.
Die Rose starb in meinem Leide
und auf dem tränennassen Boden sproß
eine Trauerweide.
Rattenfänger
Rattenfänger,
Du spielst die wunderbare Melodie,
Dir allein ist sie bekannt.
Voll Zauberkraft lockt Deine Flöte.
Bang schlägt der Ratte Herz, die Seele widersteht nicht länger,
so folgt sie Dir voll Sehnsucht und Melancholie,
legt ihren Kopf in Deine Hand,
wissend wartet sie darauf, daß diese Hand sie töte.
Hervorragend, diese beiden letzten Gedichte.
Vor allem der Stoßseufzer gefällt mir: kein Wort zuviel, keines zuwenig, Versmaß perfekt, die Aussage klar. Und nicht zu vergessen: köstliche, herrliche Selbstironie... Der heulend Uhu in der Nacht... super Formulierung.
Na, ich weiß nicht... Cullabay...
Auch wenn ich deine Gedichte wunderschön finde und mehr lesen möchte: an deiner Stelle würde ich versuchen, einen Gedichtband daraus zu machen und sie einem einschlägigen Verlag anzubieten. Und wenn du das tust, solltest du mit Vorveröffentlichung geizig sein ;)
Du bist eine Lyrikerin, auch wenn du es nicht wahrhaben willst.
Cullabay
26.03.2009, 12:20
Hervorragend, diese beiden letzten Gedichte.
Vor allem der Stoßseufzer gefällt mir: kein Wort zuviel, keines zuwenig, Versmaß perfekt, die Aussage klar. Und nicht zu vergessen: köstliche, herrliche Selbstironie... Der heulend Uhu in der Nacht... super Formulierung.
Na, ich weiß nicht... Cullabay...
Auch wenn ich deine Gedichte wunderschön finde und mehr lesen möchte: an deiner Stelle würde ich versuchen, einen Gedichtband daraus zu machen und sie einem einschlägigen Verlag anzubieten. Und wenn du das tust, solltest du mit Vorveröffentlichung geizig sein ;)
Du bist eine Lyrikerin, auch wenn du es nicht wahrhaben willst.
*fleh* Danke für die Ehre,
vielleicht habe ich irgendwo in meinem Inneren tatsächlich eine kleine Lyrikerin sitzen, die hier geposteten Gedichte gefallen mir ja selbst auch und ich habe mir schon manchmal beim Lesen von manchm Lyrikbändchen gedacht, dass die Gedichte dort oft auch nicht besser sind....
aber selbst daraus einen Gedichtband zu machen? Dafür sind es nicht genug. Und ich bin tatsächlich nur in der Lage gute Gedichte zu schreiben, wenn ich gerade in einem Gefühlschaos lebe. Was sich nicht gut anfühlt. Was ich so schnell nicht mehr brauche. *nein*
Derzeit bin ich glücklich und leider völlig unkreativ.*rofl*
Nightfarer
26.03.2009, 19:26
Das erste finde ich sehr gut, es reimt sich gut und hat auch eine schöne Thematik.
Das zweite ist gut und vorallem finde ich toll, dass du den Rattenfänger mal anders schreibst. Die armen Ratten kam man da nur sagen. :D
Ich frag mich bloß wie du so gut dichten kannst.
Cullabay
05.05.2009, 11:47
So mal wieder was Neues:
BALANCEAKT
Aus Liebe Freundschaft machen ist
ein Eiertanz
der Gefühle, Du musst ganz,
ganz vorsichtig
sein, in Dich und in den Andern hören,
denn einmal etwas falsches
gesagt, getan, schon bist
Du dabei
alles zu zerstören.
DASSELBE
Ein kleines nettes Nichts nur
für Dich.
Beinahe Alles für mich.
Und doch war es Dasselbe.
Sehr schön :)
Inhaltlich wieder einmal ein Genuss, die Sprache wunderschön... kein überflüssiges Wort.
Sehr schöne Gedanken, die beim Leser Gedanken auslösen.
Wieder höchstes Lob von mir.
Allerdings finde ich beim Balaceakt deine Zeileneinteilung verwirrend, da du teilweise Sinneinheiten zerrissen hast. Da musste ich manches zweimal lesen. Außerdem stört das den Lesefluss.
Cullabay
06.05.2009, 09:14
Sehr schön :)
Inhaltlich wieder einmal ein Genuss, die Sprache wunderschön... kein überflüssiges Wort.
Sehr schöne Gedanken, die beim Leser Gedanken auslösen.
Wieder höchstes Lob von mir.
Allerdings finde ich beim Balaceakt deine Zeileneinteilung verwirrend, da du teilweise Sinneinheiten zerrissen hast. Da musste ich manches zweimal lesen. Außerdem stört das den Lesefluss.
:)vielen Dank mal wieder an Dich Hathor.
Die merkwürdige Zeileneinteilung von Balanceakt hat zwei Gründe. Zum ersten bekommt das Gedicht dadurch wie Du schon festgestellt hast eine Schieflage, kommt aus dem Rhythmus, was unterstreichen soll, dass es schwierig ist das Gleichgewicht zu halten, zum Zweiten werden manche Elemente dadurch beim lesen zeitweise ins Zentrum gerückt, die man sonst im Lesefluss einfach überlgehen würde. Dadurch denkt man vielleicht etwas mehr darüber nach.
Ah, jetzt verstehe ich endlich :)
*cool*
Das Wort Balanceakt weist also nicht nur auf den Inhalt des Gedichts hin... Das Lesen des Gedichts ist zugleich ein Balanceakt für die LeserInnen.
Sehr raffiniert, sehr tiefsinning und sehr originell. Mein Kompliment an die Meisterin *fleh*
Es ist wirklich immer wieder eine Freude, dein Gedichte zu entdecken, nicht nur zu lesen.
Schade, dass ich das sagen muss, aber ich habe jedes Gedicht gelesen und keines "fesselt" mich in einer Art, wie ein Gedicht dass ich gerne und immer wieder lese. Für mich ist da leider nichts besonderes dran.
Kein Aspekt der zum Nachdenken verleitet. Vielleicht ist es einfach nicht meine Art bevorzugte Lyrik und andere sind vollkommen anderer Meinung.
Ich will damit nicht sagen, dass ich die Gedichte schlecht finde, ganz und gar nicht, dennoch leider nicht mein "Geschmack", aber lass dich davon nicht unterbringen. Man kann es ja nicht jedem recht machen!
Trotzdem: Mach weiter so :)
lg
Cullabay
22.06.2009, 10:17
Sooo, mein kleiner Gedichtzyklus geht jetzt langsam auf die Endstrecke, d.h. es kommen nicht mehr viele.
NOVEMBERROSE
Novemberrose,
letzter Sommergruß,
Liebe legt sich schlafen.
Haucht auf Deine Lippen
zärtlich ihren Abschiedskuß.
Wandelt still durch traumbeschneite Hügel,
durch des Winters lange Nacht.
Befreit von alten Qualen, voll neugewonn'ner Kraft,
regt sie wieder ihre Flügel,
wenn Sonnenstrahlen und des Frühlings frischer Saft
erwecken auch die Rosenblüte
zu alter neuer Pracht.
STURM
Der Sturm ist vorüber,
fest hielt er die Bäume in seiner Faust gepackt.
Hat sie gewaltsam geschüttelt und geknickt.
Regentropfen glänzen auf den Blättern
wie Tränen
über den Schmerz gebrochener Äste und verlorener Kronen.
Doch hat der Sturm sie nicht entwurzelt,
die Lebenskraft ist nicht zerstört.
Neue Triebe wachsen wieder,
der Sonne entgegen.
Feuerfluegel
23.06.2009, 21:12
Ich finde einige deiner Gedichte so richtig klasse und daher mag ich mir gaaaaaaaaanz viel Zeit nehmen um dir Feedback zu geben. Zunächst einmal liebe ich Lyrik und ich kommentiere bei Leibe nur selten Werke von anderen Menschen. Ich scheue mich ein wenig davor, da ich selbst furchtbare Angst vor schlechter Kritik habe. Dies ist das erste Mal, dass ich hier im Forum Werke von anderen Usern kommentiere und ich befürchte es wird ein sehr sehr langer Beitrag werden. Ich hoffe, dass du ihn dennoch lesen wirst:
VERSETZT
Hab lange gewartet,
habe gehofft,
ist nichts draus geworden,
wie schon so oft.
Hätte Dich gerne umarmt,
hab mich statt dessen bedauert
und Dich.
Ein Gedicht an dem man hängen bleibt, eines das mir von denen, die ich gelesen habe, am besten gefällt.
Sieben Verse, die sehr ausdrucksstark sind. Vorallem der letzte, die beiden Worte besitzen eine gewisse Prägnanz, die unumgänglich ist. Hätte vielleicht nur das "ist" im dritten Vers rausgelassen, hätte das ganze möglicherweise noch stärker kurz gemacht und damit noch einschlagender. Ebenso wie das "hab" in Vers 6.
"Dich" schreibst du groß, wie in der direkten Anrede richtig und das macht das ganze noch stärker.
Grandioses Gedicht.
Verschmähte Liebe
Dich zu gewinnen, hab ich gedacht,
sei wohl schon möglich - wär ja gelacht.
Habe Phantasie und Dichtkunst bemüht,
selbst erdacht oder geklaut von allen,
Dir zu gefallen.
Habe sogar gebacken mehrere Kuchen,
Dich zu versuchen.
Doch all meine Bemühungen waren vergeblich,
Du bliebst standhaft und erhörtest mich nicht.
Wär es nicht wirklich Liebe und Du meine große Passion,
aufgegeben hätte ich lange schon.
So such' ich nach immer ausgefallneren Dingen,
... vielleicht sollte ich dir nachts vor Deinem Fenster ein Ständchen singen?
Alles umsonst, Du meidest mich wie die Pest,
selbst dran schuld, Du weißt gar nicht, was Du Dir mit mir entgehen läßt!
Gefällt mir um Längen weniger als das erste. Daher nur ein paar Worte dazu. Einige Sätze erschienen mir ein wenig zu grob. Zweiter Vers, "wär ja gelacht" gefällt mir nicht. Ich nehme an die Umgangssprache stört mich, ist aber ein sehr persönlicher Eindruck. Der Gedankenstrich ist klasse. Schon ein Zeichen des weimarer Klassizismus' ;)
Die letzten beiden Verse der ersten Strophe, einwandfrei.
Vers 6, gefällt mir gar nicht. Wortstellung empfinde ich als störend. Auch wenn das Bild schön ist.
Vers 7 dagegen, schon wieder sehr schön, knapp, Aussage steht, verstanden, getroffen, perfekt.
Vers 10, vielleicht das "und" weglassen, stattdessen ein Komma, dann fließt der Vers besser. Aber auch so super.
Vers 13 da gefällt mir das Bild ausnahmsweise nicht so sehr. Wirkt ein wenig ironisch, (vielleicht ja beabsichtigt) oder "kitschig".
Die letzten Verse sind wirklich gut, so eine Art Fazit, gut dass sie abgetrennt sind, das passt.
Traum
Heute hab' ich in Gedanken,
Dich wieder mal gesteichelt und geküsst,
ganz vertraut mit Dir gesprochen,
Dich dabei ganz nah bei mir gespürt,
Habe dabei die Schranken
der Realität für kurze Zeit gebrochen,
Deine Hand gefasst und zu den Sternen Dich geführt.
Mit dem Flug des Traums mir meine Einsamkeit versüßt.
Doch zerbrechlich ist das Bild,
das meine Liebe sich erdacht,
es diffundiert, verflüchtigt sich, verfliegt.
Die Wirklichkeit ergreift es, es erliegt,
vergeht und hat die Sehnsucht angefacht,
nicht meine Traurigkeit gestillt.
Vers 4, das "dabei" ist mir zu abgehackt und zu lang, stört den Lesefluss, klingt auch nicht schön, aber wirklich schöne Bilder, gefällt mir besser als das zweite Gedicht.
Die Sache mit den Sternen, vielleicht doch wieder ein wenig zu süß. Aber die Liebe ist manchmal süß und Träume auch, also überhörs einfach.
Über "diffundiert" ist genug gesagt. "verschwimmt" wie du es ja nun ersetzt hast gefällt mir um Längen besser. Dreifache Alliteration, die einfach perfekt in Szene gesetzt ist, somit.
Im letzten Vers, vielleicht ein "aber" einsetzen?! "nicht aber meine...." Aber wie gesagt alles nur Kleinigkeiten.
Schönes Gedicht.
WERBESONG
Du bist der Silberstreif an meinem Horizont,
Du bist der Regenbogen nach der Gewitterfront,
Du allein bist Inspiration für meine Poesie,
Merci, dass es Dich gibt.
Du bist der Schmetterling des Gücks in meinem Bauch,
die Träne meiner Einsamkeit, die bist Du auch,
bist Dur und Moll zugleich in meinem Liebeslied,
Merci, dass es Dich gibt.
In Deiner Gegenwart fühl' ich mich einfach wohl,
bist für mein heftiges Temperament ein ruhiger Pol,
Ich bereu' nicht einen Tag, an dem ich Dich geliebt,
Merci, dass es Dich gibt!
Süße Verse. Ich hab die Melodie dabei im Kopf. Ist halt was persönliches, was kleines, wie ein schönes Geschenk an Jemanden. Gefällt mir.
Sehnsucht
Of habe ich den Wunsch Dich zu umarmen,
zu berühren Deine weiche, warme Haut.
Zärtlich möcht' ich meine Hände wandern lassen,
Über Deine Haare, Dein Gesicht.
Doch wieder steh' ich vor Dir,
hat meine Hand sich nicht getraut.
dir zu geben all die Liebe, die ich fühle,
weiß ich doch, Du willst sie nicht.
Sehr traurige Verse, vielleicht nicht so sehr innovativ, wie das erste Gedicht. Aber dennoch sehr schön. Bedient sich sehr tief dieser Worte, die Nähe versprechen und der Titel passt natrülich super. In einem Wort ist alles gesagt.
Reihung in Vers 4 ist sehr gelungen.
Dafür der Satzbau in Vers 7 wieder etwas krumm. Hätte aber auch keine Idee, wie man das vermeiden kann, ohne zu viel an Sinn und Melodie zu ändern.
Ein sehr schönes zärtliches Gedicht, schade nur um den letzten Vers, nicht von der künstlerischen Seite betrachtet viel mehr aus menschlicher Sicht. Das ist halt so traurig, aber eben dieser Gegensatz macht das ganze Gedicht aus.
BLAUE STUNDEN
Während der blauen Stunden,
wenn das Licht nur noch halbhell durch's Fenster fällt,
liegend auf dem Sofa, schick' ich Gedanken hinaus in die Welt.
Bis sie ihr Ziel haben gefunden.
Was Du gerade auch tust, sie umgeben Dich,
leicht und unsichtbar.
Wie ein leiser Lufthauch streicheln sie Dein Haar.
Berühren sanft Dein Gesicht.
Hebst Du den Kopf? Was war das? Du spürtest es kaum.
Stehst Du auf und schließt die Tür?
Umsonst mein Freund, der Wind kann nichts dafür.
Ich aber schließe die Augen und lächle im Traum.
Ein wundervolles Bild, das du hier erschaffst, gefällt mir noch besser als das erste Gedicht.
Nur Vers 3, ich mag Partizipien nicht in Gedichten. Manchmal sind sie unumgänglich, das gebe ich zu, aber sie bringen immer so einen Bruch mit sich, das bleibt einfach etwas unangenehm hängen. Aber das ist auch das einzige an negativer Kritik die ich anzubringen habe.
Vorallem die Ebenen die du bedienst, sind wirklich gut. Die erste Strophe ist das lyrische Ich, die zweite quasi die Traumebene, die letzte die des Angesprochenen. Die rhetorischen Fragen, sind sehr passend.
Das Lächeln im Traum, verpasst dem ganzen einen ganz besonderen Touch...
Tolles Gedicht.
Feuerfluegel
23.06.2009, 21:45
Verzeiht mir meinen Doppelpost. Ich wollte nicht den Überblick verlieren, das wäre den Gedichten von Cullabay gegenüber einfach nicht fair gewesen.... ;)
TIEFSEE
Meine Liebe liegt auf dem Grund des Meeres,
dunkel ist es hier und kalt.
Kein Geräusch dringt herab in diese Tiefe.
Reglos liegt sie.
Abgestorbene Schwebeteilchen sinken herab, bedecken sie schon halb.
Namenlose, alptraumhafte Kreaturen bevölkern diese Welt,
manche von ihnen tragen lumineszierende Lichter.
Erinnerung......Wärme......golden lichtdurchflutete Korallengärten......
Doch hier unten beleuchtet Licht nur monsterhafte Fratzen.
Dieses Gedicht gefällt mir auch nicht so gut.
Die ersten vier Verse sind sehr schön. Ich kann mir dieses Taubheitsgefühl noch sehr gut vorstellen, das man unter Wasser hat, der Druck der auf der Liebe lastet. Faszinierendes Bild.
Vers 5, vielleicht ein bisschen lang, hätte ich gekürzt und zweigeteilt vielleicht. Etwa so:
"Abgestorbene Schwebeteilchen sinken herab,
sie halb bedeckt...."
Aber die Kreaturen rissen mich irgendwie aus diesem blauen Bild. Blau ist übrigens ein schön gewähltes Farbadjektiv. Blue zum Beispiel ist im englischen sowohl das Wort für blau, als auch für traurig. Auch diese Aufzählung, "namenlose, alptraumhafte..." war für mich schon fast zu viel Prosatext. Schade drum. Im vorletzten Satz dagegen ist das perfekt gewählt und alles andere als störend.
"lumineszierende" ist ein sehr schwierige Wort. Wenn ich es nur lese, gefällt es mir. L und L wieder eine Alliteration, ein wohl klingendes Wortspiel (eigendlich) hier, vielleicht ist das Fremdwort einfach ein wenig zu kompliziert als dass man es flüssig vorlesen könnte. Dennoch fängt es die Stimmung aus den ersten Versen wieder ein. Schön gemacht.
Im letzten Vers mag ich das "doch" nicht so gern. Wieder zu Prosahaft. Aber sehr eindrücklich gewählt. Wenn auch sehr abrupt am Ende. Dennoch ein schönes Gedicht.
Wunschtraum
Schlafe,
schließ' die Augen,
träume.
Wolkenschafe,
weite Seelenräume,
keine Liebe, keine Schmerzen.
Erwache!
Mit kühlem, ruhigen Herzen.
Hier gefällt mir am besten deine Wortwahl.
"Wolkenschafe" und "Seelenräume", sie wecken ganz besondere Bilder in meinem Kopf. Die Aufzählung in Vers 6 und 8 sind sehr gut gelungen. Die Antithesen ganz besonders.
Den Imperativ in Vers 7 setzt du mit Nachdruck. Hat schon fast etwas biblisches. "Erwache!" Fast schon doppeldeutig. Nicht nur das Erwachen aus dem Schlaf, sondern auch das Erwachen aus etwas anderem, Gefühlen vielleicht Erinnerungen.
Das Gedicht gefällt mir ganz besonders gut. Ich war fasziniert.
WÜNSCHTE
Wünschte ich hätt' Dich weniger lieb,
wünschte ich würd' Dich als Mensch nicht so schätzen.
Wünschte ich würde Dich nur einfach begehren,
mich nicht nach Deinem Herzen sondern mich nur nach Deinem Körper verzehren.
Viel leichter wärst Du für mich zu ersetzen.
Hm, schwierig. Gefällt mir nicht so sehr, wenn auch das Stilmittel der Anapher sehr gekonnt eingesetzt wurde. Es birgt einfach nicht diese Tiefe, diese Bilder, diese Gedanken, wie viele deiner anderen Gedichte. Eigentlich schade. Aber ein sehr verständlicher Sinn. Wenn auch ein trauriger. Das Wort "ersetzen" gefällt mir gerade als letztes Wort des Gedichts sehr gut.
PHÖNIX
Als ich Dich sah,
war da ein Spannungsbogen in der Luft,
elektrisierte Moleküle.
Bald sprang ein Funke über,
von Dir zu mir.
Entzündete in meinem Innern eine kleine Flamme.
Winzig, flackernd, schwach, ein Flämmchen nur.
Ungefährlich - zu klein, sich daran zu verbrennen.
Spiel nicht mit dem Feuer, Kind!
Kalt das Herz seit langem schon, nährte ich die Flamme,
mich daran zu wärmen.
Wohliges Gefühl, schmelzendes Eis.
Doch auf einmal - ich weiß nicht woher - ein starker Windstoß stieß ins Feuer.
Aufsprühende Glut!
In Flammen stand ich plötzlich lichterloh.
Liebe, goldner Feuervogel!
Ließ sich nicht mehr löschen.
Nun verbrenn' ich, Feuertod,
heiße Tränen, Schmerzen...
Übrig bleibt ein schwarz verkohltes Ding,
das einmal war mein Herz.
Ausgeglüht, zerfällt's zu einem Häuflein Asche,
welche langsam wird erkalten.
Doch vielleicht erhebt sich eines Tages
daraus ein neuer Phönix...
Ui, auch schwierig.
Der zweite Vers ist mir zu lang. Auch das Wort "Spannungsbogen", aber es trifft ins Schwarze. Es klingt nur nicht so melodiös. Aber ist halt sehr richtig in diesem Zusammenhang.
"entzündete" in Vers 6 ist mir auch zu lang.
Vers 7 eine lange Aufzählung, die die Spannung ansteigen lässt. Gut gewählt. Das "nur" muss einfach an diese Stelle. Es bringt den Vers zu einem richtigen Abschluss. Toll!
Wieder der Gedankenstrich, den ich so bewundere. Auch stark. Auch der eingeschobene achte Vers ist sehr passend, gibt dem ganzen etwas realistisches, kaltes, unbarmherziges. "Kind" vorallem dieses Wort, macht das lyrische Ich wieder ganz hilflos und klein.
Folgende Strophe gefällt mir nicht ganz so gut. Die erste beide Verse ja, keine neue Antithese aber eine immer sehr erfolgreiche. Eine sehr berührende. Aber "wohlig" scheint mir nicht zu passen. Es klingt zu nett. Und "schmelzendes Eis", das ging mir ein bisschen zu flott. Das war zu prompt. Hätte mir eine kurze Klimax gewünscht.
Vers 12, wieder meine geliebten Gedankenstriche. Schön flüssiger Vers trotz allem. Die Verwirrung. Super.
Aus "aufsprühende Glut" hätte ich vielleicht "aufsprühte die Glut" gemacht. Klingt ein wenig einfacher.
Und das "plötzlich" mag ich nicht im folgenden Vers. Das bricht mit der Satzmelodie. Könnte man einfach weglassen. Aber dennoch schöne Strophe.
Die nächsten Verse gefallen mir alle sehr gut. Auch die Anrede an den Vogel. Fast schon flehendlich. Schön. Auch das Wort Feuertog, gefällt mir gut.
Nur das Wort "Ding" ist mir zu platt. Man könnte das Herz zum Beispiel personifizieren. Vielleicht mit "Wesen", aber es macht schon was aus, wenn es ein lebloses Neutrum bleibt. Wenn ich recht drüber nachdenke. Ja, vermutlich passt es sogar besser hier. Unterstreicht das Leblose.
"Eines Tages" diese Worte liebe ich geradezu. Finde ich wunderschön.
Kein einfaches Gedicht, aber es regt sehr sehr stark zum Nachdenken an. Das gefällt mir allerdings.
Stoßseufzer
Ach Liebe, sag was hast Du bloß
aus meinem fröhlichen Gemüt gemacht?
Durch Dich ward ich zum Trauerkloß,
ein heulend Uhu in der Nacht.
Die Rose starb in meinem Leide
und auf dem tränennassen Boden sproß
eine Trauerweide.
Gott was für ein perfektes Gedicht. Einfach perfekt. Wunderschöne Reime, wunderschöne Bilder, auch wenn Trauerkloß sehr umgangssprachlich anmutet. Aber stört mich nicht, tolle Versmelodie.
Auch der Reim, dass er übergeht in die zweite Strophe und ach überhaupt diese Naturbilder, der Uhu, die Rose, die Weide. Alles sehr belegte metaphorische Begriffe. Bohr, ich bin einfach begeistert. Klasse Gedicht.
BALANCEAKT
Aus Liebe Freundschaft machen ist
ein Eiertanz
der Gefühle, Du musst ganz,
ganz vorsichtig
sein, in Dich und in den Andern hören,
denn einmal etwas falsches
gesagt, getan, schon bist
Du dabei
alles zu zerstören.
Ah toll, bin ganz begeistert, dass ich jemanden gefunden habe, der diese Verse auch auf diese Art bricht, passt super zum Inhalt. Wirkt gut durchdacht.
Vorallem auch das Zerstörerische wird damit unterstrichen, die Vorsicht die man walten lassen muss, der Eiertanz. Wird super durch die Form unterstrichen.
DASSELBE
Ein kleines nettes Nichts nur
für Dich.
Beinahe Alles für mich.
Und doch war es Dasselbe.
Ha, tolle Antithese: Alles und Nichts. Für jemanden und für das lyrische Ich. Und dann noch das zusammenführende am Ende durch das Wort. Der Titel wird wieder aufgegriffen. Selbst über so ein Kurzes Kunstwerk kann man lange lange nachdenken und darüber philosophieren.
Alles in Allem erstmal, ich hoffe ich war nicht zu anmaßend in meiner Kritik. Aber deine Gedichte haben mir so gut gefallen, dass ich dir das auf jeden Fall einmal sagen wollte.... :)
Cullabay
28.06.2009, 15:15
Wow, vielen Dank Feuerflügel!
Du hast Dir ja unheimlich viel Zeit genommen um meine Gedichte zu kommentieren. Ich fühle mich richtig geehrt, dass Du sie so intensiv gelesen hast, dass Du ja beinahe zu jeder Zeile eine fundierte Kritik äußern kannst.
Zu meiner eigenen Schande muss ich gestehen ,dass ich selbst viel weniger Ahnung von der Theorie habe als Du. Solche Dinge wie Versmaß, Alliterationen, Einsatz lyrischer Ebenen usw. setze ich leider nicht bewusst ein sondern ganz intuitiv. Natürlich gibt es Gedichte, bei denen ich lange um ein bestimmtes Wort oder einen Rhythmus ringe aber nur in seltenen Fällen ist mir am Ende wirklich bewusst, warum es jetzt dieses oder jenes Wort ist.
Aber es macht mich schon ein wenig stolz, wenn anscheinend einiges davon wohl auch auch theoretischer Sicht nicht ganz schlecht ist.:)
Feuerfluegel
28.06.2009, 16:11
Schön, dass dir meine Kritik gefallen hat. Ich würde gern noch vieles mehr von dir lesen
Einsatz lyrischer Ebenen usw. setze ich leider nicht bewusst ein sondern ganz intuitiv. Natürlich gibt es Gedichte, bei denen ich lange um ein bestimmtes Wort oder einen Rhythmus ringe aber nur in seltenen Fällen ist mir am Ende wirklich bewusst, warum es jetzt dieses oder jenes Wort ist.
Aber es macht mich schon ein wenig stolz, wenn anscheinend einiges davon wohl auch auch theoretischer Sicht nicht ganz schlecht ist.:)
Gerade, dass du vieles einfach nur intuitiv setzt zeigt dein Talent. Klänge, Melodien und Bilder sind meist ganz subjektiv und oft kann man weniger mit Theorie so etwas erschaffen, als einfach dadurch, dass man es sich vorspricht und es einfach gut klingt.
Hat mir wirklich alles sehr gut gefallen. Hoffe, dass ich noch mehr von dir lesen kann. Meinen Respekt hast du.
Cullabay
29.06.2009, 14:51
Mit dem mehr von mir lesen muss ich Dich leider enttäuschen.
Ich schreibe nicht regelmäßig Gedichte. Dieser kleine Zyklus ist leider alles, was ich lesenswertes bisher zustande gebracht habe und der ist jetzt leider am Ende.
Vielleicht kommt mal wieder eine Inspirationsphase aber zur Zeit herrscht da in meinem Kopf Funkstille.
Letztes Gedicht ( EDELSTEIN )
Du bist ein strahlender Edelstein,
brillierst und funkelst auf vielen Facetten.
Ein wunderschöner Schein.
Doch aus der Nähe, besieht man es recht,
kann auch der beste Schliff den Anschein nicht retten -
Du bist leider nicht echt.
Cullabay
12.03.2010, 11:44
Nicht ganz ernst zu nehmen, aber doch so gemeint:
Wahre Liebe!
Ich lieb' Dich mehr als meine Spülmaschine,
das ist ein großes Kompliment.
Mehr als meine Kuscheltiere
und mein altes Lieblingshemd.
Mehr als Sahne oder Apfelsinen
oder Brahms hab' ich Dich gern.
Du bist und bleibst am Firmament
für mich der schönste, hellste Stern.
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