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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Anime Artwork von Yoshitoshi ABe (S.E. Lain, NieA_7, Haibane Renmei)


Warin
03.02.2008, 23:36
Nachdem Hayao Miyazaki hier schon mehrfach Thema war, möchte ich euch einen weiteren großen japanischen Künstler vorstellen, der Miyazaki zumindest was die Qualität seines Charakterdesigns m.E. noch übertrifft: Yoshitoshi ABe (http://de.wikipedia.org/wiki/Yoshitoshi_ABe).

Die Geschichte ABe's (wie ich Jahrgang 1971 und damit eine ganze Generation jünger als Miyazaki) ist eng mit der Entwicklung des Internets verbunden. Als großer Apple-Fan hatte er schon sehr früh ein blog im japanischen Netz, über das er seinen späteren Produzenten Yasuyuki Ueda kennenlernte.

Direkt seine erste Arbeit als Charadesigner führte zu einem der wohl faszinierendsten, anspruchsvollsten und wegweisendsten Animes überhaupt:

Japan 1998 Die für ihr Alter noch recht kindliche 14-jährige Lain Iwakura lebt mit ihrem computerbesessenen Vater, ihrer gleichgültigen Mutter und ihrer abgestumpften älteren Schwester in einem Vorort von Tokio. Die Serie beginnt mit dem Selbstmord der 8-Klässlerin Chisa Yomoda. Nach ihrem Tod erhalten Lain und ihre Klassenkameradinnen emails von Chisa, in denen sie ihnen mitteilt, dass sie nicht gestorben ist, sondern ihre körperliche Existenz aufgegeben hat, um im Wired, einer fortgeschrittenen Form des Internets, ihren Gott zu finden. Lains Leben wird dadurch völlig auf den Kopf gestellt und sie findet heraus, dass in dieser virtuellen Welt ein alter Ego von ihr existiert, der alles ist, was sie selbst nicht ist: Lasziv, dreist und frech. Unterstützt von ihrem Vater, der sie mit immer neuer Technik versorgt, verliert sie sich zwischen realer und virtueller Welt - bis sie herausfindet, wer oder besser gesagt, was sie wirklich ist.

Die Serie, die dem Cyperpunk zuzuordnen ist, wurde experimentell gezeichnet und liefert in Einspielungen sehr viel wissenschaftliches Hintergrundwissen zum Thema Vernetzung der Menschheit. Im Jahre ihres Erscheinens, 1998 (noch vor der "Matrix"), war sie geradezu prophetisch und ist noch heute als (beängstigender) Denkanstoß für mögliche Weiterentwicklungen des Internets wegweisend. Inzwischen wurde die Serie Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen, siehe auch Wiki (http://en.wikipedia.org/wiki/Serial_Experiments_Lain)

Nach der anstrengenden und auch psychisch belastenden Arbeit an Lain war dem Team nach etwas Spaß und dabei herausgekommen ist:

Japan in einer nicht näher bestimmten Zukunft: Außerirdische leben wie selbstverständlich unter der Bevölkerung, eingeteilt in Kasten, die durch eine Nummer hinter ihrem Namen angegeben wird. NieA fehlt die für Außerirdische so typische Antenne und ist daher eine under 7, ein Rang, der so niedrig ist, dass er nicht einmal in den offziellen Verzeichnissen der Behörden vermerkt ist. Sie lebt im Wandschrank von Mayuko, einer unter chronischer Geldnot leidenden Stundentin, die von NieA ständig um Essen angeschnorrt wird. NieA's Hauptbeschäftigung ist es, Schrott zu sammeln und Untertassen daraus zu basteln, die aber nie weit fliegen sondern bestenfalls Mayukos Heim zerstören.

Die beiden so unterschiedlichen Mädchen verbindet eine Haßliebe, die sie leider nie so recht zusammenkommen läßt.

Klingt witzig, ist witzig, hat aber einen durchaus nicht zu vernachlässigenden ernsten Unterton, was den Umgang mit Veränderungen, Vorurteilen und allem Fremden betrifft.

Und als letztes, das absolute Meisterwerk ABe's, zu dem er nicht nur das Charadesign sondern die gesamte Story beigetragen hat:

Am Rande einer beschaulichen kleinen Stadt leben in einer halb zerfallenen Hofanlage und einer alten Fabrik die Haibane, Kinder und Jugendliche in unterschiedlichem Alter, wiedergeboren aus einem Kokon. Benannt werden sie nach ihrem Traum, den sie im Kokon geträumt haben. Außer ihrem Traum haben sie keine Erinnerung an ihr Vorleben mehr. Kurz nach der Geburt wachsen ihnen unter Schmerzen und hohem Fieber kleine, aschgraue Engelsflügelchen.

Die Haibane stehen sich einander bei, leben in Eintracht mit sich selbst und den Menschen und sind bei den Bewohnern der Stadt hoch angesehen. Sie müssen ohne Lohn arbeiten und dürfen nur gebrauchte Dinge besitzen, die sie mit einer unterschriebenen Seite ihres Notizbuches kaufen können. Umsorgt werden sie von den Haibane Renmei, den Mitgliedern des Aschflügelbundes, mit denen sie aber nicht reden dürfen, es sei denn, es wird ihnen ausdrücklich erlaubt.

Eine nahezu perfekte Welt, wäre dort nicht die Mauer, welche diese kleine Welt nach außen abschottet und die nur von den "Händlern" überwunden werden darf, die Haibane dürfen sich ihr nicht einmal nähern.

Die Serie begleitet in schönen ruhigen Bildern, unterlegt von einem wundervollen Soundtrack, die Haibane Rakka und Reki von Rakkas Geburt bis zu Rekis "Tag des Fluges".

Obgleich außer Alltäglichem nicht viel passiert, ist die Serie zum Heulen schön. Gerade denen zu empfehlen, die mit Animes eigentlich nichts anfangen können. Ein wundervoller kleiner Film über Freundschaft, Schuld, Sühne, das Leben und den Tod. Wunderschöner Soundtrack! Wer mal einen Blick werfen möchte, kann hier den Trailer (http://www.rekis-welt.de/videos/preview.avi) downloaden.

Mürtz
01.05.2009, 22:23
Zu den beiden Serien Lain und NieA 7 kann ich leider wenig sagen, da ich sie nie gesehen habe, aber Haibane Renmei hat mich eindeutig in seinen Bann gezogen. :)

Mich fasziniert neben der Geschichte besonders der Soundtrack der Serie, der, wie ich finde, etwas zeitloses, nachdenkliches an sich hat. Die Streicher vom Vorspann (Free Bird) und der Gesang vom Abspann (Blue Flow) sind zwar grundverschieden, fangen aber dennoch zu gleichen Teilen die Stimmung von Haibane Renmei ein.

Der für mich interessanteste Charakter der Serie ist Reki, wobei das auch daran liegen kann, dass man über ihre Person letztendlich am meisten erfährt.

Rakka aus Haibane Renmei

Sie wirkt so stark, so unnahbar, die Beschützerin der kleinen, unbedarften Reki. Dabei ist sie es, die in ihrem Herzen am meisten leidet. Sie erwartet nichts für sich und gibt alles für andere. Wer Haibane Renmei zu Ende guckt, den wird Rakkas Geschichte zu Tränen rühren. Zum Glück gibt es auch für sie noch Erlösung...

Ich gehe mal davon aus, dass du die Namen hier vertauscht hast, Warin? ;)
Aber sonst kann ich mich dir voll und ganz anschließen. Was mich an Reki sehr gerührt hat, ist ihre Liebe zu Kuramori, ihrer ehemaligen "Mentorin". Das Bild, das sie von ihr gemalt hat, und das Tagebuch, in dem sie Kuramori von Rakka und dem Kokon erzählt, haben mich zum Weinen gebracht.

Rakka selbst mag ich auch sehr gerne, ganz so unbedarft ist sie nämlich gar nicht. Wenn man bedenkt, dass die anderen Haibane schon einige Jahre in Old Home und der Stadt, deren Name mir leider nicht einfallen will, verbracht haben, lebt Rakka sich eigentlich ziemlich schnell ein. Außerdem gefällt mir an ihr, dass sie nicht einfach alles hinnimmt, sondern hinterfragt. Dass sie ihrer Freundin Kuu so hinterhertrauert, hat mich zuerst ein wenig überrascht, macht sie mir aber nur sympathischer.

Ich habe mir schon oft überlegt, was Rakka in ihrem früheren Leben wohl getan haben mag, ob auch sie Selbstmord begangen hat, und ob sie deswegen wie Reki eine "ursündige" wurde (<- mit diesem Begriff konnte ich mich nie anfreunden, er klingt so abwertend, schuldverteilend).
Überhaupt ist es schade, dass so viele Dinge in der Serie nicht gezeigt oder verraten wurden, wobei auf der anderen Seite natürlich auch genau das den Charme der Geschichte ausmacht.
Mich persönlich würde besonders interessieren, wie die Träume von Kana, Hikari, Nemu und Kuu genau ausgesehen haben, und ob sie sich auch so verlassen gefühlt haben wie Reki und Rakka, also die Ursündigen.
Ich finde es auch schade, dass man nur so wenig über das Leben der Haibane in der Fabrik erfährt. Midori und Hyoko waren mir jedenfalls sehr sympathisch, und ihren Abschied von Reki fand ich einfach nur schöööön. :'-(

Tja, äääh, ich glaube, wenn ich jetzt noch alles aufschreibe, was ich gerne wüsste, dann wäre ich morgen noch nicht fertig, also beende ich lieber an dieser Stelle... :)

Das heißt... eins wüsste ich doch noch gern... *räusper* :o*schäm*
Aus welchem Grund steht da im Logo der Untertitel immer auf Französisch?!

Warin
01.05.2009, 23:14
Mich fasziniert neben der Geschichte besonders der Soundtrack der Serie, der, wie ich finde, etwas zeitloses, nachdenkliches an sich hat. Oh ja, der hat mich so fasziniert, dass ich mich sogar mal selbst dran "vergriffen" habe -> klick (http://www.youtube.com/watch?v=XBT5xb-KWIc):)

Ich gehe mal davon aus, dass du die Namen hier vertauscht hast, Warin? ;)Gott, /me versinkt vor Scham im Boden:o*schäm*, Du hast natürlich vollkommen Recht*ja*

Die Stadt heißt übrigens "Guri".

Ich habe mir schon oft überlegt, was Rakka in ihrem früheren Leben wohl getan haben mag, ob auch sie Selbstmord begangen hat, und ob sie deswegen wie Reki eine "ursündige" wurdeIch bin ziemlich fest davon überzeugt, dass sich auch Rakka das Leben genommen hat. Die Schlüsselszene befindet sich in der 9. Episode "Brunnen", als sie nach ihrer Rettung aus dem Brunnen mit dem Washi spricht:
"Weshalb trauerst du so tief um jemanden, an den du dich nicht mehr erinnern kannst?" (Der Rabe, der in ihrem Kokontraum versuchte, ihren Sturz aufzuhalten. Sinnbild für jemanden, der ihr in ihrem vorherigen Leben sehr nahe stand, ihr Vater oder ihre Mutter, wie sie am Boden des Brunnen vermutet.)
"Das weiß ich auch nicht, ich weiß nur, dass ich denjenigen tief verletzt habe."
Und weiter: "Nicht an diesem Ort, aber irgendwo anders war ich der festen Überzeugung, ganz allein zu sein und dieser Überzeugung war ich sehr lange. Ich dachte, es würde niemanden geben, der um mich trauern würde, wenn ich eines Tages verschwinde. Und ich träumte davon, am Himmel zu schweben" (m.E. ein klarer Hinweis auf einen Selbstmord).

Nachdem sie ihre Sünde erkennt und um denjenigen trauert, dem sie Kummer gebracht hat, fällt die Ursünde von Rakka ab und ihre Flügel sind wieder aschgrau. Fortan ist Rakkas Ziel, auch Reki diesen Weg zu weisen, die sich allerdings als ein viel schwierigerer Fall herausstellt, da sie ihre Sünde schon seit langer, langer Zeit auch vor sich selbst verbirgt, bzw. fest davon überzeugt ist, dass es für sie keine Erlösung geben kann.