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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Philip K. Dick - Das Orakel vom Berge


Feandor
03.03.2009, 00:36
Klappentext:
Was wäre wenn Deutschland und Japan den zweiten Weltkrieg gewonnen und die Vereinigten Staaten von Amerika unter sich aufgeteilt hätten?

Es ist, wie man merkt, eine Alternativweltgeschichte, die hauptsächlich in dem von Japan besetzten San Francisco des Jahres 1962 (der Gegenwart des Autors) spielt. Japan und Deutschland haben den Zweiten Weltkrieg gewonnen und die Welt zwischen sich aufgeteilt. Die Gründe für den Sieg Deutschlands und Japans werden im Buch nur an Rande angesprochen, sind aber zumindest ohne weitere Nachforschungen recht plausibel.
Die Welt die beschrieben wird ist das aber auf jeden Fall. Die chaotische Organisation Nazi-Deutschlands wird von außen sehr passend beschrieben, auch wenn es in einigen Bereichen wie der Raumfahrt zu aus heutiger Sicht ein wenig unrealistischen Erfolgen der Deutschen gekommen ist.

Das Hauptaugenmerk des Buches liegt allerdings auf den ganz normalen Menschen. Da gibt es den Antiquitätenhändler, der mit der Sammelleidenschaft der Japaner gutes Geld verdient, aber von der Überlegenheit der weißen Rasse überzeugt ist. Und dann sind da noch der Arbeiter, der versucht einen Markt für zeitgenössisches amerikanisches Kunsthandwerk zu finden, der japanische Verwaltungsbeamte der unwissentlich in größere politische Konflikte hineingestoßen wird u. a. Diese sind alle lose miteinander verknüpft, so dass fast jeder Charakter - wenn auch nur über einen anderen Charakter - mit den übrigen verbunden ist bzw. ihr Leben beeinflusst.
Der genialste Einfall Dicks ist zweifellos in seiner Geschichte ein Buch vorkommen zu lassen, das eine andere Alternativweltgeschichte erzählt, in der die Alliierten den Krieg gewonnen haben. Diese stimmt jedoch auch ganz und gar nicht mit der uns bekannten Geschichte des Zweiten Weltkrieges und vor allem der Nachkriegszeit überein.

Also ein meiner (nicht Sci-Fi kundigen) Meinung nach sehr ungewöhnliches Buch, das ich aber nichtsdestotrotz durch die lebendigen Charaktere und die gute Ausarbeitung der Welt sehr gerne gelesen habe.
Mit dem häufigen Erscheinen eines japanischen Orakelbuchs, dem I Ging, konnte ich allerdings nur wenig anfangen. Ebenso erschien mir das Ende des Buches, das übrigens auch bei kaum einem Handlungsstrang einen wirklich Abschluss bietet, doch sehr abstrus und ich habe auch nicht wirklich verstanden was mir der Autor damit sagen wollte. *mph*

Ich hoffe jedenfalls, dass ich hier nicht zu viel gespoilert habe, aber ohne Spoiler kann man kaum etwas über das Buch schreiben, und ich hier manche neugierig darauf gemacht habe. :D

Rusch
03.03.2009, 13:32
Wegen des Endes:

Der Witz an dem Buch ist, dass der Autor von "Schwer liegt die Heuschrecke" ja unsere Welt beschrieben hat und Takamori am Ende in diese Welt wechselt. Ich finde das ist ein sehr originelles Ende.

Zu Dick an sich:

Sein Romane leben von den Figuren, die fast immer sehr kraftvoll und lebendig sind. Das ist auch der Grund, warum ich Dick als Autor so schätze. Ich habe allerdings gebraucht, bis ich so weit war. Die ersten drei, vier Versuche ließen mich ebenfalls ein wenig ratlos zurück. Aber mit jedem Buch gefliel mir der Autor besser. So hat mir "Das Orakel vom Berge" beim ersten lesen nicht so gut gefallen, aber als ich es jüngst ein zweites Mal las, konnte mich der Roman begeistern.
Will sagen: Dick ist wahrlich kein einfacher Autor und man muss sich ein wenig auf ihn einlassen.

Versuche mal "Zeit aus den Fugen". Das ist eine Geschichte, die irgendwie auch die Vorlage zu "Thruman Show" war und für Dickverhältnisse sehr geradlinig erzählt wird.

Feandor
03.03.2009, 21:05
Wegen des Endes:Das mit Takamori habe ich auch noch verstanden. Er wechselt kurz in unsere bzw. hat ein Vision von dieser Welt, sieht dort eine Autobahnbrücke oder so und fühlt sich davon und dem Straßenverkehr abgestoßen.
Ohne Zweifel eine geniale Stelle, da sie Zweifel daran macht, dass unsere Welt besser ist.

Aber die Sache in dem Haus des Autors habe ich nicht verstanden. Juliana kommt dahin, um den Autor vor Anschlägen auf ihn zu warten, wie sie gerade einen verhindert hat. Dort fragt sie den Autor dann, ob er das Orakel für das Schreiben seines Buches benutzt hätte. Abendsen lässt sie die Frage an das Orakel richten, dass ihr antwortet, dass das gesamte Buch mit seiner Hilfe geschrieben wurde, oder so ähnlich.
Ich weiß nicht genau, ob es da noch mehr zu verstehen gibt. Jedenfalls habe ich den Sinn der ganzen Sache mit dem Orakel nicht verstanden. Hast du da ne Idee?


Will sagen: Dick ist wahrlich kein einfacher Autor und man muss sich ein wenig auf ihn einlassen.Da gebe ich dir recht, aber wie gesagt mir hat das Buch auch beim ersten Lesen schon ziemlich gut gefallen.


Versuche mal "Zeit aus den Fugen". Das ist eine Geschichte, die irgendwie auch die Vorlage zu "Thruman Show" war und für Dickverhältnisse sehr geradlinig erzählt wird.Danke für den Tipp, aber ich hatte eigentlich vor mir als nächstes den neuen Heyne-Sammelband mit Blade Runner, Ubik und Marsianischer Zeitsturz zu kaufen. Mal schauen ob ich deinen Tipp vorziehe.

Rusch
04.03.2009, 08:31
Blade Runner is deutlich anders als der Film. Das ist wohl das einzige Buch, bei dem ich den Film besser finde. Ubik ist ein sehr ungewöhnliches Buch, dass einen mehr als einmal vor den Kopf stößt. Der "Marsianische Zeitsturz" jedoch ist ein sehr gelungenes Buch.

Ich schlage Dir vor, Du liest den Sammelband in folgender Reihenfolge:
Marsianischer Zeitsturz
Blade Runner
Ubik

Hier gibt es eine Menge Rezension zu Dick Romanen (http://www.fictionfantasy.de/load.php?name=News&file=article&sid=1051) (und davon sind viele von mir)