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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Joe Haldeman, Der ewige Krieg


Hathor
06.02.2008, 10:31
Krieg. In gigantischen Raumschiffen werden die Soldaten mit Lichtgeschwindigkeit von einem Gefecht zu anderen befördert. Doch während es für sie immer nur einige Monate dauert, vergehen auf der Erde Jahrhunderte. Einer der bedeutendsten Antikriegsromane, die je geschrieben wurden - neu übersetzt nach der vom Autor überarbeiteten und erweiterten Fassung. Mit einem Vorwort von Ben Bova.


Eine ganz besondere Atmosphäre ist es, in die man in diesem Buch eintaucht. Einerseits eine schreckliche Vision eines Krieges, der Jahrhunderte dauert und dessen Ursprung schon vergessen wurde. Andererseits die kühle, fast distanzierte Beschreibung des Protagonisten und seiner schlimmen, nein grauenhaften Erlebnisse. Das Abschlachten und der Drill, die Kälte und der Egoismus einer Zeit, in der es sich nicht wirklich zu leben lohnt.

Und ein Schluss, der unerwartet und zu abrupt eine Geschichte beendet, die man gerne weiterverfolgt hätte.
Für SciFi-Freunde eine Pflichtlektüre. Aber auch für alle, die ein wirklich gutes Anti-Kriegsbuch lesen wollen.

Elodarion
08.02.2008, 12:30
Ich finde, es gibt zwei wirklich beeindruckende Werke über einen interstellaren Krieg. Heinleins "Starship Troopers" und Haldemans "Der ewige Krieg", wobei beide Autoren sehr unterschiedliche Ansätze haben. Heinlein schwenkt die patriotische Fahne, Haldeman verzichtet dankenswerterweise darauf. Dennoch finde ich, ergänzen sich beide Romane. Haldeman zeigt zusätzlich und beeindruckend die Problematik der Dilatation.
"Der ewige Krieg" gehört sicherlich in jede gute SciFi-Sammlung. Warnen muss man allerdings vor der Fortsetzung "Der ewige Frieden". Diese scheint Haldeman im Vollrausch geschrieben zu haben.

Nina
21.01.2009, 19:05
Das Buch ist ganz sicher ein bedeutendes Werk der Antikriegslieratur. Es war spannend geschrieben, hat mich aber emotional direkt zu stark mitgenommen.

Ich war letztendlich dann froh über das Ende, fand aber dann, dass es irgendwie nicht zum Rest der Geschichte gepasst hat. Wobei es schwierig ist, dass ich das jetzt näher ausführe, ohne möglicherweise zukünftigen Lesern zu viel zu verraten, also bleibe ich bewusst wage.

Sith-Lord
13.02.2009, 15:48
Da ich woanders gelesen habe das sich Ridley Scott der Umsetzung des Buches in ein filmisches Werk angenommen hat, bestellte ich mir das Buch...und ich habe es richtig verschlungen. Sci-Fi wie sie sein sollte, auch wenn viele glauben das es sich dabei immer nur um Lasergeballere und Weltraumprinzessinnen handeln darf/kann/muss. Nein, Sci-Fi dient dem gedankenspiel den Menschen weiterentwickeln zu lassen und wie er wann leben wird. Dabei wird ja vielen Autoren dieses genres vorgeworfen immer eine zu pessimistische Sichtweise zu vertreten ABER ist das wirklich so weit hergeholt, wenn man sich unsere historie ansieht?
@elodarion
ich habe es nicht so empfunden, das heinlein die "patriotische fahne schwingt".
er hat das politische system so dargestellt, wie es sein könnte. wie man dazu steht, schreibt er einem ja nicht vor...

In beiden Büchern geht es um das Leben eines bzw. zweier Menschen in einer gewalttätigen, militaristischen, Lebensvernichtenden Weltanschauungen und anders als in Hollywood, wo der Held gegen die Bösen siegreich aus der schlacht zurückkehrt, sind hier die Protagonisten dem System mehr oder weniger ausgeliefert und versuchen über die Runden zu kommen.
Im "ewigen Krieg" wird sehr gut die Arroganz der Menschheit sich als Krone der schöpfung aufzuspielen und aus Angst und Hass alles andere zu töten was
nicht der gleichen Gesellschaft/Zivilisation angehört. Oft habe ich während des Lesens mit dem Kopf geschüttelt und soviel Sci-Fi steckt garnicht drin, wenn man das techno-babbel weglässt: Die Manipulation der zivilisten über die regierung und das Militär, Rechtsbeschneidungen unter dem mantel des Allgemeinen Wohls, Das Verheizen von Menschenleben in einem durch Missveständnisse und Misstrauen geprägten Rechtsempfindens und noch viel mehr.
All das findet sich auch heute in den "zivilisierten gesellschaften" wieder und ich fand es erschreckend als mir diese Erkenntnis kam.
gleichzeitig zeigt Haldeman, das der Mensch nicht stagniert und sich immer wieder neu definiert und Dinge ausprobiert um zu überleben. Nicht alles ist schlecht, es gibt z.B. keine Hungersnöte, Epidemien oder Uneinigkeit unter den Menschen. Die Frage bleibt nur: Zu welchem Preis und unter welchen Voraussetzungen es geschieht.
Lobenswert fand ich den Gedanken, das es zum Schluss keine nation gab die den Sieg für sich beanspruchen konnte sondern es ein Erkennen der Situation und ein, ausnahmsweise, richtiges Verhalten gab um den "ewigen krieg" zu beenden auch wenn es sich um ein abstraktes Denkverhalten erforderte um das zu erreichen. Denn die Frage bleibt doch: Wie müssen wir uns wirklich als eine Gesellschaft entwickeln um mit den Erfordernissen der Zukunft umzugehen? Was ist richtig, was ist falsch? Wie weit darf man als Staat und als Einzelperson gehen um seine Ziele zu erreichen?
Schön fand ich das Ende, auch wenn es durchaus ein paar Seiten länger hätte ausfallen dürfen und vllt auch untypischerweise etwas romantisch war. Doch gerade das fand ich passend zur militärischen Entwicklung und setzte einen Kontrapunkt zum sonstigen Wahnsinn, den der Mensch sonst betreibt.
Emotional gesehen fand ich das Buch besser als "Sternenkrieger" aber dort ist das politische System auch durchgehender und deren Basis ist verständlicher.
Auf der anderen Seite zeigt "der ewige Krieg", das keine Struktur dauerhaft Bestand hat, was dann doch sehr ermutigend ist.
Bleibt zu hoffen, das der Film die in dem Buch dargestellten Werte und Konflikte auch gut darzustellen weiß. Wäre schade wenn es zu einem reinem Action-Geballere verkommen würde...