Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Horrorszenen beschreiben - wie macht ihr es?
WhiteXrystal
17.04.2009, 21:33
Hallo *winke*
ich habe ein kleines Problemchem: Eigentlich spezialisiere ich mich beim Schreiben auf Dialoge und Beschreibungen von Orten oder Personen, weniger auf Action oder gar "Schockmomente", die in jedem guten Horror vorhanden sind. Jetzt schreibe ich für einen Wettbewerb eine schön mysteriöse Geschichte, bei der auch einige solcher "Horrorszenen" auftauchen. Leider bin ich mit meinen Ausführungen nicht wirklich zufrieden, es fehlt aus meiner Sicht an Spannung und teilweise auch Atmosphäre.
Deshalb bin ich eifrig dabei, Tipps zu diesem Thema von allen möglichen Seiten zu sammeln und wollte mal fragen, wie ihr solche Szenen handhabt. Vielleicht habt ihr ja die zündende Idee dazu ;)
Liebe Grüße,
WhiteXrystal
Rotkätzchen
17.04.2009, 22:27
Ich schreibe zwar nicht selber, aber so manchen Mysterie-Thriller habe ich schon gelesenerweise hinter mir. Ich muss sagen mir als Leserin rieselt vor allem dann ein Schauer über den Rücken, wenn die Szene weniger visuell beschrieben wird, sondern mehr subtil emotional an Form gewinnt. Es ist nicht soooooo wichtig, jede Einzelheit eines verfallenen Gebäudes zu beschreiben oder wie entsetzlich Angst der oder die Heldin gerade hat. Wenn ein tiefer emotionaler Bezug des agierenden Helden zu dem schaurigen Ort und der möglicherweise schaurigen Gefahr existiert, neigt man als Leser dazu, viel mehr hinein zu interpretieren, als ein Autor jemals aufschreiben könnte. In dem Zuge kann es dann sogar unheimlicher sein, wenn nix passiert - anstatt dass etwas passiert. Solange nix passiert, erwartet der Leser etwas und es baut sich Spannung auf. Wenn das etwas passiert und es ist doch nicht so gruslig, verflacht die Spannung ganz schnell wieder und Enttäuschung macht sich breit.
Kurios, lustig und vermutlich auch lehrreich könnte das Stephen Kings "Das Mädchen" sein:
Ein Gruselroman, der gruslig ist, obwohl überhaupt nix passiert. Aller potentieller Grusel innerhalb der Geschichte ist Einbildung des Mädchens bzw. schustert sich im Kopf des Lesers zusammen. Ich finde das Buch zwar nicht so toll, aber für einen Schreiber könnte es vielleicht interessant sein.
@WhiteXrystal : Du könntest uns ja mal deine ungelungenen Ausführungen vorführen.Dann könnten wir die dabei Helfen
lg Rey
Antigone
14.09.2009, 15:01
@WhiteXrystal : Du könntest uns ja mal deine ungelungenen Ausführungen vorführen.Dann könnten wir die dabei Helfen
Das erscheint mir keine gute Idee. Schließlich darf man hier eigene Geschichten erst ab 100 Beiträgen einstellen, und so würdest du diese Regel glatt umgehen.
lg, A.
Im Englischen unterscheidet man in der Regel zwischen "Terror" und "Horror".
"Terror" beschreibt das Gefühl eines sich nähernded Unheils. Wenn ein Protagonist also im Dunkeln herumirrt und sich etwas Geheimnisvolles unheilvoll nähert zum Beispiel.
"Horror" ist die Realisierung dass etwas Schreckliches oder Abstoßendes vorliegt. als Beispiel: Protagonist kommt in dunkles Haus, macht den Lichtschalter an und realisiert dass jemand die Bewohner umgebracht und in der Küche verteilt hat.
Allgemein würde ich sagen: Zeit lassen. In einem Film kann man, wenn einem die Ideen ausgehen, einfach irgendein Monster aus einer dunklen Ecke hervorspringen lassen und die Zuschauer werden sich erschrecken. Im schriftlichen Medium ist das nicht möglich.
"Er öffnete die staubige alte Truhe und ein Skelett sprang hervor"
Nicht sonderlich gruselig, nichtmal für Zartbesaitete. Das langsame Aufbauen des Terrors/Horrors ist die wahre Kunst. Gerne auch Lücken lassen, um es dem Leser zu ermöglichen, sich selber schreckliche Vorstellungen von der Gefahr zu machen, die dem Protagonisten droht.
Beim "Horror" eigentlich dasselbe: Als Beispiel kann man hier sehr gut das Werk Lovecrafts heranziehen. Dort droht den Personen teilweise für einen Großteil der Geschichte gar keine Gefahr. Dennoch baut sich durch geschickte Andeutungen und Enthüllungen über eine okkulte Macht oder die Unwichtigkeit des Menschen im Kosmos nach und nach eine Atmosphäre des Horrors auf.
PaganPunk
15.09.2009, 21:14
Aber ich denke man sollte mit dem Zeit lassen den Bogen nicht überspannen. Was meiner Ansicht am besten wirkt ist, wenn man beschreibt, wie man sich selber fühlt, wenn man Angst hat oder etwas Schreckliches sieht. Die arme Fühlen sich kalt an, man kriegt Gänsehaut, man hat dieses Gefühl im Magen, der Herzschlag pocht in den Ohren. Sowas kommt bei mir am Besten, wenn ich selber lese.
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