Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : SPIEGEL-Bericht über Fantasy Boom
SemSimkin
21.04.2009, 20:47
Im aktuellen Spiegel (vom 20.April) ist ein längerer Artikel über Fantasy Literatur drin. Wollte ich nur durchgeben, da es weder ein Zerriss á la unseriös noch ein naives Hochjubeln ist.
PoiSonPaiNter
22.04.2009, 19:38
Den hab ich vorhin sogar gelesen und überlegt, wo man hier darüber schreiben kann. :D
da es weder ein Zerriss á la unseriös noch ein naives Hochjubeln ist.
Aber wirklich gut ist der Artikel trotzdem nicht. Er liest sich wie von einem Außenstehenden geschrieben und das Jmd, der nicht in der Thematik wenigstens ansatzweise drin steckt, nicht großartig ins Detail gehen kann, dass kann sich jeder hier mit Sicherheit denken.
Bei der einen oder anderen Stelle musste ich sogar fast laut auflachen.
Es stehen dort u.a. Zitate von einem Oberstudienrat aus Bayern, der der vollsten Überzeugung ist, dass "Harry Potter" dafür gesorgt hat, dass Jugendliche lesen, was ich für sehr fraglich halte. Natürlich war es für einige der Einstieg ins Genre, aber es gab auch Leute, die vorher schon Fantasy gelesen haben.
Im Großen und Ganzen ist es nur eine Aneinanderreihung von Autorennamen und Oberflächlichkeiten, ein paar "Expertenmeinungen" und Leser-, Verlags- und Autorenzitaten.
Iwie hätte ich mir mehr davon erhofft und ehrlich gesagt, fand ich den Artikel sogar iwie lächerlich...besonders lustig fand ich allerdings die Verwendung von Anglizismen ("All-Age Literatur" um mal ein Bsp zu nennen). Die haben in einer "seriösen" Zeitung wie dem Spiegel, mMn, nichts zu suchen!
Und die Autorin/der Autor hält Fantasy anscheinend für einen Modetrend dieser Jahre, denn man liest kaum etwas darüber, dass es auch schon früher Fantasy(ähliche) Literatur gab. (zB nur ein kurzer Einschub, dass Mythen und Legenden ein ähnliches Prinzip haben) Und anscheinend kennt sie/er nur Meyer, Paolini und Funke, denn die hat sie/er sehr oft erwähnt...
Denk ich hab jetzt genug gemeckert...macht euch lieber selbst ein Bild...:D
P.S. Wann kam HP egtl erstmalig raus? Da stand was vonwegen "Ende der 90er Jahre", das hat mich etwas verwundert...o.O
Ich hatte am Bahnhof leider nur Zeit, den Artikel einmal zu überfliegen und hatte aber auch keinen besonders guten Eindruck. Ich muss vielmehr Poison zustimmen, dass es eine recht oberflächliche und verallgemeinernde Darstellung des Genres und seiner Auswirkungen auf die Gesellschaft (bes. die Jugend) ist.
Immerhin wurde das Genre nicht einseitig betrachtet, sondern es wurden sowohl positive als auch negative Effekte genannt, aber keine, die hier in diesem Forum nicht in einer ähnlichen Form schon differenzierter betrachtet wurden. Ich glaube jedenfalls auch, dass der Autor nicht unbedingt in der Thematik bewandert ist, sondern der Artikel mehr als eine Art Lückenfüller zwischen den Themen der Politik und Wirtschaft gedacht war.
SemSimkin
22.04.2009, 23:48
Ahm naja, ich denke ihr seht das zu sehr durch das Insider-Milchglas ... Ihr müsst ja auch an die Zielgruppe des Artikels denken und das sind eben zum Großteil keine Leute die Gothic 3 zocken, Mangas unter ihrer 4qm Japan-Fahne lesen oder sich Deko im Wikinger-Store bestellen :D. Fand den Artikel eine angemessene Reaktion auf eben den Zustand dass 1/3 der SPIEGEL-Bestseller gelegentlich aus Fantastik besteht. Aber man kann auch nicht ernsthaft bestreiten, dass es daneben erwachsenere (man beachte den Komparativ) Literatur gibt, die nicht so Mao-kulturrevolutionsartig einfach verachtet werden sollte nur weil keine Drachen drin vorkommen.
Lord Dralnu
23.04.2009, 19:29
Könnte mir jemand bitte erklären, welche positiven bzw. negativen Effekte Fantasyliteratur haben soll??? Erweiterung der Vorstellungskraft und Realitätsverlust oder was?
Aber wirklich gut ist der Artikel trotzdem nicht.
und ich wollte mir den schon kaufen... gut, dass ich gewartet habe.
So sehen des meine Eltern auch. "Du lebst ja in ner Fantasiewelt." "Les doch mal was normales" Weil jetzt ja jeder Krimi so realistisch ist. Ich find Fantasy jetzt überhaubt nicht schädlich, im Gegenteil es fördert die Vorstellungskraft und Fantasie. Das kann doch nicht schlecht sein, oder?
SemSimkin
28.04.2009, 00:22
Nein, natürlich ist es nicht "schädlich". Habe ich auch nie gesagt. Werde denke auch mein Leben lang ab und an wieder etwas fantasymäßiges Lesen. Aber wenn ich es mit vor 10 Jahren vergleiche (bin jetzt 26), dann sind historische Romane, mäßig frakturierte Fantastik wie z.B. Jesus Video oder auch gut gemachte Krimis direkter und man muss die Schreibleistung nicht unter zentimeterdickem "Zuckerguss" freikratzen ;).
Existenz
21.06.2009, 12:31
Bei der einen oder anderen Stelle musste ich sogar fast laut auflachen.
Es stehen dort u.a. Zitate von einem Oberstudienrat aus Bayern, der der vollsten Überzeugung ist, dass "Harry Potter" dafür gesorgt hat, dass Jugendliche lesen, was ich für sehr fraglich halte. Natürlich war es für einige der Einstieg ins Genre, aber es gab auch Leute, die vorher schon Fantasy gelesen haben.
Ging's denn um Jugendliche, die durch Harry Potter ins Fantasygenre eingestiegen sind oder um Jugendliche, die durch HP überhaupt erst zum Lesen an sich gekommen sind?
Für mich klingt es nach Zweiterem. Und da stimme ich dem Oberstudienrat zu. Natürlich habe ich gerade zufällig keine Statistiken zur Hand (nicht einmal gefälschte), aber ich habe durch meine Beobachtungen den Eindruck gewonnen, dass Kinder und Jugendliche früher weniger gelesen haben als heutzutage. Da durch HP solch ein Boom entstanden ist und dadurch plötzlich Leute zu Büchern bzw. ersteinmal zu den HPBüchern gegriffen haben, wurde das Medium "Buch" wieder interessant.
Klein-Jaqueline greift also, nachdem sie mit strahlenden Augen HP im Kino gesehen hat, zu dem entsprechenden Buch und liest, bis es keine Fortsetzungen mehr gibt. Sie rennt mit feuchten Augen zu Mami und sie erfährt, dass sie ja noch andere Bücher lesen kann. "Super", denkt sich Jaqueline, "dann kann ich die Zeit bis zum nächsten HP super überbrücken und außerdem habe ich durch HP gemerkt, dass lesen ja voll supi viel Spaß macht!"
Und tadaa: eine neue Leserin ward geboren ;)
edit: sorry, wieder ein altes Thema ausgebuddelt. Habe das nicht gemerkt (bin durch "wer ist online?" auf den Thread gekommen) :/
Silberblut
21.06.2009, 13:14
Ihr könnt euch den Artikel übrigens auch hier (http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?titel=S%C3%BC%C3%9Fe+Flucht+in+die+S ucht&id=65089128&top=SPIEGEL&suchbegriff=fantasy&quellen=%2BBX%2CWIKI%2C%2BSP%2C%2BMM%2CALME%2CSTAT %2C%2BMEDIA&qcrubrik=kultur) ansehen.
Ich habe ihn mir soeben durchgelesen und halte ihn für nicht sonderlich seriös. Was über Meyer, Paolini oder Rowling geschrieben wird, mag ja stimmen, doch der Verfasser hat anscheinend wenig Ahnung davon, dass es auch noch andere Autoren gibt, die sich von den genannten Beispielen unterscheiden. Fantasy ist keineswegs so homogen, wie es darin dargestellt wurde, aber darin sind wir uns ja einig.
Natürlich ist Fantasy keine hohe Literaturform, natürlich zeichnet sich dieses Genre durch eine gewisse Realitätsferne aus, aber verhält es sich mit Büchern wie "Sakrileg" nicht ähnlich? Sicher, Magie kommt dort nicht vor, wohl aber eine ganze Reihe falscher Informationen, die zum Teil gezielt fingiert wurden, um die Spannung zu erhöhen. Ist Dan Brown trotzdem ein seriöserer Autor als z.B. Terry Pratchett? Fantasy-Autoren versuchen zumindest nicht, den Anschein von Realität zu wahren. Sie stehen dazu, dass sie unrealistisch sind.
Stellt sich die Frage, was Literatur überhaupt ist und wozu man sie braucht. In dieser Hinsicht bin ich sehr einseitig geprägt: Literatur muss mich unterhalten. "Faust" hat das zum Beispiel nicht vermocht, so schön ein Blankvers auch sein mag. Natürlich können mich auch andere Bücher, die nicht aus dem Fantasygenre stammen, unterhalten, und natürlich bedeutet für mich Unterhaltung nicht, eine plumpe actiongeladene Geschichte in einer ebenso plumpen Sprache vorgesetzt zu bekommen. Doch Unterhaltung ist für mich das Wichtigste. Was bringt es mir, wenn ein Buch als literarisch besonders hochwertig eingestuft wird? Ich sehe das sehr nüchtern - Literatur ist in meinen Augen kein Selbstzweck, sie bringt im Grunde wenig. Die Welt bewegt sie nicht, das übernehmen schon Wissenschaft und Forschung, Wirtschaft und Politik. Literatur ist nicht mehr als ein Zeitvertreib und sollte nicht überbewertet werden.
Schlagt mich, wenn es anders sein sollte.
Verräter
21.06.2009, 19:12
Nunja,... der Bericht rewähnt ausschließlich Bücher, die zur Zeit (oder vor kurzem) in den deutschen Bestseller-Listen zu finden waren, was tatsächlich hauptsächlich Jugendbücher sind. (Sei es nun die Biss-Schnulze, Harry Potter oder Eragon)
Alle "anderen" Bereiche der Fantasy kennt der Verfasser des Beitrags offensichtlich nicht. So werden dann die "Erwachsenen-Bücher", die mindestens ebensoviel Geld (wenn nicht mehr) einnehmen, wie die oben genannten. Dazu nur die riesigen Reihen wie Rad der Zeit, Spiel der Götter, Lied von Eis und Feuer, Schwert der Wahrheit, usw. (Mehr lange Reihen fallen mir jetzt gerade nicht mehr ein ^^) Die eben mindestens so erfolgreich sind und keineswegs als "Jugendliteratur" abgestempelt werden darf.
Und auch in Terry Pratchett sehe ich alles andere als einen Jugendbuch Autor, gerade durch seine sehr scharfen Kritiken die er in seine Texte einfließen lässt.
Aber man darf den Beitrag auch nicht ganz zerreißen. "Fantasy" ist eben doch ein sehr Action lastiges Genre, dass sehr oft ziemlich einfache Strukturen aufweist. Was man im Bereich "Fantasy" in den Bücherregalen ind Kaufhäusern (und ähnliches) findet, ist zu 80% Jugendliteratur. Völlig gleichgültig, ob sich andere Werke ebenso gut verkaufen.
Im direkten Vergleich sehe ich zwischen Fantasy und den meisten anderen Genres auch keine sinnvolle Messung. Thriller, Krimi, Romanze, Sci-Fi, Mystery, historische Bücher, usw. ist überhaupt nichts anderes als genauso gute Unterhaltungsliteratur wie Fantasy Bücher, und wer davon was mag und was nicht, sei doch bitte jedem selbst überlassen. Und die "Klassiker" sind durch ihr Alter auch noch nicht zwangsläufig gut. (!!)
Wobei, dass muss ich so sagen, Bücher die Problem-Themen dieser Welt darstellen (hier sei als Beispiel einmal ... hmmm... *grübel* Tagebücher von Anne Frank (hab ich noch nicht gelesen, abe rich hoffe es ist verständlich was ich meine)) dem Fantasy Bereich, wie auch allen anderen Bereichen der "Unterhaltungsliteratur" an Informationsgehalt (zumindest meistens, ist natürlich keine Regel) höher, aber das natürlich auch nur, wenn es entsprechend gut geschrieben ist. (Pausewangs erbärmliche Niederschriften (als Beispiel) zählen für mich nicht dazu, wobei das auch eher Jugend-Unterhaltungsliteratur + Dicke Moralkeule ist)
Alles in allem: In dem Beitrag steht absolut nichts interessantes drin. Es wirkt mehr wie ein flüchtiger Blick in eine dem Verfasser unbekannte Richtung, ohne jeglichen Informationsgehalt.
Boring!
RickyLee
21.06.2009, 20:47
Ich sehe das sehr nüchtern - Literatur ist in meinen Augen kein Selbstzweck, sie bringt im Grunde wenig. Die Welt bewegt sie nicht, das übernehmen schon Wissenschaft und Forschung, Wirtschaft und Politik. Literatur ist nicht mehr als ein Zeitvertreib und sollte nicht überbewertet werden.
Schlagt mich, wenn es anders sein sollte.
Sie bewegen schon die Welt. Arbeitsplätze werden geschaffen, Bäume abgeholzt, Wissen wird erhalten und verbreitet (das Beste Wissen kommt aus Büchern, nicht aus dem Internet) und Geschichte festgehalten.
Forschung, Wirtschaft und Politik hätten wir nicht ohne Bücher und das geschriebene Wort.
Und Bücher bewegen MICH. Bücher beinhalten Geschichten und jedes menschliche Leben ist eine Geschichte oder tausende Geschichten, wenn ich poetisch werden darf.
Mag sein, dass sie langsam an Wert verlieren, aber trotzdem sind sie das Fundament unserer Wissensgesellschaft. (Anfänge: Siehe Buchdruck)
Sorry fürs OT...
Ich fürchte, Fantasy wird denjenigen, die sich nicht gut auskennen einfach zu oberflächlich dargestellt. Aber das ist überall so...
Wie jede andere Literaturgattung auch muss man sich in Fantasy selbst einarbeiten, da kann man noch so viel darüber erzählt bekommen ^^
Bertvogel
21.06.2009, 21:57
Sind hier zwei, wenn auch sehr kurze, Beiträge von AmberSchattensturm und von mir als Antwort auf den Post von Silberblut gelöscht worden?
Silberblut
21.06.2009, 22:01
@Bertvogel: Ich denke, dass die Beiträge gelöscht wurden, weil sie nichts Wesentliches zur Diskussion beigetragen haben. In manchen Foren wird das strenger gehandhabt als andernorts. ;)
Ich rede ja auch nicht von Büchern, sondern von der so genannten "hohen Literatur". Bücher sind wichtig, keine Frage, aber wenn es mir um Wissen und um Informationen geht, dann kaufe ich mir ein Fachbuch.
Natürlich habe ich mich härter ausgedrückt, als es meiner tatsächlichen Meinung entspricht. Natürlich kann hohe Literatur inhaltlich wertvoll und informativ sein, und natürlich kann sie für viele Menschen bedeutend sein. Allerdings frage ich mich, was diese hohe Literatur so wervoll und besonders macht und ob sie nicht ein wenig überbewertet wird.
Es ist sicher wahr, dass zahlreiche Werke der Fantasyliteratur Schund sind und von Realitätsflucht zeugen. Ebenso stimmt es, dass sich zahlreiche Werke gezielt an ein jüngeres Publikum richten. Von HP halte ich nicht viel, Eragon habe ich nie gelesen, weil ich schon viel darüber gehört habe, was mich skeptisch macht, und Bis(s) hat mich nie interessiert. Wenn dadurch aber Jugendliche wieder zum Lesen gebracht werden, sollte man sich nicht beschweren. Literatur muss sich dem Zeitgeist anpassen, und wenn dieser Zeitgeist nach einem Gegenstück zur oft einseitigen und anstrengenden Realität verlangt, gibt es viele Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Ich bin mir sicher, dass viele bedeutende Werke der (Welt-)Literatur zum Zeitpunkt ihres Erscheinens ebenfalls auf Skepsis gestoßen sind. Sturm und Drang oder Romantik weisen ja auch Züge der Realitätsflucht auf. Die Selbstmorde als Reaktion auf Goethes "Werther" sprechen ja eine ganz eigene Sprache.
Dass es auch Fantasy jenseits von Rowling, Paolini, Mayer, Funke, Hohlbein und Heitz gibt, darauf wird in diesem Artikel nicht eingegangen. Das Genre ist heterogener als es dort dargestellt wird.
Bertvogel
21.06.2009, 23:26
@Silberblut
Da ich diese Löschpraxis nicht kannte, war ich doch ein wenig düpiert. Im Prinzip bin ich dafür. Fanden meine bisherigen Ergüsse immerhin vor den Augen des Zensors Gnade.
Hohe Literatur, soweit ich davon was verstehe arbeitet mit Redefiguren, hofft über Klangwirkungen, ganz allgemein über Sprachverarbeitung etwas herüberzubringen. Was mich an Literatur stört, ist, dass sie Inhalte nicht prüft, nicht mal, ob ein Inhalt da ist.
Wer hohe Literatur besser beschreiben kann, nur zu, ich lerne gerne dazu.
Es gibt nach Sol Stein nichtfiktionale und fiktionale Literatur.
Nichtfiktionale vermittelt Informationen, fiktionale soll Gefühle auslösen.
Realitätsflucht ist kein Grund, der gegen ein Buch spricht, im Gegenteil.
Das meiste, was wir tun, etwa wenn ich diesen Beitrag schreibe, hat mit Realitätsflucht zu tun.
Was ist Schund?
Mein Kriterium für gute Schreibe ist u.a., dass der Held in ein nicht zu offensichtliches Fettnäpchen tappt, und dass er, um den Fuß herauszubekommen, etwas Gehirnschmalz braucht. Etwas, das ich etwa bei Tintenherz völlig vermisse. Mit dieser Forderung oder soll ich besser sagen Hoffnung stehe ich aber ziemlich alleine.
Was ist Schund?
Sind gewalttätig langweilige Bücher Schund und gewaltfrei langweilige Bücher das nicht? Die Qualität eines Buches kann doch -meiner Ansicht nach, immer meiner Ansicht nach - nicht davon abhängen, welches schlechte Klischee es nicht erfüllt. Ein gutes Buch muss vor allen Dingen erstmal einen unverbrauchten Gedanken in die Welt setzen.
Nur widerspruchsfrei zu sein, reicht nicht, spricht sogar gegen ein Buch. Aber genau das scheint heute angesagt zu sein. Ich denke da auch an "Der Schatten des Windes" von Zafon.
Was ist Schund?
Meist wird unter Schund die Verwendung von bestimmten Klischees verstanden, etwa der starke Mann, der seine Probleme dadurch löst, dass er seinem Gegner die Birne weicher kloppt.
Meist umgangen durch den Retter der Verfolgten, Enterbten, Geschändeten und Bildzeitungsleser, der glücklich einen Vorwand gefunden hat, um seinem Gegner die Birne weicher zu kloppen.
Für mich bleibt das Schund, aber ...
Oberflächliche und höchst subjektive Berichte halte ich für starken Tobak. Meines Erachtens ist der Spiegel Durchschnitt. Welche Zeitschrift ist besser?
Tja, die direkte Konkurrenz wäre wohl Stern und Fokus. *rofl*
Ich denke, wenn man fundiertes Lesen möchte, dann sollte man sich auf die großen Tageszeitungen wie die FAZ oder die Süddeutsche verlagern.
Aber eigentlich schade. Der Spiegel war in der Nachkriegszeit bis weit in die 80er Jahre hinein wohl die Zeitschrift in Deutschland, wenn man fundiert informiert werden wollte. Heute ist das leider nicht mehr so.
Bertvogel
23.06.2009, 16:45
Stimme dir völlig zu. Ja, der Spiegel war mal was.
Heute ist er das anscheinend ebenso wenig wie meine Beiträge, denn da ist mal wieder was von mir gelöscht worden. Es wäre sehr schön, wenn der Verantwortliche sich mit mir in Verbindung setzen würde. Er mag ja seine Gründe haben, und diese will ich wissen.
Gruß Bertvogel
Asfalasarion
23.06.2009, 21:37
@ Bertvogel
Der Thread wurde gesplittet - vielleicht findest du in dem anderen deine verlorengegangenen Posts.
Auch wenn ich den Spiegel in den 80ern oder früher natürlich nicht gelesen habe, so weist die Spiegel-Affäre doch auf ein ganz anderes Kaliber von Zeitschrift hin (ist natürlich schon länger her). Im Übrigen stimme ich Rusch zu. Die Faz als Tages- und die Zeit als Wochenzeitung wären meine Wunschkandidaten. Doch Sudent sein ist teuer *nein* und so weiche ich mitterweile meist auf Online-Portale aus (tagesschau.de&zeit.de), die allerdings leider (noch?) nicht alle Funktionen einer "richtigen" Zeitung erfüllen.
pierrôt triste
24.06.2009, 14:23
Was müssen die Kritiker aufgeschrien haben als Karl May seine Wild-West-Saga an den Mann gebracht hat.
Karl May war nie im "wilden Westen" und trotzdem hat er dank seiner Fantasie und bestehenden "Legenden" einige ordentliche Bücher zusammengezimmert. Das war nicht wirklich real sondern dann wohl auch eher "Fantasy" aber da wurd net groß kritisiert sondern das haben die Jungs genauso gelesen wie die Väter bzw. Töchter und Mütter (falls sie in einem modernen Haushalt lebten).
Wie schon gesagt war es jahrzehntelang vollkommen normal das die Kinder und Jugendlichen gelesen haben. Als ich 6 und älter war sind meine Eltern mit mir regelmässig über Flohmärkte gestromert und wir haben meine Kinder -und Jugendbuchsammlung auf ca. 3000 Bücher hochgetrieben. Und mit 12-14 war da auf einmal eine Lücke, die Helden aus TKKG, die Jungs von Burg Schreckenstein etc waren aufeinmal jünger als ich selbst und ich konnte mich nicht mehr damit identifizieren. Ich bin dann auf Anraten eines Freundes über den Herrn der Ringe gestolpert und habe ihn für 10!!! DM in einem großen Kaufhaus welches heute insolvent ist als Sammelbox mit 6Bänden + Der kleine Hobbit gekauft und auf einmal hatte ich wieder Helden, Vorbilder, Figuren zu denen ich aufschauen konnte, mit denen ich mitfieberte und -litt. Und ich bin im Fantasybereich hängengeblieben. Und ich freue mich immer wenn ich in große Buchhandlungen gehe und Fantasy nicht mehr nur ein Regal in der hintersten Ecke des Ladens belagert sondern schon vorne die Ausstellungstische schmückt. Es sind sicherlich einige Bücher dabei die meine Aufmerksamkeit nicht unbedingt erregen aber immer noch mehr als genug dass ich nie weiß welches ich nu kaufen soll.
Das der Spiegel jetzt schon einen Artikel darüber verfassen muss das Fantasyleser eher süchtig sind finde ich schon etwas arm. Früher war es normaler dass man viel las. Und heute blenden die Leute die Realität aus. Welch merkwürdige Einschätzung. Ich habe nie erlebt das in der Bahn jemand auf einmal seinen Morgenstern auspackte um den nächsten Unhold umzuhauen obwohl er kurz vorher die Zwerge o.ä. gelesen hat. Seien wir einfach dankbar dass man heute nicht mehr schräg angeguckt wird wenn man in Bus und Bahn ein Buch auspackt und liest.
Aber ich muss dem Spiegel recht geben, Fantasyliteratur schafft es (zumindest bei mir) tatsächlich dass sich eine gewisse Wärme in meiner Seele ausbreitet wenn ich lese wie die tapferen Abenteurer sich abends ein Lagerfeuer schüren und sich drumherum versammeln. Diesen Effekt habe ich nunmal nicht wenn ich Sci-Fi lese wo sich die Crew eines Raumschiffs in der Messe trifft und bei Tageslichtstrahlern gemütlich einen Proteincocktail zu sich nimmt.
Aber ich muss dem Spiegel recht geben, Fantasyliteratur schafft es (zumindest bei mir) tatsächlich dass sich eine gewisse Wärme in meiner Seele ausbreitet wenn ich lese wie die tapferen Abenteurer sich abends ein Lagerfeuer schüren und sich drumherum versammeln. Diesen Effekt habe ich nunmal nicht wenn ich Sci-Fi lese wo sich die Crew eines Raumschiffs in der Messe trifft und bei Tageslichtstrahlern gemütlich einen Proteincocktail zu sich nimmt.
Das kommt darauf an, was Du liest. Es stimmt zwar, dass SF Romane nicht umbedingt über Protagonisten erzählt werden, aber es gibt auch andere Beispiele. Lies mal was von Heinlein oder von McCaffrey.
Bertvogel
17.08.2009, 10:16
Diesen Effekt habe ich nunmal nicht wenn ich Sci-Fi lese wo sich die Crew eines Raumschiffs in der Messe trifft und bei Tageslichtstrahlern gemütlich einen Proteincocktail zu sich nimmt.
Mir hat Science-fiction deshalb gefallen, weil neue faszinierende Welten mit neuen faszinierenden Aufgaben für (meistens) normale Menschen geschaffen wurden. Gemütlichkeit, Romantik und Styling habe ich dort nicht gesucht.
zur Info:
Aktuell auf Spiegel Online ein Artikel über Fritz Leiber. (http://www.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/0,1518,645959,00.html)
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