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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Greg Bear - Die Stadt am Ende der Zeit


Allgemeinplatz
13.05.2009, 20:13
»Es gibt sie, die Stadt am Ende der Zeit ...«

... zumindest behauptet das eine skurrile Kleinanzeige in einer Seattler Zeitung, die auch nur von leicht skurrilen Menschen gelesen wird. Doch als drei dieser Leser auf die Anzeige antworten, beginnt eines der fantastischsten Abenteuer, das je erzählt wurde. Denn es gibt sie wirklich: die Stadt am Ende der Zeit. Eine Stadt, deren Technologie so weit fortgeschritten ist, dass man sie von Magie kaum mehr unterscheiden kann. Eine Stadt, in die sich die letzten Lebewesen eines sterbenden Universums geflüchtet haben. Eine Stadt, die nun Kontakt mit der Gegenwart aufnimmt - um zu retten, was wir als »Mensch« bezeichnen.

Handlung:
In der Zukunft, am nahenden Ende des Universums existiert nur noch eine Stadt namens Kalpa, in welcher die letzten Menschen (nur dem Sinne nach, weil durch Evolution und Genmanipulation verändert) überlebt haben. Bedroht wird die Kalpa durch das Chaos, einer Macht die durch ihre "Boten" den Typhon und die Kalkweiße Fürstin alles Leben und alle Information vernichten will. Allerdings haben die Menschen einen Plan ersonnen: Durch die Nachzüchtung ihrer gegen das Chaos resistenteren und durch Instinkte besser gewappneten Vorfahren soll die Rettung erfolgen. Denn in der mythischen Stadt Nataraya soll die Rettung in Form von Sangmer, einem großen Gelehrten und Ishanaxade, seiner halb außerirdischen/göttlichen Frau
ausharren. Hauptprotagonisten hier: Jebrassy, ein junger Kämpfer und Tiadba, eine Rebellin.

In der Gegenwart werden in getrennten Handlungssträngen die Geschicke von Jack, Daniel, Ginny und Mr. Glaucous geschildert. Glaucous ist ein Agent der Kalkweißen Fürstin und jagt die drei anderen Protagonisten. Diese haben jeweils einen Integralläufer in ihrem Besitz, dessen Wert scheinbar äußerst groß für die Gegenseite ist.

Alle Handlungsstränge sind am Anfang Indirekt verwoben. Sie gleichen sich im Laufe der Handlung aneinander an. Die Handlung steuert auf das letzte Gefecht zwischen den Mächten der Leere/des Chaos und der Menschheit hin. Dabei nähern sich die Handlungsstränge aneinander an. Da die Charaktere der Gegenwart die Möglichkeit haben, durch Gedankenkraft in den Lauf des Kosmos einzugreifen und sich Zeitlinien/Schicksalsstränge auszuwählen, ergeben sich zahlreiche Verstrickungen und Handlungsabläufe.

Als am Ende der Handlung nicht nur die Vernichtung der Zukunft sondern auch der Erde der Gegenwart droht, fallen alle Charaktere auf einer Handlungsebene zusammen. In einem mystischen Showdown offenbart sich die Identität einiger Beteiligten (Kalkweiße Fürstin=Ishanaxade, Daniel=Sangmer, Typhon=Eindringling von Außerhalb unsere Kosmos?, Ginny u. Jack=Von Ishanaxade geschaffene Kinder) und die Existenz unseres Universums wird beendet. Es findet ein Interludium statt, weil Ginny und Jack eine friedliche Zivilsation zwischen dem Ende und dem Anfang eines neuen Kosmos erschaffen. Erst wenn diese beendet ist, kann das Leben in unserem Kosmos weiter gehen.

Kritik
- Die Charaktere bleiben flach und haben keine Tiefe. Sie stellen nur Statisten in Bears Idee unseres Kosmos dar.
- Ich habe den Eindruck, hier einen Clive Barker Roman mit Science Fiction Elementen in der Hand zu haben. Die Art der Handlungsführung, die Protagonisten, das Setting - alles weißt starke Paralellen auf.
- Die Handlung bietet erst zum Ende hin etwas Spannung. Allerdings fürchtet man nicht um das Leben der Charaktere, sondern fragt sich insgeheim nur, wie es mit dem Kosmos wohl weitergehen mag. Der Rest der Handlung plätschert so vor sich hin, ohne mich als Leser in den Bann zu schlagen. Keine Höhepunkte, eher gleichförmig.
- Die geschilderte Technik soll sehr fortgeschritten sein. Manipulation von Materie/Genmanipulation/Raum/Zeit usw. Das Konzept, solche Technologie als für unsere Begriffe nicht erklärbar (wie Magie) darzustellen, geht jedoch nicht auf. Alles bleibt verschwommen und unklar.
- Die Begabungen der Personen aus der Gegenwart werden nicht erklärt. Sind sie künstlicher Natur? Sind sie als Kinder der Muse/Kosmischen Kraft Ishanaxade Halbgötter/Überwesen?
- Alle handelnden Charaktere sind im Prinzip von Anfang an im Roman vorhanden. Dadurch, das einige sogar "doppelt" besetzt sind, schrumpft der Kreis der handelnden Figuren sogar noch mehr ein. Schade, das da so wenig an Charaktertiefe vorhanden ist.

sindar
22.05.2009, 15:19
Findest du "Die Stadt am Ende der Zeit" von der Qualitaet her etwa mit "Aeon" vergleichbar? Das ist das einzige Buch von Bear, das ich bisher gelesen habe, und hat mir richtig gut gefallen. Deine Beschreibung der Endzeitstadt schreckt mich jetzt aber eher ab. Ich wuesste halt gerne, ob wir einfach sehr verschiedene Geschmaecker haben oder ob die Endzeitstadt wirklich so viel schlechter ist.

Allgemeinplatz
22.05.2009, 15:49
Aeon war auch das erste Buch von Bear, das ich gelesen habe. Es hat mich damals sehr fasziniert, doch das lag wohl eher an der beschriebenen Technik, bzw. dem wirklich sehr inspirierenden Setting.
Mein (subjektives) Urteil zu Stadt am Ende der Zeit ist, daß es sich nicht lohnt, diesen Wälzer zu lesen. Bears Stärke liegt in der Beschreibung von Technik und Physik, da er ja stark in die Richtung Hard-Science geht. Und da liegt die Crux: Er versucht eine Technik zu beschreiben, die nicht zu beschreiben ist...

Das ganze mutet am Ende dann auch eher wie eine mythische Geschichte an und nicht wie ein SF-Roman. Leider wird das ganze dann nicht von überragender Charakterdarstellung kompensiert. Was bleibt ist m.M. nach ein eher mittelmäßiger Roman.

Der Allgemeinplatz