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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Peter F. Hamilton - Träumende Leere


Allgemeinplatz
20.05.2009, 17:09
Im Jahr 3580 lebt die Menschheit in über tausend Sonnensystemen. Eine mächtige Raumflotte beschützt sie vor jeder feindlichen Spezies. Selbst der Tod ist besiegt. Doch im Herzen der Galaxie liegt eine schwarze Welt. Und auf das, was von dort kommt, hat die Menschheit keine Antwort...

Handlung:
Der Roman spielt in Hamiltons Commonwealth-Universum, jedoch um 1.500 Jahre weiter in der Zukunft. Die Technik hat sich weiter entwickelt, Kontakt zu vielen anderen Spezies wurde hergestellt und die Menschheit hat sich in drei verschiedene ”Kulturbereiche“ aufgespalten. Kolonisten (wollen Autonomie vom Rest), Advancer (Wurmlochverbindungen, Kulturell an das Commonwealth gebunden) und Higher (Zentrum des Commonwealth, z.T. nur noch als Persönlickeiten im virtuellen ANA geuploadet).
Zentrales Thema des Zyklus ist die Leere, ein künstliches Mini-Universum, welches das Zentrum unserer Galaxis bildet. Problem: Es verschlingt Sterne und Bewußtseine um zu wachsen, befindet sich im Moment allerdings im Ruhezustand. Der Prophet Inigo hat einen Traum aus dem Innern der Leere empfangen, welcher beweisen soll, das in ihrem Innern Menschen leben. Die Religion ”Living Dream“ hat sich daraus entwickelt, mit Inigo im Zentrum, der den Menschen eine Pilgerreise in das Innere der Leere versprach, wonach die Menschen sich selbst vergeistigen und körperlos/gottgleich werden würden.
Allerdings ist Inigo verschwunden und einige Politische Fraktionen nutzen dies, um eine Zweiten Traum und eine Pilgerreise in die Leere auszurufen. Die Folgen wären wahrscheinlich eine explosive Expansion der Leere und das Ende der Milchstraße.

Nach Hamiltons ”üblicher“ Vorgehensweise unterteilt er die Handlung in verschiedene Ebenen, die gegen Ende des Zyklus dann zusammen finden. Das gemeinsame Thema, die Leere, bleibt und übt auf jeden der Handlungsträger Einfluss aus, bzw. die Romanfiguren werden für das Schicksal der Menschen eine bedeutende Rolle spielen.
Edeard: Mensch im Innern der Leere. Alle Menschen dort sind Telekineten/Telepathen und können das Genmaterial bestimmter Lebensformen dort verändern und formen (Ge-Tiere). Die Menschen sind in der Vergangenheit mit einem Raumschiff in die Leere gelangt (wie?, warum? wer hat hier nachgeholfen?) und glauben an eine mächtige Wesenheit namens Waterwalker.
Arminta: Firstliferin die sich gerade geschieden hat und sich eine eigene Existenz aufbaut.
Der Delivery Mann: Agent einer der Machtfraktionen der Higher (Konservative).
Troblum: Physiker der im Auftrag einer der Machtfraktionen der Higher (Accelerator) die erforderliche Technik für den Pilgerzug in die Leere entwickelt.
Aaron: Agent einer unbekannten Partei, welcher sich bewusst das Gedächtnis hat löschen lassen. In seinem jetzigen Auftrag eröffnet sich immer neues Wissen, wenn es gebraucht wird. Mit starken Biononics ausgestattet, Kampfmaschine und skrupellos, manipulativ. Versucht über die Ex-Ratsmitgliedin Corrie-Lyn Inigo wieder zu finden.

- Das Buch ließt sich interessant, da Hamilton, wie in der Vergangenheit auch, seine Handlung in einem sehr detailiert und fundiert ausgearbeiteten Entwurf seines Universums spielen lässt. Da alle Ebenen dieses Universums beschrieben werden, von hoher politischer, krimineller und normal bürgerlicher ergibt sich so ein gut abgerundetes Bild dieses Entwurfs.
Allerdings hat dabei in manchen Fällen auch die Charaktertiefe der Personen etwas zu leiden und Motive bleiben vorerst im Dunkeln.
- Es fällt Hamiltion schwer, eine spannende und mitreißende Handlung aufzubauen. Dafür sind die Ebenen zu fragmentarisch und zerfasert. Die Handlung ist interessant und das Gesamtbild zu erfassen reizt schon, doch fällt es schwer, eine direkte Beziehung zu einem der Charaktere aufzubauen (am interessantesten m.M. Edeard und Aaron).
- Ohne Index oder Lexica ist der Leser zu Anfang von den vielen Begriffen erst einmal überfordert. Technik wird nicht fundamental erklärt, sonder erschließt sich dem Leser aus dem Zusammenhang der Handlung und einigen Informationsbrocken. Zum Teil entsteht der Eindruck, Hamilton möchte aus der Sicht der handelnden Personen schreiben und nur das an Wissen dem Leser bekannt geben, was auch seinen Protagonisten zur Verfügung haben.

Fazit: Für einen eingefleischten Hamilton Fan auf jeden Fall lesenswert. Neueinsteiger dürften mit dieser Lektüre überfodert sein, wenn sie nicht den Commonwealth-Zyklus I gelesen haben.

Der Allgemeinplatz

Rusch
20.05.2009, 22:57
No Way: Ich fand den ersten Band des Commenwealth Zyklus schon unerträglich langatmig und das war wirklich eine herbe Enttäuschung, denn der Armageddon Zyklus von Hamilton war mit das beste, was ich je an SF gelesen habe. Irgendwie scheint er all seine guten Ideen in diesem Zyklus verbraten haben. Wenn ich jemals ein weitere Buch von Hamilton lese, dann wohl die älteren Werke.

Allgemeinplatz
20.05.2009, 23:05
Stimmt, er schreibt immer nach dem gleichen Schema und auch seine Charaktere gleichen sich und bieten wenig neues. Im Prinzip könnten die Commonwealth Zyklen I + II auch im Armageddon-Universum handeln.

Bei Hamilton habe ich momentan den Eindruck, da kommt nix großes mehr. Vielleicht hat er schon all sein Pulver verschossen? Hoffentlich wird der nächste erscheinende Band von Alastair Reynolds nicht so eine Flaute *depri*

Der Allgemeinplatz

Rusch
21.05.2009, 19:53
Min Tipp, falls Du es noch nicht gemacht hast: Versuche mal John Scalzi. Und auch die Lukianenko SF Romane sind nicht zu verachten. Zwar sind die Ideen nicht sonderlich originell, aber er schreibt anders als ein anglo-amerikanischer Autor und das tut gut.
Ansonsten beschäftige ich mir gerade intensivst mit Heinlein und ich muss sagen, dass Altmeister kann auch heute noch sehr gute Unterhaltung bieten.