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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Märchen vs. Fantasy


HMP
21.05.2009, 07:34
Als Phantastik-Fan im Allgemeinen und als Fantasy-Fan im Speziellen stellen sich mir bei diesem (http://diepresse.com/home/kultur/literatur/479366/index.do?_vl_backlink=/home/kultur/index.do) Interview eines mir unbekannten Folke Tegetthoff doch irgendwie die Haare zu Berge.

Da behauptet dieser Herr doch allen Ernstes

Fantasy-Autoren und -Autorinnen verbreiten ein fix und fertiges Bild. So möchte ich nicht arbeiten. Für die Fantasie bleibt kein Platz, genau wie beim TV.

Ich kann mir nicht helfen und muss mich einfach fragen, wer da jenseits der Realität lebt *wunder*? Und werde mich an eine Kolumne dazu machen ... wenn ich Platz für meine Fantasie finde ...

Waterstorm
21.05.2009, 10:36
Mal abgesehen davon dass dieser Herr extrem überkritisch mit den neuen Medien umgeht, hat er meiner Meinung nach einfach zu wenig Ahnung. Schön, seine Kinder dürfen mehr oder weniger nicht fernsehen, aber so lernen sie auch nicht mit dem Medium umzugehen. Das Internet bietet mindestens die gleich grosse Gefahr wenn nicht sogar noch eine grössere. Über das Internet verliert er aber kein Wort.
Fantasyromane sollen ein fixfertiges Bild verbreiten? Das ist echt ein Witz. Genau in der Fantasy muss man sich doch die Bilder selbst ausdenken. Bei einem Krimi weiss man meistens wie die Leute und die Gegenstände in etwa aussehen.

Nayth
21.05.2009, 11:53
Ganz meine Meinung.
Fantasy- und Bücher im allgemeinen sind wohl eher das fantasieFÖRDERNSTE!
Und das mit TV zu vergleichen ist eigentlich schon mehr als anmaßend!
Auch das er es so schlimm darstellt, dass er das Internet gar nicht erst erwähnt, ist eine Frechheit.
Ich glaube außerdem den Namen schon mal gehört zu haben...

Aber... was meinst du im Thematitel mit Märchen??

HMP
21.05.2009, 11:58
Aber... was meinst du im Thematitel mit Märchen?? Der gute Mann ist Märchenerzähler. Und Märchen sind toll und klasse ... Fantasy eben nicht ... kurz gesagt.

Nayth
21.05.2009, 14:52
Achso, OK.
Das war iwie ne dumme Frage, sry.
Also Märchen nicht im Sinne von Totkäppchen (Sorry - ich meinte Rotkäppchen, hab mich vertippt, finde es aber lustig genug, um es nicht einfach auszubessern) sondern im Sinne von Unsinn.

HMP
21.05.2009, 15:35
... sondern im Sinne von Unsinn.

Nein, so auch nicht. Sondern im Sinne des klassischen Märchens. Und das ist in aller Regel kein Unsinn, sondern hat einen tieferen Sinn ("Und die Moral von der Geschicht' ...")

Märchen gehören für mich eigentlich zur Fantasy.

Werwolf95
21.05.2009, 15:43
-.- was kann man dazu sagen...:rolleyes:
also, das erste was ich mir gedacht habe als ich das gelesen hab:
hat der noch alle Drachen im Stall?? o.O
was hat der mensch eigendlich für eine vorstellung von Fantaysromanen?*mph*
mit dem Fernsehen hat er ja vllt. recht, aber es kommt mir fast so vor, als hätte dieser Herr noch nie ein gutes Fantasybuch gelesen *mph*
wenn man von etwas keine ahnung hat, soll man die finger davon lassen...
als ob da kein platz mehr für fantasie wäre! meiner meinung mehr als bei Totkäppchen (danke Nayth), Dornblödchen und Bänsel und Gräten(wisst schon, die mit dem Lebkuchenhaus :rolleyes: wie albern)...
wie soll man sich bei sowas noch was großes vorstellen? Ich mein, jeder hat ungefähr die gleiche vorstellung von ner Prinzessin, einem blöden Turm ohne tür, nem kleinen Mädchen mit Roter Mütze und in den Meißten Märchen steht ja auch drin wie die Hexe aussieht :rolleyes: Und vorallem sind doch fast alle diese Märchen gleich und ich könnte jezt noch stundenlang mich über die, entschuldige, blödheit dieses Oppas aufregen, aber das wäre zu lange..
(chrm... man sollte ihn mit Harry Potters und Herr der Ringes Steinigen, oder mit anderen guten Büchern... Bartimäus vllt, man kann einen dämon der die gestalt ändert ja ziemlich schlecht vom aussehen her beschreiben, da bleibt genung Fantasie.. ,naja..)

ich versteh den Mann nicht...
wenn die amerikanischen kinder.. Ich zitiere:
bereits Vorschulkinder zwischen zwei und sechs Jahren im Schnitt 90 Minuten täglich vor dem Fernseher sitzen.
muss man doch nicht gleich von einem auf alle schließen!?
Ich schau nämlich kein fernsehen, jedenfalls nur ganz selten und auch nicht lange. Und Fantasie hab ich genung... ich kann mir immerhin Dornblödchen vorstellen.:D


... und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er noch in 39Millionen Jahren -.- .. Blödheit stirbt zuletzt :rolleyes:
*teufel* entschuldigung, aber ich bin heut wieder fies

Verräter
21.05.2009, 16:34
So wie das für mich angehört hat, meint der Autor nicht die Geschichten an sich und die Fantasie die dahinter steckt, sondern den Schreibstil moderner Romane.
Er selbst scheint ein verfechter minimaler Beschreibung zu sein (wie er an dem Beispiel "Ein Mann mit einem Hut" erläutert). Die meisten Romane (oder eigentlich alle) funktionieren dem völlig entgegengesetzt. Alles wird bis in letzte Detail ausgekocht, durchgekaut und bei Bedarf noch wiederholt.

Dieser Stil gefällt ihm offensichtlich nicht.
Das habe ich daraus gelesen und überhaupt kein Problem damit.

Werwolf95
21.05.2009, 17:07
machte jezt auf mich zwar nicht so den eindruck, wie dus meinst aber gut, wenns so ist... soll er sich halt raushalten -.-
ist doch eigendlich bescheuert sich über den Stil von anderen Autoren aufzuregen, sieht doch eigendlich jeder anders
und vorallem, fällt mir jezt nichtsmehr ein...

aber was will der denn dagegen machen?
viele Romane sind eben an Jugendliche gerichtet und die meißten finden es total albern sich Rotkäppchen anzuhören :rolleyes:
und dann bringts des nicht so zu schreiben wies keiner lesen will.

Hathor
21.05.2009, 18:04
Ich würde dir raten, Werwolf, mal ein bisschen über deine Wortwahl nachzudenken... Manches ist schon sehr tief, was du da von dir gibst.

Folke Tegetthoff ist ein wunderbarer Märchenerzähler und hat schöne Märchen geschrieben, voller Fantasie und Zauber. Ich selber mag zwar H. C. Andersen lieber, aber ich habe mal seine Märchensammlung Der schöne Drache gelesen. Und der Mann kann wirklich was.

Ob uns seine Aussagen gefallen oder nicht... man muss ihn deshalb nicht unqualifiziert heruntermachen und beschimpfen.

Er hat sicher seltsame Ansichten das Fernsehen betreffend, aber die haben viele :rolleyes:

Ich mag seine Pauschalaburteilung der Fantasy auch nicht. Aber er hat wahrscheinlich ebensowenig Fantasy gelesen wie die User hier seine Geschichten ;)

Und ein bisschen verstehe ich schon, was er meint: viele Fantasyreihen lutschen ein Thema wirklich bis zum Erbrechen aus und ersticken damit jede Phantasie der Leser.
Verräter hat das offensichtlich auch so empfunden und schon schön erklärt.

HMP
21.05.2009, 18:20
Ich mag seine Pauschalaburteilung der Fantasy auch nicht. Aber er hat wahrscheinlich ebensowenig Fantasy gelesen wie die User hier seine Geschichten ;) Ich muss keine seiner Märchen gelesen haben, um das Interview zu beurteilen. Ich halte Märchen sogar für etwas Wunderbares und ein - für mich! - wichtiges Teilgebiet der Fantasy. Und gerade wenn er keine Fantasy gelesen hat, sollte er mit solchen Urteilen dann doch etwas umsichtiger sein.

Und ein bisschen verstehe ich schon, was er meint: viele Fantasyreihen lutschen ein Thema wirklich bis zum Erbrechen aus und ersticken damit jede Phantasie der Leser.


Das sagt er so aber nicht. Er meint ziemlich allumfassend
Fantasy-Autoren und -Autorinnen verbreiten ein fix und fertiges Bild.
Nicht "einzelne" oder "manche" oder "viele" oder "ein Großteil". Ohne eine Einschränkung ist damit "jeder" gemeint.

Hathor
21.05.2009, 18:29
Nicht "einzelne" oder "manche" oder "viele" oder "ein Großteil". Ohne eine Einschränkung ist damit "jeder" gemeint.

Nun ja, darüber könnten wir jetzt eine semantische Diskussion führen ;)
Ich lege es eher im Sinne von "einige" aus...

Ich nehme die Aussagen von Tegetthoff nicht so tragisch und fühle mich als Fantasyfan in keiner Weise beleidigt. Meine Güte, es gibt Leute, die HP für die satanischen Verse halten, was solls? :D

Aber natürlich soll und darf gerne über Tegetthoffs Meinung diskutiert werden.

Was ich nicht mehr lesen möchte, sind boshafte Bezeichnungen wie "blöder Opa" oder "bescheuert".

HMP
21.05.2009, 18:34
Nun ja, darüber könnten wir jetzt eine semantische Diskussion führen ;)
Ich lege es eher im Sinne von "einige" aus... Könnten wir, wollen wir aber nicht, oder :D?

Ich nehme die Aussagen von Tegetthoff nicht so tragisch und fühle mich als Fantasyfan in keiner Weise beleidigt. Meine Güte, es gibt Leute, die HP für die satanischen Verse halten, was solls? :D
Als Schreiber derselben - gestehe es mir zu - fühle ich mich schon irgendwie angesprochen.

Was ich nicht mehr lesen möchte, sind boshafte Bezeichnungen wie "blöder Opa" oder "bescheuert".
Da stimme ich Dir voll und ganz zu.

Allgemeinplatz
21.05.2009, 20:31
Ich habe mir das Interview auch mal zu Gemüte geführt und finde es so schlimm nicht. Es ist immer ganz gut zu sehen, wie Menschen eine Sache wahrnehmen, die nicht mittendrin stehen.
Das hier Fantasyleser deswegen empört sind ist ganz klar, doch als ein solcher Leser ist Frau/Mann auch zu sehr mit der Materie verbunden. Da werden Äußerungen wie Zitat: "Fantasy-Autoren und -Autorinnen verbreiten ein fix und fertiges Bild" glaube ich ein wenig zu ernst genommen. Ich glaube auch nicht, das Tegetthoff in punkto Märchen auf Grimm´s Märchen hin argumentiert, denn die stehen ja der Fantasy recht nahe.

Ihm schwebt da wohl vor, das dem Leser bei seiner Lektüre noch eigene Ideen sprießen. So müssten seine Geschichten auch relativ wertneutral sein, um jedem Leser einen Einstieg und die Entwicklung eigener, fantastischer Ideen zu ermöglichen.
Wie dem auch sei, so tragisch finde ich es nicht. Da sind so platte Äußerungen wie Zitat: "Die Gewaltbereitschaft Jugendlicher ist für mich zu 100 Prozent auf Fernsehen und Computer zurück zu führen" viel undifferenzierter. Genau wie beim Lesen einer Geschichte und den Fantasien, die man aus jeder Art von Geschichte entwickeln kann, vernachlässigt er hier das soziale Umfeld, das einen erheblichen Einfluss ausübt! Für mich ist er nur ein weiterer der Puristen, die glauben, das man heute noch ganz ohne moderne Medien auskommen könnte.

Der Allgemeinplatz

Allanon
22.05.2009, 08:12
Ich möchte mich Allemeinplatz anschließen, wenn man verusucht das ganze mit etwas Abstand zu betrachten, die mit Sicherheit absichtlich allein zur Provokation eingestreute Polemik ausblendet, kann man dem Artikel sogar etwas positives abgewinnen. Ich kann seine Abneignug in Bezug auf Fernsehen, das Familien sich immer weniger Zeit füreinander aber umso mehr vor der Kiste nehmen schon sehr gut nachvollziehen. Er ist Märchenerzähler, er erzählt mit bunt ausgeschmlückten fantasievollen aneinandergereiten Worten versehene Geschichten. Nun wenn ich mir die guten alten Gebrüder Grimm ansehe, ist das gar nicht so weit von unserer Fantasy weg. Sein Genre is vl. eher die Urfassung dessen was uns heute so begeistert. Er gibt ja selbst den Neid auf die erfolgreichen Autoren zu. Daher würde ich sagen das seine überspitzten Bemerkungen in diese Richtung gar nicht so ernst zu nehmen sind. Und was das Fernsehen angeht, da frage ich mich schon lange wo die USK bei Nachrichten und Werbung bleibt. Was da so alles mit in Kindsendezeiten eingestreut wird, naja ich denke da braucht man sich über seine Kommentare auch nicht zu wundern.
Alles in allem finde ich seine Aussagen gar nicht so schlimm. Sie sind kritisch überspitzt, vl. sogar ein klein wenig Flucht nach vorn, um seinem Medium Märchen gehör zu verschaffen. Aber einen direkten böswilligen Angriff (um das auch zu überspitzen) in Richtung Fantasy? Nein damit tue ich mich schwer. Ich denke das war auch nicht seine Absicht.


liebe Grüße

Allanon

starkhand
22.05.2009, 11:29
Das mit dem fix und fertigen Bild kann ich gut verstehen. Natürlich wollen die Leser noch jedes unwichtige detail wissen und die Autoren sind oft begierig, ihre erfundene Welt bis in die letzte Ecke vorzustellen, weil sie sich so viel Mühe damit gegeben haben.

Kritisch muß man das nur sehen, wenn hier wirklich gesagt worden wäre, daß Fantasy dasselbe leisten soll wie Märchen. Das kann ich da aber gar nicht herauslesen. Fantasy ist pure Unterhaltung. Märchen können das auch sein, aber sie sind auch lebendige Tradition und waren teilweise sogar sowas wie Rechtspflege.

Daß Phantastik oftmals ganze Anhängerscharen produziert, die auf die rechte Wahrnehmung der Inhalte achten, zeigt ja schon, daß die eigene Phantasie stets Gefahr läuft, mit dem Kanon zu kollidieren. Abweichlertum, und sei es noch so lustvoll, wird nicht gerne gesehen.

Stardust
24.05.2009, 16:29
Ich mochte Märchen nie, auch nicht als Kind. Im Gegenteil: Ich hasste sie regelrecht.
Das war mir schon damals alles zu klischeebeladen und eintönig.
Der starke Held rettet die Prinzessin. Wie langweilig!
Mir ist klar, dass man für Kinder ein eindeutiges Bild von Gut und Böse mit Märchen erschaffen wollte, aber auch das mochte ich noch nie.
Besser kann ich es nicht erklären und weiß nur, dass ich als Kind einmal aus dem Zimmer geflüchtet bin, als mir jemand ein Märchen andrehen wollte. ^^"

Also, klare Entscheidung: eindeutig Fantasy!

Allgemeinplatz
24.05.2009, 18:44
Das war mir schon damals alles zu klischeebeladen und eintönig.
Der starke Held rettet die Prinzessin. Wie langweilig!

Welch Glück, das Klischees wie das obige im Fantasy-Bereich nicht vorkommen! :D

Der Allgemeinplatz

Stardust
24.05.2009, 20:43
Hm, natürlich gibt es das auch in Fantasy.
Aber dort wird auch nicht so bemerkbar die Moralkeule geschwungen.
Noch ein Aspekt, der für mich einfach nervtötend bei Märchen ist.

Allgemeinplatz
24.05.2009, 23:17
Dann lies mal Hans Christian Andersen, der hat einen ganz anderen Märchenstil geprägt, der von der Grimm´schen Märchenwelt erheblich abweicht. Das sind traurig oder wehmütige Stücke, die am Ende nicht so mit dem Moralknüppel daherkommen.

Aber Märchen haben auf jeden Fall eine stärkere, Symbolhafte Sprache, in welche der Leser natürlich auch vieles hinnein Interpretieren kann. Da werden Allegorien oder Sinnbilder heraufbeschworen, die auf jeden Fall eine Aussagekraft haben. Ganz anders als in der Fantasy.
In den wenigsten Fantasy-Geschichten steckt so etwas wie oben beschrieben oder ein Bezug zum realen Leben. Ich sage immer, der durchschnittliche Fantasy-Leser ist konservativ.
Er möchte sich gerne innerhalb seiner Klischees bewegen, die auch nicht zu stark variiert oder gar verändert werden dürfen. Die Unterhaltung läuft hier anhand starker Leitbilder ab, die immer wieder kopiert werden. Das macht natürlich auch einen Teil des Reizes aus, denn der Leser weiß, auf was er sich einlässt.
Vom Tolkien-Schema abzurücken, fällt etlichen Lesern schwer. Ein Fantasyroman ohne Drachen, Elfen und Orks? Gar nur mit Menschen und ganz wenig fantastischem Getier? Hm, naja...;)

Der Allgemeinplatz

Ostara
02.12.2009, 19:10
Für mich persönlich gibt es nicht viel Unterschiede zwischen den Begriffen Märchen und Fantasy.

Märchen sind oft ebenso grausam wie es Fantasy-Geschichten sein können, nur dass Märchen halt viel kürzer gehalten sind. Ein ganzes dickes Buch mit einem einzigen Märchen hab ich noch nicht gesehen, bzw. wird es dann wohl als Fantasy-Buch bezeichnet werden. ;)

Anschließen möchte ich mich der Aussage mit der Moral. Ein Märchen soll ja immer irgendwie ein verbal erhobener Zeigefinger sein, z. B. dass sich ein Kind in Acht nehmen soll vor bösen Menschen oder dass es irgendwie immer einen Ausweg gibt, wenn man dran arbeitet und dran glaubt. Aber es wirft auch die Frage auf, inwiefern so ein Märchen eigentlich kindgerecht bzw. "jugendfrei" ist. Eigentlich nicht wirklich, wenn man bedenkt, wie oft da gemordet wird... ;)

Die Sache von wegen "man kann keine eigene Phantasie entfalten" find ich albern. Gerade Fantasy-Bücher regen meine Phantasie sehr an, und zwar um einiges mehr als die vielen altbacken wirkenden Märchen. Wobei ich gestehen muss, dass ich gewisse Märchenfilme gar nicht oft genug sehen kann, wie z. B. "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" (ist ja grad wieder die Zeit dafür *g*) oder "Gevatter Tod".

Allerdings würde ich nie auf die Idee kommen, zu 'ner Märchen-Con zu gehen, ganz ehrlich. :p (Also vorausgesetzt, dass es dabei um die klassischen Märchen geht.)

Bardin
03.12.2009, 20:55
@ Allgemeinplatz.

Also so verallgemeinernd kann man das nicht sagen. Wenn ein Autor nichts Besseres zu tun hat, als schon vorhandene Bücher nur auf andere Weise abzukopieren, dann lege ich das Buch sehr schnell wieder weg.
Und in nahezu jedem Genre gibt es einfach bestimmte Hanldungsschemata, die das Genre auszeichnen: Was wäre ein Krimi ohne eine Verbrechen (bzw ein geglaubtes Verbrechen)? Ohne dieses wäre er doch gar kein Krimi.
Und in einem Liebesroman würdest du sicherlich Liebe erwarten, das ist doch auch immer das gleiche Schema...
halt immer ein bisschen variiert.

Fantasy zeichnet sich durch Magie und fantastische Wesen aus. Wenn nicht wenigstens eines von beidem existiert, ist es kein Fantasy mehr.

Aber du kannst sicher sein, das Fantasy-Leser keinesfalls immer Bücher nach exakt dem selben Muster lesen.

Zumindest nicht mehr als andere Leute.

Aber nun zurück zum Thema:
Ich sehe den Unterschied zwischen Märchen vor allem in der Länge (bzw Kürze).
Da stimme ich Ostara voll und ganz zu. Ein dickes Märchenbuch...? Sicherlich eine Sammlung!

Und seit einer Lektüre von Terry Pratchetts "Die Gelehrten der Scheibenwelt" (keine Ahnung mehr, welcher Band es war) sehe ich Märchen mit seeehhhr anderen Augen. Die Gebrüder Grimm haben gut daran getan, die kindgerechteren Versionen rauszusuchen ^^ (meine Güte...)

Des weiteren würde ich sagen, dass Märchen eine eher einfache, leicht verständliche Handlung haben, während Fantasy wesentlich komplexer ausgebaut ist. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Charaktere in Märchen sehr einfach aufgebaut sind. In der Fantasy sind sie das manchmal zwar auch, aber gute Fantasy zeichnet sich durch eine besondere Tiefe der Charaktere aus.

Aber sicherlich hängen Fantasy und Märchen sehr eng zusammen.

Allanon
03.12.2009, 21:09
Allerdings würde ich nie auf die Idee kommen, zu 'ner Märchen-Con zu gehen, ganz ehrlich. :p (Also vorausgesetzt, dass es dabei um die klassischen Märchen geht.)

Huhu du,

wenn die Darsteller die Themen nicht verfehlen und die Märchen auch in ihrer Urform kennen, denke ich stehen anderen in nichts nach. Lies einmal alte Märchen, schau mal wie die Protagonisten beschrieben sind und wie brutal es teilweise zugeht. Nicht ohne für meinen Geschmack. Zumal die Märchen in ihrer ursprünglichen Form auch nicht für Kinder gedacht waren sondern für Erwachsene.

liebe Grüße

Allanon

Ostara
03.12.2009, 22:52
Hallo Allanon!

Ist ja ganz meine Meinung, dass Märchen nicht ohne sind. Daher kommt ja für mich auch eine Fantasy-Geschichte ohne Brutalität welcher Art auch immer nicht wirklich in Frage. ;) (Wär ja noch schöner: Erwachsene Protagonisten in Fantasy-Geschichten sitzen strickend auf der Veranda, während Kinderfiguren in Märchen sonstwas durchmachen müssen - neeee, das geht gaaar nicht)

Ja, ich kenne alte Märchen. Ich bin ein Märchenfreak und hab diverse Bücher. *ja*

Trotzdem würd ich nicht auf 'ne Märchen-Con gehen. *nein*

Boldur
04.12.2009, 21:12
Brutalität kommt in beiden Genres gleichermaßen vor.
In Märchen hat sie die Aufgabe, das Böse oder die dunkle Seite eindeutig als solche heraus zu stellen. In jedem Märchen steckt halt eine moralische Botschaft, die Kindern helfen sollen zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Das Gute ist gut - das Böse ist böse. Die Hexe oder die Stiefmutter sind grausam, verschlagen und hinterlistig, und schrecken nicht vor Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele zurück.
Die Gegenseite, also der Prinz oder das arme Baunernmädchen hingegen ( beide oftmals blond :D ), sind ehrlich, aufrichtig und human in ihrem Handeln.
Sie helfen den Armen und notleidenden, und jagen den bösen Berater des Königs zum Schluß zum Teufel. *ja*
In ( guter ) Fantasy verwischen die Grenzen zwischen Gut & Böse, beiden können unmoralisch und inhuman sein.
Womit zumindest die gute Seite in seinem Handeln aber aus moralischer Sicht sehr fragwürdig agiert. Das Töten wird zugunsten des eigenen Sieges legitimiert, und nicht in Frage gestellt. Nun tötet zwar auch im Märchen, ab und zu der blondgelockte Prinz einen bösen feuerspeienden Drachen, aber in einem anderen Kontext. Die Botschaft die dahinter steckt, ist das Ziel.
Meiner Meinung nach, gehört Brutalität zu beiden Genres.
Bei einem Fantasyroman wird es mir aber dann zu Bunt, wenn Gewalt & Brutalität zu sehr ausufern, und nur noch als Mittel zum Zweck dienen. Die Story wird dadurch nicht besser.

Gruß Thorsten.

Seraphina
09.12.2009, 00:33
Ich sehe den Unterschied zwischen Märchen vor allem in der Länge (bzw Kürze).
Da stimme ich Ostara voll und ganz zu. Ein dickes Märchenbuch...? Sicherlich eine Sammlung!


Ich kenne da schon einige ( moderne ) Märchen-Adaptionen, die auf Romanlänge ausgeweitet werden.
Zum Beispiel Juliet Marillier's "Tochter der Wälder" ( aka "Die wilden Schwäne" ) oder Sarah Beth Durst's "Ice" ( aka "Der Eisbärkönig" ).
Es gibt auch märchenhafte Geschichten, die neu erfunden worden sind ( dh. nicht auf alten Märchen basieren, aber trotzdem wie welche konzipiert sind ).
Zum Beispiel "Das letzte Einhorn" oder "Der Sternwanderer".


Ich habe ein altes Märchenbuch von meiner Oma. Und die Märchen darin sind z.T. echt brutal und gruselig ... zumindest im Vergleich zu den weichgespülten Kinder-Editionen von Heute.
Da kommen schon mal heiratsunwillige Prinzessinnen vor, die ihre Brautwerber in Reihen auf Pfähle aufspiessen lassen und schön ausstellen, wenn diese nicht in der Lage sind die ihnen gestellten Aufgaben zu lösen. Oder Hochstaplerinnen, die sprechende Pferde köpfen lassen ( damit sie nicht reden, was sie trotzdem tun ... auch ohne Körper ) und schliesslich als Strafe in nagelbenieteten Fässern zu Tode geschleift werden.
Auch die bekannteren Märchen in ursprünglichen Versionen ( ich sag nur "Ruckediguh ... Blut ist im Schuh!" )
Sollte wohl ursprünglich zur Abschreckung dienen. Tu dies oder das und du wirst fürchterlich dafür büssen, etc.
Allerdings sind die Moral-Aussagen z.T. nicht mehr so zeitgemäss und die Strafen einfach bloss inhuman sadistisch.
Also ich würde echt keinem Kind diese ursprünglichen Märchen erzählen. Da würden die bestimmt Albträume davon kriegen. ><

Alcarinque
09.12.2009, 13:23
Hm, also nach dem lesen des Interviews und den Reaktionen hier, muss ich sagen das ich ihm eigentlich größtenteils zustimme.

Mit Fantasy meint er ja nicht das ganze Genre, sondern nur die gerade extrem populären Werke, und diese zeichnen sich durch eine recht extreme Fantasielosigkeit aus. Standardvölker, Standardstory, Standardmonster, nicht das das immer etwas schlechtes sein muss, ich habe z.B. Eragon bisher ganz gerne gelesen, aber das das keine Offenbarung an Kreativität ist, lässt sich nicht leugnen.

Gute Fantasy ist von Märchen gar nicht so weit weg, ein Herr der Ringe lebt teils auch durch die Geheimnisse, durch nicht erklärbare Magie (Beim ersten Fantasyroman in dem Magie erklärt wurde, fand ich das eigentlich sehr interessant, nun kommt das aber irgendwie immer vor und so langsam nervt es mich meist nur noch) und eine unglaubliche reicht Geschichte, welche aber nur bruchstückhaft erklärt wird.

Das lässt Interpretationsspielraum, man kann die Fantasie wandern lassen. Vor den Herr der Ringe Filmen, gab es vor 2001 so viele verschiedene Mittelerde, wie es Leser gab, diese sind nun alle durch den Film zerstört, es gibt nur noch ein Mittelerde, das von Jackson. Die Filme gehören zwar zu meinen Lieblingsfilmen, aber gleichzeitig ist mein ganz eigenes Mittelerde verschwunden. Das nur so am Rande, da er auch die Tv und Filmindustrie genannt hat, diese ist nun einmal Fantasietötend...

Das alte Märchen teils noch brutaler waren, lässt sich natürlich nicht leugnen, allerdings findet sich diese "Moral der Geschicht" auch nicht überall (ist das erst durch Grimm da reingekommen?), ganz im Gegenteil, ich bin schon mehrfach recht irritiert gewesen vom Ende.

Koboldkind
15.12.2009, 10:17
Hm ... wo Seraphina das hier gesagt hat:
Allerdings sind die Moral-Aussagen z.T. nicht mehr so zeitgemäss und die Strafen einfach bloss inhuman sadistisch.
Also ich würde echt keinem Kind diese ursprünglichen Märchen erzählen. Da würden die bestimmt Albträume davon kriegen. ><
fällt mir nur Heinrich Hofmann ein. Struwwelpeter.
Als einziges "modernes" "märchenbuch" habe ich nur das von der Rowling, aber ich ziehe das auch mal hinzu.

Märchen sind irgendwie doch auch eine Karikatur, eine Überspitzung, vor allen, was die Stereo-/Archetypen angeht. Ein König, der auf unsichtbare Kleider reinfällt - ja, die Menschen glaubten früher einiges, aber der Kerl ist für mich nur ein Beweis von Idiotie oder Inzest.
Die ALTEN alten Märchen waren ja nicht nur für Kinder gedacht, es waren irgendwie auch Tatsachenberichte(darunter verstand man damals ja was anderes. Schneewitchen ist z.B. auf einer echten Geschichte aufgebaut). Man hatte damals nicht so sehr ein Problem mit Schlagen, es gehörte zum Alltag. Und es hat aus Kindern trotzdem noch Menschen gemacht. Selbst so ein Buch wie der Struwwelpeter, welcher mit einer Todesrate an Kindern par exelence glänzt, welches Kind kennt die Geschichten nicht? Und, sind wir nicht trotzdem zu recht gesunden Charakteren aufgewachsen? Wissen wir mittlerweile denn nicht, dass man den Schwanz einer Maus nicht einfach abreißen kann(ich bin noch in der Sendung mit der Maus-Zeit aufgewachsen, wo die das durfte ^^)

Also, vom Pädagogischen Aspekt der Märchen bin ich völlig abgekommen. Andere "Kinderbücher" wie Narnia sind nicht weniger Brutal. Bitte, da werden gerade mal 12jährige in den Krieg geschickt. :rolleyes: Toll, die Gegner sind Fabelwesen, dann ist es nur halb so schlimm.*mph*


Aber ich glaube, die Frage hier war eine andere. Also, Märchen und Fantasy ...
Märchen zeichnen sich im Volksmund zwar durch kürze aus, jedoch gibt es genügend Fantasy-Kurzgeschichten, weshalb Kürze also kein Kriterium ist. Seht euch mal den KiKa-Märchenfilm an, wenn die ganzen Begebenheiten nur noch etwas ausgeschmückt und mit Dialogen und ein-zwei Charakteren mehr versehen werden, dann haben die doch schon schönes Fantasy-Format. Und es gibt auch genug Fantasy-Geschichten, wenn man sie in Märchenform wieder gibt, sind sie auch nicht länger als ein Froschkönig(und der war schon lang, also, in der Heinrich-Version). Okay, das bezieht sich auf simple Fantasy-Geschichten, aber diese Technik wird doch auch bei Buch-Verfilmungen genutzt. Bei HP4 wird die ganze Elfen-Thematik gestrichen, und schon hat man eine gestraffte Story.

Also, sehr unterschiedlich sind Fantasy und Märchen nicht. Das sind eher Oma Märchen und deren Kinder, von der Ältesten (Epic Fantasy wie HeRing) zur Albernsten(Scheibenwelt und so). Sie alle sind ähnlich brutal, alle haben eine Moral oder Lehre, mehr oder minder offensichtlich(und wenn wir noch interpretieren, gibt es mehr als eine Moral. Juchu, lasst uns interpretieren, eine zwei Seiten Geschichte auf ein Essay ausweiten*grins*) und die Länge ist relativ. Und vergesst das Happy End, das ist eine Erfindung von Hollywood ^^

Nunii
20.12.2009, 00:54
Also ganz ehrlich:
Der Mann hat doch garkeine Arnung! Hätte er sich jemals mal an ein gutes Fantasybuch (z.B. von Trudi Canvan - Die Gilde der Schwarzen Magier) gesetzt, dann hätte er sicher eine ganz andere Meinung! Das sind doch alles diese Menschen die Vorurteile - von Dingen die sie noch nicht gut kennen - haben. Ich persöhnlich habe sowohl Märchen als auch Fantasybücher gelesen, und bin total für die Fantasybücher, denn sie sie drücken aus, das nicht immer alles Friede freude Eierkuchen ( wie bei den meisten Märchen ) ist, sondern es auch weitaus andere Arten gibt, gute, erfolgreiche und verständliche Geschichten zu schreiben.

Fazit: Ich bin total gegen die Kritik des Mannes, und stehe zu 100 % zu Fantasybüchern. *ja*