Nightfarer
23.05.2009, 22:24
Da hier Leute von meiner Kurzgeschichte "Der Engel" (wer lesen will: http://www.fantasy-forum.net/showthread.php?t=2150) begeistert waren, wage
ich es ein zweites Mal, eine von mir reinzustellen. Ich hoffe sie gefällt euch und knallharte Kritik ist erwünscht.
Und Rechtschreibfehler dürfen gerne wieder aufgezeigt werden *Lis-indo und Silaëna angrinse*
Liebe? Liebe! Liebe.
Liebe? Liebe! Liebe.
Liebe. Ein Wort mit vielen Bedeutungen voller Schönheit und Glückseligkeit, Freude und Romantik. Es spiegelt die Leidenschaft und die Inbrunst des Feuers wider, welche zwei Liebende haben. Eine Verbindung die perfekt scheint. Aber für mich ist es ein Wort voll Trauer und Leid, Unglück und Grausamkeit. Denn die Liebe, die ich erleben musste, war nicht wie ein wahr gewordener Traum, sondern ein Alptraum. Doch keiner, aus dem man sich an der schlimmsten Stelle aus dem Schlaf wach schreien kann, sondern einer bei dem man nur hoffen kann, dass er endlich vergeht. Doch wie jeder Alptraum hatte auch dieser einen Anfang und er begann mit einer Feststellung.
Die Schüler standen wartend vor dem Klassenzimmer, in der Hoffnung, dass sich mal ein Lehrer erbarmt die Tür zu öffnen. Doch bisher tat es keiner. Deswegen unterhielten sich alle, mich eingeschlossen. Dort streifte mich sein Blick, während ich mich mit meinen Freunden unterhielt, kurz, so kurz, dass er nicht als solcher hätte gelten können. Aber ich wertete ihn als einen. Als ich bemerkte, dass ich ihn anstarrte, drehte ich schnell mein Gesicht weg und ich spürte eine Wärme auf meinen Wangen. Ein seltsames Gefühl beschlich mich und ich konnte es nicht deuten. Es war neu, schön, seltsam und ich dachte nach, was das sein könnte, doch ich wusste es nicht.
Dann urplötzlich, konnte ich einen Schlüssel hören und die Tür wurde aufgeschlossen. Wir liefen alle Richtung Klassentür und ich stand auf einmal neben ihm. Sein weicher, zarter, süßlicher Duft kroch mir in die Nasenflügel und ich schien irgendwie zu schweben. Ich warf einen kurzen Blick in sein Gesicht und erblickte seine Augen, die mit einer so wunderschönen Farbe waren und mich ansahen. Voller Kraft schienen sie und zeugten von einem massiven Selbstbewusstsein. Dann, ohne Vorwarnung, brach der Geruch ab. Er setzte sich an die andere Seite des Raumes und ich ging verwirrt zu meinem Platz, trunken von seinem Geruch.
Nach der Begrüßung musste ich immer noch an diese Szenerie denken und ich sah ihn an. Ich sah seinen Rücken, der gerade und stabil aussah, seine breiten Schultern, die zum Anfassen einluden, seine Brust, die sich von seinem Shirt abhob und Geborgenheit zu versprechen schien und seine Haare, die einfach wunderschön anzusehen waren. Alles schien perfekt geformt und stimmig und ich wollte träumen, doch da rastete mein Gehirn aus: „STOP! AUFHÖREN!“, schrie es und ich wusste auch warum. Ich fiel in eine Starre und stellte mir die erschreckende Frage: Hab ich mich verliebt?
Mein Kopf schien brennen zu wollen und suchte verzweifelt nach dem Nein, doch es war nicht aufzufinden. Es entdeckte nur eine Leere, dunkle Leere. Eine Lücke im Gehirn, die noch nicht ausgefüllt ist. Ich erschrak innerlich und mein Körper blieb in seiner Starre. Doch unterbewusst schien ich den Text von der Tafel abzuschreiben, so als hätte ich auf Autopilot geschaltet, während mein Bewusstsein weiterhin sehnsüchtig nach dem Nein oder vielleicht sogar einem Ja suchte. Aber das Ja wollte ich nicht mal andenken. Ich verdrängte seine Person so schnell es ging und auch die Frage über die Liebe. Ich unterdrückte sie und schlüpfte zurück in die Realität und benutzte wieder bewusst meinen Körper und stellte mit Erschrecken fest, dass ich in Mathematik saß.
Der Tag verging langsam und schleppend, doch ich konnte meinen Kopf frei halten von dieser Person und dieser Frage über das Verliebtsein. Zumindest gelang es mir, bis die Nacht hereinbrach und ich mich schlafen legte. Ein Traum suchte mich heim, mit mir und ihm in der Hauptrolle. Es war irrsinnig, denn wir kämpften gegeneinander, doch bevor ich den Ausgang und damit den Gewinner sehen konnte, klingelte mich mein Wecker wach. Verwirrt und mit ihm gebrandmarkt stellte ich ihn aus und stand auf.
Als ich im Klassenzimmer ankam, sah ich ihn schon sitzen, lachend, unterhaltend und natürlich Dummheiten machen, die ich einfach nur bescheuert fand. Mir kam wieder die Frage in den Kopf: Hast du dich in ihn verliebt?
Doch so schnell die Frage kam, so schnell riss ich sie aus meinen Kopf und trat auf ihr herum, damit sie wenigstens Ruhe gab, doch die zweite konnte ich nicht still stellen, nicht ansatzweise: „Was will der Traum dir sagen?“
Desinteressiert saß ich deswegen im Unterricht und dachte darüber nach, denn verdrängen ging nicht. Sie wollte beantwortet werden, doch es gab keinen Sinn, wie sollten bitteschön Kampf und Liebe zusammenpassen, und wenn bedeutet Kampf doch eher Hass, oder nicht?
Als die Schule endlich über die Bühne gebracht war, verabschiedete ich mich schnell von allen und lief nach Hause. Ich wusste, daheim ist ein Traumdeutungsbuch, das mir wenigstens eine Antwort geben könnte, auch wenn sie nicht vernünftig sein würde.
Ich rannte mehr nach Hause als ich lief und riss die Tür unseres Hauses auf und meine Mutter sah mich verwirrt an und fragte: „Schon da?“
Ich nickte nur und stürmte ihn mein Zimmer. Meinen Rucksack legte ich nicht mal ab, ich wollte die Antwort jetzt endlich wissen und was mir das Traumdeutungsbuch sagte, war ernüchternd. Ich suchte alles von meinem Traum ab, jedes Detail, doch es gab exakt ein Bild, das es bei diesen Buch noch nie gegeben hatte.
Das Ergebnis war niederschmetternd. „Du liebst ihn!“, wollte das Buch geradezu in meinen Kopf stempeln, mit einer Brutalität, die nicht mehr menschlich war. Noch nie habe ich bei diesem Buch ein so eindeutiges Ergebnis erlebt, sondern fast schon verschiedene Aussagen, die sich teilweise sogar entkräfteten, doch heute war es anders. Innerlich schrie ich dagegen: „NEIN.“ Immer wieder sagte ich dieses Wort vor mich hin, wie ein Gebet bis tief in die Nacht hinein, die mich wenigstens diesmal in Ruhe ließ und mir keinen Traum brachte.
Am nächsten Tag saß ich im Biologieunterricht, als er an mir vorbeilief, zu seiner Ausfrage. Mit Gewalt sog ich seinen Duft auf und ließ mich von ihm in schöne Welten bringen, voller Harmonie und Glückseligkeit. Wieder war dieses seltsame Gefühl da und es breitete sich in meinem Bauch aus, nur heftiger. Als er dann an der Tafel war, konnte ich sehen, wie er in die Klasse blickte, mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Ich sah in seine Augen und verlor mich in der Iris. Jede einzelne Falte, die durch sein Lächeln entstanden, schien für mich symmetrisch, stimmig, von Gott gewollt. Bewundernd sah ich sein Gesicht an, welches mehr von einem Engel sein musste als von einem gewöhnlichen Menschen. Genau da fing mein Gehirn wieder an auszurasten, doch diesmal schrie es nicht „STOP!“, sondern „LIEBE!“
Ich wandte meinen Blick ab und brüllte innerlich mein Gehirn, irritiert, an: „Was?“ Doch es kam keine Antwort.
Liebe?, fragte ich mich wieder, wie letztes Mal, doch diesmal war es anders. Diese Frage versetzte meinem Kopf einen gewaltigen Stoss, der wehtat. Mein Gehirn fing darauf an zu antworten, ruhig und gelassen: „Ja, Liebe.“
Verdammt. Nein. Nein. NEIN. Vergiss es! Nicht in den da!, schimpfte ich und nickte mit meinem Kopf Richtung Tafel.
„Doch genau in ihn!“, entgegnete mein Kopf beleidigt.
Er ist ein Idiot. Ein totaler Vollidiot! Mit dem will ich nicht mal ansatzweise etwas zu tun haben und ich will mich schon gar nicht in ihn verlieben!
„Tja, es ist passiert.“
NEIN. ES IST NICHT PASSIERT.
„Finde dich damit ab! Du liebst ihn!“
ICH WILL MICH NICHT DAMIT ABFINDEN!
„Du wirst die Wahrheit schon sehen.“, sagte mein Kopf und schien zu lachen.
SAG DAS NICHT! ES IST NICHT WAHR! ES IST EINE RIESENGROSSE LÜGE!
Mein Gehirn erwiderte nichts. Es blieb stumm, doch ich nahm immer noch ein Kichern war.
Den restlichen Tag verbrachte ich damit, meinen Mitschüler wüste Beschimpfungen hinterherzuwerfen, wenn sie mir blöd kamen. Ich schrie auch mein Gehirn an, dass es endlich aufhören soll zu lachen, doch es wurde nur immer lauter und spöttischer. Irgendwann gab ich dann aber auf und ich sagte mir immer wieder: „Es stimmt nicht!“
Doch ein leichter Zweifel war schon vorhanden, doch ich versuchte ihn irgendwie zu unterdrücken. Doch er ließ es nicht zu. Denn genau dieser Zweifel hat schon ausgereicht mich endgültig ins Wanken zu bringen.
In der Deutschstunde musste er ein Referat halten und ich sah ihn begierig an, wie ein ausgezerrter Hund vor einem großen Stück Fleisch. Ich fand mal wieder alles perfekt, wie schon in der Biologiestunde, doch diesmal war da noch etwas. Als seine Stimme erklang, schien ich dahinschmelzen zu wollen und mein Gehirn konnte sich nicht mehr vor Lachen halten.
„Wenn du ihn schon so anglotzen musst, dann tu es unauffällig!“, sagte mein Kopf und schien sich vor Lachen zu kugeln.
Ist ja gut!, entgegnete ich, drehte meinen Kopf von seinem Körper weg und sah aus dem Fenster, um mich abzulenken. Doch seine butterweiche Stimme war immer noch Balsam für meine Seele.
„Du hast gerade so einsehend geklungen.“, fing mein Gehirn auf einmal an zu sagen.
Wie?, erwiderte ich verwirrt.
„Naja, du hast mich nicht angeschrien.“
Ja, ich weiß.
„Du glaubst mir jetzt, oder?“
Ja.
„Gut.“
Danach dachte ich nicht mehr nach, war auch nicht wirklich mehr wütend oder fragte mich, ob ich ihn wirklich liebe. Es war für mich einfach ein Fakt, das unumgehbar war. Ich liebe ihn, doch was nach dieser Feststellung kam, war schlimmer.
„Doch er liebt dich nicht.“, sagte mein Gehirn einfach so heraus, keine Frage, kein Ausruf, einfach eine Aussage.
Ich weiß und ich will ihn eigentlich auch nicht wirklich lieben., erwiderte ich melancholisch.
„Ich weiß.“
Und was kann ich jetzt machen.
„Ihn vergessen.“
Das geht nicht so einfach!
„Ich weiß.“
Ich seufzte und die Klingel läutete. Ich war als erstes aus dem Raum. Ich wollte einfach nur noch raus und versuchen ihn nicht mehr zu sehen oder an ihn zu denken. Denn den ersten Schritt, den ich tun muss, ist ihn zu ignorieren.
Ich lenkte mich den ganzen Tag mit Lernen, lauter Musik und anderen Sachen irgendwie von ihm ab. Denn würde ich meinen Kopf ein paar Sekunden lassen, würde er anfangen zu schwärmen, zumindest der unkontrollierte Teil, mit dem ich nicht reden kann.
Doch nachts ging es nicht mehr und ich hatte Phantasien, wie er in meinem Bett liegt und mich umarmt, mich hält. Oder er mich an seine Brust drückte oder die schlimmste Vorstellung, wie wir zusammen, in den Armen liegend, uns küssen. Innig, leidenschaftlich, romantisch, einfach unglaublich schön und kitschig.
Tränen fielen mir zu dem Zeitpunkt aus den Augen, denn da war sie, die kalte Erkenntnis, die, auf die ich gewartet hatte. Die, die zeigt, dass ich ihn liebe und ich fand es grausam, schlimmer als jede Folter. Dazu kam noch, dass die Person, die in meiner Phantasie existierte, nicht mal er wirklich war: Optisch ja, charakterlich absolut nicht.
Denn vom Charakter her hasse ich ihn richtig. Er ist ein Idiot, der zu sehr von sich selbst überzeugt ist, der meint, er kann alles und nur bescheuerte Dinge tut. Sich mit den anderen anlegt. Ein Heranwachsender, der seine Hormone nicht im Griff hat und meint er ist der Größte. Ein Mensch bei dem das Testosteron in zu hohen Mengen produziert wird.
Doch mein Kopf schien es nicht glauben zu wollen, denn er zeigte mir nur die Vorzüge einer solchen Liebe, die ich überhaupt nicht wollte.
Das ging die ganze Nacht hindurch und ich konnte nicht schlafen. Als ich auf die Uhr sah und es Zeit war aufzustehen, um in die Schule zu gehen, kam der Schock. Die Vorstellungen über das Zusammenleben wurden immer stärker und ich konnte ihn schon direkt vor mir sehen. Fast real, nicht phantasiert. Ein Zittern setzte ein und irgendwie bekam ich Angst, dass es einfach nicht funktioniert ihn zu vergessen, doch dann kam die Spitze des Eisberges. In der ersten Stunde hatten wir Physik und er saß direkt vor mir. Fünfundvierzig Minuten durchgehend, ohne Unterbrechung, die Hölle auf Erden.
Die nächsten Wochen war es auch nicht besser, das Ignorieren funktionierte nicht so, wie es sollte und meine Phantasie zeigte mir noch andere Sachen über diese Person. Mittlerweile umarmt er mich, küsst mich und sagt: „Ich bin nicht so schlimm, wie du glaubst.“
Alles wollte ich im Keim ersticken, jede Phantasie, jedes Verlangen, einfach alles, was mit dieser Person zu tun hat. Doch, obwohl ich fast keine Lösung mehr fand, kam es endlich zu einer Erlösung. Die Liebe ließ nach, endlich, nach vielen Wochen Qual, fiel sie in sich zusammen. Die Phantasien gaben auf mich zu überzeugen, und mein Herz stieß ihn eiskalt aus meiner Brust. Warum der Wandel kam, weiß ich nicht, doch es war eine Erkenntnis vorhanden. Er liebt mich nicht, ich will ihn nicht lieben. Wir gehören nicht zusammen und so soll es auch nicht sein. Daran hab ich die Wochen immer festgehalten und anscheinend hatte ich den Kampf gewonnen, mit Willenskraft.
Am Tag nach dieser Erlösung kam mir die Schule wieder viel schöner vor und ich begrüßte ihn sogar, ohne Probleme. Ich war nicht mehr abhängig von seinem Duft, von seinem Körper, von seiner Art. Er sah verändert aus, nicht perfekt, geradezu hässlich. Sein Haar fettig, seine Augen, wie die eines Trunkenbolds, sein Körper, schlaff und ausgezehrt.
Den hab ich geliebt?, fragte ich mein Gehirn irritiert.
„Ja, hast du.“
Nächstes Mal bitte nicht so etwas, ok?
„Ich war nicht Schuld, gib den Hormonen die Schuld!“
Ist ja ok.
Am Ende des Tages ging ich dann gelassen aus der Schule, befreit und ich fühlte mich frei. Er lief, als ich aus dem Schulgebäude kam, direkt hinter mir und ich spürte seine Anwesenheit und einen fast fixierenden Blick auf mir haften, aber es war mir egal. Er ist nicht der Richtige und wird es auch nicht sein. Es ist auch besser so.
Ich sah den wolkenbehangenen Himmel an und erblickte die Sonne. Ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht und ich drehte mich kurz zu ihm um. Verwirrt sah er mich an, blieb abrupt stehen und ich sagte nur: „Ciao.“
Erst nach ein paar Sekunden sagte er: „Ähm, ja, ciao.“
Ich sah zur Sonne und grinste und gedanklich fügte mein Gehirn hinzu: „Auf Nimmerwiedersehen.“
Glücklich und frei lief ich danach Richtung Sonne, zum mittlerweile strahlend blauen Himmel und der Hoffnung, dass es da draußen bestimmt jemanden besseren gibt, der perfekt für mich geschaffen ist.
ich es ein zweites Mal, eine von mir reinzustellen. Ich hoffe sie gefällt euch und knallharte Kritik ist erwünscht.
Und Rechtschreibfehler dürfen gerne wieder aufgezeigt werden *Lis-indo und Silaëna angrinse*
Liebe? Liebe! Liebe.
Liebe? Liebe! Liebe.
Liebe. Ein Wort mit vielen Bedeutungen voller Schönheit und Glückseligkeit, Freude und Romantik. Es spiegelt die Leidenschaft und die Inbrunst des Feuers wider, welche zwei Liebende haben. Eine Verbindung die perfekt scheint. Aber für mich ist es ein Wort voll Trauer und Leid, Unglück und Grausamkeit. Denn die Liebe, die ich erleben musste, war nicht wie ein wahr gewordener Traum, sondern ein Alptraum. Doch keiner, aus dem man sich an der schlimmsten Stelle aus dem Schlaf wach schreien kann, sondern einer bei dem man nur hoffen kann, dass er endlich vergeht. Doch wie jeder Alptraum hatte auch dieser einen Anfang und er begann mit einer Feststellung.
Die Schüler standen wartend vor dem Klassenzimmer, in der Hoffnung, dass sich mal ein Lehrer erbarmt die Tür zu öffnen. Doch bisher tat es keiner. Deswegen unterhielten sich alle, mich eingeschlossen. Dort streifte mich sein Blick, während ich mich mit meinen Freunden unterhielt, kurz, so kurz, dass er nicht als solcher hätte gelten können. Aber ich wertete ihn als einen. Als ich bemerkte, dass ich ihn anstarrte, drehte ich schnell mein Gesicht weg und ich spürte eine Wärme auf meinen Wangen. Ein seltsames Gefühl beschlich mich und ich konnte es nicht deuten. Es war neu, schön, seltsam und ich dachte nach, was das sein könnte, doch ich wusste es nicht.
Dann urplötzlich, konnte ich einen Schlüssel hören und die Tür wurde aufgeschlossen. Wir liefen alle Richtung Klassentür und ich stand auf einmal neben ihm. Sein weicher, zarter, süßlicher Duft kroch mir in die Nasenflügel und ich schien irgendwie zu schweben. Ich warf einen kurzen Blick in sein Gesicht und erblickte seine Augen, die mit einer so wunderschönen Farbe waren und mich ansahen. Voller Kraft schienen sie und zeugten von einem massiven Selbstbewusstsein. Dann, ohne Vorwarnung, brach der Geruch ab. Er setzte sich an die andere Seite des Raumes und ich ging verwirrt zu meinem Platz, trunken von seinem Geruch.
Nach der Begrüßung musste ich immer noch an diese Szenerie denken und ich sah ihn an. Ich sah seinen Rücken, der gerade und stabil aussah, seine breiten Schultern, die zum Anfassen einluden, seine Brust, die sich von seinem Shirt abhob und Geborgenheit zu versprechen schien und seine Haare, die einfach wunderschön anzusehen waren. Alles schien perfekt geformt und stimmig und ich wollte träumen, doch da rastete mein Gehirn aus: „STOP! AUFHÖREN!“, schrie es und ich wusste auch warum. Ich fiel in eine Starre und stellte mir die erschreckende Frage: Hab ich mich verliebt?
Mein Kopf schien brennen zu wollen und suchte verzweifelt nach dem Nein, doch es war nicht aufzufinden. Es entdeckte nur eine Leere, dunkle Leere. Eine Lücke im Gehirn, die noch nicht ausgefüllt ist. Ich erschrak innerlich und mein Körper blieb in seiner Starre. Doch unterbewusst schien ich den Text von der Tafel abzuschreiben, so als hätte ich auf Autopilot geschaltet, während mein Bewusstsein weiterhin sehnsüchtig nach dem Nein oder vielleicht sogar einem Ja suchte. Aber das Ja wollte ich nicht mal andenken. Ich verdrängte seine Person so schnell es ging und auch die Frage über die Liebe. Ich unterdrückte sie und schlüpfte zurück in die Realität und benutzte wieder bewusst meinen Körper und stellte mit Erschrecken fest, dass ich in Mathematik saß.
Der Tag verging langsam und schleppend, doch ich konnte meinen Kopf frei halten von dieser Person und dieser Frage über das Verliebtsein. Zumindest gelang es mir, bis die Nacht hereinbrach und ich mich schlafen legte. Ein Traum suchte mich heim, mit mir und ihm in der Hauptrolle. Es war irrsinnig, denn wir kämpften gegeneinander, doch bevor ich den Ausgang und damit den Gewinner sehen konnte, klingelte mich mein Wecker wach. Verwirrt und mit ihm gebrandmarkt stellte ich ihn aus und stand auf.
Als ich im Klassenzimmer ankam, sah ich ihn schon sitzen, lachend, unterhaltend und natürlich Dummheiten machen, die ich einfach nur bescheuert fand. Mir kam wieder die Frage in den Kopf: Hast du dich in ihn verliebt?
Doch so schnell die Frage kam, so schnell riss ich sie aus meinen Kopf und trat auf ihr herum, damit sie wenigstens Ruhe gab, doch die zweite konnte ich nicht still stellen, nicht ansatzweise: „Was will der Traum dir sagen?“
Desinteressiert saß ich deswegen im Unterricht und dachte darüber nach, denn verdrängen ging nicht. Sie wollte beantwortet werden, doch es gab keinen Sinn, wie sollten bitteschön Kampf und Liebe zusammenpassen, und wenn bedeutet Kampf doch eher Hass, oder nicht?
Als die Schule endlich über die Bühne gebracht war, verabschiedete ich mich schnell von allen und lief nach Hause. Ich wusste, daheim ist ein Traumdeutungsbuch, das mir wenigstens eine Antwort geben könnte, auch wenn sie nicht vernünftig sein würde.
Ich rannte mehr nach Hause als ich lief und riss die Tür unseres Hauses auf und meine Mutter sah mich verwirrt an und fragte: „Schon da?“
Ich nickte nur und stürmte ihn mein Zimmer. Meinen Rucksack legte ich nicht mal ab, ich wollte die Antwort jetzt endlich wissen und was mir das Traumdeutungsbuch sagte, war ernüchternd. Ich suchte alles von meinem Traum ab, jedes Detail, doch es gab exakt ein Bild, das es bei diesen Buch noch nie gegeben hatte.
Das Ergebnis war niederschmetternd. „Du liebst ihn!“, wollte das Buch geradezu in meinen Kopf stempeln, mit einer Brutalität, die nicht mehr menschlich war. Noch nie habe ich bei diesem Buch ein so eindeutiges Ergebnis erlebt, sondern fast schon verschiedene Aussagen, die sich teilweise sogar entkräfteten, doch heute war es anders. Innerlich schrie ich dagegen: „NEIN.“ Immer wieder sagte ich dieses Wort vor mich hin, wie ein Gebet bis tief in die Nacht hinein, die mich wenigstens diesmal in Ruhe ließ und mir keinen Traum brachte.
Am nächsten Tag saß ich im Biologieunterricht, als er an mir vorbeilief, zu seiner Ausfrage. Mit Gewalt sog ich seinen Duft auf und ließ mich von ihm in schöne Welten bringen, voller Harmonie und Glückseligkeit. Wieder war dieses seltsame Gefühl da und es breitete sich in meinem Bauch aus, nur heftiger. Als er dann an der Tafel war, konnte ich sehen, wie er in die Klasse blickte, mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Ich sah in seine Augen und verlor mich in der Iris. Jede einzelne Falte, die durch sein Lächeln entstanden, schien für mich symmetrisch, stimmig, von Gott gewollt. Bewundernd sah ich sein Gesicht an, welches mehr von einem Engel sein musste als von einem gewöhnlichen Menschen. Genau da fing mein Gehirn wieder an auszurasten, doch diesmal schrie es nicht „STOP!“, sondern „LIEBE!“
Ich wandte meinen Blick ab und brüllte innerlich mein Gehirn, irritiert, an: „Was?“ Doch es kam keine Antwort.
Liebe?, fragte ich mich wieder, wie letztes Mal, doch diesmal war es anders. Diese Frage versetzte meinem Kopf einen gewaltigen Stoss, der wehtat. Mein Gehirn fing darauf an zu antworten, ruhig und gelassen: „Ja, Liebe.“
Verdammt. Nein. Nein. NEIN. Vergiss es! Nicht in den da!, schimpfte ich und nickte mit meinem Kopf Richtung Tafel.
„Doch genau in ihn!“, entgegnete mein Kopf beleidigt.
Er ist ein Idiot. Ein totaler Vollidiot! Mit dem will ich nicht mal ansatzweise etwas zu tun haben und ich will mich schon gar nicht in ihn verlieben!
„Tja, es ist passiert.“
NEIN. ES IST NICHT PASSIERT.
„Finde dich damit ab! Du liebst ihn!“
ICH WILL MICH NICHT DAMIT ABFINDEN!
„Du wirst die Wahrheit schon sehen.“, sagte mein Kopf und schien zu lachen.
SAG DAS NICHT! ES IST NICHT WAHR! ES IST EINE RIESENGROSSE LÜGE!
Mein Gehirn erwiderte nichts. Es blieb stumm, doch ich nahm immer noch ein Kichern war.
Den restlichen Tag verbrachte ich damit, meinen Mitschüler wüste Beschimpfungen hinterherzuwerfen, wenn sie mir blöd kamen. Ich schrie auch mein Gehirn an, dass es endlich aufhören soll zu lachen, doch es wurde nur immer lauter und spöttischer. Irgendwann gab ich dann aber auf und ich sagte mir immer wieder: „Es stimmt nicht!“
Doch ein leichter Zweifel war schon vorhanden, doch ich versuchte ihn irgendwie zu unterdrücken. Doch er ließ es nicht zu. Denn genau dieser Zweifel hat schon ausgereicht mich endgültig ins Wanken zu bringen.
In der Deutschstunde musste er ein Referat halten und ich sah ihn begierig an, wie ein ausgezerrter Hund vor einem großen Stück Fleisch. Ich fand mal wieder alles perfekt, wie schon in der Biologiestunde, doch diesmal war da noch etwas. Als seine Stimme erklang, schien ich dahinschmelzen zu wollen und mein Gehirn konnte sich nicht mehr vor Lachen halten.
„Wenn du ihn schon so anglotzen musst, dann tu es unauffällig!“, sagte mein Kopf und schien sich vor Lachen zu kugeln.
Ist ja gut!, entgegnete ich, drehte meinen Kopf von seinem Körper weg und sah aus dem Fenster, um mich abzulenken. Doch seine butterweiche Stimme war immer noch Balsam für meine Seele.
„Du hast gerade so einsehend geklungen.“, fing mein Gehirn auf einmal an zu sagen.
Wie?, erwiderte ich verwirrt.
„Naja, du hast mich nicht angeschrien.“
Ja, ich weiß.
„Du glaubst mir jetzt, oder?“
Ja.
„Gut.“
Danach dachte ich nicht mehr nach, war auch nicht wirklich mehr wütend oder fragte mich, ob ich ihn wirklich liebe. Es war für mich einfach ein Fakt, das unumgehbar war. Ich liebe ihn, doch was nach dieser Feststellung kam, war schlimmer.
„Doch er liebt dich nicht.“, sagte mein Gehirn einfach so heraus, keine Frage, kein Ausruf, einfach eine Aussage.
Ich weiß und ich will ihn eigentlich auch nicht wirklich lieben., erwiderte ich melancholisch.
„Ich weiß.“
Und was kann ich jetzt machen.
„Ihn vergessen.“
Das geht nicht so einfach!
„Ich weiß.“
Ich seufzte und die Klingel läutete. Ich war als erstes aus dem Raum. Ich wollte einfach nur noch raus und versuchen ihn nicht mehr zu sehen oder an ihn zu denken. Denn den ersten Schritt, den ich tun muss, ist ihn zu ignorieren.
Ich lenkte mich den ganzen Tag mit Lernen, lauter Musik und anderen Sachen irgendwie von ihm ab. Denn würde ich meinen Kopf ein paar Sekunden lassen, würde er anfangen zu schwärmen, zumindest der unkontrollierte Teil, mit dem ich nicht reden kann.
Doch nachts ging es nicht mehr und ich hatte Phantasien, wie er in meinem Bett liegt und mich umarmt, mich hält. Oder er mich an seine Brust drückte oder die schlimmste Vorstellung, wie wir zusammen, in den Armen liegend, uns küssen. Innig, leidenschaftlich, romantisch, einfach unglaublich schön und kitschig.
Tränen fielen mir zu dem Zeitpunkt aus den Augen, denn da war sie, die kalte Erkenntnis, die, auf die ich gewartet hatte. Die, die zeigt, dass ich ihn liebe und ich fand es grausam, schlimmer als jede Folter. Dazu kam noch, dass die Person, die in meiner Phantasie existierte, nicht mal er wirklich war: Optisch ja, charakterlich absolut nicht.
Denn vom Charakter her hasse ich ihn richtig. Er ist ein Idiot, der zu sehr von sich selbst überzeugt ist, der meint, er kann alles und nur bescheuerte Dinge tut. Sich mit den anderen anlegt. Ein Heranwachsender, der seine Hormone nicht im Griff hat und meint er ist der Größte. Ein Mensch bei dem das Testosteron in zu hohen Mengen produziert wird.
Doch mein Kopf schien es nicht glauben zu wollen, denn er zeigte mir nur die Vorzüge einer solchen Liebe, die ich überhaupt nicht wollte.
Das ging die ganze Nacht hindurch und ich konnte nicht schlafen. Als ich auf die Uhr sah und es Zeit war aufzustehen, um in die Schule zu gehen, kam der Schock. Die Vorstellungen über das Zusammenleben wurden immer stärker und ich konnte ihn schon direkt vor mir sehen. Fast real, nicht phantasiert. Ein Zittern setzte ein und irgendwie bekam ich Angst, dass es einfach nicht funktioniert ihn zu vergessen, doch dann kam die Spitze des Eisberges. In der ersten Stunde hatten wir Physik und er saß direkt vor mir. Fünfundvierzig Minuten durchgehend, ohne Unterbrechung, die Hölle auf Erden.
Die nächsten Wochen war es auch nicht besser, das Ignorieren funktionierte nicht so, wie es sollte und meine Phantasie zeigte mir noch andere Sachen über diese Person. Mittlerweile umarmt er mich, küsst mich und sagt: „Ich bin nicht so schlimm, wie du glaubst.“
Alles wollte ich im Keim ersticken, jede Phantasie, jedes Verlangen, einfach alles, was mit dieser Person zu tun hat. Doch, obwohl ich fast keine Lösung mehr fand, kam es endlich zu einer Erlösung. Die Liebe ließ nach, endlich, nach vielen Wochen Qual, fiel sie in sich zusammen. Die Phantasien gaben auf mich zu überzeugen, und mein Herz stieß ihn eiskalt aus meiner Brust. Warum der Wandel kam, weiß ich nicht, doch es war eine Erkenntnis vorhanden. Er liebt mich nicht, ich will ihn nicht lieben. Wir gehören nicht zusammen und so soll es auch nicht sein. Daran hab ich die Wochen immer festgehalten und anscheinend hatte ich den Kampf gewonnen, mit Willenskraft.
Am Tag nach dieser Erlösung kam mir die Schule wieder viel schöner vor und ich begrüßte ihn sogar, ohne Probleme. Ich war nicht mehr abhängig von seinem Duft, von seinem Körper, von seiner Art. Er sah verändert aus, nicht perfekt, geradezu hässlich. Sein Haar fettig, seine Augen, wie die eines Trunkenbolds, sein Körper, schlaff und ausgezehrt.
Den hab ich geliebt?, fragte ich mein Gehirn irritiert.
„Ja, hast du.“
Nächstes Mal bitte nicht so etwas, ok?
„Ich war nicht Schuld, gib den Hormonen die Schuld!“
Ist ja ok.
Am Ende des Tages ging ich dann gelassen aus der Schule, befreit und ich fühlte mich frei. Er lief, als ich aus dem Schulgebäude kam, direkt hinter mir und ich spürte seine Anwesenheit und einen fast fixierenden Blick auf mir haften, aber es war mir egal. Er ist nicht der Richtige und wird es auch nicht sein. Es ist auch besser so.
Ich sah den wolkenbehangenen Himmel an und erblickte die Sonne. Ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht und ich drehte mich kurz zu ihm um. Verwirrt sah er mich an, blieb abrupt stehen und ich sagte nur: „Ciao.“
Erst nach ein paar Sekunden sagte er: „Ähm, ja, ciao.“
Ich sah zur Sonne und grinste und gedanklich fügte mein Gehirn hinzu: „Auf Nimmerwiedersehen.“
Glücklich und frei lief ich danach Richtung Sonne, zum mittlerweile strahlend blauen Himmel und der Hoffnung, dass es da draußen bestimmt jemanden besseren gibt, der perfekt für mich geschaffen ist.