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29.05.2009, 18:51
Achtung Spoiler!
Dieser Erfahrungsbericht enthält Informationen aus dem Hauptprogramm, Neverwinter Nights 2, die Neueinsteigern eventuell die Spannung verderben könnten. Das Lesen des Textes geschieht auf eigene Gefahr.
Uralte Legenden der Rashemi erzählen von einem Wesen, das sich an den Geistern des Landes zu laben versteht. Es heißt, dass es immer nur einen Geistzerrer gibt, auch wenn sein Gesicht beständig wechselt.
Viele, die vom Land getrunken haben, hielten ihre Macht für eine Gabe, einige für einen Fluch. Doch wohnte ihrem Schicksal eine Gemeinsamkeit inne: Sie alle wurden von dem Hunger verzerrt.
So erzählt es die Legende.
Doch nun ist jemand gekommen, eine neue Legende zu schaffen.
Plattform: Windows 2000 / XP
USK-Einstufung: Freigegeben ab 12 Jahren
Medium: Computerspiel
Genre: Echtzeit RPG (Basiert auf AD&D 3.5)
Erscheinungsdatum: 25. September 2007
NWN 2 - Mask Of The Betrayer
Wer die Baldurs Gate 2 Erweiterung Thron des Bhaal gespielt hat, weiß um die Schwierigkeit ein Programm für Charaktere spannend und vor allem realistisch zu gestalten, die dank ihrer hohen Charakterstufe quasi im Vorbeigehen Drachen, Halbgötter und Chuck Norris ins Jenseits zu befördern in der Lage sind. Okay, natürlich nicht Chuck Norris. So mächtig kann schließlich keiner werden.
Mask Of The Betrayer hat das selbe Problem: Die Charaktere sind zu mächtig, die Gegner, trotz der Stufenanpassung, keine wirkliche Herausforderung mehr. Warum das Spiel trotzdem Spaß macht, versuche ich in den nächsten Zeilen ausführlich zu erklären.
Starke Helden
Wir erinnern uns: Der Held von Neverwinter hat sich am Ende seines Abenteuers dem legendären Wächter eines längst untergegangenen Reiches, dem Fürsten der Schatten, entgegen gestellt. Mit dem neu geschmiedeten Silberschwert von Gith gelang es ihm und seinen Gefährten, die Bedrohung für alles Leben auf Faerûn abzuwenden. Die dabei freigesetzte Energie ließ bedauerlicherweise auch die Ruhestädte des Wächters in sich zusammenstürzen und so wurde der Held samt Heldengruppe in den Trümmern begraben.
Dass zumindest der letzte Teil so nicht stimmt, erfährt man ziemlich am Anfang von Mask Of Betrayer: bei der Charaktererschaffung. Hier nämlich, lässt sich der Recke aus dem Hauptspiel zusammen mit seinen Stufen, seinen Fertigkeiten und seiner Ausrüstung in das Addon übernehmen. Da es in NWN2 durchaus möglich war Level 20 zu erreichen und sich eine komplette Adamantitrüstung samt Verzauberungen zu schmieden, stellt man sich dabei schon die Frage, welche Gegner einen da noch erwarten können. Spieler, die es versäumt haben ihren Charakter aus dem Hauptspiel zu exportieren, müssen sich übrigens keine Sorgen machen: Das Spiel lässt auch ganz frische Charaktere zu und verpasst ihnen bei Spielstart genug Erfahrung, sodass man zumindest mit Level 18 und passabler Anfangsausrüstung beginnen kann.
Atmosphäre und Anspruch trotz Level 20
Der Held wacht in der Mitte eines Runenkreises auf, tief unter der Erde. Ein Sprecher, den wohl jeder P&P Spieler liebend gern als Meister engagiert hätte, beschreibt die Situation: Wir haben Schmerzen und in unsere Brust, dort wo sich einst der letzte Splitter des Silberschwertes von Gith befand, ist nun eine schlecht vernähte Wunde. Wir spüren eine Leere in uns, eine Leere die sich immer weiter ausbreitet und nach der Essenz des Lebens selbst hungert.
Ein Portal öffnet sich und eine in rot gekleidete Magierin erscheint in der trostlosen Dunkelheit der Runenhöhle. Sie wirkt einen Zauber und wir fühlen uns besser, können aufstehen und ein Abenteuer beginnen, das berührt und fasziniert.
Mask Of The Betrayer erzählt eine düstere, erwachsene Liebesgeschichte, deren Ausmaße der Spieler erst nach und nach begreift. Es geht um einen Aufstand gegen die Ungerechtigkeit des Universums selbst, über den Zorn eines toten Gottes und um einen Fluch, der ausgerechnet in uns seine Wiedergeburt feiert.
Als Schauplatz für ein solch dramatisches Szenario wählten die Macher von Mask Of The Betrayer das kalte und abweisend Rashemen, ein Land voller Tiergeister und Legenden, regiert von mächtigen Hexen, beschützt von wilden Berserkern.
Tiergeister spielen eine große Rolle in der Geschichte, sind aber auch entscheidend für die Spielmechanik. Immerhin leidet der Spieler an dem Fluch des Geistzerrers und hat permanenten Hunger auf Geister. Dieser Hunger präsentiert sich in Form einer Energie-Leiste, die beständig kleiner wird und einer Verlangen-Leiste, die immer dann steigt, wenn der Spieler einen Geist verzerrt. Hohes Verlangen lässt die Energie-Leiste wiederum sehr schnell kleiner werden. Es ist im Grunde wie mit jeder Sucht: Je mehr Geister wir essen, desto mehr Geister müssen wir essen. Der Spieler hat allerdings noch eine zweite Möglichkeiten mit dem Hunger umzugehen: Er kann versuchen den Hunger zu bekämpfen. Für beide Wege bietet das Spiel Fertigkeiten und Storyrelevante Entscheidungen. Doch egal welchen Weg man wählt; muss man sehr aufpassen, dass die Energieleiste immer gut gefüllt ist, denn sonst regnet es Abzüge und happigen Schaden pro Runde. So sorgt das Spiel dafür, dass wir uns mit unserem Übercharakter nicht allzu stark fühlen: Sehr gut gelöst!
Charaktere mit Geschichte und Herz
Neben Safiya, der geheimnisvollen Magierin in Rot, schließen sich uns im Laufe der Geschichte weitere Charaktere an. Es sind lange nicht so viele wie noch im Neverwinter Nights 2, dafür glänzen sie mit noch mehr Originalität und Tiefgang. Der Bärenkönig Okku, in dessen Ruhestädte wir am Anfang des Spiels aufwachen, kann später zu einem mächtigen Verbündeten werden. Die verträumt melancholische Halbcelestische Kaelyn die Taube, hat ganz besondere Gründe sich dem Geistzerrer anzuschließen. Und Gann, Gannayev der Träume ist ein verbitterter Traumwanderer, der vor seiner Vergangenheit flieht. Jedem Charakter sieht man seine hohe Stufe an. Es sind Wesen, die auf eine lange und meist schwere Vergangenheit zurückschauen.
Ein ganz besonderes Lob möchte ich an die deutschen Synchronsprecher weitergeben. Die Stimmen sind allesamt sehr gelungen und passen zu den Charakteren. In die Stimme von Kaelyn kann man sich ohne weiteres verlieben. Ich habe mich oft dabei erwischt vergangene Dialoge noch einmal durch zu spielen, nur um diese süße melancholische Stimme noch mal hören zu können. Hach …
Ahm .. wo war ich?
Rundum schön
Anders als das Hauptspiel läuft die Erweiterung auf meiner Maschine sehr stabil und bis auf ein paar kleinen Macken, konnte ich keine Bugs ausmachen.
The Mask Of The Betrayer ist ein rundum gelungenes Addon, das sich vor dem Hauptspiel keinesfalls zu verstecken braucht.
Meine Empfehlung: Kaufen, spielen, genießen!
Dieser Erfahrungsbericht enthält Informationen aus dem Hauptprogramm, Neverwinter Nights 2, die Neueinsteigern eventuell die Spannung verderben könnten. Das Lesen des Textes geschieht auf eigene Gefahr.
Uralte Legenden der Rashemi erzählen von einem Wesen, das sich an den Geistern des Landes zu laben versteht. Es heißt, dass es immer nur einen Geistzerrer gibt, auch wenn sein Gesicht beständig wechselt.
Viele, die vom Land getrunken haben, hielten ihre Macht für eine Gabe, einige für einen Fluch. Doch wohnte ihrem Schicksal eine Gemeinsamkeit inne: Sie alle wurden von dem Hunger verzerrt.
So erzählt es die Legende.
Doch nun ist jemand gekommen, eine neue Legende zu schaffen.
Plattform: Windows 2000 / XP
USK-Einstufung: Freigegeben ab 12 Jahren
Medium: Computerspiel
Genre: Echtzeit RPG (Basiert auf AD&D 3.5)
Erscheinungsdatum: 25. September 2007
NWN 2 - Mask Of The Betrayer
Wer die Baldurs Gate 2 Erweiterung Thron des Bhaal gespielt hat, weiß um die Schwierigkeit ein Programm für Charaktere spannend und vor allem realistisch zu gestalten, die dank ihrer hohen Charakterstufe quasi im Vorbeigehen Drachen, Halbgötter und Chuck Norris ins Jenseits zu befördern in der Lage sind. Okay, natürlich nicht Chuck Norris. So mächtig kann schließlich keiner werden.
Mask Of The Betrayer hat das selbe Problem: Die Charaktere sind zu mächtig, die Gegner, trotz der Stufenanpassung, keine wirkliche Herausforderung mehr. Warum das Spiel trotzdem Spaß macht, versuche ich in den nächsten Zeilen ausführlich zu erklären.
Starke Helden
Wir erinnern uns: Der Held von Neverwinter hat sich am Ende seines Abenteuers dem legendären Wächter eines längst untergegangenen Reiches, dem Fürsten der Schatten, entgegen gestellt. Mit dem neu geschmiedeten Silberschwert von Gith gelang es ihm und seinen Gefährten, die Bedrohung für alles Leben auf Faerûn abzuwenden. Die dabei freigesetzte Energie ließ bedauerlicherweise auch die Ruhestädte des Wächters in sich zusammenstürzen und so wurde der Held samt Heldengruppe in den Trümmern begraben.
Dass zumindest der letzte Teil so nicht stimmt, erfährt man ziemlich am Anfang von Mask Of Betrayer: bei der Charaktererschaffung. Hier nämlich, lässt sich der Recke aus dem Hauptspiel zusammen mit seinen Stufen, seinen Fertigkeiten und seiner Ausrüstung in das Addon übernehmen. Da es in NWN2 durchaus möglich war Level 20 zu erreichen und sich eine komplette Adamantitrüstung samt Verzauberungen zu schmieden, stellt man sich dabei schon die Frage, welche Gegner einen da noch erwarten können. Spieler, die es versäumt haben ihren Charakter aus dem Hauptspiel zu exportieren, müssen sich übrigens keine Sorgen machen: Das Spiel lässt auch ganz frische Charaktere zu und verpasst ihnen bei Spielstart genug Erfahrung, sodass man zumindest mit Level 18 und passabler Anfangsausrüstung beginnen kann.
Atmosphäre und Anspruch trotz Level 20
Der Held wacht in der Mitte eines Runenkreises auf, tief unter der Erde. Ein Sprecher, den wohl jeder P&P Spieler liebend gern als Meister engagiert hätte, beschreibt die Situation: Wir haben Schmerzen und in unsere Brust, dort wo sich einst der letzte Splitter des Silberschwertes von Gith befand, ist nun eine schlecht vernähte Wunde. Wir spüren eine Leere in uns, eine Leere die sich immer weiter ausbreitet und nach der Essenz des Lebens selbst hungert.
Ein Portal öffnet sich und eine in rot gekleidete Magierin erscheint in der trostlosen Dunkelheit der Runenhöhle. Sie wirkt einen Zauber und wir fühlen uns besser, können aufstehen und ein Abenteuer beginnen, das berührt und fasziniert.
Mask Of The Betrayer erzählt eine düstere, erwachsene Liebesgeschichte, deren Ausmaße der Spieler erst nach und nach begreift. Es geht um einen Aufstand gegen die Ungerechtigkeit des Universums selbst, über den Zorn eines toten Gottes und um einen Fluch, der ausgerechnet in uns seine Wiedergeburt feiert.
Als Schauplatz für ein solch dramatisches Szenario wählten die Macher von Mask Of The Betrayer das kalte und abweisend Rashemen, ein Land voller Tiergeister und Legenden, regiert von mächtigen Hexen, beschützt von wilden Berserkern.
Tiergeister spielen eine große Rolle in der Geschichte, sind aber auch entscheidend für die Spielmechanik. Immerhin leidet der Spieler an dem Fluch des Geistzerrers und hat permanenten Hunger auf Geister. Dieser Hunger präsentiert sich in Form einer Energie-Leiste, die beständig kleiner wird und einer Verlangen-Leiste, die immer dann steigt, wenn der Spieler einen Geist verzerrt. Hohes Verlangen lässt die Energie-Leiste wiederum sehr schnell kleiner werden. Es ist im Grunde wie mit jeder Sucht: Je mehr Geister wir essen, desto mehr Geister müssen wir essen. Der Spieler hat allerdings noch eine zweite Möglichkeiten mit dem Hunger umzugehen: Er kann versuchen den Hunger zu bekämpfen. Für beide Wege bietet das Spiel Fertigkeiten und Storyrelevante Entscheidungen. Doch egal welchen Weg man wählt; muss man sehr aufpassen, dass die Energieleiste immer gut gefüllt ist, denn sonst regnet es Abzüge und happigen Schaden pro Runde. So sorgt das Spiel dafür, dass wir uns mit unserem Übercharakter nicht allzu stark fühlen: Sehr gut gelöst!
Charaktere mit Geschichte und Herz
Neben Safiya, der geheimnisvollen Magierin in Rot, schließen sich uns im Laufe der Geschichte weitere Charaktere an. Es sind lange nicht so viele wie noch im Neverwinter Nights 2, dafür glänzen sie mit noch mehr Originalität und Tiefgang. Der Bärenkönig Okku, in dessen Ruhestädte wir am Anfang des Spiels aufwachen, kann später zu einem mächtigen Verbündeten werden. Die verträumt melancholische Halbcelestische Kaelyn die Taube, hat ganz besondere Gründe sich dem Geistzerrer anzuschließen. Und Gann, Gannayev der Träume ist ein verbitterter Traumwanderer, der vor seiner Vergangenheit flieht. Jedem Charakter sieht man seine hohe Stufe an. Es sind Wesen, die auf eine lange und meist schwere Vergangenheit zurückschauen.
Ein ganz besonderes Lob möchte ich an die deutschen Synchronsprecher weitergeben. Die Stimmen sind allesamt sehr gelungen und passen zu den Charakteren. In die Stimme von Kaelyn kann man sich ohne weiteres verlieben. Ich habe mich oft dabei erwischt vergangene Dialoge noch einmal durch zu spielen, nur um diese süße melancholische Stimme noch mal hören zu können. Hach …
Ahm .. wo war ich?
Rundum schön
Anders als das Hauptspiel läuft die Erweiterung auf meiner Maschine sehr stabil und bis auf ein paar kleinen Macken, konnte ich keine Bugs ausmachen.
The Mask Of The Betrayer ist ein rundum gelungenes Addon, das sich vor dem Hauptspiel keinesfalls zu verstecken braucht.
Meine Empfehlung: Kaufen, spielen, genießen!