Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Jasper Fforde, Thursday Next
Kennt jemand außer mir diese herrlich schräge Reihe?
Ich beginne mal mit dem ersten Buch, dem Fall Jane Eyre:
Der erste Roman um die Kriminalbeamtin Thursday Next spielt in einer Welt, in der die Geschichte einige aus unserer Sicht eigenwillige Wendungen genommen hat: England führt einen über 100 Jahre währenden Krieg mit dem zaristischen (!) Russland um die Krimhalbinsel, die Volksrepublik Wales hat ihre Unabhängigkeit erklärt und der Luftverkehr wird vorzugsweise mit Zeppelinen abgewickelt. Außerdem ist Thursday keine gewöhnliche Polizistin: Sie arbeitet bei einer Spezialeinheit, die nur damit beschäftigt ist, die Literatur vor Fälschern zu schützen!
Jasper Fforde hat einen unverwechselbaren Stil. Und die Anspielungen auf andere Werke der Literatur sind so gut und intelligent gemacht, dass Lesegenuss garantiert ist.
Und Ffordes Phantasie bezüglich Handlung und Namenwaht entzückt mich richtiggehend:Thursday Next, Paige Turner, Hades Acheron. Sowas muss einem erstmal einfallen :D
Die Szene über die Theateraufführung von Richard III ist eine der besten Szenen, die ich jemals gelesen habe.
Noch dazu ist der Roman spannend und nimmt immer wieder unerwartete Wendungen. Und wer Charlotte Brontes Buch kennt, wird sich noch besser unterhalten fühlen.
Habe ich schon gesagt, dass mir das Buch sehr sehr gefällt? ;)
"Mein Vater hat ein Gesicht, dass die Zeit anhält."
Wenn ein Buch schon so beginnt, dann kann es nur gut sein!
Und gleich die Fortsetzung:
Spezialagentin Thursday Next, eben noch strahlende Heldin im Falle Jane Eyre, wird schwer in die Mangel genommen: Ihre eigene Dienststelle lässt sie beschatten, bei der Mammut-Herbstwanderung fällt ihr ein Oldtimer fast auf den Kopf, ihr Dodo legt in ihrer Küche ein Ei, der eben erst erworbene Ehemann wird von der ChronoGarde genichtet, und obendrein geht am 12. Dezember die Welt unter, wenn sie und ihr ewig zeitreisender Vater nicht herausfinden, warum sich plötzlich alles in rosa Soße verwandelt.
Wem es gelingt, dieses Buch ohne Dauergrinsen zu lesen, soll sich melden :D
Aber nicht dass ihr denkt, das sei niveauloser Klamauk. Im Gegenteil, der Humor bewegt sich auf hohem sprachlichem und literarischem Niveau. Eonzig einige Namen waren für meinen Geschmack etwas zu übertrieben und teilweise absurd.
Auch hier bleiben Anspielungen nicht aus, zB auf Kafkas Prozess. Bloß dass sich Fräulein N. viel besser aus der Affäre zu ziehen versteht als Herr K. :D
Dieser Roman ist ein wenig verwirrender als der Vorgänger wegen der dauernden Veränderungen der Realität. Man muss schon richtig mitdenken...
Die Welt der Literatur gegen alle möglichen Missetäter zu verteidigen, ist eine ehrenvolle, aber auch nervenaufreibende Aufgabe. Wen wundert es also, dass Thursday Next sich zu ihrem Mutterschaftsurlaub in die tiefsten Tiefen des Brunnens der Manuskripte zurückzieht. Genauer gesagt auf ein gemütliches Flug/Hausboot in einem drittklassigen, unlesbaren Krimi, der wahrscheinlich nie veröffentlicht wird (dafür aber in Gefahr steht, irgendwann vom GattungsRat verschrottet zu werden). Hier kann sie sich unter Anleitung der unvergleichlichen Miss Havisham auf die Große Dienstprüfung der Jurisfiktion vorbereiten und lernt die überraschenden (und in dieser Form bisher völlig unbekannten) Vorgänge kennen, die zur Entstehung von Literatur führen.
Aber das Leben im Brunnen der Manuskripte ist nicht ungefährlich: Gleich am ersten Tag steht Thursday Next einer wilden Meute von Grammasiten gegenüber, Big Martin scheint sie vernaschen zu wollen und eine gruppentherapeutische Sitzung zur Verminderung der Wut in Wuthering Heights wird ihr fast zum Verhängnis. Obendrein ist ein Mörder in diesem Roman unterwegs, der sich auf Jurisfiktion-Agenten spezialisiert hat.
Erneut gelingt es Jasper Fforde, in einer kühnen Mischung von Spott und heißer Verehrung die Welt der Literatur auf gänzlich ungewohnte Weise in Szene zu setzen.
Was soll ich sagen, ohne mich zu wiederholen?
Auch dieser Band ist Lesegenuss pur, auch dieser Band bringt tolle Einfälle dieses großartigen Schriftstellers, auch dieser Band hat alles, was einen guten Roman ausmacht.
Falls ihr Gelegenheit habt, die Reihe zu lesen, tut es bitte aber unbedingt in der richtigen Reihenfolge, da immer wieder Anspielungen auf die vorherigen Bände gemacht werden.
Nach jahrelangem Aufenthalt in der BuchWelt kehrt Agentin Thursday Next mit ihrem zweijährigen Söhnchen Friday und Hamlet, dem bekannten Dänenprinzen, in ihre Heimatstadt Swindon zurück. Im Haus ihrer Mutter warten freilich schon andere Gäste auf sie: Lady Hamilton und Fürst Bismarck, der den deutsch-dänischen Krieg von 1864 zu vermeiden versucht. Ansonsten sind es keine guten Zeiten für Dänen: Der tückische Yorrick Kaine versucht sich auf einer Welle von anti-dänischen Ressentiments zum Diktator von England ernennen zu lassen, und wenn es Thursday Next nicht gelingt, den Swindon Mallets zum Sieg beim SuperHoop (der Krockett-Meisterschaft) zu verhelfen, werden Kaine und die Goliath Corporation die Welt in den Untergang führen. Eigentlich erstaunlich, denn Goliath bereut (angeblich) alle Sünden und möchte als Religionsgemeinschaft anerkannt werden. Und was noch schlimmer für Hamlet ist: Er kann nicht zurück in die BuchWelt! Ophelia hat sein Stück umgeschrieben ...
Es ist kaum zu glauben, aber Fforde gelingt es nicht nur, das Niveau zu halten, er steigert sich sogar.
Für mich ist dieses Buch der krönende Höhepunkt. Allerdings hoffe ich, dass weitere Abenteuer von Thursday Next folgen werden.
Eine spektakuläre Romanreihe, die ich wirklich allerwärmstens empfehlen kann.
Die Crocket Weltmeisterschaft wird mir unvergesslich bleiben. *ja*
Jetzt fällt mir ein, dass ich das letzte Buch noch gar nicht gelesen hab!
Also mein Liebling war definitiv Buch Nr. 1! =) .. So viele geniale und schräge Ideen, einfach herrlich! Eigentlich kann ich dazu wenig schreiben, weil ich euch ansonsten nur spoilern würde. Ich würde euch alle guten Ideen sofort auf die Nase binden, weil ich sie so herrlich finde! =)
Ich dreh das Buch auch sehr gerne Freunden von mir an! ; )
Auch sehr gefallen hat mir, dass ab Band 2 die Cheshire Cat vertreten war! =) Ich liebe sie!
2005 war ich bei einer Lesung des Autors und Japser hat den Humor, den man in seinen Büchern findet, wirklich gelebt! Ich hab mich noch nie so amüsiert bei einer Lesung! =) Leider war er seitdem nicht wieder in Wien.
Weiß jemand von euch, ob auch seine anderen Bücher übersetzt werden? Ansonsten werde ich wohl wieder einmal über meinen Schatten springen müssen und mir die Bücher auf englisch kaufen! ; )
und Japser hat den Humor...
Sorry, aber der Tippfehler hat mich gerade an die Mütter-Mafia erinnert :D
Back to Topic...
Ich habe kürzlich Band 5 gelesen:
Thursday Next betrügt ihren Mann. Und das nicht erst seit gestern, sondern schon seit vierzehn Jahren! Als mehr oder weniger glückliche Mutter von Friday, Tuesday und Jenny lebt sie mit ihrem geliebten Ehemann Landen zusammen und geht auch jeden Morgen zur Tarnfirma Acme-Carpets, um die schöne Stadt Swindon mit Teppichen und Parkett zu versorgen. In Wirklichkeit ist Thursday natürlich weiter Geheimagentin für SpecOps und verschwindet regelmäßig in die BuchWelt, in der sie jetzt auch Lehrlinge ausbilden muss. Ganz zu schweigen vom lebhaften Käseschmuggel, mit dem sie die kümmerlichen Finanzen der Firma aufzumöbeln versucht. Von alledem darf ihre Familie nichts wissen. Dass diese Täuschungsmanöver auf Dauer nicht gutgehen können, liegt auf der Hand ...
Lang habe ich auf das Buch gewartet... und dann war ich eigentlich ein wenig enttäuscht. Zwar ist auch Irgendwo ganz anders ein gelungenes Buch, witzig und intelligent. Und doch: etwas fehlt. Der sprühende Wortwitz Ffordes ist nicht mehr ganz so sprühend, die Handlung kommt erst ab der Hälfte in die Gänge, die Charaktere werden eher lieblos abgehandelt. Einzig Friday Next bekommt die nötige Aufmerksamkeit des Autors.
Dass ich dieses Buch nicht so gut fand wie die Vorgängerbände, liegt liegt vielleicht auch an den neuen Übersetzern, die meiner Meinung nach noch nicht das richtige Gespür für Ffordes Stil gefunden haben. Und ganz sicher liegt es am Lektorat, das leider mehrere gravierende Fehler übersehen hat.
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