Heryst
04.07.2009, 20:56
Ich hoffe, sie gefällt euch, Ich habe sie einfach so drauf los geschrieben. :)
Schuld
Die Musik erstarb plötzlich und Kalana drehte sich zur Tür um.
Ein Mann stand dort. Ein Mann, der ein Schwert gezogen hatte und sich in der kleinen Gaststube umschaute. Es waren nur Kalana, der Wirt und drei weitere Gäste im Raum. Ein Flötenspieler und eine Sängerin hatten für die Musik gesorgt und sahen den Fremden angstvoll an.
"Ich suche Mara Darwenigo", sagte der Mann nur und ging auf den Wirt zu. "Hat jemand sie gesehen?"
Das Schwert legte er auf die Theke und sah den Wirt scharf an. Dieser blickte mit weit aufgerissenen Augen den Fremden an und schüttelte den Kopf. "Es tut mir Leid, aber ich habe noch nie von einer Mara gehört."
"Andere auch nicht?", fragte er laut und drehte sich um. Der Blick des Mannes traf auf Kalana, die schluckte.
Er nahm sein Schwert und kam auf sie zu. "Vielleicht gibt sie sich als jemand anderes aus."
"Ich heiße seit meiner Geburt Kalana", sagte die Frau mutig und beantwortete die Frage, die der Mann im nächsten Moment sicherlich gestellt hätte.
"Tatsächlich?", fragte der Mann. Sein Atem roch etwas streng. Seine Zähne waren offenbar nicht die Besten. "Wie kommt es, dass ein so hübsches Mädchen wie ihr in dieser Bruchbude haust."
Sie war schön? Kalana hätte am liebsten gelacht. Die Narbe auf ihrer Wange und die Brandwunden an ihrer linken Hand sprachen eine andere Sprache.
"Ich bin Händlerin", sagte Kalana. "Ich bin auf dem Weg in die Hauptstadt. Ich hoffe, ich bekomme einen guten Preis für meine Waren."
"Ich könnte euch auch einen Preis zahlen", sagte der Mann und lachte.
Kalana frösstelte. Sie wollte es sich überhaupt nicht vorstellen.
Sie war froh, als der Mann sich weiter umsah und die Sängerin beäugte. Kalana wäre am liebsten geflohen, aber sie konnte nicht, es hätte zu viel Aufmerksamkeit erregt.
Der Mann versuchte sein Glück bei der Sängerin und kam ihr sichtlich nah. Sicher zu seiner Enttäuschung wehrte sie sich und wollte sich los reißen. Der Mann bekam das Kleid zu fassen und es riss entzwei. Die Sängerin war für einen Moment entblößt, bevor sie das Kleid wieder an den Körper drücken konnte.
"Was ich gesehen habe war sehr interessant", sagte der Mann und ging weiter
auf die Sängerin zu.
"Lass sie in Ruhe", sagte der Flötenspieler mutig und wollte ihn weg schieben. Doch der Mann deutete mit dem Schwert auf den Mann. "Oder was? Ich denke ich habe alles Recht, das hier zu tun. Ich bin Abgeordneter des Parlaments."
Kalana hätte am liebsten gekotzt. Jeder wusste, dass es keine kurrupteren Menschen gab, als Abgeordnete des Parlaments. Sie durften im Prinzip alles und mussten in den meisten Fällen keine Strafe fürchten.
Der Mann ging auf die Sängerin zu, die wie erstarrt an der Wand stand und wild atmend versuchte ihre Beherrschung aufrecht zu erhalten.
"Also Schätzchen, wie magst du es am liebsten? Bestimmt wild und heftig."
"Verschwinde", schrie der Flötenspieler und hatte einen Dolch gezogen. "Ich werde nicht noch einmal eine Warnung aussprechen."
"Leg das Messer weg, es tut nicht gut, einen Abgeordneten zu bedrohen."
"Betrüger, ihr seid alle nur..."
Kalana erstarrte und sah, wie der Flötenspieler ebenso erstarrte. Blut lief ihm aus dem Mund. Die Klinge des Politikers hatte sich mit unglaublicher Geschwindigkeit durch den Bauch gebohrt und deutete schon wieder auf den Hals der Sängerin, bevor der Spieler zusammen brach. Das Blut breitete sich in einer Lache aus und der Politiker ging einen Schritt zurück, um nicht darin stehen zu müssen.
"Gebt acht, was ihr sagt", meinte der Schwertmann und wischte dann die Klinge an der Kleidung des Toten ab. "Die Politik hatte schon immer Vorrechte. Es wird sich nicht ändern. Und ihr Mara", er deutete auf die Sängerin. "Ihr werdet mit mir kommen."
Als der Mann den Arm der Frau packte, schrie sie auf und versuchte sich los zu reißen, aber der Mann hielt sie fest und schleifte sie durch den Schankraum aus dem Haus. Kalppernd fiel die Tür zu.
Kalana sah sich das Blutbad an und schluckte. Es hätte nicht passieren dürfen. Warum hatte sie nicht alles gesagt? Sie hätte ihn retten können. Ihr wurde schlecht und sie übergab sich immer und immer wieder.
Es war, als wollte ihr Körper alles, was er besaß los werden, aber die
Schuld würde sie trägen müssen.
Als es ihr etwas besser ging verließ sie das Haus und trat nach draußen in
die Nacht.
Der Mond hatte nur eine schwache Sichel und wurde immer wieder von Wolken bedeckt. Nach wenigen Momenten folgte ihr auch der Wirt.
"Wie geht es dir?", fragte er besorgt.
"Es geht", sagte Kalana schwach. "Den Umständen entsprechend."
"Das hätte nicht passieren dürfen", meinte der Wirt.
"Was hätte ich denn tun sollen?", fragte Kalana aufgeregt.
"Du hättest die Wahrheit sagen können", meinte der Wirt traurig. "Vielleicht ist es besser, du besuchst mich nicht mehr."
"Wo soll ich denn sonst hin?", fragte sie und sah den Wirt an, den sie schon seit Jahren kannte. "Du bist der letzte Freund, den ich habe."
"Du hast ihn gerade verloren", sagte der Wirt und drehte sich um. "Sag dem Mond deinen Namen, vielleicht vergibt er dir."
Dem Mond den Namen nennen, ein alter Brauch um Schuld und Buße einzugestehen.
Kalana hatte seit Jahren nicht mehr daran gedacht, es jemals wieder zu tun. Sie hatte viel Schuld und Buße würde nicht reichen. Dennoch würde es ein Anfang sein.
Sie kniete sich hin und starrte in den Himmel. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, als sie ihren Namen nannte, ihren ganzen.
"Kalana-Mara Darwenigo."
Dann brach sie in Tränen aus.
Schuld
Die Musik erstarb plötzlich und Kalana drehte sich zur Tür um.
Ein Mann stand dort. Ein Mann, der ein Schwert gezogen hatte und sich in der kleinen Gaststube umschaute. Es waren nur Kalana, der Wirt und drei weitere Gäste im Raum. Ein Flötenspieler und eine Sängerin hatten für die Musik gesorgt und sahen den Fremden angstvoll an.
"Ich suche Mara Darwenigo", sagte der Mann nur und ging auf den Wirt zu. "Hat jemand sie gesehen?"
Das Schwert legte er auf die Theke und sah den Wirt scharf an. Dieser blickte mit weit aufgerissenen Augen den Fremden an und schüttelte den Kopf. "Es tut mir Leid, aber ich habe noch nie von einer Mara gehört."
"Andere auch nicht?", fragte er laut und drehte sich um. Der Blick des Mannes traf auf Kalana, die schluckte.
Er nahm sein Schwert und kam auf sie zu. "Vielleicht gibt sie sich als jemand anderes aus."
"Ich heiße seit meiner Geburt Kalana", sagte die Frau mutig und beantwortete die Frage, die der Mann im nächsten Moment sicherlich gestellt hätte.
"Tatsächlich?", fragte der Mann. Sein Atem roch etwas streng. Seine Zähne waren offenbar nicht die Besten. "Wie kommt es, dass ein so hübsches Mädchen wie ihr in dieser Bruchbude haust."
Sie war schön? Kalana hätte am liebsten gelacht. Die Narbe auf ihrer Wange und die Brandwunden an ihrer linken Hand sprachen eine andere Sprache.
"Ich bin Händlerin", sagte Kalana. "Ich bin auf dem Weg in die Hauptstadt. Ich hoffe, ich bekomme einen guten Preis für meine Waren."
"Ich könnte euch auch einen Preis zahlen", sagte der Mann und lachte.
Kalana frösstelte. Sie wollte es sich überhaupt nicht vorstellen.
Sie war froh, als der Mann sich weiter umsah und die Sängerin beäugte. Kalana wäre am liebsten geflohen, aber sie konnte nicht, es hätte zu viel Aufmerksamkeit erregt.
Der Mann versuchte sein Glück bei der Sängerin und kam ihr sichtlich nah. Sicher zu seiner Enttäuschung wehrte sie sich und wollte sich los reißen. Der Mann bekam das Kleid zu fassen und es riss entzwei. Die Sängerin war für einen Moment entblößt, bevor sie das Kleid wieder an den Körper drücken konnte.
"Was ich gesehen habe war sehr interessant", sagte der Mann und ging weiter
auf die Sängerin zu.
"Lass sie in Ruhe", sagte der Flötenspieler mutig und wollte ihn weg schieben. Doch der Mann deutete mit dem Schwert auf den Mann. "Oder was? Ich denke ich habe alles Recht, das hier zu tun. Ich bin Abgeordneter des Parlaments."
Kalana hätte am liebsten gekotzt. Jeder wusste, dass es keine kurrupteren Menschen gab, als Abgeordnete des Parlaments. Sie durften im Prinzip alles und mussten in den meisten Fällen keine Strafe fürchten.
Der Mann ging auf die Sängerin zu, die wie erstarrt an der Wand stand und wild atmend versuchte ihre Beherrschung aufrecht zu erhalten.
"Also Schätzchen, wie magst du es am liebsten? Bestimmt wild und heftig."
"Verschwinde", schrie der Flötenspieler und hatte einen Dolch gezogen. "Ich werde nicht noch einmal eine Warnung aussprechen."
"Leg das Messer weg, es tut nicht gut, einen Abgeordneten zu bedrohen."
"Betrüger, ihr seid alle nur..."
Kalana erstarrte und sah, wie der Flötenspieler ebenso erstarrte. Blut lief ihm aus dem Mund. Die Klinge des Politikers hatte sich mit unglaublicher Geschwindigkeit durch den Bauch gebohrt und deutete schon wieder auf den Hals der Sängerin, bevor der Spieler zusammen brach. Das Blut breitete sich in einer Lache aus und der Politiker ging einen Schritt zurück, um nicht darin stehen zu müssen.
"Gebt acht, was ihr sagt", meinte der Schwertmann und wischte dann die Klinge an der Kleidung des Toten ab. "Die Politik hatte schon immer Vorrechte. Es wird sich nicht ändern. Und ihr Mara", er deutete auf die Sängerin. "Ihr werdet mit mir kommen."
Als der Mann den Arm der Frau packte, schrie sie auf und versuchte sich los zu reißen, aber der Mann hielt sie fest und schleifte sie durch den Schankraum aus dem Haus. Kalppernd fiel die Tür zu.
Kalana sah sich das Blutbad an und schluckte. Es hätte nicht passieren dürfen. Warum hatte sie nicht alles gesagt? Sie hätte ihn retten können. Ihr wurde schlecht und sie übergab sich immer und immer wieder.
Es war, als wollte ihr Körper alles, was er besaß los werden, aber die
Schuld würde sie trägen müssen.
Als es ihr etwas besser ging verließ sie das Haus und trat nach draußen in
die Nacht.
Der Mond hatte nur eine schwache Sichel und wurde immer wieder von Wolken bedeckt. Nach wenigen Momenten folgte ihr auch der Wirt.
"Wie geht es dir?", fragte er besorgt.
"Es geht", sagte Kalana schwach. "Den Umständen entsprechend."
"Das hätte nicht passieren dürfen", meinte der Wirt.
"Was hätte ich denn tun sollen?", fragte Kalana aufgeregt.
"Du hättest die Wahrheit sagen können", meinte der Wirt traurig. "Vielleicht ist es besser, du besuchst mich nicht mehr."
"Wo soll ich denn sonst hin?", fragte sie und sah den Wirt an, den sie schon seit Jahren kannte. "Du bist der letzte Freund, den ich habe."
"Du hast ihn gerade verloren", sagte der Wirt und drehte sich um. "Sag dem Mond deinen Namen, vielleicht vergibt er dir."
Dem Mond den Namen nennen, ein alter Brauch um Schuld und Buße einzugestehen.
Kalana hatte seit Jahren nicht mehr daran gedacht, es jemals wieder zu tun. Sie hatte viel Schuld und Buße würde nicht reichen. Dennoch würde es ein Anfang sein.
Sie kniete sich hin und starrte in den Himmel. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, als sie ihren Namen nannte, ihren ganzen.
"Kalana-Mara Darwenigo."
Dann brach sie in Tränen aus.