PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kurzgeschichte Das weißt du doch


ChibiShiina
14.02.2008, 19:33
Dies ist eine kleine Kurzgeschichte. Von den Stammusern werden sie einige wiedererkennen. Damit habe ich damals am Schreibwettbewerb zum Thema "Gänsehaut" mitgemacht.
Nur eine kleine Anmerkung habe ich. Ich hab diesmal die etwas längere Fassung genommen, die ich ja kürzen musste wegen der Wortbegrenzung.

Ich dachte mir, wäre doch ein netter, kleiner Einstieg. Von mir wird hoffentlich auch bald noch etwas eigenes dazustoßen, etwas, das vielleicht ein bisschen länger ist und etwas mehr noch in Richtung Fantasy geht.

Hier ist der Feedback-Thread (http://www.fantasy-forum.org/showthread.php?p=2323#post2323)

Und hier ist die kleine Kurzgeschichte.

Das weißt du doch

Ich kannte sie nun schon seit ein paar Tagen, aber so wirklich viel wusste ich noch nicht über sie. Nur dass sie seltsame Angewohnheiten hatte.
Eine dieser Angewohnheiten war es, dass sie sich immer an genau demselben Ort treffen wollte, immer unter der Bahnbrücke, immer zu genau derselben Uhrzeit, 21:36 Uhr.
Wieder so eine seltsame Angewohnheit. Sie kam nie früher, aber auch nie später, als wäre ihr diese Uhrzeit in Mark und Bein übergegangen.

Seufzend wartete ich auch heute an genau dieser Bahnbrücke. Es war still um mich herum. Klar, der Zug fuhr ja auch erst jetzt am Bahnhof ab, ich wusste es, immerhin war ich selbst lange genug mit diesem Zug gefahren. Nein, nicht jeden Tag, nur wenn ich meine Eltern besuchte, die weit ausserhalb der Stadt wohnten, zu weit als dass ich jeden Tag mit dem Zug zur Uni von dort aus fahren könnte.
Ein leichter Wind kam auf, verschaffte in der sommerlichen Abendschwüle etwas Abkühlung, während ich mir eine Zigarette anzündete und nebenbei mein Handgelenk etwas drehte. Die Uhr daran zeigte 21:34 Uhr, in zwei Minuten ist es soweit, dann würde sie kommen, und sie würde sein wie immer. Gut aufgelegt und wieder mit irgendeinem ihrer fiesen Scherze im Schlepptau.
Wieder so eine Angewohnheit die ich nicht ganz nachvollziehen konnte. Es war dunkel um mich herum und sie nutzte diese Dunkelheit für ihre Scherze aus. Sie schien sich irgendwo zu verstecken und darauf zu lauern dass es genau 21:36 Uhr war, und dann kam sie heraus und erschreckte mich beinahe zu Tode.
Ich hatte schon versucht ihr zuvor zu kommen und ihr Versteck ausfindig zu machen, aber jedes Mal wieder schaffte sie es mich doch zu erschrecken, weil sie genau dort herauskam wo ich natürlich noch nicht gesucht hatte. Und einmal kam sie sogar aus einem Abschnitt heraus, den ich sogar schon durchsucht hatte…
Deshalb hatte ich es aufgegeben und da ich ja wusste dass sie mich erschreckte war ich darauf vorbereitet, obwohl mir ja doch immer eine Gänsehaut über den Rücken runter rann wenn sie es tat…

Ein Rattern unterbrach kurz meinen Gedankengang, der Zug raste über die Brücke hinweg. Das gleichmäßige Rattern durchbrach die Stille wie Gewehrschüsse, tödliche Gewehrschüsse… jeder Schuss ein Treffer…
„BUUUUHH…“, schrie es da auf einmal hinter mir, übertönte sogar noch den Zug. Ich selbst fuhr erschrocken zusammen, ließ beinahe meine angefangene Zigarette ins trockene Gras fallen und hätte damit wohl einen Waldbrand ausgelöst.
Hastig fing ich mich wieder und drückte meine rechte Hand gegen die Brust, das Herz dahinter drohte zu zerspringen während ich mich herumdrehte.
„Musst du mich jeden Abend so erschrecken?“ fauchte ich in ihre Richtung und sie glitt langsam aus der Dunkelheit auf mich zu, ins Licht dass hier unter der Bahnbrücke angebracht war – Lautlos. Ihr Mund war zu einem Grinsen verzogen, die Hände waren hinter ihrem Körper verschränkt, und sie sagte das, was sie jeden Abend darauf sagte. „Das weißt du doch!“
Gleichzeitig mit dem Ende des Satzes, verschwand auch das Rattern des Zuges über unseren Köpfen.
Der Geruch der in der Sommerhitze verwelkten Blumen stach mir in die Nase und mein Blick glitt unweigerlich dorthin. Sie galten der Person die sich vor ein paar Tagen vor den Zug geworfen hatte der hier immer genau um 21:36 Uhr vorbeiratterte –
„Du weißt doch dass ich dich gerne ein bisschen erschrecke.“ Sie riss mich wieder aus meinen Gedankengängen und ich drehte mich zu ihr herum, die Zigarette schmeckte mir auf einmal nicht mehr, der Geruch der verwelkten Blumen wurde bedeutungslos weil sie folgendes sagte und mich daran erinnerte wer ich war: „Immerhin bist du der einzig schreckhafte Geist weit und breit…“