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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Alastair Reynolds - Das Haus der Sonnen


Allgemeinplatz
12.07.2009, 22:51
Die Menschheit hat sich im All ausgebreitet ... Mittels Klontechnik hat man anfangs nur ganz wenige Menschen ins All geschickt - in immer wieder neuen Ausgaben ihrer selbst. Und so sind in Millionen von Jahren sogenannte »Häuser« entstanden, Konglomerate aus Tausenden von Menschen, die eigentlich ein einziges Individuum sind. Jedes Mal, wenn diese »Häuser« zusammenkommen, verändert sich die Richtung, die die Zivilisation nimmt.


Handlung:
Der Roman besitzt zwei Erzählstränge.
Vergangenheit: Die Menschheit hat sich bis an die Grenzen unseres Sonnensystems ausgedehnt, ohne jedoch in den interstellaren Raum vorzudringen oder gar überlichtschnelle Raumfahrt zu entwickeln. Abigail Gentian ist die kindliche Erbin einer Dynastie von Industriemagnaten, die zum Kriegszweck Klone erschufen und darauf ihre, jetzt schwindenden, Macht und Reichtum aufbauten. Um die technische und kulturelle Stagnation zu durchbrechen, lässt sie Klone ihrer selbst (jedoch mit unterschiedlicher Physigionomie und Persönlichkeit) anfertigen, die jedoch tief im innern noch immer ihre genetischen Informationen und Teile ihres Bewusstseins tragen. Diese Klone sendet sie mit unterlichtschnellen Schiffen aus, die Sterne zu erkunden und gibt vor, das sie sich in gewissen Abständen wieder treffen, ihr Wissen austauschen und zu einem gemeinsamen, kollektiven Wissensspeicher vereinen sollen. Abigail geht jedoch einen Schritt weiter, denn einer der tausend Klone wird, von den anderen unerkannt, ihren eigene Persönlichkeit enthalten. Die Phase der interstellaren, menschlichen Expansion beginnt, wenngleich jeder Schritt Jahrhunderte oder gar Jahrmillionen dauert.
Gleichzeitig trifft sie sich noch mit einem Jungen einer anderen, großen Wirtschaftsdynastie, deren Reichtum sich auf den Bau von Robotern und KI´s erstreckt. Beide spielen in einer virtuellen Welt gegeneinander, dem sog. Puppenhaus, und es ist klar, das ihr Verhältniss Rivalität und Freundschaft
gleichermaßen beinhaltet. Allerdings entfremdet sie das Puppenhaus auch voneinander und am Ende kann Abigail nur knapp dem Verlust ihrer geistigen Gesundheit entrinnen.
Zukunft bzw. Gegenwart: Viele Familien haben ihre Klone ins All geschickt und auch die Familie Gentian ist immer noch aktiv. Portula und Campion sind (verbotener Weise) ein Paar und durch einen unglücklichen Zufall verspäten sie sich zu ihrem zyklischen Treffen um mit den anderen Familienmitgliedern Informationen auszutauschen. Als sie dann am Treffpunkt ankommen, müssen sie feststellen, das eine unbekannte Macht versucht hat, die Familie Gentian auszulöschen.

Portula und Campion haben indess während ihrer Verspätung den Maschinenmenschen Hesperus als Gast aufgenommen, der jedoch unter Einsatz seines Lebens die Beiden vor der Vernichtung rettet. Nur etwas über fünfzig Mitglieder der Gentians und einige ihrer Gäste überleben das Massaker und sammeln sich erneut, um die Hintergründe der Tat heraus zu finden.
Am Sammelpunkt treffen sie zudem auf weitere Maschinenmenschen, nämlich das Pärchen Kadenz und Kaskade. Durch eine scheinbare Verkettung von Zufällen wird Hesperus repariert (mehr als das, denn er birgt danach Teile eines menschlichen Bewusstseins in seinem Metallkörper), Kadenz und Kaskade kommen in den Besitzt von Portulas und deren Raumschiff, kidnappen diese und Hesperus um dann mit unbekanntem Ziel zu flüchten. Gleichzeitig werden Anschläge auf die Familie Gentian verübt, dar klar machen, das sich Verräter in den eigenen Reihen aufhalten müssen.
Campion und einige andere Familienmitglieder machen sich an die Verfolgung und während dieser Jagd klärt sich das Geheimnis auf.
Die erste robotische Zivilisation der Galaxis (die Dynastie des kleinen Jungen aus der Vergangenheit?) wurde aus reiner Xenophobie heraus von den Menschen nahezu vernichtet. Um diese kollektive Schuld zu vertuschen, beschlossen alle Familien das dazugehörige Wissen systematisch auszumerzen. Dazu gründeten sie eine Geheimorganisation innerhalb der eigenen Reihen, das sog. Haus der Sonnen. Als nun Campion durch einen Zufall über genau jene Informationen stößt und diese unwissentlich in den kollektiven Datenspeicher der Familie Gentian einfließen lässt, wird das Haus der Sonnen aktiv und versucht die gesamte Familie mit Stumpf und Stil auszurotten.
Auf der anderen Seite stehen Kadenz und Kaskade, Angehörige der zweiten Maschinenzivilisation, die ebenfalls von dem Verbrechen des Xenozid erfahren haben. Angeblich sind die letzten Überlebenden der ersten Maschinenmenschen durch ein Wurmloch nach Andromeda geflüchtet. In Portulas Raumschiff indes befindet sich der Schlüssel, um dieses Wurmloch erneut zu öffnen und die sicher auf Rache dürstenden Maschinen auf die Milchstraße los zulassen. Es würde die vollständige Auslöschung alles organischen Lebens folgen.
Am Ende zeigt sich, das alle von falschen Voraussetzungen ausgegangen sind. Während in der Milchstraße immer wieder neue menschliche Zivilisationen entstanden und innerhalb von jahrhunderten vergingen, haben die Roboter Beständigkeit erwiesen und sich technisch, aber auch ethisch und geistig weiter entwickelt. Sie haben den Menschen schon lange vergeben. Es bleibt die Chance, das die auf Verständigung bauenden Elemente der Zweiten Maschinemenschen und der verschiedenen Familien aufeinander zugehen und sich gemeinsam weiter entwickeln.

Lob & Tadel:
- Es ist schwer der komplexen und verwobenen Handlung gerecht zu werden, denn sie bietet zahlreiche Dreh- und Angelpunkte, welche der Geschichte überraschende Wendungen geben. Dabei wirkt das ganze nicht konstruiert und hölzern, wenngleich bei der kurzen Zusammenfassung der Eindruck entstehen könnte.
- Den Großteil des Romans wird die Handlung aus der Sicht Campions oder Portulas aus der Ich-Perspektive beschrieben. Dabei schafft es Reynolds die gewaltigen Zeitlichen und Räumlichen Maßstäbe durch diesen persönlichen Handlungsbezug im Rahmen zu halten. Durch einfühlsame Charakterisierung entsteht so eine Handlung die nicht mit technischen Details erdrückt und nicht steril wirkt. Das wird besonders am Ende deutlich, wenn nicht (nur) die großartige Zukunftsvision, sondern vielmehr das Verhältnis Portula-Campion-Hesperus den Abschluss bildet und tatsächlich zu Tränen rührt.
- Einzig die Episoden aus der Vergangenheit lassen noch ein paar Fragen offen. War die Dynastie des kleinen Jungen die Grundlage der ersten Maschinenmenschen? Welchen Bezug sollte das Puppenhaus zum Rest der Handlung herstellen (außer den offensichtlichen in der Ähnlichkeit der Geschehnisse)? Wie ist die Langlebigkeit der Klone zu erklären? Alleine nur durch Stasis und Zeitdilletation 6 Millionen Jahre überücken?
- Die Handlung im Puppenhaus wirkte teilweise ein wenig fehl am Platze und bot in ihren Ideen nichts neues. Mich persönlich erinnerte diese Art der Geschichte ein wenig an Orson Scott Cards Ender, oder Neal Stephensons Diamond Age.

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