Ts4EVER
17.07.2009, 14:03
Hi
Mal wieder was von mir. Bei der letzten Geschichte die ich hier gepostet habe, war ein häufiger Kritikpunkt dass das Innenleben und die Gefühle der Charaktere nicht richtig rüberkamen. Ich hoffe dass mir das diesmal besser gelungen ist.
Wie ihr am Ende erkennen werdet, hatte ich ursprünglich vor, die Geschichte im Weltenbaumwettbewerb einzureichen, aber ich bin nicht rechtzeitig fertig geworden und bin mir ehrlich gesagt auch nicht sicher wie die Geschichte ankommt.
Wie immer: kritik bitte!
Flussabwärts
16.07.0133
Kyra lehnte sich über den flachen Rand des Bootes und blickte in die trüben Tiefen des Flusses. Sie versuchte ihr Spiegelbild zu erkennen, doch die Oberfläche blieb braun und stumpf. Sie kräuselte sich leicht, als die junge Frau ihre Hände hinein tauchte, um sich mit dem Wasser anschließend das Gesicht und die Haare zu waschen. Es war von der allgegenwärtigen Hitze aufgewärmt und roch seltsam erdig, doch es half ein wenig ihren noch etwas verschlafenen Kopf endgültig aufzuwecken.
Nachdem sie ihre Haare notdürftig gesäubert hatte, hob sie den Blick und studierte ihre Umgebung. Dschungel. Immer noch dieser von den Göttern verdammte Dschungel, der sich wie schmutziger Filz an jenen braunen Fluss anschmiegte, den sie jetzt schon seit wer weiß wie lange hinauf segelten. An manchen Tagen schienen die tropischen Bäume und Schlingpflanzen näher zu rücken.
Ihre Ranken und Wurzeln, von denen sich von Zeit zu Zeit große Echsen lautlos ins Wasser gleiten ließen, schienen nach dem Boot zu greifen und der Himmel war teilweise stundenlang durch das dichte Blätterdach über dem Boot verborgen.
Kyra rieb sich die Augen und blickte sich auf dem kleinen Einmaster um. Ihre Mitreisenden waren bereits wach. Ragnolf saß auf seinem Rucksack und polierte seine Waffen und seine Rüstung, eine Aufgabe, an der er anscheinend großen Gefallen fand.
Soweit Kyra wusste, war er ein Söldner und wurde wahrscheinlich angeheuert, um die Expedition gegen Angriffe von wem auch immer zu verteidigen. Sein Gesicht war von den Narben vergangener Schlachten gezeichnet, sein linker Arm in einer improvisierten Schlinge und wenn er gerade nicht seine Waffen reinigte, beobachtete er misstrauisch den undurchdringlichen Dschungel. Klaas lag in einer Hängematte, die er zwischen dem Mast und einem Haken an der Kapitänskajüte aufgespannt hatte. Er las in einem seiner dicken Wälzer und sah nur auf, um mit seinem Fliegennetz zufällig vorbeifliegende Schmetterlinge zu fangen, die er jedesmal eifrig studierte und anschließend nach sich selbst benannte.
Er war ein bleicher, schmächtiger Junge, der in den dunklen, trockenen Tiefen einer Bibliothek wahrscheinlich besser aufgehoben wäre als in den dunklen, feuchten Tiefen des Urwalds.
Und dann war da Norak. Er war der Anführer der Expedition, soweit man das sagen konnte, und Kyra war sich nicht sicher, ob er in der letzten Nacht überhaupt geschlafen hatte. In einem schwarzen Mantel gehüllt stand er im Bug des Bootes und starrte mit kalten, blauen Augen dem Ziel entgegen.
In der Enge des Bootes war es schwierig, sich regelmäßig die Füße zu vertreten.
Kyra stand auf, um ein wenig im Kreis zu laufen, doch ein herumliegendes Seil brachte sie beinahe zu Fall. Sie stieß einen nicht sehr damenhaften Fluch aus, der sogar Klaas für einen Moment von seiner Lektüre aufblicken ließ. Norak zeigte keine Regung. Ragnolf sagte lachend: „Ich habe diese Worte selten außerhalb eines Schlachtfelds gehört.“ Kyra stieß das Seil mit dem Fuß beiseite und ließ sich auf einem der Vorratsfässer nieder.
„Haben Sie in vielen Schlachten gekämpft?“, fragte sie den Krieger.
„Das „Sie“ lass mal stecken“, meinte dieser und zwinkerte ihr zu. „Und ja, ich habe schon so manches Gefecht hinter mich gebracht.“
Er deutete auf seinen verletzten Arm.
„Den habe ich einem verdammten Ork in der Schlacht von Al Quds zu verdanken.“
Er blickte sie erwartungsvoll an, als wartete er auf eine bestimmte Antwort. „Ähm… Verzeihung, aber mein Wissen über die berühmten Schlachten der Weltgeschichte ist leider eher begrenzt… Wer hat sie denn gewonnen?“
Ragnolf setzte zu einer Antwort an, doch hielt plötzlich inne. Eine seltsame Verwirrtheit erschien auf seinem Gesicht. „Ich… weiß es nicht“, sagte er schockiert.
„Nun ja, sowas passiert“, meinte Kyra beschwichtigend. Vielleicht hatte nicht nur sein Arm einen kleinen Schlag abbekommen.
In diesem Moment hörte sie es. Ein leises Flüstern, wie der Hauch einer Konversation im dichter werdenden Nebel. Ragnolf spannte sich und tastete nach seiner Waffe, während er aufmerksam das Ufer beobachtete.
„Wir sind nicht allein“, sagte er ruhig.
Kyra atmete leise aus. Die Stimmen schienen lauter zu werden und begannen sich von den Geräuschen des Dschungels abzuheben. Sie blickte zu Norak herüber. Er stand immer noch regungslos im Bug des Bootes, die Augen starr nach vorne gerichtet. Ragnolf erhob sich jetzt langsam und bedächtig. Ein Flüstern… oder ein Klagen? Kyra bemerkte, dass sich ihre Hände fest in das Seil gekrallt hatten, mit dem sie geistesabwesend gespielt hatte. Ragnolf war jetzt am Bug angekommen.
„Hören Sie das auch?“, fragte er Norak leise.
„Ja“, antwortete dieser. „Glauben sie die sind feindlich?“, hakte Ragnolf nach.
„Nein“, meinte Norak mit seiner leisen, aber dunklen Stimme. „Sie sind Reisende, wie wir.“
Ragnolf sah nicht sonderlich überzeugt aus, doch Kyra entspannte sich. Etwas an der Art wie Norak es sagte, schien es irgendwie… wahr zu machen. Norak war kein Lügner.
„Hört ihr auch gerade Stimmen?“, fragte eine leicht verwirrt klingende Stimme. Klaas hatte sich anscheinend von seinem Wälzer losgerissen und blickte sich etwas orientierungslos um.
„Ja, wir hören sie auch.“, knurrte Ragnolf mit verächtlichem Tonfall.
„Oh. Dann ist ja gut.“, meinte Klaas und wandte sich wieder seinen Studien zu. Doch er hatte Ragnolfs Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
„Was liest du da überhaupt?“, fragte dieser und nahm ihm das Buch unter der bebrillten Nase weg.
„Das ist ein seltener taxonomischer Band über die Schmetterlingsarten des Südens“, antwortete Klaas. „Warum das Interesse an Schmetterlingen? Magst du einfach bunte Sachen oder bist du ein Sodomit oder sowas?“, fragte der Krieger und sah sich feixend im Boot um.
Doch Norak stand weiter ungerührt im Bug und Kyra schenkte ihm nur ein kurzes Mitleidsgrinsen. Leicht enttäuscht und mit deutlicher Geringschätzung gab er das Buch zurück.
„Du solltest deine Augen lieber auf den Dschungel richten als auf deine taxognomischen Bücher“, meinte er. „Diese Stimmen sind mir nicht geheuer, egal was unser so genannter Anführer sagt.“
Er kam jetzt wieder in den hinteren Teil des Bootes. Kyra stand auf um ihm Platz zu machen.
„Du musst doch nicht aufstehen, Kindchen“, sagte er mit einem anzüglichen Zwinkern.
„Kein Problem, ich wollte mir sowieso die Beine vertreten.“, antwortete Kyra. Das letzte, was sie jetzt brauchte, war Ragnolfs dreckiges Grinsen, wenn er sich unnötig eng an ihr vorbeizwängte. Das Vorratsfass, auf dem sie gesessen hatte, rollte ein Stück weg. Ragnolfs Grinsen fror ein. Er stieß das Fass mit seinem Fuß an.
„Leer“, zischte er und ging zu den nächsten. Der Reihe nach rüttelte er an ihnen, während sein Gesicht immer wütender wurde. Ein lautes Krachen ertönte und wurde vom Urwald verschluckt, als seine Axt eines der Fässer zerschlug. Nur einige Holzsplitter und Sägespäne flogen durch die Luft. Langsam drehte sich Ragnolf um, während seine Augen vor Wut flackerten.
„Wir müssen uns unterhalten, Norak.“
Das ständige Dämmerlicht, in das der Urwald getaucht war, machte es schwierig, Stunden oder gar Tage zu zählen. Die Zeit schien genauso still zu stehen wie die stickige, nach Krankheit und Schlamm stinkende Luft. Kyra konnte sich an keine einzige Nacht erinnern, nur an verschiedene Schattierungen Düsterheit, die sich hin und wieder abwechselnden. Dennoch war sie sich sicher, schon einige Tage, wenn nicht Wochen unterwegs gewesen zu sein.
Wieder blickte sie über den Rand des Bootes. Das Wasser hatte sich verändert. Es war nicht mehr braun und trübe, sondern pechschwarz und spiegelglatt. Sie betrachtete ihr Spiegelbild. Fahl und bleich blickte sie sich selbst aus den Tiefen entgegen, mit schwarzen Ringen unter den Augen. Hinter sich hörte sie ein weiteres Wortgefecht zwischen Ragnolf und Norak aufflammen, ein Gefecht das der alte Krieger wiederum verlieren würde.
Seit Stunden (oder Tagen?) fuhr Ragnolf immer wieder auf, um lautstark seine Meinung über die durch schlechte Planung und schamlosen Betrug zum Scheitern verurteilte Expedition kundzutun.
Und immer antwortete Norak mit kurzen, präzisen Antworten, die den Wüterich immer wieder in einen Zustand düsteren Brodelns zurückversetzten. Es war nicht mehr weit bis zum Ziel. Proviant war nicht von Bedeutung. Das Ziel. Kyra war seltsam unberührt durch die Streitigkeiten. Es überraschte sie, wie ruhig sie war. Sie fühlte sich friedlich und geborgen.
Zwar hatte sie schon eine Weile nichts mehr gegessen, doch aus irgendeinem Grund erschien ihr das unwichtig. Die Luft war immer noch warm und klebrig, doch die scheußlichen Mückenschwärme, die alle paar Stunden über das Boot hergefallen waren, blieben verschwunden. Außer dem weiter anhaltenden Stimmen, die immer wieder vom Ufer herüberklangen, war es still unter dem Blätterdach.
Ein weiteres Gesicht tauchte neben dem ihren auf. Es war Klaas. Kyra lächelte. „Hast dich von den Schmetterlingen losgerissen, wie?“
„Um ehrlich zu sein, in letzter Zeit habe ich gar keine mehr gesehen. Sie scheinen in diesem Teil des Habitats nicht endemisch zu sein.“ Er grinste etwas unsicher. „Willst du meine Sammlung sehen?“
Kyra war mit drei Brüdern aufgewachsen, die im Sommer häufig Schmetterlinge gefangen und in Büchern gepresst hatten.
Die toten Tiere so aufgereiht zu sehen, hatte sie traurig gemacht. Allerdings war Klaas ein angenehmerer Gesprächspartner als der einsilbige Norak oder der cholerische Ragnolf und so stimmte sie zu. Klaas kramte einen großen Kasten unter seiner Hängematte hervor und öffnete ihn vorsichtig. In seinem Inneren waren mehrere Schmetterlinge aufgereiht, mit Nadeln aufgespießt und sorgfältig in elfischer Schrift etikettiert. Sie alle waren groß und hatten pechschwarze Flügel, ohne jegliches Muster.
Klaas ließ seine Augen begeistert über die toten Insekten streifen. „Sind sie nicht wunderschön? Ein völlig neues Genus… und welche Vielfalt!“
Kyra nickte, obwohl sie sich fragte, wo er denn genau einen Unterschied zwischen den Exemplaren festgestellt hatte.
„Diese Expedition ist einfach ein Traum für einen Wissenschaftler wie mich“, meinte er, während er den Kasten wieder verstaute.
„Machst du dir keine Sorgen?“, fragte Kyra.
„Nein, eigentlich nicht“, antwortete er. „Wird sich schon alles zum Besten wenden.“
"Warst du vorher schon mal auf einer Expedition?" Kyra konnte sich die Antwort eigentlich denken.
„Nein“, meinte Klaas. „Ich hab die Insektenwelt bisher in der Bibliothek meiner Alma Mater studiert.“
„Klingt nicht sehr aufregend, um ehrlich zu sein“, sagte Kyra.
„Du wärst überrascht!“, antwortete Klaas eifrig. „Einmal habe ich unvorsichtigerweise ein an die taxonomische Fakultät gerichtetes Paket geöffnet und wurde von einer Süd-Sangwebarischen Palmwespe (vespus fatalum) gestochen, eines der giftigsten Insekten der Welt.“
Dieser Anekdote folgte ein halbstündiger Vortrag über das Verhalten dieser seltenen Wespenart, die man im Kaiserreich lange Zeit für südländischen Aberglauben hielt und die bevorzugt in der Gemeinen Rundstammpalme nistet. Kyra hörte mit einem Ohr zu, während ihr Geist sich ein wenig driften ließ.
Noch vor Tagen hätte sie an ihr Zuhause gedacht, an ihre Familie und ihr Viertel, aber diese Gedanken schienen ihr nun seltsam fremd und fern. Stattdessen sah sie Bilder von dunklen Bäumen und Würgepflanzen, und einem Mann mit Rabenkopf, der immer wieder in ihren Gedanken aufblitzte, wie eine ferne Erinnerung.
Norak riss seinen Blick für einen Augenblick vom Fluss los, als sich Kyra zu ihm gesellte und seinen Namen nannte. Er nickte zur Antwort.
„Warum bin ich auf dieser Expedition?“, fragte sie.
„Was meinen Sie?“, antwortete er, wie gewöhnlich kurz angebunden.
„Nun ja… ich bin kein Wissenschaftler wie Klaas und kein Krieger wie Ragnolf. Ich bin praktisch überhaupt nichts.“, antwortete sie vorsichtig.
Norak nahm sich einige Sekunden Zeit bevor er antwortete.
„Ich bin schon mit vielen Menschen gereist. Keiner von ihnen war „gar nichts“. Die meisten von ihnen waren mehr als ich.“ Er drehte sich zu ihr und fragte: „Was sind Sie?“
Es fiel Kyra schwer, sich an ihre Vergangenheit zu erinnern. Zu viel war passiert, zu viel war verloren. Dennoch antwortete sie.
„Ich bin… war die Frau eines Gewürzhändlers in Korsu. Ich habe mich um das Haus gekümmert, aber auch Abrechnungen und Inventarlisten für meinen Mann gemacht. Wir hatten drei Kinder, der Jüngste war 2.“
Sie fühlte, wie ihre Stimme zu brechen begann. „Tut mir leid. Ich fürchte ich bin etwas emotional. Ich habe bisher mit Niemandem auf diesem Boot über meine Vergangenheit gesprochen.“
Die Frage war, warum sie sich gerade mit Norak unterhielt, jener kalten und wortkargen Person, die sich anscheinend weder um seine Untergebenen, noch ihr Wohlergehen kümmerte.
„Was ist passiert?“, fragte er.
Kyra schluckte und fuhr fort: „Da war dieses Feuer.“ Sie fühlte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen. „Ich weiß nicht wie es ausgebrochen ist. Wir haben die beiden Älteren rausgeholt, aber…“ Wieder musste sie schlucken. Sie blickte auf. Noraks Gesicht war immer noch ausdruckslos, doch in seinen Augen schimmerte etwas anderes, auch wenn es in einer Sekunde wieder verschwunden war.
„Sie konnten ihr jüngstes Kind nicht retten?“, fragte er.
„Nein. Ich bin nochmal hineingerannt, aber…“ Sie brach ab.
„Ich hab genug!“, grunzte Ragnolf. Er raffte sich auf und zog sein Schwert. „Diese Stimmen, am Ufer, das sind Menschen, oder?“
„Ja“, antwortete Norak mit seiner unverschämt ruhigen Stimme. „Dann haben sie Essen! Wir können uns Vorräte von ihnen kaufen!“ Er fuchtelte mit seinem Schwert. „Du bist doch reich, oder? Du hast Geld!“
Klaas hatte sich ebenfalls erhoben und begann in seiner Hosentasche zu kramen. Er holte etwas heraus. „Ich hab nur zwei Goldstücke mit. Reicht das?“, fragte er.
„Die werdet ihr noch brauchen.“, antwortete Norak.
„Ach ja? Für was denn? Ich hoffe es ist wichtiger als Vorräte, du Verrückter!“, schrie Ragnolf, der jetzt dem Wahnsinn näher schien als Norak. Dieser drehte sich wieder bugwärts.
„Wir sind am Ziel.“
Es war der größte Baum den Kyra jemals gesehen hatte. Zu sagen, seine Triebe verschwänden in den Wolken, käme einer Untertreibung gleich. Je länger Kyra sie betrachtete, desto sicherer war sie, dass die Triebe viel eher die Wolken waren. Der Stamm hatte Umfang und Masse eines kleinen Gebirges und die Wurzeln verschwanden im Boden wie Hügelketten.
„Was zur Hölle ist das?“, fragte Ragnolf. Seine Stimme zitterte.
„Der Ursprung“, antwortete Norak.
Der Anblick war so atemberaubend, dass Kyra die schwarze Gestalt erst spät erblickte. Er trug einen langen schwarzen Mantel und eine noch schwärzere Maske, die ihn wie einen riesigen Aasvogel aussehen ließ. Dennoch wirkte er nicht bedrohlich oder bösartig. Er strahlte etwas aus, das Kyra nur mit dem Wort „Ende“ beschreiben konnte. Die Gestalt begann zu sprechen.
„Wie immer pünktlich. Haben sie die Münzen?“ Seine Stimme klang wie Noraks, aber älter und… endgültiger. Norak nickte zur Antwort. Der Vogelmann öffnete eine Pergamentrolle und las vor.
„Ragnolf Hildottir
Geboren am 14.03.0096 in Wallhafen. Gestorben am 16.07.0133 in der Schlacht von Al Quds.“
„Klaas Sorro
Geboren am 27.05.0113 in Flanhagen. Gestorben am 16.07.0133 in Flanhagen, durch das Gift einer Süd-Sangwebarischen Palmwespe.“
„Kyra Strate
Geboren am 13.12.0106 in Korsu. Gestorben am 16.07.0133 in Korsu, an Rauchvergiftung“
Mal wieder was von mir. Bei der letzten Geschichte die ich hier gepostet habe, war ein häufiger Kritikpunkt dass das Innenleben und die Gefühle der Charaktere nicht richtig rüberkamen. Ich hoffe dass mir das diesmal besser gelungen ist.
Wie ihr am Ende erkennen werdet, hatte ich ursprünglich vor, die Geschichte im Weltenbaumwettbewerb einzureichen, aber ich bin nicht rechtzeitig fertig geworden und bin mir ehrlich gesagt auch nicht sicher wie die Geschichte ankommt.
Wie immer: kritik bitte!
Flussabwärts
16.07.0133
Kyra lehnte sich über den flachen Rand des Bootes und blickte in die trüben Tiefen des Flusses. Sie versuchte ihr Spiegelbild zu erkennen, doch die Oberfläche blieb braun und stumpf. Sie kräuselte sich leicht, als die junge Frau ihre Hände hinein tauchte, um sich mit dem Wasser anschließend das Gesicht und die Haare zu waschen. Es war von der allgegenwärtigen Hitze aufgewärmt und roch seltsam erdig, doch es half ein wenig ihren noch etwas verschlafenen Kopf endgültig aufzuwecken.
Nachdem sie ihre Haare notdürftig gesäubert hatte, hob sie den Blick und studierte ihre Umgebung. Dschungel. Immer noch dieser von den Göttern verdammte Dschungel, der sich wie schmutziger Filz an jenen braunen Fluss anschmiegte, den sie jetzt schon seit wer weiß wie lange hinauf segelten. An manchen Tagen schienen die tropischen Bäume und Schlingpflanzen näher zu rücken.
Ihre Ranken und Wurzeln, von denen sich von Zeit zu Zeit große Echsen lautlos ins Wasser gleiten ließen, schienen nach dem Boot zu greifen und der Himmel war teilweise stundenlang durch das dichte Blätterdach über dem Boot verborgen.
Kyra rieb sich die Augen und blickte sich auf dem kleinen Einmaster um. Ihre Mitreisenden waren bereits wach. Ragnolf saß auf seinem Rucksack und polierte seine Waffen und seine Rüstung, eine Aufgabe, an der er anscheinend großen Gefallen fand.
Soweit Kyra wusste, war er ein Söldner und wurde wahrscheinlich angeheuert, um die Expedition gegen Angriffe von wem auch immer zu verteidigen. Sein Gesicht war von den Narben vergangener Schlachten gezeichnet, sein linker Arm in einer improvisierten Schlinge und wenn er gerade nicht seine Waffen reinigte, beobachtete er misstrauisch den undurchdringlichen Dschungel. Klaas lag in einer Hängematte, die er zwischen dem Mast und einem Haken an der Kapitänskajüte aufgespannt hatte. Er las in einem seiner dicken Wälzer und sah nur auf, um mit seinem Fliegennetz zufällig vorbeifliegende Schmetterlinge zu fangen, die er jedesmal eifrig studierte und anschließend nach sich selbst benannte.
Er war ein bleicher, schmächtiger Junge, der in den dunklen, trockenen Tiefen einer Bibliothek wahrscheinlich besser aufgehoben wäre als in den dunklen, feuchten Tiefen des Urwalds.
Und dann war da Norak. Er war der Anführer der Expedition, soweit man das sagen konnte, und Kyra war sich nicht sicher, ob er in der letzten Nacht überhaupt geschlafen hatte. In einem schwarzen Mantel gehüllt stand er im Bug des Bootes und starrte mit kalten, blauen Augen dem Ziel entgegen.
In der Enge des Bootes war es schwierig, sich regelmäßig die Füße zu vertreten.
Kyra stand auf, um ein wenig im Kreis zu laufen, doch ein herumliegendes Seil brachte sie beinahe zu Fall. Sie stieß einen nicht sehr damenhaften Fluch aus, der sogar Klaas für einen Moment von seiner Lektüre aufblicken ließ. Norak zeigte keine Regung. Ragnolf sagte lachend: „Ich habe diese Worte selten außerhalb eines Schlachtfelds gehört.“ Kyra stieß das Seil mit dem Fuß beiseite und ließ sich auf einem der Vorratsfässer nieder.
„Haben Sie in vielen Schlachten gekämpft?“, fragte sie den Krieger.
„Das „Sie“ lass mal stecken“, meinte dieser und zwinkerte ihr zu. „Und ja, ich habe schon so manches Gefecht hinter mich gebracht.“
Er deutete auf seinen verletzten Arm.
„Den habe ich einem verdammten Ork in der Schlacht von Al Quds zu verdanken.“
Er blickte sie erwartungsvoll an, als wartete er auf eine bestimmte Antwort. „Ähm… Verzeihung, aber mein Wissen über die berühmten Schlachten der Weltgeschichte ist leider eher begrenzt… Wer hat sie denn gewonnen?“
Ragnolf setzte zu einer Antwort an, doch hielt plötzlich inne. Eine seltsame Verwirrtheit erschien auf seinem Gesicht. „Ich… weiß es nicht“, sagte er schockiert.
„Nun ja, sowas passiert“, meinte Kyra beschwichtigend. Vielleicht hatte nicht nur sein Arm einen kleinen Schlag abbekommen.
In diesem Moment hörte sie es. Ein leises Flüstern, wie der Hauch einer Konversation im dichter werdenden Nebel. Ragnolf spannte sich und tastete nach seiner Waffe, während er aufmerksam das Ufer beobachtete.
„Wir sind nicht allein“, sagte er ruhig.
Kyra atmete leise aus. Die Stimmen schienen lauter zu werden und begannen sich von den Geräuschen des Dschungels abzuheben. Sie blickte zu Norak herüber. Er stand immer noch regungslos im Bug des Bootes, die Augen starr nach vorne gerichtet. Ragnolf erhob sich jetzt langsam und bedächtig. Ein Flüstern… oder ein Klagen? Kyra bemerkte, dass sich ihre Hände fest in das Seil gekrallt hatten, mit dem sie geistesabwesend gespielt hatte. Ragnolf war jetzt am Bug angekommen.
„Hören Sie das auch?“, fragte er Norak leise.
„Ja“, antwortete dieser. „Glauben sie die sind feindlich?“, hakte Ragnolf nach.
„Nein“, meinte Norak mit seiner leisen, aber dunklen Stimme. „Sie sind Reisende, wie wir.“
Ragnolf sah nicht sonderlich überzeugt aus, doch Kyra entspannte sich. Etwas an der Art wie Norak es sagte, schien es irgendwie… wahr zu machen. Norak war kein Lügner.
„Hört ihr auch gerade Stimmen?“, fragte eine leicht verwirrt klingende Stimme. Klaas hatte sich anscheinend von seinem Wälzer losgerissen und blickte sich etwas orientierungslos um.
„Ja, wir hören sie auch.“, knurrte Ragnolf mit verächtlichem Tonfall.
„Oh. Dann ist ja gut.“, meinte Klaas und wandte sich wieder seinen Studien zu. Doch er hatte Ragnolfs Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
„Was liest du da überhaupt?“, fragte dieser und nahm ihm das Buch unter der bebrillten Nase weg.
„Das ist ein seltener taxonomischer Band über die Schmetterlingsarten des Südens“, antwortete Klaas. „Warum das Interesse an Schmetterlingen? Magst du einfach bunte Sachen oder bist du ein Sodomit oder sowas?“, fragte der Krieger und sah sich feixend im Boot um.
Doch Norak stand weiter ungerührt im Bug und Kyra schenkte ihm nur ein kurzes Mitleidsgrinsen. Leicht enttäuscht und mit deutlicher Geringschätzung gab er das Buch zurück.
„Du solltest deine Augen lieber auf den Dschungel richten als auf deine taxognomischen Bücher“, meinte er. „Diese Stimmen sind mir nicht geheuer, egal was unser so genannter Anführer sagt.“
Er kam jetzt wieder in den hinteren Teil des Bootes. Kyra stand auf um ihm Platz zu machen.
„Du musst doch nicht aufstehen, Kindchen“, sagte er mit einem anzüglichen Zwinkern.
„Kein Problem, ich wollte mir sowieso die Beine vertreten.“, antwortete Kyra. Das letzte, was sie jetzt brauchte, war Ragnolfs dreckiges Grinsen, wenn er sich unnötig eng an ihr vorbeizwängte. Das Vorratsfass, auf dem sie gesessen hatte, rollte ein Stück weg. Ragnolfs Grinsen fror ein. Er stieß das Fass mit seinem Fuß an.
„Leer“, zischte er und ging zu den nächsten. Der Reihe nach rüttelte er an ihnen, während sein Gesicht immer wütender wurde. Ein lautes Krachen ertönte und wurde vom Urwald verschluckt, als seine Axt eines der Fässer zerschlug. Nur einige Holzsplitter und Sägespäne flogen durch die Luft. Langsam drehte sich Ragnolf um, während seine Augen vor Wut flackerten.
„Wir müssen uns unterhalten, Norak.“
Das ständige Dämmerlicht, in das der Urwald getaucht war, machte es schwierig, Stunden oder gar Tage zu zählen. Die Zeit schien genauso still zu stehen wie die stickige, nach Krankheit und Schlamm stinkende Luft. Kyra konnte sich an keine einzige Nacht erinnern, nur an verschiedene Schattierungen Düsterheit, die sich hin und wieder abwechselnden. Dennoch war sie sich sicher, schon einige Tage, wenn nicht Wochen unterwegs gewesen zu sein.
Wieder blickte sie über den Rand des Bootes. Das Wasser hatte sich verändert. Es war nicht mehr braun und trübe, sondern pechschwarz und spiegelglatt. Sie betrachtete ihr Spiegelbild. Fahl und bleich blickte sie sich selbst aus den Tiefen entgegen, mit schwarzen Ringen unter den Augen. Hinter sich hörte sie ein weiteres Wortgefecht zwischen Ragnolf und Norak aufflammen, ein Gefecht das der alte Krieger wiederum verlieren würde.
Seit Stunden (oder Tagen?) fuhr Ragnolf immer wieder auf, um lautstark seine Meinung über die durch schlechte Planung und schamlosen Betrug zum Scheitern verurteilte Expedition kundzutun.
Und immer antwortete Norak mit kurzen, präzisen Antworten, die den Wüterich immer wieder in einen Zustand düsteren Brodelns zurückversetzten. Es war nicht mehr weit bis zum Ziel. Proviant war nicht von Bedeutung. Das Ziel. Kyra war seltsam unberührt durch die Streitigkeiten. Es überraschte sie, wie ruhig sie war. Sie fühlte sich friedlich und geborgen.
Zwar hatte sie schon eine Weile nichts mehr gegessen, doch aus irgendeinem Grund erschien ihr das unwichtig. Die Luft war immer noch warm und klebrig, doch die scheußlichen Mückenschwärme, die alle paar Stunden über das Boot hergefallen waren, blieben verschwunden. Außer dem weiter anhaltenden Stimmen, die immer wieder vom Ufer herüberklangen, war es still unter dem Blätterdach.
Ein weiteres Gesicht tauchte neben dem ihren auf. Es war Klaas. Kyra lächelte. „Hast dich von den Schmetterlingen losgerissen, wie?“
„Um ehrlich zu sein, in letzter Zeit habe ich gar keine mehr gesehen. Sie scheinen in diesem Teil des Habitats nicht endemisch zu sein.“ Er grinste etwas unsicher. „Willst du meine Sammlung sehen?“
Kyra war mit drei Brüdern aufgewachsen, die im Sommer häufig Schmetterlinge gefangen und in Büchern gepresst hatten.
Die toten Tiere so aufgereiht zu sehen, hatte sie traurig gemacht. Allerdings war Klaas ein angenehmerer Gesprächspartner als der einsilbige Norak oder der cholerische Ragnolf und so stimmte sie zu. Klaas kramte einen großen Kasten unter seiner Hängematte hervor und öffnete ihn vorsichtig. In seinem Inneren waren mehrere Schmetterlinge aufgereiht, mit Nadeln aufgespießt und sorgfältig in elfischer Schrift etikettiert. Sie alle waren groß und hatten pechschwarze Flügel, ohne jegliches Muster.
Klaas ließ seine Augen begeistert über die toten Insekten streifen. „Sind sie nicht wunderschön? Ein völlig neues Genus… und welche Vielfalt!“
Kyra nickte, obwohl sie sich fragte, wo er denn genau einen Unterschied zwischen den Exemplaren festgestellt hatte.
„Diese Expedition ist einfach ein Traum für einen Wissenschaftler wie mich“, meinte er, während er den Kasten wieder verstaute.
„Machst du dir keine Sorgen?“, fragte Kyra.
„Nein, eigentlich nicht“, antwortete er. „Wird sich schon alles zum Besten wenden.“
"Warst du vorher schon mal auf einer Expedition?" Kyra konnte sich die Antwort eigentlich denken.
„Nein“, meinte Klaas. „Ich hab die Insektenwelt bisher in der Bibliothek meiner Alma Mater studiert.“
„Klingt nicht sehr aufregend, um ehrlich zu sein“, sagte Kyra.
„Du wärst überrascht!“, antwortete Klaas eifrig. „Einmal habe ich unvorsichtigerweise ein an die taxonomische Fakultät gerichtetes Paket geöffnet und wurde von einer Süd-Sangwebarischen Palmwespe (vespus fatalum) gestochen, eines der giftigsten Insekten der Welt.“
Dieser Anekdote folgte ein halbstündiger Vortrag über das Verhalten dieser seltenen Wespenart, die man im Kaiserreich lange Zeit für südländischen Aberglauben hielt und die bevorzugt in der Gemeinen Rundstammpalme nistet. Kyra hörte mit einem Ohr zu, während ihr Geist sich ein wenig driften ließ.
Noch vor Tagen hätte sie an ihr Zuhause gedacht, an ihre Familie und ihr Viertel, aber diese Gedanken schienen ihr nun seltsam fremd und fern. Stattdessen sah sie Bilder von dunklen Bäumen und Würgepflanzen, und einem Mann mit Rabenkopf, der immer wieder in ihren Gedanken aufblitzte, wie eine ferne Erinnerung.
Norak riss seinen Blick für einen Augenblick vom Fluss los, als sich Kyra zu ihm gesellte und seinen Namen nannte. Er nickte zur Antwort.
„Warum bin ich auf dieser Expedition?“, fragte sie.
„Was meinen Sie?“, antwortete er, wie gewöhnlich kurz angebunden.
„Nun ja… ich bin kein Wissenschaftler wie Klaas und kein Krieger wie Ragnolf. Ich bin praktisch überhaupt nichts.“, antwortete sie vorsichtig.
Norak nahm sich einige Sekunden Zeit bevor er antwortete.
„Ich bin schon mit vielen Menschen gereist. Keiner von ihnen war „gar nichts“. Die meisten von ihnen waren mehr als ich.“ Er drehte sich zu ihr und fragte: „Was sind Sie?“
Es fiel Kyra schwer, sich an ihre Vergangenheit zu erinnern. Zu viel war passiert, zu viel war verloren. Dennoch antwortete sie.
„Ich bin… war die Frau eines Gewürzhändlers in Korsu. Ich habe mich um das Haus gekümmert, aber auch Abrechnungen und Inventarlisten für meinen Mann gemacht. Wir hatten drei Kinder, der Jüngste war 2.“
Sie fühlte, wie ihre Stimme zu brechen begann. „Tut mir leid. Ich fürchte ich bin etwas emotional. Ich habe bisher mit Niemandem auf diesem Boot über meine Vergangenheit gesprochen.“
Die Frage war, warum sie sich gerade mit Norak unterhielt, jener kalten und wortkargen Person, die sich anscheinend weder um seine Untergebenen, noch ihr Wohlergehen kümmerte.
„Was ist passiert?“, fragte er.
Kyra schluckte und fuhr fort: „Da war dieses Feuer.“ Sie fühlte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen. „Ich weiß nicht wie es ausgebrochen ist. Wir haben die beiden Älteren rausgeholt, aber…“ Wieder musste sie schlucken. Sie blickte auf. Noraks Gesicht war immer noch ausdruckslos, doch in seinen Augen schimmerte etwas anderes, auch wenn es in einer Sekunde wieder verschwunden war.
„Sie konnten ihr jüngstes Kind nicht retten?“, fragte er.
„Nein. Ich bin nochmal hineingerannt, aber…“ Sie brach ab.
„Ich hab genug!“, grunzte Ragnolf. Er raffte sich auf und zog sein Schwert. „Diese Stimmen, am Ufer, das sind Menschen, oder?“
„Ja“, antwortete Norak mit seiner unverschämt ruhigen Stimme. „Dann haben sie Essen! Wir können uns Vorräte von ihnen kaufen!“ Er fuchtelte mit seinem Schwert. „Du bist doch reich, oder? Du hast Geld!“
Klaas hatte sich ebenfalls erhoben und begann in seiner Hosentasche zu kramen. Er holte etwas heraus. „Ich hab nur zwei Goldstücke mit. Reicht das?“, fragte er.
„Die werdet ihr noch brauchen.“, antwortete Norak.
„Ach ja? Für was denn? Ich hoffe es ist wichtiger als Vorräte, du Verrückter!“, schrie Ragnolf, der jetzt dem Wahnsinn näher schien als Norak. Dieser drehte sich wieder bugwärts.
„Wir sind am Ziel.“
Es war der größte Baum den Kyra jemals gesehen hatte. Zu sagen, seine Triebe verschwänden in den Wolken, käme einer Untertreibung gleich. Je länger Kyra sie betrachtete, desto sicherer war sie, dass die Triebe viel eher die Wolken waren. Der Stamm hatte Umfang und Masse eines kleinen Gebirges und die Wurzeln verschwanden im Boden wie Hügelketten.
„Was zur Hölle ist das?“, fragte Ragnolf. Seine Stimme zitterte.
„Der Ursprung“, antwortete Norak.
Der Anblick war so atemberaubend, dass Kyra die schwarze Gestalt erst spät erblickte. Er trug einen langen schwarzen Mantel und eine noch schwärzere Maske, die ihn wie einen riesigen Aasvogel aussehen ließ. Dennoch wirkte er nicht bedrohlich oder bösartig. Er strahlte etwas aus, das Kyra nur mit dem Wort „Ende“ beschreiben konnte. Die Gestalt begann zu sprechen.
„Wie immer pünktlich. Haben sie die Münzen?“ Seine Stimme klang wie Noraks, aber älter und… endgültiger. Norak nickte zur Antwort. Der Vogelmann öffnete eine Pergamentrolle und las vor.
„Ragnolf Hildottir
Geboren am 14.03.0096 in Wallhafen. Gestorben am 16.07.0133 in der Schlacht von Al Quds.“
„Klaas Sorro
Geboren am 27.05.0113 in Flanhagen. Gestorben am 16.07.0133 in Flanhagen, durch das Gift einer Süd-Sangwebarischen Palmwespe.“
„Kyra Strate
Geboren am 13.12.0106 in Korsu. Gestorben am 16.07.0133 in Korsu, an Rauchvergiftung“