Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kapitel 3 - Auf der Ebene
Die Ebenen, die sich von Notus aus nach Osten erstreckten waren von sanften Hügeln durchzogen. Vielleicht lagen hier vor sehr langer Zeit Eismassen, die auf ihrem Weg das Land glatt schliffen und die das mitgenommene Material als größeren Berge etwas weiter im Südosten zurückließen. Vielleicht waren die Gebirge die auf die Hügel folgten einst aufgeworfen worden als zwei Kontinente aufeinandertrafen. Aber solche Fragen würden erst die Forscher zukünftiger Generationen interessieren.
Der Mann unbestimmbaren Alters, der es sich im Schatten eine krüppeligen Pinie gemütlich gemacht hatte, auf einem Streifen Trockenfleisch kaute und sich ein merkwürdig riechendes Getränk aus dem aus Tiermagen genähten Schlauch in einen aus Horn genähten Becher goss, machte sich mit Sicherheit über ganz andere Dinge Gedanken.
Er trug Hose aus leichtem Stoff, mit bunten eingewebten Mustern und Appliken und leichte Lederschuhe. Seinen Mantel aus Filz und Fell, der auch in kälteren Regionen gut wärmte, hatte er an den Baum gehängt.
Seien Brust zierten allerlei Tätowierungen ineinander verschlungener Tiere und Fabelwesen.
Sein Pferd graste nur wenige Schritt von ihm entfernt, er hatte sich nicht die Mühe gemacht, es anzubinden. Aus Erfahrung wußte er, daß es nicht weglaufen würde. Sie waren zusammen aufgewachsen, mehr als ein halbes Leben hatte er auf dem Rücken des Tieres verbracht und es immer gut behandelt. Es hatte keinen Grund wegzulaufen.
Seine Ausrüstung hatte er dem Pferd abgenommen. Auf den einfachen Sattelkissen und seiner übrigen Habe ruhte er, der Gürtel mit seinen Waffen, einem langen Dolch und einem Hiebmesser sowie Streitaxt und der Bogenköcher hingen in Reichweite am Baum.
Nach seiner Mahlzeit und einen anstrengenden Tag schloß er nun die Augen und döste ein wenig...
Existenz
03.08.2009, 09:40
Fluchend stapfte Rivannah gen Notus.
Nachdem sie der vormals nette Händler aufgrund kleiner... Differenzen von seinem kleinen Karren geworfen hatte, musste die Söldnerin nun zu Fuß in die Stadt ihres mäßigen Vertrauens einmarschieren. Wer hatte denn ahnen können, dass der Händler so empfindlich drauf reagierte, wenn man ein paar kleine Witze über seinen nicht zu verleugnenden Bierbauch machte?
Die Riemen ihres zerschlissenen Lederrucksackes schnitten mittlerweile unangenehm in ihre Schultern, das an einem kleinen Strick befestigte Trinkhorn klopfte bei jedem Schritt an ihren Oberschenkel und der Schweiss glänzte auf ihrer stoppligen Haut am Kopf.
"Dreifach verfluchte Bisamrattenscheiße!", grollt sie, gerade in Hörweite des unter dem Pinienbaum hockenden Mannes, "Nieder mit niederträchtigen Fischhändlern! Den eigenen stinkenden Fisch sollte man ihnen in den Ar*** schieben! Ach!"
Sie tritt nach einem Stein, der einige Meter fliegt, ehe er die letzte Strecke rollt und neben den Hufen des Pferdes zur Ruhe kommt.
Da entdeckt Rivannah auch den Mann. Wer mochte das sein? Ein Gesprächspartner für die Strecke, die sie noch zu bewältigen hatte? Ein versprengter Dieb? Oder ein fieser Fischhändler?
Sie schlendert näher, wohlwissend, dass sie nicht lange brauchen würde, um ihren Rucksack abzuwerfen und ihr Schwert zu ziehen, falls nötig.
"Heda", begrüßt sie ihn, als sie nur noch wenige Schritt trennen. Sie bleibt stehen und schattet ihre Augen mit einer Hand von der Sonne ab. Einer ihrer Zöpfchen hat sich halb gelöst und kleine Strähnchen daraus kleben an ihrer Kopfhaut. Auch sonst stellt sie eine eher zerrupfte Gestalt dar mit ihrem notdürftig verbundenem Ellbogen, den dreckigen Knien und der Blutkruste, die sich auf ihrem rechten Ohr gebildet hat. Nichtsdesdotrotz lächelt sie den Mann freundlich an und entblößt in Reih und Glied stehende, verwunderlicherweise helle Zähne.
"Wohin des Weges?"
Der Mann war schon von dem Fluchen aufgewacht, und unauffällig hatte er nach dem Streitbeil gegriffen.
Doch die Frau schien keine Gefahr darzustellen, so abgerissen wie sie aussah war sie vielleicht sogar eine ausgestossene ihres Volkes, wenn es soetwas bei diesen Leuten gab.
Er verstand so halbwegs wovon die Frau gesprochen hatte, Ratten und Fisch, also vermutlich ging es ums Essen, sie hatte wohl Hunger, das konnte er verstehen.
Sicher war er allerdings nicht, obwohl er als Kundschafter die Sprache des Feindes zumindest notdürftig beherrschte.
Aber dann entblösste sie drohend die Zähne... Fast hätte er ihr mit dem Beil den Schädel gespalten, aber dann erinnerte er sich daran, daß diese Leute das freundlich meinten.
Und sie schien nach dem Weg zu fragen... Er überlegte einen Moment und entschied dann sie einfach irgendwohin in die Gegend zu schicken.
"Dort." lautete deshalb seine knappe Antwort.
Existenz
04.08.2009, 10:37
Irritiert hebt die muskulöse Frau eine Augenbraue.
"Dort?", echot sie mit deutlichem Zweifel in der Stimme. "Wie: 'dort'"? Sie betrachtet seine Hände, prüft, ob sie einen schüchternen Fingerzeig in irgendeine Richtung übersehen hatte. Dann mustert sie den Mann eindringlich.
"Scheinst auf der Reise zu sein, hm? Ist "Dort" vielleicht eine Stadt? Ein Dorf?" Im Geiste geht sie die Umgebung durch, die sie jedoch nur von Karten kennt. Zumindest fällt ihr nun keine Ortschaft mit diesem Namen ein.
Seufzend verlagert sie das Gewicht ihres Rucksackes auf die linke Schulter, reibt sich mit dem Handrücken über die Stirn und blinzelt in die Sonne. Nicht mehr lange und sie würde untergegangen sein. Glücklicherweise lag Notus nicht weit entfernt. Wieder blickt sie auf den Mann hinab und wartet dessen Antwort ab.
Er blieb immer noch sitzen, auch wenn sie wohl kräftiger war als er auf den ersten Blick eingeschätzt hatte, so war sie noch immer weit genug weg, um den leichten Bogen zu ziehen der immer vorgespannt im Köcher steckte, und ihr mindestens zwei Pfeile zu verpassen...
Er überlegte was sie wohl gesagt haben mochte. Er war wohl doch nicht ausreichend gewesen die Sprache von Sklaven und Gefangenen zu lernen... vor allem nicht wenn man ihnen vorher bereits die Hände abgehakt hatte, das mochte wohl deren Bereitschaft zu lehren etwas mindern...
"Ich reise für mich. Nach dort." Er machte eine unbestimmte Geste für die ganze Gegend. "Weg, du suchst, ist dort."
Er dachte noch darüber nach, ob er sie vielleicht gefangen nehmen und zu seinem Volk bringen sollte... Er rechnete sich gute Chancen aus, auch wenn sie sogar fast ein wenig größer als er sein mochte. Aber brauchte er eine Gefangene? Sie würde ihn nur aufhalten. Wenn er sie nicht loswerden konnte mußte er sie wohl töten.
Existenz
06.08.2009, 08:37
"Ach, die einsamer-Reisender-Nummer", sie nickt verständnisvoll, puhlt sich mit dem kleinen Finger im Ohr herum und zuckt mit den Achseln.
"Na dann wünsche ich noch eine angenehme Weiterreise."
Gut, sie konnte schließlich niemanden zwingen, ihr Gesellschaft zu leisten und Kletten kannte sie selber gut genug, um nicht selber zu einer zu werden. Also schnippst sie das geerntete Ohrenschmalz ins Gras, tippt sich verabschiedend an die imaginäre Hutkrempe und dreht sich um.
Immerhin, ihre Laune hatte sich rapide gebessert. Nach tagelanger Menschenabstinenz doch endlich ein Gesicht zu sehen das nicht zu ihrem Mittagessen gehörte, war schon eine gute Abwechslung gewesen.
Aslan hatte schon vor einiger Zeit den Geruch eines Pferdes wahrgenommen, der hier unbestimmt über dem Weg Richtung Notus hing. Obwohl er seinen Augen nicht mehr wirklich trauen konnte, war doch sein Geruchssinn ungetrübt. Als dann noch der leichte, kaum wahrnehmbare Geruch mehrerer Tiere, fast schon eines ganzen Stalles hinzu kam, hatte er beschlossen die Strasse zu verlassen. In einiger Entfernung, aber gut sichtbar konnte er eine krüppelige Pinie ausmachen. Fast schien es als drangen Fetzen einer Unterhaltung an sein Ohr. Er duckte sich tiefer ins Grass und bewegte sich behutsam und sorgfältig auf Deckung bedacht näher an den Baum heran. Dort war das Pferd. Also hatte ihn sein Geruchssinn nicht getäuscht.
Ein Mann lag unter dem Baum. Sicherlich der Besitzer des Pferdes. Der andere Mann, oder war es eine Frau?, auf der Strasse vor ihm schien auf etwas zu warten. Aslan verfluchte seine trüben Augen und entschied sich abzuwarten. Die Ursache des "Stallgeruches" konnte er bisher noch nicht identifizieren. Wer konnte wissen, wer oder was sich noch alles in der Nähe befand?
< Die Ebene, unterhalb des Weges - Betrifft Árkon Nikareios >
Seine zwei Weggefährten, die ihn noch bis gestern abend begleiteten, hatten versucht ihn auszurauben. Diesem unverschämten Übergriff dieser zwei Gestalten, mit denen er immerhin mehrere Tage verbracht hatte, konnte er nur knapp entgehen. Bedauerlicherweise wussten sie jetzt, dass er kein gänzlich hilfloser, alter Mann war, der sich auf seinen Wanderungen auf einen Stab stützen musste.
Innerlich leicht in sich hinein grinsend, erinnerte er sich an das knirschende Knacken, als der Oberschenkelknochen des kräftigeren Gegners unter seinem blitzschnell mit dem Stab geführten Schlag deutlich hörbar brach. Zumindest konnten sie ihm jetzt nicht mehr sonderlich schnell folgen.
Trotzdem. Er musste Begleiter finden, denen er vertrauen konnte. Die Person auf dem Weg schien zumindest recht kräftig und gut trainiert. Obwohl er sie auf diese Entfernung nur schemenhaft ausmachen konnte, wusste er jedoch ihre Bewegungen als kampferprobt und scheinbar äusserst gewand zu deuten.
Er beschloss, sich vorsichtig in einem Bogen um die Pinie herum zu bewegen, so dass diese Person, wenn sie denn ihren Weg fortführte, auf der Strasse auf ihn treffen musste.
Schlagartig würde der Stallgeruch von einem Hauch schalen Rotweins durchzogen. Aslan erstarrte und runzelte die Stirn.
Was war hier los?
Vor ihm standen einige kleinere Büsche und eine mittelgrosse Akazie. Eindeutig kamen Stallgeruch und Rotwein aus dieser Richtung. Aslan seufzte, packte den Stab fester und ging kurz entschlossen um das vordere Gebüsch herum.
Edit 1: Ortsangabe und Betrifft hinzu gefügt
Edit 2: (manuelle!) Rechtschreibkorrektur
[[Die Ebene, unterhalb des Weges - betrifft Aslan]]
Ein Knacken ertönte, unmittelbar gefolgt vom blechernen Scheppern eines steingefüllten Eimers und vom lauten Wiehern eines Pferdes. Árkon drehte sich missmutig zur Seite. Er hatte Kopfschmerzen und die Nacht über kaum ein Auge zugebracht. Warum musste ihn der verdammte Gaul gerade jetzt aus dem Schlaf reißen? Warum...?
Árkon stutzte. War da nicht ein Gedanke in seinem Kopf, der gegen das Pochen und den Schleier hinter seiner Stirn aufbegehrte? Weil du einen Stolperdraht um dein Nachtlager gelegt und an der Mähne deines Pferdes befestigt hast, flüsterte er. Nachtlager... Natürlich! Allmählich ordneten sich die Bruchstücke, aus denen sein Gedächtnis bestand, und ergaben ein Bild. Er hatte dientdeckt zu werden, hatte er es wie so oft vorgezogen, unter freiem Himmel zu übernachten. Um vor Wegelagerern sicher zu sein, hatte er einen Draht um seine Schlafstelle gespannt und an der Mähne seiner Stute befestigt. Sie war ein schreckhaftes Tier, das seine Artgenossen in dieser Untugend weit übertraf. Doch gerade deshalb eignete sie sich hervorragend, um Alarm zu geben - das hatte er in dieser Nacht einmal mehr bestätigt bekommen, als er alkoholisiert in sein Nachtlager zurückgekehrt war und prompt in die eigene Falle getappt war. Das Pferd hatte sicherlich eine gute Minute gebraucht, bis es sich beruhigt hatte.
Auch in diesem Augenblick war es nicht anders.
Alarm... Irgendetwas an diesem Wort sagte Árkon, dass er sich vorsehen musste. Warum hatte seine Stute gewiehert? Sicherlich nicht ohne Grund!
Endlich lichteten sich die Gedanken des Reisenden. Eine unangenehme Gewissheit bemächtigte sich seiner: Irgendjemand hatte sich an sein Nachtlager geschlichen!
Sofort richtete sich Árkon auf. Eine Spur zu schnell, denn ein stechender Schmerz durchfuhr seinen Schädel. Dieser verdammte Rotwein! Doch darauf durfte er jetzt keine Rücksicht nehmen. Hatte man ihm am Ende gefunden?
Mit der linken Hand stützte er sich ab, während seine Rechte nach dem Griff seines Rapiers tastete, das er auch im Schlaf nur selten ablegte. Mit einem Ruck richtete er sich auf, stand auf wackeligen Beinen, zog seine Waffe blank und griff nun auch mit der Linken nach seinem Parierdolch. "Wer schleicht sich hier heimlich an mein Nachtlager?", rief er so deutlich wie möglich, doch seine brüchige, lallende Stimme nahm dem fordernden Unterton alle Schärfe. Nur keine Schwäche zeigen!, gemahnte er sich.
< Die Ebene, unterhalb des Weges - Betrifft Árkon Nikareios >
Ein harter, plötzlicher Schlag gegen seinen linken Knöchel liess Aslan unkontrolliert stürzen. Er musste den Stab fallenlassen, um sich mit beiden Händen abfangen zu können. Trotzdem wäre er fast mit dem Gesicht in das beinah erloschene Lagerfeuer gefallen. Er konnte sich eben noch abfangen, rollte sich herum, tastete fluchend nach seinem Stab. Er war blindlings in eine Falle gelaufen.
Jemand rief ihn mit lallender, brüchiger Stimme an. Vor ihm stand leicht taumelnd ein riesenhafter Kerl mit einem Rapier in der Hand.
Aslan beschloss die übliche Taktik zu nutzen und sich als gebrechlicher, alter Mann zu zeigen. Wirklich schwer war das mittlerweile nicht mehr. Er blinzelte, fand seinen Stab und zog sich mühsam stöhnend daran hoch. Der Kerl war tatsächlich noch ein kleines Stück grösser als er selbst.
Aslan blinzelte erneut und hob abwehrend die freie Hand. Hustend sprach er: "Wollt Ihr einen alten Mann in Stücke hauen? Nimmt dieses gefährliche Ding da weg. Und Euren Dolch benötigt Ihr auch nicht."
Der Kerl strömte einen unangenehmen Geruch nach schalen Rotwein aus. Aslan rümpfte leicht die Nase.
"Aus welchem billigen Hurenhaus seid Ihr entflohen? Und dann baut Ihr hier draussen Fallen um alte, hilflose Männer zu fangen?"
Aslan schüttelte den Kopf und nahm währenddessen langsam und vorsichtig die Grundstellung für einen von unten geführten Schlag mit dem Stab ein, um sich gegen das Rapier schützen zu können. Dabei stütze er sich weiterhin mit leicht gebeugtem Rücken schwer auf den Stab.
Edit: (manuelle!) Rechtschreibkorrektur
[[Die Ebene, unterhalb des Weges - betrifft Aslan]]
"Wie Ihr am eigenen Leib erfahren habt war diese Vorsichtsmaßnahme nicht ganz unberechtigt", antworte Árkon mit nüchternem Tonfall, wenngleich dieser nicht seinem tatsächlichem Zustand entsprach. Nüchtern war etwas anderes, doch mittlerweile hatte er sich so weit unter Kontrolle, dass seine Stimme gefestigt klang.
"Wie dem auch sei: eine ähnliche Frage könnte ich genausogut Euch stellen. Was treibt einen alten Mann dazu, sich entliche hundert Schritt von der Straße zu entfernen und sich damit dem Risiko auszusetzen, Wegelagerern in die Hände zu laufen. Ihr wisst doch sicher, dass gerade in der Nähe größerer Städte Vorsicht vor diesem Gesindel geboten ist!"
Árkon bedachte den alten Mann mit einem vielsagenden Grinsen, das - ebenso wie die eigentümliche Weise, auf die er das Wort Gesindel betont hatte - offen ließ, ob er sich für einen Wegelagerer hielt oder nicht. Sein Rapier behielt er zumindest in der Hand.
< Die Ebene, unterhalb des Weges - Betrifft Árkon Nikareios >
Aslan blinzelte den grossen Kerl leicht lächelnd aus seiner gebeugten Haltung von unten an und hustete gespielt und übertrieben röchelnd. "Immerhin seid Ihr nicht leicht zu übertölpeln. Weder wenn man Euch in Eurem...." Aslan schaute sich stirnrunzelnd um "....Lager aufsucht, noch wenn man versucht Euch mit Worten ein wenig zu überfahren."
Aslan beschloss innerlich, sich nicht auf einen Kampf mit diesem Kerl einzulassen, der sicher nicht dem Gesindel zugehörig schien. Auch wenn sein Umhang aus recht grober Baumwolle bestand, waren doch sein Waffengurt und seine Stiefel aus dickem und augenscheinlich gut gepflegtem Leder. Aslan fand immer Gefallen daran, wenn er feststellen konnte, dass wichtigen Teile einer Ausrüstung viel Zeit und Sorgfalt gewidmet wurde. Dies war ihm während seiner langen Jahre als Söldner selbst in Fleisch und Blut übergegangen.
Jedoch war der grosse Kerl offensichtlich recht stark dem Weine zugetan. Aslan hatte schon des öfteren mit Bedauern beobachtet wie Alkohol aus den besten Männern schwache und unfähige Kreaturen gemacht hatte, die nur noch nach dem nächtsen Schluck Wein dürsteten.
Sein Gegenüber schien jedoch zumindest noch nicht davon betroffen.
Allerdings war er offensichtlich stark von den Folgen einer durchzechten Nacht gezeichnet.
Aslan schaute sich im Lager um. Nirgends konnte er frisches Wasser entdecken. Er entschied, die doch ein wenig angespannte Situation mit einer freundlichen Geste zu lockern. Danach konnte man vielleicht reden. Aber solange er noch eine Waffe auf sich gerichtet sah ...
Langsam, den grossen Kerl nicht aus den Augen lassend löste er die Wasserflasche von seinem Gürtel, sprach mit leichtem Schmunzeln "Klares Wasser. Es wird den Pelz von Eurer Zunge spülen." und warf sie ihm zu.
Edit: (manuelle!) Rechtschreibkorrektur
[[Die Ebene, unterhalb des Weges - betrifft Aslan]]
"Lasst mal", knurrte Árkon und wandte sich seiner Stute zu. Das Tier schnaubte unruhig, doch darauf nahm er keine Rücksicht. Sein Rapier schob er zurück in die Scheide, doch seinen Parierdolch behielt er in der Hand. Mit einer geschickten Handbewegung löste er den Draht aus der Mähne des Tieres und machte sich daran, ihn aufzuwickeln. Während er dabei das gesamte Lager umrundete, ließ er den alten Mann nicht aus den Augen.
"Nun?", fragte er mit einem schneidenden und ganz und gar nicht mehr lallenden Unterton in seine Stimme, als er bemerkte, dass der Alte keine Anzeichen machte, ihn in Ruhe zu lassen. "Wenn Ihr mir nichts mehr zu sagen habt, dann wäre es mir mehr als nur recht, wenn Ihr endlich verschwinden würdet. In ein paar hundert Metern schlängelt sich ein Bach durch das Land. Dort werde ich mich erst einmal waschen. Glaubt es oder glaubt es nicht, nach Nächten wie dieser fühle selbst ich mich schmutzig." Árkon löste die Schlaufe des Drahtes von einer Wurzel und steckte die Rolle dann in seine Satteltasche. Dann bückte er sich, rollte seine zerschlissenen Filzdecken zusammen und schnallte diese mit Lederriemen am Sattel. Als letztes folgte der Kupfereimer.
"Wie gesagt: Ich werde mich jetzt waschen gehen", wiederholte Árkon spröde, ohne den alten Mann eines weiteren Blickes zu würdigen. "Folgt mir oder lasst es bleiben. Wenn Ihr mir nichts mehr zu sagen habt, wäre mir letzteres bedeutend lieber."
//OT: Da hatten wir wohl ähnlich Gedanken! :p
Aslan runzelte die Stirn. Der Kerl war wirklich in einem ziemlich desolaten Zustand. Scheinbar hatte er nicht einmal wahrgenommen, dass Aslan ihm die Wasserflasche angeboten hatte, geschweige denn dass er sie ihm zugeworfen hatte.
Jetzt lag sie im Staub neben den schwarz, verkohlten Resten des erloschenen Lagerfeuers. Aslan hatte gehofft, dass er in dieser doch recht unsicheren Gegend einen Weggefährten finden würde, dem er vertrauen konnte.
Er bewegte sich einige Schritte, sorgfältig darauf bedacht, seine Bewegungen als hilfloser, alter Mann erscheinen zu lassen, kniff die Augen zusammen und versuchte durch das Gebüsch die beiden Personen unter der Pinie zu erspähen.
Nichts hatte sich dort verändert.
Immerhin stellten diese beiden nach wir vor eine Möglichkeit dar, um sich anzuschliessen.
"Hört, grosser Krieger mit dem schweren Kopf!" rief er den langen Kerl an, der sich gerade mit der Auflösung seines Nachtlagers beschäftigte.
"Ihr geht baden und ich bleibe hier. Ich bin nicht Eure Amme. Seht, dass nicht weit entfernt von hier zwei weitere Personen sich befinden. Ich werde sie beobachten, während Ihr badet"
Aslan fügte leise murmelnd hnzu: "Was auch bitter nötig ist.."
Edit 1: Rechtschreibkorrektur
Edit 2: Letzter Satz in Abstimmunmg mit Silberblut gestrichen. Z.Zt. unproblematisch, da keine weiteren handelnden Charaktere betroffen
"Eure Freunde?", fragte Árkon mit nüchterner Skepsis, wandte sich dann aber ab, ohne die Antwort abzuwarten. Der alte Man war sicher nicht zu unterschätzen, denn sein Verstand schien hellwach - was man von seinem eigenen in diesem Augenblick nicht behaupten konnte. Immerhin waren die Kopfschmerzen zurückgegangen und waren einer Benommenheit gewichen, die seinen Geist lähmten. Nicht gut. Er musste auf der Hut sein, denn am Ende lauerten die Freunde des alten Mannes ihm auf. Das war zwar nicht sehr wahrscheinlich, doch keineswegs ausgeschlossen.
Seine Stute am Zaumzeug führend, machte er sich in Richtung Bach auf. Die Ebene, über der er schritt, war nur mit wenigen Bäumen bewachsen wie etwa vereinzelten Pinien und Ölbäumen. An ihrer Stelle wucherten Sträucher wie Ginster. Das bedeutete zwar, dass er weithin gesehen werden konnte, doch andererseits machte der niedrige Bewuchs ein heimliches Anschleichen nahezu unmöglich. Wenn ihm also jemand folgte, würde er es bemerken.
Als Árkon nach einigen Minuten wieder zu jener Stelle zurückkehrte, an der er die Nacht verbracht hatte, fühlte er sich erfrischt. Das klare Wasser hatte nicht nur Schweiß, Fett und den Geruch nach Alkohol und verbranntem Holz von seinem Leib gewaschen, sondern auch - wenn auch nicht unbedingt auf angenehme Weise - seinen Blick für die Realität geschärft, der bis dahin getrübt gewesen war. Er fühlte sich deutlich wacher und vitaler als noch vor wenigen Minuten.
Mit einem Anflug von Skepsis bemerkte Árkon, dass der alte Mann seine Ankündigung wahr gemacht hat. Nicht weit entfernt hatte er sich hinter einigen Büschen versteckt und seinen Blick auf eben jene Personen gerichtet, die schon seit einiger Zeit unter eine Pinie saßen - oder standen - und miteinander zu reden schienen.
"Eure Augen scheinen ja noch recht scharf zu sein", meldete sich Árkon ohne ein Wort des Grußes zurück. Ob ihn der alte Mann wahrgenommen hatte oder erschrocken war? Árkon war es gleich...
Aslan runzelte nur leicht die Stirn, als die skeptische Bemerkung des grossen Kerls seine Ohren erreichte. Ein misstrauischer Mensch. Darauf deuteten auch die doch sorgfältigen Vorsichtsmassnahmen hin, mit denen er sein Nachtlager abgesichert hatte. Diesen Kerl zu überzeugen, dass er ihn begleite würde nicht leicht sein. Er hielt diese Personen für seine Freunde. Nun gut, leicht paranoide Vorstellungen können zweifelsohne zu einem längeren Leben führen als naives Vertrauen.
Die gleissend helle Sonne, die ungehindert und brennend von einem wolkenlosen Himmel herab schien, hatte mittlerweile beinah den höchsten Stand erreicht. Flimmernde Hitze erschwerte seinen getrübten Blick. Kaum konnte er auch nur schemenhaft erkennen, was unter der Pinie vor sich ging. Die leichte Brise, die vor Kurzem noch ein wenig Kühlung brachte, hatte unvermittelt ausgesetzt. Bleierne Stille kehrte ein. Nur das ununterbrochene Zirpen der Zikaden war immer noch zu hören. Es schien, als würde sie ein gemeinsames Konzert geben, was aus immer wieder unterschiedlichen Positionen aufs neue aufgegriffen wurde.
Das leichte Rascheln des harten, niedrigen Gebüsches, welches hier überall den Boden bedeckte, kündigte ihm die Rückkehr des langen Kerls an.
Aslan drehte sich um. Er blinzelte den grossen Krieger mit einem leicht verwunderten Ausdruck an. "Meine Augen..." Aslan räusperte sich. "Bevor wir über meine Augen reden, wäre es nicht angebracht, dass wir uns einander vorstellen? Nicht dass ich bei Hofe aufgewachsen bin und Wert auf Etikette lege. Aber es wäre hilfreich. So könnte ich Euch ansprechen."
Aslan schaute seinen Gegenüber prüfend an und versuchte eine Reaktion auf seine Worte zu ergründen. Er konnte nichts erkennen.
"Mein Name ist Aslan. Man nennt mich auch 'Der Stab'", sagte er weiter, deutete auf seinen Stab und hielt ihn, dass man ihn für einen Wanderstecken halten musste.
Der Kerl hatte etwas zu verheimlichen. Er war ganz sicher nicht der gebrechliche alte Mann, den er zu sein vorgab.
Árkon überlegte einen Augenblick, ob er den Namen nennen sollte, den er vor über zehn Jahren angenommen hatte. Damals, als er zum ersten Mal den Fuß auf aeolischen Boden gesetzt hatte. Árkon Nikareios. Nein, unter diesem Namen würde man ihn garantiert suchen. Und wenn er seinen wahren Namen nannte, würde er nur auffallen. Die Sprache der Navár, seines Volkes, wirkte auf die Menschen dieser Region befremdlich. Nein, er würde einen der vielen Namen wählen, die ihm durch den Kopf schwirrten. Einen von ihnen würde er wählen müssen, und zwar schnell. Zögern würde Misstrauen nach sich ziehen.
"Ich heiße Tyramaios", antwortete Árkon und verwünschte sich sogleich für seine Wahl. Warum war seine Wahl gerade auf den Namen einer Stadtwache gefallen, mit der er sich nach einer rotweinlastigen Nacht angelegt hatte? Nun war es raus, und ändern konnte er es nicht mehr. Als Notlösung reichte dieser Name.
"Söldner auf der Suche nach Arbeit", fügte er nach einer kurzen Atempause hinzu.
"Nun, nachdem wir uns einander vorgestellt haben, könnten wir uns ja Euren Freunden widmen", richtete Árkon nach einigen Augenblicken wieder das Wort an Aslan, sich den ironischen Unterton dabei nicht verkneifend. "Ihr scheint ja ganz versessen darauf zu sein, sie zu beobachten. Würdet Ihr mir vielleicht sagen, weshalb Ihr ein solches Interesse an ihnen hegt?"
"Seltsam", erwiderte Aslan und schaute Tyramaios leicht schmunzelnd an. "Mir scheint, als hätte ich diesen Namen in Notus schon des Öfteren gehört. Ihr seht nicht gerade so aus, als sei dies Eure Heimat."
Aslan hebte leicht die Schultern, als ob dies ihn tatsächlich nicht wirklich interssierte. Für sich beschloss er jedoch, diese leichte Unstimmigkeit bei passender Gelegenheit zu überprüfen.
"Und was meine Feunde betrifft. Ihr überschätzt mich. Es sind nicht meine Freunde."
Aslan schaute Tyramaios mit leicht zusammen gekniffenen Augen an.
"Söldner auf der Suche nach Arbeit", murmelte Aslan leise. Nachdenklich fasste er an seinen Geldbeutel, den er sorgsam an der Innenseite seines Gewandes vor seinem Bauch versteckt unter dem Gürtel befestigt hatte.
"Ich mache Euch einen Vorschlag, Söldner Tyramaios auf der Suche nach Arbeit." Aslan betonte den Namen Tyramaios bewusst leicht spöttisch und wendete sich direkt dem grossen Krieger zu.
"Wollt Ihr mein Auge sein? Ihr müsst wissen, ich sehe sehr schlecht. So sagt Ihr mir also, was Euer Preis ist?"
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