Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erzählperspektive ?!
Mich würde mal interessieren, welche Erzählperspektive ihr bei Fantasy bevorzugt - sowohl beim Lesen, als auch beim Schreiben.
Sicher ist das von Story zu Story unterschiedlich, weil manches sonst einfach nicht richtig rüber kommt. Aber habt ihr trotzdem einen bestimmten Lieblingsstil?
Meine Krativität und Fantasie schüttet mich zur Zeit mit Ideen zu. Ich ertrinke schon förmlich in ihnen ^^ Weil ich sehr gerne schreibe, habe ich mir überlegt, mich vlt. mal hobbymäßig an einer kleinen Geschichte zu versuchen. Ich habe schon sehr viele notizen zusammen, auf denen ich meine Ideen fürs erste einmal festgehalten und erweitert habe. Allerdings weiß ich noch nicht so recht aus welcher Sicht ich schreiben soll. Wonach geht ihr da, wenn ihr selber etwas schreiben wollt? (Habe beim durchforsten anderer Threads mitbekommen, dass hier einige Schreiberlinge sind ^^)
Ich würde ja in meinem Fall am allerliebsten eine Ich Erzählung nutzen (obwohl ich das normalerweise gar nicht leiden mag, oder zumindestens nur sehr sehr selten...). In der Vergangenheitsform, also sozusagen rückblickend (allerdings ohne, dass irgendwelche Dinge vorweg genommen werden etc.). Diese Ich Erzählung würde ich jedoch gerne mit einem Hauch eines Allwissenden Erzählers vermischen. Wie man sich das vorzustellen hat? Zb. wenn die Person die erzählt mit einer anderen in einem Raum steht, ihr aber gerade den Rücken zugedreht hat & man aber dann trotzdem den Gesichtsausdruck der anderen Person und deren Gedanken beschreibt etc. Allerdings direkt und nicht indirekt von wegen "Ich dachte ich hätte ihn kichern gehört, aber als ich mich umdrehte war er verschwunden." Sondern schon so direkt.
Nuja. Nun gibt es ja so etwas wie poetische Freiheit und so nää?:D Aber die ganzen blöden Erzählanalysen aus unserem Deutsch LK und die blöden Kommentare von so manchem Deutschlehrer über solche "Mischperspektiven" lassen mich da doch irgendwie ein wenig zögern... Eigentlich ist das ja totaler Schwachsinn sich deshalb davon abhalten zu lassen ^^ Aber irgendwie hemmt es mich trotzdem ein wenig, da es ja auch irgendwo einen logischen Fehler darstellt?
Andererseits... Vlt. hat es ja später irgendjemand, zB. der Kicherer ^^ selbst, der erzählenden Figur erzählt, aber das wird einfach nicht erwähnt xD *kleiner Rettungsversuch*
Was haltet ihr von solchen Erzählweisen? Ich finde es total in Ordnung, aber bei den meisten Büchern, die ich bisher in Ich-Form gelesen habe, war das ein ziemliches No-Go.
Find ich blöd.
Wenn ich lese, dann möchte ich mich in den erzählenden Charakter hineinversetzen können. Das funktioniert nur dann, wenn man auch nur mitbekommt, was er mitbekommt - ansonsten ist es ja unmöglich, dass man genau seine Empfindungen nachvollziehen kann, bzw. man fühlt sich eher als außenstehender Beobachter. Das funktioniert bei Texten, die reine Information überliefern sollen, aber in einer Fantasygeschichte will ich Atmosphäre, Spannung und Identifikation - und wie gesagt, das geht so nicht, für mich jedenfalls.
midnighter
11.08.2009, 21:29
Also beim Lesen bevorzuge ich eigentlich die personale/auktoriale Persperkive.
Ich finde es bei manchen Büchern, die in der Ich-Perspektive geschrieben sind schwer mich daran zu gewöhnen. Aber das ist auch von Buch zu Buch unterschiedlich. Z.B bei Biss hat es einfach gepasst. Ich denke auch, dass bei Liebes Bücher und Geschichten bei denen auf die Gefühle der Charakter viel Wert gelegt wird, die Ich-Perspektive besser ist.
Wo hingegen bei actionreichen Bücher sie eher unpassend ist.
Aber mischen würde ich es nicht. Es kann dann auch passieren das es zu chaotisch wird und man gar nicht mehr weiß, was die Person nun selbst gesehen hat und was nicht.
Ich wollte meine Geschichte auch erst in der Ich-Form schreiben, habe es mir dann aber doch anders überlegt, da wie du gesagt hast, ich gerne mehrere Personen beschreiben möchte unabhänging von der Ich-Person. Man kann es natürlich auch so machen, dass man das unterteilt und die Geschichte aus dem Blickwinkel mehrerer Charakter erzählt, wie z.B in Der Erdbeerpflücker.
Gruß Midnighter
Möchtest Du eine Geschichte erzählen oder irgendwelche Form-Spielereien machen?
Die Geschichte bestimmt die Form und nicht die Form die Geschichte.
Ich finde so etwas geht garnicht. Wenn mir so etwas beim Lesen auffällt stört mich das einfach und ich habe das Gefühl, als hätte der Autor einen Fehler gemacht und wenn es sich durch die ganze Geschichte zieht, ist das imho einfach schlechter Stil. Es macht es nicht nur schwerer, sich in den Prota hineinzuversetzen, sondern ist auch einfach unlogisch. Du kann natürlich schreiben, dass jemand anders kichert, während der Prota wegguckt, aber du kannst imo nicht schreiben, dass der andere z.B. mit den Augen rollt.
Es geht für mich einfach um die Logik: Du kannst nicht beschreiben, was der Ich-Erzähler nicht hört oder sieht, dann ist es ja kein Ich-Erzähler mehr. Man muss vielleicht ein bißchen aufpassen, dass man nicht aus der Perspektive fällt, aber ich finde es meistens auch spannender, weniger zu wissen^^
Ich finde es bei manchen Büchern, die in der Ich-Perspektive geschrieben sind schwer mich daran zu gewöhnen. Aber das ist auch von Buch zu Buch unterschiedlich. Z.B bei Biss hat es einfach gepasst.
Bei Biss fand ich z.B., dass eben diese Dinge, die Bella teilweise gar nicht hätte mitbekommen können ziemlich unangebracht aufgezwungen wurden. Dabei handelt es sich um ziemliche Kleinigkeiten, die mich aber sehr gestört haben. Dann kam z.B. irgendetwas vonwegen hier, dass er irgendetwas gemacht hat (ansatzweise gelächelt oder so) aber sie es ja eeiiiigentlich nicht hätte sehen können, weil sie es 1. nur irgendwie halb aus den Augenwinkeln heraus gesehen hat, 2. es sooo unglaublich kurz und schnell war, dass ihre Sinne ja eigentlich gar nicht ausreichen würden, um es mitzubekommen, aber trotzdem weiß sie es.. Da frage ich mich doch wirklich...Hö?
Soetwas möchte ich vermeiden, weil ich einfach finde, dass man an solchen Stellen merkt, dass krampfhaft versucht wurde, noch kleine Informationen einzubauen. Zumindestens so wie es hier manchmal passiert ist.
Ich wollte meine Geschichte auch erst in der Ich-Form schreiben, habe es mir dann aber doch anders überlegt, da wie du gesagt hast, ich gerne mehrere Personen beschreiben möchte unabhänging von der Ich-Person. Man kann es natürlich auch so machen, dass man das unterteilt und die Geschichte aus dem Blickwinkel mehrerer Charakter erzählt, wie z.B in Der Erdbeerpflücker.
Gruß Midnighter
Die Geschichte aus mehreren Blickwinkeln zu erzählen habe ich mir auch schon überlegt. Finde ich aber im Endeffekt bei meiner Geschichte sehr unpassend. =(
Möchtest Du eine Geschichte erzählen oder irgendwelche Form-Spielereien machen?
Die Geschichte bestimmt die Form und nicht die Form die Geschichte.
Ich möchte ganz bestimt nicht einfach nur irgendwelche "Formspielereien" machen. Meine Geschichte bestimmt die Form und genau das ist im Prinzip mein Problem, da zum Erzählen meiner Geschichte genau so eine Form von Nöten wäre.
___
Hm... Nun stellen sich mir hier zwei Fragen ^^
Hier "Schreien" doch immer sehr viele danach, dass mal etwas neues kommen soll und sich doch nicht alle an die ganzen Normen halten sollen... Für die Art eine Geschichte zu erzählen gilt das also nicht? X.X
Und dann.. Oft wird doch auch z.B. zwischen perspektivischem Erzählen und allwissendem Erzähler gewechselt. Stört euch das dann auch fällt euch das dann nicht auf, weil beides ja dann in der er/sie Form ist?
Mich würde das mit dieser Mischform wie ich sie oben beschrieben habe nicht weiter stören, wenn ich es so in einem Buch lesen würde. Gerade dann nicht, wenn es sich durch das ganze Buch ziehen würde, weil ich dann wüsste, dass es beabsichtigt ist.
Wenn es jetzt aus der Sicht des erlebenden Ichs geschrieben wäre, also im Präsens fände ich es auch ziemlich komisch.. Aber rückblickend finde ich das eigentlich ok. (Aber da stehe ich wohl alleine mit meiner Meinung da *gg*)
Vlt. fange ich auch einfach mal an und versuche dann später mal verschiedene Dinge... Vlt. kann ich mich ja doch mit einer anderen Erzählperspektive abfinden. Da ich ja eh im Endeffekt nur für mich schreibe ist es nicht überlebenswichtig, trotzdem wollte ich einmal eure Meinung dazu hören/lesen =)
Fändet ihr es denn auch so schlimm, wenn dann z.B. am Ende heraus kommen würde, dass das erzählende Ich bereits von Anfang an tot ist? Also es ist im Prinzip schon tot bevor es anfängt die Geschichte zu erzählen und erzählt daher dann eben auch rückblickend.
Oder würde das für euch keinen Unterschied machen?
Ich setze den Zustand des Todes, aus welchen Gründen auch immer, mit Allwissenheit gleich. (?)
Hm... Nun stellen sich mir hier zwei Fragen ^^
Hier "Schreien" doch immer sehr viele danach, dass mal etwas neues kommen soll und sich doch nicht alle an die ganzen Normen halten sollen... Für die Art eine Geschichte zu erzählen gilt das also nicht? X.X Gilt nicht unbedingt. Nämlich dann nicht, wenn es zu offensichtlich ist, wenn es zu deutlich wird, dass die Art die Geschichte zu erzählen zu sehr im Vordergrund steht.
Ich bemängele bei vielen Geschichten (insbesondere in der SF, der ich ebenfalls sehr verbunden bin), dass dort der Schreiber einfach zu sehr versucht zu zeigen, wie gut er schreiben kann. Die Geschichte geht dann oft unter. Form bestimmt die Geschichte ... Ian Banks ist für mich so ein typisches Beispiel.
(Nebenbei einfach aus Interesse gefragt: Wäre es Deine erste Geschichte?)
Neu muss nicht gleich neu sein. Vieles Neue schreckt mich nicht deswegen ab, weil es neu ist, sondern weil einfach keine Geschichte erzählt wird. Aus dem oben genannten Grund.
Ich gebe zu, dass ich ein Freund des klassischen Erzählens bin. Sprach- und Formexeperimente mögen interessant sein ... verleiden aber oft genug das Lesen.
Und dann.. Oft wird doch auch z.B. zwischen perspektivischem Erzählen und allwissendem Erzähler gewechselt. Stört euch das dann auch fällt euch das dann nicht auf, weil beides ja dann in der er/sie Form ist? Wenn es gut gemacht ist ... warum nicht?
Mich würde das mit dieser Mischform wie ich sie oben beschrieben habe nicht weiter stören, wenn ich es so in einem Buch lesen würde. Gerade dann nicht, wenn es sich durch das ganze Buch ziehen würde, weil ich dann wüsste, dass es beabsichtigt ist.
Wenn es jetzt aus der Sicht des erlebenden Ichs geschrieben wäre, also im Präsens fände ich es auch ziemlich komisch.. Aber rückblickend finde ich das eigentlich ok. (Aber da stehe ich wohl alleine mit meiner Meinung da *gg*)
Vlt. fange ich auch einfach mal an und versuche dann später mal verschiedene Dinge... Vlt. kann ich mich ja doch mit einer anderen Erzählperspektive abfinden. Da ich ja eh im Endeffekt nur für mich schreibe ist es nicht überlebenswichtig, trotzdem wollte ich einmal eure Meinung dazu hören/lesen =) Du hast Meinungen gehört :) ...
Fändet ihr es denn auch so schlimm, wenn dann z.B. am Ende heraus kommen würde, dass das erzählende Ich bereits von Anfang an tot ist? Also es ist im Prinzip schon tot bevor es anfängt die Geschichte zu erzählen und erzählt daher dann eben auch rückblickend.
Oder würde das für euch keinen Unterschied machen?
Ich setze den Zustand des Todes, aus welchen Gründen auch immer, mit Allwissenheit gleich. (?)
Das musst Du am Ende aber dann sehr gekonnt und sehr gut rüberbringen, weil man es ansonsten leicht als Kunstgriff betrachten könnte. Zudem sollte der Leser - meines Erachtens nach - bereits zwischendurch eine Ahnung (nicht das Wissen) davon bekommen, dass mit dem erzählenden Ich etwas nicht ganz so sein kann, wie es sonst für gewöhnlich der Fall ist. Beispiele aus dem Film-Bereich: The Sixth Sense oder The Others. Irgendwann kommt man da schon auf den Gedanken, dass die Hauptpersonen (Willis bzw. Kidman) nicht ganz "koscher" sind. Aber eben nur auf den Gedanken.
Verzichtest Du auf solche "Ahnungsstreusel" wird es dem Leser genauso ergehen, wie es Dir bei "Biss" ergangen ist: Warum weiß die Hauptfigur das? Kann doch gar nicht sein!
Verräter
12.08.2009, 09:03
Ich finde die "Form einer Geschichte" schon ziemlich wichtig. Es geht schlussendlich doch nicht nur darum die Geschichte zu erzählen, sondern dies auch so zu tun, dass die Leser nicht schon nach 5 Seiten aufgeben. Jeder Stil hat seine eigenen Grenzen bzw. Vorteile. Je nach Blickwinkel können Ereignisse in völlig verschiedenen Lichtern stehen.
Der Autor sollte schon sehr genau darauf achten, welchen dieser Winkel er wählt.
Der Ich-Erzähler hat glaube ich den engsten Kreis an Handlungsmöglichkeiten für den Autor und für nur sehr wenige Geschichten geeignet. (Meiner Meinung nach)
Die Schwierigkeit liegt glaube ich darin, dass du ausnahmslos alles nur über den Protagonisten wahrnimmst. Alles was er nicht sehen kann, existiert für die Geschichte nicht. Jedes Ereignis und jedes Gespräch beinhaltet immer die die Sinne und Gedanken des Protagonisten. Das heißt auch, dass du Gedankengänge anderer Personen (solange sie das nicht aussprechen) nicht schreiben kannst, der Leser also nichts darüber weiß. Du musst bei Charakteren dann eine ganz genaue Linie ziehen, wie er ist und was man über ihn weiß bzw. wie er auf den Prota wirkt usw.
Entweder man nutzt das aus und erzeugt viel Spannung damit, oder man verärgert den Leser sofort. Es ist also meines Erachtens ein sehr schmaler Grad zwischen Gut und Mülltonne, weswegen ich den Ich-Erzähler nur dann empfehlen würde, wenn sich der Autor lange und intensiv mit allen Einzelheiten seiner Geschicht befasst hat.
Außerdem brauchst du natürlich einen guten Protagonisten, dessen Gedankengänge man nachvollziehen kann, der aber auch nicht wie jeder X-beliebige Mensch daher läuft und sofort berechenbar wird. Eine "starke/einzigartige Persönlichkeit" ist hier ein absolutes Muss, sonst laufen die Leser sofort weg.
Ungeeignet ist dieser Stil für Geschichten, in denen mehrere Handlungsstränge nebeneinander herlaufen. Dies wäre nur mit einem Bruch zu schaffen und was hat es schon für einen Sinn einen Stil zu beginnen, den man nicht durchhalten kann?
Der absolut allwissende Erzähler hat aber auch so seine Probleme. Meist liegt er darin, dass es Lesern schwer fällt sich mit Charakteren zu identifizieren, sich in sie hineinzufühlen, da hier die persönlichen Gedanken jeder einzelnen Person für das Gesamtbild meist in den Hintergrund gerückt wird. Wenn dann die Handlung nicht sehr komplex/mitreißend ist (was auch ein ungemeines Schreibvermögen des Autors vorraussetzt) hat man als Leser schnell das Gefühl, alles dümpelt ein wenig vor sich hin. Es wird schnell langweilig. Wobei mir jetzt spontan keine Geschichte mehr einfällt, die einen tatsächlich absoluten allwissenden Erzähler nutzt. (Doch! Die Stadt der Blinden von Saramago - Wobei das auch etwas eigenartig mit der perspektive in dem Buch aussieht) Meist geht das eher in die Richtung des personellen Erzählers, der eigentlich eine gute Mischung ist. Du beschreibst zwar alles aus der Sicht einer allw. Erzählers, bleibst aber Räumlich (und zum größten Teil Gedanklich) an einem Charakter hängen. Den Stil verwenden eigentlich fast alle Bücher die ich in letzter Zeit gelesen habe. Besonders Positiv aufgefallen ist mir da Durhams Acacia, der mit jedem Kapitel zu einem anderen Charakter springt an dem er als Erzähler haften bleibt. Das vermittelt ein sehr schönes Bild, da so vieles aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachtet wird.
Dies ist auch die Art, die ich versuche in meinen Geschichten umzusetzen. Aber auch das ist nicht immer leicht, was ich gerade an einigen Dialogen merke, die einfach an der erhofften Wirkung vorbei rauschen. *sfz*
Ich finde daher eigentlich, dass die Aussage "Die Geschichte bestimmt die Form und nicht die Form die Geschichte" so nicht ganz stimmt. Je nach Handlung bietet sich der ein oder andere Stil zwar besonders an, während andere tödlich wären - aber der Autor sollte sich schließlich doch ganz genau darauf besinnen, wie er die Handlung an den Leser bringen will. Denn auch z.b. Ich-Erzähler sind nicht alle gleich. Die Art der Informationsweitergabe ist extrem wichtig und kann eine Aussage oder ein Ereignis bei richtiger oder falscher Benutzung schnell sehr stark beeinflussen. (Vielleicht gewollt, vielleicht ungewollt)
P.S.: Ich würde davon abraten als Ich-Erzähler Dinge zu beschreiben, die dein Protagonist nicht wissen dürfte. Das ist Gefährlich.
Du kannst darin aber auch einen "Stil" entwickeln und Informationen z.b. durch die Gedanken deines Protagonisten weitergeben, quasi als Zwiegespräch mit sich selbst, die extra "dafür gekennzeichnet" sind. Wenn er sich selbst z.b. dafür Vorwürfe macht, etwas, das direkt vor seinen eigenen Augen passierte nicht bemerkt zu haben und sich wünscht daraus resultierende Fehler nicht gemacht zu haben.
Was du aber auf gar keinen Fall tun darfst ist, deinen Charakter nach Informationen richtig handeln zu lassen, die du zwar dem Leser gegeben hast, dein Protagonist aber nicht wissen dürfte. Das wäre absolut fatal und deine ganze Geschichte für die Tonne :)
Ich finde daher eigentlich, dass die Aussage "Die Geschichte bestimmt die Form und nicht die Form die Geschichte" so nicht ganz stimmt. Je nach Handlung bietet sich der ein oder andere Stil zwar besonders an, während andere tödlich wären - aber der Autor sollte sich schließlich doch ganz genau darauf besinnen, wie er die Handlung an den Leser bringen will. Denn auch z.b. Ich-Erzähler sind nicht alle gleich. Die Art der Informationsweitergabe ist extrem wichtig und kann eine Aussage oder ein Ereignis bei richtiger oder falscher Benutzung schnell sehr stark beeinflussen. (Vielleicht gewollt, vielleicht ungewollt)
Du sagst das genau richtig (obwohl Du mir widersprichst ;)): Je nach Handlung bietet sich (...) an ...
Ich habe zuerst die Handlung (die Idee, die Geschichte) und danach suche ich mir eine passende Form, überlege mir das "wie". Das wiederrum heißt - für mich - je nachdem welche Geschichte (oder was auch sonst) ich erzählen möchte, danach wähle ich mir die Form, das Wie.
Als Beispiel (aber ich glaube, das habe ich schon mal wo geschrieben :D): Ich erzähle meine Darkener-Online-Heftserie anders als meine Fantasy-Geschichten. Die wieder anders als meine Artikel und die wieder anders als meine Kolumne.
Oft drängt sich mir aber (bei manchen neueren Werken) der Eindruck auf, dass genau anders vorgegangen wird: ich wähle eine Form und überlege, wie ich diese Form umsetze und welche Konstruktionen ich dafür verwende. Dann erst überlege ich mir die Geschichte, die ich auf diese Art erzählen will.
Du verstehst, wie ich es meine?
Manchmal passiert es, dass ich einen Text umschreibe(n) (muss), weil die nach dem Anfang gewählte Form doch nicht zu der Geschichte passt. Ich verändere dann aber lieber die Form der Geschichte - nicht die Geschichte, damit sie in die Form passt.
(Nebenbei einfach aus Interesse gefragt: Wäre es Deine erste Geschichte?)
Generell nein. Allerdings die erste längere.
Was du aber auf gar keinen Fall tun darfst ist, deinen Charakter nach Informationen richtig handeln zu lassen, die du zwar dem Leser gegeben hast, dein Protagonist aber nicht wissen dürfte. Das wäre absolut fatal und deine ganze Geschichte für die Tonne
Mir geht es nicht um großartige Informationen. Nur um ein kleines Schmunzeln hier oder ein kurzes Augenzwinkern da ;o) Das sind zwar Kleinigkeiten, aber die können für den Leser m.M.n. in manchen Situatuionen recht wichtig sein. Sei es um irgendetwas besser zu verstehen oder die beschriebene Situation besser einschätzen zu können etc.
Naja... Danke für eure ehrlichen Meinungen =)
Aber so wie ich mich kenne, werde ich mich mal wieder als unbelehrbar erweisen und es dennoch so machen. Entweder ich bin dann zufrieden oder ich beiße mir in den Arsch, weil ich alles nochmal umschreiben muss *gg*
Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich eine Lösung finden werde, die mich zufrieden stimt. Ist ja eh i.E. nur für mich gedacht ^^
Ich werde nun erst einmal ein wenig abwarten wie die Geschichte sich weiterentwickelt und mich dann entscheiden, was am besten harmoniert. Ich denke, bei dem Tempo bei dem sich die Geschichte in meinem Kopf selbstständig rund um die Uhr weiterschreibt wird das nicht allzulange dauern *ja*
Trotzdem danke nochmal =)
Bertvogel
12.08.2009, 17:29
Die interessanteste Perspektive ist die, die das Wichtigste zu erleben hat.
Hört sich nach Binsenweisheit an, ist aber so. In allen Geschichten, an die ich mich erinnere, lassen sich mühlelos Perspektivwechsel durchführen, der Leser ist harte Schnitte vom Film gewohnt.
Viele glauben, dass sie durch einen "Dreh" bei den Formen einen wie auch immer gearteten Gewinn ohne Substanz erzielen können. Die Hoffnung ist so alt wie die Welt. Ich habe aber noch nie gesehen, wo sie funktionert.
Hallo allerseits :)
Ich bevorzuge eigentliche die auktoriale Erzählsituation. Ich finde einen allwissenden Erzähler besser als die beschränkte Sicht einer einzigen Person. Ich werde von Büchern (u. a.) gefesselt, wenn ich schon mehr weiß als ein bestimmter Charakter und dann gespannt auf seine Reaktion dazu warte. Da kann man einfach nicht aufhören zu lesen!
Naja, hoffe das war verständlich :D
LG Sulaya
Ich werde von Büchern (u. a.) gefesselt, wenn ich schon mehr weiß als ein bestimmter Charakter und dann gespannt auf seine Reaktion dazu warte. Da kann man einfach nicht aufhören zu lesen!
Das funktioniert aber durchaus auch, wenn man nur als persönlicher Erzähler aus der Sicht von bestimmten Figuren erzählt und dann eben ab und zu die Figur wechselt ;) Das nur am Rande.
Das funktioniert aber durchaus auch, wenn man nur als persönlicher Erzähler aus der Sicht von bestimmten Figuren erzählt und dann eben ab und zu die Figur wechselt ;) Das nur am Rande.
Ja, aber es kann durchaus verwirrend werden, wenn man bei mehreren Personen die Ich-Erzählsituation benutzt. *ja*
In der auktorialen kann man einfach besser wechseln!
Außerdem: Wenn sich zwei Charaktere treffen kannst du schlecht bei beiden "ich" schreiben !
Ja, aber es kann durchaus verwirrend werden, wenn man bei mehreren Personen die Ich-Erzählsituation benutzt. *ja*
In der auktorialen kann man einfach besser wechseln!
Außerdem: Wenn sich zwei Charaktere treffen kannst du schlecht bei beiden "ich" schreiben !
Das funktioniert durchaus, denn die "personale Erzählperspektive" ist nicht gleich der "Ich-Erzählperspektive". Ich arbeite gerade mit dieser Erzählperspektive, denn beide Hauptfiguren erleben ihre Geschichte unabhängig voneinander. Erst wenn sie sich treffen, wird ihre gemeinsame Geschichte erzählt - abwechselnd aus der Sicht des einen, dann des anderen. Diesen Perspektivwechsel muss man deutlich machen. Der auktoriale Erzähler weiß alles - der personale Erzähler weiß nicht alles. Er weiß in aller Regel nur unwesentlichst mehr als der Ich-Erzähler. Aber ich umgehe das Ich-Problem.
(Und im übrigen macht es mehr Spaß, dem Leser nicht alles unter die Nase zu reiben, was ich als Schreiber (= auktorialer Erzähler) weiß. Soll er doch ein wenig mitdenken ;))
Aber ich umgehe das Ich-Problem.
Und wie? Denn treffen sollen sie sich doch! Wäre doch komisch, plötzlich nur noch aus der Sicht des einen auf den anderen zu schreiben!
(Und im übrigen macht es mehr Spaß, dem Leser nicht alles unter die Nase zu reiben, was ich als Schreiber (= auktorialer Erzähler) weiß. Soll er doch ein wenig mitdenken ;))
Der Leser soll ja auch nicht alles wissen, lediglich mehr als manche Charaktere. Das erreicht man schon indem man von mehreren Personen an verschieden Orten schreibt! Da hat man die Informationen schon, bevor sie den anderen Charakter erreicht. (alles relativ gesehen natürlich, kommt immer auf die Geschichte an!)
Ich finde das hat auf jeden Fall seinen Reiz!
LG Sulaya
Und wie? Denn treffen sollen sie sich doch! Wäre doch komisch, plötzlich nur noch aus der Sicht des einen auf den anderen zu schreiben!
Äh ... das gibt etwas Übersicht zur auktorialen, personalen und Ich-Erzählsituation:
http://de.wikipedia.org/wiki/Typologisches_Modell_der_Erz%C3%A4hlsituationen
Und plötzlich ... man kann es an durchaus deutlich machen. Ich will jetzt keinen langen Text dazu posten, aber es ist möglich mit zum Beispiel Zwischenüberschriften, eindeutigen Hinweisen usw.
Die personale Erzählsituation wird nicht in der Ich-Form geschrieben. Aber sie wird aus der Sicht einer bestimmten Figur geschrieben. Und diese Sichtweise kann wechseln.
Der Leser soll ja auch nicht alles wissen, lediglich mehr als manche Charaktere. Das erreicht man schon indem man von mehreren Personen an verschieden Orten schreibt! Da hat man die Informationen schon, bevor sie den anderen Charakter erreicht. (alles relativ gesehen natürlich, kommt immer auf die Geschichte an!)
Beim auktorialen Erzähler weiß aber der Leser so ziemlich alles, was der Erzähler weiß. Deswegen nennt man den auktorialen Erzähler auch "allwissender Erzähler". Da reicht es schon, dass er als Leser mehr weiß als manche Charaktere.
Sicher hat das seinen Reiz und wird auch durchaus verwendet.
Deswegen nennt man den auktorialen Erzähler auch "allwissender Erzähler". Da reicht es schon, dass er als Leser mehr weiß als manche Charaktere.
Es heißt aber "allwissender Erzähler" und nicht "allwissender Leser"!
Übrigens danke für den Hinweis! Habs gerade etwas durcheinandergebracht (personale und auktoriale)! Sry
Es heißt aber "allwissender Erzähler" und nicht "allwissender Leser"! Indem der allwissende Erzähler die Dinge aus seiner Perspektive (mit seinem Wissen, seinen Vermutungen, seinen Schlüssen etc.) erzählt, wächst der Leser in die Position des allwissenden Lesers hinein.
Übrigens danke für den Hinweis! Habs gerade etwas durcheinandergebracht (personale und auktoriale)! Sry Keine Ursache :D ...
Bertvogel
13.08.2009, 17:34
Ich finde die "Form einer Geschichte" schon ziemlich wichtig. Es geht schlussendlich doch nicht nur darum die Geschichte zu erzählen, sondern dies auch so zu tun, dass die Leser nicht schon nach 5 Seiten aufgeben. Jeder Stil hat seine eigenen Grenzen bzw. Vorteile. Je nach Blickwinkel können Ereignisse in völlig verschiedenen Lichtern stehen.
Der Autor sollte schon sehr genau darauf achten, welchen dieser Winkel er wählt.
Schon Ludwig Reiners schreibt sinngemäß:
Es gibt nicht nur eine Unklarheit der Formulierung, sondern vorab kommt die Unklarheit des Gedankens.
Ich will jetzt nicht auf die Unklarheit abstellen, sondern darauf, dass vor der Formulierung der Gedanke kommt.
Vor dem Schreiben das Denken.
Vor dem Wie das Was.
Eigentlich sonnenklar, aber aus verschiedenen Schreibratgebern nicht eindeutig. Eher umgekehrt, ich habe mindestens einmal den Satz gelesen, dass sich ein Urteil über den Stil nicht mit dem Inhalt befassen soll. Also nichtmal, ob ein solcher da ist.
Wenn ich schreibe "das Auto explodierte", ist das profan.
"Das Auto explodierte in meinem Bauch" ist eine Metapher (Sowas ist schon enthusiastisch gelobt worden).
Gute Stilistik lässt also inhaltlichen Schrott zu.
Stilistik scheint mir sowieso nur mit der Assoziation, nicht aber mit der Intellekutalität zu arbeiten.
Wenn du eine allgemeine Idee aus einem besonderen Blickwinkel berücksichtigen willst, ist das meiner Ansicht nach eine eigene Idee. Wir sind also bei dem "Was". Eine eigene Idee erfordert etwas, eventuell eine Perspektive, aus der diese Idee angemessen betrachtet werden kann.
Deswegen gilt:
Erst die Idee, dann die Form.
Ich bevorzuge eigentliche die auktoriale Erzählsituation. Ich finde einen allwissenden Erzähler besser als die beschränkte Sicht einer einzigen Person. Ich werde von Büchern (u. a.) gefesselt, wenn ich schon mehr weiß als ein bestimmter Charakter und dann gespannt auf seine Reaktion dazu warte. Da kann man einfach nicht aufhören zu lesen!
D.h. du meinst es umgekehrt. Wichtig ist dir: Du bevorzugst es, mehr zu wissen als der Charakter und bist gespannt, wie er reagiert.
Deine Erwartung kann durch den allwissenden Erzähler befriedigt werden.
Die Perspektive ist dir damit unwichtig, denn du könntest den Informationsvorsprung auch z.B. durch einen Perspektivwechsel erlangen.
Und bekommst genauso gut das, was du willst.
Um es noch nachzuschieben:
Schopenhauer (sinngemäß):
"Der geniale Geist sagt ungewöhnliche Dinge mit gewöhnlichen Worten. Die Blender machen es umgekehrt."
D.h. du meinst es umgekehrt. Wichtig ist dir: Du bevorzugst es, mehr zu wissen als der Charakter und bist gespannt, wie er reagiert.
Deine Erwartung kann durch den allwissenden Erzähler befriedigt werden.
Die Perspektive ist dir damit unwichtig, denn du könntest den Informationsvorsprung auch z.B. durch einen Perspektivwechsel erlangen.
Und bekommst genauso gut das, was du willst.
Stimmt genau *ja*
Insofern kann dies nur die Ich-Erzählsituation einer Person nicht befriedigen, was aber nicht heißt, dass ich solche Geschichten nicht lese.
LG Sulaya
Bertvogel
13.08.2009, 19:15
Es geht vielleicht schon.Die Figuren deuten durch Umschreibung an, dass der Pro ihrer Ansicht nach auf dem Holzweg ist:
"Anita ist verliebt in mich. Das sagt mir Sprache der Blicke!" Ich lächelte Karl zuversichtlich an.
Karl lehnte sich auf der Couch zurück und fasste sich an den Kopf.
"Was hast du, Karl? Kopfschmerzen?
Karl anwortet hastig: "Nein, nein, mir fiel nur ein, ich habe vergessen meinen Goldfisch zu gießen und gehe jetzt lieber."
" Ich weiß ja, wie du an diesem Fischen hängst. Schade, willst du nicht noch warten?"
" Nein, der windet sich vielleicht schon. Ich muss gehen. Sofort."
" Dann bis morgen, Karl." Goldfische. Der Kerl musste mal lernen zu leben.
"Ich lade Anita jetzt zum Abendessen ein. Siehst du, wie sie mir zulacht? Mit anschließendem Frühstück selbstverständlich, hehe. Dir entgeht was!"
Karl antwortete: " Davon bin ich überzeugt. Mein Goldfisch schnappt nach Luft."
Ich denke, es ist zu merken, dass Karl das kommende Elend nicht mit ansehen will.
Eine derartige Vorbereitung einer Situation ist vielleicht nach deinem Geschmack.
Feuerfluegel
13.08.2009, 19:17
Ich habe vor einiger Zeit einen Zweiteiler geschrieben und mich da eher unkonventioneller Erzählperspektiven bedient.
In der ersten Fassung habe ich die Erzählung in Fragmenten geschrieben, das heißt kleinere Textpassagen werden aus der Sicht verschiedener, wechselnder Personen geschrieben und das aus der Ich-Perspektive.
In der Regel wechselten die Personen zwischen der einen Protagonistin und der anderen Protagonistin hin und her. Ab und an kamen zwei Nebenfiguren zu Wort. (Bei jedem Fragment wurde angegeben aus welcher Sicht der folgende Text geschrieben war)
Manchmal waren längere Zeit die aufeinander folgenden Fragmente jeweils aus der gleichen Sichtweise erzählt.
Das hat seine Vor- und Nachteile:
Gefühle und Gedanken sehr persönlicher Natur können von verschiedenen Personen deutlich dargestellt werden, ohne einen allwissenden Erzähler zu Rate zu ziehen. So hat man immer noch kleine Geheimnisse.
Andererseits kann es den Leser verwirren. (Ich kann dazu aber nur sagen, dass ich schlichtweg positive Kritiken zu jener Form bekommen habe.)
Danach habe ich die gesamte Erzählung umgeschrieben und diesmal eine Nebenfigur als Erzähler genutzt.
Auch hier gibt es also eine Ich-Erzählung.
Die Geschichte der eigentlichen Protgonisten wird rückblickend wiedergegeben. Die Erzählende ist nahezu allwissend (trotz Ich-Erzählung) da sie die Erlebnisse der Protagonistinnen teilweise miterlebt, andere Ereignisse erzählt bekommen hat und so einen fast gesamten Überblick erhält.
Die Ich-Erzählerin kann also tatsächlich fast allwissend sein, wenn eine Geschichte rückblickend erzählt wird. (Dass es sich um einen Rückblick handelt sollte zu Beginn der Geschichte geschickt eingebracht werden) und die Ich-Erzählerin an dieser Stelle keine direkt handelnde Protagonistin ist.
Mein Fazit also:
Man sollte sich tatsächlich auch an gewagtere Erzählmethoden heran wagen, wenn einem danach ist und es zur Geschichte passt.
Auch hier stimme ich meinen Vorrednern zu. Nicht die Form bestimmt die Geschichte, sondern die Geschichte bestimmt die Form
Ich habe vor einiger Zeit einen Zweiteiler geschrieben und mich da eher unkonventioneller Erzählperspektiven bedient.
Sind die Bücher im Handel erhältlich? Würde sie gerne mal lesen, kling nämlich interessant. Vielleicht kannst du mir auch schon mal sagen worum es so ungefähr geht! O.O
Ich denke, es ist zu merken, dass Karl das kommende Elend nicht mit ansehen will.
Eine derartige Vorbereitung einer Situation ist vielleicht nach deinem Geschmack.
ja, ich mag alles was so in diese Richtung geht *grins*
Bertvogel
13.08.2009, 20:02
@Feuerflügel
Ob dieses Umherspringen in die einzelnen Ich-Perspektiven als Alternative zu (?) anderen Erzählmethoden wirklich ein Gewinn ist, kann ich in Unkenntnis des Inhaltes nicht beantworten.
So kann ich nur grob vermuten:
Dieses Erzählen aus allem möglichen Perspektiven verschafft dem Leser zwar viel Information. Anstatt die Informationen auszuwerten, ist er jedoch nächtefüllend mit der Frage beschäftigt, wer was weiß und wer was wissen darf, und wie seine Handlungen auszusehen hätten oder vielleicht doch nicht.
Leidet da nicht der Inhalt?
Immer noch in Unkenntnis des Inhaltes und der Qualität des Lobes:
Hat das Rätselraten "wer was weiß" den Inhalt ersetzt?
Oder war der Inhalt trotz ungewöhnlicher Erzählperspektive so gut, dass die Geschichte auch experimentelle Formen ertragen hat?
Was hat deine experimentelle Erzählform dem Leser gegeben, was ein klassische Perspektive nicht geleistet hätte?
Für mich kommt das auf die Geschichte drauf an. Bei den meisten Geschichten gefällt mir die Erzählweise von der Hauptperson aus, manchmal auch von 2 oder 3, aber dann muss das klar ersichtlich sein, z.B. mit Kapitel oder 'Unterkapitel' wechsel. Aber zuviele Sichtweisen von zu vielen Hauptpersonen mit zu raschen Wechsel, finde ich eher irritierend.
Die Ich-Person finde ich auch gut, aber nicht immer. Jemand der das ganz gut kann, ist Robin Hobb. :D Bei den Weitseher Trilogien hätte das auch gar nicht anders gepasst.
Und der Wechsel von Ich-Form zur 'keine-Ahnung-wie-man-das-nennt'-Form (Er/Sie-Form) geht auch und seit ich Der Name des Windes von Patrick Rothfuss gelesen habe, sogar sehr gut. *ja*
Das einzige was sein muss, ist das man sich in die Hauptfigur(en) reinversetzen kann, sonst kann man mit der Geschichte nicht mitleben.
Wichtig ist wahrscheinlich auch das sich der Autor mit der gewählten Form am wohlsten fühlt.
Also nach meiner Ansicht ist es von der Geschichte oder zumindest der jeweiligen Situation abhängig. Aber grundlegend würde ich auch sagen, dass es darauf ankommt, WIE derjenige in der jeweiligen Perspektive schreibt. Es kann jemand bei Ich-Perspektive und selber Geschichte exzellent schreiben oder grottenschlecht. Einfach eine stilistische Sache und wie gut der Autor damit klar kommt.
Ich bin im Grunde für alle Erzähl-Perspektiven offen :) Beim Lesen bin ich dann eh schon so tief in der Geschichte drin, dass die Perspektive mich nicht mehr so interessiert oder nur noch am Rande wahrgenommen wird. Aber natürlich ist, je nach Stil des Autors und seinem Talent, die Erzähl-Perspektive essenziell wichtig für das Hineinversetzen in die Geschichte.
Feuerfluegel
13.08.2009, 21:03
Ursprünglich war es nicht mein Ziel eine vollständige Geschichte zu schreiben, ich habe nur ein Fragment geschrieben. Ich habe darin einfach nur ein Bild malen wollen.
Dann kam nach längerer Zeit ein weiteres bildmalendes Fragment hinzu, dann immer wieder, immer wieder. Bis sich eine Geschichte ergeben hat.
Ich wollte ursprünglich auch nicht erzählen, sondern nur Momente wiedergeben. Es hat sich dann so etwas wie ein Erzählstrang aufgetan.
Die Frage nach dem, wer weiß was, stellt sich nicht, da der Inhalt auch auf seltsame Art und Weise geschrieben ist.
Weniger eine komplette stringende Erzählung, als viel mehr Erzählmomente aus dem Leben zweier Personen, die dahin tröpfeln. (Aber schon eine volle Geschichte erzählen)
Ich denke ich habe diese Fragmentweise beibehalten, einfach aus eigener Unfähigkeit. Ich musste bestimmte Gefühle und Gedanken in Worte packen, konnte sie aber nicht in konventioneller Weise wiedergeben. Das reichte nicht. Ich brauchte diese Ich-Perspektive um das Innere der Protagonisten wiederzuspiegeln. Ein allwissender Erzähler hätte nicht gereicht.
Der Inhalt setzt sich weniger aus einer "Handlung" an sich zusammen, als viel mehr aus Gefühlen und Gedanken, einzelnen Momenten, die weniger direkt miterlebt werden, als viel mehr erzählt.
Trotz der Erzählweise bekommt der Leser relativ wenig Informationen, zumindest relativ wenige brauchbare Informationen. Es kommt nicht drauf an, ob eine der Protagonistinnen etwas weiß, was sie nicht wissen soll, oder so was, solche Fragen stellen sich einfach nicht.
Ist schwierig zu erklären.
Ich würde niemanden raten sich ebenfalls solch eine Perspektive auszusuchen, wollte lediglich anderen Usern hier den Mut machen, sich auch an gänzlich wilden Sachen zu versuchen.
Umschreiben danach ist immernoch möglich. Und wer Spaß am experimentieren hat, sollte es einfach versuchen. Warum auch nicht. Der Spaß am Schreiben zählt doch, nicht jedes Werk soll ja auch verlegt werden.
@ sulaya
Ich kann dir morgen gerne ein paar Informationen dazu per Pn schicken, wenn du magst. Danke dir auf jeden Fall für dein Interesse. :)
Der Seelenvampir
13.08.2009, 22:12
Ich hatte -insbesondere beim Turm der Seele- das Problem, dass die Einzelgedichte Erinnerungen der Opfer des Seelenvampirs sind, aber aus der Sicht des Vampirs geschildert; sie erscheinen ihm in Versform. Das erste Teilproblem war leicht zu lösen, da sich bei Erinnerungen die Ich-Form anbietet. In den Zwischenpassagen wusste ich jedoch nicht so wirklich, welche ich für den Vampir nutzen sollte. Bis ich irgendwann, in einem anderen Forum, die Lebensform des Seelenvampirs -leicht abgeändert- angenommen habe. Das war der Ausschlag, es als eine Art "Memoiren" meines Alter Ego zu verfassen, und die Ich-Perspektive wurde auch gut angenommen.
Dann die Sache mit dem allwissenden Erzähler... wenn etwas (fast) alle Gedanken des Anderen kennt, ist das natürlich klar. Hier jedoch kam die eingeschränkte Sichtweise der Opfer dazu, die nichts über die wahren Absichten ihres Peinigers wissen konnten, bzw noch nicht einmal, ob er ihnen nun böse oder gut gesinnt ist.
Um es kurz zu fassen: probier einfach in einer Passage aus, was zur Geschichte eher passt :D
Koboldkind
16.08.2009, 16:40
P.S.: Ich würde davon abraten als Ich-Erzähler Dinge zu beschreiben, die dein Protagonist nicht wissen dürfte. Das ist Gefährlich.
Du kannst darin aber auch einen "Stil" entwickeln und Informationen z.b. durch die Gedanken deines Protagonisten weitergeben, quasi als Zwiegespräch mit sich selbst, die extra "dafür gekennzeichnet" sind. Wenn er sich selbst z.b. dafür Vorwürfe macht, etwas, das direkt vor seinen eigenen Augen passierte nicht bemerkt zu haben und sich wünscht daraus resultierende Fehler nicht gemacht zu haben.
Was du aber auf gar keinen Fall tun darfst ist, deinen Charakter nach Informationen richtig handeln zu lassen, die du zwar dem Leser gegeben hast, dein Protagonist aber nicht wissen dürfte. Das wäre absolut fatal und deine ganze Geschichte für die Tonne :)
Ja, aber es kann durchaus verwirrend werden, wenn man bei mehreren Personen die Ich-Erzählsituation benutzt. *ja*
In der auktorialen kann man einfach besser wechseln!
Außerdem: Wenn sich zwei Charaktere treffen kannst du schlecht bei beiden "ich" schreiben !
Diese Probleme werden sich mir auch noch stellen.
Ich hab eine Geschichte, recht lang und breit, mit vier Perspektiven. Damit sich die alle nicht nur vom Namen unterscheiden will ich ihnen auch eine eigene Sicht verpassen.
Der eine männliche Quasi-Antagonist ist stumm, daher liest man nur seine Gedanken und die Telepathischen Gespräche. Hab ich schon versucht, ist schwierig, aber ich will es mal probieren.
Die weibliche Prota ist von einem Volk, das keine Magie beherrscht und die auch schlecht damit anzugreifen sind. Folglich ist ihre Perspektive auch völlig unpersönlich, ich meine sogar noch nicht mal aus ihrer eigenen Sicht, sondern die eines unpersonellen Erzählers. Sehr nüchtern das ganze.
Der männliche Held dagegen merkt Magie. Seine Sicht ist der personelle Erzähler, aber gelegentlich kommen direkt seine Gedanken zu sprechen (Alle Gedanken sind Kursiv gekennzeichnet, so sollte auch die Perspektive des Quasi-Anta zu erkennen sein)
Und schließlich die weibliche Schlüsselfigur, bei der bin ich mir unsicher. Es ist auch der personelle Erzähler, jedoch ohne gekennzeichnete Gedanken, sondern wie man das so kennt, in den Text einfließend.
Diese Geschichte ist für mich hauptsächlich ein Übungsfeld, daher die vielen Perspektiven.
Davon abgesehen schreibe ich in Präsens, außer wenn es, aus welchem Grund auch immer (Erinnerungen, Erzählungen der Protas, die als Flashback besser rüber kommen) Flashbacks gibt.
Weitere Schwierigkeit wird dann natürlich, die Informationen zu verteilen. Ich will nicht dem Leser auf die Nase binden, was ein Prota alles weiß. Zumal mit dem Quasi-Anti und der Schlüsselfigur einiges an Spannung dann wegfällt. Also muss ich gucken, dass die Protas öfter geheimnissvoll lächeln, oder? ^^
Wie hört sich das Konzept für euch an? Zu überladen?
Selbst hab ich am liebsten den personellen Erzähler, wie in Harry Potter oder bei Lukianenko. Nur sollte man/versuche ich dann auch durchziehen, dass der Prota nicht das Lächeln weiß, dass er eigentlich nicht gesehen haben kann.
Mit fällt Terry Pratchett ein, wo er auch in völlig unbekannte Personen schlüpft. Ich mag nicht unbedingt allwissender Leser sein, auch wenn ich nicht viel mitdenke(oder das nicht merke). Am liebsten weiß ich nur genausoviel wie der Prota.
Hm, eine andere Idee ist, nur eine Prota zu haben, die Geschichte wird aber einmal aus ihrer Tagebuchsicht und einmal aus der nüchternen Erzählerperspektive erzählt. So theoretisch. Das mit dem Tagebuch könnte klappen, allerdings hab ich noch keinen Plan, wie das geschrieben werden könnte ^^"
Der Seelenvampir
16.08.2009, 17:28
Bezüglich auf das Kursive: ich handhabe dies exakt so auch in meiner Geschichte (meine Person in der Erzählung in der Erzählung betreffend...) deshalb ist es auch meine Angewohnheit, in Foren als mein Forenchar kursiv zu schreiben :D
Bertvogel
16.08.2009, 18:07
Mich interessieren die Ideen. Vielleicht läßt sich aus der Idee eine angemessene Perspektive ableiten.
Bei diesem reinen Suhlen in Perspektiven zucke ich nur die Schultern.
Wollt ihr alle keine Geschichten erzählen?
Der Seelenvampir
16.08.2009, 18:56
Wieso, natürlich erzählen wir Geschichten.
Die Geschichte (ich kann da nur von mir reden) ergibt jedoch erst durch die Perspektive einen Sinn. Dadurch, dass es die Erinnerungen der Opfer des Seelenvampirs sind, "lebt" diese Geschichte erst. Es wäre eine ganz andere Geschichte, wenn ich sie aus der Sichtweise meines Alter Ego (ausschließlich) erzählen würde, da er als finale Steuerungseinheit fast alle Schritte seiner Opfer kennt und letztlich mit verantwortet. Dadurch entsteht erst die Spannung in der Erzählung.
Es wäre ja noch schöner, wenn es anders herum wäre.
Bertvogel
16.08.2009, 20:55
Wieso, natürlich erzählen wir Geschichten.
[/I]
Warum lese ich davon dann nichts?
Ich kann zu einer Idee ohne Perpektive eine Meinung haben, aber nicht zu einer Perspektive ohne Idee. Um es mit deinen Worten zu sagen:
Es wäre ja noch schöner, wenn es anders herum wäre.
Der Seelenvampir
16.08.2009, 21:42
Ich bin kein Stammuser, von daher darf ich noch nichts veröffentlichen. Folge dem Link in meiner Signatur^^
Ach ja: das kursive war mein Forenchar :D
Wenn ich schreibe - was selten genug vorkommt -, dann wähle ich die personale Erzählperspektive. Ich konzentriere mich über einen längeren Abschnitt (i. e. Kapitel) ausschließlich auf die Gedanken, Gefühle, Eindrücke, Wahrnehmungen etc. eines einzigen Charakters. Das nächste Kapitel wird dann häufig aus der Sicht einer anderen Person geschrieben, die an einem anderen Ort andere Dinge erlebt. Sie gehört vorzugsweise einer anderen, nicht unbedingt gegnerischen Partei an.
Diesen Perspektivenwechsel liebe ich, denn er ermöglicht es, die Welt, das Szenario usw. detailliert und facettenreich darzustellen. Dinge erscheinen in einem anderen Licht, wenn aus der Sicht von Gegnern beschrieben wird. Das wirkt Schwarz-Weiß-Szenarien entgegen.
Allerdings beschränke ich mich zumeist auf drei Hauptpersonen, aus deren Sicht ich schreibe. Das hindert mich allerdings nicht daran, die eine oder andere Nebenperson einzubauen, aus deren Sicht ich dann ein, zwei Kapitel schreiben werde, wenn es denn angebracht ist.
Aus Sicht der Ersten Person schreibe ich nicht, da ich mich dann auf einen Charakter beschränken müsste. Allerdings hindert mich das nicht daran, Bücher zu lesen, die in dieser Perspektive verfasst wurden.
Skeptisch gegenüber stehe ich allen olypischen/auctorialen Ansätzen. Ich hasse es, wenn nicht klar ist, aus wessen Sicht beschrieben wird, wenn sich der Erzähler zum Beispiel innerhalb eines festen Abschnitts (z.B. Kapitel) in die Köpfe mehrerer verschiedener Personen hineinversetzt, ohne sich wirklich ihren Empfindungen usw. zu widmen. Ich hasse es, wenn der Erzähler ein allwissender Hellseher ist, so dass man aus seinen Andeutungen oder konkreten Äußerungen bereits herauslesen kann, wie die Geschichte weitergeht, etwa im Sinne von "Doch es würde nicht lange ein Geheimnis bleiben." (sinngemäß zitiert aus Irrungen, Wirrungen von Fontane - ich hatte im Moment kein besseres Beispiel zur Hand) Über Dinge, die im Augenblick der Erzählens nur erahnt werden können, sollte der Erzähler nach Möglichkeit schweigen. So etwas bleibt der subjektiven Einschätzung der jeweiligen Personen überlassen.
Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Wenn es ein Autor geschickt anstellt, kann es durchaus sein, dass er mich damit überzeugt. Ist bisher aber selten passiert.
Plusquamperfekt
17.08.2009, 19:19
Also bei meiner Idee (siehe hier (http://fantasy-forum.net/showthread.php?t=2838)),schreibe ich immer aus der Ich-Erzähler-Perspektive.
Doch mein Erzähler ist weder allwissend noch tot. Ich beschreibe nur das was er sehen kann, was er denkt und was er fühlt.
Ich mag diesen Stil, finde aber wenn die Geschichte an sich gut ist und der Stil ok, ist auch das Gesamtergebnis gut.
Mfg
Pqp
Bertvogel
17.08.2009, 21:09
Also bei meiner Idee (siehe hier (http://fantasy-forum.net/showthread.php?t=2838)),schreibe ich immer aus der Ich-Erzähler-Perspektive.
Also, unter "hier", das ist keine Idee.
@Seelenvampir
Deine Gedichtesammlung ist auch keine Idee.
@Silberblut
Da sehe ich auch nichts, wenngleich deine Methodes des Hineinversetzens in einzelne Personen schon ein echter -auch menschlicher- Fortschritt ist.
Ich verstehe eure Wunschwelten nicht so richtig. Träumt ihr von Perspektiven? Jeder stellte bisher seine Perpektivüberlegungen dar und keiner bekam eine Rückmeldung. Sagt euch das nicht was? Ihr steckt in euren introvertierten Welten.
Ich melde mich nochmal, und lege dar, was meiner Ansicht nach eine Idee ist. Dafür muss ich etwas ausholen.
Ich verstehe eure Wunschwelten nicht so richtig. Träumt ihr von Perspektiven? Jeder stellte bisher seine Perpektivüberlegungen dar und keiner bekam eine Rückmeldung. Sagt euch das nicht was? Ihr steckt in euren introvertierten Welten.
Also mir helfen diese Perspektivüberlegungen ziemlich.
Zumindestens schwirren nun schon ziemlich viele Lösungsansätze in meinem Kopf herum, die nur noch ausgearbeitet werden müssen wenn ich etwas Zeit habe =)
Feuerfluegel
17.08.2009, 22:35
Ich verstehe eure Wunschwelten nicht so richtig. Träumt ihr von Perspektiven? Jeder stellte bisher seine Perpektivüberlegungen dar und keiner bekam eine Rückmeldung. Sagt euch das nicht was? Ihr steckt in euren introvertierten Welten.
Also ich habe sogar mehrere Rückmeldungen bekommen und finde die Ideensammlung hier wirklich interessant aber auch vorallem anregend. Es bringt mich selbst auch weiter auf Ideen, wie ich bestimmte Dinge handhaben kann.
Manchmal hat man seinen Plot ja schon, weiß aber trotzdem nicht genau, welche Perspektive man wählen soll. Ich denke durch die Beiträge in diesem Thread können die Schreiberlinge, zumindest ich kann mich auch mal umorientieren.
Der Seelenvampir
17.08.2009, 23:42
Ich habe schon über persönliche Nachrichten und in anderen Foren genug Rückmeldung bekommen, und die zählt für mich, da sie quer durch alle Altersklassen, Geschlechter etc gefächert ist. Und solange auch nur einer meine Geschichte mag (ich habe nicht von den Gedichten geredet) werde ich sie weiterführen. Und da bis jetzt mehr als genug Leute vorhanden sind, die eine Fortsetzung wollen und die Geschichte auch verstehen dürfte dies kein Problem sein ;)
Bertvogel
18.08.2009, 09:35
@Seelenvampir
Schön, dass du deine Rückmeldungen kennst, ich kenn sie nicht. Dass du deine Idee fortführst, bleibt dir unbenommen, hat mit meiner Frage wieder nichts zu tun. Dein Link verweist auf Gedichte von dir, ich rede von Ideen. Wo sind die?
@Feuerflügel
Ähnlich. Nett, dass du Rückmeldungen bekommen hast, aber von denen weißt nur du. Die vielen Ideen, die du gelesen hast, sehe ich nicht.
@Alavia
Schön, dass dir Perspektivvorstellungen helfen. Wenn du ein Beispiel gegeben hättest, wüsste ich, was du meinst.
Für euch alle drei gilt: Ihr gebt nur Bewertungen ab. Benötigt werden Beispiele.
Was ist eine Idee?
Beispiel:
Die Prinzessin wird entführt. Der König lobt dem Prinzen ihre Hand und das halbe Königreich aus. Diverse Prinzen scheitern. Aber einer findet sie besiegt den bewachenden Drachen, dann den finsteren Zauberer und führt sie heim.
Das ist so ein Urbeispiel. Die Grundidee ist verbraucht und tausendmal erzählt, sie ist politisch nicht mehr korrekt (warum ist die Prinzessin Bestandteil des Preises?), aber das ist eine Idee.
Die angemessene Perspektive wäre die aus der Sicht des Prinzens, weil der die größten Gefahren erlebt.
Eine Erzählung aus der Sicht des Königs wäre langweilig, weil der eh nur warten kann.
Aber ich könnte die Geschichte aus der Perspektive der Prinzessin oder des Zauberers erzählen, aber damit hätte ich eine andere Idee.
Die ganz andere Idee könnte sein:
Eine Prinzessin will Königin ihres Heimatlandes werden. Sie arrangiert sich mit einem talentierten Zauberer, der in ihrer Jugend vom Vater verstoßen wurde, um das Königreich zu übernehmen. Sie flieht mit ihm. Alle Welt glaubt, sie wäre entführt worden. Der König will sie befreien. Er verspricht dem Prinzen, der sie zurückbringt, ihre Hand und das halbe Königreich. Viele Prinzen versuchen, sie zu befreien, werden aber von dem Zauberer gefangen genommen. Die Prinzen werden gegen Lösegeld freigesetzt, das Lösegeld besteht in Truppen fremder Königreiche, mit denen die Prinzessin und der Zauberer das Königreich erobern und den alten König absetzen.
Auch für diese Idee kannst du dir beliebigee Perspektiven aussuchen, aber maßgebend ist zunächst die Idee.
Und interessant sind die Ideen und nicht die Perspektiven.
Ich will euch eine eigene erzählen, die ich gestern hatte:
Ein Jungbanker wechselt warum auch immer den Körper. Er ist Sportler, Nichtraucher, zur Bulemie neigend, extrem gepflegt. der übernommene Körper ist Nichtsportler, Raucher, Säufer, verfressen und gibt auf sich nicht acht. Ist der übernommene Körper nur einfach neutral, und wird die ursprüngliche Persönlichkeit diesen neuen Körper widerstandslos nach ihren Vorstellungen umgestalten oder enthält der alte Körper noch Reste der Persönlichkeit?
Ist der Körper noch verfressen, die neue Persönlichkeit aber bulemisch und ergibt sich daraus ein Konflikt, und wie wird der gefühlt?
Sehnt sich der Körper nach Nikotin, welche von der Persönlichkeit verabscheut wird? Will der Sportler joggen, der Körper aber nach Ruhe streben?
Ergeben sich innerliche Konflíkte, wie werden die gefühlt und erlebt und ausgetragen?
Die Frage der Perspektive ist meiner Ansicht nach für diese Idee von geringer Bedeutung.
Über die Perspektive einer Idee zu diskutieren, die niemand kennt, ist geradezu unsinnig. Und das macht ihr gerade.
Also ich wiederhole zum x-ten Mal:
Nennt wenigstens eine einzige Idee!
Der Seelenvampir
18.08.2009, 20:44
Ich kann zwar mit deiner "Idee" nicht sonderlich viel anfangen, was den Inhalt angeht (mea culpa, ich bin nun einmal eher Anhänger der Dunklen Fantasie), aber dies könnte sich interessant gestalten.
Zu der Geschichte:
wenn du richtig gelesen hättest, hättest du in der Übersicht, die du unter dem Link gefunden hast auf "Den Turm der Seele (http://www.fanfiktion.de/s/4a0b02a90000db6f0c901388) geklickt... was meines Wissens nach keine Gedichtesammlung ist, ansonsten hätte mich die Administration schon längst aufgefordert, diese Geschichte bei den Gedichten zu veröffentlichen, auch wenn sie in Versform ist. Kann aber jedem mal passieren, deshalb habe ich dir den Link mal ganz benutzerfreundlich herauskopiert ;).
Zur "Idee": mich würde mal interessieren, was an dieser Geschichte keine Idee sein soll,
- Der Seelenvampir ist, genauso wie die extrarealen Orte der Geschichte eine Eigen-Erfindung, insofern kann dies nicht abgegriffen sein
- Meines Wissens nach ist auch noch niemand bisher auf die "Idee" gekommen, eine Geschichte aus der Sicht der Opfer eines Vampirs gleich welcher Art zu schreiben
- Und natürlich ist die Versform der Geschichte (abgesehen davon, dass sie noch zu überarbeiten ist) auch schon früher einmal verwendet worden, dennoch hat bisher kein Fantasy-Autor diese Form für seine Geschichte ausprobiert (bzw habe ich noch keine gelesen).
Mich würde mal interessieren, was an der Geschichte deiner Meinung nach keine Idee sein soll, schließlich lebt ein Autor von Meinungen. Und es wäre mal interessant, ausnahmsweise eine negative zu lesen anstatt der dutzende von positiven, die dich ja nicht interessieren :D
Verräter
18.08.2009, 21:08
Hier mal ein einfaches Beispiel für die verschiedenen Erzählperspektiven/Möglichkeiten:
Am Königshof geschieht ein Mord, an einem gesandten eines anderen Königreichs. Der Mörder muss schnell gefunden und zur Verantwortung gezogen werden, denn sonst droht der ohnehin wackelige Frieden zu zerbrechen - aber auch wenn der Täter gefasst wird, könnte es zu einer Eskalation kommen.
Alles in allem also eine recht verzwickte Situation am Hof - aber wie erzählt man sie am besten?
Allwissender Erzähler?
-> Der Leser wird über den Tathergang und alle damit verbundenen Personen genauestens informiert. Ich erzeuge Spannung in dem ich an mehreren Orten gleichzeitig erzähle und aufzeige, wie die einen Versuchen den Mord aufzuklären, die anderen weitere Folgen zu verhindern und wieder andere Charaktere versuchen das allgemeine Chaos für ihre eigenen Zwecke zu verwenden. Da dadurch natürlich einige Charaktere in Konflikt geraten werden (Was der Leser bereits im voraus erahnen kann) zwinge ich den Leser dazu Partei anzunehmen, aber man kann nie wissen wie es ausgeht.
Personenbezogener Erzähler:
-> Ich picke mir 2-3 Personen auf dem Hof heraus, auf die ich näher eingehe. Am besten drei völlig verschiedene Personen, zwischen denen ich hin und herpendle. So kann ich die komplizierte Situation am Hof ausführlich aus mehreren Sichtweisen beschreiben und mir bleibt dennoch genug Zeit mich den einzelnen Protagonisten zu widmen und dem Leser mit Ungewissheiten die Geschichte spannend zu machen.
Ich Erzähler:
-> Ich konzentriere mich auf eine einzige Person, so kann ich das Maximum an Emotionen herauskitzeln. Man könnte aus der Sicht des Mörders schreiben, aufzeigen warum er es getan hat und welche Folgen er erwartet (vllt weiß er ja mehr als alle anderen?^^). Er kann nicht einfach fliehen, das würde seine Tarnung auffliegen lassen (wie er womöglich noch braucht? Vielleicht war der Mord nur der Anfang.) aber er muss auch alles tun, damit man ihm nicht auf die Schliche kommt, was von Moment zu Moment schwieriger wird.
Oder aus der Sicht einer Person, vllt eines Offiziers, der damit beauftragt ist den schuldigen zu finden. Einen politisch angehauchten Krimi aus der Geschichte machen, der eben in einer mittelalterlichen Welt spielt. Er sucht akribisch Beweismittel zusammen, stellt sich einem scheinbar unlösbarem Rätsel usw.
Oder aus der Sicht einer Person, die ganz andere Pläne verfolgt und nun - jetzt endlich! - ihre Chance sieht z.B. einen Putsch gegen den König zu führen, oder einen anderen, schon immer unliebsamen Konkurrenten loswerden. - Aber auch das wäre natürlich mit Schwierigkeiten verbunden!
Oder aus der Sicht des Königs oder seinem Beraters, der gleichzeitig besorgt um sein eigenes Leben ist, gleichzeitig all sein diplomatisches Können auszuspielen, einen drohenden Krieg zu verhindern. So würde es eine sehr politische Geschichte werden...
und so weiter, und so fort.
Dieses scheinbar einfache Setting und seine vielen, vielen Variationen - die allesamt eng mit der Erzählperspektive verbunden sind. Nun liegt es am Autor, auf welchen Bereich der Handlung er sich begrenzen will, oder wohin/wie weit er das alles gehen lässt, worin seine Schreibstärken/schwächen liegen und aus welcher Variation er sich am meisten erhofft.
Der Verräter
Ich mags auch personal und auktorial am liebsten, wobei ich erst neulich eine gute Story aus Ich-Perspektive gelesen habe. Die Ich-Perspektive wird oft als einfach angesehen, ist aber nicht leicht authentisch umzusetzen - man muss wirklich gut schreiben können. Und vor allem muss die Story passen. In dem Fall war es quasi die Erzählung eines Lebensabschnittes des Prots - das passt. Wenn du aber z.B. eine Fantasywelt mit politischen Konflikten oder ähnliches hast, kannste die Ich-Perspektive fast knicken, wenn du nicht gerade über ein Einzelschicksal schreibst ...
Personal und auktorial lässt sich auch gut mischen, finde ich. Ich mag Geschichten, die hauptsächlich personal sind, hin und wieder aber leicht auktorial werden, für kleine Details. So als würde der Erzähler mal näher rangehen und mal weiter weggehen. Das kann man noch vertreten, wenn es gut gemacht ist (Grundvoraussetzung für alles: gut umgesetzt!).
Ich-Perspektive und auktorial ist aber schlichtweg unlogisch - da kommt man nicht einfach mit klar und sorry, es wirkt auch, als würde sich der Autor keine Mühe machen, authentisch zu sein, sondern als würde er einfach seine Story runterschreiben wollen. Ohne Regeln - und die Denkweise "Ich finds gut, ich machs jetzt" kann zwar nützlich sein, siehe Selbstbewusstsein, aber du solltest dir schon überlegen, ob du etwas nur für dich schreibst oder ob es andere lesen sollen. Und da du das Thema hier anschneidest, denke ich, dass du möchtest, dass es auch andere lesen.
Beim Schreiben gibt es Talent - und Handwerk. Wenn du letzteres beherrschst, dann kannst du anfangen Regeln zu brechen.
Aber deiner ersten großen Geschichte zuliebe würde ich da etwas überlegter rangehen! Ansonsten: Übung macht den Meister und man lernt am meisten, während man schreibt.
Bertvogel
19.08.2009, 07:27
Ich kann zwar mit deiner "Idee" nicht sonderlich viel anfangen, was den Inhalt angeht (mea culpa, ich bin nun einmal eher Anhänger der Dunklen Fantasie), aber dies könnte sich interessant gestalten.
Es geht erst mal darum, was eine Idee ist. Gefallen muss sie dir nicht.
Zu der Geschichte:
wenn du richtig gelesen hättest,
Wenn du richtig zitiert hättest ...
Meinst du, ich wühle mich durch ein Forum? Ich lese auch nicht deine Geschichte. Ich habe noch genug Ungelesenes.
Zur "Idee": mich würde mal interessieren, was an dieser Geschichte keine Idee sein soll,
Anders rum, erzähl mal, wo die Idee ist. Du verweist auf einen Link. Das hat den Ruch einer -wenig geschickten- Eigenwerbung. Stell kurz da, wo die Idee ist. Warum ist das bloß so schwierig, mal was rüberzubringen? Ständig verweist du nur auf Links oder forderst mich auf, etwas zu erzählen.
- Der Seelenvampir ist, genauso wie die extrarealen Orte der Geschichte eine Eigen-Erfindung, insofern kann dies nicht abgegriffen sein
Origninalität ist immer gut.
- Meines Wissens nach ist auch noch niemand bisher auf die "Idee" gekommen, eine Geschichte aus der Sicht der Opfer eines Vampirs gleich welcher Art zu schreiben
Du meinst, nachdem das Opfer von einem Vampir gebissen wurde und nun untot(?) ist? Hört sich wieder gut an.
- Und natürlich ist die Versform der Geschichte (abgesehen davon, dass sie noch zu überarbeiten ist) auch schon früher einmal verwendet worden, dennoch hat bisher kein Fantasy-Autor diese Form für seine Geschichte ausprobiert (bzw habe ich noch keine gelesen).
Du hängst dich für meinen Geschmack etwas zu sehr am Formalen auf.
Was mir fehlt:
Wer ist dein Pro?
Wie ist sein Ruhezustand? Ich nehme mal an, Ungebissenheit
Welches Unglück tritt in sein Leben ein? Ich nehme an, er wird von einem Vampir gebissen.
Wie fasst dein Pro dieses Unglück auf?
Hier hast du meiner Ansicht nach fünf Möglichkeiten:
1. Der Pro stirbt oder ignoriert sein Unglück. Dann hast du allerdings keine Geschichte. Die "Idee" können wir knicken.
2. Der Pro kann die Verwandlung zum Vampir nicht verkraften. Er verspürt, warum auch immer, das dringende Bedürfnis, seinen Zustand zu wandeln. Er möchte wieder normal werden (was wohl nicht geht) oder von seinem Leiden erlöst werden. Er wendet sich z.B. an einen Geistlichen, der ...hier kannst du die Idee endlos weiterspinnen. Im Idealfall sollte deine Idee enthalten, was aus seinem Tun herauskommt.
3. Der Pro kommt mit seinem Zustand zurecht, doch ihn quälen Fragen.
Wie konnte ihm dies Unglück widerfahren?
Warum wurde er dafür ausgesucht?
Wohin führt seine Existenz?
Auch hier hast du die Reihenfolge für eine Idee:
Ruhezustand
Unglücksfall
Bewältigung
Ergebnis
4. Den jungen Vampir quälen die obigen Fragen (Betroffenheit, Verrätselung) nur gering. Stattdessen stolpert er nun von einem Abenteuer ins Andere.
Idee der Geschichte ist eine Aneinanderreihung von nur gering verknüpften Vorfällen.
5. Der junge Vampir lernt eine neue fremde Welt kennen, die ihn (und hoffentlich den Leser) fasziniert.
Hier gibt das Setting das Prägende. Betroffenheit, Verrätselung, Erlebnisse treten zurück.
Und es wäre mal interessant, ausnahmsweise eine negative zu lesen anstatt der dutzende von positiven, die dich ja nicht interessieren :D
Keine Unterstellungen. Ich kenne weder deine Geschichte, noch irgendwelche Meinungen hierzu. Dies hier ist nicht dein Fanforum. Nenne endlich deine Idee.
Bertvogel
19.08.2009, 07:43
@Verräter
Vorab schönen Dank für die erste Antwort, die den Namen verdient. Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben, eine zu bekommen.
Du hast deine Ansicht gut begründet. Meines Erachtens ist jedoch nicht die Frage:
Welche Perspektive wähle ich? sondern
Was will ich erzählen und vor allem wessen Geschichte will ich erzählen? entscheidend.
Erst dann wählst du die Perspektive.
Ich werde über deinen guten Beitrag aber noch nachdenken und mich nochmal melden.
Der Seelenvampir
19.08.2009, 15:52
Ich werde heute oder morgen - sobald ich an einen richtigen PC komme - näher auf deine Antwort eingehen, warum beim Seelenturm EINE Idee nicht existiert. Und nein ich habe es nicht nötig, Eigenwerbung zu betreiben, in dem Stadium bin ich glücklicherweise noch nie gewesen. Ich wollte eigtl nur unnötiges Rumgerede vermeiden, da dies der einfachste Weg gewesen wäre, dir begreiflich zu machen, dass manche Geschichten auch ohne konkrete Idee recht erfolgreich sein können. Aber im Leben ist Nun einmal nicht alles einfach, von daher werde ich wohl ein wenig ausholen müssen, damit du das verstehst :D
Etwaige Rechtschreibfehler und/oder versehentliche Abkürzungen sind bitte zu ignorieren, da mir im Moment nur ein PDA zur Verfügung steht.
Alurl daewle
Bertvogel
19.08.2009, 20:14
Hier mal ein einfaches Beispiel für die verschiedenen Erzählperspektiven/Möglichkeiten:
Am Königshof geschieht ein Mord, an einem gesandten eines anderen Königreichs. Der Mörder muss schnell gefunden und zur Verantwortung gezogen werden, denn sonst droht der ohnehin wackelige Frieden zu zerbrechen - aber auch wenn der Täter gefasst wird, könnte es zu einer Eskalation kommen.
Alles in allem also eine recht verzwickte Situation am Hof - aber wie erzählt man sie am besten?
Meines Erachtens hast du nicht genügend Informationen, um welche zu verteilen.
Es fehlt einfach die Wirkung auf die Figuren, die ihrerseits nun reagieren.
Wessen Geschichte ist es also?
Handelt es sich um eine Verrätselungsgeschichte, eine Betroffenengeschichte, eine Erlebnis- oder Settinggeschichte?
Was möchtest du erzählen, und (nicht ganz unwichtig) warum erzählst du gerade diese Geschichte?
Meiner Ansicht nach musst du auch das Personal mit Grunddaten, Geschlecht, Name, Alter grundsätzlichem Verhältnis zur Geschichte entwerfen.
Verzichtest du darauf, schreibst du eher eine Reportage als eine Geschichte. Nicht, dass eine Reportage nicht auch interesant sein kann, aber es doch was anderes.
Oder erzählst du auf gut Glück, in der Hoffnung, dass dir die passenden Einfälle zufliegen? Das habe ich auch schon probiert, aber das hat nicht geklappt.
Allwissender Erzähler?
-> Der Leser wird über den Tathergang und alle damit verbundenen Personen genauestens informiert. Ich erzeuge Spannung in dem ich an mehreren Orten gleichzeitig erzähle und aufzeige, wie die einen Versuchen den Mord aufzuklären, die anderen weitere Folgen zu verhindern und wieder andere Charaktere versuchen das allgemeine Chaos für ihre eigenen Zwecke zu verwenden. Da dadurch natürlich einige Charaktere in Konflikt geraten werden (Was der Leser bereits im voraus erahnen kann) zwinge ich den Leser dazu Partei anzunehmen, aber man kann nie wissen wie es ausgeht.
Personenbezogener Erzähler:
-> Ich picke mir 2-3 Personen auf dem Hof heraus, auf die ich näher eingehe. Am besten drei völlig verschiedene Personen, zwischen denen ich hin und herpendle. So kann ich die komplizierte Situation am Hof ausführlich aus mehreren Sichtweisen beschreiben und mir bleibt dennoch genug Zeit mich den einzelnen Protagonisten zu widmen und dem Leser mit Ungewissheiten die Geschichte spannend zu machen.
Ich Erzähler:
-> Ich konzentriere mich auf eine einzige Person, so kann ich das Maximum an Emotionen herauskitzeln. Man könnte aus der Sicht des Mörders schreiben, aufzeigen warum er es getan hat und welche Folgen er erwartet (vllt weiß er ja mehr als alle anderen?^^). Er kann nicht einfach fliehen, das würde seine Tarnung auffliegen lassen (wie er womöglich noch braucht? Vielleicht war der Mord nur der Anfang.) aber er muss auch alles tun, damit man ihm nicht auf die Schliche kommt, was von Moment zu Moment schwieriger wird.
Oder aus der Sicht einer Person, vllt eines Offiziers, der damit beauftragt ist den schuldigen zu finden. Einen politisch angehauchten Krimi aus der Geschichte machen, der eben in einer mittelalterlichen Welt spielt. Er sucht akribisch Beweismittel zusammen, stellt sich einem scheinbar unlösbarem Rätsel usw.
Oder aus der Sicht einer Person, die ganz andere Pläne verfolgt und nun - jetzt endlich! - ihre Chance sieht z.B. einen Putsch gegen den König zu führen, oder einen anderen, schon immer unliebsamen Konkurrenten loswerden. - Aber auch das wäre natürlich mit Schwierigkeiten verbunden!
Oder aus der Sicht des Königs oder seinem Beraters, der gleichzeitig besorgt um sein eigenes Leben ist, gleichzeitig all sein diplomatisches Können auszuspielen, einen drohenden Krieg zu verhindern. So würde es eine sehr politische Geschichte werden...
und so weiter, und so fort.
Dieses scheinbar einfache Setting und seine vielen, vielen Variationen - die allesamt eng mit der Erzählperspektive verbunden sind. Nun liegt es am Autor, auf welchen Bereich der Handlung er sich begrenzen will, oder wohin/wie weit er das alles gehen lässt, worin seine Schreibstärken/schwächen liegen und aus welcher Variation er sich am meisten erhofft.
Wenn du das so hinbekommst, herzlichen Glückwunsch.
Verräter
19.08.2009, 20:38
Meines Erachtens hast du nicht genügend Informationen, um welche zu verteilen.
Es fehlt einfach die Wirkung auf die Figuren, die ihrerseits nun reagieren.
Wessen Geschichte ist es also?
Handelt es sich um eine Verrätselungsgeschichte, eine Betroffenengeschichte, eine Erlebnis- oder Settinggeschichte?
Was möchtest du erzählen, und (nicht ganz unwichtig) warum erzählst du gerade diese Geschichte?
Meiner Ansicht nach musst du auch das Personal mit Grunddaten, Geschlecht, Name, Alter grundsätzlichem Verhältnis zur Geschichte entwerfen.
Verzichtest du darauf, schreibst du eher eine Reportage als eine Geschichte. Nicht, dass eine Reportage nicht auch interesant sein kann, aber es doch was anderes.
Oder erzählst du auf gut Glück, in der Hoffnung, dass dir die passenden Einfälle zufliegen? Das habe ich auch schon probiert, aber das hat nicht geklappt.
Ich gehe davon aus, dass es einen konstanten Handlungsablauf gibt, der unabhängig vom Erzähler gleich bleibt. Ein Gespräch wird, egal wie oft man es wiederholt, keinen neuen Ausgang finden, am Tag X um XY wird Person ABC die tätigkeit ZYX ausführen, egal ob die Handlung nun aus deren Sicht, oder aus einer anderen geschildert wird.
Natürlich kann ich mich jetzt nicht anhand der Beschreibung von oben Stift+Papier zur Hand nehmen und ohne weiterführende Gedanken den nächsten Weltbestseller schreiben. Das ganze ist nur ein exemplarisches Beispiel, bei der für die Frage nach der Perspektivwahl alle anderen Angaben unrelevant wären. Hier geht es (von meiner Seite aus) nur darum, den Inhalt einer Geschichte, bei gleichbleibender Grundlegender Handlung durch die Perspektive zu verändern. Mehr nicht.
warum erzählst du gerade diese Geschichte?
Ich habe mir noch niemals in meinem Leben diese Frage gestellt. Da haben wir wohl verschiedene Meinungen ;) Das ist für mich völlig irrelevant, aber das gehört in ein anderes Thema - in dem ich mich schon dazu geäußert habe. (Thread: Rund ums Schreiben -> Botschaft einer Geschichte)
Wenn du das so hinbekommst, herzlichen Glückwunsch.
Nö. Aber das war ja auch nicht der Plan :)
P.S.: Woraus entsteht eigentlich der negative Grundtenor deiner Posts in diesem Thread. Auf mich wirkt vieles von dem was hier geschrieben wird aggressiv und das missfällt mir deutlich.
Simon the Sorcerer
19.08.2009, 23:37
Mich würde mal interessieren, welche Erzählperspektive ihr bei Fantasy bevorzugt - sowohl beim Lesen, als auch beim Schreiben.
Sicher ist das von Story zu Story unterschiedlich, weil manches sonst einfach nicht richtig rüber kommt. Aber habt ihr trotzdem einen bestimmten Lieblingsstil?
Meine Krativität und Fantasie schüttet mich zur Zeit mit Ideen zu. Ich ertrinke schon förmlich in ihnen ^^ Weil ich sehr gerne schreibe, habe ich mir überlegt, mich vlt. mal hobbymäßig an einer kleinen Geschichte zu versuchen. Ich habe schon sehr viele notizen zusammen, auf denen ich meine Ideen fürs erste einmal festgehalten und erweitert habe. Allerdings weiß ich noch nicht so recht aus welcher Sicht ich schreiben soll. Wonach geht ihr da, wenn ihr selber etwas schreiben wollt? (Habe beim durchforsten anderer Threads mitbekommen, dass hier einige Schreiberlinge sind ^^)
Ich würde ja in meinem Fall am allerliebsten eine Ich Erzählung nutzen (obwohl ich das normalerweise gar nicht leiden mag, oder zumindestens nur sehr sehr selten...). In der Vergangenheitsform, also sozusagen rückblickend (allerdings ohne, dass irgendwelche Dinge vorweg genommen werden etc.). Diese Ich Erzählung würde ich jedoch gerne mit einem Hauch eines Allwissenden Erzählers vermischen. Wie man sich das vorzustellen hat? Zb. wenn die Person die erzählt mit einer anderen in einem Raum steht, ihr aber gerade den Rücken zugedreht hat & man aber dann trotzdem den Gesichtsausdruck der anderen Person und deren Gedanken beschreibt etc. Allerdings direkt und nicht indirekt von wegen "Ich dachte ich hätte ihn kichern gehört, aber als ich mich umdrehte war er verschwunden." Sondern schon so direkt.
Nuja. Nun gibt es ja so etwas wie poetische Freiheit und so nää?:D Aber die ganzen blöden Erzählanalysen aus unserem Deutsch LK und die blöden Kommentare von so manchem Deutschlehrer über solche "Mischperspektiven" lassen mich da doch irgendwie ein wenig zögern... Eigentlich ist das ja totaler Schwachsinn sich deshalb davon abhalten zu lassen ^^ Aber irgendwie hemmt es mich trotzdem ein wenig, da es ja auch irgendwo einen logischen Fehler darstellt?
Andererseits... Vlt. hat es ja später irgendjemand, zB. der Kicherer ^^ selbst, der erzählenden Figur erzählt, aber das wird einfach nicht erwähnt xD *kleiner Rettungsversuch*
Was haltet ihr von solchen Erzählweisen? Ich finde es total in Ordnung, aber bei den meisten Büchern, die ich bisher in Ich-Form gelesen habe, war das ein ziemliches No-Go.
Also ich finde Geschichten in der Ich-Perspektive sehr interessant. Hab mich auch schon an einer versucht, was aber ziemlich in die Hose ging^^
Bei Romanen bevorzuge ich allerdings Bücher die zwischen den Perspektiven wechseln. Da kann auch ruhig mal ne ICH-Perspektive bei sein. Doch einen ganzen Roman lang würde es (mMn) entweder langweilig oder zu antsrengend werden.
Viele fragen sich jetzt bestimmt, warum ich den ersten Beitrag zitiere. Nun, weil ich denke, dass die Diskussion etwas abgedreiftet ist. Man sollte die letzten Posts in einen eigen Thread packen, mit dem Titel : "Herr Bertvogel's Geschichten-Workshop" oder so, da kann er dann seine Weisheiten predigen.
Grüße
Mir ist vor einiger Zeit ein etwas unkonventionelles Konzept eingefallen und ich wollte einfach mal wissen, wie es sich für euch anhört.
Ich würde die Geschichte aus der Sicht mehrerer personaler Erzähler schreiben, wobei das einzige, was alle Szenen gemeinsam haben der "Protagonist" ist. Man liest aber nie die Perspektive des Protagonisten, sondern immer nur, wie andere ihn sehen.
Findet ihr das völlig daneben oder würde es euch interessieren, den eigentlichen "Helden" nur von außen zu sehen und nicht direkt in ihm drinzustecken?
Für mich hört sich diese Idee spannend an. Schwierig finde ich daran jedoch, dass der Leser den Protagonist wirklich versteht und seine Handlungen nachvollziehen kann. Wenn der Protagonist dann noch geheimnistuerisch ist und niemandem viel von sich verrät, wird es nochmals schwieriger, schliesslich können dann die Erzähler nur vermuten, was in ihm vorgeht. Gleichzeitig denke ich aber auch, dass nur schon die Handlungen viel über den Charakter aussagen können... Das alles richtig rüberzubringen ist knifflig, aber wenn du Herausforderungen liebst...:D
Hmm..., wenn ich so über die Perspektiven in meinen Geschichten nachdenke, muss ich sagen, dass ich nie bewusst entschieden habe, aus welcher Sicht ich erzähle. Aber ich schreibe hauptsächlich personal, selten "gewürzt" mit einer auktorialen Passage, beispielsweise, wenn der Protagonist bewusstlos ist, ich aber trotzdem die Umgebung oder seine Lage kurz beschreiben möchte. Ich habe noch nie einen Ich-Erzähler gewählt, erstens, weil ich davor gewaltigen Respekt habe, zweitens, weil ich Bücher mit dieser Perspektive nicht so gerne lese (eine Ausnahme war da die Twilight-Saga) - etwa ähnlich, wie ich Geschichten im Präsens nicht mag. Also hatte (und habe) ich immer einen Erzähler in der dritten Person, meistens sogar mehrere Erzähler, mit deren Perspektive ich mich dann abwechsle.
Koboldkind
24.08.2009, 17:52
Bertvogel: Was ist das Thema dieses Threads. Mal oben gucken... ah, die Perspektive. Möchtest du auch die Idee haben, damit du die Perspketive nachvollziehen kannst? Erklär dich bitte ^^
Ich denke mal, es steht als erstes die Idee der Geschichte im Vordergrund. Erst nachdem ich einige CHaraktere habe, kann ich auch Perspektiven verteilen. Ich weiß nicht, wie du meine Vorstellung aufgenommen hast, aber grundsätzlich gehe ICH davon aus, dass der Autor schon weiß, welche Idee er mit der entsprechenden Perspektive rüberbringen will.
Die Perspektive ist wichtig, ich finde, sehr wichtig. Daher will ich in meiner Geschichte auch so viele verschiedene unterbringen. Ich will nicht immer den überpersönlichen Erzähler haben, ich will nicht immer nur an einer Person kleben. Oder wenn, dann will ich wenigstens eine extreme Perspektive haben -.-
Oha, hier läuft ja eine spannende Diskussion. Wenn ich das richtig sehe geht es hier um Form und Inhalt bzw. Idee einer Geschichte unter dem Arbeitstitel: "Erzählperspektive".
Ich finde es sehr schwer eine Geschichte um eine Idee herum zu entwerfen. Meine Herangehensweise ist eher Charakterzentriert. Um den Charakter entwickle ich eine Geschichte und aus dieser Geschichte kristallisiert sich dann eine Idee für mich. Es kann durchaus vorkommen, dass ich nach Auftauchen der Idee große Teile des bisher geschriebenen umschreiben muss - und sogar die Perspektiven anpassen muss. Dennoch stehen für mich die Charaktere im Fordergrund.
Beispiel aus meiner Geschichte:
Die Hauptpersonen sind ein verstossenener Stammeskrieger eines Nomadenvolkes, dessen Jugendliebe einer Zwangsehe mit einem Oberhaupt eines Nachbarstammes zum Opfer gefallen ist. Da er in seinem Stammesverband keine Unterstützung hat, ist er auf eigene Faust ausgezogen um sich einen Namen zu machen und seine Geliebte aus der Zwangsehe zu befreien.
Der zweite Held ist der Sohn eines ehemals unabhängigen Jägers in einem feudalen Königreich, der aufgrund von überzogenen Steuerforderungen in die Leibeigenschaft gezwungen wurde. Dieser Held will die Freiheit seiner Familie zurückgewinnen.
Die beiden auch charakterlich sehr unterschiedlichen Protagonisten treffen in einer Stadt bei einem Bogenturnier aufeinander. Die Geschichte der Personen ist dem Leser noch nicht bekannt und er erfährt sie erst im Laufe der Geschichte.
Das erste Thema: Zwei Menschen versuchen in einer mittelalterlichen Fantasywelt zu ihrem Recht zu kommen, dazu müssen sie sich einen Namen machen.
Das zweite Thema: Die beiden Hauptcharaktere kamen durch Zufall an ein geheimes Artefakt, das von Spionen aus einem benachbarten Königreich gestohlen wurde. Sie versuchen herauszufinden, was es damit aufsich hat und werden verfolgt - was zum zweiten Thema führt:
Die Idee möchte ich noch nicht preisgeben. Doch die Helden werden in einen Machtkampf von weltumspannendem Ausmass hineingezogen.
Ich bevorzuge daher die personenorientiere Perspektive. Die Protas wissen anfangs nichts von den Vorgängen in ihrer Welt. Sie und der Leser entdecken erst langsam die Zusammenhänge - wobei der Leser einen Vorsprung erhalten kann, indem ich teilweise zu den Antagonisten wechsle, um die wichtigsten Gegenspieler etwas mehr Farbe zu verleihen. Denn auch die Gegenspieler der Protas werden in der Geschichte eine wichtige Rolle spielen...
Dennoch ist die "Heldentat", die die Protas vollbringen müssen, welche ja die eigentliche Idee des Buches ist, den persönlichen Zielen der Protas nachrangig.
---
Was will ich damit sagen: Ach ja, für mich zählt der Charakter, denn der macht die Geschichte lebendig. Das ergibt folgende Möglichkeit der Entstehung einer Erzählung:
Mein Rezept: Zuerst entsteht der Protagonist, um den Protagonisten entsteht die Geschichte und mit der Geschichte entsteht die Form.
Was haltet ihr davon?
lg
Atain
Bertvogel
26.08.2009, 10:46
Beispiel aus meiner Geschichte:
Die Hauptpersonen sind ein verstossenener Stammeskrieger eines Nomadenvolkes, dessen Jugendliebe einer Zwangsehe mit einem Oberhaupt eines Nachbarstammes zum Opfer gefallen ist. Da er in seinem Stammesverband keine Unterstützung hat, ist er auf eigene Faust ausgezogen um sich einen Namen zu machen und seine Geliebte aus der Zwangsehe zu befreien.
Der zweite Held ist der Sohn eines ehemals unabhängigen Jägers in einem feudalen Königreich, der aufgrund von überzogenen Steuerforderungen in die Leibeigenschaft gezwungen wurde. Dieser Held will die Freiheit seiner Familie zurückgewinnen.
Die beiden auch charakterlich sehr unterschiedlichen Protagonisten treffen in einer Stadt bei einem Bogenturnier aufeinander. Die Geschichte der Personen ist dem Leser noch nicht bekannt und er erfährt sie erst im Laufe der Geschichte.
Das erste Thema: Zwei Menschen versuchen in einer mittelalterlichen Fantasywelt zu ihrem Recht zu kommen, dazu müssen sie sich einen Namen machen.
Das zweite Thema: Die beiden Hauptcharaktere kamen durch Zufall an ein geheimes Artefakt, das von Spionen aus einem benachbarten Königreich gestohlen wurde. Sie versuchen herauszufinden, was es damit aufsich hat und werden verfolgt - was zum zweiten Thema führt:
Atain
All das ist weder Charakter noch Perspektive. Du hast die Ideen deiner Geschichte vorgestellt. D.h.
den Ruhepunkt: Stammeskrieger
Vorfall: verstossen und Jugendliebe wird zwangsverheiratet
(da ist allerdings ein Widerspruch drin: ist er verstossen oder findet er bei seinem Stamm keine Unterstützung?)
Bewältigung: sich einen Namen machen, um die Geliebte aus der Zwangsehe zu befreien (weiterer Widerspruch: wieso ermöglicht erst sein "Name" die Befreiung seiner Jugendliebe und wie soll die Befreiung aussehen?)
Die zweite Idee funktioniert ebenfalls nach diesem Schema, enthält aber auch einen Widerspruch. Ist der Sohn des Jägers nun Leibeigener oder streift er durch das Land?
Die gefühlten Notwendigkeiten deiner Personen schaffen meines Erachtens erst den Charakter. Und die Frage der Perspektive halte ich hier für zweitrangig.
Ich halte deine Ideen für sehr interessant (insbesondere Leibeigenschaft aufgrund von Steuerforderungen gefällt mir):
Gruß
Bertvogel
Hi Bertvogel! Freut mich, dass du so genau auf meine Beschreibung eingehst :). Da möchte ich mit einer Antwort nicht lange zurückhalten. Die Geschichte ist erst im Entstehen und wächst während des Schreibens. So proffessionell, dass ich zuerst ein fixfertiges Konzept habe und dann erst loslege, bin ich noch nicht ;)
Vorfall: verstossen und Jugendliebe wird zwangsverheiratet
(da ist allerdings ein Widerspruch drin: ist er verstossen oder findet er bei seinem Stamm keine Unterstützung?)
Bewältigung: sich einen Namen machen, um die Geliebte aus der Zwangsehe zu befreien (weiterer Widerspruch: wieso ermöglicht erst sein "Name" die
Befreiung seiner Jugendliebe und wie soll die Befreiung aussehen?)
Das ist noch nicht ganz festgelegt. Bisher sehe ich es so, dass er ein (sehr chauvinistisches) Duell um seine Liebe verloren hat, und wegen seines verletzten Stolzes ins Exil gegangen ist. Jetzt möchte er seine Ehre wieder herstellen, indem er in der Fremde Ruhm erlangt und Schätze nach Hause bringt. Die Frau, um die Tarim geworben hat, soll auch noch ihren eigenen Teil in der Geschichte erhalten. Sie hat sich der Verheiratung freiwillig gefügt um den Frieden zwischen den Stämmen zu erhalten (sie wurde mit dem Sohn des benachbarten Klanchefs verheiratet), und hofft aber auf Tarim, das er einmal die Stämme vereinen wird...
Später in der Geschichte wird Tarim dies auch gelingen. Nicht zuletzt weil diese Frau Tarim unterstützt und ihren Einfluss auf ihren Ehemann, den neuen Klanchef geltend macht.
Die zweite Idee funktioniert ebenfalls nach diesem Schema, enthält aber auch einen Widerspruch. Ist der Sohn des Jägers nun Leibeigener oder streift er durch das Land?
Elwins Familie musste ihr Land, und somit ihre Freiheit verkaufen um die Steuerschuld zu begleichen. Elwin ist mit den Waffen seines verstorbenen (getöteten) Vaters aufgebrochen um Geld zu beschaffen, damit er die Freiheit seiner Familie zurückkaufen kann. Natürlich sinnt sein Herz auch auf Rache, doch ist er zum gegebenen Zeitpunkt noch nicht dazu in der Lage, es dem gierigen Landherren heimzuzahlen.
Die gefühlten Notwendigkeiten deiner Personen schaffen meines Erachtens erst den Charakter. Und die Frage der Perspektive halte ich hier für zweitrangig.
Richtig, ich habe nicht den Charakter sondern den Hintergrund der Protas geschildert - ist ja auch interessanter, als eine Reihe Eigenschaftswörter ;) Die Frage der Perspektive finde ich aber schon auch wichtig. Der Text soll sich ja flüssig lesen. Die Schwierigkeit bei der personenorientierten Perspektive sind mMn. die Schnitte, wenn von einer Person - oder einem Ort zum Nächsten gewechselt wird. Hier zeigt sich die Qualität des Handwerks, ob ein Flickwerk entsteht oder ein kunstvolles Gewebe, das keine Fäden offen läßt und ein rundes Gesamtbild ergibt...
Ich halte deine Ideen für sehr interessant (insbesondere Leibeigenschaft aufgrund von Steuerforderungen gefällt mir):
danke für die Blumen :)
Koboldkind
26.08.2009, 16:35
Die Schwierigkeit bei der personenorientierten Perspektive sind mMn. die Schnitte, wenn von einer Person - oder einem Ort zum Nächsten gewechselt wird. Hier zeigt sich die Qualität des Handwerks, ob ein Flickwerk entsteht oder ein kunstvolles Gewebe, das keine Fäden offen läßt und ein rundes Gesamtbild ergibt...
Da sprichst du was an. Besonders gemein wird es mit den Schnitten schon, wenn man noch einen Antagonisten einführt. Es sollte ja nicht zuviel verraten werden. Daher ist es ganz gut, wenn man im Laufe des Plottens auch langsam festlegt, wer welche Perspektive bekommt, damit man dann weiter danach arbeiten kann.
Und dass dann die Perspektive einer Szene unbedingt auf diesem Charakter festgelegt ist ist dann ja auch noch nicht gesagt, vor allen wenn zwei Charas anwesend sind.
Eine weitere Schwierigkeit, die ich dann sehe. Wie mache ich dem Leser verständlich, welcher Chara hier gerade die Perspektive hat? Tja, das werde ich dann mal sehen ...
Eine weitere Schwierigkeit, die ich dann sehe. Wie mache ich dem Leser verständlich, welcher Chara hier gerade die Perspektive hat? Tja, das werde ich dann mal sehen ...
Du könntest wie bei Bartimäus den Namen des POV Charakter einfach über das Kapitel drüber schreiben, oder es in einem der ersten Sätze klar machen, indem du z.B. schriebst "Johann spürte, wie das Blut an seinem Arm herabrann...". Dann ist klar, dass man die Ereignisse aus Johanns Sicht sieht. Das haben eigentlich noch alle Autoren so gemacht, deren Bücher ich gelesen habe und es hat mich noch nie gestört.
Und dass dann die Perspektive einer Szene unbedingt auf diesem Charakter festgelegt ist ist dann ja auch noch nicht gesagt, vor allen wenn zwei Charas anwesend sind.
Ich denke, wenn du am Anfang klar machst, wer die Perspektive hat und nicht aus der Perspektive "rausfällst" ist das kein Problem. Wenn du schwierigkeiten hast, in der Perspektive zu bleiben, solltest du es entweder selbst sehr gründlich durchgehen, oder jemand anders drüberlesen lassen.
Ich bevorzuge daher die personenorientiere Perspektive. Die Protas wissen anfangs nichts von den Vorgängen in ihrer Welt. Sie und der Leser entdecken erst langsam die Zusammenhänge - wobei der Leser einen Vorsprung erhalten kann, indem ich teilweise zu den Antagonisten wechsle, um die wichtigsten Gegenspieler etwas mehr Farbe zu verleihen. Denn auch die Gegenspieler der Protas werden in der Geschichte eine wichtige Rolle spielen...
Irgendwie finde ich den letzten Satz hier lustig. Wären ja auch erbärmliche Gegenspieler, wenn sie keine Rolle Spielen würden*grins*. Ich werde in meinem Buch vermutlich sehr große Teile der Geschichte aus der Sicht eines Gegenspielers erzählen, einfach damit klar ist, dass mit den "Bösen" in meiner Geschichte nicht zu spaßen ist. Außerdem kann man sich als Leser dann auch mal schlauer fühlen, als mein Prota.
Koboldkind
01.09.2009, 20:25
Du könntest wie bei Bartimäus den Namen des POV Charakter einfach über das Kapitel drüber schreiben, oder es in einem der ersten Sätze klar machen, indem du z.B. schriebst "Johann spürte, wie das Blut an seinem Arm herabrann...". Dann ist klar, dass man die Ereignisse aus Johanns Sicht sieht. Das haben eigentlich noch alle Autoren so gemacht, deren Bücher ich gelesen habe und es hat mich noch nie gestört.
Ich denke, wenn du am Anfang klar machst, wer die Perspektive hat und nicht aus der Perspektive "rausfällst" ist das kein Problem. Wenn du schwierigkeiten hast, in der Perspektive zu bleiben, solltest du es entweder selbst sehr gründlich durchgehen, oder jemand anders drüberlesen lassen.
Stimmt, ich erinnere mich an die Otori-Reihe, wo es den Ich-Erzähler und den Personelen Erzähler gab, und beide waren durch das Wappen am Anfang klar getrennt. Da meine Kapitel aller vorraussicht nach aber nicht Kapitellang sein werden werde ich diese Überschriften also nicht verwenden. Ich will mich an Pratchett orientieren, der ja auch keine Kapitel hat, sondern nur Szenen, die durch eine Leerzeile getrennt sind. Um diese Trennung zu verdeutlichen würde ich vielleicht ein Zeichen dazwischen setzen, aber ansonsten nichts.
Eigentlich wollte ich mir das Problem auch dadurch vereinfachen, indem ich vier sehr unterschiedliche Perspektiven benutze. Ob das wirklich funktioniert, wie gesagt.
Noch ein Argument, das gegen die Chara-Überschrift spricht ist die fünfte Perspektive, welche sich mir vor kurzen eingeschlichen hat. Es ist quasi die Nachrichten-Perspektive, welche zu einem später auftauchenden Chara führt, der aber nur eine Nebenrolle spielt.
... Uh, und ich glaube, langsam habe ich das ganze Werk richtig verwirrend zusammen gebaut ^^"
Hallo Alvira,
ich denke, dass ich meist die personale Perspektive benutze. In "Das Opfer der Götter" bin ich allerdings ab und zu in die auktrioale Erzählsituation gegangen.
So beschreibe ich z.B. wie die Helden im Wald übernachten:
"Als die Dämmerung hereinbrach machten sie ihr Nachtlager fertig. Sie breiteten ihre Decken auf dem weichen Waldboden aus, rollten sich hinein, und schliefen ein." = personale Erzählsituation - aus der Perspektive meiner Helden.
Als ich das gelesen hatte, dachte ich ups. Ganz schön blöd von meinen Helden keine Wache aufzustellen, vor allen weil sie zuvor von Wölfen und Riesenkäfern überfallen wurden *grins* - normalerweise würde man so eine Passage ja löschen . Ich habe aber die Sicht des allwissenden Erzählers eingenommen:
"An dieser Stelle würde ein Regisseur wie Stephen Spielberg oder George Lucas entsetzt von seinem Regiesessel aufspringen und - „Cut, Cut cut!„ brüllen
Wer Alrik von Dergels „Almanach für Überlandreisen“ gelesen hat, der weiß, dass man in gefährlichen Gegenden tunlichst eine Wache aufstellen sollte. Selbst wenn unsere Helden noch ziemlich unerfahren sind und diesen Reiseführer nicht im Gepäck haben, so können sie sich doch denken, dass eine Gegend, in der es von Waldwölfen, Schrötern und wer weiß noch was wimmelt eine Gefährliche ist. Also „Klappe und abendliche Waldszene die die Zweite:
...Als die Dämmerung hereinbrach machten sie ihr Nachtlager"
Das habe ich immer gemacht, wenn ich ins satirische überwechseln wollte.
Vielleicht könntest du auch die Erzählsituation wechseln, indem du deinen Helden in der Ich-Form berichten läßt und dann irgendeinen Erzähler dazu nimmst, z. B. jemanden der ein Tagebuch des Helden gefunden hat.
Wenn du in der Ich-Perspektive bleiben willst könntest du ja einmal der Sicht als Seelenvampir, einmal aus der Sicht als Mensch schreiben. Bei Sacred gibt es z.B. den Chara der Vamperin, die tagsüber eine Kämpferin ist - sich nachts jedoch in einen Vampir verwandelt. In der Rolle des Seelenvampir könnte dein Held (oder ist es eine Heldin?) Geschehenes ja Reflektieren. Mal ein Beispiel
Du beschreibst eine Szene wie eine Freundin von dir das Zimmer verlässt.
"Ich sah sie zur Tür hinausgehen."
Dann hat sich dein Held in einen Vampir verwandelt. Er schaut auf die Tür, durch den die Freundin das Zimmer verlassen hat - du beschreibst die Szene noch einmal und sagst dann "Ich erinnerte mich, wie sie zur Tür hinausging - mein vampirischer Instinkt zeigte mir, dass sie ihr Lächeln wie eine Maske fallen ließ sobald sie mir den Rücken zugedreht hatte."
Also ich benutze in meinem Buch,das ich gerade schreibe,auf keinen Fall die Ich-perspektive! Ich finde ohne sie kann man manche Dinge viel besser beschreiben.Auch beim lesen finde ich es ohne besser!Dann kann man sich viel leichter hineinversetzen in die Story!
lg Rey
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