Asfalasarion
25.08.2009, 16:12
Da es noch keinen Thread zu diesem vierbändigen, komplexen und düsteren High-Fantasy-Zyklus gibt, mache ich jetzt mal einen auf.
Die Texte sind von Amazon. Ich habe die Spoiler gesetzt, weil Geschehnisse aus dem jeweils vorigen Band veraten werden.
Der junge und aufrechte Krieger Neil kommt mit seinem Ziehvater in die Hauptstadt des Königreichs, doch weder seine niedere Herkunft noch seine offene, direkte Art helfen ihm im von Intrigen geprägten Hofleben. Der alte König denkt an sein Ende, doch sein einziger Sohn ist schwachsinnig und die Kirche sieht nicht gerne eine Frau auf dem Thron. Dennoch möchte er eine seiner Töchter zur Nachfolgerin. Die jüngste von ihnen, Anne, reitet wenigstens wie ein Junge, doch sie versucht, sich so oft wie möglich den höfischen Pflichten zu entziehen. Als sie meint, ihre große Liebe gefunden zu haben, wird sie zur Ausbildung in einen fernen Konvent geschickt. Der bärbeißige halbmenschliche Waldhüter Aspar findet tief im Forst seltsame, ätzende Spuren, stößt schließlich auf ein Tod und Wahnsinn bringendes Untier und muss sich einem alten Feind stellen. Und der junge, ebenso sprachbegabte wie weltfremde Mönch Stephen übersetzt in seinem neuen Kloster alte Schriften von dunkler Magie und bemerkt zu spät, dass nicht jeder in der Kirche das Gute der Menschheit im Sinn hat.
Es ist eine Zeit des Umbruchs, und wenn man den Anzeichen und Prophezeiungen glauben darf, soll der sagenhafte Dornenkönig aus seinem langen Schlaf erwachen. Doch kaum jemand glaubt überhaupt an seine Existenz. Da erscheint die Bedrohung durch das benachbarte Reich Hansa schon viel realer. Als schließlich ein Anschlag auf das Leben der Königin verübt wird, ist zumindest klar, dass eine Gefahr besteht. Von wem und wie ihr zu begegnen ist, das muss nun möglichst schnell herausgefunden werden ...
Verräter am Hof haben den König von Crotheny und seine Kinder niedergemetzelt. Königin Murielle bemüht sich mit letzter Kraft, die wankende Macht der Krone zu stützen und hofft, dass ihre jüngste Tochter Anne das Massaker überlebt hat. Sie beauftragt Sir Neil MeqVren, ihren treuesten und besten Ritter, die Verschollene aufzuspüren. Doch sein Weg führt durch ein Land, in dem Chaos herrscht und Monster ihr Unwesen treiben.
Krieg, Chaos und Verzweiflung herrschen in Crotheny, und Anne Dare weiß, dass sie die Belagerung ihres wahnsinnigen Onkels schnell beenden muss, wenn sie ihren Thron zurückgewinnen will. Und so greift sie auf magische Mittel zurück, die ihr und all ihren Freunden das Leben kosten können - und ihre Seelen. Doch der Krieg ist nicht die einzige Bedrohung des Landes: Immer neue Monster erscheinen auf der Bildfläche, und ein rachedurstiger Komponist entdeckt eine uralte Musik, die unermesslichen Schrecken entfesselt ...
In Crotheny tobt ein Kampf, der mit stählernen Klingen und magischen Kräften gleichermaßen ausgefochten wird. Aber dabei wurde das "Gesetz des Todes" gebrochen. Und so muss Anne Dare, die Königin von Crotheny, zum äußersten Mittel greifen, um ihr Land und ihr Volk - ja, die ganze Welt! - vor der Vernichtung zu retten. Doch das würde ihren eigenen Untergang bedeuten ...
Der erste Band führt einen in die doch recht klassische Fantasy-Welt ein und stellt dabei die verschiedenen Protagonisten vor, zu denen sich später natrülich noch weitere Charaktere gesellen. Da gibt es das bedrohte Königreich, eine finstere Prophezeihung von uralten Mächten und dem Untergang der Welt, den bärbeißigen "rauhe Schale-weicher Kern" Waldläufer, den etwas naiven, aber gelehrten Novizen, die wilde, dem Hofzeremoniell abgeneigte Prinzessin mit ihrerer treu sorgenden Zofin/Freundin, etc. Man merkt, dass sich hier fast alles auf mehr oder weniger bekannten Bahnen bewegt. Dies trifft ebenso auf die Handlung zu, welche zwar komplex, ziemlich gut durchdacht und ohne Zweifel spannend ist, doch eben ein wenig an Orignalität vermissen lässt. Auch die meisten Charaktere bleiben von diesem Schicksal bedauernswerterweise nicht verschont. Man findet zwar durchaus die ein oder andere ansehnliche Entwicklung und die handelnen Personen kommen auch durchweg glaubwürdig rüber, doch zu überraschen und gar zu faszinieren vermögen sie doch eher selten. Das heuißt natürlich keineswegs, dass die Charaktere einem nicht ans Herz wachsen. Sie sind eben bloß nichts Besonderes. So ist mein größter Kritikpunkt an den verlorenen Reichen die mangelnde Inspiration, welche sich doch zu oft bemerkbar macht. Das meiste hat man eben schon einmal (leider wohl eher zweimal, dreimal,...) gelesen. Dies trifft wohl gemerkt nicht auf alle Personen oder Handlungs-Stränge zu. So taucht zum Beispiel später ein Komponist auf, welcher zumindest mich wirklich in die Geschichte gezogen hat. Alles in Allem bilden solche Momente aber eher die Ausnahme. Die Regel ist, dass Charaktere und Handlung "handwerklich" wirklich gut gemacht sind und in ihrem Rahmen das maximal Mögliche rausholen, doch den Leser trotzdem selten vom Hocker reißen. Allerdings soll keinesfalls unerwähnt bleiben, dass die Bücher in ihrer Gesamtheit und Komplexität durchaus einzigartig sind, auch wenn man eben häufig das Gefühl hat eine Geschichte aus sehr guten, aber doch eben nur Versatz-Stücken vor sich zu haben. Man kennt die Teile, aber nicht das Ganze. Würde Keyes seine Bestleistungen in diesem Bereich zum Standard machen, könnte er ohne Zweifel zu Martin aufschließen. So vermögen die Handlung und die Charaktere als Ganzes an und für sich nicht wirklich zu begeistern, sichern sich jedoch zweifelos ein Platz im guten Mittelfeld.
Warum das Werk trotzdem wirklich gut und lesenswert ist? Zunächst wäre da wohl der Schreibstil zu nennen. Dieser ist (für ein Fantasy-Werk) einfach hervorragend. Keyes kann wohl als ein Musterbeispiel dafür gelten, wieviel man durch eine gute Erzählweise doch noch aus einer eher durchschnittlichen Geschichte rausholen kann. Ich kann nur empfehlen das Geschriebene mit Muse zu lesen, geht bei einer hastigen Lektüre doch viel von dem Reiz dieses Werkes verloren. Dies sage ich wohl gemerkt von der deutschen Übersetzung. Vielleicht kann jemand, der das englische Original gelesen hat, Näheres zu diesem sagen.
Der "Action" kommt die ausgezeichnete Schilderung natürlich besonders zu Gute. Diese konzentriert sich weniger auf epische Schlachten, als auf kleinere Gefechte und Duelle, welche jedoch mit ihrem dreckig-realistischen Touch durchweg zu gefallen wissen. Auch wenn sie sich klar der überwiegend dialog-getriebenen oft "politischen" Handlung unterordenen müssen.
Der Humor spielt in dieser doch eher düsteren Welt eine untergeordnete Rolle, vermag jedoch trotzdem immer mal wieder die Handlung aufzulockern und dem Leser das Zusammensein der Charaktere näher zu bringen. Trotzdem nichts Spektakuläres.
Des Weiteren muss noch einmal die bereits angeschnittende Komplexität gelobt werden. Weder verliert sich diese in unüberschaubaren, undurchsichtigen und nicht mehr nachvollziehbaren Verwicklungen, noch langweilt sie durch Belanglosigkeit oder Vorhersehbarkeit und dies ist weit mehr, als ich von Fantasy-Werken gewohnt bin, auch wenn es natürlich nicht an Schwergewichte wir Martin oder Erikson heranreicht.
Zusammenfassend kann ich die Bücher jedem, der komplexe, eher düstere Geschichten mag, uneingeschränkt empfehlen. Viele Alternativen findet man ja leider ohnehin nicht - vor Allem, wenn man abgeschlossene und homogene Werke sucht.
Mein Urteil: Keine Offenbarung, aber gute Unterhaltung
Die Texte sind von Amazon. Ich habe die Spoiler gesetzt, weil Geschehnisse aus dem jeweils vorigen Band veraten werden.
Der junge und aufrechte Krieger Neil kommt mit seinem Ziehvater in die Hauptstadt des Königreichs, doch weder seine niedere Herkunft noch seine offene, direkte Art helfen ihm im von Intrigen geprägten Hofleben. Der alte König denkt an sein Ende, doch sein einziger Sohn ist schwachsinnig und die Kirche sieht nicht gerne eine Frau auf dem Thron. Dennoch möchte er eine seiner Töchter zur Nachfolgerin. Die jüngste von ihnen, Anne, reitet wenigstens wie ein Junge, doch sie versucht, sich so oft wie möglich den höfischen Pflichten zu entziehen. Als sie meint, ihre große Liebe gefunden zu haben, wird sie zur Ausbildung in einen fernen Konvent geschickt. Der bärbeißige halbmenschliche Waldhüter Aspar findet tief im Forst seltsame, ätzende Spuren, stößt schließlich auf ein Tod und Wahnsinn bringendes Untier und muss sich einem alten Feind stellen. Und der junge, ebenso sprachbegabte wie weltfremde Mönch Stephen übersetzt in seinem neuen Kloster alte Schriften von dunkler Magie und bemerkt zu spät, dass nicht jeder in der Kirche das Gute der Menschheit im Sinn hat.
Es ist eine Zeit des Umbruchs, und wenn man den Anzeichen und Prophezeiungen glauben darf, soll der sagenhafte Dornenkönig aus seinem langen Schlaf erwachen. Doch kaum jemand glaubt überhaupt an seine Existenz. Da erscheint die Bedrohung durch das benachbarte Reich Hansa schon viel realer. Als schließlich ein Anschlag auf das Leben der Königin verübt wird, ist zumindest klar, dass eine Gefahr besteht. Von wem und wie ihr zu begegnen ist, das muss nun möglichst schnell herausgefunden werden ...
Verräter am Hof haben den König von Crotheny und seine Kinder niedergemetzelt. Königin Murielle bemüht sich mit letzter Kraft, die wankende Macht der Krone zu stützen und hofft, dass ihre jüngste Tochter Anne das Massaker überlebt hat. Sie beauftragt Sir Neil MeqVren, ihren treuesten und besten Ritter, die Verschollene aufzuspüren. Doch sein Weg führt durch ein Land, in dem Chaos herrscht und Monster ihr Unwesen treiben.
Krieg, Chaos und Verzweiflung herrschen in Crotheny, und Anne Dare weiß, dass sie die Belagerung ihres wahnsinnigen Onkels schnell beenden muss, wenn sie ihren Thron zurückgewinnen will. Und so greift sie auf magische Mittel zurück, die ihr und all ihren Freunden das Leben kosten können - und ihre Seelen. Doch der Krieg ist nicht die einzige Bedrohung des Landes: Immer neue Monster erscheinen auf der Bildfläche, und ein rachedurstiger Komponist entdeckt eine uralte Musik, die unermesslichen Schrecken entfesselt ...
In Crotheny tobt ein Kampf, der mit stählernen Klingen und magischen Kräften gleichermaßen ausgefochten wird. Aber dabei wurde das "Gesetz des Todes" gebrochen. Und so muss Anne Dare, die Königin von Crotheny, zum äußersten Mittel greifen, um ihr Land und ihr Volk - ja, die ganze Welt! - vor der Vernichtung zu retten. Doch das würde ihren eigenen Untergang bedeuten ...
Der erste Band führt einen in die doch recht klassische Fantasy-Welt ein und stellt dabei die verschiedenen Protagonisten vor, zu denen sich später natrülich noch weitere Charaktere gesellen. Da gibt es das bedrohte Königreich, eine finstere Prophezeihung von uralten Mächten und dem Untergang der Welt, den bärbeißigen "rauhe Schale-weicher Kern" Waldläufer, den etwas naiven, aber gelehrten Novizen, die wilde, dem Hofzeremoniell abgeneigte Prinzessin mit ihrerer treu sorgenden Zofin/Freundin, etc. Man merkt, dass sich hier fast alles auf mehr oder weniger bekannten Bahnen bewegt. Dies trifft ebenso auf die Handlung zu, welche zwar komplex, ziemlich gut durchdacht und ohne Zweifel spannend ist, doch eben ein wenig an Orignalität vermissen lässt. Auch die meisten Charaktere bleiben von diesem Schicksal bedauernswerterweise nicht verschont. Man findet zwar durchaus die ein oder andere ansehnliche Entwicklung und die handelnen Personen kommen auch durchweg glaubwürdig rüber, doch zu überraschen und gar zu faszinieren vermögen sie doch eher selten. Das heuißt natürlich keineswegs, dass die Charaktere einem nicht ans Herz wachsen. Sie sind eben bloß nichts Besonderes. So ist mein größter Kritikpunkt an den verlorenen Reichen die mangelnde Inspiration, welche sich doch zu oft bemerkbar macht. Das meiste hat man eben schon einmal (leider wohl eher zweimal, dreimal,...) gelesen. Dies trifft wohl gemerkt nicht auf alle Personen oder Handlungs-Stränge zu. So taucht zum Beispiel später ein Komponist auf, welcher zumindest mich wirklich in die Geschichte gezogen hat. Alles in Allem bilden solche Momente aber eher die Ausnahme. Die Regel ist, dass Charaktere und Handlung "handwerklich" wirklich gut gemacht sind und in ihrem Rahmen das maximal Mögliche rausholen, doch den Leser trotzdem selten vom Hocker reißen. Allerdings soll keinesfalls unerwähnt bleiben, dass die Bücher in ihrer Gesamtheit und Komplexität durchaus einzigartig sind, auch wenn man eben häufig das Gefühl hat eine Geschichte aus sehr guten, aber doch eben nur Versatz-Stücken vor sich zu haben. Man kennt die Teile, aber nicht das Ganze. Würde Keyes seine Bestleistungen in diesem Bereich zum Standard machen, könnte er ohne Zweifel zu Martin aufschließen. So vermögen die Handlung und die Charaktere als Ganzes an und für sich nicht wirklich zu begeistern, sichern sich jedoch zweifelos ein Platz im guten Mittelfeld.
Warum das Werk trotzdem wirklich gut und lesenswert ist? Zunächst wäre da wohl der Schreibstil zu nennen. Dieser ist (für ein Fantasy-Werk) einfach hervorragend. Keyes kann wohl als ein Musterbeispiel dafür gelten, wieviel man durch eine gute Erzählweise doch noch aus einer eher durchschnittlichen Geschichte rausholen kann. Ich kann nur empfehlen das Geschriebene mit Muse zu lesen, geht bei einer hastigen Lektüre doch viel von dem Reiz dieses Werkes verloren. Dies sage ich wohl gemerkt von der deutschen Übersetzung. Vielleicht kann jemand, der das englische Original gelesen hat, Näheres zu diesem sagen.
Der "Action" kommt die ausgezeichnete Schilderung natürlich besonders zu Gute. Diese konzentriert sich weniger auf epische Schlachten, als auf kleinere Gefechte und Duelle, welche jedoch mit ihrem dreckig-realistischen Touch durchweg zu gefallen wissen. Auch wenn sie sich klar der überwiegend dialog-getriebenen oft "politischen" Handlung unterordenen müssen.
Der Humor spielt in dieser doch eher düsteren Welt eine untergeordnete Rolle, vermag jedoch trotzdem immer mal wieder die Handlung aufzulockern und dem Leser das Zusammensein der Charaktere näher zu bringen. Trotzdem nichts Spektakuläres.
Des Weiteren muss noch einmal die bereits angeschnittende Komplexität gelobt werden. Weder verliert sich diese in unüberschaubaren, undurchsichtigen und nicht mehr nachvollziehbaren Verwicklungen, noch langweilt sie durch Belanglosigkeit oder Vorhersehbarkeit und dies ist weit mehr, als ich von Fantasy-Werken gewohnt bin, auch wenn es natürlich nicht an Schwergewichte wir Martin oder Erikson heranreicht.
Zusammenfassend kann ich die Bücher jedem, der komplexe, eher düstere Geschichten mag, uneingeschränkt empfehlen. Viele Alternativen findet man ja leider ohnehin nicht - vor Allem, wenn man abgeschlossene und homogene Werke sucht.
Mein Urteil: Keine Offenbarung, aber gute Unterhaltung