Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : sonstiges Die Jagd
Tintenherz
30.08.2009, 14:21
Hey ihr Lieben,
meine Freundin und ich haben eine Geschichte geschrieben. Sie nennt sich die Jagd. Ich hoffe sie gefällt euch. Klappentext folgt noch!
Viel Spaß beim Lesen.
Prolog:
Die Bewohner der Landes Ozura wussten, dass die Göttin Convera an diesem Tag keine gute Laune hatte. Denn Convera war die Göttin des Wetters. Hatte sie gute Laune schien die Sonne den ganzen Tag, war sie traurig regnete es und wenn sie wütend war, gewitterte es. Und da es schon den ganzen Tag gewitterte musste Convera sehr wütend sein. Und die Bewohner hatten Recht.
Denn auf der Insel Manaz, die tief im verborgenen Land lag, tobte Convera. Sie raste durch die großen Hallen des Tempels, wo sie mit den anderen Göttern Laja und Gallien und dem König der Götter Mambu zusammenwohnte: „Dieser Verräter“, schrie sie und die ganze Halle erbebte. „Wie konnte er mich nur, mit dieser, dieser … Hure betrügen. Laja die Göttin der Jagd, jetzt wirst du selbst gejagt. Wie du mir, so ich dir.“ Und mit einem leisen Lächeln ging sie zu Gallien.
Auf einmal hörte es auf zu gewittern und man konnte die Sonne wieder sehen und langsam kamen die Bewohner des Landes wieder aus ihren Hütten raus. Sie gingen ihrer normalen Beschäftigung nach. Arbeiteten auf den Feldern und passten auf das Vieh auf. Doch auf einmal gab es ein großes Donnern und es fing erneut an zu regnen. Die Bewohner rannten zu ihren Häusern zurück, sich wundernd was die Göttin für eine Laune hatte. Und schon wieder raste Convera durch die Hallen. Gallien wollte sie auch nicht. Sie hatte ihm erzählt, dass seine Freundin ihn mit Mambu betrogen hatte. Doch er hatte sie nur angelächelte und gemeint, dass er und Laja schon seit zwei Tage nicht mehr zusammen wären. Was wohl bemerkt in der normalen Welt zwei Jahre waren. „Wieso will mich nur keiner?“, fragte sie sich. Hier in ihrer Welt war sie zwar erst 36, aber da sie eine halbe Göttin war wurde sie schnell älter und da sie circa vor dreizehntausendeinhundertvierzig (13.140) Jahren in der normalen Welt geboren wurde, als diese noch ganz am Anfang stand, sah man jetzt ein paar Fälltchen. So weit sie wusste war Laja viel älter als sie, doch sie sah immer noch wie 25 aus.
„Das ist so unfair!“, schrie Convera mal wieder so laut, dass jeder es hörte. Und dann hatte sie eine Idee um die ewige Jugend zu erreichen. Und mit einem Lächeln auf den Lippen ging sie zu demjenigen, den die Götter normalerweise mieden.
Die Sonne kam wieder raus und die Bewohner wunderten sich. Sie dankten der Göttin, dass sie die Sonnen scheinen ließ und freuten sich, dass es nicht mehr regnete und stürmte. Doch als es nach einigen Wochen immer noch nicht regnete, machten sie sich sorgen. Und beteten, dass sie regen schickte. Doch Convera war in einem Plan vertieft, der für ein Mädchen namens Baethril böse enden sollte.
1.Kapitel:
Baethril lief über den Marktplatz um etwas Fleisch zu kaufen. Sie war aufgeregt. Denn seit etwa zwei Monaten liefen die Unternehmungen, allen 15 jährigen in der Stadt Vadiz einen Seelenverwandten zu suchen.
Jeder wusste, dass jedes Kind einen Seelenverwandten hatte, doch immer den richtigen zu finden, dass war das schwerste. Vor vielen Jahren hatte man sich darauf geeinigt, dass in jeder Stadt fünf Monate jedes Tier welches existiert, vorzustellen und alle 15-jährigen daran vorbei laufen zu lassen.
Heute waren die Tiger dran und in der ganzen Stadt gab es nur noch zwei 15-jährige, die noch keinen hatten. Und das waren Baethril und Ithril.
Baethril wünschte sich nichts sehnlicher als einen Tiger als Seelenverwandten zu bekommen und auch Ithril wünschte sich dies. Als sie sich am Tigergehege gegenüberstanden schauten sie sich feindselig an. Sie waren früher einmal befreundet gewesen, doch ein Streit hatte ihre Freundschaft zerstört. Schließlich warf Baethril ihre langen, braunen Haare über die Schulter und stolzierte voran. Ithril lächelte leise in sich hinein. Zwar war er nicht mehr mit ihr befreundet, aber er war der Meinung, dass sie ungeheuer hübsch war und ihm gefiel es, wenn sie ihre Haare über die Schulter warf. Baethril, tat es weh, dass sie sich mit Ithril nicht mehr verstand, und wie ihr aufgefallen war, hatte er sich über die Jahre sehr verändert. Zum Positiven.
Plötzlich hörte Baethril eine Stimme in ihrem Kopf. Sie war sehr sanft und sagte: „Hallo Baethril. Ich bin Varu. Ich habe schon lange auf dich gewartet.“ Sie drehte sich um. Hinter ihr stand ein wunderschöner Tiger. Er kam zu Baethril hinüber. Er schnurrte leise und kuschelte sich an sie heran. Der Tierpfleger lächelte Baethril an und murmelte: „Herzlichen Glückwunsch!“ Und ging weiter. Baethril konnte es nicht glauben. Sie hatte tatsächlich einen Tiger als Seelenverwandten. Sie dachte noch: „Jetzt kann ich es Ithril zeigen, schließlich gab es nur einen Tiger und den habe ICH bekommen.“ Fröhlich trat Baethril dem Bürgermeister gegenüber und dort traf sie der Schlag. Und so wie sie Ithril ansah war er auch sehr überrascht. Und selbst der Bürgermeister schien jetzt auch nicht mehr so fröhlich, denn Ithril hatte ebenfalls einen Tiger als Seelenverwandten und wie es das Gesetz so wollte, mussten zwei Kinder mit demselben Seelenverwandten zusammenziehen.
Der Bürgermeister und Baethrils Vater wollten jedoch Baethril mit Stantis verheiraten, der der Sohn des Bürgermeisters war. Baethril war davon nicht so überzeugt, denn erstens wollte sie jemanden heiraten, den sie auch liebte und zweitens war Stantis einfach nur eingebildet, was man auch an seinem Seelenverwandten sehen konnte, denn es war ein Pfau. So stolzierten sie immer nebeneinander die Straße herunter.
Baethril und Ithril kannten sich schon seit sie richtig klein waren. Doch dann kam dieser Streit als sie ungefähr 12 waren. Ithril hatte damals Baethrils Seelenverwandten aus Holz zerstört. Das fand Baethril ja nicht so schlimm, klar war sie traurig gewesen, aber ihr Vater hätte ihr sofort einen neuen gekauft. Das schlimme daran war das Ithril behauptete gestoßen worden zu sein, und eins mochte Baethril damals schon nicht, und das war, wenn man sie anlog.
So starrten Baethril, Ithril und der Bürgermeister sich einige Sekunden an. Schließlich fing der Bürgermeister an zu stottern: „Nun ja… also… mhh… sehr ungewöhnlich… haben wir denn eine Wohnung oder ein Haus frei?“
Denn so wie es das Gesetz weiter wollte, mussten die Bewohner der Stadt, falls dieser ungewöhnlich Fall eintrat, dass ein Junge und ein Mädchen den selben Seelenverwandten hatten, ein Haus , eine Wohnung , oder wenigstens eine Unterkunft spendieren. Dieses Gesetz entstand, weil am Anfang der Zeit eine Prophezeiung gesprochen sein sollte, die sagte, dass man, die, die dieselbe Seele hätten, nicht auseinander reißen dürfte.
Man sah ihm an, dass er hoffte, dass alle „Nein“ sagen würden, aber tatsächlich meinte einer der Stadtbewohner, er habe ein Haus frei. Sie zeigten es Baethril und Ithril und diese holten ihre Sachen.
2.Kapitel:
Einen Monat nachdem sie zusammen gezogen waren kamen Baethril und Ithril einigermaßen miteinander aus. Außer einigen „Hallo’s“ und „Gute Nacht’s“ redeten sie nicht viel miteinander. Sie wechselten sich wortlos mit dem Abwasch ab und auch mit dem Einkaufen. Beide konzentrierten sich darauf ihre Verbindung mit ihren Tigern zu vertiefen. Jeder warf dem anderen hin und wieder verstohlene Blicke zu, doch waren sie zu feige groß mit dem anderen zu reden. Doch das änderte sich Schlagartig.
Als sie einmal mehr eines Abends zusammen aßen, klopfte es an der Tür. Baethril stand auf und ging zur Tür. Draußen stand ein Bote: „Ein Brief für dich“, meinte er nur und ging wieder. Baethril wunderte sich wer ihr einen Brief schreiben sollte. Aber es gab auch keinen Absender. Also ging sie wieder zurück in die Küche, setzte sich hin und las den Brief:
Liebe Baethril,
wie du weißt sollen wir heiraten. Ich denke, dass du damit ziemliches Glück hast. Ich würde mich mit dir gerne einmal treffen und einen Termin für die Hochzeit ausmachen.
Melde dich!
Stantis
Ithril merkte, dass etwas nicht stimmte. Baethril schien innerlich zu kochen, aber er sah wie ihr Tränen in die Augen stiegen. Varu schien auf einmal auch traurig zu werden. Er hatte mit Vara, Ithrils Seelenverwandten, gespielt, aber nun lag er auf dem Boden mit einer traurigen Miene. Vara legte sich neben Varu, und schien ihn mit ihren leisen Schnurren zu trösten. Es war fast so als wollte sie Ithril damit einen Hinweis geben, doch er konnte sich nicht entscheiden, was er tun sollte.
Nach einem inneren Kampf entschied er sich dafür aufzustehen und sich hinter Baethril zu stellen, ihr eine Hand auf die Schulter zu legen und zu fragen: „Ist alles in Ordnung?“ Das war offenbar die falsche Frage gewesen, denn Baethril brauste sofort auf: „Ja klar mir geht’s super. Ist ja auch so schwer zu erkennen!“ Nun brach ein richtiger Streit los: „Entschuldigung ich wollte nur nett sein, aber zum Glück bin ich dich bald los!“, schrie Ithril. Er hörte noch wie Vara sagte: „ Sag jetzt nichts falsches!“ Doch es war zu spät, denn damit schien er einen wunden Punkt getroffen zu haben.
Die sonst so starke Baethril sackte zusammen und blieb wie ein Häufchen Elend auf ihrem Stuhl sitzen und fing an herzergreifend zu schluchzen. Nun war Ithril vollkommen irritiert. „Was soll ich denn jetzt tun?“, fragte er in Gedanken Vara. Sie antwortete mit ihrer weichen Stimme: „Geh noch mal zu ihr hin und frage sie was los ist.“ Ithril fasste sich ein Herz ging wieder auf Baethril zu und fragte mit zarter Stimme: „Was ist denn los?“ Baethril war so irritiert, dass sie ihn erst einmal mit ihren großen, rehbraunen Augen ansah. Und dann geschah es:
Sie sahen drei Gestalten in einem großen Raum. Der Raum war wunderschön und prunkvoll. Sie sahen sehr erregt aus. Sie schienen hitzig zu diskutieren. Dann sahen sie alle in Baethrils und Ithrils Richtung und sagten: „Vertrauen ist etwas, was man sich erarbeiten muss. Arbeitete daran, dann wird nichts passieren!“
Dann sah Ithril Baethrils Augen wieder und er erkannte, dass sie es auch bemerkt hatte.
3.Kapitel:
Vara und Varu hatten es offensichtlich auch bemerkt, denn sie fragten gleichzeitig ihre Seelenverwandten: „Was war das?“ und Ithril und Baethril antworteten laut, so dass es jeder hören konnte: „Ich hab keine Ahnung!“ Ithril und Baethril starrten sich an. Dann ergriff Baethril das Wort: „Nun offensichtlich ist hier gerade etwas passiert was nicht normal ist. Da stellen sich natürlich einige Fragen. Erstens: Was meinten sie damit, dass Vertrauen wichtig ist. Also ich Vertraue Varu blind und du.“ Sie deutete auf Ithril. „Du Varu doch auch, oder?“ Ithril und Vara nickten gleichzeitig.
Dann fragte er schließlich: „Weiß einer von euch wer die drei Leute waren? Ich finde sie hatten irgendetwas Heiliges an sich oder nicht?“ In Gedanken teilte Varu Baethril mit: „Das waren die drei Götter: Laja, Gallien und Mambu. Ich frage mich wo Convera war.“ Das teilte Baethril Ithril mit. „Also haben wir die Götter gesehen!“, meinte Ithril darauf nur ganz trocken. „Ist Convera nicht die Göttin des Wetters?“ „Ja“, antwortete Vara in Gedanken. Baethril sah leicht verwirrt aus. Ithril musste lächeln. Dann versteinerte sich ihr Gesicht. „Kannst du dich noch daran erinnern, dass vor einigen Wochen das Wetter total schlecht war und dann kam die Sonne raus und dann gewitterte es wieder und seitdem hat es noch nicht geregnet. Vielleicht hat sie irgendetwas sauer gemacht und..“ Doch in dem Moment klopfte es an der Tür. Sie hatten noch nicht einmal „Herein“ gesagt, da kam schon ein Pfau herein geschritten mit Stantis als Begleiter. Baethril schwante nichts Gutes. Er war hochnäsig wie eh und je. Er fragte nicht, ob er sich setzen dürfte, sondern tat es einfach. Stantis war hoch gewachsen, hatte blonde Haare und tiefblaue Augen.
Er sieht ja wirklich gut aus, dachte Baethril, wenn er nicht so eingebildet wäre. Ithril ergriff das Wort: „Was möchtest du hier?“ „Ich wollte mit meiner zukünftigen Frau sprechen, wenn du bitte gehen würdest“, antwortete Stantis mit so herablassendem Ton als würde er mit einem seiner Diener sprechen.Baethril spürte, wie sich ein Kloß in ihrem Hals bildete. Sie konnte ihn nicht heiraten. Man merkte, dass Ithril innerlich kochte. Man sah es ihm zwar nicht an, aber Vara knurrte leise. Baethril hatte sich inzwischen auf einen Stuhl fallen lassen und blickte Ithril flehend an.
Er wusste nicht warum, aber er stellte sich hinter Baethril und sagte: „Ich werde mich nicht aus meiner Küche vertreiben lassen.“ Stantis sah ihn verwirrt an. Vermutlich hatte sich ihm noch niemand schon widersetzt. „Na schön“ Stantis sagte dies mit so viel Verachtung in der Stimme, dass Vara schon wieder anfing zu knurren. „Also Baethril machen wir es kurz: Wie du weißt sollst du mich heiraten, wenn alles gut geht wird das etwa in drei Monaten geschehen. Unser Hochzeitstermin ist am dritten Tag im dritten Monat des Herbstes angesetzt. Bis dahin sollten alle Formalitäten geklärt sein. So das war es auch schon wieder. Ich bin dann mal weg.“
Baethril hatte die ganze Zeit kein einziges Wort gesagt. Man sah ihr die Angst an. Der Kloß in ihrem Hals wurde dicker und dicker und ihr wurde schlecht. Selbst bei der Vorstellung Stantis zu heiraten fing sie an zu zittern. Ithril wusste nicht so recht was er zu tun hatte. Er entschloss sich erst einmal Vara zu beruhigen. Er suchte sie in seinen Gedanken: „ Beruhige dich! Es ist doch alles in Ordnung!“ Eine zarte Stimme antwortete ihm: „Du weißt nicht wie er ist. Damals als er sich binden sollte, wollte er mich haben. Er versuchte alles. Er kam sogar mit einem Zauberer der mich verhexen sollte. Aber ich wusste was in ihm vorgeht, damals wie heute. Er hat sich kaum verändert.“ „ Wie meinst du das, dass er sich kaum verändert hat?“ „Wer er wirklich ist wirst du hoffentlich bald herausfinden, denn wenn nicht wird Baethril verloren sein.“
Kapital 4
In dieser Nacht hatten beide Baethril und Ithril einen Traum. Im Grunde war es der Gleiche, doch jeder von ihnen hörte eine andere Warnung. Ithril war wieder in der großen Halle, nur diesmal war da nur ein Mann ganz alleine. Dieser Mann strahlte eine solche Autorität aus, dass Ithril sich verbeugte. Er fühlte sich unterlegen. Der Mann bemerkte dies und sagte: „ Steh auf Ithril. Ich muss mit dir reden. Es geht um folgendes: Du darfst auf gar keinen Fall Baethril im Stich lassen. Es lauert Gefahr. Ihr könnt mit uns sprechen, aber diese Zeit ist sehr begrenzt. Warum ihr das könnt weiß ich nicht. Außerdem darf ich dir auch nicht sagen was passiert ist. Ich muss dir die Sache in Rätseln erklären. Also pass gut auf:
Sie ist die Vierte im Bunde
Aber weder noch
Wenn sie wütend ist, bemerkt es das ganze Land.
Von ihr droht große Gefahr.
Baethril schlief in dieser Nacht sehr schlecht. In Gedanken war sie immer bei Stantis. Sie konnte ihn nicht heiraten. Am liebsten würde sie weglaufen aber das würde Schande über ihre Familie bringen. Und was würde Stantis dann tun? Tief in Gedanken versunken schlief sie dann doch ein. Sie hatte fast denselben Traum wie Ithril, nur das bei ihr eine Frau das Rätsel aufsagte und ihre Warnung ein bisschen anders klang, denn sie sagte, dass Baethril auf keinen Fall Stantis heiraten dürfe.
Er würde sie dann nur benutzen, wenn sie jedoch weglaufen würde, würde das Unheil über die ganze Stadt bringen. Nach diesen Worten wachte Baethril auf und entschied sich in die Küche zu gehen. Varu, der die ganze Zeit tief und fest geschlafen hatte, wachte auf und blickte sie besorgt an. Baethril probierte ihn zu beruhigen: „ Ist schon gut. Ich will mir nur eben ein Glas Wasser holen und geh dann auch wieder ins Bett.“ Doch Varu bemerkte, dass sie total aufgewühlt und entschied sich mit ihr in die Küche zu gehen. Dort saßen auch schon Ithril und Vara. „Na auch ein Mitternachtssnack?“, frage Ithril mit einem Schmunzeln auf den Lippen.
Als Baethril nicht antwortete frage er nun mit vollem Ernst: „ Was ist denn los? Machst du dir immer noch Gedanken über dich Hochzeit?“ „ Naja, eigentlich schon aber ich hatte so einen merkwürdigen Traum.“ Als Baethril keine Anstalten machte zu erzählen worum es in diesem Traum ging hackte Ithril ein bisschen nach und Baethril erzählte: „ Also ich wurde von so einer Frau gewarnt, dass ich Stantis auf gar keinen Fall heiraten dürfe, aber wenn ich weglaufen würde, würde das Unheil über die ganze Stadt bringen und dann hat sie noch eine Art Rätsel aufgesagt das ging glaub ich so:
„Sie ist die Vierte im Bunde.
Aber weder…“ „..noch“,
Ithril hatte sie unterbrochen und sagte das Rätsel jetzt weiter auf:
„Wenn sie wütend ist bemerkt es das ganze Land.
Von ihr droht große Gefahr.
Ich hatte fast denselben Traum. Nur sagte mir ein Mann, dass ich auf jeden Fall verhindern soll, dass du Stantis heiratest.“ Bei diesen Worten war er rot angelaufen. „ Und das werde ich auch!“, murmelte er noch. „ Was hast du gesagt?“, fragte Baethril ihn. Doch er antwortete: „Ach nichts.“ „Also“, begann Baethril wieder, aber sie war jetzt ein bisschen nervös, weil sie genau gehört hatte was Ithril gesagt hatte und das brachte sie richtig durcheinander, denn sie hatte,als er dies gesagt hatte etwas gefühlt, dass nicht Freundschaft war., „ soll ich mich in einem Brunnen verstecken?“ „Nein“, sagte Ithril ganz langsam, denn er hatte eine Idee.
Kapitel 5
Und was meinst du was das Rätsel bedeutet? Um ihre Verbindung zu trainieren fragte Baethril Varu dies in Gedanken. Also ich kann dir da nicht helfen. Ich darf dir zwar Tipps geben… Wie du darfst mir nicht helfen? Das heißt ja, dass du weißt worum es geht. Und außerdem wer sagt dir, dass du uns nicht helfen darfst? Nun ja also im Grunde weiß ich schon worum es geht aber ich weiß auch nicht alles. Dann kannst du mir doch sagen was du weißt. Nein, dass darf ich nicht. Ok dann soll Ithril eben Vara fragen die wird uns bestimmt helfen.
„Wie meinst du das sie will uns nicht helfen?“, fragte Baethril Ithril aufgebracht. Sie hatte ihm nachdem er wieder zu Hause war von ihrem Gespräch mit Varu erzählt und ihn gebeten Vara doch bitte zu fragen ob sie was weiß. „Sie will mir einfach nichts sagen!“, meinte Ithril, „sie sagt nur die ganze Zeit, dass sie nichts sagen darf.“ Etwas schnippisch meinte Baethril nur: „ Na dann müssen wir es wohl alleine herausfinden.“ Ihr war jedoch klar das sie ein wenig übertrieben hatte, Sie begangen ihre Überlegungen und das Schritt für Schritt. „Sie ist die vierte im Bunde. Mhhhmmm … was könnte das nur bedeuten?“ Fragend schaute sie Ithril an. „Also… es gibt doch vier Götter oder?“ Baethril nickte zur Bestätigung. „ Und die sind geordnet. Der erste ist Mambu der König, dann kommt Laja die Göttin der Jagd. Ich glaub wir haben mit ihnen geredet. Dann kommt Gallien den Gott der Hoffnung und als vierte Convera die Göttin des Wetters.“
„ Gut das du so viel über die Götter weißt, ich bin zwar die Pfarrerstochter, aber viel interessiert hat mich das eigentlich nie“, unterbrach ihn Baethril, „ aber mal angenommen es würde um Götter gehen, dann heißt das Rätsel weiter: Aber weder noch.“ „Mhh, das weiß ich nicht was damit gemeint ist. Überlegen wir weiter. Weiter heißt es: Wenn sie wütend es bemerkt es das ganze Land.“ „ Das könnte heißen, dass damit Convera gemeint ist die Göttin des Wetters. Das würde passen.“ Ithril sah Baethril erstaunt an. Sie meinte nur: „ Ja auch ich höre dir manchmal zu.“ Doch Ithril antwortete: „Nein das ist es nicht. Convera ist eine Halbgöttin. Das würde zu dem: Sie ist weder noch, passen.“
„Ähm Ithril was genau ist eine Halbgöttin?“ fragte Baethril verlegen. „Ja also das ist … ähm.. wenn . Weißt du was? Ich hab keine Ahnung, aber es macht Sinn.“, antwortete Ithril, „ So damit hätten wir ein Problem gelöst. Aber das andere bleibt trotzdem noch bestehen.“ „ Was für ein anderes Problem?“ fragte Baethril. „ Nun deine Hochzeit. “, antwortete Ithril. Nun war Baethril schon fast den Tränen nahe. Sie wollte ihn nicht heiraten, er war ihr unheimlich: „Und wie willst du das verhindern?“ „Nun ja“, antwortet Ithril und mit jedem weiterem Satz wurde er immer röter. „ Du weißt doch, dass mein Vater Richter ist. Und er hat wahrscheinlich das einzige Gesetzbuch in der Stadt.
Also hab ich es mir kurz ausgeliehen und nachgeguckt was unter arrangierten Hochzeiten steht, und da stand, dass wenn einer der betreffenden Personen jemanden anderen heiraten will kann diese Person das tun aber nur unter einer Bedingung : Sie beide müssen eine Prüfung ablegen.“ Kurz hatte sich Baethrils Gesicht aufgehellt und man konnte einen kleinen Hoffnungsschimmer aufleuchten sehen, aber da war der Moment auch schon verschwunden und sie fragte mit niedergeschlagener Stimme: „ Toll das bringt mich nicht weiter denn wer würde mich heiraten mit dem Wissen sich Stantis in den Weg zu stellen?“ Ithril wurde noch röter und antwortete mit leiser Stimme: „ Ich würde es tun.“
Baethril sah in verblüfft an aber dann meinte sie mit so viel Ironie in deren Stimme, dass man sie fühlen konnte: „ Das würde auch sicher klappen, weil ja auch keiner in der Stadt weiß das wir uns eigentlich hassen. Das würde die uns nie glauben, und außerdem müssten wir den Test bestehen. Was ist das eigentlich für ein Test?“ Ithril antwortete ihr mit Hoffnung in der Stimme: „ Also das konnte ich nicht herausfinden, aber meine Tante und mein Onkel mussten diese Prüfung ablegen die könnte ich fragen. Und außerdem ist das gar nicht so unwahrscheinlich, dass wir heiraten würden, denn eigentlich müssten wir uns prima verstehen, da wir dieselben Seelenverwandten haben. Was meinst du warum Stantis dich so schnell wie möglich heiraten will?“ „ Stimmt da könntest du recht haben. Würdest du mich denn wirklich heiraten?“, fragte Baethril zaghaft. „Ja“ antwortete Ithril mit so viel Bestimmtheit in der Stimme, dass Baethril ihn mit ganz andern Augen sah.
Tintenherz
30.08.2009, 16:48
Kapitel 6
Am nächsten Morgen machte sich Ithril mit Vara auf den Weg. „Hier noch ein bisschen zu Essen“, sagte Baethril und lächelte ihn an. „Danke.“ Dann kehrte er ihr den Rücken und lief durch die Stadt. Er würde zwei Tage brauchen, um zu seinem Onkel und zu seiner Tante zu kommen. Oh man, Vara. Was haben wir uns da eingebrockt. Ich meine es ist zu Baethrils bestem, aber wenn wir die Prüfung nicht bestehen muss sie diesen Widerling heiraten und dass könnte ich ihr nicht antun. Ich meine: Ein bisschen mag ich sie ja schon.Ein bisschen? Ich glaube du magst sie sehr gern. Vergiss nicht ich kann deine Gedanken lesen.
Er schmunzelte und ging über den Marktplatz zu einer großen Scheune. „Guten Morgen!“, sagte eine raue Stimme. Ithril sah den Hufschmied auf sich zukommen. „Hallo, Hufschmied. Haben Sie ein Pferd für mich? Ich bräuchte es auch nur zwei Tage.“ „Zwei?“, fragte der Hufschmied mürrisch. „Das macht dann aber 20 Goldstücke.“ Mhm, okay. Wie mach ich das jetzt, dachte er. Vara hast du eine Idee? Ich habe nur 15 Goldstück und die sind für Übernachtungen. Sag ihm doch einfach, dass er dir das Pferd geben soll und du arbeitest, wenn du wieder kommst. Für ihn umsonst. So vier Monate. „Was ist jetzt? Willst du das Pferd?“ „Natürlich, aber ich habe kein Geld. Wie wäre es denn, wenn ich für sie arbeite so vier Monate umsonst und ich dürfte das Pferd zwei Tage haben.“ „Abgemacht!“, sagte der Hufschmied und hielt ihm seine rechte Hand hin. „Aber wehe du bringst mir den Gaul nicht zurück.“ „Keine Sorge“, sagte Ithril mit einem Lachen und setzte sich auf das Pferd. Ich werde es schon zurückbringen.“ Er schnalzte und das Pferd trabte los. Gemütlich trottete Vara hinterher.
Ein paar Stunden später, nachdem sie durch Wald und Felder geritten waren, hielt Ithril an. Brrrrrrrrrr. „Wir machen jetzt erstmal Pause!“, sagte er und setzte sich auf einen Stein. Er packte sich ein Brot und eine Wasserflasche aus. Herzhaft biss er in sein Brot und Vara schaute ihn mit großen Augen an. Ich will auch was haben. Hier ist etwas Dörrfleisch! Und er warf es ihr vor die Füße. Mit einem Schnurren bedankte sie sich bei ihm. Als sie mit dem Essen fertig waren, stieg Ithril wieder auf. „Na los. Wir müssen heute noch Gilermore erreichen.“ Und sie ritten los…
Kapitel 7
Am Abend trafen sie in Gilermore ein. Als sie auf der Landstraße in Richtung Gilermore ritten entdeckten sie kleine Lichter am Ende der Straße. Schau mal Vara. Das könnte ein Wirtshaus sein. Vielleicht finden wir dort eine Übernachtungsmöglichkeit. Ja, lass uns mal nachschauen. Ich bin nämlich schon wieder hunrig. Du bist so verfressen, Vara.
Als sie sich dem Haus näherten verlangsamte Ithril das Tempo. Müde und erschöpft stieg Ithril von dem Pferd ab und führte es hinter das Haus. Laute Stimmen drangen daraus hervor. Na das kann ja heiter werden, Vara. Ob wir da zu Schlaf kommen werden? Das Wirtshaus wirkte zwar von außen sehr klein, doch war es innen wirklich riesig und zudem brechend voll. Die Bierkrüge flogen durch die Luft und an ein paar Tischen spielten Männer Fesdon.
Fesdon ist ein Brettspiel. Jeder Spieler gibt so viel Goldmünzen hinzu wie er will oder was er sonst noch so hat. Dann wird mit jeweils 6 Würfeln gewürfelt und immer zwei würfeln gegeneinander. Der Spieler mit den meisten Augenzahlen gewinnt und muss gegen den nächsten spielen, bis nur noch ein Spieler übrig ist und dieser gewinnt die ganzen Goldmünzen. Ithril steuerte direkt auf die Bar zu. „Guten Abend!“, sagte er zu dem Mann hinter dem Tresen. „Haben sie noch ein Zimmer frei?“ „Ja. Das kostet allerdings 10 Goldmünzen. Es ist das kleinste und das einzige was wir noch frei haben.“
„Dann nehme ich das.“ Ithril zog seinen Sack mit Goldmünzen heraus und gab dem Mann 10 Goldstücke. „Gut. Dann ist hier der Schlüssel.“ Der Mann drückte ihn Ithril in die Hand. Langsam trottete er die Treppe hoch. Er hatte kaum noch Kraft dafür. Der Flur im ersten Stock war klein und eng. Die Wände waren dunkel und vereinzelt hingen Bilder an der Wand. Was sie zeigten konnte Ithril nicht erkenne, denn sie waren total verstaubt. Am Ende des Ganges hatte er sein Zimmer erreicht und öffnete es.
Es war wirklich sehr klein. Wie der Wirt gesagt hatte. Ein Bett und ein kleiner Tisch standen darin. Auf dem Tisch befand sich ein Strauß mit Blumen, die allerdings sehr kläglich aussahen. Verdorrt und vertrocknet. Ein kleines Fenster hatte der Raum auch, doch konnte man nicht mehr hinaussehen, weil es schon zu dunkel war. Na toll, entfuhr es Vara. Und was soll ich jetzt machen? Ich werde ganz bestimmt nicht auf diesem verdreckten Boden schlafen. Ist ja gut! Ithril war nun sehr schlecht gelaunt, denn er wollte nur noch schlafen. Komm mit auf das Bett. Wenn du dich nicht so breit machst darfst du darauf schlafen.
Die Nacht war ziemlich unbequem für Ithril. Das Bett bestand nur aus Holzlatten und dicken Decken. Zudem hatte sich Vara mitten in der Nacht auf ihn gelegt und ihm die Luft abgedrückt. Die Sonne strahlte in das kleine Zimmer direkt auf Ithrils Gesicht. Mürrisch stand er auf. Die Sonnenstrahlen wärmten ihn zwar von der kalten Nacht, aber sie stachen ihm auch direkt ins Auge. Ithril konnte es gar nicht leiden, wenn ihm die Sonne beim Aufstehen ins Gesicht schien. Herzhaft wollte er sich strecken, doch sein Rücken tat ihm ziemlich weh.
Na hast du gut geschlafen?, fragte er Vara mit sehr viel Ironie in der Stimme. Ja sehr gut. Danke. Du auch? Haha sehr lustig!, gab sie angriffslustig zurück. Na los. Lass uns was essen gehen!, sagte er und ging aus dem Zimmer. Vara trottete ihm langsam hinterher. Möglichst leise versuchten sie durch den Flur zu laufen. Aus jeder Tür hörte man das laute Schnarchen der Männer, die hier gestern gefeiert hatten. Doch nicht alle hatten es in ihr bett geschafft.
Im Wirtshaus konnte man noch deutlich die Spuren der letzten Nacht sehen. Überall standen Bierkrüge und Karten lagen auf dem Boden verstreut. Einige Männer hatten hier unten offensichtlich ihren Rausch ausgeschlafen, denn in manchen Ecken sah man sie liegen. Er ging an den Tresen. „Ein Wasser und ein Leib Brot!“, sagte er und überlegte. Heute musste er endlich seine Tante und seinen Onkel erreichen. Er war sehr gespannt, was sie ihm erzählen würden.
Kapitel 8
Nach einem langen anstrengendem Ritt erreichte Ithril endlich Algiz. Als er endlich das Haus seiner Tante und seines Onkels erreicht hatte stieg er erleichtert vom Pferd ab. Er lief den Weg zur Tür entlang und klopfte. Seine Tante öffnete die Tür. Als sie ihn sah erschrak sie. „ Du meine Güte Ithril, du siehst ja schrecklich aus. Ist etwas passiert?“ „Nein, Tante Moma alles ist in Ordnung naja fast alles. Darf ich bitte reinkommen ich muss dich und Onkel Titus etwas fragen.“
Seine Tante ging zur Seite und ließ ihn ein. Das Haus war ihm so vertraut obwohl er das letzte Mal vor drei Jahren hier gewesen war, dass er gleich ins Wohnzimmer ging. Dort saß sein Onkel Titus und las ein Buch. „Hallo Ithril“, sagte er freundlich, „ was können wir für dich tun?“ „ Also. Ich hab eine Bitte an euch, aber vielleicht sollte ich euch erstmal erzählen was passiert ist. Die Pfarrerstochter und ich haben denselben Seelenverwandten. Wie es das Gesetz will mussten wir dadurch zusammen ziehen. Wir konnten uns eigentlich nicht leiden, aber das hat sich ein bisschen geändert. Nur das Problem ist, dass sie Stantis, den Sohn des Bürgermeisters heiraten soll und sie ist total unglücklich damit und deswegen habe ich ihr angeboten, dass ich sie heirate.“
Nun lief Ithril rot an. Er hatte nicht die ganze Wahrheit erzählt, aber er hatte sich gedacht, dass es ein wenig verrückt geklungen hätte, wenn er gesagt hätte, die Götter haben sich uns offenbart und gesagt, Baethril darf Stantis auf gar keinen Fall heiraten. Aber seine Tante hatte verstanden was er wollte. Denn sie fragte: „Und nun willst du wissen was für eine Prüfung wir ablegen mussten oder?“ „Ja genau, damit wir die auch auf jeden Fall bestehen, weil sonst wäre alles umsonst gewesen.“
Aber seine Tante und sein Onkel blickten ihn traurig an, bis schließlich sein Onkel sagte: „ Es tut uns Leid Ithril, aber wir können nichts sagen, wir erinnern uns nicht mehr an die Prüfung. Wir wissen nur noch, dass es was mit Vertrauen zu tun hatte.“ Als Ithril das gehört hatte geschah etwas Merkwürdiges. Ithril sah Baethril, wie sie weinend auf ihrem Bett lag und über ihr stand Stantis, der sie bedrängte. Varu lag wie es aussah betäubt neben ihr auf dem Boden. Ithril erschrak als das Bild verflog. Seine Tante und sein Onkel sahen ihn erstaunt an und Vara knurrte leise. Wir müssen zurück den beiden helfen, sagte sie. Das schaffen wir niemals pünktlich. Oh doch das schaffen wir. Gallien hat so eben dein Pferd verzaubert, es wird jetzt so schnell laufen wie noch nie und es wird auch keine Pause brauchen.“
Ithril schickte ein Dankeschön an Gallien und drehte sich um, um zu gehen. Da fiel ihm ein, dass seine Tante und sein Onkel noch da waren. Er drehte sich nochmal um und sagte: „ Danke für eure Hilfe, ich muss jetzt wieder los. Wir werden uns hoffentlich bald wiedersehen. Und schon saß er auf dem Pferd. Und das Pferd rannte so schnell, dass Ithril alles nur noch verschwommen sah. Und er rief in die Nacht: „Halte durch Baethril wir
kommen!“
Kapitel 9
Kaum das Ithril fort gegangen war fühlte sich Baethril total allein gelassen. Das Haus war riesig und leer. Sie nutzte die Ruhe um ihre Verbindung mit Varu zu stärken. Sie redeten viel, aber selbst Varu konnte die Leere in dem großen Haus nicht füllen. Den ersten Tag hatten sie mit nichts tun überstanden. Doch nun wollte sie ihren Vater besuchen.
Also lief sie quer durch die Stadt an den vier Tempeln vorbei, die an einer Kreuzung standen, dann überquerte sie noch eine Straße und hatte ihr zu Hause erreicht. Als sie eintrat rief sie: „ Hallo Vater, ich bin es.“ Doch niemand gab eine Antwort. „Mhh vielleicht ist er einfach nicht zu Hause. Ich lasse ihm eine Nachricht da. Und so schrieb sie auf einen Zettel :
Lieber Vater,
leider bist du grade nicht zu Hause. Ich komme dich einfach später nochmal besuchen.
Liebe Grüße Baethril
„Ich würd sagen Varu, wir kaufen dir ein richtig leckeres Stück Fleisch und dann gehen wir wieder ins das leere, große Haus zurück. Ich hoffe Ithril kommt bald wieder.“ Varu knurrte zustimmend. Also gingen sie auf den Marktplatzt um ein perfektes Stück Fleisch zu suchen und zu finden. Sie kamen zu einem Fleischhändler der wohl neu in der Stadt war, denn Baethril hatte ihn vorher noch nie gesehen. „ Was kann ich für dich tun, meine Liebe?“, fragte er mit netter Stimme.
„ Ich hätte gerne das beste Stück Fleisch, was sie haben.“, antwortete Baethril. Der Verkäufer suchte eine wenig, dann hob er ein rießen großes Stück Fleisch an und Varu knurrte zufrieden. „ Das ist der Bauch einer Antilope“ informierte er Baethril. „ Das nehm ich, wie viel bekommen sie von mir?“ „ 5 Goldmünzen“ Baethril bezahlte ihn und ging mit Varu wieder ins Haus zurück. Dort schnitt sie das Fleisch in Stücke und briet es. Dann gab sie Varu ein großes Stück und sie selber konnte gar nichts essen, weil sie sich immer noch unwohl fühlte alleine in dem Haus.
„Wenigstens schmeckt es dir“ sagt sie leise. Und Varu antwortete gar nicht sondern schickte nur einen dankbaren Gedanken an sie. Als Varu fertig war, wurde es schon langsam dunkel. Und Baethril beschloss ins Bett zu gehen. Als sie sich umgezogen hatte, wünschte sie Varu eine gute Nacht, der schon so müde war, dass er nur noch halb wach war und sie legte sich in ihr Bett und schlief sofort ein.
Sie wurde durch ein Knarren wach. Sie öffnete die Augen und starrte in ein Gesicht. Als sie anfing zu schreien wurde ihr eine Hand auf den Mund gedrückt. Endlich erkannte sie wer sich da über sie beugte. Es war Stantis. Sie wollte einen Gedanken an Varu schicken, doch sie spürte ihn nicht. Also biss sie Stantis so fest wie es ging in die Hand.
„ Du verfluchtes Biest, lass das“, schrie Stantis, denn sie hatte so fest zu gebissen, dass er blutete. Sie schrie ihn an „ Was hast du mit Varu gemacht? Was willst du? Verschwinde sofort!“ Doch Stantis lächelte nur. Und beugte sich über sie. Nun bekam es Baethril wirklich mit der Angst zu tun. Es traten ihr Tränen in die Augen und liefen über Gesicht. Verfluchten Tränen, dachte sie. Und dann spürte sie es. Sie spürte jemanden in ihrem Geist. Es war nicht Varu und auch nicht Vara, es war Ithril.
Er starte sie erschrocken an und dann war er auch schon wieder verschwunden. Doch auf einmal Spürte sie eine Kraft und sie stieß Stantis von sich runter. Nun wurde Stantis sauer. Er sprang auf sie drauf und drückte sie auf das Bett. „Du willst wissen was ich will. Ich will unsere Hochzeitsnacht vorziehen.“ Baethril war wie gelähmt sie konnte gar nichts machen. Auch als Stantis ihr Nachthemd zerriss. Sie lag einfach nur da. Und dann hörte sie Hufgeklapper und ein Brüllen. Eine Tür sprang auf, jemand rannte die Treppe hoch und stieß die Tür zu Baethril ‘s Zimmer auf. Und da stand Ithril völlig erstarrt in der Tür.
Vara sprang auf Stantis zu, kratzte ihm durchs Gesicht und stieß ihn von Baethril runter. Baethril lag einfach nur da. Total erstarrt. Stantis bemerkte, dass er keine Chance hatte und flüchtete aus dem Fenster.
Nun fing Baethril an zu weinen. Und Ithril konnte einfach nicht anders: Er ging zu ihr rüber setzte sich neben sie und umarmte sie. Vara legte sich neben Varu und stupste ihn an. Und auch er kam langsam wieder zu sich. Und so saßen Baethril und Ithril eine ganze Weile da, denn keiner von beiden wollte den anderen los lassen.
Kapitel 10
„ Geht es wieder einiger maßen?“, fragte Ithril Baethril besorgt. Baethril japste und erstarrte. „ Varu wie geht’s dir? WAS HAT ER MIT DIR GEMACHT?“ Varu antwortete noch etwas benommen: „ Mir geht’s gut ich glaub da war etwas an dem Stück Fleisch dran.“ „ Dieser Arsch. Was sollte das denn? Was bildet der sich ein?“
Nun wurde Baethril so richtig sauer, Doch als sie Ithril sah beruhigte sie sich. „ Danke“ sagte sie einfach nur. Doch er antwortete: „ Bedank dich nicht bei mir sondern bei Gallien, der hat das Pferd verzaubert. Ich bin vor fünf Minuten in Algiz losgeritten.“ Baethril sah ihn erstaunt an. Dann wurde ihr schlecht und sie rannte sehr schnell ins Badezimmer. „Baethril ist alles in Ordnung?“, fragte Ithril besorgt. Doch sie antwortete nicht. Stattdessen sprach Vara zu ihm. „ Ich glaub sie leidet unter einem Schock geh lieber mal nach ihr gucken.“
Und Ithril ging langsam in Richtung Badezimmer. Als er vor der Tür stand klopfte er doch nur ein Würgen antwortete. Und so trat er ein. Was er da sah, war nicht mehr die starke Baethril. Es war eine andere Baethril. Sie hing über der Toilttenschüssel aschfahl und schaute ihn aus tiefen Augenhöhlen an. Sie krächzte: „Geh raus das musst du nicht mit ansehen“. Doch er blieb. Als sie aufstehen wollte schwankte sie und drohte umzukippen und er fing sie auf und trug sie in ihr Bett.
Ithril ging langsam und erschöpft in die Küche. Was sollte er jetzt nur tun? Angewidert nahm er das Fleisch und trug es zum Mülleimer. Wie hat das Stantis nur gemacht? Er muss sich in den Metzger verwandelt haben! Das kann gut sein. Vara und trottete in die Küche. Erschrocken drehte Ithril sich um. „Hör bitte auf mich zu erschrecken!“, fuhr er Vara an. „Entschuldigung. Wir sind halt alle sehr gereizt. Was kann ich jetzt nur für Baethril tun? Was wollen wir tun, wenn er noch mal wieder kommt? Ja… Ich würde sagen wir müssen uns verstecken. Lass uns außerhalb der Stadt wohnen. Im Wald habe ich eine kleine Hütte gesehen, als wir Richtung Algiz geritten sind. Erfreut blickte er sie an. Dann stand er auf und rannte die Treppe hoch in sein Zimmer. Eilig öffnete er die Tür und holte einen Rucksack unter seinem Bett hervor.
Er rannte zu seinem Kleiderschrank und öffnete ihn. Es befand sich zwar nicht viel in ihm, aber das was er hatte packte er auch ein. Erneut nahm er sich einen Rucksack und rannte in die Küche. Er öffnete sämtliche Schubladen. Holte Gabeln, Messer und Töpfe heraus. Zuletzt öffnete er einen Schrank in dem sich alle Lebensmittel befanden. Er holte einen Leib Brot, zwei Flaschen Wasser und ein bisschen Wurst und Käse hervor, so wie etwas getrocknetes Fleisch. Die beiden Rucksäcke stellte Ithril an die Haustür. Erschöpft lief er erneut die Treppen hoch um Baethril zu holen. Als er ihr Zimmer betrat kamen ihm wieder die schrecklichen Bilder vor Augen. Weg. Nur weg. Das war das einzige was er wollte.
Leise schlich er in ihr Zimmer. Er öffnete das Fenster und lies etwas Abendluft hinein. Der Mond schien hell und voll. Die Sterne leuchteten. „Baethril“, sagte er leise und stupste sie an. Erschrocken öffnete sie die Augen und wich vor ihm zurück. „Entschuldigung. Ich bin es Ithril.“ Erleichtert fiel sie ihm um die Arme. Und weinte. Nach kurzer Zeit lies sie wieder von ihm ab. „Wir müssen los. Vara hatte gemeint sie hätte eine Hütte im Wald gesehen. Die könnte uns als Versteck vor Stantis helfen.“ Schwankend stand sie auf. „Ich habe noch eine Kutsche hinter unserem Haus gesehen. An diese werde ich das Pferd vorspannen und die Sachen drauf legen. Pack noch ein paar Klamotten ein und am besten zwei Decken.“ Ithril ging hinunter und trat in die eisige Kälte…
Kapitel 11
Baethril setzte sich in ihrem Bett auf. Die Tränen liefen ihr wieder über ihr Gesicht. Was hätte er sonst noch mit ihr gemacht? Ja was! Diese Frage konnte und wollte sie nicht beantworten. Wer würde ihr glauben, wenn sie es jemandem erzählen würde. Ihr Vater nicht. Der wollte sie nur mit Stantis verheiraten um an Geld zu kommen. Jeder Vater machte das so. Das war eine Sitte im Land. Einmal hatte jemand damit angefangen und alle hatten es nachgemacht. Nein. Sie könnte es auch keinem erzählen.
Es war so schrecklich gewesen. Ständig kamen ihr die Bilder wieder in den Kopf und ließen sich nicht verdrängen. Die Tränen wollten nicht aufhören zu rollen. Ein leiser Windzug ging durch ihr Zimmer und streifte ihre Haut. Baethril erschrak. Sie hatte das Gefühl jemand würde sie anfassen. Völlig verstört schlang sie sich die Arme um den Bauch und merkte, dass sie nichts anhatte nur in Unterwäsche saß sie da. Was hätte er mit ihr gemacht? Die Fragen gingen ihr nicht aus dem Kopf. Langsam wippte sie im Bett hin und her, die Arme immer noch um den Bauch geschlungen. So fest, als würde sie sie nie wieder auseinander kriegen wollen. Sie starrte auf die Tür.
Die Tür, durch die Stantis gekommen war. Eine Gänsehaut lief ihr über den Rücken. Sie fror, doch konnte sie nicht aufstehen und sich etwas zum anziehen holen. Sie wollte sich nie wieder in ihrem Leben bewegen. Nie wieder irgendeinem Fremden begegnen. Immer wieder würden ihr die Bilder in den Kopf zurückkommen. Er wollte mich vergiften, um mich dann zu vergewaltigen. Sie konnte es nicht fassen. Was hätte sie tun sollen? Nichts antwortete sie sich. Sie hätte es über sich ergehen lassen müssen. Hätte einfach nicht daran denken dürfen.
Doch wäre es so einfach gewesen? Der Schock hätte sie bestimmt gelähmt. Ihr Herz verkrampfte sich als Baethril wieder daran wie er über ihr gebeugt gestanden hatte. Mit einer solchen Lust und Gier in den Augen. Er hätte alles getan. Vielleicht hätte er sie dann verschleppt und immer wieder vergewaltigt oder er hätte sie zurückgelassen und dann geheiratet und sie dann immer wieder vergewaltigt. Baethril konnte an nichts anderes mehr denken. Es schauderte sie und es hörte nicht auf. Sie schloss die Augen, doch schon kamen ihr wieder die Bilder vor Augen. Die Bilder, die sie jetzt ihr ganzes Leben lang begleiten würden….
Kapitel 12
Als er die Kutsche fertig bepackt hatte ging er erneut in das Haus und holte Baethril. Als er in ihrem Zimmer ankam saß sie auf ihrem Bett und hatte die Hände im Gesicht. Schweigend setzte er sich zu ihr und legte ihr erneut die Hand um die Schultern. „Ich weiß nicht was er sonst noch alles gemacht hätte, wenn du nicht gekommen wärst.“
Wieder fing sie an zu weinen. Die Tränen rollten über ihr hübsches Gesicht. „Es ist doch nichts passiert!“, beruhigte sie Ithril. Ein schwaches Lächeln huschte ihr übers Gesicht. Nach einer Weile nahm er ihre Hand und brachte sie dazu aufzustehen. Ithril gab Baethril etwas zum anziehen und packte ihr noch ein paar Sachen ein. Sie liefen schweigend die Treppe hinunter. „Hier ist ein Umhang mit Kapuze für dich, damit dich keiner erkennt.“ Sie nickte nur und zog ihn sich über. Dann traten sie hinaus und Baethril setzte sich mit Varu in die Kutsche. Ithril nahm die Zügel in die Hand und schnalzte einmal leise. Das Pferd setzte sich sofort in Bewegung.
Leise und sanft setzte es die Füße auf den Boden, als wüsste es, dass es keine Geräusche machen soll. Der Mond schien hell, als sie über den Marktplatz fuhren und durch das Stadttor. Der Weg war holprig und die Taschen wackelten bedrohlich auf der Kutsche. „Ithril?“, fragte Baethril und streichelte Varu um sich abzulenken. „Ja.“ „Ich wollte doch noch meinen Vater besuchen. Was ist wenn Stantis jetzt zu ihm geht und ihm was antut?“ Baethril fing schon wieder an zu weinen. „Es wird schon nichts passieren. Glaub mir.“ Nach kurzer Zeit waren sie an der kleinen Hütte angekommen.
Eine kleine Hütte an einem Bach. Versteckt im Wald und kaum zu finden. Ithril hielt das Pferd an und Vara stand auf und stieg ab. Er ging nach hinten und half Baethril von der Kutsche. Als sie ihren Rucksack hochnehmen wollte hielt Ithril ihren Arm. „Lass gut sein“, sagte er, „ich mache das schon. Leg du dich hin und ruhe dich aus.“ Ein Lächeln von Ithrils Seite und ein kleiner Hoffnungsschimmer zeigte sich auf Baethrils Gesicht. Er führte sie ins Haus. Ebenso Vara Varu. Die Hütte war klein, aber es reichte zum Leben.
Sie lag nahe einem Vorort der Stadt. Ein Doppelbett stand auf dem Dachboden des Hauses. Ithril führte Varu und Baethril die Treppen hoch. Das Bett war zwar nicht so weich wie ihres zu Hause, aber es reichte gerade so. Ein paar Holzlatten und Decken. Dicke Decken. So würde Baethril nicht so starke Rückenschmerzen bekommen. Zwei Kopfkissen mit Federn gefüllt gab es ebenfalls. Ithril legte Baethril voller Sorge auf eine Seite des Bettes. Die Fahrt hatte sie sehr geschwächt. Mit einem schweren Seufzer ließ sie sich nieder und auch Varu lief nur langsam. Er legte sich auf den Boden in eine Ecke in der auch eine Decke lag.
Mit einem Schnurren rollte er sich zusammen. Ithril deckte Baethril zu und legte ihren Kopf auf das Kissen. Dann ließ er sie schlafen und ging die Treppe hinunter wieder hinaus zur Kutsche. Er holte alle Rucksäcke aus dem Karren und machte ihn los. Er machte das Pferd ebenfalls los und brachte es in das Haus, dass einen kleinen Stall im Untergeschoss hatte. Dort gab er ihm etwas Stroh und etwas Wasser in einem Eimer. Der Vorbesitzer hatte vieles hier gelassen. Ithril packte die Taschen aus und legte alles beiseite. Das Haus hatte im Untergeschoss außer dem Stall noch eine kleine Küche und eine Sitzecke, sowie einen Kamin. In einer Ecke lag noch etwas Feuerholz und Ithril zündete den Kamin an.
Schnell wurde die Hütte warm, doch er konnte nicht schlafen auch wenn er es versuchte. „Ach Vara. Was machen wir jetzt nur? Ich muss doch noch zu meinem Vater wegen der Prüfung, aber wenn wir sie nicht bestehen was machen wir dann nur? Es ist alles so kompliziert.“ Vara wollte gerade antworten, da schreckte Baethril aus ihrem Schlaf. „Ithril. Wir durften die Stadt nicht verlassen. Weißt du noch was die Prophezeiung uns gesagt hat: „Wir sollen die Stadt nicht verlassen, sonst passiert etwas schlimmes.“ Ithril lief es kalt den Rücken runter.
„MEIN VATER!“, schrie Baethril. Ithril sprang auf, doch beruhigte sich gleich wieder. „Ich werde morgen zu ihm reiten.“ „Nein, ich werde gehen. Ich muss meinen Vater sehen.“ „Nein, du wirst nicht gehen. Stantis sucht dich und nicht mich. Er will dich um jeden Preis und er kann nicht wissen, dass du hier bist.“ Baethril wollte gerade etwas erwidern, aber da hatte Ithril schon Luft geholt und fuhr fort:
„Also nein. Wie gesagt du gehst nicht. Ich muss doch eh noch zu meinem Vater und da kann ich auch zu deinem. Ich werde ihm sagen, dass wir die Prüfung ablegen werden. Meine Tante und mein Onkel haben nur gesagt, dass es etwas mit Vertrauen zu tun hat. Ich werde gehen." Baethril war so verblüfft von seinen Worten, dass sie nichts erwiderte. Also legte sie sich wieder und schlief erneut ein. „Na komm“, sagte Ithril zu Vara, „wir gehen auch ins Bett.“ Und so gingen sie hoch. Vara legte sich zu Varu und Ithril zu Baethril. Und so schliefen sie bald ein.
Kapitel 13
„WACHEN!“, schrie er mit viel Wut in der Stimme. Stantis kam Wut entbrannt aus dem Haus von Baethril und Ithril. Sie waren weg. Einfach weg. Wie konnte sie ihm das nur antun? Sie würde bezahlen müssen. Egal wie. Ihm würde schon etwas einfallen. Als er um eine Straßenecke bog, die zum Marktplatz führte, trafen die Wachen ein und salutierten vor ihm. „Mitkommen!“, fauchte er sie an. Sein Pfau stolzierte neben ihm her und biss jedem Seelenverwandten der Wächter in die Beine.
Sie winselten und heulten, doch das interessierte die Wachen in diesem Moment nicht viel. Wenn sie irgendetwas falsch machen würden, würde sie Stantis bei lebendigem Leibe verbrennen lassen. Ja, er kannte es nicht anders. Auf dem Marktplatz angekommen stieg er auf ein kleines Podest. „Bürger“, rief er und alle drehten sich zu ihm um und verneigten sich. „Heute Nacht ist ein Mädchen geflohen. Sie hat einen schweren Fehler begangen. Meine Frau wird sie werden. Ihr kennt sie alle. Baethril!“, er sprach dieses Wort mit einer solchen Verachtung aus, dass die Bürger etwas von ihm wichen. „Sie und Ithril sind mit ihren Seelenverwandten verschwunden. Versteckt und verkrochen haben sie sich wie zwei Lämmchen, die Angst vor dem bösen Wolf haben, aber ich sage euch. Wer mir Baethril bringt bekommt eine Belohnung die alle seine Vorstellungskraft überschreitet. Und wer mir Ithril, diesen Verräter, bringt tot oder lebendig das ist mir egal wird ebenso reich belohnt. Ihr werdet ihn am Galgen hängen sehen und Baethril wird davor stehen und zusehen müssen. Dannach wird die Hochzeit stattfinden. Vor dem Galgen.“
Er grinste hämisch. „Also. Schert aus Bürger der Stadt MEINES Vaters und bringt mir die zwei. Jagt sie wie der Wolf das Lämmchen und bringt sie mir.“ Er trat vom Podest hinunter und wandte sich wieder den Wachen zu. „Sucht sie. Und bringt sie mir. Stellt jedes Haus auf den Kopf und reitet durch das ganze Land. Findet sie und bringt sie zu mir.“ Die Wachen salutierten erneut und schritten dann eilends mit ihren Seelenverwandten davon.
Ein Hahn krähte und Ithril wachte auf. Baethril schlief noch tief und fest. Selbst eine vorbeiziehende Schafsherde hätte sie nicht aufwecken können. „Gut so“, dachte Ithril und stand auf. Vara streckte sich und gähnte herzhaft. Dann erhob sie sich von Varu und ging hinunter in die Küche. Wir werden Baethril und Varu ein richtig schönes Frühstück zubereiten, meinst du nicht? Natürlich!, gab Vara noch etwas verschlafen zurück. Er nahm zwei Bretter aus einem Schrank und ihr Geschirr und stellte noch etwas Wasser und Brot dazu, sowie etwas Wurst und Käse. Das Beste ist es nicht aber es ist gut genug.
Vara grinste als sie seine Gedanken vernahm. Als die Sonne die Baumkronen kitzelte wachte Baethril auf und kam mit Varu in die Küche hinunter. „Morgen“, sagte sie mürrisch. „Dir auch einen schönen guten Morgen!“, gab Ithril neckisch zurück. Baethril streckte ihm nur die Zunge raus. Varu tollte mit Vara durch den Wohnraum und sie bewarfen sich mit etwas Asche. „Lasst das. Oder willst du, Vara, etwa so dreckig in die Stadt zurückkehren?“ Sie schnurrte nur sachte und tollte weiter. „Ich hatte heute Nacht einen Traum!“, fing Baethril an. Ithril sah sie verschreckt an. „Du hast bestimmt nur schlecht geträumt. Weiter nichts.“ Doch Baethril schüttelte den Kopf. Dann fuhr sie fort:
„Da war wieder dieser Gott, Mambu, und er hat zu mir gesagt, dass großes Unheil über uns und unsere Stadt kommen wird, weil wir sie verlassen haben. Ich habe so Angst. Was ist, wenn…“ Doch sie konnte nicht weiter sprechen. Ihre Stimme erstarb. „Ich werde sofort los reiten und zu ihm gehen, aber vorher werde ich wohl noch das Pferd zurückbringen müssen.“ Er stand auf und sattelte das Pferd. Dann wollte er los, doch Baethril war aufgestanden und hielt ihn fest. „Sei vorsichtig!“, sagte sie und dann küssten sie sich. Wenn sie heute jemand gefragt hätte, sie wüssten nicht wer auf den anderen zugegangen war, aber sie beide wussten, dass es ihnen Hoffnung gespendet hatte. Nach kurzer Zeit ließen sie voneinander ab und Ithril ließ ihre Hand los und ritt ohne noch einmal zurückzublicken mit Vara durch den tiefen, dunklen Wald…
Tintenherz
31.08.2009, 15:25
Kapitel 14
„Brrrrrrrrrrr“, sagte Ithril. Na, Vara. Da sind wir wieder. Unser gutes, na ja vielleicht nicht allzu gutes, altes zu Hause. Vara schnurrte. Doch plötzlich stupste sie ihn an und Ithril blickte auf das Stadttor. Dort standen keine Wachen. „Merkwürdig“, dachte er sich. Doch ohne Furcht brachte er das Pferd dazu weiter zu gehen. Das Stadttor war riesig und bedrohlich. Es war ihm noch nie so groß und monströs vorgekommen. Ach was. Das bildete er sich alles nur ein. Als er und Vara durch das Stadttor geschritten waren hörte man ein Knarren und sie drehten sich um. Das Tor wurde geschlossen. Irgendetwas ist anders als sonst!, sagte er zu Vara in Gedanken.
Mach dir keine Sorgen. Es wird schon nichts passieren. Doch selbst die sonst so starke Stimme Varas zitterte ein wenig. Sie schritten weiter vorwärts und kamen auf den Marktplatz. Dort herrschte reges Treiben. Ithril stieg vom Pferd ab und führte es über den Marktplatz. So würde es nicht so viel Aufsehen erregen, wenn sie hier lang liefen. Er ging schnurstracks auf die alte Schmiede zu. Der Schmied kam schon auf ihn zu. „Ah da ist ja mein Gaul. Ich dachte es dauert nur zwei Tage…“ Mit finsterem Blick sah er ihn an.
„Entschuldigung“, stammelte Ithril. „Na ja. Ändern kannst du es ja jetzt auch nicht mehr. Komm und mach dich an die Arbeit.“ Er griff nach Ithrils Arm, doch dieser zog in weg. „Jetzt? Ich kann jetzt nicht!“ „Natürlich jetzt. Was hast du dir denn gedacht.“ Und er packte Ithril und zog ihn mit sich. Vara wurde von dem Löwen des Hufschmieds am Genick gepackt und über den Hof geschleift. Am Ende kamen sie an einem kleinen Raum an. Kaum größer als ihr Haus im Wald. Es hatte ein kleines Fenster. „So“, sagte der Schmied und schubste ihn in die Kammer. Vara wurde neben ihn geworfen. Empört leckte sie sich das Fell ab.
„Sättel putzen. Heute Abend kommst du wieder raus. Und wehe ein Zaumzeug oder ein Sattel ist nicht richtig sauber. Dann schwöre ich dir wird dir hören und sehen vergehen. Er schloss die Tür mit einem lauten Knall. Was machen wir jetzt nur, Vara? Wir müssen doch noch zu meinem Vater und zu Baethrils Vater. Vara leckte ihm nur übers Gesicht, als wollte sie ihn trösten. Ithril entdeckte eine kleine Öllampe auf dem Tisch der durch das kleine Fenster beleuchtet wurde. Er ging auf sie zu, holte ein Streichholz hervor und zündete die Kerze an. Nach kurzer Zeit war das Zimmer etwas besser zu erkennen und Ithril stöhnte. In der einen Ecke des Raumes lagen ungefähr 30 Sättel und Zaumzeuge. Damit werden wir nie fertig, sagte Vara, doch Ithril hatte eine Idee. Warum fragen wir nicht die Götter? Die können uns doch bestimmt helfen. Schließlich wollen sie doch auch nicht, dass Stantis Baethril heiratet. Vara kannst du nicht mit Laja oder Mambu reden?
Sie schüttelte den Kopf und Ithril setzte sich auf einen Stuhl. Aber es gibt einen anderen Weg, sagte sie zu ihm. Ithril blickte auf. Warum hatte sie ihm das nicht früher gesagt? Erzähl! Also ihr habt doch in euren Träumen die Götter gesehen also heißt das, dass ihr eine Verbindung mit ihnen habt. Frag mich nicht wie das möglich ist und wer das veranlasst hat, aber es geht anscheinend. Du musst dir nur ihre Gesichter und den Saal vorstellen, wie du ihn schon einmal erlebt hast in deinem Traum. Lass dich die Gerüche und Gegenstände wahrnehmen.
Und so tat es Ithril. Zuerst klappte es jedoch nicht und er wollte aufgeben, doch Vara ermutigte ihn. Nach kurzer Zeit, als er es erneut versuchte sah er Laja vor sich. Sie stritt offenbar gerade mit Convera. Ithril schaute einfach nu die beiden an und lauschte: „Wie konntest du mir das nur antun?“, schrie Convera. „Er gehört mir, mir ganz allein.“ „Was redest du da, Convera. Er hat mich ausgesucht und nicht dich.“ „Wir werden ja noch sehen, wer von uns beiden die bessere und schönere ist. Wenn ich erst einmal Kontakt zu dem Mädchen habe wird sie mir helfen, mein Werk zu vollenden!“ Abrupt drehte sich Convera um und verschwand durch eine der Türen im Raum.
„Ähm!“, Ithril räusperte sich und Laja blickte sich erschrocken um. „Entschuldigung ich wollte sie nicht stören, aber ich brauche ihre Hilfe.“ „Wie in Gottes Namen kommst du denn hier rein?“ Sie sah in so verdutzt an, dass Ithril sich etwas wunderte. „Mein Seelenverwandter hat mir gesagt wie das geht. Ich weiß nicht woher sie das weiß, aber es hat doch funktioniert.“ „Na toll. Jetzt spazieren die Sterblichen hier ein und aus oder was!“, fauchte sie ihn an. „Was willst du denn?“
„Also, ich wollte eigentlich fragen, ob sie mir helfen können die Sättel und das Zaumzeug zu reinigen, denn ich muss noch zu Baethrils Vater, um nach ihm zu sehen und zu meinem um ihm zu sagen, dass wir diese Prüfung ablegen werden?“ „Welche Prüfung? Und nein ich werde dir nicht helfen. Du hast dich selber in diese Lage gebracht.“ Doch bevor Ithril antworten konnte, kam Mambu herein. In einem schönen Gewand, wie für einen Gott gemacht. Aus Gold und Silber. „Was ist hier los?“, fragte er mit tiefer Stimme in Lajas Richtung. „Ah“, sagte er dann und drehte sich zu Ithril um, als er ihn erblickte. „Meinen Glückwunsch.
Du hast es geschafft mit uns Kontakt aufzunehmen!“ Mambu lächelte ihm zu. „Deine Idee mit dieser Prüfung ist großartig Ithril, aber nimm dich in Acht. Sie ist sehr schwer. Nicht jeder schafft es, diese Aufgabe zu meistern.“ Ithril blickte ihn verdutzt an. Woher wusste er, dass Ithril diese Prüfung ablegen wollte. Er hatte das Gespräch zwischen ihm und Laja nicht gehört, oder doch? Plötzlich hörte er eine Stimme. Tief in seinem Kopf. Nur leise, doch sie wurde stetig lauter. „Ithril, Ithril. Wach auf. Komm schon!“ Und Ithril schlug die Augen auf. Völlig verdattert schaute er sie an, doch dann bemerkte auch er das Schlüsselklappern. „Er ist hier drinnen!“, hörte er den Hufschmied sagen. „Ich hoffe meine Belohnung ist gut.“ Und dann fuhr es Ithril durch Mark und Bein, als er diese Stimme hörte.
„Keine Angst. Sie werden schon angemessen, belohnt, wenn auch stimmt was sie da sagen.“ Ein Knarren. Die Tür ging auf und Ithril starrte in das Gesicht seines Erzfeindes. Stantis stand da mit so viel Verachtung für ihn in seinem Blick, dass Ithril schlecht wurde. „Sieh an, sieh an. Wen haben wir denn da? Ist das nicht der kleine Ithril mit seiner Seelenverwandten?“ Als Antwort spuckte ihm Ithril nur ins Gesicht. Stantis nahm ein Taschentuch hervor und wischte sich Ithrils Spucke von den Augen. Dann winkte er mit seiner Hand ein paar Wachen zu sich, die Ithril packten und ihn mit sich zerrten. Zwei andere nahmen Vara und ketteten sie fest.
Im Vorbeigehen grinste Stantis ihn nur hämisch an. Dann traten sie hinaus in das Sonnenlicht und Ithril konnte nichts mehr erkennen. Erst nach kurzer Zeit hatten sich seine Augen wieder an das Licht gewöhnt, doch da schlug ihm auch schon ein Wärter von hinten in den Rücken. „Mitkommen!“, schrie er ihn an und Ithril trottete los, Vara im Schlepptau. Sie liefen nicht über den Marktplatz, sondern durch viele kleine Gassen. Ithril versuchte sich zu wehren, doch die Männer, die ihn festhielten waren viel zu stark.
Kurze Zeit später waren sie am Hintereingang vom Haus des Bürgermeisters angekommen. Das Haus war von außen sehr prächtig und von innen noch viel prunkvoller. Doch Stantis hatte keineswegs vor sein Haus mit Ithrils Spuren zu verunreinigen. „In den Keller mit ihm!“, befahl er seinen Wachen. Und sie taten wie ihm geheißen. Als sie die Tür zu dem Keller öffneten, wusste Ithril, dass dies kein Keller, sondern ein Kerker, war. Hierhin waren wohl all die Menschen gekommen, wenn sie verschwunden waren. Sie waren nicht verreist wie man immer gesagt hatte, sondern gestorben. Still und heimlich. Ohne, dass jemand etwas mitbekam. Die Wachen stießen ihn die Treppen hinunter und er fiel. Schlug mit dem Kopf und mit den Knien auf den Stufen auf. Sie bluteten genauso wie seine Hände.
Mit einem dumpfen Schlag schlug er auf dem Boden auf. Er wollte sich gerade bewegen, da rissen ihn erneut zwei Wachen hoch und zerrten ihn durch den Kerker zu einer Zelle, die ganz am Ende des Ganges lag. Dort schlossen sie ihn ein. Zusammen mit Stantis. Er lies sich auf einem Stuhl nieder. Vara wurde in die Zelle gegenüber gesperrt. „Wo ist sie?“, fragte Stantis mit ruhiger Stimme. Ithril blickte ihn mit hasserfülltem Gesicht an. Er lag auf dem Boden. Konnte sich nicht mehr bewegen. Alle seine Glieder taten ihm weh, doch gebrochen hatte er sich nichts. „Du willst es mir nicht sagen, oder?“ Ithril lachte. So viel Kraft hatte er noch. Stantis wurde nun wütend. „Wenn du es so willst!“ Er schnippte mit dem Finger. Eine Wache kam und gab ihm eine Peitsche. „Du hast noch eine Chance. Willst du es mir sagen?“
Ithril schwieg und sagte nichts. Er würde ihm nie verraten, wo Baethril steckte. Ein Schlag. Ein Schrei. Stantis hatte seine Peitsche genommen und in so fest auf den Rücken geschlagen, dass er blutete. Ithril stöhnte. Hoffentlich würde Baethril nichts passieren. Hoffentlich. Doch Vara, die ebenso geschwächt war wie ihr Heer, denn jeder Seelenverwandte spürte die Schmerzen des Seelenverwandten, trat in Verbidung mit Ithril. Trotz dieser Höllenquallen rief sie in Gedanken: Varu. Varu! Bleibt wo ihr seit. Versteckt euch im Haus und lasst keinen hinein. Wir sind in Gefahr, aber wir kommen wieder. Sprecht mit niemandem und – Doch ihre Stimme erstarb. Ithril war ohnmächtig geworden und auch Vara fiel ihn Ohnmacht. Sie würden es schon schaffen. Irgendwie.
Kapitel 15
Varu schreckte aus seinem Schlaf. Was ist?, fragte Baethril besorgt. Varu schwankte etwas dann stand er auf. Etwas Komisches ist passiert. Ich habe Vara zu mir sprechen gehört. Sie meinte etwas wie, sie seien in Gefahr und wir sollen uns verstecken und dann brach plötzlich die Verbindung ab. Ich weiß nicht wer dahinter steckt oder sonst etwas. Baethril erschrak bei seinen Worten. [I]Wir müssen ihnen helfen. Weißt du wo sie sind? Wir können ihnen nicht helfen. Bist du verrückt? Meinst du nicht, dass Ithril ziemlich sauer auf dich wäre, wenn du ihn jetzt retten würdest und dann sterben würdest. Nein. Wir können nicht gehen. Sie beide haben uns schon einmal vor Stantis gerettet. Egal wer jetzt dahinter steckt. Jemand der es mit Stantis aufnehmen kann, kann es mit jedem aufnehmen.
Varu sagte dies mit einer solchen Entschlossenheit, dass Baethril sich wieder beruhigte. Wir können sie nicht retten, dachte sie immer wieder. Diese Worte schwirrten ihr noch längere Zeit durch den Kopf. Doch Varu hatte Recht. Sie konnten die beiden nicht retten, sonst würden sie sich selber in den sicheren Tod stürzen. Einfach nur verstecken. Lass uns hochgehen. Oben werden wir geschützt sein. Und alle Lichter müssen aus.
Und so taten Varu und Baethril es. Sie gingen hoch und setzten sich auf das Bett. Ich kann hier nicht sitzen bleiben und warten, bis sie wieder kommen. Ich muss gehen. Varu knurrte sie an und Baethril schwieg. So saßen sie eine ganze Weile. Sie wussten nicht wie lange, aber es war lange genug. Die Sonne senkte sich schon über die Baumwipfel. Irgendetwas Schreckliches musste passiert sein. Kannst du nicht wenigstens mal versuchen mit Vara Kontakt aufzunehmen? Ich kann es versuchen. Dann mach das. Uns so versuchte es Varu, doch er konnte es nicht.
Das Bild war verschwommen. Offensichtlich hatte Vara Schmerzen. Ich komm nicht an sie ran. Es geht nicht. Baethril seufzte leise. Plötzlich ein Geräusch. Rufe. Was war passiert?
Als Ithril wieder erwachte erhob er sich erschöpft. Was ist passiert?, fragte er mit müder Stimme Vara, die in der anderen Zelle saß. Ich weis es nicht. Ich sehe nur noch verschwommen. Was machen wir jetzt nur?, fragte Ithril Vara in Gedanken, als er sich wieder etwas erholt hatte. Ich weis es nicht. Wir kommen hier nicht raus. Wir bräuchten schon Hilfe, aber hier unten kann uns keiner helfen. Wir sind verloren Ithril. Sie werden uns sicherlich verbrennen. Du bist aber aufmuntert und denkst total positiv, neckte er sie, obwohl ihm gar nicht danach zu Mute war.
Sie überlegten und überlegten. Mit den Göttern könnten sie nicht schon wieder sprechen, denn ihre Zeit war sehr knapp. Auf einmal vernahmen sie ein Klappern vom Ende des Ganges. Ein Wächter kam vorbei und brachte ihnen Brot und Wasser. „Esst!“, sagte er rechthaberisch. „Ich werdet eure Kräfte noch brauchen.“ Und ohne ein weiteres Wort ging er davon.
Als Ithril und Vara fertig gegessen hatten, blickten sie sich wieder an. Wir sollten uns jetzt ausruhen! Ja du hast recht. Wir müssen es uns nur ein wenig bequem machen. Wie das gehen soll, weis ich zwar noch nicht, aber es wird schon irgendwie gehen. Und so kauerte er sich auf dem Boden zusammen wie ein Hund und schlief vor lauter Müdigkeit bald ein.
Ein Fußtritt in die Magengegend weckte ihn. „Das ging aber auch schon mal freundlicher“, sagte Ithril, bis er merkte, dass es nicht Baethril, sondern ein Wächter war. „Aufstehen“, befahl ihm dieser nur. „Wird’s bald.“ Ithril hatte sich nicht schnell genug aufgerappelt. „Stantis erwartet euch beide schon.“ Er grinste. Ithril wurde erneut den Gang entlang geschleift. Vara wieder hinter ihm. Am anderen Ende des dunklen Kerkers, der nur mit Fackeln erleuchtet war, befand sich eine große schmiedeeiserne Tür.
Zwei Wächter standen mit Lanzen in den Händen davor und versperrten ihnen den Weg. „Lasst uns durch, dass sind die zwei Gefangenen: Ithril und seine Seelenverwandte Vara.“ Die anderen sahen sich kurz an, als wollten sie diese Aussage besprechen, dann nickten sie. Knarrend ging die Tür auf und sie traten hinein. Ein riesiger Folterraum, bot sich ihnen dar und Ithril schluckte, als er die Instrumente entdeckte. Da waren Streckbänke, Peitschen, Räder, die einem die Glieder ausrissen, eine Guillotine und und das versetzte Ithril einen besonderen Schreck:
Ein Tor, dass den Seelenverwandten des Besitzers töten konnte und ihm das Herz ausreißen. Als er zu seiner Linken schaute, erblickte er Stantis. Hoch oben auf einem Thron saß er. „Ich hätte es ja besser gefunden, wenn Baethril hier gewesen wäre und zugeschaut hätte, aber leider, leider wissen wir ja nicht wo sie sich befindet, nicht wahr?“ Und er blickte lächelnd in Ithrils Gesicht, „ aber du wirst es mir noch sagen. Keine Bange. Mir ist egal wie lange es dauert, aber wir kriegen das schon hin. Führt sie zu dem Tor. Und ja wir lassen uns Zeit, denn es soll ja schmerzvoll sein, oder?“ Wieder lächelte er. Doch nun war sein Lächeln noch breiter. Ithril wurde an einer Seite des Kerkers fest gekettet. An Händen und Beinen.
Und Vara wurde zu dem Tor geführt. Bald würden die 30 Schritte erreicht sein und Ithril schrie. Schrie nach Vara und Vara brüllte nach ihm. So laut sie konnte. Sie versuchte sich zu wehren. Kratzte und biss die Wächter, doch sie konnte sie nicht abschütteln. Schließlich stand sie in dem Tor und ein Vorhang aus Silber wie ein Messer senkte sich ganz langsam über das Tor. Nun waren die 30 Schritte erreicht und Ithril spürte ein Ziehen in seinem Herzen. Nur leicht, aber es reichte schon um in ihm Bilder aufsteigen zu lassen. Bilder aus glücklichen Tagen, an denen er mit Vara getollt hatte und ihre Verbindung gewachsen war. Immer weiter senkte sich der Vorhang und immer mehr schmerzte ihm sein Herz.
Gleich würde es rausbrechen aus seinem Körper, würde ihn zerreisen. Vara brüllte vor Schmerzen. Und nun war nur noch ein kleines Stück platzt, zwischen dem Boden und dem Vorhang. Vara lag auf dem Boden und atmete flach. Gleich würde ihr Leben zu Ende sein. Es hatte nichts genützt. Sie hatten Baethril nicht retten können. Sie hörte Ithril nicht mehr. Ihr einmal so dickes Band war nur noch ein ganz hauchdünnes Fädchen. Stantis war auf Ithril zugegangen.
„Ist das nicht ein tolles Gefühl. Du wirst nichts sein ohne deinen Seelenverwandten. Nichts. Hörst du. Nichts. Willst du es mir nicht doch noch sagen, bevor euer Bande für immer gekappt werden und die arme Vara zu den Göttern geht?“ Ithril keuchte und wollte antworten, doch da klopfte es an der Tür. Stantis erhob die Hand und der Vorhang wurde angehalten. Ein Bote kam herein und eilte zu Stantis. Ihn schien es offenbar nicht zu kümmern was hier unten passierte. Er musste schon oft genug hier gewesen sein.
Er flüsterte Stantis etwas ins Ohr, dann wandte er sich ab und eilte aus der Halle. Ithril hatte sich in der Zwischenzeit am Boden zusammengerollt. Er schwitzte. Konnte nichts mehr sagen, so sehr strengte ihn das an. „Wachen!“, rief Stantis. Die Wachen und Foltermänner eilten zu ihm und salutierten. „Wir haben sie gefunden“, sagte Stantis mit Freude in der Stimme, „meine Spione haben es herausgefunden. Eine kleine Hütte im Wald. Nicht weit von hier. Sie liegt an einem Bach. Findet Baethril und bringt sie zu mir.“
Die Wachen drehten sich auf der Stelle um und liefen zur Tür. Stantis hinterher. Wahrscheinlich hatte er Ithril einfach vergessen oder es war ihm egal was mit ihm passierte. Zumindest waren sie nun allein in dem großen Kerker. Als sich Ithril etwas von den Schmerzen erholt hatte, holte er aus seiner Hosentasche ein kleines Stück Draht. So würde er seine Ketten loswerden. Er brauchte etwas Zeit, aber schließlich schaffte er es und war befreit. Mit schweren Schritten ging er auf das Tor zu.
Ithril schwankte. Konnte sich kaum auf den Beinen halten, doch irgendwie hatte er es dann doch geschafft. Immer noch war keiner in den Kerker zurückgekommen um nach ihnen zu schauen. Ithril suchte nach dem Schalter, an dem die Männer den Vorhang hinunter gelassen hatten. Nach kurzer Suche fand er ihn. Es war ein schwerer Hebel und Ithril fragte sich, ob er ihn überhaupt hoch kriegen würde, aber er schaffte es und ein Rad setzte sich in Bewegung.
Lies den Vorhang sich wieder öffnen, doch heilte er nicht gleichzeitig das Band zwischen Vara und Ithril. Und als der Vorhang oben war ließ sich Ithril neben Vara auf die Knie sinken. Sie atmete flach und sagte mit heiserer Stimme: Also haben wir es doch geschafft oder? Wir haben einen Weg gefunden. Auch wenn es nur Glück war.
Und Ithril liefen Tränen übers Gesicht. Sie rollten einfach, ohne dass er irgendetwas dagegen tun konnte. Doch es war ihm egal. Es waren Tränen der Freude. Freude, dass sie beide es überlebt hatten. Sie lagen sich eine ganze Weile in den Armen. Was hatten sie nicht schon alles durchgemacht? Ithril umklammerte Vara so fest aus Angst sie zu verlieren, wenn er sie losließe. Und Vara schnurrte leise. Auch ihr liefen Tränen übers Gesicht. Rollten auf Ithrils Wunden. Sie taten nicht mehr weh.
Die Tränen eines Seelenverwandten, dachte Ithril und weinte noch mehr, sie heilen die Wunden ihres Liebsten. Ihres Herren. So lagen sie da. Vergasen Zeit und Raum. Lagen einfach nur da, und ließen sich nicht los. Sein Herz. Nun tat es weh vor der Angst. Angst Vara zu verlieren. Nach schier einer Unendlichkeit ließen sie voneinander ab. Und Vara blickte in Ithrils feuchte Augen. Ihre Augen waren nicht so klar wie früher, aber sie drückten die gleiche Liebe aus. Langsam legte sie ihren Kopf auf seine Beine und leckte ihm sorgsam über die Hand. Und Ithril konnte nicht anders. Er lachte.
Du bist doch diejenige, der es schlecht geht und nicht mir. Und er strich mit seiner Hand über ihren flauschigen Kopf. Es wird alles wieder gut, flüsterte Vara, doch jetzt müssen wir erst einmal Baethril und Varu retten. Und so standen sie auf. Schwankten noch etwas, doch sie mussten hier raus, wenn sie die anderen beiden retten wollten. Ithril stütze Vara, der es sehr schlecht ging. Hier, sagte Ithril und zog etwas schwarzes und rundes aus seiner Hosentasche, damit geht es dir bald besser. Er nickte ihr zu als sie ihn skeptisch anschaute, doch dann aß sie es und konnte sogleich besser gehen.
Sie konnten nun nicht mehr miteinander durch ihren Geist reden, aber Vara verstand Ithrils Sprache mittlerweile sehr gut und auch er Vara’s. Sie liefen durch die große Halle Richtung Tür. Und als sie diese erreicht hatten horchten sie. Horchten, ob jemand hinter der Tür stand, wie es vorhin der Fall war. Doch sie hörten niemanden und stießen die Tür auf. Der Gang war noch finsterer als vorher. Sie schlichen leise hindurch, doch sie konnten keine Wächter oder Foltermänner, geschweige denn Stantis, entdecken. Das war auch gut so. „Wir müssen die Treppe hier hoch“, sagte Vara zu Ithril. Er nickte nur. Ithril hatte den Fleck Blut von ihm auf den kalten Steinen entdeckt.
Er schluckte. Eilends liefen sie die Stufen hinauf und versuchten möglichst wenige Geräusche zu machen. Oben angekommen entdeckten sie zwei Wachen, die vor dem „Tor aus der Hölle“, wie Ithril es nannte, standen. Doch Vara hatte schon einen Plan. Neben ihnen hing eine Fackel. Vara nahm sie in ihr großes Maul auf warf sie auf den Boden vor die Wächter, ohne dass diese sie erkannten. Die Wächter fingen an zu schreien. Sofort hatte der Wandteppich neben dem einen Wächter Feuer gefangen und verzweifelt rannten sie durch die Gegend und suchte nach Wasser. Die beiden waren so abgelenkt, dass Vara und Ithril schön gemächlich durch die Tür nach draußen spazieren konnten. Beide atmeten hörbar auf. Endlich frische Luft.
Doch ihr Glücksgefühl hielt nicht lange an. „Hast du eine Idee, wo wir die Wächter und Stantis überraschen können? Sie haben Baethril bestimmt längst gefangen…“ Ithril blickte zu Vara. „Mal überlegen“, sagte sie. „Sie müssten doch eigentlich, wenn sie wie wir gekommen sind auf der Hauptstraße zwischen der Stadt und dem Dorf Dofrum entlang reiten. An einer Stelle verläuft die Straße durch eine Senke. Da könnten wir versuchen Baethril zu befreien.“ „Gute Idee“, entgegnete Ithril und sie setzen sich in Bewegung. Erneut liefen sie durch die kleinen Gassen und nicht über den Marktplatz, denn Stantis hatte bestimmt in der ganzen Stadt rumposaunt, dass sie Baethril finden würden.
Am Stadttor angekommen, blieben sie stehen. „So und wie kommen wir nun hier raus?“, fragte Vara. Das Tor war immer noch verschlossen. „Ich glaube es gibt keinen anderen Weg als über die Dächer und dann auf die Stadtmauer.“ Ithril blickte sich um. Als kleiner Junge war er oft über Dächer geklettert. Also warum sollten sie es jetzt nicht schaffen? Vara war schließlich auch sehr gelenkig. Gesagt getan. Ithril kletterte an einer Regenrinne auf das Dach einer Schreinerei und auch Vara kam hinterher.
Im Gegensatz zu Ithril musste sie einfach nur Springen und schon war sie auf dem Dach. Ihre Sprungkraft war enorm. Immer weiter kletterten sie, bis sie an ein Haus kamen, dass ganz nahe an der Stadtmauer lag und sie kletterten hinüber auf die große Mauer. Nur noch runter und dann konnte sie nichts mehr davon abhalten Baethril und Varu zu retten...
Schritte. Sie kamen immer näher und Stimmen. Stimmen, die Baethril nur zu gut kannte. Wie oft hatte sie mit ihrem Vater zu dem Bürgermeister gehen müssen. Die Wachen seiner Obrigkeit. Ja, daran bestand kein Zweifel. Baethril kannte sie ganz genau. Da waren der starke und große Gomno, der Flinke Trarg und der Wächter, denn Baethril schon als kleines Kind gefürchtet hatte: Podromus.
Er war der stärkste und beste Kämpfer im Land. Er hatte sogar schon für den König als Auftragskiller gearbeitet. Und er war der einzige, der sich mit Feuer auskannte. Ja. Sie alle waren gekommen um eine alte Bekannte zurückzuholen. Doch da waren noch mehr Stimmen, die Baethril nicht erkennen konnte. Hufgeklapper und immer näher kommende Rufe. „Durchsucht das ganze Haus. Aber tut ihr nichts an. Sie soll schließlich hübsch vor dem Altar aussehen. Und vor allem du Podromus. Zerquetsch oder erstich sie nicht. Das kannst du dir noch für Ithril und seinen Seelenverwandten aufheben.“
Baethril stockte der Atem. Also waren sie gefangen genommen worden. Von Stantis. Dem Mann, den sie am meisten hasste. Und nun würde es auch ihr ergehen wie Ithril. Gefangen und keinen Weg um zu fliehen. Aber was würde es nützen zu fliehen. Stantis würde sie überall finden. Baethril rollten Tränen übers Gesicht. Komm wir können aus dem Fenster klettern. Es ist nicht hoch und noch sind sie nicht um das Haus gegangen. Baethril wischte sich die Tränen vom Gesicht, dann nickte sie. Varu sprang als erstes aus dem Fenster und landete so leichtfüßig, als wäre er auf einer Wolke getragen worden. Wie ein Seiltänzer oder Trapezkünstler, die Baethril so sehr mochte.
Ohne zu überlegen sprang auch sie, doch es war nicht so einfach wie Varu behauptet hatte. Sie fiel auf den Boden und kam falsch auf. Ein Schmerz in ihrem Fuß. Nicht so schlimm, dachte sie. Ich muss jetzt erst einmal hier weg. Doch irgendetwas hatte die Männer auf die beiden aufmerksam gemacht. „Ich habe etwas gehört“, sagte Trarg, „hinter dem Haus.“ Plötzlich ohne, dass Baethril wegrennen konnte kam Trarg um die Ecke. „Hier ist sie!“, schrie er mit lauter Stimme. Baethril rannte. Rannte ohne sich umzudrehen. Und auch Varu lief hinter ihr her. Schneller und schneller. So schnell sie konnten. Durch Geäst und Sträucher. Über Wurzeln und Höhlen. Dicht hinter ihr die Verfolger. Sie rannte und ihr Herz schlug ihr bis zum Hals.
Vielleicht würde sie es schaffen. Würde ihren Widersachern entkommen. Aber auf einmal tauchte ein Fluss vor ihr auf. Der kleine Bach war wohl einmal ein großer Fluss gewesen. Ohne zu überlegen sprang sie ins Wasser. Gefolgt von Varu. Er war schnell und stark, aber die Strömung lies ihn immer mehr abtreiben. „Varu! Varu hilf mir!“ Baethril hielt sich an einem kleinen Felsen fest der aus dem Wasser ragte. Sie konnte zwar schwimmen, aber die Strömung lies ihren leichten Körper schneller davon treiben als den Varus. Varu kam angeschwommen und Baethril klammerte sich an seinen Hals. Er hatte alle Mühe gegen die Strömung anzuschwimmen und auf die andere Seite zu kommen.
„Podromus!“, rief Stantis, „hol sie dir.“ Und dann war ein lautes Platschen zu hören. Podromus hatte sich in die Fluten gestürzt und kam auf die beiden zu. „Schneller“, schrie Baethril ängstlich. Doch Varu konnte nicht schneller. Er schnaufte, rang nach Luft, aber das Ufer schien nicht näher zu rücken .Und plötzlich spürte Baethril eine große Hand in ihrem Genick. Podromus, der nicht von den Strömen weggerissen wurde, hatte sie gepackt. Dann nahm er Varu und zog sie beide an Land. Sie wurden auf den Boden geschmissen und Varu schüttelte sich und atmete wieder etwas ruhiger. Baethril hingegen lag auf dem Boden.
Ihre Glieder taten ihr weh und ihr war kalt. Eisig kalt. Schließlich war das Wasser im Herbst nicht mehr so warm, dass man drin baden konnte. „Dich zu verstecken bringt nichts!“, sagte Stantis mit hämischer Stimme. „Ich finde dich überall mein Schatz!“ Er zischte bei den letzten Worten wie eine Schlange. „Übrigens: Ithril hat sich gerade von seinem Seelenverwandten getrennt. Er modert unten in meinem Kerker vor sich hin und weint, weil er dich nicht sieht. Schade. Nun ja auf dem Scheiterhaufen wird es ihm wohl gut ergehen. Da wird er wenigstens gewärmt.“ Stantis war von seinem Pferd abgestiegen, auf dem er geritten war. Baethril hatte sich einigermaßen aufgerichtet, aber sie zitterte. Sie blickte auf den Boden.
Zwei Füße tauchten vor ihr auf und eine Hand riss an ihrem Kiefer. Es war Stantis. Sie blickte ihm direkt in die Augen. „Gewöhn dich schon mal an diesen Blick. Er wird dir noch oft genug begegnen.“ Und dann packte er ihr ins Gesicht und küsste sie. Baethril versuchte ihn von sich wegzustoßen, aber sie hatte keine Kraft mehr. Angewidert versuchte sie sich wegzudrehen, aber er hielt immer noch ihr Genick fest. Als er sie losließ spuckte sie auf den Boden. Sie hatte das Gefühl beschmutzt zu sein und bekam es nicht wieder von sich los. „Und unsere Hochzeitsnacht holen wir auch noch nach. Das verspreche ich dir.“
Er und seine Männer fingen an zu lachen. Sie waren genau von demselben Charakter wie Stantis. „Komm her!“, befahl er ihr, doch Baethril stand nicht auf. Immer noch versuchte sie sich den Dreck von ihrem Mund abzuwischen, aber es ging einfach nicht weg. „Hast du nicht gehört? Aufstehen.“ Gomno zog sie unsanft hoch. „Setzt sie auf ein Pferd und bindet sie fest, knebelt sie. Ich will nichts mehr von ihr hören!“ Und so geschah es auch.
Podromus setzte sie auf ein Pferd und Band ihr die Hände zusammen. Dann steckte er ihr ein altes blutverschmiertes Tuch in den Mund. Baethril wurde bei diesem Geschmack schlecht, aber sie konnte nicht erbrechen. Sie ritten los. Langsam. Sie hatten ja Zeit. Nun mussten sie sich um nichts mehr kümmern. Sie dachten Ithril wäre noch in seinem Kerker und Baethril würde eh nichts mehr sagen. Varu war auch an das Pferd gekettet worden und trottete mühsam neben her.
Bald würden sie die Stadt erreicht haben und dann würde sie heiraten müssen und konnte nichts mehr dagegen tun, wenn nicht noch ein Wunder geschehen würde…
Tintenherz
05.09.2009, 14:37
Kapitel 16
Ithril und Vara hatten sich in einem Gebüsch an dem Abhang versteckt. Sie warteten schon eine halb Ewigkeit, als sie Hufgeklapper vernahmen und Stimmen. Sie lachten und sangen. Eine Stimme erkannte Ithril sofort. Die seines Peinigers und nun auch Baethril’s Peiniger. Vara erkannte Baethril zuerst. „Da ist sie“, schnurrte sie und deutete auf ein Mädchen, das gefesselt und geknebelt auf einem Pferd saß. „Und wie kommen wir jetzt an sie ran?“, fragte Ithril. „Nun ja. Ich könnte versuchen sie abzulenken.
Ich kenne noch ein paar Tiger, die hier im Wald leben. Wenn ich sie Rufe könnten wir sie vielleicht retten.“ „Dann mach das“, sagte Ithril voller Sorge. Und Vara tat es. Sie brüllte so laut sie konnte. Im selben Moment, als sie aufgehört hatte zu brüllen ertönten überall aus dem Wald Rufe. Schreie von Tigern. Stantis war abrupt stehen geblieben. „Was war das?“, fragte er seine Gefährten. Baethril blickte zu Varu, der sie anlächelte. Er war der einzige, der wusste was geschehen war. Als Baethril Stantis Blick begegnete fuhr dieser sie an: „Weißt du was passiert ist?“ Baethril schüttelte den Kopf. „Ich weiß doch, dass du lügst.“ „Ähm…!“, sagte Trarg. „Was ist?“, fuhr Stantis auch ihn an. „Ähm Meister. Ich will ja nichts sagen, aber können sie sich vielleicht mal so umschauen. Ich meine ja nur. Wir stehen in einer Schlucht mitten im Wald.“ Und Stantis blickte sich um. Er erschrak.
Überall auf den Hügeln tauchten Tiger auf. Es waren erstaunlich viele. „Losreiten!“, schrie er, dass es jedem durch Mark und Bein ging. Doch auch Vara brüllte: „Angriff!“ Und die Tiger rannten los. Gefolgt von Vara und Ithril. Die Männer zogen ihre Speere und hielten ihre Pferde in Schach. Doch diese stiegen, da sie Angst vor den vielen Tigern hatte. Ein Kampf entfachte, in dem jeder gegen jeden kämpfte. Nur einer kämpfte für sich ganz allein. Ithril rannte auf Baethril zu, doch im selben Moment stieg ihr Pferd und Baethril fiel auf den harten Boden. Sie schlug mit voller Wucht auf ihm auf.Varu kämpfte mit dem Pferd. Versuchte den Strick zu zerbeißen, aber das Pferd lies sich nicht mehr halten. Varu rief nach Verstärkung und sogleich kamen zwei Tiger auf ihn zu gerannten und zerschnitten mit ihren Tatzen den Strick. Baethril lag auf dem Boden, hatte die Augen geschlossen.
Entfernte Rufe und Gebrüll. Sie wusste nicht wo sie war und was passiert war. Plötzlich erschien ihr wieder der große Saal vor Augen. Sie blinzelte. Mambu stand vor ihr. „Ihr habt es fast geschafft. Baethril, du darfst jetzt nicht aufgeben, sonst wäre alles umsonst gewesen. Denk doch an Ithril , Varu und Vara. Sie alle wollen dich retten. Komm noch nicht zu uns. Du hast dein ganzes Leben noch vor dir. Und es wird ein gutes Leben, wenn du nur nicht aufgibst.“ Und schon verschwand der Raum wieder. „Baethril. Oh nein Baethril. Wach auf. Bitte wach auf.“ Sie öffnete langsam die Augen. Die Schlacht hatte aufgehört. Ithrils Gesicht erschien über ihrem.
„Oh Baethril. Alles wird gut werden glaub mir.“ Ihr Kopf lag auf seinen Beinen und sie sah ihn an. Blickte ihn einfach nur an. „Was ist mir Varu?“ war ihr erster Satz, den sie sprach. „Ihm geht es gut. Vara kümmert sich um ihn.“ Langsam konnte Baethril wieder klar sehen. Und nun erkannte sie, dass Ithrils Gesicht blutverschmiert war und mit Erde verdreckt. Sie streckte ihre Hand aus. Ganz langsam. Und fuhr ihm übers Gesicht. „Du bist mein Held, Ithril. Weißt du das?“ Und sie lächelte ihn zaghaft an. Ithril umarmte sie. Als sie wieder voneinander abließen kamen Vara und Varu auf sie zu.
Sie leckten ihren Herren das Gesicht ab und säuberten es. Baethril wollte sich aufsetzen, doch mit einem Mal schrie sie. „Was ist?“, fragte Ithril besorgt. „Ich kann nicht richtig atmen. Es tut so weh. Und dann blickte sie an sich hinab. Ihre Klamotten waren blutüberströmt. Ithril legte sie vorsichtig wieder hin. „Es ist nur eine kleine Wunde!“, sagte er und zitterte. „Nur eine kleine Wunde.“ Doch Baethril wusste, dass er nicht die Wahrheit gesagt hatte. „Werde ich sterben?“, fragte sie wie ein kleines Kind. „Nein. Du wirst nicht sterben. Varu wird dir helfen!“ Varu legte sich neben sie und Baethril strich ihm über seinen verschwitzten Körper. Er legte seinen Kopf auf ihre Wunde und sofort spürte Baethril wie es ihr warm wurde. Varu war nicht wie Vara. Sie konnte mit Tränen heilen und Varu mit seinem Geist.
(In manchen Büchern ist die Rede von Phönixen oder anderen Tieren, die heilende Tränen haben, aber es gibt verschiedene Überlieferungen von dieser Art Heilung.) Diese zwei Arten von Seelenverwandten gab es. Es war seltsam, dass ausgerechnet Vara und Varu sich so gut ergänzten. Baethril versuchte sich erneut aufzusetzen. Und diesmal gelang es ihr. Die Blutung hatte aufgehört. „Wir müssen in die Stadt“, sagte sie und wollte aufbrechen. „Oder warst du schon bei meinem Vater oder deinem?“ Ithril schüttelte den Kopf. „Na dann los.“ Baethril half ihm aufzustehen. „Wir können jetzt nicht gehen! Wir müssen uns etwas ausdenken um in der Stadt nicht erkannt zu werden. Glaubst du nicht, dass Stantis jetzt die Wachen verdoppelt hat?“ „Na dann müssen wir uns eben verkleiden.“
„Toll und woher sollen wir Klamotten und Mäntel bekommen?“ „Ich hab vieles in die Hütte mitgenommen. Wir finden schon was.“ Und so gingen sie zurück zur Hütte. Ohne, dass sie jemand entdeckte und ohne, dass sie jemanden sahen. An der Hütte angekommen öffneten sie die Tür. Alles war verwüstet worden. „Wir werden schon etwas finden“, sagte Baethril. Sie lief hoch und holte zwei Mäntel. „So“, sagte sie zu Ithril und gab ihm einen grauen Mantel. Auch sie zog einen Mantel an. Dieser war allerdings schneeweiß und hatte eine Kapuze. Sie zog ihn sich über. Ihre braunen langen, gelockten Haare schauten hervor. Sie ging an eine kleine Schale, in der sich Wasser befand.
Baethril wusch sich das Gesicht und benutzte dann etwas Erde um sich ihr Gesicht zu verdunkeln. Es ist eine besondere Art Erde, die aus fernen Ländern stammte. Baethril sah nun ganz anders aus. Wie eine Spielfrau. Alle Spielfrauen sahen bräunlich aus und hatten dunkelbraune Haare. Auch Ithril hatte sich in der Zwischenzeit gewaschen und seinen Mantel umgelegt.
Seiner hatte allerdings keine Kapuze und so nahm er sich etwas Harz von einem Baum und riss Vara ein paar dunkle Haare aus und machte sich so einen Bart. Der war täuschend echt. Nun sah er nicht mehr aus wie 15, sondern wie 18 Jahre. Baethril lächelte als sie ihn ansah. „Na mein kleiner Höhlenmensch!“ „Ei, so verwahrlost sehe ich nun auch nicht aus. Ich sage einfach du bist meine Frau. Du siehst doch auch schon total erwachsen aus.“ Er lächelte sie an.
Und so gingen sie los. Vara und Varu im Schlepptau. Sie würden über die Mauern klettern. Als sie am Stadttor ankamen waren die beiden schon verschwunden. Baethril hielt ihr Gesicht verdeckt und Ithril ging mutigen Schrittes voran. „Wer seid ihr?“, fragte sie einer der Wachen skeptisch. „Ich bin Kaufmann und das ist meine Frau.“ „Ihre Frau ist nicht zugelassen. Sie sieht aus wie eine Spielfrau. Sie darf hier nicht rein.“ „Würde sie das etwas aufmuntern?“ Ithril holte ein Säckchen mit Goldstücken heraus, dass er einem Kaufmann abgeknüpft hatte, als sie sich auf die Lauer gelegt hatten. Der Wächter sah sich um, ob ihn auch keiner beobachtete.
„Na los. Geht durch, aber das nächste Mal werdet ihr nicht so einfach davonkommen.“ „Vielen Dank!“ Ithril nickte ihm zu und die beiden durchschritten das Stadttor. Sofort hielten sie sich rechts und versteckten sich hinter einem Haus. Dort warteten schon Vara und Varu. „Puh. Das hätten wir geschafft.“ Baethril war erleichtert. Nun könnten sie doch noch die Prüfung ablegen. Sie beeilten sich und vermieden den Marktplatz und liefen auf das Haus von Ithrils Vater zu. Es war ein großes Haus. Er war ein reicher Mann, denn als Richter verdiente man hier sehr viel. Sie öffneten die Tür und traten ein. Anscheinend waren Stantis Männer noch nicht hier gewesen, denn alle hatten Respekt vor Ithrils Vater.
Er war sehr einflussreich. „Sicher ist er in seinem Arbeitszimmer.“ Sie gingen eine Treppe hoch, doch blieben plötzlich wie versteinert stehen. Aus dem Arbeitszimmer kamen Stimmen. „Haben sie eine Idee wo sich ihr Sohn aufhalten könnte?“ „Ich habe keine Ahnung, aber wenn ich ihn sehe werde ich ihnen sofort bescheid sagen, Bürgermeister. Guten Tag!“ Baethril und Ithril versteckten sich in einem Nebenzimmer und warteten bis die Haustür unten zuschlug, dann traten sie hinaus. Ithril klopfte an dem Arbeitszimmer seines Vaters. „Herein!“ Er öffnete die Tür. Sein Vater saß auf seinem Stuhl hinter dem Schreibtisch und füllt Formulare aus. „Wer sind Sie?“, fragte sein Vater. „Ich bin es Vater. Erkennst du mich denn nicht?“ „Ithril? Bist du das?“ Sein Vater stand auf und fiel ihm in die Arme. „Ich habe so lange nichts mehr von dir gehört.“ „Wir haben nicht viel Zeit!“ „Wir?“, fragte sein Vater verdutzt.
Dann trat Baethril in die Tür. „Ist das nicht Baethril? Sie soll doch Stantis heiraten, oder?“ „Deswegen sind wir hier. Wir wollen die Prüfung ablegen. Wir müssen uns beeilen, denn Stantis sucht uns schon wie du ja eben mitbekommen hast.“ „Ja. Nun da gibt es ein Problem.“ Baethril erschrak. „Was für ein Problem?“ Ihre Stimme zitterte. Sie hatte eine solche Angst Stantis zu heiraten. „Das Tor durch das ihr gehen müsst befindet sich zwar hier in der Stadt, aber es öffnet sich nur mit der Erlaubnis des Bürgermeisters.“ Baethril sackte zusammen und fing an zu weinen. „Und was sollen wir jetzt machen?“, fragte Ithril voller Verzweiflung.
„Lass gut sein“, flüsterte Baethril, „ich bin verloren. Ich werde ihn heiraten.“ Als sie diese Worte aussprach brach sie erneut zusammen. „Ich habe zwar noch nie ein Dokument gefälscht, aber wir könnten es versuchen. Ich werde sofort eines schreiben.“ Und er eilte zu seinem Schreibtisch und Ithril zu Baethril. „Siehst du es wird doch alles gut“, tröstete er sie. Sie fiel ihm in die Arme. Die Erde verwischte und blieb an Ithrils Mantel hängen. „Ihr müsst nun zu dem Tor gehen. Mein Freund wartet dort und legt einen Blendezauber über euch. Er ist Magier. Ihr werdet für die Bürger ganz anders aussehen, als ihr es jetzt tut.“ „Danke.“ Ithril drückte seinen Vater und auch Baethril trat zu ihm und umarmte ihn. Ithrils Vater war vollkommen verwundert. „Geht jetzt“, sagte er, als Baethril ihn losgelassen hatte, „ihr habt nicht viel Zeit. Ich werde zum Bürgermeister gehen. Er wird davon nichts merken!“ „Hoffentlich.“
Baethril atmete erleichtert auf. Dann gingen sie los und liefen zu dem Tor. Es stand in einem Tempel. Überall an den Wänden waren Verziehrungen von Menschen, die durch das Tor schritten und Engeln. Vor dem Tempel erwartete sie schon der Magier. „Seid ihr die zwei von denen mir mein Freund der Richter erzählt hat?“ „Ja“, antworteten sie gleichzeitig. Sie hielten sich an den Händen fest. Der Magier gab ihnen beiden zwei grüne Pflanzen. „Esst! Sie werden euch verwandeln.“ Und sie aßen und tatsächlich: Als Baethril in einen Spiegel blickte sahen sie aus wie zwei Menschen aus dem fernen Land. „Geht jetzt. Viel Glück.“ Und sie gingen los.
Auf das große Tor zu. Auch seine Ränder waren verziert. Mit einer Sprache, die Ithril und Baethril nicht lesen konnten. Sie wollten gerade durch das Tor drehten, da ertönte eine Stimme. Sie hallte durch den ganzen Raum. „BAETHRIL!“ Erschrocken drehte sich Baethril um und auch Ithril tat es ihr gleich. Stantis kam auf sie zu mit seinem Pfau im Schlepptau. Vara und Varu kamen durch die Tür gerannt auf ihre Herren zu. „Mich kannst du nicht blenden. Ich weiß, dass du es bist.“ Baethril blickte Ithril an. Keiner wusste was sie tun sollten. „Baethril! Komm sofort her.“ Nun ertönte eine weitere Stimme. Es war die Stimme ihres Vaters. Stantis und Baethrils Vater standen ihnen gegenüber. „Ich werde ihn nicht heiraten. Du kannst mich dazu nicht zwingen. Erst wenn wir die Prüfung nicht bestehen.“ Stantis kochte vor Wut und sein Gesicht war rot angelaufen. Baethril nahm Ithrils Hand und sie drehten sich um. Sie schritten durch das große Tor in eine andere Welt.
Eine Welt, die ihr ganzes Leben verändern könnte. Und als sie durch das Tor traten wurde es still und schwarz. Baethril spürte, dass Ithril von ihr weggezogen wurde. Sie wollte ihn nicht gehen lassen, aber je fester sie ihn hielt umso fester wurde der sog. Dann dachte sie sich: Ich muss ihn loslassen ich vertraue ihm. Und so ließ sie ihn los, und Ithril war weg und es wurde hell. Sie stand auf einer Klippe. Und eine nicht stabil aussehende Brücke führte auf die andere Seite: Und dort stand Ithril.
War es denn wirklich Ithril? Er wirkte abwesend. Und seine Augen hatten diesen Ausdruck verloren, den sie vorher immer gehabt hatte. Neben der „Brücke“ führte ein kleiner Pfad hinab. Baethril überlegte: Ich kenne Ithril. Das ist eine Illusion. Ich werde diesen Pfad hinab gehen. Ohne das Baethril es wusste hatte sie die erste Prüfung bestanden.
Kapitel 17
Nachdem Baethril Ithril durch das Tor gezogen hatte, wurde es still und schwarz. Ithril spürte nur noch Baethrils Hand, die sie irgendwann einfach losließ und er fiel. Als er wieder was sehen konnte, sah er wo er war. Er war auf der Spitze eines hohen Berges. Ein Stückchen weiter unten entdeckte er ein Höhle. Er fing an hinunter zu klettern. Immer gut aufpassend, dass er nicht herunterfiel, denn er konnte den Boden nicht erkennen. Plötzlich hörte er einen Schrei. Es war Baethril, die ungefähr zwei "Fuß" unter ihm auf einem kleinen Felsvorsprung stand.
Es schien so als, als würde der Felsvorsprung immer kleiner werden. Denn sie rückte immer mehr zurück. Doch obwohl sie locker weiter nach oben hätte klettern können, schrie sie immer nur. Ithril wollte ihr helfen, aber irgendwie hatte er ein komisches Gefühl dabei. Es war einfach nicht seine Baethril.
Seine Baethril würde nie einfach nur da stehen und schreien. Sie würde eine Lösung für das Problem suchen. Und dann erinnerte er sich an das was sein Onkel ihm über die Prüfung erzählt hatte. Nämlich, dass es was mit Vertrauen zu tun hatte. Was wäre wenn es sich hier um die 1. Prüfung handelte und er sich selbst vertrauen musste. Er musste auf sich vertrauen, dass er Baethril kannte. Und als er das erkannt hatte, verschwand die Doppelgängerin von Baethril. Und so konnte er weiter den Berg hinunter klettern.
Als Baethril am Anfang des Pfades war, drehte sie sich noch einmal um und sah, wie die Illusion von Ithril verschwand. Ein Lächeln zeigte sich auf ihrem Gesicht, sie hatte also doch recht gehabt. Der Pfad auf dem sie eine Weile ging, sie wusste nicht wie lange, denn in dieser Welt schien die Zeit keinen Einfluss zu haben, führte sie in eine Art Höhle oder einen unterirdischen Tunnel. Am Anfang hing eine Fackel, sie nahm sie und ging mutig weiter.
Als sie um eine Ecke bog erschrak sie sich fast zu Tode. Vor ihr schwebte etwas, aber sie konnte es nicht genau erkennen. Es sah aus wie ein Geist, aber die Umrisse verschwammen in einer Art Nebel. Sie erkannte nur ein paar Augen, Nase und Mund, der jetzt zu sprechen begann, aber mit einer freundlichen Frauenstimme: „Baethril ich werde, dir eine ganz leichte Frage stellen, und du hast drei Antwortmöglichkeiten eine davon kannst du dann wählen. Und dann hast du auch die zweite Prüfung bestanden.
Die Frage lautet. Für wen würdest du sterben? Für deinen Vater, für dein Seelentier oder für keinen von beiden. Überlege dir gut was du antworten willst. Wenn du einmal falsch liegst ist es aus." Baethrils erster Gedanke war natürlich, dass sie für Varu sterben würde, aber das würde ihm auch nichts nützen, weil wenn sie starb auch er sterben würde. Aber dann kam ihr jemand in den Sinn, der nicht als Auswahlmöglichkeit dabei war. Ithril, um ihn zu retten würde sie alles machen. Aber konnte sie ihn nehmen?
Zögernd sagte sie zu dem Wesen: " Ähm... kann es sein, dass sie jemanden vergessen haben aufzulisten? Denn ich würde zur für Ithril sterben, weil ich wollen würde, dass er lebt! " Das Wesen lächelte und meinte:" Du bist sehr schlau, dass war eine Fangfrage. Natürlich hab ich ihn nicht vergessen, ich hatte gehofft, dass du nicht darauf reinfällst. Du hast die zweite Prüfung bestanden." Und das Wesen löste sich auf und verschwand. Froh, dass jetzt wahrscheinlich nur noch eine Prüfung zu bestehen war ging sie weiter.
Nach einem sehr langen Abstieg den Berg hinunter, zu mindestens kam es Ithril sehr lange vor, erreichte er endlich die Höhle. Er sah sich kurz um und entdeckte, dass es weniger eine Höhle sonder eher ein unterirdischer Gang war. Und wie als hätte man ihn erwartet hing dort auch schon eine Fackel, die er sich nahm und auf den Weg machte. Er machte sich den ganzen Weg darüber Gedanken, was denn die nächste Prüfung sein werde und so ging tief in Gedanken versunken um eine Ecke, wo das Wesen schon auf ihn wartete, aber er lief durch es hindurch. Als er sich in etwas kaltem wiederfand erschrak er und ging instinktiv ein Schritt zurück. Er murmelte:
"Entschuldigung." Doch als er das Wesen genauer betrachtete fiel ihm die Kinnlade hinunter. Dieses Geschöpf sah aus wie ein Geist, aber das konnte man nicht genau erkennen, da die Umrisse sich in einer Art Nebel verloren. Nun begann dieses Wesen zu sprechen. " Nachdem du jetzt durch mich hindurch gelaufen bist, höre mir genau zu. Ich werde dir eine Frage stellen mit drei Antwortmöglichkeiten und du gibst mir eine Antwort ok? Wenn die Antwort richtig ist, dann hast du die zweite Prüfung bestanden, ist sie falsch war es das mit dir und deiner Baethril ok? Hast du mich verstanden?" Ithril nickte. "Also", fuhr das Wesen fort." Für wen würdest du sterben? Für deine Familie, für dein Seelentier oder für keinen von beiden."
Wie bei Baethril, war seine erster Gedanke, dass er für Vara sterben würde, doch dann fiel ihm genauso wie Baethril ein, dass wen er sterben würde Vara auch sterben würde. Dann dachte er an seine Familie. Sie war ihm sehr wichtig, doch es gab eine Person, die ihm noch wichtiger war, wichtiger als er sich selbst sein konnte. Baethril. Für sie würde er alles tun. Aber... konnte er das diesem Wesen sagen? Es hat nur gesagt, dass ich ihm eine Antwort geben muss, es hat nicht gesagt, dass es eine von den drei Antwortmöglichkeiten sein muss. Vielleicht ist es eine Fangfrage. Ja das kann sein, dachte er. Also meinte er zu dem Wesen gewandt:" Ich würde für Baethril sterben." Das Wesen fing an zu lächeln und Ithril fiel ein Stein vom Herzen. Anscheinend hatte er das richtige gesagt. Das bestätigte ihm auch das Wesen: „Ach du bist auch so schlau wie Baethril. Das war die richtige Antwort, du hast die zweite Prüfung bestanden."
Das hörte Ithril gar nicht mehr, denn als das Wesen den Namen "Baethril" erwähnte, wusste er, dass sie noch lebte. Jetzt wusste er, was ihn die ganze Zeit ein wenig nervös gemacht hatte. Die Ungewissheit, ob ihr etwas passiert war. Er ließ das Wesen noch nicht einmal ausreden, sondern rannte nun weiter den Gang entlang. Und dann sah er sich ihr gegenüber. Und hinter ihnen und um sie herum löste sich alles auf und sie standen Eng aneinander geschmiegt auf einer schwebenden Platte.
Baethril hörte schnelle Schritte auf sich zu kommen. Und blieb mitten im Gang stehen. Sie hatte Angst, aber es machte sie sehr nervös, dass sie nicht wusste wie es Ithril ging. Doch als die Schritte immer näher kamen und schließlich jemand um die Ecke bog fiel alle Last von ihr ab. Es war Ithril! Ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Und schon war er da und verschlang sie in einer Umarmung und sie spürte, dass er sie genauso vermisst hatte wie sie ihn. Doch sobald sie sich berührten löste sich alles um sie herum auf und sie standen zu zweit auf einer, wie es schien schwebenden Steinplatte.
Um sie herum gab es einfach nichts. Doch sie hörten eine Stimme, und Baethril und Ithril erkannten, dass es die Stimme war die ihnen auch die Frage gestellt hatte. Sie sagte: „Das hier ist eure dritte Prüfung. Sie wird testen wie ihr euch gegenseitig vertraut. Ich werde euch beiden jeweils das Augenlicht nehmen, keine Sorge ihr bekommt es wieder, aber ihr will euch erklären was das bringen soll. Also ich werde hier gleich einen Weg aus schwebenden Steinen erscheinen lassen und der eine, der sein Augelicht noch hat muss den anderen führen, wie sagt man so schön jemanden blind vertrauen, oder? Nun ja das ist jetzt wörtlich gemeint.
Wenn ihr die Hälfte des Weges geschafft habt wird getauscht. Ach und falls ihr runterfallt lebt ihr zwar noch, aber die Prüfung habt ihr nicht bestanden. So ich würd sagen dann geht es jetzt los." In dem Moment, als sie das sagte spürte Baethril wie ihr schwarz vor Augen wurde, nur fiel sie nicht in Ohnmacht sondern, sie war blind. Auch wenn das Wesen sie vorgewarnt hatte verfiel sie jetzt in Panik, doch da war Ithril schon zur Stelle, der sie in den Arm nahm und beruhigte. Und schon ging es ihr besser.
Bei ihm fühlte sie sich immer so geborgen. Ithril nahm sie bei der Hand und sagte: "Also es sind ungefähr zehn so Plattformen bis zum Ende, leider kannst du nicht einfach so einen Schritt machen um sie zu überqueren sonder musst springen. Aber es ist nicht schwer. Ich werde als erstes springen und du kannst doch ungefähr abschätzen wie weit meine Stimme weg ist. Ich werd dich auffangen. Vertrau mir ok? " Sie nickte. Er gab ihr noch einen Kuss auf die Wange und sprang. Jetzt fühlte sie sich völlig allein und musste sich selbst beruhigen. Alles wird gut, Baethril.
Ithril wird dich nicht einfach hier allein lassen. Vertrau ihm. Und das tat sie sogar blind. Und jetzt hörte sie auch wie Ithril auf der nächsten Plattform ankam. Sie hörte ihn sagen: „Es ist nicht weit, aber du musst erstmal an Rand gehen. Dreh dich mal ein wenig nach links.. Ja so ist es gut. Und jetzt 2 Schritte nach vorn... Genau stopp und jetzt hast du ungefähr die Entfernung eingeschätzt?" Sie nickte. „Ok dann spring." Und sie sprang und hoffte einfach nur, dass sie nicht zu wenig Schwung genommen hatte. Doch als sie sank spürte sie erst Ithrils Finger, der sie auffing und dann den Stein unter ihren Füßen. Sofort klammerte sie sich an Ithril, der nicht minder erleichtert war, dass sie es geschafft hatte.
Und so ging es weiter bis sie anscheinend in der Mitte angelangt waren, denn plötzlich konnte Baethril wieder sehen und Ithril wirkte ein wenig erschrocken. Denn jetzt konnte er nichts mehr sehen. Sofort nahm sie ihn bei der Hand und das schien ihn zu entspannen. Ithril hatte es jetzt schon ein bisschen einfacher er wusste wie er springen musste aber er war trotzdem immer wieder froh, als er Baethrils Hand spürte. Als sie am Ende angekommen waren, konnte Ithril auch wieder etwas sehen, und das Wesen verkündete, dass sie auch die dritte Prüfung bestanden hatten. Dann wurden noch ihre Gedächtnisse gelöscht und plötzlich befanden sie sich wieder in dem Raum gegenüber von Stantis.
Kapitel 18
Sie schienen nicht lange Fort gewesen zu sein, denn es hatte sich kaum etwas verändert. Baethrils Vater stand einfach nur da immer noch mit einem Ausdruck im Gesicht der vieles sagte. Er schien bestürzt, dass Stantis so unfreundlich war und erschrocken, dass seine Tochter anders aussah, aber er hatte sie an ihrer Stimme erkannt, und sich ihm einfach widersetzt. Und nun kamen Baethril und Ithril aus dem Tor heraus und schienen glücklich zu sein. Baethril sah Stantis und lächelte ihn Siegesgewiss an.
Und er schien verstanden zu haben, dass sie beide, Baethril und Ithril, die Prüfung bestanden hatten. Nun schrie er auf vor Wut, denn jetzt konnte er sie nicht mehr heiraten. Sobald ein Paar diese Prüfung besteht legt sich ein Zauber über sie, und jeder der sie zwingen wollte sich zu trennen bzw. das einer von den beiden jemand anderen heiraten sollte, wurde getötet. Und sterben, war etwas was Stantis ganz sicher nicht wollte.
Vara und Varu kamen auf ihre Seelenverwandten zu gesprungen und waren so froh die beiden wieder zu sehen, dass sie sie glatt zu Boden warfen. Beide sagten gleichzeitig zu Baethril und Ithril: Ich hab dich vermisst. Und sie antworteten laut. Ich dich auch. Nun kam auch der Bürgermeister und Ihrils Vater. Der Bürgermeister war einfach nur verwirrt und Ithrils Vater lächelte anerkennend. Endlich hatte der Bürgermeister seine Stimme wiedergefunden und fragte:" Was ist denn hier los?"
Und Stantis sah seine Chance, denn er erzählte seine Sicht der Dinge, die natürlich nicht ganz der Wahrheit entsprachen: „Ithril will Baethril für sich haben und hat sie verzaubert. Ich hab dir doch von Anfang an gesagt Vater, dass er nicht gut ist für sie. Jetzt haben sie die Prüfung bestanden und ich werde unglücklich und alleine sterben!" Er hatte sogar Tränen in den Augen. Baethril kochte vor Wut. Sie sprach mit zitternder Stimme und mit jedem Wort, dass sie sagte wurde sie lauter und ging auf Stantis zu: "Wie kannst du es wagen so etwas zu sagen. Wie kannst du deinen eigenen Vater so belügen. Und die Tatsache, dass du Ithril gefangen genommen hattest und mich beinahe vergewaltigt hast lässt du schön außer acht." Nun stand sie genau vor ihm und schrie die letzten Worte:
„Wie kann man nur so ein arrogantes, eingebildetes Arschloch sein?" Und bei dem letzten Wort nahm sie all ihre Kraft zusammen und trat ihm so fest in seine Weichteile, dass er eine Sekunde später sich krümmend auf dem Boden lag. Dann drehte sie sich zu Ithril um und sagte immer noch vor Wut kochend: „Komm Ithril, Varu, Vara wir gehen, nach Hause. Und wehe", dabei blickte sie ihren Vater und den Bürgermeister an, "einer von euch kommt zu uns." Und so drehte se sich auf dem Absatz um und verschwand mit Ithril und den beiden Tigern im Schlepptau.
Ithril wusste gar nicht wie ihm geschah, nachdem Baethril gegangen war rannte er ihr hinterher, doch sie war schon über den halben Marktplatz gelaufen, fast gerannt, und war in der Näher ihres Hauses. Er lief ihr nach, aber er ließ sich Zeit. Als er ihr Haus schließlich auch erreicht hatte stand Baethril am Herd und kochte sich einen Tee. Ithril, war so Stolz auf sie, dass er sie einfach umarmen musste und ihr ein Kuss auf ihre Haare gab. Sie drehte sich um und sah ihn etwas zweifelnd an. „Meinst du nicht, dass ich ein wenig übertrieben habe? Ich meine, ich habe gerade unserem Bürgermeister verboten uns zu besuchen."
Sie lächelte verlegen. „Nein ich glaube nicht, dass du übertrieben hast. Du warst einfach spitze." Ithril konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Und dann sahen sie sich lange in die Augen und versanken in einen tiefen und innigen Kuss. In den beiden explodierten die verschiedensten Gefühle. Ithril war einfach nur glücklich und wunderte sich nur, warum er Baethril nicht schon früher so gesehen hatte wie jetzt. Und Baethril, war sich unsicher, denn auf einmal kamen die ganzen Erinnerungen wieder hoch, wie Stantis mit ihr umgegangen war. Sie wusste zwar, dass Ithril ihr nie so etwas antun würde, aber trotzdem fing sie an zu zittern und ihr wurde ganz komisch.
Und das was blieb war ein Gefühl, dass sie gar nicht mochte, denn sie fühlte sich beschmutzt. Ithril spürte, dass etwas nicht stimmte, und löste sich von Baethril, die auf einmal ganz blass geworden war und am ganzen Körper zitterte. „Was ist los?", fragte er sie mit Besorgnis in der Stimme. „Ähm... nichts", antwortete Baethril, aber sie hatte etwas in der ihrer Stimme, dass Ithril verriet, dass es nicht nichts war, sondern das etwas los war. Er nahm sie ganz fest in den Arm und fragte: „Ist es wegen dem, das Stantis dir fast angetan hat?" Er schien den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben, denn nun fing sie an zu weinen.
Varu hatte sich hingelegt und sah ganz traurig aus. Und Vara versuchte ihn zu trösten, was ihr nicht so wirklich gelang, denn so lange Baethril traurig war, war es auch Varu. Da sie immer noch standen und Ithril entschied, dass es nun für Baethril besser wäre, wenn sie sitzen würde, hob er sie hoch und trug sie ins Wohnzimmer. Dort setzte er sie sich auf den Schoß und fragte sie: „Willst du drüber reden?" Sie nickte nur atmete tief ein und sagte: „Ich fühle mich so schmutzig. Und ich... ich...iiiiiccchh hhhaaaabbbe Angst, dass du mich nicht mehr willst. Nachdem was Stantis mir und dir angetan hat, ich mein das ist doch alles meine Schuld Ich weiß, dass es unsinnig ist, denn wenn du mich nicht mehr mögen würdest, hättest du ganz einfach die Prüfung nicht bestehen können, aber dieses Gefühl ist nun einmal da... und es geht einfach nicht weg."
Sie sah ihn flehend an, und er überlegte, wie er sie am besten beruhigen konnte. „Baethril", in seinen Worten steckte so viel Liebe. „Du weißt ganz genau, dass das absoluter Schwachsinn ist, ich liebe dich." Baethril sah ihn verblüfft an. Sie wusste zwar, dass er sie liebte, aber gesagt hatte er es noch nie. Und das war der Beweis den sie brauchte. Sofort viel dieses Gefühl schmutzig zu sein von ihr ab und sie hauchte: „Ich liebe dich auch." Und dann versanken sie wieder in einen der schönsten und längsten Küsse und keiner hatte mehr ein komisches Gefühl, denn von jetzt an konnte sie keiner mehr trennen.
Kapitel 19
„Das darf doch wohl nicht war sein“, stieß Stantis Wut entbrannt hervor. „Was denkt sich diese kleine Schlampe eigentlich? Denkt sie sie kann mit mir machen was sie will?“ Er sprang von seinem Sessel auf und ging auf und ab. Es musste doch irgendetwas geben womit er Baethril und Ithril trennen konnte. Er war so in seinen Gedanken versunken, dass er nicht hörte als es klopfte. „Herein“, sagte er forsch.
Sein Pfau trat voller Würde herein und schritt zu Stantis hinüber. „Du brauchst mich jetzt echt nicht nerven. Verschwinde!“ Empört blickte der Pfau seinen Herren an und setzte sich demonstrativ neben seinen Sessel. „Gut dann bleib eben da sitzen, aber wehe du kommst auch nur einmal in meine Gedanken.“ Der Pfau zischte ärgerlich. Plötzlich lief Stantis auf die Mitte des Raumes zu indem ein kleines Pentagramm gezeichnet war. Eilig lief er von einer Seite des Raumes zur anderen um Kerzen, Räucherstäbchen und Rosmarin zu holen.
„So das sollte reichen!“ Noch einmal schritt er um das Pentagramm um sich zu versichern, dass es keine Lücken enthielt. Dann stellte er sich in ein kleineres Pentagramm gegenüber, atmete einmal tief durch und fing mit seiner Beschwörung an.
Ein Nebelschleier legte sich durch die Halle und Stantis konnte kaum mehr seine Hände sehen. Da sprach plötzlich eine Stimme: „Was ist dein Begehr, Stantis?“ Gefasst auf das was jetzt kommen würde sprach er mit so viel Kraft und Mut in der Stimme, die er aufbringen konnte: „Meine Meisterin. Zu meinem Bedauern muss ich Ihnen mitteilen, dass unser Plan fehlgeschlagen ist. Es gibt keine Hoffnung mehr. Sie werden sie nicht bekommen. Sie sind geschützt durch ein Band. Das Band der Liebe.“
Stantis hatte gerade Luft geholt, da schrie Convera los: „Was soll das heißen du hast es nicht hingekriegt und es gibt keine Hoffnung mehr? Bist du jetzt völlig dumm geworden? Das kann ja wohl nicht sein? Ich werde sie bekommen. Ich bekomme immer alles was ich will und keine Widerrede. Du wirst sie mir besorgen. Da kannst du Gift drauf nehmen und wehe du bekommst sie nicht hierher in dieses Pentagramm.“ Die Zornesröte stand ihr ins Gesicht geschrieben und Stantis, der so hochnäsige Stantis, war plötzlich ganz klein.
„Meine Herrin, verzeiht diese Frage, aber wie soll ich das anstellen? Es ist die Liebe!“ Voller Abscheu sprach er das letzte Wort aus. „Liebe!“, höhnte Convera. „Ja Liebe, sie ist nichts. Was bringt schon Liebe. Sie kommt und geht. Dieses Band wird auch irgendwann wieder vergehen, aber ich habe nicht mehr viel Zeit. Ruf die Dämonen und sag ihnen, wenn sie sich nicht beeilen wird Dämonengehacktes aus ihnen gemacht.“ Mit dieser letzten Bemerkung verschwand der Nebel mit einem Mal und alles wurde wieder klar.
Baethril hatte schlecht geschlafen in dieser Nacht.
Ständig war sie aufgewacht. Schweißgebadet. Klitschnass. Immer wieder war sie hinunter in die Küche gegangen und hatte sich ein Glas Wasser geholt. Irgendetwas war nicht in Ordnung das spürte sie, aber was es war das konnte sie nicht sagen. Varu kam immer wieder leise die Treppe hinunter getapst und streckte sich jedes Mal. Varu geh wieder schlafen, sagte sie ihm in Gedanken. Aber das geht nicht das weißt du. Wenn du aufwachst wach ich genauso auf. Ich muss zugeben das ist keine tolle Idee der Götter damals gewesen, aber was soll`s. Ich bin müde und du bist das auch und hör auf ständig so einen Mist zu träumen da kriegt man nämlich Migräne von. Ja ist ja gut, sagte Baethril, stellte das leere Glas neben den Abwasch und ging wieder hoch ins Bett.
Inzwischen war auch Ithril aufgewacht. Nachdem Baethril sich wieder ausgezogen hatte und unter die Decke geschlüpft war, drehte Ithril sich um. Er gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Was ist denn los, Schatz? Du bist ja ganz nass. Hast du schlecht geträumt?“ Baethril schüttelte den Kopf, doch merkte sie im ersten Moment nicht, dass Ithril das gar nicht sehen konnte. „Nein es ist alles gut“, sagte sie dann. „Es ist alles in Ordnung mach dir bitte keine Sorgen.“ „Das mach ich aber. Wenn du hier total heiß und nass neben mir liegst, was soll ich da denken? Soll ich dann einfach weiterschlafen?“ „Am besten wäre das!“, sagte sie und drehte sich von ihm weg und starrte auf die Tür, die von dem hellen Mond erleuchtet wurde.
Genau in diesem Zimmer wäre sie fast vergewaltigt worden. Erneut kam die Angst in ihr hoch. Vielleicht hatte Stantis doch einen Weg gefunden wie er sie wieder auseinander bringen könnte. Bei diesem Gedanken schauderte es sie. Ithril hatte sich zu ihr gedreht und in seine Arme genommen. „Es wird alles gut“, hauchte er ihr leise ins Ohr. „Hab keine Angst.“ Er hatte gut reden. Ihm war so was wie eine Vergewaltigung auch noch nie passiert. Nach einer langen Zeit schlief sie ein und träumte nun nicht mehr von Stantis und seinem Pfau.
Kapitel 20
Die nächsten Wochen waren sehr schlimm für Baethril. Ständig träumte sie von Stantis. Sie wusste, dass irgendetwas nicht richtig war und seit ihrem letzten Kuss mit Ithril hatte sie sich immer mehr von ihm abgewandt. Sie wusste nicht warum, aber sie wollte nicht über ihre Probleme reden. Wahrscheinlich wollte sie Ithril nicht zu sehr damit belasten. Varu nervte sie auch ständig, aber sie wusste ja, dass es nur an ihr lag, denn Varu spiegelte nur sie wieder. Das verärgerte Baethril am meisten. In der letzten Zeit hatte sie sehr viel gegessen. Sie wusste einfach nicht was mit ihr los war.
Nachdem sie eine Zeit lang in der Küche gesessen hatte stand sie auf wusch sich und zog sich an, um auf dem Markt etwas zu essen zu kaufen. Seit Ithril bei einem Förster arbeitete ging es ihnen finanziell gut. Varu bist du fertig? Ja ich komme doch sofort. Moment. Ich will nur noch etwas trinken. Als beide endlich fertig waren traten sie zur Tür hinaus und gingen auf den Markt. Die Sonne stand schon hoch am Himmel und reges Treiben herrschte auf dem Markt. Baethril ging mit Varu an Obstständen vorbei.
Als sie bei einem Fleischer angekommen waren blieb Baethril stehen. „Guten Tag die Dame“, sagte ein älterer Mann. „Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“ Baethril schaute sich um. Da lagen Steaks und Knochen. „Ach geben sie mir doch bitte etwas von dem Schweinegehirn und ja am besten dann noch zwei Steaks und etwas von der Kuhzunge. Das war`s dann.“ Boah ei Baethril du bist so eklig. Warum müssen wir das eigentlich auch toll finden. Scheiß Götter da. Was bringen sie denn einem? Ich verstehe das nicht. Oh man, Schweinegehirn. Varu stell dich nicht so an. Das schmeckt bestimmt gut und du weißt gar nicht was ich für einen Heißhunger habe.
„Das macht dann 30 Goldmünzen!“ Baethril gab ihm ohne zu zögern das Geld, nahm sich das Fleisch und steckte es in einem Lederbeutel. „So jetzt noch etwas Obst und Gemüse und dann sind wir fertig.“ Und so kauften sie noch Obst und Gemüse ein. Als sie fertig waren schlug Baethril Varu vor, sie können doch mal wieder ihre Mutter besuchen. Ihren Vater wollte Baethril nicht mehr sehen. Er hatte sie verheiraten wollen. Zudem hatte sie von ein paar Arbeitern erfahren, dass ihr Vater auf einer Geschäftsreise war.
Sie gingen durch viele Gassen und kamen nach einer Viertelstunde endlich am Haus ihrer Mutter an. Leise öffnete sie die Tür. Aus dem Wohnzimmer drangen Stimmen hervor. Sie lauschte. „Wo ist ihre Tochter?“, fragte eine Männerstimme. „Ich weiß es nicht. Bitte lassen sie mich gehen“, flehte ihre Mutter. „Sie war seit Wochen nicht mehr bei uns. Seit dem Vorfall.“ „Schweig still, Weib! Ich will von deinen Lügen nichts mehr hören. Heute ist ihr Jahrestag. Warum ist sie dann noch nicht bei euch aufgetaucht?“
„Ich weiß es doch nicht!“ Ein Schlag war zu hören. Ein Schrei. Baethril hielt das nicht mehr aus. Keiner tat ihrer Mutter etwas zu leide. Komm Varu! Baethril schlich ins Haus hinein und ging durch den engen Flur. Bloß nichts umwerfen, sonst würde sie sich und Varu verraten. Varu tappte leise hinter ihr her. Ein leises Wimmern drang vom Wohnzimmer her. Als Baethril an der Tür zum Wohnzimmer stand erstarrte sie. Der Soldat mit einer Lanze in der Hand stand über seine Mutter gebeugt. Sofort kamen Baethril wieder die Bilder in den Kopf von jenem schlimmen Tag.
Plötzlich bekam sie Bauchkrämpfe. Was war bloß los? Sie musste ihrer Mutter helfen. Langsam schlich sie sich hinter den Mann, nahm ihren Beutel hoch und schleuderte sie dem Soldaten direkt gegen seinen hohlen Schädel. Verwirrt blickte der Mann sich um. Dann schaute er sie noch einmal an und kippte dann nach hinten um. „Mutter ist alles okay bei dir?“ Verschreckt schaute ihre Mutter sie an. Mit einem Mal stand sie auf und fiel ihrer Tochter in die Arme. „Oh mein Schatz! Ich habe dich so vermisst!“
Sie drückte Baethril ganz doll und der Seelenverwandte ihrer Mutter eine weiße Taube setzte sich auf Varus Rücken und schmiegte ihren Hals an seinen. Als ihre Mutter sie losgelassen hatte und sie sich beide in die Küche gesetzt hatten sagte ihre Mutter: „Baethril du siehst irgendwie anders aus! Kann es sein, dass du zugenommen hast?“ Baethril schaute an sich hinunter. „Nein ich denke nicht. Am Bauch vielleicht etwas ja, aber sonst.“ „Was ist mit dir los, Schätzchen?“ Baethril wirkte betrübt. Varu hatte sich auf den Boden gelegt und den Kopf auf die Pfoten geschmiegt. Die Taube hatte es sich an Varus Bauch kuschelig gemacht. „Ja weißt du. Es ist so: Seit Ithril und ich uns das letzte Mal so richtig nahe gekommen sind geht es mir irgendwie komisch. Ich weiß nicht. Varu nervt auch ständig.“
Ein leises Knurren kam vom Boden. „Kann es seien, dass du immer hungrig bist? So wie ich das sehe, will ich nicht wissen was alles Exotisches in deiner Tasche ist.“ Baethril schaute ihre Mutter an. Sie war verdutzt. „Weißt du etwa was ich habe. Ich meine irgendeine Krankheit?“ Wieder ein kleines Zwicken in ihrem Bauch. Ihre Mutter schaute sie freudestrahlend an. Dann sagte sie auf einmal: „Baethril du bist schwanger! Oh mein Gott ich bin so glücklich. Wir brauchen noch einen Namen für das Kind.“ Und so ging es ziemlich lange weiter. Ihre Mutter konnte nicht aufhören zu reden. Baethril saß einfach nur auf ihrem Stuhl und schwieg.
Ein Kind. EIN KIND! Wie sollte sie damit nur fertig werden. Heute erst 16 Jahre alt geworden und schon schwanger. Plötzlich schrie ihre Mutter auf und Baethril drehte sich schlagartig um. „Lauf Baethril. Lauf!“ Baethril begriff erst nicht. Der Soldat hatte ihre Mutter gepackt und stieß sie in die Ecke. Es krachte. Scherben splitterten zu Boden. Baethril war wie erstarrt. Da sah sie nur noch Varu, der von einer Schlange einen Schlag in die Seite bekam und im nächsten Moment wurde ihr alles schwarz vor Augen.
Langsam öffnete Baethril die Augen. Sie erkannte nur flackernde Lichter. Ihr Hals schmerzte. Benommen versuchte sie sich aufzusetzen, doch es gelang ihr nicht. Erschöpft blieb sie am Boden liegen. Jetzt erkannte sie den Raum schon deutlicher und ihr schauderte es. Sie war wieder in der großen Halle unter der Erde, die sie so fürchtete. Wo war Varu? Baethril schaute sich um. Diesmal hatten sie ihn nicht weit von ihr entfernt. Er lag ungefähr zwei Meter neben ihr und zuckte. Er hatte die Augen geschlossen. Varu mach die Augen wieder auf. Komm schon. Es ist alles wieder gut.
Doch Varu machte seine Augen nicht auf. Auf einmal verspürte Baethril einen Stich in ihrer Magengegend und schaute auf sich hinab. Blut. Alles war voll Blut. Baethril geriet in Panik. Was hatten sie nur gemacht? Nach kurzer Zeit konnte sie sich aufsetzten und Varu wachte auch gerade auf. Ihr ganzer Unterleib schmerzte. Es tat ihr alles so weh. Baethril liefen Tränen über ihr hübsches Gesicht. Ihr Herz raste. „Na, endlich aufgewacht?“, fragte eine höhnische Stimme. Baethril zuckte beim Klang dieser Stimme zusammen. Als sie sich wieder gefasst hatte schrie sie Stantis an:
„Was habt ihr gemacht? Ihr seid solche Barbaren.“ Wieder liefen ihr Tränen übers Gesicht. Baethril wollte sich gerade die Hände an den Bauch fassen, da merkte sie, dass sie fest gekettet war. An Armen und Beinen. Sie hatte keine Chance sich zu wehren. „Klappt wohl nicht so wie du das willst! Tja, das kommt davon, wenn man dem Sohn des Bürgermeisters nicht gibt was er will. Beziehungsweise der Göttin, die das will. Schade hättest du mich doch nur geheiratet. Dann wäre alles nicht so schlimm gekommen wie es jetzt ist.“
Baethril schaute voller Hass zu ihm hoch. „Du niederträchtiges, abscheuliches Arschloch. Was hast du getan?“ Stantis beugte sich zu ihr hinunter und strich ihr über die Wange. Baethril drehte den Kopf weg, doch Stantis packte ihn und riss ihn zu sich heran. „Als Erstes habe ich das getan, was ich schon immer einmal machen wollte.“ Er nahm ihren Kopf zog ihn zu sich heran und dann küsste er sie. Baethril versuchte immer wieder den Kopf wegzudrehen, aber es gelang ihr nicht. Stantis ließ nicht locker.
Er küsste sie, ohne auf sie zu achten. Als er endlich fertig war spuckte Baethril auf den Boden. „Oh, war es so schlimm? Ich denke nicht. Du weißt doch ich spiele gerne mit meinen Opfern.“ „Was hast du gemacht?“, fragte Baethril erneut. Stantis stand wieder auf und setzte sich auf seinen Sessel. Baethril lag zu seinen Füßen. „Ja dann“, fuhr er mit genüsslicher Stimme fort, „dann habe ich mit meiner Herrin gesprochen. Ich glaube du wirst dich freuen, sie endlich einmal kennen zu lernen.“
Stantis deutete auf die Mitte des Raumes. Baethril blickte auf das Pentagramm. Dort stand eine Frau. Eine Frau von einer solchen Schönheit wie sie nur Götter haben können. Ein helles Licht umgab sie. „Guten Tag, Baethril. Ich habe schon so lange auf dich gewartet.“ Baethril verstand die Welt nicht mehr. Varu krümmte sich vor Schmerzen auf dem Boden. Er hatte die Schmerzen, die sie vor lauter Angst im Moment gar nicht spürte.
„Convera, die du ja bestimmt kennst, ich meine wer kennt sie nicht, sucht dich schon seit langer Zeit und ja wir brauchten etwas, dass sie mit dir verbindet. Verstehst du Baethril?“ Er grinste sie höhnisch an. Baethril verstand erst nicht. Wieder schaute sie an sich hinunter doch dann verstand sie. Ihre Augen füllten sich mit Tränen und ihre ganze Wut quoll aus ihr heraus: „Du hast mir mein Kind genommen? Du bist so krank. Wie konntest du mir so etwas nur antun? Du bist so ein Arschloch. Ich hasse dich.“
Baethril sackte auf dem Boden zusammen und krümmte sich. Stantis fuhr mit ruhiger Stimme fort: „Sei doch nicht so sauer. Ja das haben wir gemacht. Willst du denn nicht wissen wie und warum?“ Baethril gab keinen laut von sich. Sie hatte die Augen geschlossen und krümmte sich immer mehr zusammen. Der Schmerz ließ nicht nach. „Wir haben dich hierher bringen lassen und dann haben wir hier einen Arzt herbestellt. Der hat geguckt in was für einem Zustand du bist um so etwas wie eine Abtreibung durchzuführen.
Er hat gesagt ja und nun dann haben wir es halt so erledigt. Keine Angst der Schnitt an deinem Bauch wird schon wieder abheilen, aber das dürfte dich sowieso nicht interessieren. Der Fötus ja der kleine, der ist jetzt in Convera. Sie brauchte ihn um sich mit dir zu verbinden. Es funktioniert nämlich nur wenn beide dasselbe Blut haben. Verstehst du?“ Baethril konnte es einfach nicht glauben. Ihr Kind in einer anderen. Das war falsch. So was von falsch. Plötzlich hob jemand Baethril hoch und trug sie durch den Raum. Mit einem Mal wurde sie auf den Boden geschmissen.
Ihr Kopf schlug hart auf. Sie verspürte etwas Heißes an der Stelle, an der ihr Kopf jetzt lag. „geht vorsichtig mit meinem neuen Körper um, sonst könnt ihr euch gleich auf etwas gefasst machen, wenn wir fertig sind.“ „Meine erhabene Königin. Hier ist euer Geschenk. Vereinigt euch nun mit ihr. Fügt ihr so viele Schmerzen zu, wie ihr es für richtig haltet und lasst uns nun anfangen. Baethril verspürte ein leichtes Ziepen an ihrer Schnittwunde. Sie öffnete die Augen und sah wie Convera mit ihrer weißen Hand in sie hinein fasste. Baethril schrie und krümmte sich. Baethril brüllte lautstark. Aus ihr wurden langsam alle Kräfte in Convera übertragen.
Als Convera ihren halben Körper in Baethril hatte und schon ihren Geist einnahm, verspürte Baethril wie die Schmerzen in ihrem Unterleib nachließen. Und Varu schien es ab sofort auch besser zu gehen. Doch sie war immer noch nicht stark genug um gegen die Göttin anzukämpfen. Und so schloss sie Augen und wollte einfach nur, dass es vorbei war.
Plötzlich spürte sie, dass jemand in ihren Gedanken war. Aber das wollte sie doch gar nicht. Das waren ihre Gedanken, niemand durfte wissen was sie dachte, naja außer vielleicht Ithril. Und nun kam auch die Kraft wieder, und sie kämpfte. Kämpfte mit aller Kraft die sie aufbringen konnte. Erst spürte sie, wie dieses etwas aus ihren Gedanken verschwand, dann das sie wieder allmählich Kontrolle über ihren Körper hatte.
Und dann hörte sie einen Schrei. Sie wusste nicht ob es ihrer war oder der von Convera, aber es war ein Schrei der Verzweiflung. Also konnte es nur der von Convera sein, denn nun verließen sie ihre Kräfte, und das Ungeborene in ihr, war zu nichts mehr nütze. Seine eigene Mutter hatte es verstoßen. Und das spürte das Ungeborene. Und so wollte es auch nicht mehr Leben und starb. Nun spürte Convera den Schmerz, den zuvor Baethril gespürt hatte. Und dieser Schmerz war noch schlimmer.
Baethril war in dem Moment, indem Convera den Schmerz spürte einfach nur erleichtert. Tief in ihrem inneren spürte sie einen Stich, denn sie wusste, dass ihr Kind gestorben war, aber das ließ sie jetzt nicht an sich heran. Eine unbeschreibliche Kraft breitete sich in ihr aus. Und auch Varu, stand wieder auf seinen Füßen. Er griff Stantis an und schlug in mit seiner Tatze ins Gesicht. Stantis fing an zu bluten. Baethril rappelte sich auf schickte Varu einen Gedanken und dieser verstand. Sie rannten zur Tür. Als sie sie aufstießen stand dahinter Ithril.
Er sah sie erschrocken an. Und Baethril verstand nicht warum. Aber dafür war ja jetzt auch keine Zeit. Sie packte ihn schnell bei der Hand und zog ihn mit sich. Mit der Kraft, die sie jetzt durchströmte rannte sie so schnell, dass sie dachte sie würde fliegen. Sie rannte aus dem Verlies, durch das Haus, und auf den Marktplatz. Dort blieb sie stehen, zwischen den vierTempeln und rief: „Seht Bürger, was euer Liebling Stantis, mir angetan hat.“
Epilog
Die Sonne ging gerade unter. Der Wind wehte und man merkte, dass der Sommer langsam zu Ende ging.
Baethril saß mit Ithril zusammen auf ihrer Terrasse und dachte über die vergangenen Wochen nach:
Nachdem sie blutbeschmiert auf dem Marktplatz aufgetaucht war und ihre Geschichte erzählt hatte, wussten die Bürger und Bürgerinnen nicht was sie tun sollten. Der Bürgermeister, der auch alles mit angehört hatte, befahl den Wachen sofort Stantis zu verhaften und alles, besonders das Pentagramm zu zerstören. Ithril hatte die ganze Zeit einfach nur zugehört, aber als er erfuhr, dass er beinahe Vater geworden wäre und das Kind nun tot war, kroch eine Gänsehaut seinen Rücken hinab. Und er bewunderte Baethril, wie viel Kraft sie doch hatte.
Doch irgendwann verließen Baethril diese Kraft und sie viel in eine tiefe Ohnmacht. Ithril trug sie zu ihnen nach Hause und ließ einen Arzt kommen. Er meinte, dass der Schnitt zwar verheilen würde, er aber nicht wüsste, ob Baethril jemals wieder Kinder bekommen könnte. Und, dass sie sich ausruhen müsste. Baethril schlief drei Tage und drei Nächte durch und als sie aufwachte, konnte sie sich nur noch verschwommen an alles erinnern. Es machte Baethril sehr traurig, dass sie vielleicht keine Kinder mehr bekommen konnte und auch Varu machte es traurig, und so weinte er und Baethril spürte, dass sie völlig geheilt war. Dann sprachen noch die Götter zu ihnen.
Sie sagten, dass sie stolz auf sie seien und das sie Convera geschnappt hätten, und jetzt nach einen neuen vierten Gott suchten. Einen, der das Wetter steuern konnte. Im Moment verzauberten sie Convera, dass das passende Wetter herrschte, sonnst würde es nämlich die ganze Zeit gewittern. Sie entschuldigten sich auch noch, dass sie nichts Genaueres gesagt hätten, aber das durften sie nun einmal nicht. Das hatte irgendetwas mit einem Urzauber zu tun.
Das hatten Baethril und Ithril nicht so richtig verstanden. Die Götter bedankten sich noch einmal bei den Beiden und verließen sie, wahrscheinlich für immer. Dann wurde Stantis noch der Prozess gemacht, jeder wusste, dass er sterben würde, doch da sie nun einmal in einem gerechten Land lebten, musste es sein. Und tatsächlich er wurde zum Tode durch den Strang verurteilt. Dies sollte morgen stattfinden. „Weißt du“, sagte Baethril zu Ithril „eigentlich hat er es ja verdient zu sterben, aber ich fühle mich nicht wohl dabei.“
Ithril lächelte: „Du bist einfach viel zu gut für diese Welt.“ Er küsste sie liebevoll. Am nächsten Tag gingen sie zum Marktplatz. Die Leute tuschelten immer noch hinter vorgehaltender Hand, doch es störte die beiden nicht. Sie waren einfach nur froh, dass alles gut ausgegangen war. Als sie ganz vorne angekommen waren, die Leute hatten eine Gasse für sie gebildet, sahen sie Stantis, der gar nicht mehr so gut aussah.
Er war dünn und seine Haut war blass. Sein Pfau ließ seinen Schwanz hängen. Als Stantis Baethril sah, blitze etwas in seinen Augen auf. Es war purer Hass. Nachdem er den Strick um den Hals gelegt bekommen hatte, durfte er noch seinen letzten Worte sagen: „ Ich werde mich Rächen!“ Baethril und Ithril sahen sich besorgt an. Doch drei Minuten später war er tot. Endlich und für immer. Es konnte also nichts mehr passieren. Ithril nahm Baethril in den Arm und sie gingen zurück in ihr Haus. Ihre alten Freunde hielten seit diesem Vorfall Abstand von ihnen, aber das machte ihnen nichts aus. Sie hatten sich, und das war das wichtigste.
ENDE
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