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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : David Murphy - Zombies für Zombies: Ein Ratgeber für Untote


Razor
09.10.2009, 15:35
Kurzbeschreibung
Nun wurden Sie also von einem Zombie gebissen schöner Mist! Das Wichtigste zuerst: Verfallen Sie nicht in Panik. Klar, Ihr Leben wird sich grundlegend ändern. Aber die Zeiten, in denen ein Zombiebiss das sichere Ende bedeutete, sind vorbei. Die Forschung hat immense Fortschritte gemacht. In diesem Buch erfahren Sie alles über das passende Outfit für Ihr neues Dasein, Ihr persönliches Fitnesstraining und die schmackhaftesten Gehirn-Kochrezepte. Lernen Sie Schlagfertigkeit, angemessenes Benehmen und den Umgang mit nervtötenden Vorurteilen. Erproben Sie Tanzschritte für motorisch Eingeschränkte und die besten Flirtmethoden. Schließlich wollen Sie das Beste draus machen. Glauben Sie mir: Zusammen kriegen wir das hin!

Muss es denn immer gleich „Hau-Drauf“ sein? Mal ehrlich, wer trifft sich schon mit Zombies zum gemütlichen DVD-Abend, oder geht mit ihnen eine Runde Basketball spielen. Niemand!
Zugegeben, so ein Untoter legt nicht immer die besten Manieren an den Tag und mit der Hygiene hält er’s meistens auch nicht so genau. Mal abgesehen von dem Heißhunger auf schöne, warme Menschengehirne …. Aber soweit muss es doch auch gar nicht erst kommen, oder?

Es gibt unzählige Filme und mittlerweile auch einige Bücher auf dem Medienmarkt, in denen die wandelnden Leichen die Hauptrolle spielen. Das ist auch ganz anständig soweit. Dieses Buch handelt ebenfalls über diese nicht mehr all zu lebendigen Wesen, beschreibt jedoch einen ganz besonderen Zustand, nämlich die Transformation eines ehemals gesunden Menschen in einen Zombie und gibt dazu zahlreiche Tipps zur Bewältigung des neu angetretenen Daseins.

Zum Hintergrundmaterial: Es wird von einem Ausbruch des so genannten Provo-Virus gesprochen, der harmlose Menschen in hungrige Monster verwandelt. Natürlich schlägt so ein Erreger schnell um sich und ehe man sich versieht, ist die halbe Bevölkerung davon betroffen. Diese Gruppierung aus wilden und kaum noch menschlich zu nennenden Kreaturen wird gemeinhin auch „Horde“ genannt. Zu Beginn des Ausbruchs stand lediglich die Vernichtung der Horde im Vordergrund, später dachte man weiter und entwickelte Methoden, damit den frisch Infizierten Beihilfe geleistet werden konnte. Genau hier setzt Zombies für Zombies (ZfZ) an.
Es handelt sich um einen Ratgeber für all diejenigen, die das Pech hatten, gebissen oder anderweitig angesteckt worden zu sein. Das Leben als Zombie muss gar nicht mal so übel sein, wie man sich das vielleicht vorstellten mag. Natürlich muss mit einigen Veränderungen gerechnet werden, das ist klar. Aber es bietet auch viele neue Vorteile.
Mit viel Humor und Spitzfindigkeit werden zahlreiche Tipps gegeben, um das neue Halbleben, in das man unfreiwillig geraten ist, zu meistern.



Gleich zu Beginn wird der Leser mit dem schwarzen Humor dieses Buches konfrontiert: Es sei ganz ratsam den Leitfaden innerhalb von 72 Stunden zu lesen. Schließlich setzt der Zerfall des Körpers und damit einhergehend der Verlust von Hirnzellen und das Versagen von Organen bereits an. Infolgedessen will man als gesitteter Zombie, hier „Post-Vitaler“ genannt, ja keinen schlechten Eindruck machen …
Das gesamte Werk ist gestaltet wie eine riesige Werbebroschüre für Shores (die zukünftigen Heime der Post-Vitalen) und deren Produkte. Anfangs scheint es eine recht innovative und lustige Art zu sein den Ratgeber so zu gestalten. Allerdings empfindet man diesen aufdringlichen Stil jedenfalls am Ende hin nicht mehr so angenehm. Des Weiteren sind die zahlreichen Trademarks „™“ und „©“, die schätzungsweise auf jeder Seite zwei Mal oder mehr auftauchen, nervig.
Der eiskalte Humor hingegen ist treffend gewählt und macht ZfZ recht unterhaltsam. Die knapp 270 sind tatsächlich ohne Mühen innerhalb von drei Tagen oder weniger zu bewältigen, weil der Autor flüssig schreibt und die Texte sehr viel Spaß bereiten. Witzige Icons und Randbemerkungen, als auch Fußnoten runden das Ganze ab.
Zu jedem neuen Kapitel gibt es eine kleine cartoonartige Zeichnung. Von den gelungenen Illustrationen innerhalb der einzelnen Texte und Abschnitte gibt es leider zu wenig zu betrachten, denn davon hätte man gerne mehr gesehen!
Die Themenauswahl der einzelnen Kapitel selbst ist gut gewählt und man freut sich immer auf mehr. Gut gelungen sind auch kleine Gimmicks, wie z.B. „Die Transition – Zeitplan deines Niedergangs“, in dem schematisch aufgelistet wird, welche körperlichen und geistigen Veränderungen nach und nach auftreten können. Oder: Zungenbrecher/Wortspiele – Übungen, damit das Sprachvermögen beibehalten wird. Bespiel: „Kenny aß Katjes und Kate eine Katze, und Mike biss ‚nem alten Mann in die Fratze“. Richtig eklig und gewöhnungsbedürftig bleibt wohl das achte Kapitel „Komasutra – Rüttle dein Sexualleben wach“. Im Register finden sich schließlich noch ein paar Rezepte für's Nachkochen - z.B. "Rührhirn mit Ei" um nur Eines davon zu nennen.
Durchweg findet man also stets diesen sarkastischen, lustigen Tonfall in jedem Satz und man hat etwas zum Schmunzeln. ZfZ bietet unterm Strich ziemlich gute und vor allem neue Ideen für das Genre. Übrigens: Verglichen mit dem amerikanischen Büchermarkt, sieht es hierzulande eher flau aus, was Bücher um oder mit Zombies anbetrifft. Umso mehr darf man sich dann auf Titel wie diesen freuen.

**** (4) Sterne