Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Tränen von Artamon von Sarah Ash
Feuerfluegel
20.10.2009, 22:01
Den ersten Teil "Eis und Schatten" haben wir ja bereits in der Leserunde gelesen, daher werde ich einmal kurz aufzeigen, was mir an dem Buch gefallen hat und was nicht so sehr:
Klappentext
Der junge Maler Gavril strebt nach Ruhm. Eines Tages stehen raue Krieger aus dem Norden vor seiner Tür und verkünden, er sei der Sohn von Drakhaon, dem König des eisigen Landes Azhkendir. Gavril wird gezwungen, sein Erbe anzutreten. Schon bald erkennt er, dass das Blut des Drakhaon einen Fluch mit sich bringt, der weit schrecklicher ist als Eis und Kälte.
Ich muss sagen, das Buch weiß zu unterhalten. Vieles ist nicht neu, sicher nicht, aber fast Alles ist sehr interessant verpackt.
Allem voran ist Ashs Schreibstil wirklich grandios. Sie malt Bilder mit ihren Worten, die auch einfache Dinge besonders aussehen lassen. Sie schafft es mit wenigen Beschreibungen verschiedene Athmosphären zu erschaffen, so dass der Leser sich sofort gefangen fühlt.
Die Charaktere sind zwar sehr einfach, aber auch sehr unterschiedlich gestaltet. Ash gibt jedem von ihnen genügend Raum sich zu entfalten, Entwicklungen durchzumachen und Gefühle zu entwickeln.
Sie schreibt also aus einigen verschiedenen Perspektiven, baut Spannung auf und manchmal muss der Leser sich gedulden.
So gut sie das an den meisten Stellen auch meistert, einige Kapitel (vorallem die Kapitel aus der Sicht von Gavrils Mutter) ließen mich schier verzweifeln. Hier entwickeln sich Längen und ich als Leser musste dann und wann ein echtes Gähnen unterdrücken oder hatte den Drang das Buch frustriert an die Wand zu schmeißen, weil ich endlich wissen wollte, wie es an anderen Stellen weiter geht.
Dennoch hinterlässt das Buch bei mir einen sehr positiven Nachhall. Magie und Alltägliches, vergangene Geschichten, Legenden und Sitten werden gekonnt vermischt und zusammen geknüpft. Ohne dass es gestellt wirkt, oder unglaubwürdig. Viel mehr macht es ganz furchtbar neugierig auf mehr Geheimnisse, die gelüftet werden, auch mehr Informationen zu bestimmten Beweggründen und Verhaltensweisen der Charaktere.
Nur an sehr wenigen Stellen gab es kleinere Logikfehler, die aber, wenn man das Buch als ein Gesamtes betrachtet, nicht ins Gewicht fallen.
Ash schont den Leser nicht. Zeigt schon deutlich auf, wer böse und wer gut ist, ohne allzu sehr in Klishees zu verfallen, oder die Charaktere zu einseitig darzustellen. Gewalt wird nicht besonders krass dargestellt, also auch ein Buch für schwächere Nerven, aber sie schont ihre Charaktere nicht. Für Fans von "schwachen" nicht perfekten Charaktern, sicher ein lohnenswertes Buch. Aber natürlich auch für alle anderen.
Letztendlich ein schönes unterhaltsames, manchmal auch emotionales Buch, mit interessanten Entwicklungen.
Ich werde mir auch den Folgeband besorgen und möchte das Buch allen empfehlen, die gute Fantasy mögen.
4,5 Sterne
Volständige Trilogie:
"Eis und Schatten"
"Der Eisenturm" (soll im November erscheinen)
"Children of the serpent gate" (noch nicht übersetzt, so weit ich weiß)
So.
Da ich dazu praktisch "gedrängt" wurde, hier auch mal meine Erfahrungen mit dem Buch kund zu tun, werde ich das nun machen. :)
Von Beginn an hatte das Buch für mich eine gewissen Faszination. Schon zu Beginn merkte man, dass die Autorin wusste, wie sie zu schreiben hatte, um dem Leser Bilder vor Augen zu führen. Sie weiß, wie man schreibt, wie Feuerfluegel so schön sagte: "Sie malt Bilder mit ihren Worten, die auch einfache Dinge besonders aussehen lassen. Sie schafft es mit wenigen Beschreibungen verschiedene Athmosphären zu erschaffen, so dass der Leser sich sofort gefangen fühlt."
Und da bin ich ganz ihrer Meinung.
Am Anfang war es nicht ganz so einfach reinzukommen, ich war schon etwas verwirrt der vielen Namen und Orte wegen, allerdings hat sich das nach den ersten 10-20 Seiten schon gelegt.
Was ich sehr schön an diesem Buch finde und was auch die Leserunde so geprägt hat und auch den Spaß ermöglicht hat ist glaube ich, dass das Buch sehr viele Spekutaltionsgründe herzugeben hat. Ständig wird man durch irgendwelche Hinweise in eine Richtung gelenkt, man spekuliert und es passieren doch Dinge, die man nicht ahnen konnte. Einiges hat z.B. Feuerfluegel richtig erfasst, wo ich sehr überrascht war, dass es dazu gekommen ist. :p
Die Charaktere sind vielfältig. Es gibt sowohl welche, die könnte man am liebsten mit den Händen erwürgen und welche, die man einfach lieben muss!
Kiu und Gavril wachsen einem schnell ans Herz, Lilias ist da so ne ganz andere Sache für sich. :p
Was die Autorin wirklich sehr gut darstellt ist der innere Konflikt von Gavril. Seine Veränderungen durch Körper und Geist, die er durchmacht, kann man als Leser sehr gut nachempfinden und nachvollziehen.
Doch gab es auch einige Stellen im Buch, die sich gezogen haben, etwa die Kapitel mit Elisia. Die waren nicht langweilig, aber man wollte eben unbedingt wissen, wie es bei Gavril und Kiu weitergeht. Doch meiner Meinung nach waren auch diese Kapitel nötig, um der Geschichte Fülle zu geben. Und es muss ja auch noch von andere Seiten gearbeitet werden und berichtet werden. Nur den Charakter Elisias hätte man wirkich.. nunja, etwas anders machen können. Zumindest checkt sie das am Ende, und auch dort findet also eine Entwicklung statt.
Auch das Ende war ein schönes, es wurden Fragen eingeworfen, die man sich nun stellt, Vermutungen sind reichlich zugelassen. Spannung auf den nächsten Band ist zur Genüge vorhanden, aber es war dennoch in sich abgeschlossen.
Selten habe ich, um noch mal auf den Schreibstil zurückzukommen, ein Buch gelesen, welches so schön beschrieben wurde.
Insgesamt hat mir das Buch wirklich gut gefallen und die Leserunde und dessen aktive Teilnehmer haben diesen Eindruck nur noch mehr bekräftigt.
Daher sehe ich von einigen "Charakterschwächen" der Charaktere ab und gebe dem Buch dennoch seine 5 Sterne, auch wenn Lilias wirklich ne blöde Kuh und Elisia ne Nörglerin ist! :p
Dragonologist
16.02.2010, 06:39
Nachdem es hier um die Tränen von Artamon, also das gesamte Werk geht, gebe ich mal meine Meinung zur deutschen Übersetzung des zweiten Bandes ab, die ich gestern zu lesen angefangen habe. Vorrangig, um Deutschsprachige davon abzuhalten, darauf hereinzufallen.
Die Story klingt sehr vielversprechend, deswegen habe ich das Buch ja auch gekauft. Allerdings findet sich bereits auf den ersten Seiten ein Rechtschreibfehler ("Meine Name ist..."), der auch ein Akzent sein könnte, wenn nicht der Rest der Dinge, die die betreffende Person äußert, fehlerfrei geschrieben wäre.
Im Verlauf der nächsten Seiten bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Übersetzerin der deutschen Sprache einfach nicht mächtig ist. Ständig wiederholt sie Worte, wo treffende Synonyme besser passen würden - wenn das allerdings der eins zu eins übersetzte Stil von Sarah Ash ist, kann die werte Dame nichts dafür und die Autorin ist schuld. Dennoch, man sollte ein Buch doch auch übersetzt noch mal ansehen und auf Fehler prüfen lassen.
Das größte Problem, das die Übersetzerin mit dem Deutschen hat, ist der Konjunktiv (also ein "würde", "wäre" etc. -satz). Habt ihr schon einmal einen Konjunktiv-Zeitsprung gesehen? Also einen von Imperfektsätzen umgebenen Konjunktivsatz, der sich auf die Zukunft des Präsens bezieht statt auf die Zukunft des Imperfekts? Ich auch nicht. Bis gestern in "Der Eisenturm".
Eine interessante Wortschöpfung, die an SuperGAU erinnert, ist "dunkeltiefes Violett"...es ist in Ordnung für mich, wenn solche Ausrutscher gekonnt eingesetzt werden, denn dann sind sie einfach ein Stilmittel. Hier hingegen sehe ich nur eine sprachliche Tollpatschigkeit neben vielen anderen.
Heute gehe ich zu der Buchhandlung zurück und bitte darum, das Buch zurückgeben zu dürfen. Mit so einem Deutsch will ich mich nicht abplagen. Vielleicht werde ich ins englische Original hineinlesen; die Story an sich würde mir gefallen.
Feuerfluegel
25.05.2010, 20:46
Im Gegensatz zum ersten Teil der Trilogie ist „Der Eisenturm“ wirklich schlecht.
Die Hauptfiguren des ersten Teils tauchen erst sehr spät und dann nur sehr spärlich auf. Sie wirken künstlich, die Dialoge sind hölzern und die Gefühle und Gedanken der Charaktere wirken unglaubwürdig.
Ash nimmt sich nicht die Zeit Szenen, Personen und Geschehnisse in einem angemessenen Maß zu reflektieren. Zunächst verrennt sie sich in politischen Machenschaften, beschreibt staatliche Gespräche in aller Länge und Ausführlichkeit, nur um dann bei den Folgen, die daraus resultieren, zu sparen.
Szenen und Ideen werden einfach nicht befriedigend zu Ende gebracht. Oft erscheinen ganz plötzlich neue Figuren, die vorher nie aufgetaucht sind, bleiben drei Seiten, scheinen wichtig zu werden, nur um kurz darauf nie wieder erwähnt zu werden.
Somit fehlt dem Leser eine Person, mit der er mitfiebern kann oder mit der er sich identifizieren kann. Durch die zu häufigen und zu schnellen Perspektivwechsel gerät das Buch ins Belanglose.
Dinge, die Spannung versprechen, werden nur in kurzen Sätzen abgehandelt, dafür werden aber unwichtige Gespräche in die Längte gezogen.
Das Mystische aus dem ersten Band wird gezwungenermaßen immer und immer wieder aufgekocht. Die Überraschungsmomente, die leider keine sind, verlieren ihren Charmé und der Leser damit das Interesse.
Die fast 800 Seiten zogen sich wie Kaugummi und schon nach einem Drittel des Buches hat es mich nicht mehr interessiert, wie es weiter gehen wird.
Der Schreibstil ist nach wie vor sehr poetisch und hier erkennt man die Bemühungen der Autorin. Doch während im ersten Teil Sprachstil und Inhalt sehr gut aufeinander abgestimmt gewesen sind, wirkt der sehr blumige Stil im zweiten Teil doch arg deplaziert.
Es bleibt fraglich, ob ich den dritten Teil überhaupt noch lesen möchte.
1 von 5 Punkten
Cover: Ähnelt doch sehr dem Cover vom ersten Teil. Es ist schön und ansprechend gestaltet, verspricht jedoch mehr Mystisches, als das Buch zu geben bereit ist.
Preis/Leistung: 9,99 ist für ein Taschenbuch so gut wie normal. Aber bei dieser Leistung deutlich zu viel.
Die Idee der Geschichte wäre eigentlich gut. Jedoch ist die Umsetzung etwas fade herausgekommen. Es kommt nie wirklich Schwung in das Geschehen, wodurch der Lesefluss manchmal etwas ins stocken gerät. Es gibt immer wieder unnötige Längen in der Handlung. Besonders, die Kapitel in denen Elisias Zeit in Mirom und Tielen beschrieben wird.
Jedoch ist Elisia, neben Kiukiu, der einzige wirklich sympathische Charakter.
Gavril wirkt manchmal etwas zu passiv. Dafür, dass er der Herrscher über Azhkendir ist, lässt er sich von seinen Wächtern, der Druschina, zu viel gefallen.
Die Veränderung von Gavril zum Drakhaoul hätte man viel mehr ausarbeiten können. Der Kampf gegen dieses Wesen in ihm, kommt viel zu kurz und wäre eigentlich sehr spannend gewesen.
Auch Kiukius Fähigkeit als Gusliar hätte noch mehr ausgebaut werden können. Jedoch wurde dies auf ein paar wenige Szenen beschränkt, was eigentlich sehr schade ist.
Gut gemacht waren die Intrigen in der Geschichte. Wie Elisia von Graf Velemir hintergangen wird und Gavril von Lilias wurde sehr spannend umgesetzt.
Ebenso gelungen ist die Beziehung zwischen Gavril und Jaromir. Dass die beiden eigentlich Todfeinde hätten sein sollen, aufgrund der Handlungen ihrer Väter, aber dennoch zu Freunden wurden ist sehr schön. Es hat gezeigt, dass die Fehler und Rachegelüste der Vorgeneration nicht immer weitergeführt werden müssen. Denn diese beiden Jungen können nichts dafür, was geschehen ist, und sollten die Fehde, welche ihre Väter begonnen haben unschuldig weiterführen. Dass die beiden das nicht gemacht haben ist wirklich eine schöne Umsetzung.
Was an der deutschen Fassung am meisten stört, ist die sehr schlechte Übersetzung. Immer wieder stösst man auf Grammatikfehler und etwas schwerverständliche Wortschöpfungen.
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