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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bernd Rümmelein - Kryson 01: Die Schlacht am Rayhin


Bakira
07.12.2009, 23:43
Ein paar Worte zu Kryson - Die Schlacht am Rayhin.
Warin hat mich gebeten, etwas dazu zu schreiben, weil es eine Leserunde mit dem Autor geben soll. Bitte *fleh*.
Hier kommt meine subjektive Meinung zum Buch.

Kryson gehört für mich eindeutig zu epischer High Fantasy. Tolkiensche Wesen und Völker sucht man allerdings vergebens. Es gibt ganz andere Völker und eigene Geschöpfe zu bestaunen.
Der Autor pflegt einen komplexen und wortreichen Stil, an den ich mich anfangs gewöhnen musste. Die gewählte Sprache ist aber sehr schön und liest sich flüssig. Irgendwie eigenartig. Sie folgt einem bestimmten Sprachrhythmus, der wie für lautes Vorlesen gemacht ist. Ausprobieren. Das ist wirklich interessant.

Im Auftaktband der Reihe, der mit einem Literaturpreis ausgezeichnet wurde, geht es um einen Krieg. Das Volk der Rachuren will die Klan versklaven oder vernichten. Das Heer der Klan sammelt sich zu einer letzten Schlacht am Ufer eines Flusses (titelgebend). Ein Magier versucht das Blutvergießen zu verhindern, weil er das Erwachen einer dunklen Macht befürchtet.

Der Autor führt ausführlich in die Welt von Kryson ein. Das wirkt bis ins Kleinste detailbesessen. Es gibt doch Einiges selbst über kleineres Getier zu erfahren. Auch wenn es anfangs viel erscheint.
Das fand ich richtig gut, weil es mir den Einstieg vor allen Dingen für die Folgebände erleichtert hat und die Weiterentwicklung der Geschichte und Charaktere verständlich und nachvollziehbar macht. Die Charaktere sind sehr interessant. Anfangs dachte ich, es wären bloß langweilige Stereotypen mit tollen Fähigkeiten. Aber das ändert sich zum Glück schnell und ist meiner Meinung nach auch überhaupt nicht wichtig. Ich hatte den Eindruck, dass es dem Autor auf die Bilder ankam. Überwiegend handelt es sich bei den Charakteren um Antihelden, die für sich alleine agieren. Ihre eigenen Ziele verfolgen. Da es sehr viele sind, ist es schwer, sie alle gleich kennenzulernen und sich für einen zu entscheiden. Man sollte das Buch daher aufmerksam lesen, damit man den Faden nicht verliert (Tipp: immer auf Sapius achten).

Das Buch wirkt sehr hart und düster. Aber auch gewaltig (wozu die Sprache beiträgt). Es handelt von Krieg, Leid und Verzweiflung. Die Krieg wird in drastischen Bildern dargestellt. Ungeschönt und sehr intensiv. Helden wie Gegner wirken zuweilen entmenschlicht und lassen sich zu schrecklichen Greueltaten hinreissen. Das wirkt abstoßend und erschreckend. Die Gewalt verkommt aber nicht zum Selbstzweck in diesem Buch. Sie gehört zur Geschichte. Das ist gut, Die Schlacht selbst wird als Höhepunkt aus mehreren, unterschiedlichen Perspektiven chronologisch geschildert. Auch das ist gewöhnungsbedürftig, wirkt aber wegen der bildhaften Sprache wie in einem Film. Nach der Schlacht gibt es dann noch die Nachwirkungen zu erleben, die ich fast schlimmer fand, als die Schlacht selbst. Auch das ist schwere Kost und emotional bewegend.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kryson ein intensives Leseerlebnis für mich war. Kein schönes und auch kein leichtes Buch. Dafür aber ein spannendes und bewegendes Buch. *depri* Wer mal was anderes und schwere Kost mag. Unbedingt Lesen *thumbsup*.

Waechter
10.12.2009, 20:04
Sonderlich komplex ist das Ganze nicht, eher anstrengend. Die Schlacht ist ein Witz, bei dem der Held sich durch die gegnerischen Reihen metzelt, dann aber von den Feinden vergessen wird, ehe er sich erholt hat und sich in das entscheidende Duell mit dem stereotypen Bösen begibt. In der Zwischenzeit greifen die übrigen Truppen durch einen Fluss an und erleiden dabei - total überraschend - große Verluste.
Auf mich wirkt das Buch als gewollt aber nicht gekonnt.

Gar
10.12.2009, 21:51
Also ich finde das Buch und auch speziell die Schlacht sehr gelungen. Und es hat ja schon einen Grund warum die Gegner nicht nach ihm schauen.

Bakira
10.12.2009, 23:43
@waechter X.X
Also ich fand die Schlacht auch sehr spannend und ideenreich mit ihren unterschiedlichen Phasen. Sie auf ein simples Gemetzel zu reduzieren, wird dem Buch nicht gerecht. Alleine die Idee mit den Todsängern zur Unterstützung war unheimlich und trug zur dichten Atmosphäre bei. Auch die in der Dämmerung spielenden Szenen und die zu spät eintreffenden Eiskrieger. Ich habe selten eine Schlacht in dieser Ausführlichkeit und Wucht gelesen.
Zum Bösewicht kann man stehen wie man will, der ist zwar schrecklich, aber in meinen Augen alles andere als stereotyp.
Beim Helden war während seines Kampfes spezielle Magie im Spiel, die ihn zeitweise überlegen aber auch ausgezehrt hat. Und er war durchaus verwundbar.
Außerdem fand ich die Momente, in denen er aufgrund einer Schwäche nicht mehr eingreifen konnte und zusehen musste, wie viele seiner Freunde in Bedrängnis gerieten und währenddessen in der Schlacht fielen, sehr bewegend dargestellt.
Aber das ist ja alles Geschmackssache.

Waechter
11.12.2009, 08:07
Also ich finde das Buch und auch speziell die Schlacht sehr gelungen. Und es hat ja schon einen Grund warum die Gegner nicht nach ihm schauen.

Aber ist dieser Grund überzeugend?

Gar
11.12.2009, 09:03
Aber ist dieser Grund überzeugend?

Ja meiner Meinung nach schon.*ja*

Nephariah
01.01.2010, 13:02
Ich hab vor ein pa Tagen angefangen zu lesen, und war erstmal ein wenig überfordert,ich hab sofort gemerkt,dass ich dieses Buch aufmerksamer lesen muss, als andere, um nicht den Überblick zuverlieren. Deswegen habe ich es erst nochmal bei Seite gelegt...
Aber jetzt wo ich von der anscheinend gut umgesetzten Schlacht höre, werde ich es mir bald ( nach "Gefährten des Zwielichts", "Tag der Messer", und dann vielleicht noch "Symbol"-habs im Regal stehn,weiß aber noch nicht, ob es mich reizt) nochmal vornehmen, ich bin mal sehr gespannt =)

Gar
01.01.2010, 20:53
Ich hab vor ein pa Tagen angefangen zu lesen, und war erstmal ein wenig überfordert,ich hab sofort gemerkt,dass ich dieses Buch aufmerksamer lesen muss, als andere, um nicht den Überblick zuverlieren. Deswegen habe ich es erst nochmal bei Seite gelegt...
Aber jetzt wo ich von der anscheinend gut umgesetzten Schlacht höre, werde ich es mir bald ( nach "Gefährten des Zwielichts", "Tag der Messer", und dann vielleicht noch "Symbol"-habs im Regal stehn,weiß aber noch nicht, ob es mich reizt) nochmal vornehmen, ich bin mal sehr gespannt =)

Falls du Lust hast kannst ja auch bei der nächstes Wochenende beginnenden Leserunde mit Bernd Rümmelein hier im Forum mit machen.:)

Nephariah
01.01.2010, 21:08
Ohja, gerne=)
Gib es hier irgendwo einen Thread in dem ich mich informieren kann?
Hab nämlich noch nie bei so einer Leserunde mitgemacht,wäre also meine Erste, weiß also nochganicht genau,wie das läuft usw*nein*

Gar
01.01.2010, 21:16
Ja den gibts: http://www.fantasy-forum.net/showthread.php?t=3371&highlight=Kryson

Nazurka
18.01.2010, 14:37
Da ich ja nun den ersten Teil von Kryson ebenfalls beendet habe, dazu aber schon eine komplette Rezension geschrieben habe, werde ich nur einen kurzen allgemeinen Fazitpost abgeben:

Im Grunde hat mir das Buch wirklich gefallen. Die Rückblenden und vielen Informationen zu Beginn haben mir den Einstieg zwar schwer gemacht, doch das lässt immer weiter nach und man kommt sehr gut ins Buch rein. Plötzliche Wendungen und die Eröffnung neuer Handlungsmöglichkeiten machen das Buch noch spannender und reizvoller, sodass ich es zum Ende hin gar nicht mehr wehgelegen konnte. Die Schlachtbeschreibung war einfach nur wow. Keine Verschönungen oder gar verweichlichte Szenen. Krieg macht keinen Spaß, das hat man deutlich zu spüren bekommen.

Im Grunde hat mir aber doch das gewisse Etwas gefehlt, weshalb der erste Teil von mir erst 4 Sterne bekommt und ich bin zuversichtlich, dass die Folgebände des ersten Bandes diesen bestimmt übertreffen werden.

Ich würde das Buch jedem empfehlen. *ja*

Warin
23.01.2010, 18:57
Hier meine Rezi:

Das barbarische Volk der Rachuren überzieht den Kontinent Ell mit Terror und Schrecken. Das Menschengeschlecht der Nno-bei-Klan ruft in größter Not den Orden der Bewahrer zur Hilfe. Ein Verteidigungsheer formiert sich. Nur der Magier Sapius weiß, dass diese Schlacht erst das wahre Böse heraufbeschwören wird ...

Dass ein Hohlbein-Preis nicht unbedingt für Qualität bürgen muss, weiß ich spätestens seit Drachentotem (http://www.fantasy-forum.org/showthread.php?t=3328). Da obendrein High Fantasy nicht unbedingt mein Ding ist, habe ich mich Kryson sehr vorsichtig genähert. Und zu meiner Überraschung hat es mir wirklich gut gefallen.

Sehr schnell habe ich mich in die Welt von Kryson eingefunden und konnte gar nicht mehr aufhören, weiterzulesen. Bin ich zu Beginn noch über einige Schachtelsätze gestolpert, habe ich diese im weiteren Verlauf gar nicht mehr wahrgenommen oder sie waren nicht mehr vorhanden. Band 1 macht den Leser mit den wichtigsten Charakteren und der Welt von Kryson bekannt und gipfelt in der Schlacht am Rayhin. Sicherlich hätte Bernd Rümmelein ein größeres Publikum ansprechen können, wenn die ein oder andere Übertreibung in der Schlacht ein wenig moderater ausgefallen wäre. Aber so hat er die Geschichte über 25 Jahre entwickelt und so hat er sie niedergeschrieben, ohne sich für die Veröffentlichung verbiegen zu lassen. Auch das verdient Respekt. Immer wieder gelingt es Kryson, neben einer grundsoliden High-Fantasy Geschichte die klischeebehafteten Wege zu verlassen und zu überraschen, sei es nun durch den überraschenden Tod von Hauptcharakteren, heißen Liebesszenen oder perversen Gelüsten. Die Bezeichnung "Fantasy für Erwachsene" trägt das Werk auf jeden Fall zu Recht.

Die Handlung des ersten Bandes ist abgeschlossen (kein Cliffhanger, wofür es einen weiteren Pluspunkt gibt) und dennoch will ich unbedingt wissen, wie es weiter geht, so dass die Folgebände sichere Plätze auf meiner Buchwunschliste haben. Endlich mal High Fantasy aus Deutschland, die mit den großen Epen, wie Rad der Zeit oder Schwert der Wahrheit, mithalten kann.

Plusquamperfekt
24.01.2010, 16:22
Meine Meinung zu Kryson 01 - Die Schlacht am Rayhin:

Ich war bei der Leserunde mit Autor im Fantasy-Forum.net dabei, konnte daher auch Informationen aus erster Hand bekommen, ein Faktor, der dem Verständnis des Buches nur zu Gute kam.

Den vor allem am Anfang war es noch schwer das Buch zu lesen. Der Stil ist komplex, im Prolog und den Kapiteln danach irritieren die Schachtelsätze ein wenig, doch entweder gewöhnt man sich daran oder sie lassen im Laufe der Geschichte nach, jedenfalls fallen sie am Ende nicht mehr auf.
Auch ist es wahrscheinlich für jüngere Leser am Anfang nicht so leicht, der Geschichte zu folgen. In den ersten paar kapitel wirken die Rückblicke, die in dem Buch sehr häufig auftreten, noch ein bisschen von der Handlung isoliert und fehl am Platz. Man muss aufpassen, das man keine Details verliert oder überliest, denn fast alles was in diesen Rückblicken gesagt wird, ist später von Bedeutung.

Nachdem man sich aber in die Geschichte eingefunden hat, wird diese immer spannender, viele liebenswerte (oder hassbare) Charaktere werden vorgestellt, die nur selten ins Klischee fallen. Das Warten auf die Schlacht wird sehr dramatisch dargestellt, es gibt immer wieder überraschende Wendungen und der Stil ist jetzt auch vollkomen in Ordnung.
Eins der spannensten Kapitel, die ich jemals gelesen habe, fand ich in diesem Buch ("Kampf ums Überleben" Wahnsinn!)
Auch das Weltbild ist unglaublich tief, die Magievorstellung sehr interessant und die Geschichte, die Bernd Rümmelein, der Autor, selbst als Basis bezeichnet, kann der Grundstein für eine Welt sein die sich vor den großen amerikanschen High-Fantasyepen nicht verstecken muss.

Die Schlacht auf die ja das ganze Buch hinausläuft, ist eigentlich auch recht schön erzählt. Einzig Negativ möchte ich anmerken, dass sich der "Hauptheld" fast im Alleingang durch die gegnerischen Reihen metzelt. Hat mich ein bisschengestört, mir hätte es besser gefallen, wenn er verloren hätte, hätte die Situation noch reeler gemacht.
Sonst finde ich die Schlacht aber sehr schön, sie hat ein Feeling, welches einen einfach durch den Rest des Buches trägt. Als die Eiskrieger dann kamen, war das alles so dramatisch, dass es das Buch noch ein Niveau höher geschraubt hat.

Alles in allem gebe ich dem Buch mit ein wenig Abstand, immer noch 5 von 5 Sternen dafür hat das Buch mich genug beeindruckt und zuviel Vorfreude auf den nächsten Band hinterlassen, den ich ebenfalls als Leserunde auf jeden Fall lesen werde.

Verräter
31.01.2010, 10:48
Kryson - Die Schlacht am Rayhin

Das Volk der Rachuren terrorisiert schon seit einiger Zeit weite Teile der Klanlande und dringt auf seinem Eroberungsfeldzug immer weiter in die eigenen Gebiete ein.
Endlich haben die sonst im Streit liegenden Reiche der Klan zusammengefunden und stellen sich gemeinsam gegen die Invasoren. Den Anführer des Verteidigungsheeres soll dabei Madhrab sein, Mitglied des Ordens der Bewahrer, die sich seit Jahrtausenden für Recht und Ordnung einsetzen und vor allem durch absolute Neutralität einstehen.
Während der Vorbereitungen für die Schlacht am Rayhin macht sich der Magier Sapius auf den Weg Madhrab zu warnen. Die Schlacht darf nicht stattfinden, denn die Rachuren sind bei weitem nicht das größte Übel, dass den Klan gegenübersteht.

Kryson hat den Hohlbein Preis verdient, das will ich nicht leugnen.
Die Erzählweise hat mir sehr gut gefallen. Interessant fand ich hier, dass die gesamte Handlung des Buchs nur etwa 3 Tage umfasst. Die letzten Tage der Vorbereitungen und schließlich die Schlacht selbst. Anstatt ganz langsam vor sich hinplätschernd einzusteigen, wie es viele Autoren tun, wirft Bernd Rümmelein den Leser direkt "in die Action". Das wahre Ausmaß dessen, was man vor sich sieht versteht der Leser nur sehr langsam und meist mithilfe von Rückblenden oder Erzählungen.
Der Autor weiß zu interessieren und dem Leser Rätsel aufzugeben, dabei aber glücklicherweise immer in sich logisch zu bleiben. Die Geschichte ist komplex und interessant.
Dabei hat mir das innovative "Magiesystem" in Kryson besonders gefallen, was sehr Eng mit der Geschichte der hier erschaffenen Welt verknüpft ist.

Der Magier Sapius ist eine durchaus interessante Gestalt. Trotz seiner (durchaus gerechtfertigten) Abneigung gegenüber den Klan hilft er ihnen doch mehrfach, wobei seine genauen Beweggründe nicht immer offen liegen. Durch seine Magiekunst besitzt er große Macht, die jedoch auch immer einen großen Preis fordert, will er sie einsetzen. Er ist ein großer Zweifler, betrachtet das Geschehen immer so ausführlich wie möglich bevor er Entscheidungen trifft und ist dennoch nicht vor Fehlern gefeit.
Im Roman wird immer wieder von Gleichgewicht gesprochen: Sapius ist definitiv ein gut ausbalancierter Charakter!

Das jedoch kann ich leider nicht von allen Charakteren sagen, neben ihm spielt nämlich zu meinem persönlichen Leid noch Madhrab die größte Rolle im Buch. Ich glaube gern, dass es Menschen gibt die sich mit diesem gottgleichen Strahlemann anfreunden können, - ich gehöre nicht dazu.
Madhrab ist perfekt und damit (für mich persönlich) uninteressant. Er ist der beste Bewahrer seit es die Bewahrer gibt, seine extra für ihn geschmiedete Klinge tönt triumphierend mit jedem Schnitt, alle Lieben ihn und er liebt alle zurück, selbst schwer (bis extrem schwer) Verletzt kämpft er immer noch besser als alle anderen, die erste Frau die ihm während des Buchs tief in die Augen blickt verliebt sich sofort und unwiderruflich bis in alle Ewigkeit in ihn und natürlich besitzt auch er einen tollpatschigen Sidekick, dem er immer wieder auf die Beine helfen muss. (Ohne das ist einfach kein Held komplett)

Sein Gegenspieler Grimmgour ist genau das selbe, nur eben böse: Er vergewaltigt Frauen zu seinem Vergnügen und schmückt sich mit deren Haaren, erweist sich in allen Gesprächen als grobschlächtig, übertrieben Stolz und dumm. (Und das dürfte es auch schon gewesen sein...)
Nalkaar, der Todsänger ist weitaus interessanter trägt aber leider keine größere Bedeutung.

Die ständige Wiederholung wie wunderbar und grandios Madhrab ist, haben mir persönlich gerade im letzten dritten des Romans jegliche Lust am lesen verdorben und in mir den Entschluss gefestigt die nachfolgenden Bände nicht zu lesen.
Wer allerdings mit Superhelden in der Fantasy kein Problem hat, dem kann ich das Buch absolut empfehlen.

Von mir 2*, einen für Sapius und einen für die interessante Welt- und Magiegestaltung. Zwei Miese für Madhrab und einen für Elischas Wandlung, die am Ende genauso langweilig war wie Madhrab.
Und die letzte, große Schlacht ist vermutlich die langweiligste von der ich in meinem Leben gelesen habe. Hier kann ich mich "Waechter" voll und ganz in seinen Ausführungen anschließen.

Harlekin
23.03.2010, 14:40
Ich muss zugeben, dass ich mit dem Buch nicht so besonders viel anfangen konnte. Eigentlich hatte ich mir mehr erhofft, schon allein wegen des tollen Covers und der Auszeichnung. Irgendwie hatte ich während des Lesens das Gefühl, dass der Autor zwar viele gute Ideen hatte, aber es nicht geschafft hat, selbige in einen vernünftigen Zusammenhang zu bringen. Das fängt schon bei der Karte an, die so einfach aufgebaut ist, dass es schon fast lächerlich wirkt. Der Kontinent ist im Grunde genommen nur ein deformiertes Oval, in dem wahllos ein paar Wälder, Gebirge und Wüsten verteilt wurden.

Vom angeblich so komplexen Schreibstil habe ich auch nicht viel mitbekommen. Mir kamen die Dialoge eher ziemlich hölzern und konstruiert vor. Dann konnte ich mich nicht mit dem auktorialen Erzähler anfreunden. Man weiß zu jeder Zeit ganz genau, was die einzelnen Personen denken und fühlen, undurchsichtige Charaktere gibt es nicht. Und wenn die Erzählperspektive innerhalb eines Kapitels dauernd zwischen verschiedenen Personen wechselt, nervt das irgendwann nur noch. Hier wäre vielleicht eine deutlichere Abgrenzung besser gewesen. Bartimäus hatte ja auch nicht umsonst diese praktischen Kapitelüberschriften - da wusste man immer, aus wessen Perspektive das Kapitel geschrieben wurde.

Am meisten hat mich aber immer noch das Schwarz-Weiß-Schema gestört. Man erkennt die Bösen in erster Linie an ihrem ungepflegten Aussehen, mangelnder Körperhygiene, Vulgärsprache und übertriebener Grausamkeit, die sich in Kannibalismus, Folter und vollkommen unnötiger Leichenschändung äußert. Grimmgour treibt das Ganze auf die Spitze. Ich habe ihn nie als wirkliche Bedrohung empfunden, dafür war er mir einfach viel zu eindimensional und stereotyp. Was einen Antagonisten interessant macht, ist sein Charisma, nicht sein krankhafter Drang, Frauen zu vergewaltigen. Von mir aus hätte Nalkaar den ganzen Laden auch allein schmeißen können, aber seine Auftritte waren ohnehin viel zu spärlich gesät.

Über Madhrab möchte ich mich hier erst gar nicht auslassen. Nur so viel: Wenn eine Figur keine Schwächen hat, ist sie nicht menschlich. Wenn sie nicht menschlich ist, kann man sich auch nicht mit ihr identifizieren. Und wenn dies mehr oder weniger auf nahezu alle Charaktere des Buches zutrifft, dann ist das LANGWEILIG.

Und was die titelgebende Schlacht angeht: Jeder beliebige Höhlentroll hat mehr Strategie als der Bewahrerorden. Mir ist klar, dass es in der Hitze des Gefechts keine wirkliche Ordnung mehr gibt, aber eine Offensive sollte wenigstens einen vernünftigen Plan haben und sich nicht nur darauf beschränken, ohne Sinn und Verstand alles niederzumetzeln, was einem vor die Klinge kommt.

Insgesamt also eine ziemliche Enttäuschung.

JamesCrest
07.04.2010, 19:58
Also ich muss dem leider wiedersprechen.

Der Anfang des Buches ist für mich eher ein kleines Hindernis gewesen, doch es passte irgendwie, da auch das Ende in Eisbergen war. Aber letztendlich wurde doch ein wenig zuviel über das Polieren von Eis geschrieben =)

Aber danach fesselte mich dass Buch, und ich konnte nicht mehr davon ablassen. Ich fand die Charakterwechsel ganz und gar nicht unangenehm, ich eiferte ihnen sogar entgegen und brennte nur auf den Ausgang des Buches.

Okey, dass der Bewahrerorden nicht so viel Strategie besitzt... naja, aber dafür merzen die anderen Teile dies wieder aus, zum Beispiel die Szenen zwischen Sapius und Elischa, oder auch als Sapius den unbekannten Wanderer trifft.

Auch mit Madhrab's Charakter freundete ich mich schnell an, er schien mir von Anfang an Symphatisch, taktisch und klug. Ich verglich ihn sogar dass ein oder andere mal mit Brom aus Eragon oder mit Dumbledore aus Harry Potter.

Fazit:
Das Buch ist (für mich) auf jeden Fall lesenswert, auch wenn die Szene im Eispalast eher hinderlich ist.

Harlekin
08.04.2010, 11:25
Der Anfang des Buches ist für mich eher ein kleines Hindernis gewesen, doch es passte irgendwie, da auch das Ende in Eisbergen war. Aber letztendlich wurde doch ein wenig zuviel über das Polieren von Eis geschrieben =)

Mit dem Polieren des Fußbodens hatte ich keine Probleme, auch wenn die Szene dazu beigetragen hat, dass ich Warrhard den Rest des Buches über für einen rücksichtslosen Rüpel gehalten habe.

Ich finde eher, dass die Pantoffeln nicht so wirklich in die ganze Szenerie gepasst haben. Wie soll man den mächtigen Fürsten von Eisbergen denn ernstnehmen, wenn er mit Blümchenmotiven bestickte Hausschuhe trägt? Die sind doch gerade in der erhabenen Atmosphäre des Eispalastes völlig fehl am Platz.

Ganz ehrlich, die hätte ich auch nicht angezogen ;)

Allanon
08.04.2010, 12:12
Mit dem Polieren des Fußbodens hatte ich keine Probleme, auch wenn die Szene dazu beigetragen hat, dass ich Warrhard den Rest des Buches über für einen rücksichtslosen Rüpel gehalten habe.



Interessant, bei mir hat das genau das Gegenteil bewirkt. So gut er auch mit dem Fürstenhaus stand und sicherlich alles getan hätte um es zu schützen, zeigt es doch das er sich ein gewisses Maß ein Eigenständigkeit und auch Freiheit seines Volkes und Standes bewahrt hat.

liebe Grüße

Allanon

Nazurka
08.04.2010, 12:41
Interessant, bei mir hat das genau das Gegenteil bewirkt. So gut er auch mit dem Fürstenhaus stand und sicherlich alles getan hätte um es zu schützen, zeigt es doch das er sich ein gewisses Maß ein Eigenständigkeit und auch Freiheit seines Volkes und Standes bewahrt hat.

liebe Grüße

Allanon

Und bei mir ist es auch genau andersherum. Ich fand empfand ihn genauso wie Harlekin. Aber die Geschmäcker unterscheiden sich da.

Harlekin
08.04.2010, 13:01
Nun ja, er ist zweifelsohne ein freiheitsliebender Charakter und ich schätze seine Naturverbundenheit, aber das sollte ihn nicht dazu berechtigen, fremde Fußböden zu ruinieren. Nun stehe ich sozusagen in einem Gewissenskonflikt, da mir einerseits die hart arbeitenden Diener leidtun, ich auf der anderen Seite jedoch Warrhards Abneigung gegenüber diesen peinlichen Pantoffeln teile. Aber auch dieses Problem löst sich letztendlich (genauso wie alle anderen Probleme im Buch :rolleyes:) ganz von selbst.

JamesCrest
08.04.2010, 14:07
Ja, ich dachte dann auch dass Warrhard ein Rüpel ist.
Einerseits kann ich ihn verstehen, denn wie Harlekin schon sagte, passen blumenbestickte Pantoffeln sicherlich nicht in das Bild von Eisbergen.
Andererseits schufften diese Diener ja auch am Boden...
Naja, da bleibt es nur noch offen warum er nicht Schuhe ohne ?Haken? getragen hat...

Nazurka
08.04.2010, 14:21
Ja, ich dachte dann auch dass Warrhard ein Rüpel ist.
Einerseits kann ich ihn verstehen, denn wie Harlekin schon sagte, passen blumenbestickte Pantoffeln sicherlich nicht in das Bild von Eisbergen.
Andererseits schufften diese Diener ja auch am Boden...
Naja, da bleibt es nur noch offen warum er nicht Schuhe ohne ?Haken? getragen hat...

Waren die Hacken nicht irgendwie ein Zeichen der Eiskrieger oder so? Daran erinnere ich mich nur noch vage, aber ich behaupte mal, dass ich dazu irgendeine Erklärung gelesen hätte.

JamesCrest
08.04.2010, 18:50
Waren die Hacken nicht irgendwie ein Zeichen der Eiskrieger oder so? Daran erinnere ich mich nur noch vage, aber ich behaupte mal, dass ich dazu irgendeine Erklärung gelesen hätte.

Könnte sein, vl. lässt einfach mein Erinnerungssinn nach. Aber wenn sie die Hacken abgenommen hätten, wäre doch alles nicht so schlimm, und "robuste Stiefel" sind für mich doch ein klares ?Männerzeichen?, ich hoffe ihr wisst was ich meine.

Waechter
08.04.2010, 18:53
Eine glatte Sohle wäre jedenfalls nicht für einen Eisboden zu empfehlen ...*flöt*

Nazurka
08.04.2010, 19:16
Eine glatte Sohle wäre jedenfalls nicht für einen Eisboden zu empfehlen ...*flöt*

Aber glatte Pantoffeln? ;>

Allanon
08.04.2010, 19:44
Waren die Hacken nicht irgendwie ein Zeichen der Eiskrieger oder so? Daran erinnere ich mich nur noch vage, aber ich behaupte mal, dass ich dazu irgendeine Erklärung gelesen hätte.

Nein die Hacken waren nicht einfach nur ein Zeichen sie hatten Sinn und Zweck, es waren gekerpte Dorne, genannt Spaikis, die den Eiskriegern halt geben sollten. Mach ja auch Sinn sie leben draussen im Eis. Er zieht sie mitunter nicht aus, weil er der Anführer der Eiskrieger ist und die Pantoffeln weibisch findet.

liebe Grüße

Allanon

JamesCrest
08.04.2010, 19:51
Aber findet er auch Stiefel weibisch?
Es gibt doch auch solche mit einer etwas... wie soll ich sagen.. besserer Sohle, mit besserem Profil.
Und Waechter, wie Nazurka schon sagte, ich glaube, Stiefel mit einem guten Profil geben mehr Halt wie... Blümchenpantoffeln.
Auch wenn er der Anführer der Eiskrieger ist, könnte er diese Spaikis doch auch abnehmen, und wenn es nur eine ist, glaub ich kaum, dass diese im steilen Gelände viel Ausrichten kann. Was wären den Steigeisen, die nur eine Spitze haben?

Allanon
08.04.2010, 20:00
Ich glaube ich werde Bernd in der Leserunde fragen warum Warrhard so vehement die Stiefel anläßt. Für mich sind sie einfach ein Statussymbol, Macht, Stärke, Ungebundenheit usw. Wobei die Stiefel im Palast ja nicht das einzige sind die den Boden ruinieren, er trägt ja auch noch seine Peitsche, die nicht minder tiefe Spuren auf dem Boden hinterlässt. Für mich ist das Gesamtbild des Kriegers stimmig, auch wenn es eine vl. schlechte Seite von Warrhard darstellt, es soll auch gar nicht perfekt sein, kantig, eckig und ungeschliffen das passt schon irgendwie.

liebe Grüße

Allanon

Verräter
09.04.2010, 00:15
Was ich mich dabei Frage ist: Warum ist Warrhard interessant?

Im Prinzip stimme ich Allanon zu: Für mich sind sie einfach ein Statussymbol, Macht, Stärke, Ungebundenheit usw. [...]
Für mich ist das Gesamtbild des Kriegers stimmig, auch wenn es eine vl. schlechte Seite von Warrhard darstellt, es soll auch gar nicht perfekt sein, kantig, eckig und ungeschliffen das passt schon irgendwie.
Ebenso habe ich es empfunden. Aber Warrhard ist nur eine kleine Nebenfigur, warum also sich damit aufhalten?
Er kommt im Prolog vor, dann wird sein Name ein oder zweimal nebenher erwähnt und sobald er in Person wieder auftaucht segnet er auch schon das zeitliche ohne irgendetwas bewegendes getan zu haben.

Ich persönlich kann nicht ganz begreifen, was an Warrhard wichtig sein soll. (Ebenso fragte ich mich warum er in dem ein oder anderen Post während der Leserunde als "Hauptcharakter"(bzw. ähnliches) bezeichnet wurde)
Er ist ein rauher Krieger und dass er sich so einfach über den Befehl mit den Stiefeln nicht das Eis zu zerkratzen hinwegsetzen kann, zeigt hauptsächlich sein Verhältnis zum König und seine immens hohe Stellung in der Hierarchie. Außerdem ist er ein MANN und zieht deshalb keine Schuhe an, die ihm nicht MÄNNLICH genug erscheinen.

JamesCrest
09.04.2010, 13:41
Naja, wir halten uns hier wirklich nur mit einer Nebenfigur auf. Aber dass ist doch interessant, oder nicht?
Die Dinge sind wie sie sind, Warrhard hatte Stiefel mit Spaikis und eine Peitsche, und irgendwie bin ich gespannt was der Autor dazu sagt.

Harlekin
09.04.2010, 14:37
Naja, wir halten uns hier wirklich nur mit einer Nebenfigur auf. Aber dass ist doch interessant, oder nicht?

Faszinierend ist, wie hier eine Diskussion um das Für und Wider von Pantoffeln entsteht. Aber es sind ja oftmals die Details, die in der Lage sind, den Leser zu fesseln :D

Dass ihr euch so lange an Warrhard aufhaltet, spricht jedenfalls dafür, dass ihr im Gegensatz zu mir einen Bezug zu den Personen habt, den ich nicht herstellen konnte. Ich hatte beim Lesen ganz ähnliche Probleme wie Verräter, weil ich mich in keinen der Charaktere wirklich hineinversetzen konnte. Das war einer der Gründe, weshalb ich von Kryson so enttäuscht war.

Der Lordmaster selbst ist das wohl extremste Beispiel. James hat völlig recht mit seiner Behauptung, Madhrab wäre klug und taktisch, aber sympathisch war er mir nicht im Geringsten. Er wird einfach zu perfekt dargestellt: Er ist immer da, wenn man ihn braucht, hat noch nie einen Kampf verloren, er bewahrt selbst in höchster Gefahr einen kühlen Kopf, er ist bescheiden, kümmert sich liebevoll um seinen unfähigen Knappen, die Frauen sind ihm gnadenlos verfallen und zu allem Überfluss ist er auch noch von den Göttern gesegnet und hat sein tolles unzerstörbares Imba-Schwert. Dabei sind es gerade die Schwächen, die einen Protagonisten menschlich machen.

Ich bin der Ansicht, dass ein Charakter sich seine Sympathie verdienen muss. Wenn sie, wie bei Madhrab, schon vorgegeben ist und nahezu erzwungen wird, funktioniert, das einfach nicht. Und seine tolle Bullet-Time-Kampftechnik trägt auch nicht gerade dazu bei, ihn menschlicher wirken zu lassen.

An einer Stelle im Buch heißt es, dass Schwarz und Weiß nur in den Köpfen der ach so unwissenden Menschen existieren und dass es nur verschiedene Grautöne gibt. Warum gibt es dann zwei magische Brüder, von denen der blonde, hellhäutige für die "gute" Magie zuständig ist und der schwarzhaarige, dunkelhäutige für die "böse"?

Wo waren die grauen Charaktere bei der Schlacht am Rayhin? Ich sah die Sonnenreiter, die heldenhaft und todesmutig für ihr Vaterland kämpften und starben, und die Rachuren, die ihre Opfer folterten, Botschafter hinterrücks ermordeten und ihre Feinde bei lebendigem Leibe in Stücke rissen, um die noch schlagenden Herzen zu verschlingen. Ich suchte das Grau, wo ich nur konnte, aber ich fand es nicht! Vielleicht hatte es angesichts dieser strategischen Katastrophe, die Madhrab und seine Gefährten dort praktizierten, schon längst die Flucht ergriffen, verübeln würde ich es ihm jedenfalls nicht (Bitte entschuldigt den Zynismus).

Versteht mich nicht falsch, ich wollte Kryson eine Chance geben, sonst hätte ich es mir ja nicht gekauft, aber von einem so hochgelobten und ausgezeichneten Buch hatte ich irgendwie mehr erwartet.

JamesCrest
10.04.2010, 10:50
Der Lordmaster selbst ist das wohl extremste Beispiel. James hat völlig recht mit seiner Behauptung, Madhrab wäre klug und taktisch, aber sympathisch war er mir nicht im Geringsten. Er wird einfach zu perfekt dargestellt: Er ist immer da, wenn man ihn braucht, hat noch nie einen Kampf verloren, er bewahrt selbst in höchster Gefahr einen kühlen Kopf, er ist bescheiden, kümmert sich liebevoll um seinen unfähigen Knappen, die Frauen sind ihm gnadenlos verfallen und zu allem Überfluss ist er auch noch von den Göttern gesegnet und hat sein tolles unzerstörbares Imba-Schwert. Dabei sind es gerade die Schwächen, die einen Protagonisten menschlich machen.

Also ich mochte Madhrab, zum Anfang hin erschien er mir immer Sympathisch und weiße, nur als das mit Elischa angefangen und seine eigenen Soldaten getötet hat erschien er mir ein wenig in anderem Licht, allerdings finde ich, dass genau dies seine "Schwächen" sind.

Ich suchte das Grau, wo ich nur konnte, aber ich fand es nicht!

Grau... Gute Frage... Ich denke mal, dass man Grau wirklich vergeblich sucht. Aber was wäre ein Buch, in dem es keine Kämpfe etc. sucht, denn wen sie Grau wären, hätten sie sich ja nicht SO bekriegt... Es kann ja auch sein dass ich hier völlig Mumpitz rede, vl. sollten wir das einfach mal den Autor fragen.

Verräter
10.04.2010, 11:47
Also ich mochte Madhrab, zum Anfang hin erschien er mir immer Sympathisch und weiße, nur als das mit Elischa angefangen und seine eigenen Soldaten getötet hat erschien er mir ein wenig in anderem Licht, allerdings finde ich, dass genau dies seine "Schwächen" sind.

Also das "Töten der eigenen Männer" habe ich nie als "Schwäche" von Madhrab gesehen, eher im Gegenteil: Er ist der einzige, der bemerkt dass dieses seltene Gift im Spiel ist und Er erkennt dass es nur einen Ausweg gibt, zu dem er als einziger sofort bereit ist, während alle anderen zu schwach sind. In seiner Rede macht er doch ganz deutlich, dass sie entweder jetzt ein paar Dutzend Freunde töten oder Morgen alle Tod sein werden. Es ist also die einzige Möglichkeit und er ist der einzige mit genug "Mumm in den Knochen" das zu realisieren. Für mich war diese Szene nur eine von vielen in denen wir mit seiner Göttlichkeit in Berührung kommen.

Wie die Beziehung zu Elischa als Schwäche dienen soll weiß ich nicht, das müsstest du mir nochmal erklären.

JamesCrest
10.04.2010, 11:52
Ok, aber warum ist in einem Lager von 200.000 Soldaten keine einzige Orna? Diese frage stellst sich mir noch immer.

Und die Beziehung zu Elischa:
Wie im Buch schon erklärt, dürften sie die Beziehung ja nicht haben, aber er kann Elischa und den Drang bei ihr zu sein nicht wiederstehen. Auserdem ist Liebe in gewisser hinsicht immer eine Schwäche, denn wenn die Rachuren Elischa gefangen genommen hätte, hätte Madhrab sicher etwas unternommen, und ich glaube nicht, dass er ein solches waghalsiges Manöver sonst gemacht hätte.

Harlekin
10.04.2010, 12:26
Grau... Gute Frage... Ich denke mal, dass man Grau wirklich vergeblich sucht. Aber was wäre ein Buch, in dem es keine Kämpfe etc. sucht, denn wen sie Grau wären, hätten sie sich ja nicht SO bekriegt... Es kann ja auch sein dass ich hier völlig Mumpitz rede, vl. sollten wir das einfach mal den Autor fragen.

Nachdem ich nun so viel über das Buch gelästert habe, komme ich nun zu den Charakteren, die mir gefallen haben:

Quadalkar, der sich meiner Meinung nach schon eher in die Grauzone einordnen lässt. Auf mich wirkte er ganz interessant, zumal er wirklich zwischen den Fronten zu stehen scheint, leider erfährt man viel zu wenig über ihn und seine Persönlichkeit.

Nalkaar, der im Buch leider viel zu kurz kam, obwohl er bei Weitem charismatischer und um einiges gefährlicher ist als dieser notorische Frauenvergewaltiger mit einem IQ von fünf Metern Feldweg. In meinen Augen ein herrlich verschlagener und zwielichtiger Charakter. Ich konnte mich sogar mit ihm identifizieren, weil mir Grimmgour genauso auf die Nerven gegangen ist.

Allerdings weiß ich immer noch nicht, was ich von Sapius halten soll... er beginnt im Grunde genommen als grauer Charakter, aber ich hatte das Gefühl, dass er nach seinem Koma nicht nur eine körperliche, sondern auch eine geistige Wandlung vollführt hat.

Warum ich mich ausgerechnet mit dieser Schwarz-/Weiß-/Grau-Einteilung aufhalte, hat den Grund, dass ich auch die Motive der Gegenspieler verstehen will. Die Rachuren wirkten auf mich einfach nur grundlos sadistisch. Wenn sie für ihren Eroberungsfeldzug wenigstens einen vernünftigen Grund gehabt hätten wie zum Beispiel Rohstoffknappheit oder Platzmangel in den eigenen Territorien, dann wären sie vielschichtiger gewesen. Ich mag diese "Wir unterwerfen die ganze Welt und töten jeden, der uns im Weg steht, weil wir nichts besseres zu tun haben und weil wir böse sind"-Haltung einfach nicht.

Ach ja, und die Sache mit den 200000 Soldaten im Lager und keiner einzigen Orna, die in der Lage wäre, die Verwundeten zu heilen... ich würde sagen, genau das ist Madhrabs Schwäche - kein Organisationstalent :D

Das hängt aber auch mit der Story an sich zusammen: Wäre eine Orna dagewesen, wären die Verwundeten nicht zu Zombies mutiert, folglich hätte Madhrab sie nicht töten müssen und es wäre nie zu seinem Gewissenskonflikt gekommen. Und es hätte dieses wirklich geniale Vater-Sohn-Gespräch zwischen Madhrab und Boijakmar nie gegeben.

("Vater, ich habe schreckliche Dinge getan! Ich habe meine eigenen Kameraden abgeschlachtet!" - "Kein Problem, mein Sohn. Kann doch jedem mal passieren. Sowas ähnliches habe ich ganz zufällig in meiner Jugend erlebt, das ist nichts, wofür man sich schämen muss.")

Ja, seine Liebe zu Elischa macht ihn tatsächlich verwundbar. Trotz dieser "Liebe-auf-den-ersten-Blick"-Kitschszene ist das möglicherweise der Wendepunkt in der Geschichte, der Madhrab seiner Göttlichkeit beraubt. Das dürfte gerade Verräter doch begrüßen. Es sei denn natürlich, Madhrab schafft es wirklich, sich selbst und Elischa unbeschadet durch die Geschichte zu bringen, zuzutrauen wäre es ihm o.O

Aber dazu kann ich mich nicht äußern, da ich die Nachfolgebände nicht gelesen habe. Ehrlich gesagt habe ich es auch gar nicht vor.

Verräter
10.04.2010, 13:12
Ja, seine Liebe zu Elischa macht ihn tatsächlich verwundbar. Trotz dieser "Liebe-auf-den-ersten-Blick"-Kitschszene ist das möglicherweise der Wendepunkt in der Geschichte, der Madhrab seiner Göttlichkeit beraubt. Das dürfte gerade Verräter doch begrüßen. Es sei denn natürlich, Madhrab schafft es wirklich, sich selbst und Elischa unbeschadet durch die Geschichte zu bringen, zuzutrauen wäre es ihm o.O

Möglicherweise passiert etwas unter Umständen, dass Madhrab menschlich erscheinen lassen würde. Auf diese Hoffnung verlasse ich mich nicht. Ich gehe lieber von dem aus was ich in den Händen halte. In Band 1 wird die Liebe zwischen den beiden mehrfach in Zusammenhang mit dem Wort "Schicksal" gebracht. Sapius, der dieses "Liebesband" zwischen den beiden sieht ist sich sofort sicher, dass es unglaublich stark ist und niemals zerrissen werden kann.
Dazu gibt es beschreibungen wie diese auf Seite 328:
Das Wissen um das Verbot und die Strafe trübte den wundervollen, magischen und wahrhaft einzigartigen Augenblick dieser beiden zusammengehörigen Wesen, die sich hier zum ersten mal bewusst und in tiefer Verbundenheit und Zuneigung begegneten.
Ich persönlich schätze die Chancen gering ein, dass daraus noch etwas tatsächlich interessantes entsteht. Und wenn Elischa sein einziger Verwundbarer Punkt sein sollte, bleibt er immer noch ein Übermensch. Das einzig wirklich interessante wäre, wenn Elischa ihn verlassen würde und er zerstört am Boden liegt. Aber das ist dank den Zitaten die ich eben abgeschrieben habe äußerst unwahrscheinlich.

Wenn mir jemand glaubhaft vermitteln kann, dass Madhrab in den Folgebänden einen unglaublich schmerzvollen Tod stirbt, am besten durch Elischas Hände, werde ich sofort in den nächsten Buchladen rennen und mir alles kaufen wo Bernd Rümmelein drauf steht und eben jenem Roman schon aus reinem Trotz gegenüber diesem unglaublich nervigen Charakter 5/5 Sternen geben.
Ich glaube jedoch, dass Madhrab und Elischa am Ende gemeinsam auf einem Pferd mit einem Kind im Arm in den Sonnenuntergang reiten werden. Und deshalb lese ich die Fortsetzungen nicht.
Allerdings weiß ich immer noch nicht, was ich von Sapius halten soll... er beginnt im Grunde genommen als grauer Charakter, aber ich hatte das Gefühl, dass er nach seinem Koma nicht nur eine körperliche, sondern auch eine geistige Wandlung vollführt hat.
Ich glaube Sapius ist dort zum ersten mal Selbstsicher und von dem Überzeugt was er macht und vor allem auch ein Licht am Ende des Tunnels sieht. Ihm war natürlich von Anfang an klar, dass er die Schlacht und die Auferstehung des Hirten nicht würde verhindern können. Er war auf einer zum scheitern verurteilten Mission, aber nun hat er einen eindeutigen Auftrag, weiß was zu tun ist und dass er tatsächlich helfen kann. Ich glaube daher rührt seine Veränderung und ich wüsste eigentlich wirklich gern wie es mit ihm weiter geht.

JamesCrest
10.04.2010, 13:14
Allerdings weiß ich immer noch nicht, was ich von Sapius halten soll... er beginnt im Grunde genommen als grauer Charakter, aber ich hatte das Gefühl, dass er nach seinem Koma nicht nur eine körperliche, sondern auch eine geistige Wandlung vollführt hat.

Also für mich ist Sapius eher eine etwas "hellere" Graustufe. Einerseits hilft er ja den Klan, andererseits macht er dass nur um dass Gleichgewicht wieder herzustellen, oder?

Das hängt aber auch mit der Story an sich zusammen: Wäre eine Orna dagewesen, wären die Verwundeten nicht zu Zombies mutiert, folglich hätte Madhrab sie nicht töten müssen und es wäre nie zu seinem Gewissenskonflikt gekommen. Und es hätte dieses wirklich geniale Vater-Sohn-Gespräch zwischen Madhrab und Boijakmar nie gegeben.

Ja stimmt, ich fand das ganze wirklich gut. Auch das mit... ähm... wie hieß der nochmal(?). Naja jedenfalls habe ich da richtig mitgeeifert dass sich nicht einfach "unterkriegen" lässt und den anderen den Vorrang gibt.


Aber dazu kann ich mich nicht äußern, da ich die Nachfolgebände nicht gelesen habe. Ehrlich gesagt habe ich es auch gar nicht vor.

Naja, ich muss ehrlich sagen, dass ich es nicht mal abwarten kann endlich den nächsten Teil in die Finger zu bekommen =)

Warin
10.04.2010, 18:08
An einer Stelle im Buch heißt es, dass Schwarz und Weiß nur in den Köpfen der ach so unwissenden Menschen existieren und dass es nur verschiedene Grautöne gibt. Warum gibt es dann zwei magische Brüder, von denen der blonde, hellhäutige für die "gute" Magie zuständig ist und der schwarzhaarige, dunkelhäutige für die "böse"?Der weiße Schäfer steht ganz und gar nicht für "gute" Magie. Die Brüder sind beide Nachfolger Ulljans, eines Lesvaraq der Dunkelheit. Ihre Fähigkeiten unterscheiden sich, als "gut" würde ich nach dem Lesen der drei erschienen Bände aber keinen von beiden bezeichnen. So einfach ist das nicht mit "gut" und "böse" auf Ell. In Band 3 wird z.B. deutlich, dass auch ein Lesvaraq des Lichts unangenehm für seine Mitmenschen sein kein. Eine klare Trennung zwischen Gut und Böse gibt es nur auf dem Kontinent Fee, der wird in den ersten drei Bänden allerdings nur am Rande erwähnt.

Ok, aber warum ist in einem Lager von 200.000 Soldaten keine einzige Orna? Diese frage stellst sich mir noch immer..Das hatten wir schon in der Leserunde geklärt. Die Orden dürfen sich nicht in die Konflikte zwischen Rachuren und Klan einmischen. Dass Madhrab es trotzdem tut, ist im Grunde ein Verstoß gegen die Ordensregeln. Die Orna werden jedenfalls einen Teufel tun, einseitig die Klan zu unterstützen. Das wäre sicher auch nicht mit ihrer Vorstellung vom Gleichgewicht vereinbar.

JamesCrest
10.04.2010, 18:16
Das hatten wir schon in der Leserunde geklärt. Die Orden dürfen sich nicht in die Konflikte zwischen Rachuren und Klan einmischen. Dass Madhrab es trotzdem tut, ist im Grunde ein Verstoß gegen die Ordensregeln. Die Orna werden jedenfalls einen Teufel tun, einseitig die Klan zu unterstützen. Das wäre sicher auch nicht mit ihrer Vorstellung vom Gleichgewicht vereinbar.

Naja, wenn der Autor das gesagt hat. Trotzdem müssen sie die "Gut" und "Böse" auseinanderkennen.

Harlekin
10.04.2010, 19:34
So einfach ist das nicht mit "gut" und "böse" auf Ell. In Band 3 wird z.B. deutlich, dass auch ein Lesvaraq des Lichts unangenehm für seine Mitmenschen sein kein. Eine klare Trennung zwischen Gut und Böse gibt es nur auf dem Kontinent Fee, der wird in den ersten drei Bänden allerdings nur am Rande erwähnt.

Der andere Kontinent heißt wirklich "Fee"?! *rofl*

Ell und Fee... Bei aller Kritik meinerseits muss ich Bernd Rümmelein eines lassen: Er hat echt ein Faible für Wortspiele :D

Gut, dass die beiden Brüder nicht gerade die Vorzeigehelden sind, hat uns die Geschichte von Ulljan bereits bewiesen. Mir ging es auch eher um die Rachuren. Deren Grausamkeit fand ich an einigen Stellen bei Weitem übertrieben. Aber es ging dem Autor dabei wohl um das so oft zitierte Gleichgewicht der Mächte und den ewigen Kampf um selbiges.

Angesichts der Tatsache, dass ich mit dem Buch rein gar nichts anfangen konnte, war ich vom sonst ziemlich positiven Echo schon ein wenig überrascht. Aber die Geschmäcker sind ja gottseidank verschieden und in einem Forum, in dem man nicht gleich mit Schimpfwörtern bombadiert wird, nur weil man eine andere Meinung vertritt, macht mir das Diskutieren sogar richtig Spaß. Wenn ich da an die Kommentarforen auf Youtube denke...

JamesCrest
11.04.2010, 09:49
Eine klare Trennung zwischen Gut und Böse gibt es nur auf dem Kontinent Fee, der wird in den ersten drei Bänden allerdings nur am Rande erwähnt.

Da muss ich Harlekin doch mal recht geben, "Fee" ist wirklich ein... ausergewöhnlicher Name für einen Kontinent. :D

Jetzt möchte ich mich aber nochmal mit einem anderen Charakter befassen. Dem Schüler von Sapius (wie hieß der nochmal? X.X).

Was ist eure Meinung von ihm, Sapius hätte sich ja am liebsten gleich die ganze Zeit seinen Schüler gewidmet, aber er hätte dann ja doch erkennen müssen dass er etwas "böses" im Schilde führen würde, oder?

Harlekin
11.04.2010, 10:11
Jetzt möchte ich mich aber nochmal mit einem anderen Charakter befassen. Dem Schüler von Sapius (wie hieß der nochmal? X.X).

Was ist eure Meinung von ihm, Sapius hätte sich ja am liebsten gleich die ganze Zeit seinen Schüler gewidmet, aber er hätte dann ja doch erkennen müssen dass er etwas "böses" im Schilde führen würde, oder?

Du meinst Malidor. Tja, gute Frage, für mich wurde er viel zu schnell abgehandelt. Man erfährt, wie Sapius ihn kennengelernt hat und kaum tritt er mal wirklich in Aktion, outet er sich als sadistischer Verräter und versucht, seinen Meister umzubringen. Aber ich denke mal, dass Malidor aufgrund seiner enormen Macht genügend Möglichkeiten hat, seine wahren Absichten vor Sapius zu verbergen, zumal dieser ja so begeistert von ihm wahr, dass er vielleicht gar nicht wirklich auf das Verhalten seines Schülers geachtet hat. Und jeder halbwegs gute Schauspieler kann vorgeben, ein anderer zu sein, sodass seine wahre Persönlichkeit nicht allzu sehr auffällt. Da stehen ihm ziemlich viele Türen offen.

JamesCrest
11.04.2010, 10:44
Tja, gute Frage, für mich wurde er viel zu schnell abgehandelt.

Bin derselben Meinung, Malidor hätte man öfter erwähnen müssen, vielleicht sogar eine oder mehrere Kapitel mit ihm "schreiben" müssen.


Aber ich denke mal, dass Malidor aufgrund seiner enormen Macht genügend Möglichkeiten hat, seine wahren Absichten vor Sapius zu verbergen, zumal dieser ja so begeistert von ihm wahr, dass er vielleicht gar nicht wirklich auf das Verhalten seines Schülers geachtet hat. Und jeder halbwegs gute Schauspieler kann vorgeben, ein anderer zu sein, sodass seine wahre Persönlichkeit nicht allzu sehr auffällt. Da stehen ihm ziemlich viele Türen offen.

Aber bisher habe ich immer gedacht, als Sapius noch Sajkalsan war, dass er die beiden Schäfer doch "liebte" warum beschatten sie ihn dann?

Pidraeg
14.07.2010, 17:48
Ich muss sagen, ich hatte mittelmäßige Erwartungen, auch, wenn ein Buch, das den Wolfgan-Hohlbein Preis bekommen hat, hohe Erwartungen wecken müsste. Das Buch war keine Offenbarung für mich. Leider.

Ich hatte überhaupt keine Probleme mit dem Schreibstil, so schreibe ich selbst manchmal und es stört den Lesefluss kaum. Der Spannungsbogen war auch in ordnung.
Gestört hat mich vielmehr die unglaubliche Eindimensionalität der Charaktere. Man weiß zu jeder Zeit, was jeder Charakter denkt. Alles ausnahmslos Stereotypen, wobei Madhrab und Grimmgour das ganze noch auf die Spitze gebracht haben. Diese Übermenschlichkeit und Omnipotenz von Madhrab und die ständige Erwähnung, wie toll und beliebt und fähig und klug und gut er doch ist hat mich das ganze Buch über abgenervt. Wobei das zum Ende hin einfach unerträglich wurde. Und seine unglaublich tollen Superheldenkräfte haben ihn auch nicht besser gemacht. Ich kann mich nur Harlekin und Verräter anschließen: Kryson ohne Madhrab wäre eine bessere Geschichte.
Auch Grimmgour war da keinen Deut besser, hitzköpfig, grobschlächtig, dumm, grundlos böse, ungewaschen, stinkend, barbarisch, dick und gleichzeitig muskulös.
Das ist, als hätte man Eigenschaften von Bösewichtern wahllos durcheinandergewürfelt und ein Frankensteinmonster der negativen Eigenschaften geschaffen. Das macht ihn aber weniger bedrohlich, als dumpf-stereotypisch, lächerlich und langweilig!
Auch die ach so Schicksalhafte Beziehung zwischen Madhrab und Elischa ist ein riesiges, rosa Kitschkaninchen, das einigen aus den Buchdeckeln ins Gesicht schlägt. Zumal ich mit Schicksal eh nichts anfangen kann. Und dieses Verbot ihrer Beziehung finde ich unnötig, unlogisch und erinnert mich zu sehr an die Beziehung zwischen Padme und Anakin aus der neuen Star-Wars Trilogie. Und bei den Beschreibungen ihrer "ewigen, unverbrüchlichen, schicksalsbestimmten Liebesbande", hätte ich gerne zwischen die Seiten gespien, wenn es mein Buch gewesen wäre.

Auch nach Grautönen habe ich lange, aber leider vergeblich gesucht. Vielleicht bin ich jetzt nach Sapius Ansicht dumm und naiv, aber ich meine: heldenhafte, aufopfernde Klan (auch nur Menschen;)), die ihr Land und ihre Familien verteidigen und dabei mit fairen Mitteln kämpfen gegen grundlos böse, sadistische, megalomanische Rachuren, die plündernd, raubend, mordend, vergewaltigend, sinnlos zerstörend durch die Lande stampfen. Da ist eine klare Trennung zwischen gut und böse wirklich seeeehr schwierig.
Sehen wir den Tatsachen ins Auge, es gibt kaum Grautöne. Fast alles ist Schwarz-weiß ... besonders die beiden Brüder.
Deswegen nervt mich auch das Gesülze von Sapius, von wegen, Schwarz und Weiß gebe es nicht, sondern nur verschiedenste Grautöne und Nuancen.

Außerdem wirken die "Gewissenskonflikte" sehr aufgesetzt und gekünstelt.
Wäre nicht gaanz plötzlich eine unbekannte, seltsame Armee vor Eisbergen aufgetaucht (Ich vermute ja, es handelte sich lediglich um Schneemänner vom vorjährigen Schneemannwettbewerb:D) hätte sich der Fürst Alchovis von seinem Eisthron erheben (sofern sein Allerwertester nicht festgefroren ist:rolleyes:) erheben und seine Eiskrieger in die Schlacht führen können.
Oder Madhrab hätte die Zombies (Es sind doch eindeutig solche!) nicht töten brauchen, wenn Madhrab ein paar Ornas aufgegabelt hätte. Oder die Kamikaze-Frauen, die man getrost hätte weglassen können, waren auch soein künstlicher Gewissenskonflikt.

Zu den Schlachtenszenen wurde bereits alles gesagt: wenig Taktik, viel hirn- und seelenloses Gemetzel und viel zu viel Madhrab. Seine Superheldenartigen Fähigkeiten haben fast die ganze Schlacht allein entschieden und das war das besonders enttäuschende.

Positiv habe ich aber die Geschichte um Sapuis (kreativ: sein Name heißt auf Latein weise:rolleyes:) notiert. Vorallem seine Versuche, den Lauf der Welt aufzuhalten, seine Wandlung und den Verrat seines Schülers, fand ich am besonders gelungen und verdient ein Lob. Das war der Hauptgrund, warum ich das Buch nicht in die Ecke gepfeffert habe;).
Auch die Geschichte um die beiden Brüder und Ulljan war gut gelungen. Aber mit dem Magiesystem konnte ich garnichts anfangen. Es war mir ein wenig zu greifbar, zu materiell und zu käuflich und dadurch plump.
Auch Quadalkaar und die Bluttrinker (Vampire!?!) war sehr spannend und lenkten von der plumpen Haupthandlung ab. Quadalkaar, Sapius und Nalkaar waren sehr gute Charakter und beweisen, dass der Autor Kreativität besitzt. Hätten nur die anderen Sachen es nicht verdorben.
Nalkaar und seine Todesser ... verzehung, ich meinte Todsänger waren eine interessante Idee und hätten viel bessere Antagonisten abgegeben, als diese 0815-Klischeebarbaren. Und mit Nalkaar konnte ich mich bezüglich seiner Abneigung gegen Grimmgour sogar identifizieren.

Was mich auch gestört hat, waren diese gezwungenen Neutralitätsgebote der Bewahrer und Orna und der Sajkalsan. Wieso sollten sie sich nicht für ihre Ziele und das Wohl des Kontinents einsetzen? Ein So hätte man z.B. den Krieg von Anfang an verhindern können.
Mir erscheint es auch furchtbar und äußerst sinnlos, dass erst die vielversprechendsten Jungen des ganzen Kontinents gesammelt werden, zu unbesiegbaren Elitekriegern ausgebildet werden, zwanzig Jahre Prüfungen ablegen und nur zwei als Bewahrer angenommen werden und dann einfach für den Rest ihres Lebens an eine Orna, die sie dann noch nicht einmal lieben dürfen, gebunden werden, obwohl diese Eliteheilerinnen eh nur im Haus der Mutter herumhängen und gar nichts tun. So eine Verschwendung und Unlogik.