Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Christoph Marzi - Lycidas
Als die kleine Emily eines Nachts Besuch von einer sprechenden Ratte erhält, weiß sie, dass nichts in ihrem Leben so bleiben wird, wie es einmal war. Nicht, dass sie ein gutes Leben in dem kleinen Waisenhaus in einem Armenviertel Londons führen würde. Doch dass sie auf der Suche nach dem Geheimnis ihrer Herkunft eine phantastische Stadt unter den Straßen Londons entdecken würde und schon bald von den seltsamsten Wesen verfolgt wird - das hätte sich Emily selbst in ihren kühnsten Träumen nicht ausgedacht.
Eigentlich stand ich dem Roman skeptisch gegenüber. Ich hielt ihn für ein Kinderbuch, und der Kurzbeschreibung nach schien er auch nicht viel Neues zu bieten.
Aber dann gab es im alten Forum eine Leserunde, die von Christoph Marzi begleitet wurde. Und sowas wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.
Und ich bin auch froh, dass ich mir den Roman nicht habe entgehen lassen. Christoph Marzis Stil ist prägnant, knapp, präzise. Da gibt es dann Sätze wie: Alles ist möglich. Dies ist London.
Manche bemängeln, dass Marzi "Anleihen" bei anderen Schriftstellern und Werken genommen hat. Wie ich mich überzeugen konnte, steht Marzi dazu und hat das mit so viel Können und Charme gemacht, dass es mir richtig Spaß bereitet hat, solche Stellen zu finden.
Das Buch ist sehr leicht und flüssig zu lesen und enthält Spannung, Humor und Tragik. Und kaum meint man, man hätte sich über einen Charakter ein endgültiges Urteil gebildet, passiert was, woraufhin man seine Einschätzung nochmal überdenkt. Ich mag es, wenn Personen vielschichtig sind.
Und ich werde wohl nie mehr einen Virgin-Megastore betreten können, ohne nach einem Engel Ausschau zu halten ;)
Ich bin nur durch zufall zu diesem Buch gelangt und da mich das Titelbild ansprach, dacht ich mir mal: ,,das kauf ich mir"
Und das war eine der besten entscheidungen seit langem, die Buch und auch die zwei folgebücher ,,Lilith" und ,,Lumen", wobei ich noch grad am dritten Band sitze, sind super toll geschrieben und spannend.
Unbedingt lesen!!!!
Ich hatte es schon öfters in der Hand, aber ich weiß nicht, ob es wirklich etwas für mich ist. Das was Hathor zwar erzählt, hört sich verammt positiv an, aber wird mir das Buch genauso gefallen?
Gibt es das Buch bald als "richtiges" Taschenbuch?
Der dritte Band war IMHO einer der besten Abschlüsse einer Trilogie, den ich je gelesen habe. Wirklich allerfeinst.
Irgendwo bei Heyne stand einmal, dass sich die Bücher 250000 mal verkauft haben. *eek*
Ich hab alle drei Bücher in einem Rutsch gelesen und es ist wirklich das beste Werk, dass ich von einem deutschen Autor je gelesen habe.
Dass Marzi viele Ideen aus anderen Büchern "übernommen" hat, stört mich gar nicht, da ich diese Bücher nicht gelesen hab.
Besonders gut gefällt mir die Ich-Perspektive - Wittgenstein ist einer meiner Lieblingscharaktere und ich liebe seinen Humor *g*
Normalerweise gefallen mir Bücher nicht, die in der Ich-Perspektive geschrieben sind, aber hier fand ich's toll!
Ich oute mich auch mal als Fan der Trilogie um die uralte Metropole.
Wie Mila stören mich die Anleihen Marzis bei anderen Autoren (insbesondere Gaimans Niemalsland) nicht, da ich die Bücher noch nicht gelesen habe. Daher bleibt mein Lesevergnügen ungetrübet.
Neben Wittgenstein war ich besonders von den beiden Schurken Mister Fuchs und Mister Wolf gefesselt. Solchen Bösewichtern wünscht man fast, dass sie erfolgreich sind.
Noch ein Pluspunkt sind die wiederkehrenden und zT abgewandelten Sätze a la "Zufälle gibt es nicht" oder "Die Welt ist grausam ..."
Insgesamt eine beeindruckende Leistung Marzis. Seine anderen Bücher stehen schon auf meiner Wunschliste.
LG Myriel
Du brauchst Dich nicht zu outen. Es ist keine Schande, die Trilogie gut zu finden. Mich störte zunächst schon, dass er von Niemandsland so schamlos abgekupfer hatte, aber die beiden folgenden Bände waren eine sehr gelungene Fortführung der Idee.
Scheint wohl so, als sei ich eine der wenigen hier, die sich nicht von Marzis Trilogie hat begeistern lassen. Ich frage mich sowieso schon lange, ob ich das Buch überhaupt richtig verstanden habe, ich meine, die Verkaufszahlen sprechen ja eigentlich für sich...
An sich haben mich nur zwei Teile bei Lycidas gestört. Leider gerade die beiden Dinge, die ein Buch eigentlich ausmachen. Da wäre zum einen der Schreibstil des Autoren. Mit dem konnte ich mich über das gesamte Buch nicht anfreunden (Und ja, ich habe das Buch wirklich zu Ende gelesen. Mir blieb nicht viel übrig, war Lycidas doch das einzige Buch, welches ich über den Zeitraum von 3 Wochen zur Verfügung hatte - Urlaubsbedingt, versteht sich *ja*). Dieser bereits im Einleitungsposting angesprochene knapper Satzbau Marzi's ist eben nicht so mein Ding gewesen, da lese ich lieber komplizierte, schön verschachtelte Satzkonstruktionen, die sich über einen ganzen Absatz erstrecken können und die man erst im Kontext zu anderen Satzbauten so richtig in das Geschehen einfügen kann, ihr wisst, was ich meine ;)
Zum zweiten hat mich die Erzählperspektive bis zum äußersten gestört. Eine Frage hat mich dabei um mehrere Passagen begleitet: Woher weiß Wittgenstein das alles so genau? Woher kennt er die Gefühle von Emily selbst bei einer Nacherzählung so haargenau? Gut, dies ist jetzt vielleicht nicht die Schuld des Autors, schließlich gibt es mehrere Geschichten, die auf solch eine allwissende Erzählerfigur bauen. Dennoch hat mich diese Tatsache mehr gestört, als dass sie mich in die Geschichte hat eintauchen lassen.
Obwohl ich die Story und den Plot zugegebenermaßen recht interessant finde. Zwar stammen einzelne Elemente auch bereits niedergeschriebenen Werken und andere Teile wirken ein wenig "08/15", aber man muss ja nicht immer gleich das Rad neu erfinden, um etwas gutes zu schaffen ;)
Scheint wohl so, als sei ich eine der wenigen hier, die sich nicht von Marzis Trilogie hat begeistern lassen. Ich frage mich sowieso schon lange, ob ich das Buch überhaupt richtig verstanden habe, ich meine, die Verkaufszahlen sprechen ja eigentlich für sich...
Hohe Verkaufszahlen müssen nicht unbedingt das Indiz für ein gutes Buch sein und schon gar nicht dafür, dass es Dir gefällt. Also Denk Dir nichts. Zehntausende habe die Biographie von Bohlen gelesen - für mich eines der überflüssigsten Bücher überhaupt. Und viele glauben, dass Illuminati ein gute Buch sei. Ich habe dazu eine andere Meinung. ;)
An sich haben mich nur zwei Teile bei Lycidas gestört. Leider gerade die beiden Dinge, die ein Buch eigentlich ausmachen. Da wäre zum einen der Schreibstil des Autoren. Mit dem konnte ich mich über das gesamte Buch nicht anfreunden (Und ja, ich habe das Buch wirklich zu Ende gelesen. Mir blieb nicht viel übrig, war Lycidas doch das einzige Buch, welches ich über den Zeitraum von 3 Wochen zur Verfügung hatte - Urlaubsbedingt, versteht sich *ja*).
Wie, Du verreist in Ulruab nur mit einem Buch? Ich habe immer einen ganzen Stapel dabei und dann noch zwei als Ersatz, falls ich einen Fehlgriff gemacht haben sollte.
Wie, Du verreist in Ulruab nur mit einem Buch? Ich habe immer einen ganzen Stapel dabei und dann noch zwei als Ersatz, falls ich einen Fehlgriff gemacht haben sollte.
Ah ja, bisher hat ein Buch immer gereicht. Da ich im Urlaub eigentlich immer unterwegs bin (Auf irgendwelchen Ausflügen, bei Sehenswürdigkeiten oder um ländische Spezialitäten auszuprobieren - irgendwoher muss man doch seine Inspiration beziehen :D) hat mir ein Buch bisher immer gereicht. Allerdings hatte ich, abgesehen von Lycidas, bisher nie einen Fehlgriff gemacht. Nun, scheint wohl so, als müsse ich mir diesen Sommer ein, zwei Büchlein als Ersatz mitnehmen :)
Dragontear
26.02.2008, 19:42
Ich bin auch eher durch Zufall über das Buch gestolpert und als ich es fertig gelesen habe war ich begeistert!
Mir hat vor allem an den Bücher gefallen, wie Marzi Fantasie und Realität in einer Welt verbunden hat. Und auch der Humor von Wittgenstein hat einen Nerv von mir getroffen---> ich liebe solche Charaktäre :D
Ich hab Lycidas durch& bin grade bei Lillith. Das einzige, was mich ein bisschen stört, sind die bereits erwähnten Wiederholungssätze... "es gibt keine Zufälle".... jaaaaa, ich hab`s verstanden... :D
Ansonsten: lese es gerne. Bin gespannt, wie`s weitergeht- mir gefällt, dass die Hauptcharaktere unterschiedlichen Alters sind (also nicht nur die coole Jugendbande bzw. nur Erwachsene)& die Mischung von Fabelwesen, religiösen Charakteren& märchenmäßigen, sprechenden Tieren :) Relativiert auch theistische Figuren, dh., stellt sie mit anderen "imaginären" Figuren auf eine Stufe, das find`ich gut.
Grausige Dinge geschehen in London. Vier Jahre nach den Ereignissen, die Emily Laing und Aurora Fitzrovia die uralte Metropole haben entdecken lassen, bewahrheiten sich die Worte des Lichtlords: Alles wird irgendwann wieder leben. Erneut steigen die Waisenmädchen - in Begleitung des mürrischen Alchemisten Wittgenstein und des Elfen Maurice Micklewhite - in die Welt unterhalb Londons hinab, die besiedelt ist von Wiedergängern, ägyptischen Gottheiten, gefallenen Engeln, goldenen Vögeln und sprechenden Ratten. Tief hinab in den Schlund der Hölle führt sie der Weg, wo inmitten des Wüstensands die Asche einer Frau gefunden werden muss, die man einst Lilith nannte ...
Von der Fortsetzung war ich nicht ganz so begeistert wie vom ersten Teil. Ich fand es ein wenig mühsam, die Zeitlinie zu verfolgen. Aber die Ereignisse in den Karpaten und in Ägypten waren schon recht faszinierend.
Und immer wieder schön, wenn man die Anspielungen entschlüsselt :D
Mysteriöse Gestalten huschen durch die Winternacht, Menschen verschwinden vom Angesicht der Erde und fremde Nebel suchen die Stadt der Schornsteine heim. Erneut muss das Waisenmädchen Emily, begleitet von ihrem Mentor, dem mürrischen Alchemisten Wittgenstein, in die geheimnisvolle Welt unterhalb Londons hinabsteigen und der Spur eines dunklen Rätsels folgen. Alle Zeichen deuten nach Prag, der düsteren Stadt mit dem Tor zur Hölle ... Doch bevor Emily ihre Geschichte beenden kann, trifft der gefallene Engel Lycidas eine schicksalhafte Entscheidung, glaubt Emilys Freundin Aurora, Tote zu sehen, und muss Emily selbst einen gefährlichen Weg gehen, um die zu retten, die sie liebt ...
Dieser Anschlussband der Trilogie war ein echter Pageturner. Deshalb habe ich das Buch auch leider viel zu schnell gelesen. Kompliment an den Autor: es ist ihm gelungen, alle losen Enden der Handlung zu verknüpfen und ein wunderschönes Ende zu finden.
Die Charaktere sind mir richtig ans Herz gewachsen und ws war schade, sich von ihnen zu "trennen". Umso größer meine Freude, als ich entdeckte, dass eine Geschichte in der Kurzgeschichtensammlung "Nimmermehr" vom weiteren Schicksal der Tochter von Mortimer Wittgenstein erzählt wird.
midknight
03.03.2008, 19:32
Also Lycidas fand ich ja noch ganz gut und habe es gerne gelesen. Jedoch Lilith war schon eine Quälerei teilweise und Lumen habe ich nach Seite 80 gelangweilt bei Seite gelegt.
Der erste Band war wirklich nicht schlecht und ich fand Story wie auch Charaktere interessant. Der zweite wirkte irgendwie schon ausgelutscht und diese endlosen Passagen aus dem Tagebuch der Anne Fr...äh Elizabeth gingen mir gehörlich auf den Nerv. Wieso musste es ausgerechnet mit Vampiren/Widergängern/Vrolocks/Vinshanti/Whatever weiter gehen? Nicht wirklich mein Ding und viel zu wenig Wittgenstein im zweiten Teil.
Das Aurora die Tocher von der Obervampirin also eigentlich ein indirekter Abkömmling von Lilth ist, war mir schon nach den ersten Seiten klar. Schade, aber der Spannungsbogen fehlte hier komplett. - Meine Meinung
Naja und der dritte Teil war irgendwie bis Seite 80 stinklangweilig. Ich werd ihm nochmal ne Chance geben, da ihr alle dieses Buch so lobt und das Ende anscheinend besser wird.
Ich lese gerade Lycidas - leider immer nur sehr kurze Abschnitte mit langen Pausen dazwischen -, aber bisher gefällt es mir wirklich gut. Nur die Beschreibungen der U-Bahn-Linien nerven mich irgendwie - weiß auch nicht genau warum. Vielleicht bekommen die Linien ja eine Bedeutung und erklären das Ganze.
Ich finde die Idee der uralten Metropole sehr gut - und vor allem die Gottheiten, die sich dort tummeln.
Meine Lieblingsfigur ist bis jetzt Dinsdale, der Pfadfinder. :D
midknight
04.03.2008, 19:44
Oh ja, Dinsdale war und ist auch meine Lieblingsfigur. ^^ Allein schon die Idee eines Dialekt-sprechenden Irrlichtes finde ich originell.
Yovril Vandros
20.05.2008, 19:27
Meine Lieblingsfigur ist eindeutig Wittgenstein. Ich finde den Charakter echt klasse.
Jetzt kann ich es kaum erwarten, bis es Dezember ist und Sominia (ein neuer Roman um die alten Metropolen - diesmal New York) erscheint. Das erfüllt mich mit viel Vorfreude.
Ich hab das Buch vor fast vier Wochen agefangen und quäle mich langsam zum Ende hin durch.
Ich hätte das Buch schon lange aus der Hand gelegt, aber irgendwie will ich dann doch wissen, wie es ausgeht.
Es gibt ziemlich viele Dinge, die mich gestört haben.
Im Buch gibt es scheinbare "Wendungen" der Geschichte, die mir nur ein müdes "Na und?" entlockten.
Viel zu viel der Engel und Gottheiten, es kommt überhaupt keine geheimnisvolle Stimmung auf.
Nach dem Anfang dachte ich, es wird jetzt geheimnsivoll und spannend, aber die Existenz fder uralten Metropole mit all ihren Figuren wird so beiläufig und undramatisch dargestellt, dass ich keine Überraschung verspüre, wenn mal wieder eine bekannte religiöse Gestalt auftauchte. "Ah, Anubis. Wie spannend....." Einzig die Idee von Lycidas und Llith fand ich sehr gut.
Dann werden eigentlich dramatische Ereignisse erstaunlich schnell abgehandelt.
Die Sache mit Aurora zum Beispiel wird noch ein paar Mal erwähnt, quasi als Rechtfertigung und um den Schein zu wahren, sich angeblich damit auseinanderzusetzen. Parallel verhalten sich Emily und Aurora jedoch wieder zueinander, als wäre nichts passiert.
Alles nicht nachvollziehbar geschrieben.
Und auch wenn ich die Figur Wittgenstein eigentlich mag:
Diese aufdringliche Bemühtheit, ihm eine bestimmte Chraktereigenschaft aufzudrücken, indem ihm durch ständige Wiederholungen wie "Dieses Kind" oder "Fragen sie nicht" in den Mund gelegt wurden, nervte mich nachher nur noch.
Figuren kann man anders charakterisieren, als sie gebetsmühlenartig die gleichen Gedankengänge wiederholen zu lassen.
Davon ab ist die Redewendung "Fragen sie nicht" sehr geschickt. Man erspart sich andere Erklärungen.
Die anderen Bände werde ich mir bestimmt nicht zulegen.
Teilweise kann ich Marzis Erzählstil ganz und gar nicht leiden, teilweise liebe ich ihn. - Ich finde nämlich, seine Erzählweise hat teilweise etwas wunderbar Magisches und dennoch humorvolles. Vieles ist einfach sehr außergewöhnlich und eben dadurch, dass es so selbstverständlich von der Erzählstimme Wittgenstein hingenommen wird, meint man, dass es sowas tatsächlich geben könnte. ;) Das Verknüpfen aller Geschichten aus Mythologie und Bibel braucht viel Feingefühl und Geschick und ich finde, er hat es recht gut gemeistert.
Was mich aber nervt, ist, dass die Geschichte teilweise derart zerstückelt und aufgesetzt wird, dass man verzweifeln könnte. Teilweise wirkt es wie ein "Oh, den brauch ich ja noch", wenn totgeglaubte Personen auf einmal wieder erscheinen, sei es aus welchen Gründen auch immer. Diese Zufälle, die keine sind und dieses Kurz-Vor-Ende-Doch-Noch-Gut sind teilweise arg nervig. Und am schlimmsten fand ich in Lillith diese ellenlange Tagebuch der Eliza Holland. Ich meine, warum das Ganze? Es ist wichtig, dass die Geschichte weitergeht, nicht, dass man das Leben von Eliza Holland rekonstruiert. Diese eine Geschichte hätte mir vollkommen ausgereicht. Somit habe ich das halbe Lillith Buch übersprungen...
Gruß,
Enduni
Ich hab Lycidas auch leider nicht lieben gelernt. Habe mich jetzt bis kurz vor Schluss gequält es fertig zu bekommen, aber leider habe ich jetzt endgültig aufgegeben. Dies hat einige Gründe:
1. Der Erzähl-Stil: Ich-Perspektive macht mir keinerlei Schwierigkeiten, jedoch die Tatsache, das aus der Perspektive einer, naja sagen wir mal, Nebenfigur erzählt wird. Wittgenstein ist zwar schon noch einer der Hauptakteure, aber aus der Sicht von Emily zu schreiben wäre mir naherliegender gewesen. Daher kommt es einem auch oft als Fehltritt vor, wenn er manche Handlungsstränge sehr detailliert wieder gibt, bei denen Wittgenstein garnicht zugegen war.
2. Finde ich das ganze Buch sowas von schwer zu lesen, da manche Passagen, manchmal sogar manche Seiten endlose Aneinanderreihungen von Londoner Straßen- oder Platznamen sind. Ich hab mich damit sehr abgemüht und fand es ein ziemliches Manko.
3. Werden irgendwann die ganzen Handlungen so verworren wiedergegeben, dass ich total den Zusammenhang verloren habe. Und das Jack the Ripper ein Golem sein sollte, fand ich, nunja etwas gewagt. Vieles passt nicht zusammen. Das Vorhaben soviele Mythen und mystische Wesen, angefangen vom Engel bis hin zu Anubis und dann auch noch die Bibel in eine Geschichte zu packen ist überaus schwer und ihm, meiner Meinung nach nicht wirklich geglückt. Werwölfe, Elfen, Irrwichte, Engel, ägypthische Götter, Golems....ist deutlich zu viel!
Pantalaimon
03.06.2009, 21:57
Oh, ich müsste das Buch unbedingt nochmal lesen, denn ich fand es großartig.
Ich erinner mich, wir haben Lycidas zusammen im alten Forum in unserer ersten Leserunde gelesen. Das war einfach toll.
Ich denk da nur an all die tollen Ideen, wie z.B. der Ritter, dem man Gedichte rezitieren musste.
Mir war das Buch überhaupt nicht langweilig oder langatmig, ganz im Gegenteil. Band zwei (Lilith) fand ich da schon viel schwieriger. Aber Lycidas hab ich wirklich gelibt. Ich stell es nochmal nach ganz oben auf die Nochmal-zu-lesen-Liste...
Silberblut
01.09.2009, 16:23
Ich habe mir das Buch neulich gekauft, nachdem ich herausgefunden habe, dass Lucifer eine entscheidende Rolle spielt. Der "Lichtträger" ist nämlich eine meiner Lieblingsfiguren in der Mythologie, so dass ich dann doch sehr gespannt war, wie Marzi mit dieser Gestalt umgeht. Dass Lucifer eigentlich eine römische Gottheit griechischen Ursprungs und mit zum Teil babylonischen Wurzeln ist, wurde zwar mit keiner Silbe erwähnt, aber sei's drum.
"Lycidas" ist ein gutes Beispiel dafür, dass Spannung auch ohne übermäßig viel Action möglich ist. Die Rätsel, die es stets zu lösen galt, waren genau nach meinem Geschmack. Wenig ist aus der Luft gegriffen gewesen, wurde aber eben so interpretiert, dass es in einen Fantasyroman passte.
Mir sind natürlich einige Ungereimtheiten aufgefallen. Da wäre zum Beispiel die Sache mit Paradise Lost von John Milton. Die Interpretation mit Pairidaezas Stock gefällt mir sehr gut. Allerdings taucht nach meinem Wissen Lucifer nur in der Urform des Textes namentlich auf. Erst später wurde der Name durch die Bezeichnung Satan ersetzt, und Satan hat ganz konkret Eva dazu verführt, die Frucht der Erkenntnis zu essen. Marzis Deutung, Milton habe mit keinem Wort erwähnt, dass Lucifer/Satan Eva in Gestalt der Schlange verführt habe, wäre daher falsch.
Anubis ist nicht der ägyptische Totengott. Zugegeben, anscheinend hatte er diese Bedeutung früher mal inne, doch wenn man sich am Osiris-Mythos von Abydos orientiert, dann ist Anubis der Sohn von Osiris, dem ersten Pharao Ägyptens, und seiner Schwester Nephthys. Nach der Ermordung durch seinen bruder Seth wurde Osiris zum Herrscher des Totenreiches und Anubis zu seinem Diener, der zwar eine wichtige Rolle im ägyptischen Totenkult übernahm, aber eben nicht der Totengott war.
Manche Bezeichnungen wirkten dann auch etwas plump, wie etwa "Lichtlady" oder "Lordkanzler".
Das Buch ließt sich gut, auch wenn der Schreibstil gewöhnungsbedürftig ist. Das meine ich allerdings nicht negativ. Marzi schreibt eben anders als ich es tun würde - kurz, prägnant, schnörkellos und minimsalistisch.
Mit der Perspektive hatte ich anfangs ein paar Probleme. Eigentlich bevorzuge ich einen personalen Erzähler, der sich über längere Sinnabschnitte ausschließlich dem Denken einer Person widmet. Daher habe ich mit auctorialen und Ich-Erzählern meine Probleme, denn wenn der letzte Fall gilt, ist die Perspektive auf eine einzige Person beschränkt - normalerweise. Wittgenstein ist allerdings ein auchtorialer Ich-Erzähler, der aus der Perspektive mehrerer Personen beschreiben und in die Zukunft kann. Damit habe ich auch ein paar Probleme, denn woher soll eine einzige Person um das alles Wissen? Marzi hat es dann aber ziemlich geschickt angestellt. Es wirkt so, als denke Wittgenstein am Ende seines Lebens über einige wichtige Stationen nach, die er in all der Zeit durchlaufen hat. Als wolle er ein Buch schreiben und habe dazu Emily, Aurora und seine übrigen Weggefährten eingehend befragt. So wirkt die Perspektive dann doch wieder realistisch.
Abschließend kann ich sagen, dass mir das Buch gut gefallen hat. Ich werde mich bei nächster Gelegenheit dem zweiten Teil widmen, denn das Setting reizt mich.
'Lycidas' habe ich als Urlaubslektüre mmitgenommen und nun liegt es nicht bis zum Ende Gelesen bei den Dingen, die ich vor Weihnachten per ebay verkaufen werde.
Eigentlich habe ich nur Gutes über das Buch gelesen, gehört und man hat es mir mehrfach empfohlen. Ich war auch tatsächlich neugierig darauf, da es in London spielt und ich die Schauplätze teilweise selbst besucht habe und sie dem entpsrechend noch im Kopf hatte. Aber das waren wirklich 14 Euro, die ich mir eigentlich für ein anderes Buch (oder zwei Taschenbücher) hätte aufheben können.
Schon die Erzählperspektive war sehr gewöhnungsbedürftig. Ständig irgendwelche 'Flashbacks', die einfach in die gegenwärte Handlung gequetscht wurden. Verwirrend war es zwar nicht, aber auf eine Art doch nervig.
Und woher weiß der Alchemist, was Emily gerade denkt oder fühlt? Entweder ich schreibe nur aus der Sicht einer Person oder trete als 'allwissender' Erzähler auf.
Bis heute weiß ich nicht, ob dem Buch einen versteckten Humor enthalten soll. Alleine schon die Namen waren seltsam: Aurora Fitrovia, Snowhitepink, Mara Mushroom etc. Sollte das (un-)beabsichtig lustig sein, oder nur dazu dienen, besonders ausgefallene Namen vorweisen zu können?
Außerdem kam es mir die ganze Zeit so vor, als wolle man mich belehren. Warum kann ich selbst nicht genau sagen, aber die Gespräche zwischen Wittgenstein und Emily erinnerten mich immer an Schulbücher.
Am seltsamsten fand ich jedoch die Sache mit Lycidas selbst. Führt die Kinder in die Hölle, (die ja nur wenige Meter tief unter der Erde liegt) dreht sich um und sagt: "Ich bin der Böse, jetzt hab ich euch, Pech gehabt" Konnte darüber nur den Kopf schütteln.
Mir hat das Buch einfach vom Thema her auch nicht sonderlich zugesagt, da ich die Gestaltung der Uralten Metropole einfach nicht mochte. Götter, die durch die Gegend laufen und die dummen Menschen, die täglich mit der U-Bahn fahren, dort neue Kabel verlegen, Gleise warten usw., merken von all dem, das nur wenige Meter neben oder unter ihnen passiert natürlich nichts.
Naja, über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und ich weiß, dass das Buch nichts für mich war.
träumchen
05.11.2009, 22:13
Ich hoffe ich bin hier richtig... Aber ich hab da mal ne Frage:
Einmal bezüglich dem Unterschied zwischen Buch/ebook und Hörbuch.
Also die Bücher der Serie bestehen aus drei Büchern bzw. ebooks. Richtig?
So dem gegen über stehen aber bei den Hörbüchern acht Teile...
Dabei drei unter Lycidas, zwei unter Lilith und drei unter Lumen... Wenn man aber die kurz Beschreibungen liest z.B.: http://www.audible.de/adde/site/Serien-Mikrosite/seriesEpisodes.jsp?BV_UseBVCookie=Yes&seriesType=emily
Dann fällt auf das die drei Teile Lycidas zu den drei Teilen der Bücher (Lycidas Lilith und Lumen) passt. Die fünf anderen Teile der Hörbücher klingen anders als die Bücher (hab ich schon gelesen)...
Weiß einer von euch wie dies zusammen hängt?
Gruß Timo
Die gesamte Reihe ist als Hörbuch in 8 Teile unterteilt (als Bücher nur 3) und die ersten 3 gehören zum ersten Teil (Lycidas), dann 2 zu Lilith und dann 3 zu Lumen. Ich denke es ist etwas verwirrend, dass die Teile, die zu Lycidas gehören, die Namen der ganzen Reihe haben. Das liegt daran, dass die Bücher selbst noch mal in Bücher unterteilt sind, und in Lycidas sind das eben Lycidas, Lilith und Licht. Die anderen (Teil-) Bücher, also die von Lilith und Lumen, haben halt andere Namen und deshalb die Hörbücher auch. Denke mal, dass viele Bücher einfach als Hörbücher geteilt werden, um mögliche Käufer nicht direkt mit einem höheren Preis abzuschrecken, zumal sie ja auch ein Publikum ansprechen sollen, die "einfach mal reinhören" wollen und nicht unbedingt die Ambition haben, das Buch bis zum Ende zu hören. Ich hoffe, das wars, was du meintest :).
LG
Rian
Amarilla
16.11.2009, 21:04
Lycidas habe ich gelesen und jetzt bin ich bei Lilith.
Ich hab an Lycidas wirklich ne Weile gelesen, weil es ja doch recht dick ist und auf den einzelnen Seiten nochmal ziemlich viel steht, da es recht klein geschrieben ist. Das ist bei Lilith anders.
Naja und ich hatte zu der Zeit nicht ganz so viel Zeit zum lesen, deshalb hatte es sich etwas gezogen. Aber dennoch war ich von Anfang bis zum Ende total begeistert von dem Buch.
Ich mag die Vermischung von der realen und der Fantasy-Welt. Ich find die Charaktere total interessant und bei mir kam nie Langeweile auf. Auch die Erzählperspektive hat mich von Anfang an sehr angesprochen.
Von Lilith bin ich bisher auch gefesselt.
Silberblut
01.12.2009, 22:31
Ich lese derzeit "Lilith" und muss zugeben, dass mir Teil II mehr Probleme bereitet als Teil I. Weder sprachlich noch handlungstechnisch im engeren Sinne; es fällt mir allerdings schwer, verschiedene historische Entwicklungen nachzuvollziehen. Streut Marzi verschiedene Fassungen einer Geschichte in den Roman ein, um den Leser zu verwirren, um dann später das Rätsel zu lösen, getreu dem Motto: Wenn man alles Unmögliche eliminiert hat, dann mus das, was übrig bleibt, und sei es noch so unwahrscheinlich, die Wahrheit sein. Ja ja, viktorianische Literatur... :rolleyes:
Wenn das allerdings nicht der Fall ist, dann scheint er sich in geschichtliche Widersprüche verstrickt zu haben. Es heißt anfangs z.B., dass al-Vathek erst von Carathis verführt wurde, als er über Mohammed spottete. Das kann frühestens im 7. Jahrhundert gewesen sein, also gut zweitausend Jahre nach Echnaton (dessen gebräuchlichen Namen wie auch den seiner Frau er aus Verständnisgründen ruhig hätte verwenden können, auch wenn ich als Ägypten-Fan keine Probleme damit hatte, ihn zuzuorden), zu dessen Zeiten er schon gelebt haben soll. Bagdad wurde im Übrigen auch erst in frühislamischer Zeit gegründet, also auch erst gut zwei Jahrtausende nach Echnaton - wie soll al-Vathek also von dort gekommen sein? Sein Name klingt außerdem zu arabisch für das Zweistromland, aus dem er ja stammen soll. Zwar war das Akkadische, das dort gesprochen wurde, mit dem Arabischen verwandt, aber das war's dann auch. Babylonische oder assyrische Namen sehen jedenfalls anders aus.
Außerdem lässt Marzi Carter davon reden, dass Tut-Anch-Amun ein Pharoa aus der 10. Dynastie gewesen sei, während er ihn an anderer Stelle in die 18. Dynastie einreiht (was der Fall ist). Ähnlich ist es mit Nofretete: In der Geschichte, die der Gelehrte erzählt, soll sie Tut-Anch-Amuns Mutter gewesen sein, was heute als unwahrscheinlich gilt; wahrscheinlich hat Echnaton sich eine Zweitfrau (Kiya) genommen, nachdem Nofretete ihm keinen Sohn geboren hat.
Ich bin mal gespannt, wie viel Wahrheit in den Geschichten steckt, die Marzi einstreut. Vielleicht stellt sich ja heraus, dass einige der Erzählungen auch im Buch frei erfunden sind und dazu dienen sollen, den Leser zu verwirren. Das ist Marzi jedenfalls gelungen. Die Tatsache, dass er Semenchkare kennt, spricht dafür, dass er sich recht gut auszukennen scheint.
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