Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bakker, R. Scott - Krieg der Propheten
Dark MiG
23.02.2008, 18:15
Ich Haben nun den ersten Teil von Bakker Fantasy Trilogie Der Krieg des Propheten gelesen.
Zusammenfassung:
Eärwa, jenes Land, auf dem sich der "Krieg der Propheten" abspielt, ist Heimat vieler unterschiedlicher Kulturen, Völker und Religionsgruppen. Vor vielen Jahren gab es die so genannte "erste Apokalypse", in welcher der "Nicht-Gott" die Menschheit versklavt hatte. Aber der Nicht-Gott wurde besiegt, ebenso seine Diener, die "Rathgeber", und so haben sich im Laufe der Jahre die übrigen Religionen gegeneinander gewandt: Die strenggläubigen Fanim verachten die Inrithi und Letztere wiederum verachten die Orden der Hexenkunst. Die Inrithi jedenfalls sind die am weitesten verbreitete Glaubensgruppe in Eärwa, und in ihrem Glaubenszentrum, den Tausend Tempeln, scheint sich etwas zusammenzubrauen:
Maithanet, ein völlig Unbekannter, taucht wie aus dem Nichts auf und wird neuer Vorsteher der Tausend Tempel, um den sich die Inrithi-Anhänger mit beängstigendem Fanatismus scharen. Nicht lange, und Maithanet ruft den "Heiligen Krieg" aus, dem sich jeder Gläubige anzuschließen habe. Gegen wen? Das lässt der heilige Mann vorerst noch offen und wartet, bis sich halb Eärwa bei den Tausend Tempeln eingefunden hat, um seiner Kriegserklärung zu lauschen.
Der Hexerorden der Mandati jedenfalls wird von der drohenden Kriegserklärung ordentlich aufgerüttelt. Immerhin gilt gerade Zauberei bei den Inrithi als verpöntes Heidentum, was läge also offener auf der Hand als ein Heiliger Krieg, der die Hexerorden von der Landkarte fegen soll? Achamian allerdings hat andere Befürchtungen.
Die Mandati tragen die Bürde auf ihren Schultern, die letzte Schlacht gegen den Nicht-Gott jede Nacht aufs Neue zu träumen, daher sind die Mandati mittlerweile auch die einzigen, die noch an die drohende "zweite Apokalypse" glauben. Achamians Träume werden intensiver und er schließt es keinesfalls aus, dass der "Heilige Krieg" nur das Symptom einer Verschwörung ist, einer Verschwörung der Ratgeber, um den Nicht-Gott wieder auf seinen Thron zu hieven ...
QUELLE:http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=2972
Kritik:
Bakker schafft es eine interessante so wie Düstere Fantasy Weld zu schildern. Genau so interessant fand ich Die Charaktere die irgendwie fast alle mit ihren inneren Konflikten zu kämpfen haben. Auch wenn manche Hauptcharakter fast übermächtig erscheine so z.B Kellhus der durch seine Gabe Gedanken und Wünsche seiner Mitmenschen erkennen kann und so diese nach seinen Willen formen anfängt. Do hat dies in der Geschichte immer eine sinne und es hat nie den eintrug als wären die Charakter unantastbar.
Obwohl mir das Buch ausgesprochen gut gefallen hat und des auch sehr spannenden ist zu bemängeln das Bakker es einem mit den Namen nicht gerade einfach macht. Manche Namen sind so endlich in ihrer Schreibung das man oft erst beim zweiten Mal lesen erkennt um wenn es sich handelt.
Bakker kann vielleicht nicht ganz mit Steven Eriksion und George Matrin mit halten verstecken braucht er sich aber nicht.
ps. Irgendwie bin ich für die Amazon verlinkung zu blöd:rolleyes:
Der erste Band befindet sich auch schon auf meiner Wunschliste.
Da du es vorschlägst, Dark MiG, werde ich es mir wohl als nächstes besorgen. Ich glaube, wir haben einen ähnlichen Geschmack, was Bücher angeht *g*
Meine Meinung über das Buch gibt es dann natürlich auch hier.
Dark MiG
24.02.2008, 13:15
Da du es vorschlägst, Dark MiG, werde ich es mir wohl als nächstes besorgen.
Schaut so aus:)
So nun Nachträglich doch noch geschafft :D
Positiv ist wohl noch zu erwähnen das die Deutsche Ausgabe nicht wie so oft üblich aufgeteilt wurde und außerdem schaut sie sehr schick aus
Den Zweiten Teil auch Gleich
Kommt März in den Handel
Ich war jetzt einfach mal optimistisch und hab mir gleich alle 3 Bände der Serie auf englisch gekauft - die werden mir schon gefallen ;)
Bin jetzt ca. auf Seite 260 des ersten Buches und es ist richtig gut. Sympathische, gut beschriebene Charaktere, eine tolle Story, viele Intrigen, Wendungen.. Alles, was ich mag :)
Nur ein Minus-Punkt bis jetzt...Es sind erst 2 Frauen aufgetaucht *g* Bisschen wenig...
Ich les nachher noch weiter =) An "Deadhouse Gates" von Steven Erikson erinnerts mich noch nicht, aber das kann ja noch kommen. Wurde jedenfalls öfter damit verglichen.
Verräter
27.05.2009, 19:26
So, damit habe ich nun den ersten Band der Reihe "Krieg der Propheten" oder "Prince of Nothing" beendet. (Wie kam man eigentlich dazu, den Namen derart stark abzuändern?)
Beginnen wir einmal am Schluss, nämlich beim Anhang. In diesem steht absolut überhaupt nichts, was einem beim Lesen hätte helfen können. Was sehr schade ist, denn gerade in der ersten Hälfte des Buches hätte ich eine Art "Wörterbuch" gut gebrauchen können! In der zweite Hälfte, die ich in den letzten 3 Tagen gelesen habe (höchstleistung für mich ^^) ging es dann etwas besser, obwohl ich nicht weiß ob die Namen/Handlungsstränge einfacher wurden, oder ob ich mich schlicht daran gewöhnt habe.
Was also das "durch die Gegend werfen" eigensinniger Begriffe angeht, steht Schattenfall auf ziemlich gleicher Ebene mit dem Wüstenplaneten (warum ich immer alles mit diesem Buch vergleiche weiß ich nicht), was für mich für sich selbst genommen weder schlecht noch gut ist.
Bei den Charakteren kann ich nicht unbedingt sagen, dass ich einen direkten Sympathieträger besitze. Warum? Weil ich die Charakterzeichnung von Bakker verehre!
Kellhus, Achamian, Cnaiür und Xerius. Vier Personen die es zu gleichen Teilen verdient haben geliebt, wie gehasst zu werden.
Kellhus ist ein so spannender Charakter, wie mir glaube ich noch kein anderer untergekommen ist. Nur wirkt er ein klein wenig zu übermächtig auf mich. Er hat ein klares Ziel vor Augen und tut alles, absolut ALLES um es zu erreichen! Und durch seine Geist/Körperkontrolle (erinnert mich immer an die Bene Gesserit aus,... ihr wisst es sicher) wird er überaus gefährlich. Die kurzen Kapitel aus seiner Kindheit ("Der Logos ist ohne Anfang und Ende"), die glaube ich während der Debatte in den Andiamin-Höhen eingeschoben werden, empfand ich als überaus spannend, obwohl dort im Prinzip fast nichts enthalten ist. Und doch stockte mir kurz der Atem, als nach dem ständigen Wiederholens seiner Gedanken plötzlich die Leere stand. (Herrlich!)
Seine Beziehung zu Serwe passt in den restlichen Kontext allerdings überhaupt nicht, was für mich aber auch kein schlechter Punkt ist. Gegenüber seiner sonstigen Kälte ist es auch ganz schön zu sehen, dass selbst dieser Mensch andere nicht Grundsätzlich als Werkzeuge betrachtet. Das ganze gab ihm einen sehr schönen Zwiespalt.
Drusas Achamian ist dagegen schon ein wesentlich freundlicherer Zeitgenosse und wenn ich mir die ersten Kapitel mit ihm nochmal ansehe, so glaube ich war es Bakker auch sehr wichtig, dass ihm Sympathie geschenkt wird. r ist glaube ich auch der einzige Männliche Charakter im Buch, der seine persönlichen Schwächen offen zugibt und mehr als einmal Hoffnungslos mit irgendetwas überfordert ist. Gleichzeitig ist er aber auch Gerissen und Intelligent. :)
Er ist zwar ein Hexenmeister, zaubert im gesamten Buch aber glaube ich nicht ein einziges mal. Viel wichtiger ist da seine Ordensangehörigkeit als Mandati, womit er praktisch von jedem Menschen auf dieser Welt sofort für verrückt erklärt wird.
Neben ihm kommt dann sofort Esmenet, oder Esmi zutage. Eine Frau, bei der ich mir nicht sicher bin was ich von ihr halten soll. Zum einen ist auch sie ziemlich intelligent (Was man sehr schön am Anfang gesehen hat), zum anderen aber auch wahnsinnig nervend mit ihren ständigen Selbstzweifeln.
Mal ist sie voller Lebensfreude und im nächsten Moment quält sie sich selbst mit den Gedanken, dass sie ja nur eine Hure und damit nichts wert sei. Gut! Das wäre für mich persönlich ein viel kleineres Problem, wenn sie denn wirklich einmal etwas tun würde. Denn außer ... mit Akka reden, Akka bei sich aufnehmen und dann Akka hinterher zu laufen ist ihr Handlungsstrang auf "Mit Männern schlafen" begrenzt.
Ich habe nichts gegen sie, aber wirklich zur Geltung kam sie eigentlich nur am Anfang, als Achamian bei ihr gewohnt hat - danach wirkten ihre Kapitel beinahe wie Lückenfüller. (Mal von den Beschreibungen von Sarcellus abgesehen, aber der hat in dem Buch hier ja auch noch keine wirkliche Rolle - aber wer weiß, vielleicht ändert sich das in den Folgebänden noch drastisch?)
Cnaiür, der Scylvendi ist dann alles in allem: Sehr misstrauisch, ziemlich Brutal (siehe Serwe), intelligenter als seine Stammesgenossen und wahrscheinlich (leider hatte er nicht viele Gelegenheiten das auszureizen) ein begnadeter Taktiker, sowohl im Feld als auch in der Konversation (da ist bestimmt Moenghus schuld!), wenn auch hier wieder zu relativieren ist, weil er eben ein Scylvendi und damit gegenüber allen anderen Charakteren wie ein ungehobelter Klotz durch die Gegend wankt. Ich persönlich glaube ja, dass er nur deswegen so grausam ist, weil er in ständiger Angst (Vor allen Anasurimburs) und in Schuld (gegenüber seine Vater) lebt. Was über seine Frau Anissi dazu gesagt wird, bestätigt mich persönlich darin.
Und daneben das Haus Ikurei mit Xerius und Conphas, zwei ganz gemeine Personen. Als ihre Kapitel begannen war das erste was ich dazu dachte: Gähn! musste diese Meinung aber sehr schnell revidieren, da es sich herausgestellt hat, dass diese 100% politische Sichtweise auf den Verlauf den Heiligen Krieges überaus mitreißend war. Conphas kann ich aber wirklich nicht leiden, im Gegensatz zum Kaiser.
Die Handlung geht sehr schnell und gleichzeitig sehr langsam voran. Woran dieses Gefühl liegt kann ich nicht genau sagen, ich glaube ich bin es einfach gewohnt, dass wesentlich mehr Gleichzeitig geschieht und mehr zwischen Kapiteln und Handlungssträngen gesprungen wird als es hier der Fall war. Die Schnelligkeit war dabei eher unbewusst und hat seinen Ursprung wohl in der fantastischen Art, wie Bakker seine Cliffhanger im Buch platziert hat.
Als Beispiel: Kaum war der erste Teil mit dem Kaiser vorbei, wollte ich unbedingt weiter vom Kaiser lesen weil es gerade so spannend geworden war. Gleichzeitig wollte ich jetzt aber auch wieder etwas über Achamian erfahren, der ja dann wieder der Protagonist in den folgenden Kapiteln ist, weil es so spannend mit ihm beim letzten mal aufgehört hat.
Innerhalb weniger Sekunden befand ich mich in einem innerlichen Dilemma.
Aber da kommen wir schon zu dem Punkt, den ich an diesem Buch so liebe! Der steten Frage: "Wer weiß jetzt genau wieviel? Und wie setzt er dieses Wissen ein?"
Bakker gewährt dem Leser viele verschiedene Blickwinkel auf seine Welt, die Handlung und vor allem auf die verschiedenen Charaktere. Kellhus wird zum Beispiel in Cnaiür-Kapiteln wie ein völlig anderer Mensch beschrieben, als er es z.b. in den Kapiteln über Achamian wird. Und die Sichtweisen auf den Krieg: Mal völlig Politisch (Ikurei), mal durch den Mantel des Glaubens (Inrithi), dann durch den versteckten Krieg (Scharlachspitzen) und wieder mit den derjenigen, die nächtlich von der Apokalypse träumen und befürchten der Alte Feind werde wiederauferstehen, oder eben einfach aus der Sicht einer kleinen Prostituierten aus Sumna, die an fehlendem Selbstvertrauen leidet und jetzt beschlossen hat ihren geliebten zu warnen, von dem sie aber nicht einmal genau weiß wo er sich jetzt genau befindet.
So wird ein Bild in diesem Buch geschaffen, bei dem man meinen möchte es sei allumfassend. Nach diesem Buch glaubt man wirklich, das Land und seine Bewohner in allen Einzelheiten zu kennen. Dafür habe ich sehr, sehr großen Respekt gegenüber R. Scott Bakker und seiner Reihe "The Prince of Nothing".
Alles in allem hat mich das Buch Schattenfall bestens Unterhalten und mich einige Zeit zum Nachdenken angeregt. Wer nicht die ganz leichte Kost anstrebt, denn das ist dieses Buch definitiv nicht, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.
Bakker erzählt hier eine in allen Facetten geniale Geschichte!
Der Verräter
Waechter
31.05.2009, 14:01
Ich denke, du wirst mit den weiteren zwei Bänden noch viel Spaß haben. Die Geschichte endet allerdings nicht mit der Trilogie. Weiß jemand, wann mit den nächsten Bänden zu rechnen ist?
Dark MiG
31.05.2009, 15:05
Naja auf Englisch gibt ja bereits das erste Buch "Judging Eye" der "The Aspect-Emperor" Dilogie.
Wann mit der deutsch Übersetzung zurechnen sind würde mich ebenfalls interessieren.;)
ThomasD.
18.08.2009, 23:56
Ok, nach 100 Seiten hänge ich fest. So schwer bin ich selten in eine Story reingekommen. Da fällt mir jede Seite schwer. Die Namen, das Philosophieren, Das Fehlen von Action, usw und dann die kleine Schrift. Ok es waren erst 100 Seiten, aber hartes Brot.
Nach den vorangegangen Meinungen lohnt es sich wohl weiterzukämpfen und das werde ich dann mal versuchen...
Für mich ist das Buch auch schwere Kost. Ich habe es schon zweimal im Abstand von einem Jahr versucht, aber ich bin immer nur bis ca. Seite 100 gekommen, dann hab ich irgendwie motivationsmäßig festgehangen. Mir fiel es auch schwer, in die vielen fremden Namen und Zusammenhänge reinzukommen. Zum Glück hatte ich das Buch nur aus der Bücherei. Naja, vielleicht irgendwann nochmal...
Verräter
22.08.2009, 18:13
Ich hatte es gerade wieder in der Hand... und, nunja - von fehlender Action kann doch eigentlich kaum die Rede sein, oder? Kellhus flucht und der Kampf gegen den Nichtmenschen fand ich am Anfang schon überaus spannend und das "wissen wollen" wer diese eigenartige Person nun ist und vor allem was mit Kellhus weiter passiert war zumindest für mich genug trieb um weiter zu lesen. Bis Seite 100 ist dann ja im Prinzip noch nicht viel mehr passiert - Achamian versucht da ja immer noch herauszufinden gegen wen sich der Heilige Krieg richtet.
Ihr solltet zumindest bis zum Ende von Teil 1 Der Hexenmeister lesen. Wem es als Leser dann immer noch völlig Wurst ist wie es mit den Charakteren weiter geht, wird denke ich auch mit dem Rest des Buchs keinen spaß finden. Die "Action" wächst nicht wirklich an, wirklich spürbar wird sie (meiner Meinung nach) erst in Teil IV Der Krieger wo die Geschichte dann zu dem Scylvendi Cnaiur und Kellhus wechselt. Im gesamten "Kaiser" Teil wird glaube ich nicht ein einziges mal eine Waffe gezogen (ich finde es trotzdem spannend) und in den darauf folgenden Kapiteln steht hauptsächlich Esmis Reise und Akkas Rätselraten im Vordergrund (letzteres erinnert fast an einen Krimi =) )
Politik, Ränkespiele und Intrigen nehmen in dem Buch einen großen Platz ein (besonders im Mittelteil) wofür das Hack&Slay deutlich im Hintergrund steht.
Dass die vielen Ortsnamen, Charakternamen, Geschichtlichen Ereignisse, Gegenstandsnamen, Ordensnamen (und deren Bedeutungen), usw. verwirrend sind und einem den Einstieg unheimlich schwer machen, das kann ich bestätigen.
Ich schrieb ja bereits, dass ein Wörterbuch dem Buch immens helfen würde - aber wir müssen eben ohne Leben.
Nur nicht aufgeben! :) Wenn man sich mal an das wilde herumwerfen von eigenwilligen Begriffen gewöhnt hat und mit zumindest 75% davon etwas verbinden kann lässt sich das ganze schon viel schneller und einfacher Lesen.
(Nach kurzem reinlesen muss ich noch etwas betonen: Serwe ist toll! Ein wunderbarer Charakter)
Verräter
17.09.2009, 13:39
R. Scott Bakker - Der Prinz aus Atruthau (The Warrior Prophet)
Gestern Abend ausgelesen, jetzt mal Meinung kundtun:
Zuerst einmal ist das zweite Buch wesentlich einfacher zu lesen als das erste was wohl daran liegt, dass man sich als Leser nun an die sehr komplexe Welt gewöhnt hat. Trotzdem gibt es Stellen die ich einfach runtergelesen habe ohne mir am Ende zu überlegen was da jetzt eigentlich genau stand. Es passiert immer mal wieder kurz vor oder während einer großen Schlacht, dass 1/3 der Seite mit Namen gefüllt ist, die man vorher noch nie gesehen hat und danach auch eigentlich unwichtig sind.
Das sollte aber nicht davon abhalten dieses Buch zu lesen, denn wenn insgesamt 2 Seiten in einem 700~ Seiten Werk aus Auflistungen besteht überwiegt der Rest doch deutlich.
Die Handlung selbst und vor allem die Darstellung der Handlung verändert sich im Gegensatz zum ersten Band doch sehr stark, bzw. führt genau das weiter was im letzten Teil der vorangegangenen Buches begonnen wurde. Dass die einzelnen Teile des Buchs strikt auf eine Person fokussiert ist gibt es nicht mehr, stattdessen spring Bakker nun mit jedem Kapitel zwischen seinen Charakteren hin und her, was aber auch durchaus Sinn macht da ja nun alle (meistens) sehr nahe beieinander leben und nicht wie noch im ersten Buchs aus allen Teilen der Welt langsam zusammen kommen.
Der Heilige Krieg setzt sich endlich in Bewegung und während des Buchs begleiten wir die gewaltige Armee auf ihrem Weg zwischen Momemn und Caraskand (Ja, das heilige Shimeh wird noch nicht erreicht, aber dafür haben wir ja noch ein Band), den großen Siegen, den Niederlagen und vor allem den gewaltigen Strapazen denen die Männer der Inrithi ausgesetzt sind.
Im absoluten Fokus steht dabei, wie der Name des Buchs bereits ahnen lässt, Anasurimbur Kellhus und seinen Bemühungen sich an die Spitze des Kriegs zu stellen.
Und was soll man über ihn sagen? Kellhus ist ein Widerspruch in sich. Er ist ein Heiliger, ein Prophet, ein fleischgewordener Gott und gleichzeitig ein normaler Mensch und gleichzeitig ein Monster, ein kaltblütig berechnender Dämon, ein Mörder und und und. Der Heilige Krieg könnte sich wahrscheinlich keinen besseren Anführer denken und zugleich keinen schlimmeren. Auch jetzt weiß ich noch nicht, ob ich ihn Tod oder Lebendig sehen will. Wir kennen seine Herkunft, wir kennen seine Ziele und wir kennen seine Moralvorstellungen. In Cnaiürs Kapiteln können wir nur tatenlos zusehen wie Kellhus wie eine Spinne ihr Netz inmitten des heiligen Kriegs flechtet und ein hoher Herr nach dem anderen, und die niederen Leute gleich scharen weise sich wie Fliegen in seinem Netz verfangen. (Übrigens Metapher aus dem Buch) Kellhus reißt alles an sich, wird schnell zum sog. Kriegerprophet und baut sich eine Armee aus tausenden inmitten des Heiligen Kriegs auf.
In Achamians Kapiteln sehen wir einen Kellhus, der nur so von Intelligenz wie Selbstsicherheit strahlt. Nachdem Akka eingewilligt hat den Prinzen aus Atrithau zu Unterrichten (natürlich nicht in seiner Magie) stellt dieser rasch die unglaublich hohe Auffassungsgabe und bemerkenswerte Logikstärke des jungen fest. Kellhus findet noch zu jedem Problem eine Lösung, stellt pointierte Fragen, ist ein begnadeter Redner und überhaupt ein Mensch, wie er einzigartiger nicht sein könnte.
Für Serwe ist er einfach nur ein Gott, der auf Erden wandelt.
Und das größte Problem liegt freilich darin, dass jeder ein klein wenig Recht hat. Doch so seltsam Kellhus auch wirkt, so kann man sich selbst kaum dagegen wehren mit ihm zu sympathisieren. Man begleitet ihn und erfährt ganz genau, wodurch seine großen Fähigkeiten entstehen und wie er die Menschen in seiner Umgebung tatsächlich so manipuliert und vor allem warum. Man sieht aber auch, dass selbst er nicht vor Fehlern gefeit ist, dass auch ihn Unsicherheit und Angst vor Fehlentscheidungen auf der Seele liegen. Besonders als die Rathgeber (mich würde interessieren wie sie im Original heißen) ihm langsam aber sicher mehr und mehr zusetzen und er beinahe Schutzlos allem ausgeliefert ist was sich gegen ihn stellt.
Wie könnte ich etwas anderes sagen als, dass ich vom Charakter Anasurimbur Kellhus mehr als nur begeistert bin. Bakker schafft hier wörtlich genau den Charakter zu erschaffen, den ich schon lange in einem Buch gesucht habe und für den ich bislang Paul Muad'dib (Frank Herbert - Der Wüstenplanet) so geliebt habe, hier aber noch mindestens zwei Nummern verschärft.
Aber natürlich geht es im Buch nicht nur um Kellhus, ganz im Gegenteil. In der ersten Reihe steht natürlich noch Drusas Achamian, oder einfach Akka, wie auch schon im ersten Buch. Dieser macht nun aber im Verlauf ebenfalls eine große Verwandlung durch. Es beginnt mir ihm genau dort wo es aufgehört hat. Akka ist verzweifelt! Seine Träume quälen ihn wie eh und je, ein Anasurimbur ist aufgetaucht, der Vorbote der zweiten Apokalypse und nun kann es auch keinen Zweifel mehr daran geben, dass tatsächlich die Rathgeber von neuem aufgetaucht sind. Alles scheint sich auf eine riesige Katastrophe hin zu bewegen und er bereut es zutiefst Esmenet, die er vielleicht nie wieder sehen würde in Sumna zurückgelassen zu haben.
Trotzdem ist er von Kellhus und seiner Art zu denken, zu kombinieren, zu reden beeindruckt und kann einfach nicht glauben, dass er den Untergang bringen soll. Stattdessen macht sich der Gedanke in ihm breit, dass wenn es jemanden gibt der die Auferstehung Mog-Pharaus verhindern kann, dann kommt dafür nur Kellhus in Frage. Vielleicht ist er nicht der Vorbote des Dunkeln, sondern der einzige der diese Welt würde retten können?
Kurz darauf trifft er dann auch endlich Esmenet wieder. DAS Vorzeigepäärchen des Romans hat endlich wieder zusammengefunden, was die Darstellung von Geschlechtsverkehr für einige Kapitel inflationär steigen lässt. aber gut, sie lieben sich eben, waren Monate voneinander getrennt und die weiteren Geschehnisse der Geschichte währen nur halb so grausam wenn die beiden nicht ihre gemeinsame Zeit hauptsächlich damit verbringen sich zu lieben. (In beiden Sinnen)
Was machts also? Zugegeben, ihr Verhältnis beschränkt sich keineswegs auf Sex, stattdessen läuft Esmenet in ihrer Person als Beraterin auf hochtouren. Hier zeigt sich ihr Element, ihre Kombinationsgabe und ihr starker Charakter. Ohne sie ist Achamian eben doch nur ein halb so guter Mensch gewesen.
Bei Cnaiür bin ich mir noch nicht ganz sicher was ich von ihm halten kann. Zum einen zeigt er gerade im ersten Teil des Buchs seine Stärken in der Taktik und im Kampf, gleichzeitig aber auch in der Argumentation mit den Hohen Herren, die regelmäßig vor ihm zurückweichen. Während er dann aber im Mittelteil des Buches fast gar nicht mehr auftaucht, wird er bis zum Schluss zunehmend... verrückt. Vielleicht habe ich auch nur das Gefühl, aber es scheint als verliere unser hässlicher, großer, furchteinflößender Freund allmählich den Verstand. Was aber ehrlich gesagt auch kein großes Wunder ist, so wie er von Kellhus gequält wird.
Xerius, der Herrscher von Nansur erscheint leider nur ein einziges mal im gesamten Buch (als das Arschloch, dass er schon immer war... hätte gern mehr von ihm gelesen) dafür rücken andere Personen weiter in den Vordergrund. Xinemus, einer der Hohen Herren und alter Freund von Achamian. Proyas, ein ehemaliger Schüler von Achamian und jetzt quasi das Oberhaupt des Kriegs und Conphas, der doch relativ eindrucksvoll Xerius' Part (als das Arschloch mit viel Macht)übernimmt. Eleäzaras, der Anführer der Scharlachspitzen (die sich als einziger Orden dem Heiligen Krieg angeschlossen haben) der ebenfalls eine schön zwielichtige Gestalt darstellt.
Die Charaktere Bakkers sind, wie diesem Post wahrscheinlich bereits zu entnehmen, ganz genau mein Geschmack und mein Respekt vor Scott Bakker wuchs mit jeder gelesenen Seite. Doch das ist noch nicht alles. Denn nicht nur Kellhus führt den Leser in ein Dilemma ob er sich nun freuen soll oder nicht, auch beim Heiligen Krieg selbst bin ich mir unschlüssig, ob ich ihm weiterhin Erfolg wünschen sollte, oder ob es nicht für die Welt von Eärwa besser wäre, wenn die ganzen Inrithi nicht endlich stürben! Ja, es sind grausame Krieger, die plündernd, mordend, vergewaltigend, folternd durch die Länder ziehen und sich dabei noch wie Helden fühlen, die die Welt ihrem Gott zu ehren von den heidnischen Fanim befreien. Wie kann man da noch hoffen dass sie gewinnen sollten?Aber der Fall des heiligen Krieges würde natürlich unweigerlich auch den Tod unserer geliebten Charaktere mit sich führen, also sollte er doch lieber weiter gehen? Oder sind die Protagonisten denn überhaupt besser als der ganze Rest, oder auch nur Mörder, Mörder, Mörder. Dieser Krieg, der das komplette Gebiet der drei Meere erschüttert ist grausam und akker scheut sich nicht, dies wieder und wieder hervorzuholen, ohne dass ich das Gefühl hatte von einer Moralkeule getroffen zu werden. Ganz im Gegenteil, wird sich da gefreut und gesungen, während man den Priesten der Fanim die Haut abzieht, Frauen und Kinder niederschlägt, ganze Dörfer verbrennt...
Das Buch ist deutlich reicher an Action als sein Vorgänger und trotzdem fehlt es ihm keineswegs an tiefen Charakteren, faszinierenden Dialogen und Monologen, packenden Zweikämpfen und fantastischen Beschreibungen.
Genial. Mehr bleibt mir zu diesem Buch denke ich nicht zu sagen. Ich werde auf jedenfall weiterlesen.
Der Verräter
Verräter
05.01.2010, 23:42
Irgendwie fühle ich mich schlecht jetzt den dritten Post in einer Reihe in diesen Thread zu schreiben. (soviel zu Doppelposts) Aber da ich aufgrund dessen das der letzte Post fast 3 Monate alt ist nicht mehr editieren kann und ich unbedingt meine Meinung zum dritten Band kundtun möchte, bleibt mir leider nichts anderes übrig.
R. Scott Bakker - Der Tausendfältige Gedanke (The Thousandfold Thought)
Der dritte Roman führt die Geschichte um den Heiligen Krieg konsequent zu einem herausragenden Ende, wobei allerdings noch viele Fragen offen bleiben für die wir wohl auf die zweite Trilogie Bakkers (The Aspect Emperor) warten müssen.
Die neu erstarkte Armee der Inrithi zieht nun los zum letzten Marsch, direkt auf nach Shimeh, der heiligen Stadt. Gleichzeitig werden die Rathgeber aktiver als je zuvor, da sie sich plötzlich in größter Gefahr sehen.
Die Charaktere sind allesamt nur noch spärlich vergleichbar mit ihrem auftreten aus dem ersten Band. Man kann sagen, dass der zweite Band äußerst effektiv war die Personen umzuwälzen und wie sich dort alles zuspitzte, zerbricht hier nun alles.
Vor der mit Abstand größten Veränderung steht natürlich Esmenet, die endlich wirklich gebraucht wird, endlich ihre Organisatorischen Fähigkeiten voll ausleben kann, die endlich mehr ist als nur die "kleine Prostituierte aus Sumna". An Kellhus Seite steht sie nun mitten im geschehen, wird verehrt statt verachtet und wird von ihren eigenen Sklaven bedient, statt ewig selbst zu dienen.
Doch all das geht natürlich mit einem großen Preis einher. Die spärlich verteilten Gespräche mit Achamian und so viele kleine Dinge machen überdeutlich in welchem Zwiespalt sie gefangen ist, aus dem es scheinbar keinen Ausweg gibt.
Das Kapitel in dem Esmi die Sagas liest, war für mich das Gefühlsstärkste während der gesamten Reihe. (ganz dicht gefolgt von der Enthüllung um die wahren Leidensumstände ihrer verlorenen Tochter in Band 2)
Kellhus taucht für eine sehr lange Zeit im Buch überhaupt nicht auf, was ich sehr interessant fand. Natürlich ist er allgegenwärtig und kein einziger Name taucht so häufig auf wie dieser, jedoch wird für diese Zeit kein einziges Kapitel aus seiner Persönlichen Sicht geschildert. Das macht ihn unnahbar, plötzlich undurchschaubar. Er wirkt wie die Statue seiner selbst, die von seinen Anhängern überall hin getragen wird und in dessen Namen das gesamte Gebiet der Drei Meere unterworfen wird. (Und ich bin mir bewusst, dass ich das selbe schon über Paul Muad'Dib sagte in meinem Post zum Herrn des Wüstenplaneten, - die Parallele ist gewollt)
Seine bisherige Stärke wird zu einer Übermacht, seine kaltherzigen Züge zu Grausamkeit (hier verweise ich auf die Belagerung von Gerotha (Kapitel 8), Kellhus Ausruf: "Von diesem Tag an zähle ich!" und den folgen davon) und seine Pläne immer verworrener (was hatte er tatsächlich mit dem Scylvendi in Joktha vor?).
Das Treffen mit seinem Vater war dann absolut einmalig und für mich eine er besten Szenen in der gesamten Reihe.
Achamians Träume werden jetzt zum ersten mal furchtbar spannend, statt wie sonst nur zu verwirren. Ich finde sie sind jetzt aber auch wesentlich intelligenter platziert als in den Vorgängern und mir wurde erst hier tatsächlich klar wie er die Welt sehen muss. Die wahre Bedeutung seiner Worte "Du warst meine Welt."(an Esmenet gerichtet) und die schmerzlichen folgen davon überrannten mich förmlich.
Teilweise, gerade wenn Xinemus noch ins Spiel kommt, wird Akka (mit all seinen Gefühlsschwankungen) allerdings auch sehr anstrengend und seine wieder kehrenden Meinungswechsel mühsam. Alles in allem bleibt er ein sehr spannender Charakter.
Nicht so spannend allerdings wie Cnaiür, der jetzt unglaublich ... unglaublich wird. Der Scylvendi ist einfach endgültig seinem Wahn verfallen (bleibt dabei allerdings immer noch nachvollziehbar) und entwickelt sich nun vom "Mittel zum Zweck"(für Kellhus) zu etwas völlig neuem, absolut unberechenbaren. Im Mittelteil wird ihm eigentlich die größte Aufmerksamkeit geschenkt und wie er rein psychisch gequält wird, da ist seine Entwicklung eigentlich keine große Überraschung.
Ich frage mich nur ernsthaft wie es da jetzt mit den Rathgebern weitergeht ...
Feministinnen könnten einige Passagen in dem Buch denke ich als äußerst provokant auffassen, gleichzeitig übertrifft sich Bakker sich an ein paar Stellen im Buch selbst mit dem herumwerfen unaussprechlicher Namen und Information, die für die eigentliche Handlung absolut unwichtig sind.
Das sind zwei Kritikpunkte die ich anmerken möchte, für mich aber noch lange nicht gewichtig genug sind um die "Prince of Nothing"-Reihe nicht für das beste, was ich im Genre Fantasy bisher gelesen habe zu betiteln. Denn genau das ist es für mich.
Jeder der drei Bände ist auf seine Art vollkommen Einzigartig, die Charaktere sind unglaublich tief und genial gestaltet, die Handlung ist spannend und über weite Teile äußerst kontrovers. Angefangene Gedankengänge werden Konsequent bis zum Ende durchgeführt, mal mit fröhlichem, öfter mit grausamen Folgen für die Charaktere.
Ich werde sicher nicht aufhören dieses Werk weiter zu empfehlen.
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