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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Selbst sein eigener Agent??


Logi
29.01.2010, 18:51
Nein.

Zumindest ist das meine Empfehlung und zwar für jeden, der denkt dass sein Werk es verdient von einem etablierten Verlag veröffentlicht zu werden. Wer zu einem eher bekannten Verlag will, fährt besser mit einem Literaturagenten. Wir reden im Folgenden von einem Agenten, der seinen Job versteht und die entsprechenden Kontakte hat, damit ich mir das " ein (guter) Agent..." sparen kann.

Klischee:
Einen Agenten zu haben hat nichts mit irgendwelchen Klischees zu tun wie man sie nur aus Hollywood-Produktionnen kennt, marke "Please talk to my agent...". Und man hat einen Agenten nicht nur um einen Dicken zu machen. Okay, in gewissem Sinne eben genau deswegen, aber dazu gleich.

Vergütung:
Ein Literaturagent kostet Geld. Aber er kostet eben nur Geld, wenn man selbst auch etwas verdient. Denn ein seriöser Agent verlangt nur Prozente dessen was er verhandelt und wird in eigenem Interesse möglichst viel herausschlagen. Sofern der Agent seinen Job draufhat, wird er ein vielfaches dessen erwirtschaften was man selbst im Direktkontakt verhandelt hätte.

Wieviel:
10% dessen, was der Autor verdient ist gang, gäbe und fair. Soll es mehr sein, darf man die Frage stellen, warum. Mag durchaus sein, dass es Gründe dafür gibt, aber diese sollte man dann kennen. 20% und mehr ist ganz sicher nicht die Norm, aber im Einzelfall vielleicht durchaus gerechtfertigt.

Rechte:
Ein Agent kennt sich mit dem ganzen Blödsinn aus und wird alles tun, um wichtige Rechte beim Autor zu belassen oder zumindest ein Mitspracherecht oder eine Gewinnbeteiligung zu erwirken. Schließlich verdient er ja auch dann wieder mit und warum auch nicht.

Kontakte:
Ein Literaturagent kennt die Leute bei den Verlagen, die für die entsprechenden Themen zuständig sind und kann auch sinnvoll anfragen. Bestimmte Verlage führen kein Fantasy, andere zwar schon aber evtl. nicht für bestimmte Zielgruppen, ein dritter Verlag steht nicht in allen Buchhandlungen, ein vierter Verlag befindet sich laut Branchengeflüster gerade am Rande der Zahlungsunfähigkeit... Und das ist nicht so unwahrscheinlich wie es sich anhört. Das erspart dem Autor Frust und Zeit.

Pitch:
Ein Agent weiß wie man welchem Verlag/welchem Redakteur etwas verkaufen muss. Außerdem umgeht man so den gigantischen Stapel aus hunderten von Manuskripten die pro Monat bei so manchem Verlag eingehen! Dieser wird schon mal von Praktikanten vorausgewählt und landet vielleicht erst in vierter Instanz bei jemandem der wirklich entscheidet. Damit will ich NICHT die Praktikanten niedermachen, denn ich kenne mehr großartige als schlechte Praktikanten. Aber gerade die Erfahrung, ob etwas erfolgreich sein kann oder nicht traut man doch eher einem erfahrenen Mann zu, der schon ein paar Hochs und Tiefs erlebt hat.

Manuskript:
Um bei einem Agenten Interesse zu wecken, braucht man KEIN ganzes Buch. Mein Vorschlag wäre: Ein Pitchpaper von vielleicht 3-5 Seiten mit dem Inhalt und etwa 40 Seiten a 30 Zeilen vom Anfang des Buches, um zu zeigen dass Ihr schreiben könnt.

Also:
Spart Euch den Wahnsinn mit fertigen Büchern, Mails, Zettelsammlungen oder PDF-Dateien an alle Verlage. Das hinterläßt unter Umständen eher verbrannte Erde als dass es zu einem Job kommt. Ergoogelt Euch stattdessen ein paar Literaturagenten. Schaut auf die Website und lest nach, wen sie vertreten bzw. welche Projekte sie erfolgreich auf den Weg gebracht haben. Wenn es zu Eurem Stoff passt oder Euch etwas anderes an der Page passend vorkommt, schreibt ihn an. Sollte Euch jemand absagen, habt ihr damit eine wertvolle Einschätzung gewonnen OHNE dass Euer wertvoller Name bei einem Verlag unter "Abgelehnt" erscheint.


Ich hoffe, das hat dem oder der ein oder anderen geholfen. Jetzt fehlt nur noch ein guter Stoff.

Michael
19.04.2010, 06:44
Hier möchte ich noch eine Kleinigkeit ergänzen. Du hast bestimmt mit allem recht, was Du schreibst. Eine Freundin von mir arbeitet bei einer Agentur und wir sprechen manchmal über das Thema.

Aber eins sollte auch erwähnt werden. Agenturen, die seriös und kapitalstark genug sind, um ohne Vorauszahlung vom Autor auszukommen, sind das meist deswegen, weil sie genauso scharf sieben, wie die Verlage, welches Manuskript und welchen Autoren sie überhaupt zum Vertreten annehmen. Das kann eine Chance sein, einen Warnschuss vor den Bug zu bekommen, bevor man sich mit einem schwachen Skript beim Verlag blamiert. Aber leider werden gerade auch in den großen Agentur manchmal die Vorausscheidungen von jungen, unerfahrenen Leuten, sprich Praktikanten getroffen. Es ist eben alles auch eine Frage der Kosten. Gute Lektoren sind teuer und Praktikanten fast kostenlos. So kann es passieren, dass auch ein gutes Manuskipt in der Agentur durchrutscht, weil es nicht dem Geschmack des Praktikanten entspricht und er es seinem vorgesetzten Lektor gar nicht erst auf den SUM (Grüße an, HMP!) legt.

Also: Trotzdem nicht den Glauben an sich selbst verlieren! Holt Euch objektive Meinungen von Beta-Lesern usw. Hört auf sachliche Kritik, vor allem, wenn mehrere Leute das Selbe sagen. Arbeitet die Korrekturen ein. Und versucht es dann noch einmal woanders.

treogen
19.04.2010, 08:56
@Logi:

sehr guter Beitrag.
Man sollte noch eines hinzufügen:
Genauso wie Verlage oftmals bestimmte Genre haben, die sie verlegen oder ausschließen, genauso haben Agenturen bestimmte Genres, die sie vertreten oder eben nicht.
Hier ist Lesen wirklich absolut Pflicht. Und wie bei einer guten Bewerbung sollte auch hier das Anschreiben direkt für diese eine Agentur geschrieben sei. Warum will ich ausgerechnet dorthin. Weiß ich, wen sie sonst noch vertreten? Wer einfach nach dem Gießkannenprinzip seine Manuskripte verschickt, wird weder bei Verlagen noch bei Agenturen viel Glück haben.

Ach ja - die Frage des Agenten, ob man sein Manuskript bereits an andere Verlage geschickt hat, sollte man ehrlich beantworten. Eine Lüge in dem Bereich zählt als ein Vertrauensbruch und kann durchaus Konsequenzen (auch finanzieller Art) nach sich ziehen.

Und man kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass Agenten erst dann Geld erhalten, wenn auch der Autor Geld erhält. Alles andere ist unseriös.
Auch die fast harmlos scheinende Masche, eine Bearbeitungsgebühr von 50 oder 100 Euro zu verlangen.

@Admins: Kann man den Thread an den Veröffentlichen-Thread dranpappen?
Danke

Torquato
19.04.2010, 11:32
Eine Anekdote aus dem wirklichen Leben:

Eine Freundin hat wegen ihres Buches auf der Leipziger Buchmesse mit einem Agenturvertreter gesprochen, zwecks möglicher Vermittlung an einen Publikumsverlag. Der Typ ließ sich ein Exposee zum Prüfen geben (sie hatte welche mit) und meldete sich nach vier Wochen.

Er hätte einen eigenen Verlag gegründet, schrieb er und würde ihr Buch sooo gut finden, dass er es unbedingt selber verlegen wollte. Kosten für Lektorat usw. roundabout 10.000,- Euro. Krass, oder? Sie hat natürlich freundlich gedankt.

treogen
19.04.2010, 12:08
Kosten für Lektorat usw. roundabout 10.000,- Euro. Krass, oder? Sie hat natürlich freundlich gedankt.

Krass ist eher, dass es mittlerweile einen Haufen Hobbyautoren gibt, die tatsächlich der Meinung sind, dass man etwas zahlen MUSS um veröffentlicht zu werden. Krass ist, dass es immer noch Schreiber gibt, die es tatsächlich glauben, wenn ihnen der Verlag Lügen ins Ohr säuselt ("Das wird der nächste Bestseller. Garantiert. Leider ist uns gerade das Geld ausgegangen, deswegen müssen Sie mit einspringen"). Wenn da ein Umdenken einsetzen würde, würde jenen Pseudoverlagen ganz schnell die Luft zum Atmen zu dünn.
Krass ist, dass ich auch tatsächlich von "Verlegern" immer wieder höre, wie ich es mir leisten könnte, ein Buch herauszubringen (und zwar oftmals noch günstiger), ohne dass meine Autoren auf ein Honorar und Belegexemplare verzichten müssen und ohne, dass ich meine Autoren zu Mindestabnahmen zwinge.

Aber gut, ich hab mir ja auch schon mal anhören müssen, dass ich diskriminierend sei, weil ich mir anmaße, darüber zu entscheiden, wer in meinem Verlag veröffentlicht wird und wer nicht :rolleyes:

HMP
19.04.2010, 16:03
Ich befürchte, wie Treogen, dass es immer wieder welche geben wird, die auf das salbungsvolle Gerede der DKZ-Verlage hereinfallen.

Ansonsten habe ich bei Verlag sucht Geldgeber (http://www.fantasyguide.de/9814.0.html) alles zum Thema DKZ gesagt.

Torquato
19.04.2010, 18:20
... wobei ich vor allem beachtlich fand, dass sich der erwünschte Agent zum DKZV gewandelt hatte. Das ist doppelt gelogen, oder nicht?

HMP
19.04.2010, 19:58
... wobei ich vor allem beachtlich fand, dass sich der erwünschte Agent zum DKZV gewandelt hatte. Das ist doppelt gelogen, oder nicht?

Gelogen? Wie man es nimmt. Er hat möglicherweise auch durch seine Arbeit Einsicht bekommen, wie leicht es ist, sich mit der Gutgläubigkeit, der Eitelkeit oder ähnlichem seinen Verlag finanzieren zu lassen ...