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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Reden oder Handeln- was ist wichtiger?


Imhotep
15.03.2010, 23:35
Was meint ihr, gibt es ein ideales Verhältnis für Dialog/Monologe im Verhältnis zu aktiver Handlung der Chars?

Im Vergleich zwischen Rede und Handlung, was steht an erster Stelle? Sind Redepassagen das notwendige Übel, die eigentlich interessanten Kampfszenen halbwegs sinnvoll zu verbinden- oder sollen Kampfszenen den Inhalt der Dialoge nur praktisch illustrieren?

Wieviel „Theorie“ (philosophische Debatten, Wortgefechte etc.) darf ein Text haben, um noch interessant zu sein? Kann ein Fantasy-Werk (Roman oder Kurzgeschichte) ohne offenen Kampf mit Schwertern etc. überhaupt interessant sein? Würdet ihr bei einem Wortgefecht, wenn „nichts“ passiert, einfach ziemlich schnell abschalten?

treogen
16.03.2010, 07:50
Ein Dialog ist ein Gewürz.
Richtig dosiert, verfeinert es das Gericht.
Falsch dosiert, verdirbt es den Geschmack.

Es gibt keine allgemeingültige Regel. Es gibt durchaus dialoglastige Romane, die trotzdem (oder gerade deswegen?) gut sind.

Ilargi-Zuri
16.03.2010, 11:51
Ich finde das kann man nicht verallgemeinern, es gibt das eine Kurzgeschichte die ich mal gelesen habe, die nur aus einem Dialog besteht und die war echt fesselnd. Es ging um ein Verhör zwischen einem Polizist und einem Massenmörder. Es war echt krank was der Mörder da gesagt hat... er war kein Kanibale oder so was... es war einfach nur krank wie er davon geredet hat das er die Welt retten müsste und so... der Kerl hat echt gedacht er wäre eine Reinkarnation von Jesus, ich denke das sagt schon alles. Ich weiß leider nicht mehr wo ich diese Geschichte gelesen habe, war irgendwo im Netz. Da sie allerdings nicht ganz,... wie soll ich sagen... also Jugendfrei ist definitv das falsche Wort, denn es kam kein Sex, kein Blut und gar nichts vor was irgendwie anstössig wäre.*nein*
Trotzdem, es war auf subtile Weise irgendwie der reinste Horror und ich habe das Gefühl das die Geschichte inzwischen von der Seite genommen wurde, weil... glaubt mir die Geschichte war echt Hard-Core und sollte ich sie wiederfinden schreib ich euch gerne einen Link. Sie ist das beste Beispiel das eine Geschichte nur aus Dialog bestehen kann und trotzdem spannend sein kann.*thumbsup*

Michael
16.03.2010, 14:08
Ein ideales Verhältnis kann es eigentlich nicht geben, weil das Verhältnis selber ja auch ein Stilmittel sein kann. Du kannst damit zum Beispiel Redseligkeit einer oder aller beteiligten Personen zum Ausdruck bringen, oder auch das genaue Gegenteil davon, das Verhältnis der Personen zueinander und vieles mehr.

Jadeaugen
17.03.2010, 16:11
Warum eigentlich Dialog und Handlung so strikt trennen? Für mich gibt es auch keine Handlung, in der man ganz auf Rede verzichten kann, das artet in einem langatmigen Beschreibungsmarathon aus. Was gibt es interessanteres, als die spitzen Kommentare, welche sich zwei geschickte Duellanten zuwerfen?

Ich habe immer zu einem eher beschreibungslastigen Stil geneigt, denn ich bin ehrlich: Eine sehr gute Beschreibung ist für mich einfacher zu schreiben als ein wirklich hervorragender Dialog. Seitdem ich mich aber mehr mit Theaterstücken beschäftige, habe ich da mehr Inspiration.
Das empfehle ich wirklich jedem, der seine Dialoge verbessern will: Von Shakespeare über Schiller bis Brecht und Dürrenmatt, nichts liefert bessere Dialoge. Und wer hier anmerken möchte, dass das dann theatralisch ist und nicht das echte Leben: Nichts ist fataler in einem Buch, als ein "echter" Dialog. Literatur muss wirklicher sein als die Realität - ob man sich dann Schillerschem Pathos oder Büchners Hessen-Slang bedient, muss man natürlich nach Art der Person und gewollten Aussage entscheiden.

Beide Teile, Dialog und Handlung, sollten feinverstrickt und stilistisch zueinander passend sein - in welchem Verhältnis sie dann stehen, schreibt die Art der Szene vor. Jeder schreibt da auch anders, man muss da seinen eigenen Stil finden.

Heryst
22.03.2010, 19:47
Ich denke das wichtigste ist das Handeln während des Redens. Oder das, was nicht ausgesprochen wird, was aber klar auf der Hand liegt.

Hä X.X Was redet der da? Ich verstehe kein Wort.

Ein Beispiel aus HdR dem Film:

Helm's Klamm, kurz vor der Schlacht, wo Aragorn versucht, Theodén zu überreden Hilfe von Gondor zu erbitten. Und der König spricht dann:
"Wo war Gondor als die Westfold fiel? Wo war Gondor als unsere Feinde den Kreis um uns schlossen? Wo war Gon..."
An jener Stelle bricht Theoden ab und ich bin mir absolut sicher, dass er folgendes sagen wollte: "Wo war Gondor, als mein Sohn starb?"

Das ist die wahre Kunst Handlung und Dialog zusammen zu führen. Unnötig zu sagen, dass der Tod des Sohnes Theoden sehr mitgenommen hat

Arveles
23.03.2010, 19:57
Für mich gibt es kein "richtiges Mass" zwischen Handlung und Dialogen.

Es kommt auf das "wie" drauf an. Ein Dialog ohne Inhalt und Relevanz für den Verlauf der Geschichte ist total überflüssig und kaum spannend zu lesen, genauso wie unaufhörliche Beschreibungen (ich mag Beschreibungen, aber es kann auch zu viel des Guten sein) oder unsinnige Handlungen.

Jedoch habe ich auch schon einige Dialoge gelesen, welche über mehrere Seiten geführt wurden und wunderschön zu lesen waren.
Hinzufügen kann man auch, dass Dramen nur auf Dialogen basieren. Klar ist das eine komplett andere Literatugattung, aber ich möchte nur damit aufzeigen, dass man mit langen Dialogen durchaus etwas tolles erschaffen kann, wenn man sein Handwerk versteht.

Eine generelle Aussage finde ich daher unmöglich, da jeder Autor eine andere Art hat Dialog und Handlung zu verknüpfen und zu gewichten, manche machen es besser andere weniger gut.

DeiHiKoSa
30.03.2010, 18:00
Ich finde, dass das Reden und das Handeln ziemlich auf dem selben Niveau steht. das soll jetzt nicht heißen, dass man abwechselnd handeln und sprechen soll. das würde ja echt krank klingen *nono* Sowas geht echt nicht.

Ich finde es trotzdem wichtig, dass Dialoge/Monologe nicht zu kurz kommen sollten. Aber man sollte sie auch nicht überbewerten.

Viele wissen aber gar nicht, wann oder wie oft sie einen Dialog/Monolog einbauen sollen. Das kann ich verstehen, geht mir manchmal auch so. Aber meistens (so mach ich das zumindest :) ) wenn eine Situation es verlangt, wenn längere Zeit eine Handlung (z.B. ein Kampf) stattfindet, um alles etwas aufzulockern oder um etwas auszudrücken, wenn es schwer fällt als Handlungstext wieder zugeben.

... ich gebe zu, dass ich was dieses Thema (und wahrscheinlich noch ein paar mehr *grins* ) auch Fehler mache...
Aber Fhler machen, ist menschlich^^

VG
DeiHiKoSa

Atain
06.04.2010, 08:45
Bei einem Roman interessieren mich in erster Linie die Charaktere. Ich würde daher bei einem Wortgefecht zwischen zwei interessanten Figuren keinesfalls abschalten. Ich finde solche Duelle der Beredsamkeit und des Witzes meistens viel interessanter, als eine Kampfhandlung, da man im Dialog, wenn er gut geschrieben ist, doch viel mehr über die Anschauungen, die Charakteristika und die Geschichte der Figuren erfährt, als bei einem Schwertkampf.

So ein Dialog sollte sich natürlich ergeben und es wäre schlecht wenn er aufgesetzt oder gezwungen wirkt. Ein beispiel für Fantasy mit guten Dialogen und Wortwitz ist meiner Meinung nach Sapkowskis Geralt-Saga.

Für mich ist es aber auch schwerer gute Dialoge zu schreiben, da man hier sehr viel Gespür für die Figur braucht, um diesen spannend und lebendig aufs Papier / den Bildschirm zu bekommen. Beschreibungen fallen mir leichter, das liegt aber vielleicht auch daran, dass es mir schwerer fällt mich wirklich in meine Helden hineinzuversetzen und die Welt ganz aus ihrer Sicht zu sehen. Leichter ist es für mich die Kameraansicht zu wählen und die Ereignisse aus gewisser Distanz zu beschreiben... allerdings leiden darunter bei mir die Dialoge... Naja, kein Meister ist vom Himmel gefallen

lg
Atain

merzi
09.04.2010, 15:39
Was besser ist, kommt immer darauf an, was ich als Autor darstellen will, oder nicht? Eine Person kann ihre Gesinnung "bescheidener" durch ihr Handeln beweisen, vor allem, wenn sie scheu, wortkarg oder fremdsprachig sein soll. Eine Situation oder Person kann von mehreren anderen Personen im Dialog spritzig beschrieben werden, ohne dass der Autor den Leser mit langatmigen Beschreibungen zutextet. Was besser passt, kommt auf den Stil des Textes und die Vorlieben und Fähigkeiten des Autors an.

Rotkätzchen
09.04.2010, 17:03
Interessant fände ich ja mal einen Roman, der nur aus wörtlichen reden besteht. Sozusagen eine Art Kammerspiel, in dem alle Handlung durch die wörtlichen Reden hervorgehen. Ich weiß nicht, ob es sowas gibt, aber rein vom künstlerischen Aspekt fänd ich das mal sehr interessant.

Jadeaugen
09.04.2010, 23:50
Interessant fände ich ja mal einen Roman, der nur aus wörtlichen reden besteht. Sozusagen eine Art Kammerspiel, in dem alle Handlung durch die wörtlichen Reden hervorgehen. Ich weiß nicht, ob es sowas gibt, aber rein vom künstlerischen Aspekt fänd ich das mal sehr interessant.

Das ist ein Theaterstück.
Gibt sogar welche, die ohne Regieanweisungen auskommen ;)