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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Iny Lorentz - Historische Romane


Rotkätzchen
28.02.2008, 15:31
Iny Lorentz - unter diesem Pseudonym schreibt ein Münchner Ehepaar Historische Romane. Mit "Die Kastratin" gelang ihnen 2003 der Durchbruch, seitdem folgten

Die Goldhändlerin
Die Wanderhure
Die Tatarin
Die Katellanin
Die Löwin
Das Vermächtnis der Wanderhure
Die Pilgerin
Die Feuerbraut

Ich habe bislang 2 Romane ausgelesen, einen dritten lese ich aktuell.
"Die Löwin" begann sagenhaft interessant und auch spannend. Das hielt etwa bis zum Ende des zweiten Drittels an, dann leider rutschte diese wirklich anfänglich sehr interessante Geschichte um italienische Fürstentümer, die sich untereinander im Krieg befanden (inkl. persönlicher Tragödien und Liebesgeschichten) in vorausschaubare Gefilde um. Das fand ich sehr schade. Im letzten Drittel hatte sich dann tatsächlich (o Wunder, o Wunder) alles genauso entwickelt, wie ich es vorausgesehen hatte. Es wurde schmalzig, kitschig und gekünstelt zu einem Mega-Happy-End getrimmt.

"Die Katratin" verfolgt eine gänzlich andere Schiene. Eigentlich eine Liebesgeschichte von A bis Z, und auch die (und deren Ausgang) war für mich (ich will echt nicht angeben ;) )schon ziemlich früh vorauszusehen. Nichtsdestotrotz war eine angenehme Lektüre mit heiteren und auch traurigen Momenten. Die einzige durchgehende Geschichte ist sozusagen die sich anbahnende unausweichliche Romanze, die anderen Storyelement sind nur Mittel zum Zweck und eigenlich nicht relevant.

Aktuell lese ich "Die Pilgerin". Ich bin mir zwar schon nach 30 Buchseiten sicher, wen die Heldin zuletzt heiraten wird, dennoch ist die Lektüre schön zu lesen. Wenn ich jetzt sage, es ist angenehme Kost für Zwischendurch, klingt das vielleicht abwertend, was es aber keinesfalls sein soll. Stillistisch lese ich Iny Lorentz inzwischen ziemlich gern. Die Story der Pilgerin ist zwar auch vorauszusehen, trotzdem habe ich bislang meine Freude mit dem Buch.



Generell scheint Iny Lorentz immer mit sehr ähnlichen inhaltlichen Stilmitteln zu spielen. Die Heldin ist stets anständig, gottesfürchtig und unschuldig. Sie fällt Intrigen zum Opfer, wird zu großen Reisen und gefährlichen Taten verurteilt und sammelt ihre Erfahrungen in einer von meist Männern dominierten Welt. Und zuletzt heiratet sie dann genau jenen Kerl, den sie zu Anfang überhaupt nicht haben wollte. Auch diese männlichen Gegenparts haben stets ähnliche Charakterzüge: Sie sind flegelhaft, haben das Herz aber am rechten Flecken, sie sind Idealisten und selbstlos, allerdings erkennt die Heldin das immer recht spät. Somit verliebt sie sich auch immer erst gegen Ende der Bücher.

Nun ja. Historische Romane kommen Fantasy-Büchern noch am nähesten, daher dachte ich, ich mache hier mal einen Lorentz-Thread auf. Wie gesagt, sind die Bücher nicht megaspannend und furchtbar mitreißerisch, aber sie wissen gut zu unterhalten. Perfekte Lektüre für den Badesee oder den Urlaub am Meer. ;)

Hathor
28.02.2008, 17:26
Von Iny Lorentz habe ich auch was gelesen :)

Mein erster Roman war Die Wanderhure, den ich recht interessant und beeindruckend fand. Das Ehepaar hat wohl recht gut recherchiert, was ich an historischen Romanen sehr schätze.
Die Fortsetzung Die Kastellanin fand ich dann nicht mehr so interessant, da die Schwäche von Iny Lorentz ziemlich stark zutage trat: die Neigung zum Klischee und zu unwahrscheinlichen Zufällen.

Die Goldhändlerin war dann so von dem Mary-Sue-Sydrom durchzogen, dass ich erstmal genug von Iny Lorentz hatte. Diese Lea war mir so von Herzen zuwider, diese Alleskönnerin, die von einem unwahrscheinlichen Abenteuer ins nächste stolperte. Nun gabs erstmal eine lange Lorentz-Pause.

Inzwischen liegt aber Die Löwin auf meinem SUB, und ich werde den Roman wohl in den nächsten Wochen lesen.

nyx
28.02.2008, 18:43
Von ihr (bzw. ihnen) habe ich auch schon ein paar Bücher gelesen. Die meisten haben mir auch ganz gut gefallen, bloß habe ich inzwischen das Gefühl: "hast du eins gelesen, kennst du alle", da immer nach dem selben Muster verfahren wird.
Nach "Die Tatarin" war es mir dann zu viel. Ich hatte ein wenig den Eindruck, die Hohlbeins der historischen Romane entdeckt zu haben. Bei diesem Buch hatte ich außerdem den Eindruck, dass nicht besonders viel Arbeit und oder gar Herzblut in dem Buch steckte... *mph*

Nun gut, für zwischendurch sind die Bücher ganz nett, vor allem die älteren, mehr aber auch nicht. Zumindest, wenn man noch nicht mehr als drei oder vier gelesen hat... :rolleyes:

Melyanna
28.02.2008, 19:10
Ich habe nur "Die Goldhändlerin" gelesen - zufälligerweise eine meiner Freundinnen gleichzeitig "Die Kastratin". Und wenn wir dann über die Bücher sprachen, hatten wir teilweise das Gefühl, wir lesen beide das selbe Buch.
Von daher kann ich es nicht wirklich beurteilen, ob der Aufbau der Bücher sich wirklich so sehr ähnelt - aber ich fürchte es sehr.

Deswegen - und weil ich festgestellt habe, dass "feministische" Historienromane mir einfach nicht liegen - habe ich bisher noch kein weiteres Buch von ihr gelesen. Ich weiß wirklich nicht wieso, aber irgendwie komme ich mit Frauen in historischen Romanen schlecht klar. Die Päpstin, die Kaiserin, die Goldhändlerin - kein einziges Buch davon hat mir wirklich gefallen.
Andererseits... bin ich eh Gablé versaut... *nein*

Rotkätzchen
28.02.2008, 19:41
Inzwischen liegt aber Die Löwin auf meinem SUB, und ich werde den Roman wohl in den nächsten Wochen lesen.
Wie schön! Dann würde mich dein subjektiver Eindruck interessieren, wenn du durch bist. Rein schon deshalb, ob er sich mit meinem deckt. Ich fands anfangs hochgradig spannend und interessant, aber das letzte Drittel war sowas von vorhersehbar. :D

Von ihr (bzw. ihnen) habe ich auch schon ein paar Bücher gelesen. Die meisten haben mir auch ganz gut gefallen, bloß habe ich inzwischen das Gefühl: "hast du eins gelesen, kennst du alle", da immer nach dem selben Muster verfahren wird.
Genau den Eindruck habe ich auch. Unschuldiges, gottesfürchtiges, tapferes Mädel gerät ganz schuldlos in ein Abenteuerwirrwarr, meistert die Sache nach schweren Anläufen und findet zuletzt ihr Glück bei nem Kerl mit dem sie Familie haben will. :D
Letzen Endes finde ich jedoch gar nicht, dass dies der Sache bzw. dem Buch so viel nimmt. Bisweilen ist mir halt leichte Kost auch ganz willkommen. Ich meine, bei einer Liebeskomödie mit Ben Stiller und Konsorten weiß man schließlich auch, wie es ausgeht. ;)

nyx
01.03.2008, 16:48
Ich hab auch nichts gegen ähnliche Muster in Büchern, aber wenn der Eindruck entsteht, dass sich die Autoren kaum noch um neue Handlungen und Geschichten bemühen, sodass ich den Eindruck habe, einen Abklatsch der früheren Bücher zu lesen, dann nervt mich das schon ziemlich. :rolleyes:

Rotkätzchen
01.03.2008, 20:59
Puh, sowas passiert mir selten.

Hab "Die Pilgerin" jetzt zu Seite gelegt und werde den Rest auch nicht mehr lesen. Wie schon angemerkt empfand ich "Die Löwin" und "Die Katratin" als gute Unterhaltung. Leichte Kost für einen unbeschwerten Abend oder Nachmittag. Aber "Die Pilgerin" ist... ja, eine Frechheit. Eine FRECHHEIT!

Interessanter Einstieg um Intrigen und einen Vatermord, soweit war noch alles okay, aber sobald es dann mit der Pilgerfahrt los geht, ist das Geschehen sowas von kitschbeladen und von absolut realitätsfernen Ereignissen durchzogen. Zu allem Überfluss werden diese Intrigen während der Pilgerfahr nicht einmal weiter gesponnen, auch nicht mehr erwähnt. Nein, während der Pilgerfahrt (und die Heldin ist wie offenbar in vielen IL-Büchern mal wieder in Männerklamotten unterwegs) werden Zufälle und Begegnungen aneinander gereiht, die ich nur noch als abstrus bezeichnen kann. Und dann endet die Pilgerfahrt auch noch damit, dass sich alle gern haben, jeder einen Liebespartner gefunden hat und alle glücklich sind. Und dann erst wird wieder an den Intrigen vom Einstieg angeknüfpt. Aber seitdem sind 16 Monate vergangen! Deshalb sind die Intrigen ohnehin Schnee von gestern. Tja, an der Stelle habe ich jetzt das Lesen eingestellt, weil das Ende sowieso klar ist. Die Rezensionen bei Amazon haben mir das auch bestätigt.

Iny Lorentz haben eine seltsame Auffassung von der Sexualität. Männer sind alle triebgesteuert (allerdings nur in Momenten, in denen es zu Story passt), und Frauen sind dazu da, missbraucht zu werden. Die Heldin wird zu Anfang vergewaltigt, etwas später dann zum Sex mit einem Franzosen gezwungen. Beim 2. Mal aber machts ihr Spaß! Ja, beim 2. Mal macht es ihr Spaß! Was bitte ist das denn für eine Aussage??? ???
Missbrauch ist schön, wenns nur der richtige Mann tut?

Die Figuren auf dieser Pilgerreise bleiben blass wie das Gesicht eines Gothrockers. Und vom brutalen Frauenschläger bis hin zum hochnäsigen österreichischen Edelmann werden alle auf der Fahrt zum besseren geläutert und haben sich zum Ende der Fahrte hin alle gern. Alle wollen wollen sich das Ehegelübde abnehmen lassen und der brave Pfarrer lädt zum Nacktbaden ein. Klaro. Also wirklich, diese Lektüre war storytechnisch ein schlechter Witz und insgesamt ärgerlich, enttäuschend und einfach ARRRRGH!

nyx
01.03.2008, 23:18
Haha, ja, so ungefähr waren auch meine Gedanken, als ich das Buch gelesen habe. ^^
Bei der Stelle mit der Bucht konnte ich auch nur noch lachen. Das war richtig billig, als alle Charaktere der Reihe nach in irgendwelchen Büschen verschwanden. *rofl*

Hathor
06.04.2008, 08:50
Ich habe Die Löwin gelesen.

Mein Urteil über das Autorenehepaar hat sich (leider) bestärkt: Kennt man einen Roman von Iny Lorentz, kennt man alle.

Ein gewisses Erzähltalent kann ich den beiden nicht absprechen, aber auch eine Tendenz zum Schwafeln. Und in diesem Buch gab es zwei oder drei Stellen, in denen die beiden anscheinend sich nicht gut genug abgesprochen hatten und deshalb Ungereimtheiten auftraten. Nichts Aufregendes oder wirklich Störendes, aber für mich ist das schriftstellerische Schlamperei, die ich nicht durchgehen lassen mag.

Die Handlung ließe sich eigentlich auf drei Seiten erzählen. Aufgefüllt wird der Roamn (manchmal ziemlich schwerfällig) durch Hin- und Hergereite und Unterhaltungen, die das zuvor schon erzählte Geschehen nochmals durchkauen.
Dazu die manchmal schon recht abtrusen Namensschöpfungen wie Lanzelotto Annibale oder Bernardino da Polenta.

Am meisten aber hat mich gestört, wie flach und unsympathisch der Charakter der Protagonistin geschildert wurde.

Ich musste beim Lesen auch immer wieder an Rotkätzchens Meinung über Iny Lorentz' Auffassung von Sexualität denken und fand diese voll bestätigt *ja*

Ehrlich gesagt: weitere Werke von Iny Lorentz werde ich wohl nicht lesen.

Antigone
06.04.2008, 14:19
Iny Lorentz - unter diesem Pseudonym schreibt Generell scheint Iny Lorentz immer mit sehr ähnlichen inhaltlichen Stilmitteln zu spielen. Die Heldin ist stets anständig, gottesfürchtig und unschuldig. Sie fällt Intrigen zum Opfer, wird zu großen Reisen und gefährlichen Taten verurteilt und sammelt ihre Erfahrungen in einer von meist Männern dominierten Welt. Und zuletzt heiratet sie dann genau jenen Kerl, den sie zu Anfang überhaupt nicht haben wollte. Auch diese männlichen Gegenparts haben stets ähnliche Charakterzüge: Sie sind flegelhaft, haben das Herz aber am rechten Flecken, sie sind Idealisten und selbstlos, allerdings erkennt die Heldin das immer recht spät. Somit verliebt sie sich auch immer erst gegen Ende der Bücher.
)

Möglicherweise sind einige/viele hier zu jung, um sich zu erinnern, aber das ist genau die Art von Story, mit der Barbara Cartland früher berühmt war. Die Frau war ein Phänomen - immer wieder die gleiche Geschichte, lediglich Namen und Orte wurden geändert....

Ich hab von Fam. Lorentz als erstes die Wanderhure gelesen und war recht begeistert. Mir hat die Unbefangenheit gefallen, mit der sie sich diesem doch recht "anrüchigem" Thema genähert haben.

Was mich bei denen aber echt stört, ist die Anzahl der Vergewaltigungen. Extrem ist des bei "Die Rückkehr der Wanderhure", da wird vergewaltigt bis zum Abwinken. Klar war das ne rauhe Zeit damals, aber man kanns auch übertreiben.

Lg, A.

Rotkätzchen
06.04.2008, 18:40
Hmm, ich stelle jetzt mal eine (vielleicht) gemeine These auf:

Es gibt ja das Phänomen, dass Drehbuchschreiber und Regisseure, die selbst schon weit jenseits der 40 sind, fleißig Teenie-Filme drehen. Also solch allbekannte albernen College-Klamotten oder Schülerschmonzetten wie es sie ja zu Haufe gibt. Es sollte klar sein, dass diese Filme keineswegs reelle Zustände präsentieren (woher sollten die Ü-40er auch kennen?). Vielmehr bannen Drehbuchschreiber und besagte Regisseure damit ihre eigenen Fantasien auf Zelluloid. So kommt es, dass diese Teenie-Filme oftmals mit vermeintlich lustigen, aber vollkommen abwegigen pseudoerotischen Gegebenheiten aufwarten: Das geht von Nackt-Partys oder einem FKK-Dauerlauf auf dem Campus bis hin zu vermeintlich komödiantischen Fäkaleinlagen oder was weiß ich noch. Der Punkt ist: Diese älter gewordenen Leute leben über eine Generation, die sie nicht mehr kennen, ihre erotomanen Fantasien aus - mit anderen Worten: die ältere Generation zeichnet die jüngere Generation in einem Bild, wie sie es selbst gerne hätten bzw. sähen.

Was hat das jetzt mit Iny Lorentz zu tun?
Nun ja, unbestreitbar sind auch in deren Romanen die einen oder anderen Fetische zu finden, die immer und immer wieder auftauchen:
- Das missbrauchte unschuldige Mädchen
- dasselbe Mädchen in Männerklamotten
- dasselbe Mädchen wird mit Dingen konfrontiert, mit denen sich ansonsten nur Männer auseinandersetzen.
Laut den Wikipedia-Daten geht das Ehepaar Iny Lorentz auf die 60 zu. Mag es sein, dass auch die auf diese Weise ihre Fantasien ausleben, die sie aufgrund ihres Alters nicht mehr selbst ausleben können?

nyx
06.04.2008, 19:35
Hm, interessante These und bestimmt auch nicht ganz abwegig.

Ich halte es allerdings für wahrscheinlicher, dass die beiden eben mit einem Buch in dem Stil begonnen haben und weil das so erfolgreich war, die nächsten zehn Bücher eben auch in dem Stil geschrieben werden müssen, frei nach dem Motto: "Never change a winning team". *nein*

Und ich denke, bis jetzt scheint die Taktik auch ganz gut aufgegangen zu sein, denn wenn nur die Lorentzens (oder wie auch immer sie wirklich heißen mögen) die einzigen wären, die eine solche Storyline "antörnt", dann würden sihc die Bücher wohl auch nicht so gut verkaufen.

Rotkätzchen
06.04.2008, 19:48
Und ich denke, bis jetzt scheint die Taktik auch ganz gut aufgegangen zu sein, denn wenn nur die Lorentzens (oder wie auch immer sie wirklich heißen mögen) die einzigen wären, die eine solche Storyline "antörnt", dann würden sihc die Bücher wohl auch nicht so gut verkaufen.
Ich hab so eine Freundin.
Sie wird mir früher oder später "Die Feuerbraut" (das neuste) andrehen. Tja, und ich werds wohl auch lesen, denn wenn ich ihre Buchempfehlungen nicht mehr lese, liest sie meine auch nicht mehr. Freundschaften können so furchtbar kompliziert sein. :rolleyes:

Rotkätzchen
24.04.2008, 17:59
So, jetzt habe ich mit der Feuerbraut begonnen und ... tja, schon ganz zu Anfang wird ordentlich geRAUBMORDet und vergewaltigt. Generell kann man solche Stilmittel nicht verachten, aber die Art und Weise wie sie auch hier in Szene gesetzt werden, ist für mich schlicht und ergreifend inakzeptabel. Zumal Vergewaltigung hier fast als ein ganz normaler Freizeitsport herüber kommt.
Es wird massakriert und vergewaltigt. Tja, und eines der Vergewaltigungsopfer, der zudem die Brüste und Oberschenkel aufgeschlitzt wurden, hat doch nur wenige Minuten nach der "Tat" keine größeren Sorgen, als dass sie nicht mehr schön ist und womöglich ins Kloster gehen muss! Hallo?
Da ist keine Spur eines Traumas, keine Spur psychischer Selbstverachtung oder was auch immer, nein, da ist sofort wieder rationales Denken da. Und neben der Beklagung des Schönheitsverlusts ist die Frau auch schon wieder imstande Intrigen zu spinnen. Die anderen Vergewaltigungsopfer stecken dieses "Erlebnis" auch ganz einfach (wie auch in anderen IL-Romanen) weg, als hätte man nur ein wenig geohrfeigt. Ich kann das ganze mittlerweile nur noch als Fantasien der Autoren abtun. Denn das Vergewaltigtwerden zieht hier auch (un)freiwillig (un)erotische Momente mit sich, da die Frauen ja alle nackt aufgefunden werden. Scheinbar findet das Autorenehepaar an solchen Situationen einen perversen Gefallen.

Das traurige oder Gefährliche daran ist, dass Vergewaltigung völlig verharmlost wird.

Rotkätzchen
26.07.2008, 09:52
Ich habs wieder einmal getan und mir einen Roman von meiner Freundin aufschwatzen lassen. Dieses Mal: Die Tatarin.

Als "Ersttäter" in Sachen Iny Lorentz könnte man wohl schon Gefallen an dem Buch finden, wenn man von einem Historienroman mehr Schmonzette als Glaubwürdigkeit erwartet und bevorzugt. In meinem Fall stellte sich schon nach wenigen Buchseiten ein permanentes, gequältes Lächeln ein. Ich konnte das ganze einfach nicht mehr ernst nehmen. Es war eben die typische IL-Kost. :rolleyes:
Als die Russen einen Sohn des Stammesführers als Geisel verlangten, war mir vollkomen klar, dass eine seiner zahlreichen Töchter gehen würde, die dann selbstverständlich die Heldin des Buches sein würde. :rolleyes:

Alles in allem werden wieder sämtliche IL-Fetische bedient: Das junge, unschuldige Mädchen, das in Männerklamotten in die Ferne ziehen muss / Pseudoerotische Gegebenheiten, in denen das Mädchen um die Enttarnung ihres wahren Geschlechts bangen muss / ein russischer Hauptmann mit einem mächtig großen... ähm... Herz, den sie unfreiwillig nett findet / weibliches Herrschaftsgefolge, das der Heldin gegen die grobe Männerwelt wohlgesonnen ist / einfältige Gegenspieler, nämlich ein großer Feldherr der bösen Schweden, der gelinde ausgedrückt ein Volltrottel ist / die stets vorherrschende Zwiespältigkeit der Heldin, ob sie den Hauptmann nun lieben oder verachten soll.
Am Ende wird selbstverständlich geheiratet!

Klammere ich all diese storytechnischen Wiederholungen aus, bleibt dennoch nur ein spannungsarmer Russland-Roman übrig, der sämtliche Klischees bedient und mit unglaublich flachen Charakteren aufwartet.

Ich weiß nicht, vielleicht empfinde ich das nur so, weil es nicht mein erster sondern mein 5. IL-Roman war, aber wo ich "Die Löwin" (mein IL-Debüt) noch über die ersten zwei Drittel abwechslungsreich und interessant fand, wollte sich hier nicht die geringste Spannung aufbauen. Mag natürlich daran liegen, dass der grobe Weiterverlauf für IL-Kenner schon nach wenigen Seiten absehbar ist.