Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ursula K. LeGuin - Erdsee
Mad Bull
10.03.2008, 14:29
Hallo Fantasyfreunde,
meine Schwester lest zur Zeit den großen Fantasyroman "Erdsee".
Sie meint, es wäre das beste was sie bisher gelesen hatte.
Auch findet es sie bedauerlich, das es schon bald zu ende geht.
Wer hat von euch Erdsee gelesen?
Wie findet ihr Erdsee?
Ursula K. LeGuins Erdesee Zyklus umfasst insgesamt 5 Bände.
Es kann sein, dass Deine Schwester erst die ersten drei Bände als Trilogie las. Ich selbst habe die beiden Fortsetzungen noch nicht gelesen, aber die sollen ganz OK sein.
Worum geht es:
Der sehr mächtige, aber ebenso junge Zauberer Sperling Beschwört in seinem jugendlichen Leichtsinn ein Wesen hervor, dass ihn sein ganzes Leben verfolgt. Während seiner Reisen versucht er die Existenz seines Gegner zu ergründen, denn im Verstehen seine Feindes liegt der Schlüssel zum Sieg.
Der Erdsee Zyklus ist ein Klassiker des Genres, aber in mancher hinsicht wirkt er heute ein wenig angestaubt. Dennoch: Eine sehr gelungene Reihe.
Die Reihe ist schon zweimal verfilmt worden. Vor ein paar Jahren im Zuge einer recht durchwachsenen Miniserie des SciFi Channels und jüngst in einer Manga Version, bei der nur der Name mit der Reihe überein stimmt.
Hier findest Du mehr über den Erdsee Zyklus und die Autorin Ursula K. LeGuin (http://www.fictionfantasy.de/article2165.html)
meine Schwester lest zur Zeit den großen Fantasyroman "Erdsee".
Sie meint, es wäre das beste was sie bisher gelesen hatte.
Auch findet es sie bedauerlich, das es schon bald zu ende geht.
Saubere Arbeit. Angefangen damit, dass der Name der Autorin verschwiegen wird. Weiter geht es mit dem typischen "das ist toll", in diesem Fall auchnoch aus zweiter Hand. Da ich schon öfter mit dem Gedanken gespielt habe, mir das Buch anzuschaffen, wäre ich über eine detaillierte Meinung wirklich dankbar, zumal ich meine Kaufentscheidung durchaus, zumindest teilweise, von seriösen Rezensionen abhängig mache. Aber sowas kann ich beim besten Willen nicht als Threadstarter akzeptieren. Es besteht Nachholbedarf.
Edit: Wie ich sehe, wurden meine Wünsche bereits erhört, danke @Rusch.
Nicht so harsch, Kepheus. Lass die Leute sich erst mal hier einleben. Das mit der Autorin stimmt schon, aber das kann man ja nachtragen und ich als Mod habe das gleich nachgeholt. Ansonsten ist die Frage, was an einem Buch dran ist durchaus legitim.
Bei Fictionfantasy findest Du einige Rezensionen. Von mir ist nur der Verriss zu dem Fernsehfilm.
Ich kenne vorläufig nur den ersten Band: Und dass ich diesen gelesen habe, war reiner Zufall, da ich den Band um zwei Euro im Wühltisch entdeckt habe ;)
Kurz gesagt, hat mir dieser erste Teil gut gefallen. Der Schreibstil der Autorin ist manchmal ein bisschen langatmig, manche Zeitsprünge ein wenig zu abrupt, aber die Handlung insgesamt ist stimmig und spannend. Zudem ein Protagonist, der ein Held ist, der auch Fehler macht, und die nicht zu knapp.
Dieses Buch muss J.K.Rowling auch mal gelesen haben :D
Dieses Buch muss J.K.Rowling auch mal gelesen haben :D
Sehr wahrscheinlich. Wie ich schon sagte: Die ursprüngliche Trilogie gehört zu den Klassikern und wurde in einer Zeit geschrieben, als Fantasy noch ein sehr winziges Genre war.
Waterstorm
10.03.2008, 21:13
Ich habe auch etwas davon gelesen. Aber ich weiss nicht mehr genau wieviel. Das Buch war auf jeden Fall sehr dick. Ich glaube da war die ganze Trilogie drin.
Magier der Erdsee liegt immer noch ungelesen herum. Ich müsste mir zuerst die ersten Bücher wieder vornehmen. Es ist bestimmt schon mehr als 5 Jahre her seit ich das Buch gelesen habe. Gefallen hat es mir nicht schlecht, nur fand ich es zwischendurch etwas langatmig.
Da ich kaum mehr etwas von der Geschichte weiss wäre der richtige Zeitpunkt gekommen es wieder einmal zu lesen.
EDIT: Gerade habe ich herausgefunden das Magier der Erdsee das erste Buch sein soll. Ich habe es vor ein paar Jahren auch auf einem Wühltisch gesehen und gekauft.
Mad Bull
11.03.2008, 14:57
zumal ich meine Kaufentscheidung durchaus, zumindest teilweise, von seriösen Rezensionen abhängig mache. Aber sowas kann ich beim besten Willen nicht als Threadstarter akzeptieren. Es besteht Nachholbedarf.
Edit: Wie ich sehe, wurden meine Wünsche bereits erhört, danke @Rusch.
Das ist auch durchaus in Ordnung Kepheus.
Wenn man Klärungsbedarf hat, ist es nicht immer vermeidbar mit vollständigen
Informationen einen Thread zu eröffnen.
Darum wird der unvollständige Thread von den anderen Teilnehmern ergänzt
und so sinnvoll ausgewertet. Damit kommt man dem Ziel zu einer seriösen
Rezension, wie du es nennst, ein gutes Stück näher.
"Was wir wissen ist ein Tropfen, was wir nicht wissen ist ein Ozean:"
Isaac Newton
Aufgrund dieser Erkenntnis dieses großartigen Wissenschaftlers ist es mir
nicht mehr peinlich, wenn ich über etwas nicht bescheid weiss.
Dazu kommt, das ein Künstler eine gewisse Narrenfreiheit braucht um kreativ tätig zu sein.
Und darum werde Ich mit unvollständigen Hinweisen weitere Threads eröffnen.
Rusch, Hathor und Waterstorm haben schon Hinweise geliefert.
So habe Ich mir durch ihre freundliche Mithilfe ein besseres Bild von dieser Geschichte gemacht.
Vielleicht kann noch jemand etwas hinzufügen?
Liathano
23.05.2008, 23:04
Ich hoffe es stört niemanden, wenn ich schon wieder Threadnekromantie betreibe, aber gerade hier muss ich doch meinen Kommentar abgeben.
Vorneweg: ich mag die Erdseebücher sehr, sehr gern, habe aber nur die ersten vier gelesen, weil ich schon beim 4. Band einen leichten Qualitätsverlust bemerkt hab und ich die Reihe einfach in guter Erinnerung behalten wollte (und relativ abgeschlossen war sie ja).
Die Bände beschreiben verschiedene Episoden und Entwicklungsstufen des Magiers Ged.
Der erste Erdseeband ist ein sehr schöner, magischer Entwicklungsroman. Ged ist alles andere als perfekt, wie schon erwähnt wurde und seine Neugier, sowie der jugendliche Drang, sich zu beweisen, werden ihm zum Verhängnis.
LeGuin erzählt gleichzeitig mit großer Kraft und noch größerer, beständiger Ruhe. Selbst die eigentlich actionreichen Szenen "plätschern" ruhig dahin und dennoch kam für mich keine Langeweile auf, im Gegenteil, die Atmospähre von Erdsee hat mich immer gefesselt. LeGuin ist eine Menschenkennerin, die viel Tiefgang in ihre Bücher bringt, ohne diesen auch noch deutlich betonen zu müssen (denn bei vielen Autoren kommt mir der Tiefgang aufgesetzt und erzwungen vor), somit behält die Geschichte trotzdem etwas märchenhaft leichtes. Auch der Weltenentwurf ist sehr schön, wenn auch aus heutiger Sicht vermutlich nichts, was einem nicht schon bekannt vorkommen würde.
Der Stoff wurde zweimal verfilmt, mMn waren beide aber enttäuschend (sogar die Ghibliverfilmung, obwohl ich diese Filme sonst liebe!), weil sie einfach nicht den Zauber und die Ruhe der Bücher einfangen konnten und die eigentliche Botschaft LeGuins entweder arg reduziert oder verdreht wurde.
Wer etwas ähnliches wie Erdsee sucht, dem sei Erdzauber von Patricia McKillip empfohlen, auch eine sehr ruhige, aber bezaubernde Erzählung.
Theophagos
23.05.2008, 23:39
Zwischen dem dritten und dem vierten Band gibt es in der Tat einen Sprung - ich meine allerdings, dass der vierte wesentlich interessanter ist als die vorherigen.
Neben den fünf Romanen gibt es übrigens noch einige Kurzgeschichten/Novellen.
Dieses Buch muss J.K.Rowling auch mal gelesen haben
Kennt hier jemand die Erdsee-Kurzgeschichte "Das Wort der Macht" (engl. "The Word of Unbinding")? Der Bösewicht ist ein untoter Zauberer Namens Voll, der nur noch ein Schatten ist. Als Diener hat er Trolle.
Aber auch im ersten Band mit der Zaubererschule gibt es einige Anklänge.
Theophagos
Ich habe jetzt den Magier der Erdsee durch und muss sagen, dass ich bös enttäuscht bin.
Der Anfang mit der Rettung des Dorfes durch den Nebelzauber ist ja noch recht stimmig, abgesehen davon, dass mir die Charaktere etwas kalt und unpersönlich erschienen. Die Zaubererschule ist wirklich gelungen, bloß dass ich immer Rowlings Charaktere vor Augen hatte (Ged=Harry, Vetsch=Ron, Jasper=Draco), was wohl an Mrs. Rowlings "Inspiration" liegen dürfte.:)
Was danach kommt, hätte ich mir allerdings schenken können. Er fährt von Insel A zu Insel B, nächtigt mal hier mal dort, mal lässt er sich ein Schiff bauen, mal zaubert er sich eins aus Treibgut zusammen und die allwissende Erzählerin nervt mit Ankündigungen darüber, was Ged noch alles erleben wird, wenn er erstmal "groß" ist. :rolleyes:
Ich weiß nicht: Entweder war das wieder eine grottenschlechte Übersetzung - oder LeGuin kann schlicht und ergreifend nicht schreiben. Meine Meinung: Sprachlich unterdurchschnittlich und inhaltlich ein fürchterlicher Langeweiler.*fad* Da guck ich mir lieber nochmal die Ghibli Verfilmung an, statt weitere Bände zu lesen.
Mag ja sein, dass das Buch 1968 noch was besonderes war. Heutzutage ist es jedenfalls nicht mehr zeitgemäß.
Liathano
30.07.2008, 20:15
Entschuldige bitte - aber ich finde es wirklich furchtbar, wenn man aufgrund des persönlichen Geschmacks urteilt "Autor A kann nicht schreiben". Das ist schlichtweg falsch und hochmütig. Frau LeGuin trifft sicher nicht jeden Geschmack - aber in der Erzählkunst ist sie durchaus bewandert und nicht umsonst eine der erfolgreichsten SciFi und Fantasyautorinnen aller Zeiten, die viel dafür getan, weibliche Schriftstellerinnen in diesen Genres zu etablieren.
Wie gesagt - LeGuin ist eine meisterhafte Beobachterin und versteht es, ihren Büchern Tiefgang zu verleihen, ohne das raushängen zu lassen, wie es andere Autoren machen (die teilweise sogar nur suggerieren, tiefgründig zu schreiben, deren Plot aber flach wie eine Pfütze ist).
Sie schreibt manchmal extrem subtil und trotzdem selbst für Jugendliche und Kinder verständlich. Gerade Erdsee ist so ein Buch, über dessen Intentionen und Metaphorik/Symbolik man viel nachdenken kann, wenn man älter ist, das in jüngeren Jahren aber schlichtweg unterhält. Das Gleichgewicht der Dinge, das Nicht-Handeln, die menschliche Natur werden thematisiert. Ohne magisches Kawumm, blutrünstige Orks und die ganze Äktschn. Aber das ist es wohl eher, was die Leser dieser Generation reizt ...
Ihr Stil ist wie ihre Geschichte - ruhig, leise, bisweilen poetisch. Einfach und schlicht meist, niemals reißerisch oder überladen, dafür stilsicher. Nicht für jeden das richtige, aber deshalb keinesfalls schlecht.
Genau das ist es auch, was ich dem Film von Ghibli furchtbar finde: Er hat nicht nur die Geschichte völlig verfremdet, sondern alles über den Haufen geworfen, wofür LeGuin steht und dafür auf fast schon amerikanisch anmutende Actionszenen gesetzt. Einfach nur erbärmlich, da kam kein Zauber, keine Gefühle auf, die Charaktere hatten keine Seele ...
Wie dem auch sei, nur meine Meinung. Ich kann verstehen, das man das Buch nicht mag. Nur talentfrei ist die Autorin sicher nicht. ;)
Entschuldige bitte - aber ich finde es wirklich furchtbar, wenn man aufgrund des persönlichen Geschmacks urteilt "Autor A kann nicht schreiben".
Tja, ist es denn - so meine Logik - dann nicht ebenso furchtbar, von einer Schriftstellerin zu behaupten, dass sie schreiben könne und in der Erzählkunst durchaus bewandert sei?
Einen Autor als einen schlechten Autor zu verurteilen ist nicht hochmütiger als jemanden in den Himmel zu loben.
Beides höchst subjektiv, beides die eigene Meinung und beides durchaus erlaubt.
Die Meinung eines Anderen - wenn sie einem nicht passt - als hochmütig zu betiteln finde ich erst recht hochmütig. ;)
Für mich gehört Erdsee zu den langweiligsten Büchern, die ich im Bereich Fantasy je gelesen habe. Genau dieses angesprochene Hin- und Hergefahre, nachher diese Zeitsprünge und noch mehr, an das ich mich jetzt nicht erinern kann.
Ich denke, es ist einfach Geschmackssache.
Ursula K. LeGuin schreibt eben sehr ruhig, ohne Actionszenen und Tamtam. Natürlich wirkt das auf manche langatmig (genau wie Tolkien), aber ich habe das Buch nicht als schlecht empfunden.
Ich empfand die Beschreibung der Charaktere auch als etwas distanziert, aber ich denke, das ist typisch für ihre Erzählweise. Man nennt das auch Schreibstil. ;)
Allerdings fand ich einige ihrer Ideen sehr schön, was Landschaften, Völker, Bräuche etc. betrifft.
*schwitz* :D
Liathano
31.07.2008, 17:33
Ich empfand die Beschreibung der Charaktere auch als etwas distanziert, aber ich denke, das ist typisch für ihre Erzählweise. Man nennt das auch Schreibstil. ;)
:D
@Elyvrion: Du hast mich missverstanden, denke ich. Subjektiv betrachtet darf man natürlich alles toll und miserabel finden, das ist nicht hochmütig, das nennt man Geschmack. Obejektiv jedoch gibt es bestimmte Kriterien, die von irgendwelchen Germanisten sicher mal festgesetzt wurden, die man aber auch als Normalbürger beurteilen könnte, nach denen man die schreiberischen Fähigkeiten eines Autors analysieren kann. Das ist nicht hochmütig, das ist tatsächlich und wissenschaftlich. Ich will keine Haare spalten und mich nicht streiten, aber man erlaube mir meine Anmerkungen. ;)
"bestimmte Kriterien..."
"von irgendwelchen Germanisten sicher mal festgesetzt..."
"man als normaler Bürger beurteilen könnte"
Geht's noch unpräziser? Mich würde mal interessieren, was du ganz konkret an Band 1 der Erdsee Saga (denn nur von diesem Band war die Rede) für schreibtechnisch gelungen erachtest. Elyvrion und ich, wir lernen als Autoren sicher gerne hinzu. Aber nenn' es ruhig arrogant: Ich wüsste nicht, was ich von Frau LeGuin aus dem Magier der Erdsee lernen sollte, vielleicht kannst du mir ja die Augen öffnen.
Ich steh weder auf "Äktschn" noch gehöre ich "dieser Generation" an, wobei ich mich frage, wer mit "dieser Generation" gemeint sein soll. Noch so ein schöner Gemeinplatz. Ich denke, dieses Forum belegt wohl eindeutig, dass Qualität und Anspruch nichts mit Lebensalter zu tun haben.
Des weiteren verwehre ich mich massiv gegen Überinterpretationen. Ich kenne die weiteren Bände nicht, deshalb gebe ich dazu kein abschließendes Urteil ab. Eine beachtenswerte "Metaphorik/Symbolik" vermag ich im Magier der Erdsee jedenfalls nicht zu erkennen. Aber das liegt vermutlich ja nur daran, dass du viel schlauer und gebildeter bist als Elyvrion und ich - und das sogar, ohne dabei arrogant zu sein. *chapeau* [Ironie aus]...Büchern Tiefgang zu verleihen, ohne das raushängen zu lassen, wie es andere Autoren machen (die teilweise sogar nur suggerieren, tiefgründig zu schreiben, deren Plot aber flach wie eine Pfütze ist)Das hast du sehr schön ausgedrückt, leider trifft es für mich nur genau im umgekehrten Sinne auf den Magier der Erdsee zu: Der Plot [I]ist für mich flach wie eine Pfütze und wird nur durch nachträgliche Überinterpretation zu etwas erhoben, was er meiner Meinung nach gar nicht ist.
Nun ja, ich hoffe, mit meinem Beitrag deinem hier (http://www.fantasy-forum.org/showthread.php?t=1113) geäußerten Wunsch nach mehr, auch kontroverser Diskussion entsprochen zu haben.:)
Was die Ghibli Verfilmung betrifft, dazu gibt es hier (http://45569.forum.onetwomax.de/topic=101371584427) eine sehr ausführliche Rezension von mir.
Allerdings fand ich einige ihrer Ideen sehr schön, was Landschaften, Völker, Bräuche etc. betrifft.Das ist übrigens eine Aussage, die so konkret ist, dass ich sie nachvollziehen und ihr auch zustimmen kann.
"
"von irgendwelchen Germanisten sicher mal festgesetzt..."
In diesem Fall wären es Anglisten oder Amerikanisten (Erdsee ist ein englischsprachiges Buch).
Ich habe die ersten drei Bände ebenfalls gelesen, vor zwei Jahren. Ich kann mich erinnern, dass mich das erste und zweite Buch ungemein fesselten und ich sie innerhalb weniger Tage verschlungen hatte. Aber schon im dritten Buch verlor ich das Interesse mehr und mehr, und das vierte habe ich garnicht erst angerührt. Laut einem Freund ist das vierte so eine Art "Unsere kleine Farm im Fantasy Style", hat das sonst noch jemand gelesen? Würde mich mal interessieren, was andere davon denken.
Ich denke, Liathano hat schon sehr schön zusammengefasst, dass Ursula K. LeGuin vor allem eines kann: ruhig und stimmig erzählen. Deswegen funktioniert die Geschichte in diesem dunklen Tempellabyrinth (Buch 2) auch so gut. Aber sobald sich die Handlung in eine actionreiche Umgebung verlagert - im dritten Buch nämlich, das hauptsächlich aus Reisen und Begegnungen mit Drachen besteht - da fehlt ein der Pepp. Der Leser bekommt zwar von der Autorin erzählt, dass diese Drachen äußerst mächtig und gefährlich sind, aber Sie schafft es trotzdem nicht, dem Leser diese Ehrfurcht auch tatsächlich einzuflößen.
Erdsee habe ich nur auf deutsch gelesen, aber da ich ein anderes Buch von LeGuin im Original kenne (The Left Hand of Darkness), weiß ich, dass sie mit ihrer Muttersprache sehr gut und poetisch umgehen kann. Sprachmelodie lässt sich immer schwer übersetzen, kann gut sein, dass da Einiges verloren geht.
Was ich bisher an allen LeGuin Büchern sehr zu schätzen wusste, war die durchdachte Darstellung der Politik in den verschiedenen Reichen. Das geht endlich mal über das "Königreich A bekämpft Königreich B weil...ähm...naja weil die das eben schon seit Jahrhunderten machen!"-Schema hinaus ;)
Liathano
31.07.2008, 20:38
Geht's noch unpräziser? Mich würde mal interessieren, was du ganz konkret an Band 1 der Erdsee Saga (denn nur von diesem Band war die Rede) für schreibtechnisch gelungen erachtest. Elyvrion und ich, wir lernen als Autoren sicher gerne hinzu. Aber nenn' es ruhig arrogant: Ich wüsste nicht, was ich von Frau LeGuin aus dem Magier der Erdsee lernen sollte, vielleicht kannst du mir ja die Augen öffnen.
Sicher. Was kannst du, als bestimmt renommierter und international anerkannter Autor, auch von einer Autorin lernen, deren Bücher seit mehr als 30 Jahren auf jedem Kontinent gelesen und gemocht werden, die Fantasy und SciFi maßgeblich beeinflusst hat und die vermutlich auch in 50 Jahren noch gelesen und geschätzt werden wird? Wie könnte ich das arrogant nennen, wenn du dich darüber erhebst? ;)
Und was ich für schreib- und erzähltechnisch als gelungen erachte, das habe ich schon in einem früheren Beitrag angesprochen. LeGuin schreibt einerseits unglaublich atmosphärisch – noch heute, lange Zeit nachdem ich das Buch gelesen habe, kann ich mich an die eindrucksvolle Atmosphäre der Erdsee erinnern und das möchte etwas heißen-, auch sehr visuell, was gewiss nicht jedem Autor gelingt. Ihr Stil ist sehr, sehr konstant – deshalb wirken auch die Showdown-Szenen ähnlich gemächlich, wie das ganze Buch. Niemals hetzt sie durch ihre Erzählung, sie lässt sie sich immer entfalten. Ihre Metaphern wirken poetisch, nicht pathetisch oder überzogen. Sie wiederholt Formulierungen nicht so inflationär wie Hohlbein und Konsorten. Ihre Wortwahl ist immer treffend. Ihre Sprache ist recht schlicht, aber nicht anspruchslos – auch das ist nicht so einfach, wie es klingt. Genauso verhält es sich auch mit ihrer Symbolik: sie ist unprätentiös, unaufdringlich, aber sehr kraftvoll.
Soll ich das noch an Textstellen belegen, oder ist das nun präzise genug? Im Gegensatz zu dir habe ich das Buch auch nicht erst vor ein paar Tagen gelesen und mein Gedächtnis ist, das gebe ich offen zu, nicht das leistungsstärkste. Dafür habe ich auch zu viele Bücher gelesen, als dass ich mich in allen Einzelheiten an jedes davon erinnern könnte.
@Generation:
Gut, etwas schwammig und hastig von mir formuliert. Ich meinte damit weniger eine bestimmte Generation im Sinne von 80er, 90er, sondern die Generation der neuen Medien, die ständig mit Reizüberflutung zu tun hat. Ja, ich sollte das jetzt ausführen. Aber mir fehlt die Motivation und die Zeit.
@Überinterpretation: Öhhm. Nö, mach ich für gewöhnlich nicht. Vor allem ist dieser Vorwurf auch Schwachsinn, weil Interpretationen etwas rein persönliches, subjektives sind. Wenn ich plausibel begründen kann, dass ich in Kafkas „Verwandlung“ ein Geständnis seiner Homosexualität herauslese, warum darf ich das dann nicht so interpretieren? Weil du das anders siehst? Sorry, das leuchtet mir nicht ein.
Und ich bin nicht die einzige, die denkt, dass es in Erdsee viel zu interpretieren gibt. ;)
[...]Es handelt sich keineswegs um die Art von Fantasy, in der sich mächtige Magier ständig mit Feuerbällen bewerfen oder bärtige Krieger mit Schwertern durchbohren; der eigentliche Gegner der Menschen liegt hier in den Abgründen der eigenen Seele. Das Ziel der Charaktere ist nicht weltliche Macht, sondern allenfalls Selbsterkenntnis.
Selbst die vorhandenen weltlichen Gegner erscheinen hier eher als Spiegelungen psychologischer Konflikte, denen mit tumber Gewalt nicht beizukommen ist.[...]
Literaturschock (http://www.literaturschock.de/buecher/0553262505.htm)
„Wunderschöne, poetische Fantasy mit humanitärer Botschaft.“
[...]
Die Geschichte über die Magie der Erdsee und den Zauberer Ged beschäftigt sich mit ganz zentralen Fragen der Philosophie und des Humanismus.
[...]
Insgesamt hat die Autorin Ursula K. Le Guin mit „Erdsee“ aber zweifellos einen literarischen Hochgenuss für jeden Leser erschaffen, der sich für tiefgründigere Fantasy-Literatur mit philosophischem Hintergrund begeistern kann.
Phantastik-Couch (http://www.phantastik-couch.de/ursula-k-le-guin-erdsee.html)
[...]Obwohl sich das Buch mit andersweltlicher Magie befasst, besitzt es doch eine heitere, erhabene Einheitlichkeit: die übernatürlichen Einzelheiten werden logisch und mit viel ironischem Humor entwickelt. Das Buch fußt auf einem festen Fundament von anthropologischem und psychologischem Realismus.[...]
Buchwurm.info
Im englischsprachigen Raum gibt es natürlich noch mehr Reviews und Interpretationen (http://scholar.lib.vt.edu/ejournals/ALAN/spring96/griffin.html). Und auch in den meisten (modernen) phantastischen Abhandlung, die ich gelesen habe, wurde Erdsee immer thematisiert – und nie als schlechter Roman.
[Ironie ein]Aber das liegt vermutlich ja nur daran, dass du viel schlauer und gebildeter bist als Elyvrion und ich - und das sogar, ohne dabei arrogant zu sein. *chapeau* [Ironie aus]
Warum sachlich bleiben, wenn's auch persönlich und niveaulos geht?
Sorry, aber jetzt wird mir klar, warum du dich gegen Diskussionen ausgesprochen hast.
Ich weiß, dass ich mich in diesem Beitrag teilweise auf dasselbe Niveau herabgelassen habe, aber ich habe mich auch angegriffen gefühlt. Solche Diskussionen bin ich nicht gewöhnt, wenn es um Literatur geht, da kenne und erwarte ich normalerweise ein bisschen mehr Sachlich- und Höflichkeit, nicht Herablassung. Und während du mir unpräzise Ausdrucksweise anlastet, konnte ich deine Beiträge auch nicht als sonderlich fundiert betrachten.
Sei's drum. Ich bin übrigens auch kein LeGuin-Fangirlie, sie zählt nicht einmal zu meinen absoluten Lieblingsautoren. Aber schlecht, talentfrei - das ist sie einfach nicht. Und im Gegensatz zu Wolfgang Hohlbein, Terry Brooks oder Goodkind hat sie ihren Erfolg verdient.
Sollte ich übrigens arrogant geklungen haben, so laste ich das meinem Unvermögen in Sachen Ausdruck an, es lag nicht in meiner Absicht. Diese Entschuldigung könnt ihr -als Autoren, die ihr reifer und klüger seid- nicht benutzen. ;)
Theophagos
31.07.2008, 21:52
Laut einem Freund ist das vierte so eine Art "Unsere kleine Farm im Fantasy Style", hat das sonst noch jemand gelesen? Würde mich mal interessieren, was andere davon denken.
Ich hab's gelesen; ich habe die Bände 1-4 und ein paar Kurzgeschichten/Novellen gelesen.
"Unsere kleine Farm" trifft es so halb. Wenn ich mich recht entsinne, geht es da um den Alltag auf einer Pioniersfarm - scheiß-kalte Winter, wilde Tiere, Indianer, die ausdiskutieren, was sie mit den weißen Eindringlingen machen sollen etc. pp.
In "Tehanu" - also Erdsee4 - geht es primär um ein kleines Mädchen, dass von ihrem Vater vergewaltigt und zum Sterben ins Feuer gelegt wurde. Eine Dorfbewohnerin findet das Kind jedoch bevor es stirbt und bringt es zu Tenar. (Die Kindspriesterin aus dem 2. Teil hat sich auf der Insel Gont niedergelassen, einen Farmer geheiratet, Kinder bekommen & großgezogen, ihren Mann begraben und die Farm alleine geführt, nachdem die Kinder das Haus verlassen hatten.) Tenar rettet & adoptiert das Mädchen. Sie versucht ihr wieder Lebensfreude zu vermitteln. Das ist nicht so leicht: Erstens sind da die traumatischen Erfahrungen und dann sind da die Verstümmelungen - und die anderen Dörfler glauben, dass jemand, dem so etwas schlimmes angetan wird, es irgendwie auch verdient - sonst würden die Götter sowas ja nicht zulassen. Richtig schlimm wird es aber, als der Vater des Mädchens wieder auftaucht und es wieder terrorisieren will.
Es gibt noch Nebenstränge: Frauen ohne Männer haben nicht viel zu sagen, worunter Tenar leidet, Ged muss damit umgehen, dass er keine Magie mehr hat und die Identität des Mädchens birgt ein großes Geheimnis (m. E. der schwächste Aspekt der Geschichte).
Es gibt natürlich einige Szenen, die Ähnlichkeit mit Momenten aus "Unsere kleine Farm" aufweisen, aber im Kern sind die Geschichten deutlich von einander verschieden.
Achja: "Tehanu" hat mir von den Erdsee-Geschichten, die ich gelesen habe, am besten gefallen.
Nachtrag: Es ist sogar eines der besten Fantasy-Bücher, die mir untergekommen sind. Gregory Maguires "Wicked. Die Hexen von Oz" ist ähnlich & genauso gut.
Theophagos
Das ist doch die übliche Diskussion, die wir auch beim Herrn der Ringe haben: Die einen schätzen das Buch, wegen seiner Atmosphäre und der Beschreibungen, die anderen vermissen die Action und finden es nur sterbenslangweilig. Ich meine, jeder muss das für sich ausmachen. Bei Erdsee muss ich sagen, dass ein ein Problem mit der Geschichte habe: Sie bleibt mir einfach nicht im Kopf. Das erste Mal habe ich Trilogie so vor 20 Jahren gelesen. Als ich sie später nochmals las, war gar nichts mehr da, nur ein paar Erinnerungsfetzen und auch jetzt beginnt die Geschichte wieder zu verblassen. Irgendwie ist das schon komisch.
LeGuin hat übrigens auch noch viele SF Romane geschrieben, für die sie viele Preise bekam.
Die besten sind "Das Wort für Welt ist Wald", "Die Linke Hand der Dunkelheit" und - dies ist mein absoluter Favorit "Die Enteigneten".
Hier gibt es eine Haufen Rezis von ihr.
http://www.fictionfantasy.de/load.php?name=News&file=article&sid=2165
ExLibris
01.08.2008, 09:02
Ich verstehe ehrlich gesagt die ganze Aufregung nicht. Warin hat doch ausgeführt, warum und was ihm an dem Buch nicht gefallen hat. Eine Meinungsäußerung wie jede andere hier im Forum. Wenn ich ein Buch schlecht finde, finde ich meistens auch den Autor schlecht, da sind mir "irgendwelche Germanisten" oder Kriterien egal, solang ich meine Meinung begründen kann.
Die Arroganz kam ganz wo anders her. Das ist auch eine Art von Kritikfähigkeit - dass Bücher kritisiert werden, die man selber sehr mag.
Theophagos
01.08.2008, 11:50
Oft genug sagt eine Kritik mehr über die Fähigkeiten des Kritikers als über die Fähigkeiten des kritisierten Autors aus. Man muss halt lernen nicht mit jedem Kritiker zu diskutieren - wer das versucht, wird sich früher oder später tot ärgern.
BTW: Ist auf die Spitze getriebener Subjektivismus nicht der Gipfel der Arroganz?
Theophagos
Oft genug sagt eine Kritik mehr über die Fähigkeiten des Kritikers als über die Fähigkeiten des kritisierten Autors aus. Man muss halt lernen nicht mit jedem Kritiker zu diskutieren - wer das versucht, wird sich früher oder später tot ärgern.
BTW: Ist auf die Spitze getriebener Subjektivismus nicht der Gipfel der Arroganz?
Wer kritisiert die Kritiker? Oder so ähnlich... Das wäre doch ein schönes Thema fürs Off-Topic ;)
Und hier bitte weiter mit Kommentaren zu Erdsee.
KOSMOS77
15.09.2008, 10:23
Mir hat Erdsee nicht besonders gefallen.Was mir nicht gefallen hat kann ich gar nicht so genau sagen.Einfach alles nicht,der Schreibstil,die Geschichte ging ja noch etwas langatmig.Habe es auch abgebrochen nach einigen hundert Seiten weil es mir echt nicht gefallen hat.
Aber das ist auch geschmacksache.
Abendlied
16.09.2008, 16:26
Ich lese auch grade die Erdsee-Romane.
Bin jetzt beim 4. Buch "Tehanu".
Ist "Rückkehr nach Erdsee" der 5. und letzte Teil?
Ich dachte immer, dass "Das Vermächtnis von Erdsee" der 6. Teil wäre?
Naja, wie auch immer.
Ich bin auch nicht sonderlich begeistert von den Büchern und freue mich deswegen, dass ich schon bei Band 4 bin.
Da ich aber Teil 5. auch noch zu hause habe, werde ich es wohl auch lesen.
Die Geschichte fesselt mich einfach irgendwie nicht.
Unschön finde ich auch, dass die 4 Teile bis jetzt irgendwie gar nicht wirklich zusammengehören.
Alles sind Geschichten in sich, die für meinen persönlichen Geschmack auf zu wenigen Seiten erzählt werden.
Alleine ein paar Charaktere findent man in mehreren Büchern wieder.
Auch mag ich den Erzählstil nicht besonders, zu langweilig für meinen Geschmack.
Sternentänzerin
17.09.2008, 22:24
Hallo!
Es ist eine Weile her, dass ich Erdsee gelesen habe, aber damals habe ich es geliebt. Bzw., vielleicht sollte ich es präziser sagen: Ich habe die ersten drei Bände geliebt (Der Magier der Erdsee, Die Gräber von Atuan und Das ferne Ufer; diese habe ich in einem dicken Sammelband gehabt). Sie hängen durchaus noch zusammen, die Geschichte hat mir sehr gut gefallen, besonders war Ged tatsächlich mal ein Charakter, der mir gefallen hat, nicht so sehr ohne Fehl und Tadel, wie es oft der Fall ist, aber auch kein "Haudegen".
Der Schreibstil hat mir auch sehr gut gefallen, leider kann ich nicht mehr sonderlich differenziert sagen, was mich daran nun so gefesselt hat, aber ich habe diesen dicken Band wirklich sehr schnell und gerne gelesen. Besonders faszinierend fand ich hierbei die Beschreibung der einzelnen Kulturen und Gegenden mit ihren jeweils eigenen Sitten und Gebräuchen und auch die Art, wie Magie in diesen Büchern gewirkt wird, fand ich sehr angenehm (die Idee mit den "wahren Namen" gefällt mir weit besser, als einfach die Möglichkeit, mit irgendeinem lateinischen Wort Blumen aus der Luft herauf zu beschwören). Tatsächlich wirkt Magie in diesen Büchern noch irgendwie erhaben, nicht so alltäglich wie in manch anderen Büchern (wobei hier gesagt sei, dass ich ein sehr großer Harry Potter Fan bin ;) ).
Die Bände vier, fünf und sechs (Tehanu, Das Vermächtnis von Erdsee und Rückkehr nach Erdsee) haben mich dagegen total enttäuscht, tatsächlich habe ich die Rückkehr nach Erdsee zwischenzeitlich abgebrochen gehabt, bevor ich es doch noch gelesen habe. Sie hatten einfach nichts mehr mit den ersten drei Bänden zu tun und ihnen fehlte auch deren Zauber. Für mich bleibt der Erdsee-Zyklus also stets auf drei Bände begrenzt, die restlichen Bücher zähle ich tatsächlich einfach nicht dazu. Das, was ich aber unter "Erdsee" verstehe, zähliche ich zu meinen liebsten Büchern im Regal :)
Liebe Grüße,
eure Sternentänzerin
Lythande
18.01.2009, 12:32
Hallo,
da hab ich doch wieder mal einen sehr tollen Threade ausgegraben. So um Neuhar rum kam die Verfilmung von Erdsee - fragt mich jetzt nicht nach dem Regiseur oder so was - und ich war eigentlich begeistert. So ein schöner Film! Da kann man richtig träumen und die Handlung gefällt mir. Ich werde demnächst einen Sturmangriff auf die Stadtbibliothek machen und auch das Buch bzw. die Bücher lesen.
Magie wird tatsächlich in den meisten Fantasybüchern so erklärt, dass jemand ein Wort murmelt, einen Stab besitzt und die Sache ist passiert. Die Idee mit den wahren Namen findet sich jedoch nicht nur in Erdsee, sondrn jetzt auch bei Eragon.
Das mit der Zaubererschule finde ich immer sowas von schön, da ich mir selbst immer vorstelle *tagträum*, so eine Schule zu besuchen. Da habe ich jedoch nicht Hogwarts im Sinn, sondern eine richtige Ordensschule, in der man wirkliches Wissen über Pflanzen, Philosophie etc. lernt.
Naja, ich glaube, ich habe wieder was gefunden, in das ich versumpfen kann.
Lythande
Ich hab jetzt mal die animeverfilmung auch noch angeschaut, und muss sagen dass das buch im vergleich zum film für mich viel besser abschneidet. Mehr spannung, mehr erklärung und mehr beschreibungen sowie bessere charakterisierungen lassen einen ziemlich drastischen Qualitätsunterschied erscheinen, meiner meinung nach.
Gruss Boomi
Ich habe vor gut einem Jahr den ersten Band vom Erdsee-Zyklus gelesen und dieser hat mir so gut gefallen, dass er mit Sicherheit auch nicht mein Letzter bleiben wird. Ich bin, was Bücher betrifft, sehr kritisch und mir gefallen weitaus mehr Bücher nicht, die ich gelesen habe. Auf "Der Magier der Erdsee" trifft das nicht zu. Ich mag dieses Buch total. Die Geschichte fand ich, im Gegensatz zu wohl vielen hier, ganz und gar nicht langatmig, sondern sehr fesselnd, aber das ist eben Geschmackssache. Die Verfilmung im TV habe ich leider erst genau dann in der Fernsehzeitung entdeckt, als sie schon vorbei war und habe mich schon ein wenig geärgert. Naja, wird ja wahrscheinlich nochmal irgendwann gezeigt werden. Ich überlege stark mir von dieser Reihe auch noch die nachfolgenden Bände zu besorgern, und so wie das hier rüberkommt, ist das, zumindest bis Band 3, ja auch kein allzu schlechter Gedanke ;) :)
DesFrenz
24.02.2009, 00:14
Hatte von irgendwoher diesen Sammelband mit Teil 1 bis 4 bekommen und das ganze dann in einem Zug weggelesen. Ich fand die Geschichte einfach nur wirklich, wirklich schön und unaufdringlich erzählt. Könnte auch daran liegen, dass ich es nicht so mit Action und großen SpecialFX mag : ) Zugegeben an manchen stellen fand ich die Handlung dann doch an den falschen Stellen in die länge gezogen, aber als Gesamtheit empfand ich es als ein sehr schönes, unaufgeblasenes Stück Lesestoff.
Ich kann mch noch daran erinnern, dass ich am Ende seltsamerweise unheimlich traurig war, dass es nun zu Ende war...Ich habe dann angefangen, das Buch nochmal von forne zu lesen und das tue ich eigentlich nie!
Seit einiger Zeit liegt hier im Haus auch "Rückkehr nach Erdsee" herum, ich kann mich aber nicht dazu bringen, es anzufangen, weil ... hm... ich das ganze damals als runde Sache empfand und mich nicht so recht mit einer nachträglichen Wiederbelebung anfreunden kann... vielleicht irgendwann mal : )
SargAsmus
27.06.2009, 18:33
nun, nachdem ich jetzt 5/6 bänden der erdsee-reihe gelesen habe, möchte ich in diesem thread also auch einmal etwas dazu schreiben.
LeGuin erzählt gleichzeitig mit großer Kraft und noch größerer, beständiger Ruhe. Selbst die eigentlich actionreichen Szenen "plätschern" ruhig dahin (...)
diesen eindruck hatte ich auch. die reihe liest sich ruhig runter, und manchmal merkt man als leser erst ein paar seiten später, wie entscheidend für den roman eine bestimmte "szene" gewesen ist.
mir persönlich waren allerdings einige stellen etwas zu lang gezogen. einige stellen habe ich zunächst auch gar nicht wirklich einordnen können, es war wichtig, den zyklus vollständig zu lesen, denn LeGuin verliert den roten faden nie und kommt stets auf ereignisse voriger romane zurück, deren bedeutung sich zT erst im nächsten oder übernächsten band erschließt. das ist einerseits gut, da einen komplexen zyklus zu lesen eine tolle sache ist; manchmal nervt es jedoch auch, wenn eine bestimmte situation in ihrer bedeutung nicht wenigstens ansatzweise erläutert wird. ein beispiel:
die geschichte des rings von erreth-akbe, die eine wichtige rolle im band 2 "gräber von atuan" spielt, wird eigentlich erst wiklich in band 4 "thehanu" genauer erläutert
Gerade Erdsee ist so ein Buch, über dessen Intentionen und Metaphorik/Symbolik man viel nachdenken kann, wenn man älter ist, das in jüngeren Jahren aber schlichtweg unterhält. Das Gleichgewicht der Dinge, das Nicht-Handeln, die menschliche Natur werden thematisiert.
was mich trotz einiger schwächen bewogen hat, den zyklus weiterzulesen, und weshalb ich demnächst den band 6 "rückkehr nach erdsee" ebenfalls lesen werde, ist eben der von Liathano angesprochene, letztendlich auch philosophische ansatz des gleichgewichts der dinge und des prinzips des Nicht-Handelns. die menschen in erdsee haben ein verständnis dafür entwickelt, wie die unterschiedlichen kräfte ihrer welt zusammenhängen und zusammenwirken. insbesondere gut ausgebildeten magiern ist bewusst, dass ihre handlungen (weitreichende) konsequenzen haben können. daraus resultiert ein weltbild, welches eine grundsätzliche achtung vor der natur und "den dingen" beinhaltet, über die nachzudenken sich zumindest einmal lohnt. eine information über den philosophischen grundgedanken, den LeGuin verarbeitet hat, findet ihr hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Wu_wei
Ist "Rückkehr nach Erdsee" der 5. und letzte Teil?
1 Der Magier der Erdsee = A Wizard of Earthsea (1968)
2 Die Gräber von Atuan = The Tombs of Atuan (1970)
3 Das ferne Ufer = The Farthest Shore
4 Tehanu = Tehanu: The Last Book of Earthsea (1990)
5 Das Vermächtnis von Erdsee = Tales from Earthsea (2001)
6 Rückkehr nach Erdsee = The Other Wind (2001)
Unschön finde ich auch, dass die 4 Teile bis jetzt irgendwie gar nicht wirklich zusammengehören
die teile gehören sehr wohl zusammen. es stimmt, dass sie nicht eine zusammenhängend erzählte geschichte sind, aber jeder roman ist ein puzzelstück mehr der gesamten welt, und insgesamt ergibt sich am ende ein sehr detailiertes bild. LeGuin hat, so klingt es zumindest im 5. band an, die werke auch eher als eine chronik verstanden: unterschiedliche, einzelne quellen, die nur zusammen rückschlüsse über erdsee zulassen, einzeln aber nur einen bruchteil erklären. der band 5 besteht übrigens ebenfalls nicht aus einer zusammenhängenden geschichte, sondern aus sechs verschiedenen, zeitlich unabhängigen "quellen".
Ich hab jetzt mal die animeverfilmung auch noch angeschaut, und muss sagen dass das buch im vergleich zum film für mich viel besser abschneidet. Mehr spannung, mehr erklärung und mehr beschreibungen sowie bessere charakterisierungen lassen einen ziemlich drastischen Qualitätsunterschied erscheinen, meiner meinung nach
ich stimme dir zu, die bücher sind besser, obwohl ich den film auch nicht schlecht fand. ich habe ihn mehrmals gerne gesehen. an die komplexität und tiefe, welche sich bei dem zyklus in seiner gesamtheit ergibt, kommt der film aber bei weitem nicht heran. wer action will, ist bei erdsee auf jeden fall falsch.
mein FAZIT: der erdsee-zyklus von LeGuin ist sehr lesenswert, insbesondere, wenn man zeit mitbringt, ihren beschreibungen und auch philosophischen grundgedanken zu folgen. der leser braucht hierfür jedoch schon ein wenig geduld und muss sich auch über die eine oder andere langgezogene stelle quählen. wer drama, action und ruhmreiche schlachten oder glänzende helden liebt, sollte von dem zyklus eher abstand nehmen. es gibt kein happy end, keine wirklich guten oder bösen, kein tragisches ende; aber es gibt eine ganze menge zu entdecken...
SargAsmus
04.07.2009, 21:11
wie in meinem letzten beitrag angekündigt, habe ich nun also auch den sechsten und letzten teil der erdsee-saga "rückkehr nach erdsee" gelesen. mMn war dieses buch mit das beste der gesamten reihe! viele dinge, die ursula LeGuin bisher in den vorigen bänden zwar erzählt, aber die wahre bedeutung nicht erklärt hat, haben sich in diesem band aufgelöst. diesmal ist das buch, im gegensatz zum vorigen band, wieder eine zusammenhängende geschichte, in der sich alles zusammenfügt, was vorher in teilen berichtet worden war. die geschichte ist stimmig und spannend. sprachlich ist LeGuin bei ihrem stil geblieben. auf jeden fall ist das buch ein MUSS für alle, die vorige bände gelesen haben, weil es für das verständnis des gesamten bildes, das LeGuin von erdsee zeichnet, von herausragender bedeutung ist.
Bislang habe ich nur den ersten Band "Der Magier der Erdsee" gelesen und ich fand ihn einfach wunderschön. Ich kann mich Liathano voll und ganz anschließen. Ich habe den ruhigen Erzählstil von der ersten bis zur letzten Seite genossen, da ich absolut kein Fan von großartigem Schlachtengetöse bin oder von Helden, die es (locker!) allein mit vier bis siebzehn Gegnern aufnehmen und jeden Schwerthieb noch mit einem kernigen Spruch kommentieren *eyesroll*
Der Erzählstil hat mich richtig hingerissen - "leise", tiefgründig, fast schon poetisch, dabei aber spannend und mitreißend.
Die Hauptfigur - nun, Ged macht es einem nicht leicht, ihn zu mögen, und trotzdem "bleibt man bei ihm".
"Der Magier der Erdsee" gehört im Fantasy-Genre ganz klar zu meinen persönlichen "alltime favourites". *ja* (Und ich freue mich, dass ich noch einige weitere Bände vor mir habe!)
PS. Und ja - die Magierschule erinnert schon an Hogwarts... ;) (bzw. umgekehrt...)
hbaerchen
20.09.2009, 12:32
Hi,
ich bin im moment aktiv auf der Suche nach Fantasy Büchern.
Dabei bin ich auf Erdsee gestossen.
Ich liebe gebundene Bücher und ich habe den ersten Teil als tolles gebundenes Buch gefunden:
Erdsee (Gebundene Ausgabe)
Jetzt meine Frage: Gibt es auch die anderen Teile in dieser Form?
Ich wurde leider nicht fündig. Bei Amazon scheint es nur dieses Buch so zu geben. Bei den anderen bin ich mir nicht sicher. Auch über die Verlagssuche wurde ich nicht fündig
Lieben Gruss
baerchen
@hbaerchen: Ich habe deinen deinen Beitrag hierher verschoben. In diesem Thread wirst du wohl fündig werden, :)
Jesterschwester
20.09.2009, 16:14
Es ist schon sooo lange her, dass ich die Erdsee-Bücher das erste Mal las, aber ich finde sie immer noch genauso gut.
Schön finde ich, dass man sie "stückweise" lesen kann, da die einzelnen Bücher nicht so besonders umfangreich sind, das erleichtert es einem schon manchmal.Ich denke, jeder hier kennt dieses Gefühl "Ich WÜRDE es weglegen, wenn es nicht gerade so spannend wäre..." ;)
Gut auch, dass Ged mal nicht der typische Held ist. In Fantasy stößt man zu oft auf ah-so-rechschaffene, tolle, kluge und natürlich gutaussehende Helden, da ist Ged mal eine willkommene Abwechslung mit seinem doch recht hochmütigen, manchmal arroganten Auftreten.
Außerdem glaube ich, dass gerade dann, wenn man die Nase voll hat von den modernen Fantasy-Klischees, von Baumknutscher-Elfen und epischen Schlachtszenen, da die Autorin alles ruhig angehen lässt und man im Kopf nicht durcheinander kommt, wer gerade wo womit gegen wen kämpft etc und man genügend Zeit hat, quasi "mit Ged zu denken".
Denn in moderner Fantasy ist es ja oft der Fall, dass man vor möchtegernspannenden Kampfszenen die Charaktere kaum noch sieht, kaum Raum für deren Entwicklung bleibt und allgemein ein großer Teil des Buches auf Action beruht.
Wenn man also mal etwas anderes lesen will, halte ich das Buch für geeignet, wer ruhige Fantasy nicht mag, wird es eher langweilig finden.
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