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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dirk Bernemann - Ich hab die Unschuld kotzen sehen


Akissi
21.01.2008, 15:10
Da ich innerhalb des nächsten Monats ohnehin eine Buchvorstellung über die beiden Bücher mit diesem Titel halten muss, dachte ich, da kann man auch mal einen Thread dazu aufmachen^^
Für die, die die Bücher nicht kennen:

"Guten Tag, die Welt liegt in Trümmern. Ich sammle sie auf. Errichte daraus neue Gebäude. Konstruiere neue Städte. Kann man wohnen drin. Oder weiträumig umfahren." So begrüßt einen dieses Stück Literatur, bevor es einen hinabreißt in die Abgründe einer Welt, die in uns etwas zum Klingen bringt, denn sie ist uns sehr vertraut. Es ist unsere Welt! Wenn man Bernemanns Buch liest, kommt es einem vor, als hätte man uns endlich die rosa Brille abgenommen, ja vom Kopf geprügelt. In einer poetischen Klarheit zelebriert er ein Massaker des Lebens, das fasziniert, um gleichzeitig abzustoßen.

Das Leben ist Krieg. Der Krieg hat uns alle leer gemenscht, kaputtgeKRIEGt.
Das Leben ist kein Krieg, sondern Sehnsucht, irgendwas zwischen Verachtung und Liebe!
Das Leben ist Krebs, er zieht Metastasenstraßen durch meinen Leib.
Das Leben ist Konzentrationsamok, ein Garten rot blühender Neurosen.
Und ich bin der Menschenkarton mit chemischem Inhalt.
All das geschrien, während Genitalien sich duellieren ...

Dirk Bernemanns zweites Werk, die Welt so zu erklären, wie sie wirklich ist. Wieder hat er das literarische Skalpell zur Hand genommen, seine Schnitte gehen tief, treffen zielsicher unseren Verstand und unser Bauchgefühl. Wir fühlen uns ertappt, betrogen und verletzt.
Und doch, unter all dem, was wir Leben nennen, ist auch Hoffnung ...
oder ist das nur Verfall de Luxe?

Das Leben hat sich in den Augen Bernemanns nicht groß verändert, deshalb blieb der Titel des Buches gleich. Auch wenn es sich um andere Geschichten, andere Schauplätze und andere Charaktere handelt, fühlt man sich wieder beobachtet, von der Unschuld ...

Man muss den ersten Teil nicht gelesen haben, um den zweiten Teil zu verstehen ...

Hat das irgendwer hier gelesen? Ich fände es nämlich interessant, einige Meinungen dazu zu hören^^
Mich hat das Buch bzw. die Bücher in gewisser Weise fasziniert. Man kriegt einige (mehr oder weniger) fiktive Einzelschicksale hingeklatscht, die man zuerst vielleicht als unrealistisch/Ausnahmefälle abtun würde, realisiert aber beim Lesen, dass es solche Menschen tatsächlich gibt/zumindest geben könnte. So ging es zumindest mir. Und dieses Bewusstsein kann schon einen ganz schönen Kloß im Hals hervorrufen *oi*
Außerdem fand ich sehr interessant, wie die einzelnen Kurzgeschichten durch mal mehr, mal minder bedeutende Ereignisse miteinander verknüpft sind.

Ich kann mir gut vorstellen, dass der Stil der Bücher sehr polarisierend ist - die, die sie gelesen haben, wissen wahrscheinlich, was ich meine (ist etwas schwer zu beschreiben^^"). Genau deswegen bin ich gespannt, was andere Leser - sofern sie denn hier vorhanden sind - sich so dazu denken^^

Rusch
21.01.2008, 15:27
Mein Eindruck nach den Amazon Rezis:

Populistisch und einfach zu teuer: 9,25 Euro für 116 Seiten??? *nein*

Ollowain
25.01.2008, 19:48
Ich hab die Beiden auch gelesen. Und ich muss sagen, ich war gefesselt. Einmal, weil der Stil ähm... erfrischend anders war, und zweitens, weil ich die Verknüpfungen der Geschichten untereinander überaus interessant fand - wie die Geschichten untereinander auch.

Scylla
25.01.2008, 20:42
Finde die Buch-Cover OO echt mal was anderes:D

Kepheus
03.02.2008, 00:25
Bei dem Buch gibt es bei Amazon diese "Search Inside"-Funktion, sodass ich das (zweifelhafte) Vergnügen hatte, die erste Kurzgeschichte des ersten Buches umsonst lesen zu können.
Offen gestanden war ich schockiert. Ich halte mich eigentlich nicht für zart besaitet, doch bei der Geschichte lief es mir kalt über den Rücken. Gut, das Buch will also einen Eindruck vermitteln in die Gedanken eines von der "normalen" Gesellschaft Ausgestoßenen, wie ich ihn mal nennen will. Meiner Meinung nach bleiben die wahren Beweggründe (falls es welche gibt) für die Handlungen dieses verabscheuungswürdigen Individuums aber im Dunkeln. Auch ansatzweise Interessante Gedankengänge werden nur angerissen, das heißt, wenn es mal interessant zu werden droht, arbeitet der Autor es nicht weiter aus. Teilweise hat man das Gefühl, der Autor schreibe einfach, was ihm gerade in den Sinn kommt.
Klar, der Autor will zeigen, dass es da draußen auch mehr gibt, als die Bourgeoisie des Normalbürgers, aber wenn wirklich sowas da draußen vorgeht, dann behalte ich meine rosarote Brille lieber auf, besten Dank.
Zudem ist dieses Thema meines Erachtens ziemlich ausgelutscht, aber das nur so am Rande.
Ich muss betonen, dass sich das oben Geschriebene nur auf die erste Kurzgeschichte des Buches bezieht und ich mir daher natürlich kein Bild vom gesamten Buch machen konnte. Auf der Basis des Dargebotenen würde ich mir das Buch aber auf keinen Fall kaufen.

Ollowain
03.02.2008, 15:26
Auf der Basis des dargebotenen würde ich mir das Buch aber auf keinen Fall kaufen.
Ich auch nicht >.> Die erste Geschichte im ersten Buch ist wenn man mich fragt die heftigste und blödeste. Ich mag die Bücher, aber die Geschichte ist wirklich nur abartig.*vogel* Wenn man davon absieht, dass sie der "Einstieg" ist, hat sie meiner Meinung nach keine weitere (sinnvolle) Funktion.

Akissi
03.02.2008, 15:56
Nein... die stellt tatsächlich nur etwas dar wie "Es gibt Psychopaten da draußen - und jetzt zu den anderen Geschichten", auch wenn da einige ganz schön verrückte dabei sind.

Jetzt mal diese Geschichte außenvorgelassen, die sogar mich wirklich geschockt hat, finde ich genau DAS so anziehend an den Büchern. Dass man sich einfach nur noch scheiße vom Lesen fühlt, weil man sich das irgendwie vor Augen führen muss. Und zwar nicht oder zumindest nicht nur, weil drastische Beschreibungen oder Worte drin vorkommen sondern von der Überlegung, dass das gar nict so unwahrscheinlich ist oder dass man vielleicht sogar schon mal jemanden gesehen hat, auf den das zutraf, ohne das genau zu merken.