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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Andreas Eschbach - Der letzte seiner Art


Kepheus
31.03.2008, 19:39
In einem kleinen irischen Fischerdorf lebt ein Mann, der ein Geheimnis hütet. Nein, mehr als das, er ist das Geheimnis. Sie hatten ihm übermenschliche Kräfte versprochen. Stattdessen wurde er zum Invaliden. Er hatte gehofft, ein Held zu werden. Stattdessen muss er sich vor aller Welt verbergen. Denn Duane Fitzgerald ist das Ergebnis eines geheimen militärischen Experiments, eines Versuchs, der auf tragische Weise fehlgeschlagen ist. Für seinen Opfermut erhielt er die Freiheit, den Rest seines Lebens dort zu verbringen, wo er es sich wünschte. Im Gegenzug musste er sich verpflichten zu schweigen Doch es gibt da jemanden, der sein Geheimnis kennt - und er ist ihm bereits auf der Spur.


Das Buch wird vom Protagonisten Duane Fitzgerald, einem Cyborg, aus der Ich-Perspektive erzählt. Es ist meiner Meinung nach ein solides Buch, wenn auch nicht eines der besten Eschbach-Bücher.

Wer die Grundidee hinter dem Buch, nämlich das Thema "Cyborg", interessant findet, der kann bedenkenlos zugreifen, denn es wird sehr ausführlich behandelt, inklusive Beweggründe, Schicksal und technischer Details, die sich natürlich auf Eschbachs Interpretation eines Cyborgs beziehen. Die Gefühle und Gedanken des Protagonisten sind klar herausgearbeitet, was durch die Ich-Perspektive ja kein Problem ist.

Der Leser hat also einen guten Einblick in die Gefühlswelt des Protagonisten, es wird beschrieben, was Duane dazu bewegt hat, sich für das Militärprogramm zur Erschaffung von Cyborgs zur Verfügung zu stellen, wenn auch meiner Meinung nach etwas unbefriedigend, soll heißen, für meinen Geschmack ist die dargebotene Erklärung bzw. sind die dargebotenen Beweggründe für solch tiefgehende Veränderungen schlichtweg zu einfach gehalten. Die technischen und politischen Hintergründe bzw. Erläuterungen sind hingegen gut gelungen, ebenso die möglichen Probleme eines "Cyborg-Daseins".

Der Haupterzählstrang wird immer wieder durch Erinnerungen an die Vergangenheit des Protagonisten unterbrochen, eine durchaus sinnvolle Methode, der Leser erhält also zu den "aktuellen" Ereignissen einen Einblick in die Entwicklung, die zu diesen führt.

Außerdem werden die Kapitel jeweils mit Zitaten des römischen Philosophen Lucius Annaeus Seneca (http://de.wikipedia.org/wiki/Seneca) eingeleitet. Dessen Überlegungen sind zwar interessant, jedoch hatte ich den Eindruck, dass dieses Element ein wenig zwanghaft in den Roman eingegliedert wurde, zwar geben die Zitate dem Protagonisten Anlass, sein Leben zu reflektieren, sind also immer gewissermaßen der Auslöser für die bereits angesprochenen Überlegungen, die dieser anstellt, jedoch erschließt sich mir nicht ganz, warum der Autor ausgerechnet Seneca dafür wählt, die Zitate wirken also teilweise etwas wahllos. Trotzdem ist die Idee, ein Zitat eines Philosophen quasi als Aufhänger für Überlegungen eines Protagonisten zu benutzen, durchaus eine interessante Komponente im Roman.

Im Roman wird weitestgehend auf Actionszenen verzichtet, die gesamte Handlung läuft eher ruhig und konstant ab, was aber nicht bedeutet, dass er langweilig wäre, im Gegenteil.
Das Buch liest sich flüssig und angenehm, der Stil ist der Eschbach typische, also teils ernst, teils durch feine Ironie aufgelockert.

Da das Buch ungefähr zur jetzigen Zeit auf unserem Planeten spielt, handelt es sich nicht um einen klassischen Science-Fiction-Roman, es ist eher ein Thriller mit Science-Fiction-Elementen.

Rotkätzchen
31.03.2008, 20:14
Hab das Buch vor 2 oder 3 Jahren gelesen und kann mich deiner Begutachtung weitgehend anschließen. Am Anfang hatte ich leichte Einstiegsprobleme, irgendwie fehlte mir das wirkliche Intersse an diesem Exil-Amerikaner, doch mit seinen steten Besuchen am Postamt, der Korrespondenz mit einem seiner Exil-Kollegen und einigen Ungereimtheiten änderte sich das. Action-Szenen gibt es eigentlich gar keine( bis auf 1 oder 2 Verfolgungsjagden), sind aber auch nicht nötig, da Eschbach es hervorragend versteht, innere Spannung aufzubauen, ohne dass Autos explodieren oder Maschinenpistolen umher feuern.
Grandios fand ich dann die Auflösung am Schluss. Da kristallisiert sich ja dann heraus, dass all das, was der Leser gelesen hat nicht wirklich Duanes Worte sind, sondern das Protokoll seiner Lebensgeschichte, aufgenommen in den letzten Minuten, bevor man ihn auf das Schiff gebracht hatte.

Tolles Buch.

Hathor
31.03.2008, 20:21
Ich fand die Thematik des Buches sehr faszinierend. Vielleicht habe ich deshlab einige Passagen als unnötige Längen empfunden, weil ich unbedingt wissen wollte, wie die Handlung weitergeht und endet.

Uns allen ist nur zu wünschen, dass dieses Buch niemals oder erst in ganz ganz ferner Zukunft Realität wird.
Der Schluss der Buches ist wirklich gänsehauterzeugend.

Belle Morte
31.03.2008, 21:17
Ich finde die Idee klasse, einfach mal den 6 Mio $ Mann zu nehmen, und das weiterzuspinnen quasi unter einem etwas "realistischeren" Gesichtspunkt als man es von Hollywood und Co kennt.

Rusch
02.04.2008, 12:34
Dies ist in meinen Augen einer der schwächeren Eschbach Roman. Warum? Nun, die Geschichte ist eigentlich ein Action Thriller Plot und die Sache mit der Modifikation ist alles andere als neu. Der 6 Millionen Dollar Mann wurde ja schon erwähnt, aber auch in unzähligen Büchern wurde das Thema (oft auch besser) thematisiert.
Amüsiert hatte ich mich über den Lapsus, dass Eschbach schreibt, dass sein Held in Irland überall vierblättrige Kleeblätter sah, dabei ist das Kleeblatt in Irland das Symbol für die Dreifaltigkeit des christlichen Glaubens. Kurioser Weise hatte ich das Buch gerade gelesen, als ich Urlaub auf Irland machte.

Nina
21.01.2009, 18:53
Mir hat der Roman gut gefallen. Ich fand vor allem die Einblicke sozusagen in die "Seele" des Protagonisten recht berührend. Und langweilig war es auch nicht, was für mich (fast) das Wichtigste bei meinem Lesestoff ist.